„Flat-Out Love“: Jeff Bezos promotet Self-Publishing-Autorin auf der Amazon-Startseite

Eine bessere Promotion kann man sich kaum vorstellen: zwei Tage lang warb Amazon.com diese Woche auf der Startseite für „Flat-Out Love“, das neueste Buch von Self-Publishing-Autorin Jessica Park. Anstelle der normalen Seitenansicht prangte auf der weltweit wohl meistbesuchten Shopping-Adresse ein „persönlicher“ Brief von Jeff Bezos. Dem Amazon-Chef war offenbar ein Blog-Artikel der Schriftstellerin aufgefallen – Titel: „Wie Amazon mein Leben gerettet hat“. In dem via IndieReader & HuffPo veröffentlichten Mini-Essay schreibt Park über den steinigen Weg zum Erfolg. Wobei die meisten Steine von klassischen Verlagen stammten, die ihre Manuskripte abgelehnt hatten. „Bin ich bei manchen dieser Ablehnungen in Tränen ausgebrochen? Ja. Habe ich mich ungerecht behandelt gefühlt, unbegabt, verletzt? Ja. Habe ich an meiner Fähigkeit gezweifelt, eine Geschichte zu schreiben, in die sich meine Leser verlieben können? Darauf könnt ihr wetten“, so zitiert Bezos in seinem Kundenbrief die Erfahrungen der Self-Publishing-Autorin.

„Wer schreibt, sucht vor allem Kontakt mit den Lesern“

„Es ist eine herzerfrischende Geschichte“, resümiert Bezos, „und sie zeigt auf besondere Weise, was KDP möglich macht“. Tatsächlich schaffte Park nämlich den Durchbruch als Autorin erst über das Kindle Direkt Publishing-Programm. Abgesehen von der Kindle-Version ist „Flat-Out Love“ über Amazons Print-On-Demand-Schiene Create Space auch als Papierversion zu haben. Interessanterweise schreibt Park in ihrem IndieReader-Blogpost, sie würde sich erst jetzt als wirkliche Schriftstellerin fühlen: „Einer der Hauptgründe, warum ich schreibe, ist der Kontakt mit den Lesern, nicht der Kontakt mit Verlagen. In Wahrheit ist es mir ziemlich egal, was irgendwelche New Yorker Verleger oder Lektoren denken“. Ähnlich würde es letztlich auch den Lesern gehen: „Sie lesen um des Inhalts willen, nicht weil auf dem Cover das Emblem eines großen Verlages klebt.“

Ausbruch aus publizistischem „Stockholm-Syndrom“

Bevor Park zum Self-Publishing-Star werden konnte, musste sie also erst einmal den Glauben an das bisherige Literatursystem verlieren. Nicht umsonst hätten manche das Verhältnis von Autoren und Verlagen als publizistische Variante des „Stockholm-Syndroms“ bezeichnet: „Monatelang hatte ich gedacht, ich brauche einen großen Verleger, um berechtigterweise den Titel einer Schriftstellerin führen zu können. Ich dachte, ohne die Verlage könnten meine Bücher nicht in den Vertrieb gelangen, und die Leser würden ohne die Unterstützung der Verlage mein Buch nicht akzeptieren.“ Zugleich sei sie damit wohl der Überzeugung gewesen, man müsse sich als Autorin über den Tisch ziehen lassen, schlechte Bezahlung akzeptieren und zudem die Festlegung von „idiotisch“ kalkulierten Buchpreisen und Covern: „Ich war offenbar von Sinnen.“

Im Kindle-Store ist jeder 5. Bestseller ein Indie-Titel

Kein Wunder also, dass Amazon (zusammen mit anderen an Parks Erfolg beteiligte Self-Publishing-Portalen) in diesem Fall ein Autoren-Leben gerettet hat. „Sagt was ihr wollt über dieses Unternehmen, aber es ermöglicht mir, weiterzuschreiben.“ Inzwischen erhält die gut verdiendende Autorin von „Flat-Out Love“ zwar auch Angebote von Verlagen. Doch vergleichbare Tantiemen wie Amazon können die natürlich nicht bieten. Ähnlich dürfte es auch vielen anderen Independent-Autoren gehen. Tatsächlich stammt mittlerweile schon jeder fünfte Bestseller im den Top 100 des US-Kindle-Stores aus dem Kindle-Direkt-Publishing-Programm. Obwohl es dort zahlreiche Promotion-Möglichkeiten gibt, von Sonderangeboten bis zum Gratis-Marketing, bleibt natürlich die persönliche Empfehlung durch Jeff Bezos die absolute Ausnahme. Ob es auch mal ein deutscher Autor bei Amazon.de auf die Titelseite schafft?

Abb.: Screenshot

Kindle Indie Books: Amazon eröffnet E-Store für unabhängige Autoren

Amazons Direkt-Publishing-Programm bekommt ein exklusives neues Frontend: unter der Rubrik „Kindle Indie Books“ versammelt der Online-Buchhändler nun interessante Neuerscheinungen unabhängiger Autoren. Mit dabei sind prominente Self-Publisher wie Amanda Hocking und John Locke (seit kurzem Mitglied im vornehmen Klub der Kindle-Auflagen-Millionäre), aber auch viele unbekannte Namen. Sieben Genres sind vertreten, darunter „Mystery & Thrillers“, „Science-Fiction“ sowie „Romance“.

Zum Start gibt’s bereits 175 Kindle Indies

Auf der Startseite werden zudem ausgewählte Autoren besonders angefeaturet. Ein weiterer Link führt dann auf die von Amazon zwecks Selbst-Promotion eingeführten Autorenseiten. Neben prominenteren Namen stellt Amazon auf der Startseite der Kindle Indies auch eine Newcomerin wie Nancy C. Johnson vor, die zwar nur einen Bestseller-Rank von 300.000 plus aufweisen kann, dafür aber schon knapp 100 positive Rezensionen bekommen hat. Die Auswahl der Kindle-Indies ist insgesamt schon relativ groß: Jedes der sieben Genres umfasst 25 Titel, insgesamt gibt es also zur Zeit 175 Independent-E-Books. Was sofort auffällt: die Preise sind durch die Umgehung klassischer Verlage deutlich niedriger, die Covergestaltung wirkt allerdings auch deutlich einfacher.

Automatisiertes Auswahlverfahren

Bewerben kann man sich für das Kindle Indie-Programm bisher nicht, die Auswahl wird laut den FAQs im Kindle Direkt Publishing-Programm auf Grund einer Kombination von Bewertungsalgorithmen und verlegerischen Entscheidungen getroffen. Eins ist auf jeden Fall klar: „The likelihood of appearing within the Kindle Indie Bookstore is higher for highly rated, popular and top selling books“. Auch wenn man solch einen Status erst mal erreichen muss – für viele unabhängige Autoren dürfte die Independent-Rubrik eine zusätzliche Motivation sein, ihre E-Books via Amazon zu veröffentlichen. Wer auf deutsch veröffentlicht, darf sich allerdings noch etwas gedulden, denn bisher gibt es den Indie-Store nur auf der US-Seite. Doch mittelfristig wird Amazon sicherlich auch im Leseland noch stärker vom reinen Online-Buchhändler zum Verlag mutieren.
(via The Digital Reader)