Kindle ledergebunden & mit Goldprägung: Proporta Folio Case ‚Bookstyle‘ im Test

Bücherwürmer denken beim Wort „Folio“ an Shakespeare-Erstausgaben oder das gleichnamige historische Buchformat, Rückenhöhe: 45 Zentimeter. Das Proporta Folio Case für Amazons Kindle Touch ist deutlich handlicher – doch dank edlem Kunstleder-Design kann es sich durchaus mit klassischer Buchbinde-Kunst messen. Vor allem wegen eines besonderen Hinguckers: Anders als das von uns kürzlich getestete Flip Case hat der britische Zubehör-Spezialist die Außenkante der Folio-Variante nämlich einem klassischen ledernen Buchrücken mit Goldschnitt nachempfunden („modernere“ Designs mit gleichem Innenleben sind aber ebenfalls lieferbar). Ob die knapp 30 Euro teure Hülle halten kann, was sie rein äußerlich verspricht, verrät Ihnen unser Test. (Tipp: Bestellen kann man das Leather Style Folio Case ‚Book‘ via proporta.de nicht nur für das Kindle Touch, sondern auch für das Kindle 4 Basismodell.)

Feuerwerk, Schmetterlinge oder ein Buch

Das Folio Case gibt es in drei verschiedenen Designs: Mit Schmetterlingen, einem Feuerwerk-Muster oder klassisch im Buchstil. Aber egal, für welche der drei Ausführungen man sich entscheidet: Die Materialien und die Verarbeitung sind vergleichbar. So verwendet Proporta auch bei der Book-Style-Hülle eine „hochwertige Alternative zu Leder“. Allerdings ist es dann doch nicht die selbe Ausführung wie beim Flip Case (siehe unseren Testbericht), beim Folio Case ist das Außenmaterial nämlich ein wenig glatter. Auch die Textur ist etwas feiner als bei der zuvor getesteten Hülle. Bei der Qualität muss man deshalb aber keine Abstriche hinnehmen, die Folio-Hülle fühlt sich ebenfalls sehr edel an und sieht zugleich schick aus. Innen wartet die Hülle mit ihrem einzigen echten „Extra“ auf, nämlich einem kleinen Fach für Zettel oder z.B. Fahrkarten. Wer also beispielsweise im Zug lesen möchte, kann sich seine Fahrkarte einfach in dieses kleine Fach stecken und muss sie dann nicht irgendwo anders hervorholen. Diese Lasche ist aus dem selben Material gearbeitet, das auch auf der Außenseite verwendet wurde. Ansonsten besteht das Innere wieder aus einem weichen Stoff, der den Kindle-Reader sanft behandelt. Die Verarbeitung ist auf gewohnt hohem Niveau, alle Nähte sind perfekt gearbeitet und die Hülle schmeichelt geradezu der Hand. Und dem Auge. Und dem Kindle.

Hält den Kindle-Reader, aber hält nicht dicht

Der Kindle selbst wird wieder über vier in den Ecken positionierte Gummibänder an Ort und Stelle gehalten. Die Bänder sind bombenfest mit der Hülle verbunden und sollten entsprechend lange ihren Dienst tun. Allerdings lässt die Folio Hülle auch etwas vermissen: Nämlich einen Schließmechanismus. Die Oberseite der Hülle, die man beim Lesen ganz einfach hinter die Seite klappt, auf das Lesegerät befestigt ist, lässt sich nämlich im geschlossenen Zustand nirgendwo befestigen. Das ermöglicht zwar zum einen ein einfaches Öffnen und Schließen der Hülle, ängstliche Naturen werden aber um ihren Kindle bangen. Vermutlich zu unrecht, den in einem Rucksack oder einer Handtasche wird sich die Hülle nicht einfach aufgehen, dafür ist in gewöhnlichen Taschen schlicht zu wenig Platz.

Fazit: Schlicht und elegant

Mit der Leather Style Folio Case liefert Proporta erneut eine hervorragend verarbeitete und außerordentlich hübsche Hülle ab. Die kleine Lasche für Fahrkarten oder ähnliches ist nett, aber kein wirkliches „Killer-Feature“. Ein solches sucht man hier auch vergebens. Die außen elegante Folio Case will von Innen eine schlichte und minimalistische Hülle sein, und dieser Anspruch wird auch eingelöst. Die fehlende Möglichkeit zum sicheren Verschließen erschien mir zu banal, als dass sie mich wirklich stören würde. Alles in allem erhält man für 30 Euro eine hervorragend gemachte Hülle für das Kindle Touch. Das Folio Case erhält deshalb im Gegenzug von uns 4 von 5 Punkten.

Autor & Copyright (Text & Abb.): Marc Günther

Firmware-Update für Kindle 4 hilft gegen Ghosting-Effekte auf dem Display

Geisterstunde auf dem E-Ink-Display: viele Käufer des kompakten Kindle 4 ärgern sich über mangelnden Kontrast und merkwürdige Schlieren zwischen den Zeilen. Der sogenannte „Ghosting“-Effekt entsteht, wenn beim Seitenwechsel das Display nicht komplett überschrieben wird. Beim neuen Kindle 4 (siehe auch unseren Testbericht) findet der sogenannte „Screen Refresh“ mit dem charakteristischen schwarzen Flackern nämlich im Lieferzustand nur bei jedem siebten Umblättern statt. Einen ähnlichen Ansatz wählte auch Kobo für den neuen Kobo Touch. Im Wettlauf um die Gunst der Kunden zählt schließlich jeder Vorteil – und der Verzicht auf den vollständigen Screen-Refresh verlängert die Akkulaufzeit und beschleunigt das Umblättern. Beim Kobo Touch kann man die Screen-Refresh-Rate im Konfigurations-Menü regulieren. Beim neuen Kindle 4 ist eine solche Einstellung im Lieferzustand leider gar nicht möglich. Um die Lesequalität dem klassischen Kindle anzugleichen, muss man zunächst die aktuelle Firmware-Version installieren – das „Kindle Update 4.0.1“.

So kommt die Update-Datei auf das Kindle

Die Installation ist in wenigen Schritten vollzogen. Als erstes lädt man bei Amazon.de die Kindle Software-Version 4.0.1 auf den PC herunter. Dann stellt man eine USB-Verbindung mit dem Reader her. Per Drag and Drop zieht man als nächstes die Update-Datei in das oberste Kindle-Verzeichnis (normalerweise sollte es im Dateimanager automatisch angezeigt werden). Sobald die Datei übertragen ist, muss man das Kindle im Dateimanager aushängen bzw. auswerfen. Erst wenn das Kindle nicht mehr angezeigt wird, darf man die USB-Verbindung trennen. Auf dem Homescreen des Kindle ruft man schließlich mit der Menütaste das Menü auf. Wenn alles richtig gelaufen ist, sollte dort die Option „Kindle aktualisieren“ erscheinen. Wird sie aktiviert, startet der Kindle neu, es erscheint das Splash-Screen und ein Fortschrittsbalken.

Screen-Refresh im Einstellungs-Menü aktivieren

Nach dem Neustart sollte man dann im Home Screen nochmal überprüfen, welche Software-Version angegeben wird – wenn alles geklappt hat, müsste beim Drücken der Menü-Taste jetzt am unteren Bildschirmrand „Kindle 4.0.1“ als Version angebeben werden. Unter Menü/Einstellungen findet man nun den neu hinzugekommenen Abschnitt „Seite aktualisieren“. Hinter dieser etwas rätselhaften Bezeichnung versteckt sich nichts anderes als die Steuerung des Screen-Refreshs . Wählt man die Option „Aktivieren“, findet der Screen Refresh wieder bei jedem Umblättern statt, ganz so wie beim klassischen Kindle. Weitere Optionen gibt es leider nicht – auf dem neuen Kobo Touch kann man dagegen die Zahl der Seitenwechsel bis zur nächsten „Seitenauffrischung“ genau einstellen, und somit den besten Kompromiss zwischen komfortabler Leseansicht und langer Akkulaufzeit finden. Aber vielleicht kommt dieses Feature ja mit einem der nächsten Kindle-Updates.

Kompakt & sprachbegabt: „deutsches“ Kindle 4 im Test

Man spricht deutsch – das gilt jetzt auch für Amazons Kindle. Die Low-Cost-Version des Kindle 4 ist komplett lokalisiert worden, vom Menü bis zum Kindle-Store. Rein äußerlich gleicht das kompakte Gerät den schlichten Sony-Readern, denn die Qwerty-Tastatur ist weggefallen. Verzichten muss man auch auf Text-to-Speech und sonstige Audio-Funktionen. Ansonsten verbirgt sich unter der Haube bewährte Amazon-Qualität – vom Pearl-E-Ink-Display bis zur komfortablen Leseansicht mit zahlreichen Textfunktionen. An Content mangelt es ebensowenig, denn der Kindle-Store ist prall gefüllt mit aktuellen deutschsprachigen Titeln. Natürlich wäre alles noch schöner, wenn Amazon endlich den epub-Standard unterstützten würde. Doch ansonsten gilt: Für 99 Eurobekommt man mit der Basisversion des Kindle 4 den besten E-Ink-Reader in dieser Preisklasse.

Minimalistisches Design

Das klassische Kindle heißt jetzt Kindle Keyboard, denn das Keyboard fehlt bei der neuesten Modellreihe. In den USA gibt es das kompakte Kindle 4 auch mit Touch-Screen und 3G/UMTS, in Deutschland ging bisher nur die WiFi-Basisversion an den Start. Geliefert wird das Mini-Kindle platzsparend im schmalen braunen Karton mit großem Amazon-Logo. Neben dem Gerät selbst findet man darin noch eine Kurzanleitung und das USB-Ladekabel. Ein Steckdosenadapter ist nicht mit dabei. Vom äußeren versprüht das Kindle 4 wirklich minimalistischen Charme – es sind kaum noch Knöpfe zu sehen. Außer den Umblättertasten am rechten und linken Geräterand gibt es lediglich das Cursorpad direkt unter dem Display, eingerahmt von vier Funktionstasten (Back-Button, Keyboard-Taste, Menü-Taste, Home-Button). Mangels Audiofunktionen fallen natürlich Lautsprecheröffnungen wie Kopfhöreranschluss weg – übrig bleiben an der unteren Gerätekante nur noch Einschaltknopf und Mikro-USB-Port.

Das Kindle 4 spricht deutsch

Das matte, silbergraue Gehäuse schimmert metallisch und fühlt sich etwas kälter an als die Kunststoff-Einfassung des Kindle 3. Durch die aufgerauhte Rückseite liegt das Kindle 4 gut in der Hand, etwas schmaler und leichter ist es ja ohnehin. Im Ruhezustand sieht man bereits eine optische Veränderung – Amazon hat die Bildschirmschoner ausgetauscht. Statt Jules Verne, Oscar Wilde oder Jane Austen blickt man auf typografische Motive und klassische Schreibgeräte. Das Einschalten verläuft gewohnt rasant, man landet automatisch auf der zuletzt gelesenen Seite, bzw. im Hauptmenü. Beim ersten Start des Kindle 4 trifft man die Wahl der Menüsprache – neben Englisch (USA/UK) stehten Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Brasilianisch zur Verfügung. Neben der deutschen Menüführung gibt es auch endlich eine deutschsprachiges Benutzerhandbuch sowie den Duden als Standard-Wörterbuch.

Komfortable Lesefunktionen

Beeindruckend sind die Möglichkeiten, das Layout von E-Book-Seiten den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. So sind nicht nur verschiedene Schriftgrößen einstellbar, sondern auch der Zeilenabstand („Klein, Mittel, Groß“), Zeilenbreite und Schriftfont („Normal, Schmal, sans serif“). Zu den nützlichsten Zusatzfunktionen gehören sicherlich die mitgelieferten Wörterbücher, neben dem Duden auch das New Oxford American English Dictionary. Mit den Richtungstasten lassen sich so Worterklärungen aufrufen, sobald man mit dem Cursor ein einzelnes Wort ansteuert. Kurzerklärungen werden am Fuß der Seite eingeblendet, über die Returntaste auf der Kindle-Tastatur gelangt man auf den kompletten Wörterbucheintrag. Um Stichwörter zu suchen oder Kommentare einzugeben, blendet man über die Keyboard-Taste eine virtuelle Tastatur ein. Die Auswahl der Buchstaben erledigt man über das Cursor-Pad – das geht natürlich langsamer als mit einem Touch-Screen oder einer realen Tastatur. Die Basisversion des Kindle 4 ist eben auf das wesentliche beschränkt, das Lesen selbst steht im Mittelpunkt.

Software-Update verhindert Ghosting-Effekte

Im direkten Vergleich zum Kindle 3 fällt dabei schnell auf, dass die Textdarstellung nicht ganz so scharf erscheint und die Buchstaben etwas heller ausfallen. Im Hintergrund machen sich zudem leichte Ghosting-Effekte bemerkbar, es bleiben also nach dem Umblättern Spuren der vorherigen Seite sichtbar. Ähnlich wie beim neuen Kobo Touch findet im Lieferzustand nämlich nicht nach jedem Umblättern ein kompletter Screen-Refresh statt. Erst nach jeder sechsten Seite bemerkt man das typische schwarze Hintergrundflackern. Der Verzicht auf den Screen-Refresh beschleunigt das Umblättern und spart Strom. Doch das minderwertige Layout nervt nach einiger Zeit spürbar. Zum Glück lässt sich das Problem mittlerweile beheben – dazu muss man allerdings das Kindle Software-Update 4.0.1 installieren. Im Menü „Einstellungen“ lässt sich dann (nach nochmaligem Drücken der Menü-Taste) in der Rubrik „Seite aktualisieren“ die Option „E-Ink-Anzeige mit jdem Umblättern aktualisieren“ einschalten.

Synchronisation & Social Reading via WiFi

Hat man bereits E-Books auf einem anderen Kindle bzw. über die Kindle-App gekauft, kann man via WiFi gleich die Synchronisations-Fähigkeiten des Kindle 4 nutzen – so ist die Bibliothek dann schnell gefüllt. Auch elektronische Zeitungs- und Zeitschriften-Abos werden auf das neue Gerät übertragen. Anstreichungen, Anmerkungen und Bookmarks stehen natürlich auf dem neuen Kindle ebenfalls zur Verfügung. Wer die Social-Reading-Funktionen wie etwa das „Higlighting-Feature“ und das Twittern & Facebooken seiner Lesefrüchte nutzen will, muss diese im Einstellungen-Menü konfigurieren. Zudem kann man über die Aktivierung der „öffentlichen Notizen“ auch Markierungen und Notizen von Personen anzeigen, denen man auf kindle.amazon.com folgt. Man sollte sich natürlich bewusst sein, dass man bei Nutzung aller Features sehr viele Informationen über den persönlichen Leseprozess preisgibt. Immerhin sind im Lieferzustand alle Social-Media-Kanäle ausgeschaltet, man entscheidet also selbst, wo die Grenzen der Privatsphäre verlaufen.

Shoppen im deutschen Kindle-Store

Der deutsche Kindle-Store präsentiert sich auf dem E-Ink-Display sehr aufgeräumt. Unter dem Stichwort “Browse” gibt es die Optionen German Books, English Books, Newspapers und Magazines. Im deutschen Bereich warten mehr als 45.000 Titel, aufgeschlüsselt nach Rubriken wie „Belletristik“, „Biografien & Erinnerungen“, „Business & Karriere“ etc. Geordnet sind die Titel der einzelnen Themenbereiche Amazon-typisch nach dem Bestseller-Ranking. Unter dem Punkt „Kindle Bestseller“ findet man deutschsprachige Titel, an erster Stelle zur Zeit etwa der Berlin-Gothic-Thriller von Jonas Winner. Abgeschlossen wird die Startseite des Kindle-Stores mit den Rubriken „Kindle Post“, wohinter sich zukünftig deutschsprachige Amazon-Pressemitteilungen zum Thema E-Reader und E-Books verbergen, sowie E-Book-Empfehlungen, die sich an bisherigen Einkäufen des jeweiligen Nutzers bei Amazon orientieren.

Fazit: es lohnt sich

Mittlerweile umfasst die Produktpalette von Amazon inklusive Kindle Fire sechs Geräte, von denen allerdings erst drei in Deutschland lieferbar sind: neben der hier getesteten Basisversion die Kindle-Keyboard-Modelle mit WiFi bzw. 3G/UMTS. Die Preise für die klassischen Kindle-Reader sind mit der Einführung des Kindle 4 nochmal deutlich gesenkt worden, sie sind jetzt für 119 bzw. 159 Euro erhältlich. Das macht die Kaufentscheidung etwas schwierig. Der Abstand der WiFi-Version des Mini-Kindle 4 zur WiFi-Keyboard-Version beträgt schließlich nur 20 Euro. Man muss also wissen, was man wirklich braucht. Vom reinen Leseerlebnis her unterscheiden sich das alte und das neue Kindle nicht. Wer auf Audio-Funktionen verzichten kann und auch nicht intensiv Twittern oder lange Anmerkungen oder Notizen eingeben möchte, ist dürfte mit der kompakten Version für 99 Euro optimal ausgestattet sein. Kein anderes Lesegerät bietet zur Zeit ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kindle WiFi (ohne Keyboard) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

170 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Interner Speicher

2 Gigabyte, benutzbar: 1,25 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, etc. (kein epub!)

Audio-Features

keine

Preis

99 Euro (Amazon.de)