Narratives Crowdsourcing: „Active fiction“ macht Kindle-Books hyperaktiv

Erinnert sich noch jemand an die Spielebücher der Achtziger Jahre? Mit Titeln wie „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“ oder „Die Zitadelle des Zauberers“ lösten die Rollenspiel-Erfinder Ian Livingstone und Steve Jackson damals einen regelrechten Hype aus: auch in Deutschland wurde mit diesen Textadventures in Buchform wild hin- und her geblättert, gewürfelt und Stärkepunkte ausgerechnet. Das US-Startup Coliloquy bringt dieses Prinzip nun unter dem Label „Active Fiction“ auf den Kindle-Reader. In den Romanserien mit Gothic-, Fantasy- und Herzschmerz-Themen müssen die Leserinnen und Leser immer wieder Entscheidungen treffen, die den Fortgang der Geschichte beeinflussen. Welchen Weg soll der Held gehen, mit wem soll er sich verabreden, wie soll er auf eine Herausforderung reagieren?

Emanzipation vom klassischen E-Book

Coliloquy hat sich sehr deutlich die Emanzipation des E-Books vom bloßen Abbild gedruckter Bücher auf die Fahnen geschrieben: „Wir glauben, dass digitale Fiktion die bisherigen Grenzen von Erzählungen und Story-Telling durchstoßen kann. Alle unsere E-Books werden als aktive Kindle-Apps veröffentlicht, nicht als statische Dokumente. Sie erlauben unseren Autoren neue Welten zu erschaffen durch episodisches Story-Telling und Aktivierungstechniken, wie etwa das Treffen von Entscheidungen, verzweigte Erzählweisen, Loops und personalisierte Inhalte“. Die speziell auf ein jugendliches Lesepublikum zugeschnittenen Serien haben einen von TV-Serien bekannten „Myth-Arc“, also einen thematischen (Spannungs-)Bogen, der unabhängig von den Erzählalternativen einer einzelnen Folge funktioniert.

Narratives Fluidum: mehr als 500 Verzweigungen

Der Stand-Alone-Roman Fluid treibt die Leser-Aktivierung sogar auf die Spitze – die um zwei archetypische Teenager namens Chastity und Austin kreisende Gut-kämpft-gegen-Böse-Geschichte hat 500 Verzweigungen, an denen man eine Wahl treffen muss. Die erste lautet: „Who is more powerful? God. The devil. Man.“ Die Antwort sollte wohlüberlegt sein. Denn wie im richtigen Leben, und anders als in den Spielebüchern aus Papier gibt es kein Zurück. Der Leser schreibt mit an der Story-Line – und kann bei erneuter Lektüre eine ganz andere Geschichte erleben. Nicht nur die Erzählung bleibt im Fluss, es fließen bei der Lektüre auch die Daten. Denn Coliloquys Apps senden anonymisierte Statistiken über die handelnde Hauptperson namens Leser an den Herausgeber zurück.

Auswertung des Leseverhaltens

Coliloquy soll das erste Unternehmen sein, dass von Amazon solche Auswertungen des Leseverhaltens erhält. Die Nutzung erfolgt in zwei Varianten. Die Autoren einer Roman-Serie können neue Folgen besser auf die Wünsche der Leser abstimmen und besonders populäre Erzählstränge oder Charaktere in den Vordergrund stellen. Möglich ist aber auch die parallele Produktion verschiedener Varianten einzelner Folgen, so dass die Serie für unterschiedliche Leser-Typen anders verläuft. Je nach den Entscheidungen, die man in einer Folge trifft, erhält man beim Kauf der nächsten Folge also eine bereits von vornherein anders angelegte Variante. Coliloquy emanzipiert sich insofern nicht nur vom konventionellen E-Book. Die Wechselwirkung zwischen Leser, Autor und Text ist sogar noch stärker als bei den Hypertext-Romanen der Neunziger Jahre, oder den aktuellen Point-and-Click-Adventures: E-Books sind im Zeitalter des narrativen Crowdsourcings angekommen.

Hinweis: ähnlich wie andere „Active Content“-Inhalte sind die Kindle-Apps von Coliloquy z.Zt. leider noch nicht im deutschen Kindle-Store erhältlich.

(via HuffPo Books)

Abb.: flickr/life serial (Startseite) sowie Screenshot Coliloquy (Artikel)

„Siedler von Catan“ als Kindle-App: wird das E-Ink-Display zur Gaming-Plattform?

Spielefreunde können ab jetzt auch auf dem E-Ink-Display siedeln: eine interaktive Kindle-App bringt die „Siedler von Catan“ auf Amazons E-Reader. Mitmachen beim Wettbewerb um die meisten Städte, die längste Straße oder die stärkste Armee dürfen bis zu vier Spieler. Der Kindle-Reader wandert dabei von Hand zu Hand („Pass’N Play Multiplayer-Modus). Wer möchte, tritt aber auch ganz alleine gegen verschiedene virtuelle Catanier an, mit denen die Kindle-App dann eine bestimmte Strategie simuliert. Zur Auswahl stehen etwa der kompromisslose Pirate Jean, der schwer zu überlistende Händler Vincent oder Ritter Sean, der sich nimmt, was ihm zusteht.

Schon seit längerem gab es das beliebte Strategie-Spiel von Klaus Teuber nicht nur in der Pappschachtel, sondern auch in diversen digitalen Formaten, etwa für iPhone, iPad oder Android-Geräte. Mit der Kindle-App betritt die Catan GmbH nun allerdings Neuland – und zeigt damit, dass E-Ink-Displays zu mehr taugen als nur Letternwüsten. Das liegt im Trend: Erst vor kurzem hatten in der Branche interaktive Sudoku-Apps von Puzzazz für Aufsehen gesorgt, die sich durch eine neue entwickelte Handschriftenerkennung-Technologie besonders für den Einsatz auf dem Touch-Screen eignen. Die Catan-App ist dagegen in der aktuellen Version speziell für klassische Kindle-Modelle gedacht, sie funktioniert weder auf dem Kindle Touch noch auf Amazons Fire-Tablet.

Catan für das Kindle ist einfach zu bedienen, kommt inklusive Tutorial und einem Catan-Handbuch zum Nachschlagen der Regeln. Die App unterstützt neben Englisch auch Deutsch, Spanisch und Französisch. Im US-Kindle-Store wird sie für 4,99 Dollar angeboten, wann eine Version im deutschen Kindle-Store erscheinen wird, steht noch nicht fest.

„Send to Kindle“-App schickt Dokumente vom PC direkt zum E-Reader

Gerade längere Dokumente lassen sich am besten auf einem E-Reader wie dem Kindle lesen. Doch wie bekommt man Word- oder RTF-Dokumente am einfachsten auf’s E-Ink-Display? Amazon bietet jetzt eine App dafür an: „Send to Kindle“ wandelt zahlreiche Dateiformate ganz einfach in ein PDF um und schickt sie vom Rechner aus in die Cloud. Synchronisiert man dann den Kindle-Reader via WiFi, gelangen die Dokumente automatisch auf das Lesegerät. Wahlweise kann man via „Send to Kindle“ aber die Daten auch mit einer Kindle App auf zahlreichen Mobilgeräten wie iPhone, iPad oder BlackBerry lesen. Bisher können von dieser einfachen Lösung leider nur Windows-Nutzer (ab Win XP) profitieren, eine „Send to Kindle“-Variante für Mac OS ist aber in Vorbereitung.

Die schlanke App nimmt lediglich 5 Megabyte in Anspruch und wirkt eher im Verborgenen: man findet sie nämlich als zusätzliche Option im Kontextmenü, wenn man mit der rechten Maustaste auf eine Datei im Explorer klickt. Außerdem erscheint sie im Drucken-Dialog der jeweiligen Textverarbeitung als zusätzlicher Drucker, vergleichbar mit der Möglichkeit, den Inhalt eines Dokuments in ein PDF-Dokument umzuleiten. Um die „Send to Kindle“-App zu nutzen, muss man im Installationsprozess Login und Passwort für das Amazon-Kundenaccount eingeben. Statt der „Send to Kindle“-App kann man natürlich auch weiterhin ganz einfach Dokumente per E-Mail auf das Kindle bringen – jedes Gerät hat schließlich eine individuelle Adresse, die man im Einstellungs-Menü finden kann. Aus den meisten Textverarbeitungen lassen sich Dateien ohnehin direkt per Mail verschicken.

Eine weitere Alternative auf Smartphones und Tablets ist die Nutzung von Dropbox in Kombination mit der Kindle App. Schiebt man auf dem PC eine mobi-Datei in den Dropbox-Ordner, steht sie in wenigen Sekunden über die Cloud auch auf dem Mobilgerät zur Verfügung. Da sich E-Books innerhalb von Dropbox nicht öffnen lassen, erhält man beim Antippen der Datei innerhalb der App zunächst mal eine Fehlermeldung. Tippt man dann jedoch das Transfer-Icon der Dropbox-App auf Smartphone oder Tablet an, bekommt man als Option die Möglichkeit „Öffnen in der Kindle-App“ zu Verfügung. Tippt man sie an, öffnet sich das E-Book in der Kindle-App. Ähnlich funktioniert es bei epub-E-Books, wenn man etwa eine E-Reader-App wie iBooks installiert hat.

Kindle Cloudreader: Amazons neue Browser-App in HTML 5 ist da

Kindle-Books kann man jetzt auch direkt im Webbrowser lesen: mit dem Start des „Kindle Cloudreader“ bietet Amazon eine HTML-5-App an. Einmal installiert, steht im Browserfenster die gesamte E-Bibliothek des persönlichen Amazon-Accounts zur Verfügung. Auf Wunsch kann die Lektüre auch offline stattfinden, einzelne Titel lassen sich in einen speziellen Download-Ordner übertragen. Bisher gibt es den Kindle Cloudreader nur für Google Chrome & Safari, weitere Versionen für Internet Explorer, Firefox und andere Surfumgebungen sollen in den nächsten Monaten folgen. Da die App ohne Adobe Flash funktioniert, läuft sie auch auf dem Safari-Browser des iPads.

Angepasste Version des Kindle-Stores

Im Unterschied zur bisherigen Kindle-App integriert der Cloudreader die Kindle-Bibliothek und eine angepasste Version des Kindle-Stores auf einer Oberfläche – dem Browser eben. Die App verlinkt allerdings nur auf den US-Store, deutsche Leser müssen sich weiterklicken. Die Leseansicht des Cloudreaders lässt sich den eigenen Bedürfnissen anpassen, es gibt fünf Fontgrößen und fünf Randbreiten. Außerdem können Lesezeichen gesetzt werden. Die Schriftgröße kann man im Browser natürlich auch über den normalen Zoom der gesamten Webseite bestimmen. Das gerade gelesene Buch wird automatisch heruntergeladen, steht also auch zur Offline-Lektüre zur Verfügung. Weitere Titel kann man per Rechtsklick über den Befehl „Download & Pin Book“ auf das lokale Gerät holen. Synchronsieren kann man den Cloudreader mit Kindle-Reader und weiteren Apps übrigens auch – so stehen nicht nur alle Bookmarks, Markierungen und Anmerkungen zur Verfügung, man landet auch automatisch auf der zuletzt gelesenen Seite.

Optimierte Cloudreader-App für das iPad

Die Cloudreader-App ist auf Apple-Rechnern allerdings etwas anspruchsvoll – sie läuft erst ab Safari 5.1, was wiederum Mac OS X 10.6 („Snow Leopard“) voraussetzt. Die aktuelle Google Chrome-Version dagegen lässt sich auch auf älteren (Intel-)Macs installieren. Für den Safari-Browser des iPads ist die Kindle Cloudreader-App in punkto Touch-Screen-Funktionalität und Display-Größe speziell angepasst worden. Da HTML-5-Apps problemlos auf allen Apple-Geräten laufen, liebäugeln mittlerweile viele Content-Anbieter mit dieser Alternative zu flashbasierten Anwendungen. Erst vor kurzem hatte Amazon-Konkurrent Kobobooks eine eigene E-Reader-App im HTML-5-Standard angekündigt – mit dem Cloudreader ist Amazon der Konkurrenz nun wieder einen Schritt voraus.

Kindle über alles: E-Books bei Amazon.com überholen Paperback plus Hardcover

Amazon hat im April 2011 in den USA mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft – und zwar in allen Kategorien. Die Downloads elektronischer Lektüre via Kindle Reader und Kindle App übertrafen erstmals die gesamte verkaufte Auflage an Paperback und Hardcover-Ausgaben. Der Erfolg des preislich vergünstigten „Special Offer“-Kindles hat das Erreichen dieser Rekordmarke offenbar zusätzlich beschleunigt. Innerhalb weniger Wochen avancierte das durch Werbeeinblendungen quersubventionierte Lesegerät zum Bestseller im Kindle-Fuhrpark.

Peak Print bleibt aus: Wachstum auch bei Papierversionen

Es wird nicht der letzte Rekord aus dem Hause Amazon bleiben – doch prinzipiell ist die aktuelle Meldung nicht mehr zu übertreffen: die Gutenberg-Galaxis wurde endgültig abgehängt, zumindest bei Amerikas größtem Online-Buchhändler. In gewisser Regelmäßigkeit hatte Amazon zwar schon öfter ganz ähnlich klingende Verlautbarungen produziert. Bei bisherigen Rekordnachrichten wurden aber Titel herausgerechnet, die nicht als E-Book lieferbar waren. Interessanterweise geht der finale Kindle Boom dieser Tage nicht mit „Peak Print“ einher. Denn auch die Verkaufszahlen bei gedruckten Büchern wachsen weiter. Passend dazu erreichte die Amazon-Aktie in diesen Wochen mit 200 Dollar ihren historischen Höchststand.

Kindle-Reader bleibt wichtigste Plattform

Wichtigstes Standbein für den E-Book-Boom bleibt der Kindle-Reader – alleine 2010 sollen bis zu 8 Millionen Geräte ausgeliefert worden sein. Amazon selbst gibt natürlich auch weiterhin keine genauen Zahlen heraus. Völlig im Trüben fischen muss man aber nicht. So könnte nach Schätzungen von Analysten bis 2012 die Gerätebasis auf bis zu 20 Millionen Kindles anwachsen. Zwar wächst durch die Kindle-App auch die Zahl der potentiellen Alternativ-Plattformen vom Netbook bis zu Tablets und Smartphones. Am meisten gelesen wird aber immer noch auf dem E-Ink-Display. Während pro Jahr jeder Nutzer durchschnittlich etwa 15 E-Books auf den Kindle-Reader herunterlädt, sollen es bei Kindle Apps nur etwa 2 E-Books sein. Neue Dynamik in dieses Verhältnis zwischen E-Ink und LCD-Screen dürfte dabei das für Ende 2011 erwartet Amazon-Tablet bringen.

Wo bleiben die Rekordmeldungen bei Amazon.de?

Eine wachsende Rolle spielen neben E-Book-Downloads auf dem Kindle übrigens auch die Abos von elektronischen Zeitungen und Zeitschriften. Während Amazon.com mit Kindle-Books nach Analysten-Schätzung in diesem Jahr 2,6 Milliarden Dollar umsetzen wird, sind es bei den „subscriptions“ immerhin schon 730 Millionen Dollar. Die Erfolgsgeschichte des US-Kindle-Stores beginnt sich derweil in Europa zu wiederholen. Nachdem im April 2010 der britische Kindle-Store die Pforten öffnete, werden bei Amazon.co.uk mittlerweile doppelt so viele E-Books wie Hardcover verkauft. Ob es bald auch solche Rekordmeldungen aus Deutschland geben wird? Das dürfte neben den Buchpreisen wohl vor allem von der Zahl der lieferbaren E-Books abhängen. Während bei Amazon.com mittlerweile mehr als 900.000 Titel elektronisch lieferbar sind, bekommt man im deutschen Kindle-Store erst knapp 30.000 Kindle-Books.

Kindle-App 2.2 (iPhone OS) jetzt mit Wörterbuch sowie Google- und Wikipedia-Unterstützung

kindle-22Schlag nach bei Amazon: Wer mit der Kindle-App auf iPhone, iPod Touch oder iPad liest, bekommt ab jetzt geballte lexikographische Hilfe. Bei englischen Texten steht nun das Oxford American Dictionary mit mehr als 250.000 Einträgen zur Verfügung. Dazu kommt die Möglichkeit, Worte aus dem gerade geöffneten Text für eine Suche bei Google oder in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu nutzen. Die neuen Lesehilfen sind Bestandteil der aktuellen Kindle-App Version 2.2, bei einem Update werden sie automatisch installiert.

Mehr Komfort als auf dem Mac: Lexikonwissen per Fingertipp

Für iPad-Nutzer ist das „New Oxford American Dictionary“ (NOAD) nichts Neues – bei der E-Reader-App iBooks gehört sie zur Grundausstattung. Gleiches gilt für die Mac-Besitzer, denn bereits seit 2005 liefert Apple das Betriebssystem OS X zusammen mit dem von Oxford University Press verantworteten Wörterbuch aus. Die Kindle-App kann allerdings mit etwas mehr Komfort punkten: wird ein Wort im Text markiert, taucht am Fuß der Seite automatisch eine Kurzdefinition auf. Man erspart sich also mindestens einen Klick bzw. Fingertipp. Hilfreich ist zudem das Google- & Wikipedia-Feature: zusätzlich werden nämlich Links zu diesen Portalen angezeigt, mit denen man weitere Wort-Recherchen anstellen kann. Allerdings muss man dazu die App verlassen, denn Multitasking erlaubt das iPhone-OS nun mal nicht.

Nach dem Update ist vor dem Download

Wer sich lieber den ausführlichen Wörterbuch-Eintrag anschauen möchte, kann außerdem die Option „Full Definition“ wählen. Wichtig zu wissen ist allerdings: Vor der ersten Nutzung des Wörterbuchs muss man unbedingt noch einmal online sein. Denn erst wenn nach dem Update auf Version 2.2 in einem englischen E-Book ein Begriff markiert wird, lädt sich das Wörterbuch herunter. Danach kann dann auch offline nachgeschlagen werden. Die neue Kindle App Version 2.2 macht übrigens den Umgang mit längeren E-Books weitaus einfacher. Denn nun gibt es endlich eine Suchfunktion, um zu einem gewünschten Stichwort im Text springen zu können. Auf das allerneueste Feature des Kindle-Readers müssen die App-Anwender aber verzichten – auf dem E-Ink-Display laufen nämlich neuerdings auch Scrabble-ähnliche Wortspiele („Every Word“ und „Shuffled Row“).

Kindle-App wird zum Vook: Amazon reichert E-Books mit Audio- und Videoelementen an

kindle-editions e-book vook video audio.gifAmazon setzt voll auf Multimedia – die verbesserte Kindle-App für iPhone & iPad unterstützt seit neuestem auch Video- und Audio-Elemente. Zu den ersten „angereicherten“ Kindle-Editions gehören verschiedene Reiseführer, ein Koch-Ratgeber sowie ein Liederbuch für Kinder. Auf dem Kindle-Reader selbst kann man die aufgepeppten E-Books leider nicht nutzen – hieß es bisher bei Kindle-Apps „No Kindle required“, so heißt es jetzt: „For iPad & iPhone only“.

Kindle-Books werden auf dem iPad & iPhone zum Vook

Das neue Feature der Kindle-App-Version 2.1.1 für iPhone und iPad bringt Texte zum Sprechen und Bilder zum Laufen. Man könnte es auch so ausdrücken: Kindle-Books werden zu Vooks, also zu einer Kombination aus Video, Audio und E-Book. Damit ist Jeff Bezos den elektronischen Büchern in Apples iBooks-Plattform um eine Nasenlänge voraus. Das Konzept an sich ist jedoch nicht neu. Als Erfinder des Vooks kann nämlich Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman gelten. Das Startup Vook.com brachte solche crossmedialen Produkte bereits Mitte 2009 auf den Markt – und bietet mittlerweile auch Vooks für das iPad an. Ähnlich wie bei den Vooks startet auch Amazon mit multimedialer Ratgeber-Literatur: die Bewegtbilder zeigen dem Leser wie man leckerer Kuchen backt („Rose’s heavenly Cakes“, schneller Pullover strickt („Knitting for Dummies“) oder schöner Gitarre spielt („Best of the Beatles for Acoustic Guitar“). Mit der Stimme von TV- und Radio-Ikone Rick Steves werden die Kindle-Editions aber auch zum Audio-Guide, der Globetrotter durch London, Paris oder Venedig führt.

Klassiker werden dank Multimedia in neuer Form kommentiert und illustriert

Mit insgesamt 13 Titeln geht die neue Reihe an den Start – und bei Amazon ist man gespannt, was Autoren und Verlage mit den neuen Funktionen der Kindle-Apps noch so alles produzieren werden. Im Bereich der Belletristik gibt es erst einen Titel – William Styrons „Lie Down in Darkness“, das Video-Interviews mit Styrons Witwe und kurze biographische Video-Notizen enthält. Erst vor kurzem hatten die Erben des 2006 verstorbenen Pulitzer-Preisträgers von Random House die E-Book-Rechte losgeeist – und deren Nutzung für eine Multimedia-Ausgabe des Werks versprochen. Auch bei Vook.com hat man die neuen technischen Möglichkeiten bereits ausführlich genutzt, um Klassiker von Treasure Island bis Sherlock Holmes in neuer Form zu kommentieren und zu illustrieren. Neben die Video-Clips treten dabei auch Hyperlinks, die zu Erläuterungen im Internet führen.

Entwickelt sich das E-Book zukünftig zu einer Mischung aus Buch, Hypertext und Videospiel?

Die wirklich spannende Frage bleibt natürlich, ob die mit Audio- und Videoelementen angereicherten E-Books sich noch weiter vom Print-Buch emanzipieren, etwa durch interaktive Elemente und/oder die Auflösung der linearen Erzählweise. Wird es vielleicht die multimediale Variante des Hypertext-Romans geben? Oder eher eine Mischung aus Buch und Video-Spiel? Aktuelle E-Book-Apps für das iPhone, wie etwa die interaktive Teen-Novel „Cathy’s Book“ scheinen tatsächlich in diese Richtung zu weisen. Aus Richtung der Games-Branche wiederum nähern sich etwa Point-and-Click-Adventures traditionellen Techniken des Storytellings an. Wichtigstes Experimentierfeld für das E-Book der Zukunft bleiben bis auf weiteres wohl vor allem das iPad und andere Tablets – vor 2012 ist mit einem multimedial aufgerüsteten Kindle-Reader nicht zu rechnen.

iBooks vs. Kindle-App: Wie man auf dem iPad am besten liest

ibooks ipad e-book bestseller.gifNach dem iPad-Start in den USA sind schon mehr als 700.000 Geräte im Umlauf – und damit auch 700.000 potentielle E-Reader. Doch wie liest man auf Apples Tablet am besten – mit iBooks oder mit der Kindle-App? Preislich unterscheiden sich die E-Books aus dem Apple- und Amazon-Universum kaum. Doch die beiden Apps bieten unterschiedlichen Lesekomfort – und unterschiedliche technische Möglichkeiten. Im Moment leistet die Kindle-App mehr – ein E-Book lässt sich mit ihr auf verschiedenen Geräten lesen, vom iPhone bis zum PC.

Kampf der Giganten: iBooks kann 90.000 E-Books bieten, Kindle für das iPad sogar das Fünffache


Ausgerechnet am Osterwochenende wurde der Buch-Branche ein ganz besonderes Ei ins Nest gelegt: Apples Tablet verkauft sich in den USA sogar noch besser als zuvor das iPhone. Anders als in Deutschland geplant ist der iPad-Moment auf der anderen Seite des Atlantiks zugleich von Anfang an ein iBooks-Moment. Apples iTunes für Bücher ist gut gefüllt: dank der Zusammenarbeit mit Project Gutenberg gibt es etwa 30.000 kostenlose E-Book-Klassiker im epub-Format. Apples Big Deal mit den wichtigsten US-Verlagen hat iBooks zudem 60.000 kommerzielle Titel beschert, zumeist zum Preis von 9,99 bis 14,99 Dollar. Um die Kaufentscheidung zu erleichtern, kann von jedem Titel eine Leseprobe heruntergeladen werden. Auch für E-Comics ist gesorgt, etwa durch die iPad-App von Marvel. Die meisten Titel bringt aber eindeutig Amazons „Kindle for iPad“-App an Bord – sie bietet nämlich eine Auswahl von mehr als 450.000 E-Books. Doch welche App sollte man benutzen?

iBooks sieht nicht nur gut aus, es ist auch ideal zum Lesen unter der Bettdecke


ibooks virtuelles bücherregal e-book bestseller ipad.gifWas „Eye Candy“ betrifft, bietet iBooks eindeutig ein bisschen mehr. Wechselt man vom iBooks Store zur Bibliothek, hat man ein virtuelles Bücherregal vor Augen. Grafisch hat sich Apple dabei eindeutig von der Classics App für iPhone und iPod Touch inspirieren lassen. Wählt man ein Buch aus, wird es wie von Geisterhand aus dem Regal genommen, geöffnet und gezoomt. Apples Tablet macht auf Gutenberg-Mimikry: ähnlich wie bei der Classics-App ist auch beim iPad das Umblättern grafisch animiert. Besonders bibliophil ist die Leseansicht im Querformat – dann werden nämlich jeweils zwei gegenüberliegende Seiten gezeigt. Fontgröße und Fontfamilie lassen sich wählen (im Lieferzustand: Baskerville, Cochin, Palatino, Times New Roman and Verdana). Auch die Helligkeit des Touchscreens kann man regulieren. Besonders komfortabel ist auch das Hinzufügen von DRM-freien E-Books. Ähnlich wie bei Musiktiteln werden sie am Desktop-Computer bzw. Laptop einfach per Drag & Drop in den iTunes-Ordner verschoben und erscheinen dann nach der nächsten Snychronisation auf dem iPad. Wer allerdings Bestseller wie Dan Browns „Lost Symbol“ und ähnliche Pageturner aus dem Hause Random House lesen möchte, wird mit iBooks nicht glücklich – denn mit der Bertelsmann-Tochter wurde Apple bisher nicht handelseinig.

In-App-Shopping von E-Books ist für Apples Konkurrenz auf dem iPad nicht erlaubt


kindle ipad e-book bestseller.gifWechselt man zur Kindle-App, wird man dagegen auch in Sachen Dan Brown fündig – allerdings ist Amazons E-Book-Store ja schon ein bisschen länger am Markt. Das Angebot ist überwältigend – „iBooks is still a ghost town compared to Amazon’s Kindle store“, klagte zu recht der Silicon Alley Insider. Doch der Rummel hat seine Kehrseite. Verzichten muss nämlich auf den Augenschmaus des virtuellen Bücherregals. Immerhin, das Umblättern ist animiert. Wechselt man auf das Querformat, hat man aber keine Doppelseite vor sich, sondern eine Einzelseite mit mehr Weißraum am Rand. Der Schriftfont lässt sich leider nicht ändern, Schriftgröße und Helligkeit allerdings schon. Am ärgerlichsten ist wohl der umständliche Shopping-Prozess. Um Kindle-E-Books zu kaufen, muss man die App verlassen und via Browser die Amazon-Seite besuchen. Schuld daran ist allerdings nicht Amazon, sondern Apple – das sogenannte „In-App“-Shopping von digitalen Gütern ist nämlich wie auf dem iPhone auch auf Apples Tablet nicht erlaubt. Trotzdem gibt es momentan noch gute Gründe, statt iBooks die Kindle-App zu nutzen. Wer nämlich seine E-Book-Bibliothek auf mehreren Lesegeräten nutzen möchte, kommt bei DRM-geschützten Titeln mit iBooks nicht sehr weit. Die Kindle-App dagegen läuft auf so unterschiedlichen Endgeräten PC, Mac, iPhone oder Blackberry – und lässt sich synchronisieren. Was einmal gekauft wurde, landet also auf allen verkindleten Geräten. Bliebe noch die Preisfrage: Was macht man, wenn man Dan Brown auf dem iPad lesen will, aber auf Amazons Kindle-App verzichten möchte? Ganz einfach: man installiert die Kobo-App. Der unabhängige E-Book-Store mit Sitz in Kanada bietet mittlerweile auch schon mehr als 2 Millionen Titel an – und konnte pünktlich zum Start des Tablets verkünden: „We’re Apple approved!“.

Smartphones als E-Reader: Amazon spendiert Kindle-App für BlackBerry

Kindle fuer Blackberry Smartphone Amazon E-Book E-Reader.gifNach dem iPhone folgt das BlackBerry: Amazon macht seine Kindle-App nun auch für das weltweit beliebteste Smartphone verfügbar. Vorerst richtet sich das Angebot allerdings nur an US-Kunden. Eingeschränkt ist auch die Funktionalität: Bestimmte Kindle-Features wie Scrolling, Stichwortsuche und Anmerkungen werden zur Zeit noch nicht unterstützt. Die Kindle-App läuft auf allen neueren BlackBerrys aus der Curve-, Bold- und Storm-Serie.

Mit der BlackBerry-App ist Amazon ist zukünftig auf 20 Prozent aller Smartphones präsent


Die Kindle-App wird immer mobiler: nach PC-Desktops und dem iPhone ist jetzt also das BlackBerry dran. Damit ist Amazon auf einen Schlag auf mehr als 20 Prozent aller Smartphones präsent – so groß ist nämlich mittlerweile der Marktanteil des kanadischen Herstellers RIM (Research in Motion), der 2002 das erste echte BlackBerry auf den Markt brachte. Die Benutzeroberfläche der Smartphones ist ähnlich wie Apples iPhone OS offen für Anwendungen von Drittanbietern – wie etwa Amazon. Besonderen Mehrwert verspricht die neue App für Leser, die bereits einen Kindle besitzen – sie haben über Amazons Server Zugriff auf alle bereits gekauften E-Books. Synchronisieren lassen sich außerdem die auf anderen Geräten gesetzten Lesezeichen. Die Blackberry-App ist jedoch auch als Stand-Alone-Anwendung benutzbar – durch eine integrierte Einkaufs-Funktion („In-App-Store“) kann man Kindle-Books auch direkt vom Smartphone aus shoppen.

Am besten eignet sich Blackberrys „Storm“-Serie – denn das Design ähnelt dem iPhone


Unterstützt werden alle neueren Blackberry-Geräte – doch fragt sich natürlich, ob die Nutzung der App auch auf allen Geräten Sinn macht. Vom Design her sind die meisten BlackBerrys immer noch für das Schreiben von E-Mails optimiert – die untere Hälfte nimmt eine Qwerty-Tastatur ein, die obere Hälfte ein Display im Querformat, zumeist mit einer Auflösung von 480×360 oder 480×320 Pixel. Damit sind die Blackberrys der Bold- und Curve-Serie zwar die einzigen Geräte, die ähnlich wie das Original-Kindle eine vollwertige Tastatur mitbringen – besonders günstig zum Lesen von E-Books ist das Querformat allerdings nicht. Am besten geeignet dürfte die neue BlackBerry „Storm“-Serie sein, mit dem RIM dem iPhone Konkurrenz machen will. Das Display ist im Hochkant-Format angeordnet (360×480 Pixel), und statt Qwerty-Tastatur und Trackball wird es per Touch-Screen bedient.