Krautpublishing via Kickstarter: Comics besonders erfolgreich

Wer in den USA Krautfunding denkt, denkt Kickstarter. Und das zurecht: die Plattform sammelte bis zu ihrem fünften Geburstag im April 2014 mehr als 1 Milliarde Dollar ein, die Hälfte davon allein im vergangenen Jahr. Bei solchen Rekordzahlen geht aber eine Nachricht schnell unter: Kickstarter ist nicht nur eine Plattform für die Vermarktung von coolen High-Tech-Gadgets oder Prêt-à-Porter-Design, sondern hat sich zugleich zur weltweit größten Krautpublishing-Adresse gemausert. Insgesamt wurden über Kickstarter seit dem Plattform-Launch schon mehr als 20.000 Publikations-Projekte realisiert, Gesamtsumme: knapp 70 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Auf der Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform Startnext erzielten Krautpublishing-Kampagnen seit 2010 knapp 500.000 Euro.

Fantagraphics goes Krautpublishing

Wer beim Kickstarter-Erfolg nur an Buchstaben denkt, liegt aber nicht ganz richtig: denn 25 Millionen Dollar trugen dabei die Unterstützer von 4.000 Comic-Projekten zusammen – die bei Kickstarter als eigene Kategorie erscheinen (Vergleichszahl bei Startnext: 27.000 Euro für Comic-Kampagnen). Die bunten Bildergeschichten erzielen pro Kampagne nicht nur deutlich mehr Geld, die Erfolgsquote ist mit knapp 50 Prozent auch deutlich höher als bei anderen Krautpublishing-Kategorien (32 Prozent). Noch bessere Erfolgsquoten erreichen nur die Bereiche Musik, Tanz und Theater. Für den kriselnden Indie-Verlag Fantagraphics bedeutete Pre-Order via Kickstarter kürzlich sogar die letzte Rettung: die auf Underground-Art spezialisierten Comicmacher aus Seattle akquirierten satte 220.000 Dollar und finanzierten auf diesem Wege vorab das gesamtes Frühjahrsprogramm 2014 mit 39 Titeln.

Comic-Crowd besonders zuverlässig

Offenbar sind die gerade Fans von alternativen Comics für Erwachsene in den USA eine sehr eingeschworene Crowd, die ihrem Lieblings-Verlag zuverlässig die Stange halten. Und das im Fall von Fantagraphics auch nicht zum ersten Mal. Vor knapp zehn Jahren war der Publisher schon mal haarscharf an der Pleite vorbeigeschrammt. Erst nach einem via Internet verbreiteten Hilferuf konnte genügend Geld gesammelt werden, um den Verlag zu retten – bereits eine frühe Form von Crowdfunding avant la lettre.

Die Rache des Analogen: Neil Young & das Pono-Projekt – Vorbild für die E-Book-Branche?

„Third most funded project on Kickstarter“, alleine das ist im Jahr 2014 schon ein echter Hingucker. „Pono“ hat diese Rekordmarke mit heißem Reifen angesteuert: das von Alt-Rocker Neil Young angeschobene Projekt rund um ein neues High-End-Musikabspielgerät inklusive Downloadportal sammelte schon in den ersten 24 Stunden mehr als 800.000 Dollar ein, bis zum Ende der Crowdfunding-Kampagne kamen mehr als 6 Millionen Dollar zusammen. „So what“, könnte man aus Sicht der Bookpeople jetzt sagen, „gibt’s eben noch einen Musicplayer mehr“. Doch gerade angesichts der immer wieder aufwallenden Diskussion um die mangelnde Qualität von E-Books bzw. E-Readern in punkto Layout, Haptik oder Lesekomfort ist Pono ein echtes Lehrstück – geht es doch letztlich um die Rache des Analogen.

Kompression auf Kosten der „Vibrations“

„Von der Musikindustrie lernen, heißt siegen lernen“, hieß es bisher immer. Die Kombination von MP3 und iTunes wurde dabei als Best-Practice-Beispiel für die Digitalisierung einer ganzen Branche dargestellt. Doch wer nicht völlig schwerhörig war, wusste auch bisher schon: der Download-Boom wurde mit deutlichen Qualitätseinbußen erkauft. Denn bei der Datenkompression gehen die „Vibrations“ analoger Musik verloren – ein Grund, warum auf dem Dancefloor immer noch Platten aufgelegt werden. Im Vergleich zu einer Compact Disc, deren Sound ja vom Analog-Erlebnis einer Vinylschallplatte auch schon ein gutes Stück entfernt ist, schrumpft die Datenmenge selbst bei MP3s mit „hoher Qualität“ noch einmal mindestens um das Siebenfache.

Die Zeit der Kompromisse ist vorbei…

Mobilität, so könnte man sagen, hat eben ihren Preis – ein Plattenspieler passt nun mal nicht in die Jackentasche, und im Auto macht er sich während der Fahrt auch nicht so gut. Ähnliche Argumentationslinien kennt man ja aus der E-Book-Branche: „Wer möchte schon im Urlaub eine 5.000-bändige Bibliothek mit sich herumschleppen?“ Für Neil Young ist die Zeit der Kompromisse aber nun vorbei. Mit dem neu entwickelten Abspielgerät soll dem Hörer ein Live-Eindruck vermittelt werden, so als würde er im Tonstudio sitzen und einer Recording Session seiner Lieblingsband lauschen. Statt MP3 setzen die Pono-Macher auf das verlustfreie Format FLAC und eine maximale Auflösung von 192 Kilohertz bei 24 Bit. Die Qualität ist so hoch, dass selbst bei 128 Gigabyte Speicherplatz nur zwischen hundert bis 500 Alben gespeichert werden können.

„Das hört sich ja an wie Vinyl!“

Neil Young sieht sich dabei geradezu auf einem Kreuzzug gegen billigen, schlechten Sound: „Wir werden Alben wieder so abspielen können, wie sie die Künstler gemacht haben – absolut ohne magische Tricks, DRM, Decoding, nichts von dem, was den Sound verwässert“, zitiert ihn der deutsche „Rolling Stone“. Das scheint auch zu klappen. Das Pitch-Video für Pono bestand fast auschließlich aus begeisterten Testimonials von Stars & Sternchen aus dem Musikbusiness, die dem High-End-Sound lauschen durften. Eine häufige Reaktion lautet: „Das hört sich ja an wie Vinyl!“. Nach Vinyl klingen allerdings auch die Preisschilder: Wenn Pono im Oktober offiziell an den Start geht, wird man das Gerät ab 400 Dollar kaufen können, einzelne Alben sollen zwischen 15 und 25 Dollar kosten.

Wo bleiben die Alt-Rocker der Gutenberg-Galaxis?

Die spannende Frage ist natürlich: Wie könnte ein „analoges“ digitales Modell für die E-Book-Branche aussehen? Manche E-Reader-Hersteller versuchen ja schon, den High-End-Bereich mit großen Formaten, höherer Auflösung und aufwändigem Design zu bedienen. Doch grundsätzliche Probleme bleiben bestehen: ein sorgfältig gelayoutetes, quasi per Hand gesetztes E-Book wird es mit den derzeitigen Ansätzen gar nicht geben können. Zeilen- und Seitenumbruch inklusive Silbentrennung übernehmen Algorithmen. So ist es am billigsten und effektivsten, um Lektüre auf viele verschiedene Geräte zu bringen. Schön ist es aber nicht. Doch vielleicht kommt ja bald auch ein abgerockter Angry Old Man der Gutenberg-Galaxis (Jonathan Franzen? Friedrich Forssmann?) und bringt uns den Pono für E-Leser…

„Zeus“ sendet Zeugs: Erste 3D-Faxmaschine kann ab September vorbestellt werden

Beim Zeus! Reicht es nicht, dass wir prometheus-mäßig Ersatztteile, Blumenvasen und Aktionsfiguren Schicht für Schicht am Schreibtisch drucken können? Offenbar nein – denn kaum ist 3D-Druck einigermaßen etabliert, kündigen sich jetzt auch schon Multifunktionsgeräte an, die nicht nur auf der x, y, und z-Achse printen, sondern auch scannen, kopieren und – jawohl! – faxen können. Tatsächlich ist „Zeus“, das allerneueste Gadget aus dem Hause AIO Robotics wohl das weltweit erste Vier-in-Eins-Modell für die dritte Dimension. Auf den vier Tasten steht: „Scan“, „Print“, „Copy“ & „Fax“. Wer in Zukunft also etwa ein bestimmtes Plastikobjekt braucht, egal ob Legostein, Lampenfuss oder Lockenwickler, kann sich einfach das Design von jemandem rüberfaxen lassen. Voraussetzung ist natürlich, dass an beiden Enden der Vier-in-Eins-Göttervater seinen Dienst verrichtet.

Durch „Vier-in-Eins“ wird das Gerät günstiger

Hinter dem Projekt stehen Jens Windau und Kai Chang, zwei Robotik-Experten der „University of Southern California“, die zwecks Vermarktung ihres Know-Hows das Startup AIO Robotics gegründet haben. Ein bisschen Anschubkapital ist offenbar schon vorhanden, den eigentlichen Kick suchen die beiden USC-Doktoranden ab 4. September auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Dort konnten schon zahlreiche Produkte aus dem 3D-Sektor äußerst erfolgreich finanziert werden, zuletzt etwa der 3D-Zeichenstift „3D-Doodler“. Der war mit knapp 60 Euro pro Stück allerdings auch besonders günstig, für „Zeus“ wird man deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Immerhin soll die 3D-Faxmaschine aber wohl nicht so viel kosten wie ein Makerbot Replicator Printer und ein 3D-Scanner zusammen. Womit man irgendwo zwischen 2500 und 3500 Dollar landen würde.

Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion

Ob gerade die Teleporter-ähnliche „Faksimile“-Funktion zum Killer-Feature wird, möchte ich aber mal bezweifeln. Denn 3D-Designdaten lassen sich ja schon jetzt bequem über das Netz versenden – auch ganz profan als E-Mail-Attachment. Viel wichtiger scheint mir die benutzerfreundliche Kombination von Scanner und Printer in einem Gerät zu sein: in Zukunft wird sich die Copy/Paste- und Mashup-Kultur auf diese Weise wohl noch weitaus stärker auf die Welt der Gegenstände ausdehnen als bisher, mit vorhersehbaren disruptiven Folgen für bisherige Wertschöpfungsketten, die sich auf zentralisierte Serienfertigung stützen. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion – er hat bisher noch gar nicht richtig begonnen. Sobald sich „Self-Publishing“ tatsächlich auf Legosteine, Lampenfüsse und Lockenwickler ausdehnt, wird die Warenwelt, wie wir sie kennen, völlig auf den Kopf gestellt.

(via GigaOM & CNN.com, RepRapForum)

E-Lesen beflügelt: Wingo-Case schützt vor dem „Kindle-Daumen“

E-Ink-Reader sind gut für die Augen, doch sind sie auch gut für die Hände? Dem US-Arzt und Ergonomie-Experten Anthony D. Andre zufolge überhaupt nicht: „So wie viele Nutzer ihren E-Reader halten, ist das deutlich schädlicher als etwa bei Tablets oder Smartphones“. Einerseits werden weitaus weniger Bewegungen ausgeführt als auf den Touchscreens anderer Mobilgeräte, zum anderen wird das Gerät nur mit den Fingern hochgehalten: „Das kann für Arme, Hände und Schultern schädlich sein“. Lange Lektüre führt somit zu Formen des „Repetetiven Stress Syndroms“ – in den USA ist der verspannte „Kindle-Daumen“ schon fast so berüchtigt wie der durch PC-Arbeit verursachte „Maus-Arm“.

Ausklappbare Flügel sorgen für relaxtes Lesen

Gerade ältere Vielleser wünschen sich deswegen oft eine ergonomische Reader-Hülle, die eine natürlichere Lesehaltung ähnlich wie bei einem aufgeschlagenen Buch erlaubt. Weil es die bisher nicht gab, haben sich die Produktdesigner Cole McGowan und Brian Schwab selbst an die Arbeit gemacht – herausgekommen ist nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung jetzt das „Wingo-Case“. Zwei seitlich ausklappbare Flügel lassen den Reader auf den Handkanten ruhen und entlasten die Finger. Zusätzlich ist die Rückseite der Hülle gewölbt und mit einem Griffprofil versehen, das Handfläche und Finger unterstützt.

„Bequemer als gedruckte Bücher“

Eine ausklappbare Rückenstütze ermöglicht es zudem, den Reader in angeschrägter Position auf den Tisch zu stellen. Der eigentliche Clou sind aber die Ergo-Schwingen – Cole McGowan zufolge toppt die Kombination E-Reader plus Wingo Case sogar das gedruckte Buch: „Versteht mich nicht falsch, ich liebe echte Bücher, aber ein Kindle mit Wingo-Cover bietet eine Leseerfahrung, die weitaus bequemer ist als traditionelle Lektüre.“ Die erste Version des Wingo-Case wurde speziell für den „Tasten-Reader“ Kindle 4 entwickelt – zur Vermarktung setzen McGowan und Schwab auf die US-Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Die Idee scheint anzukommen: in 14 Tagen wurde bereits ein Drittel der anvisierten Summe von 55.000 Dollar eingesammelt. Via Pre-Order kostet das geflügelte Kindle-Case (inklusive Versand nach Europa) knapp 75 Dollar, geliefert wird ab August.

Abb.: Wingo Case

Beinahe Google-Brille: freihändige Smartphone-Lektüre mit Headflat

Bücher müssen in den Kopf – egal wie. Doch Alternativen zum Umblättern sind bisher rar gesät. Selbst auf die Google-Brille müssen wir wohl noch ein Weilchen warten. Wenn es nach Dirk Keune geht, könnte jedoch bald ein User-Interface der besonderen Art nicht nur die Lektüre von E-Books, sondern auch Gaming, Video und Multimedia-Chat revolutionieren. Der Karlsruher Tüftler hat mit „Headflat“ eine futuristische Kopfhalterung für Smartphones entwickelt, deren Universaladapter das Display in einer Entfernung von knapp 13 Zentimetern zum Auge fixiert – was in dieser Perspektive einer Bildschirmdiagonale von 60 Zoll aus 3 Metern Entfernung entsprechen soll. Besonderer Clou dabei ist die berühungslose Interaktion: Gesteuert werden die jeweiligen Anwendungen nämlich mit Hilfe des Smartphone-Akzelerometers über die Bewegungen von Kopf und Körper.

E-Book wird zum Teleprompter

So etwa die speziell für das Cyber-Gestell entwickelte E-Lese-App „Head Line“. „Was uns umtrieb, war vor allem die Frage, wie sich eBooks wohl am besten mit dem headflat lesen lassen. Hier waren wir mit den bestehenden Lösungen nicht zufrieden“, so Dirk Keune. Heraus kam eine Art Teleprompter-Prinzip: Die Zeilen laufen automatisch von rechts nach links über den Bildschirm, wobei die Fontgröße, Laufgeschwindigkeit durch das Neigen des Smartphones oder durch Sprachbefehle beeinflusst werden können. Alternativ lässt sich die E-Book-Abspiel-App auch mit einem speziellen Bluetooth-Controller steuern, der vor allem zum Einsatz im Gaming-Bereich entwickelt wurde.

„Sieht skurril aus, ist jedoch effektiv“

Besonderer Vorteil für E-Book-Autoren: Da von vornherein klar ist, welcher Satz gerade auf dem Display zu lesen ist, könnte man theoretisch den Text auch mit passenden Sound-Effekten anreichern. Allerdings scheint das gesamte Konzept ziemlich gewöhnungsbedürftig, was auch die Headflat-Macher zugeben: „Es mag skurril aussehen – erfüllt seine Aufgabe aber sehr effektiv und ist zudem noch sehr bequem zu tragen.“ Vielleicht eine gute Idee, dass sie zuerst mal die Crowd entscheiden lassen, ob die „Not having your Smartphone in your Hand“-Solution wirklich Sinn macht – zur Zeit läuft eine Pre-Order-Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Wenn alles klappt, kommen das „Headflat“-Gestell wie auch die dazugehörigen Apps im August 2013 auf den Markt.

Abb.: Headflat (c)

Projekt „People’s E-Book“: Mit Massenspenden zum kostenlosen Volks-Editor

„Ich liebe Künstlerbücher“, gesteht Greg Albers im Pitch-Video für das „People’s E-Book“-Projekt. Genau diese Leidenschaft für Konzeptkunst in Buchform – egal ob gedruckt oder elektronisch – hat den Gründer von „Hol Art Books“ zu Kickstarter geführt: auf der Crowdfunding-Plattform sammelt er Spenden für ein Do-it-Yourself-Tool, mit dem man kreative E-Book-Ideen im Handumdrehen umsetzen kann. „Was der Fotokopierer für Manifeste, Pamphlete und Fanzines bedeutet hat, wollen wir mit dem ‚People’s E-Book‘ für das digitale Buch ermöglichen“.

„Volks-Editor“ auf Javascript-Basis

Denn während Dadaisten und Surrealisten noch auf Siebdruck, die Fluxus-Bewegung auf Offset und eben Fotokopierer setzten, liebäugeln die Buchkünstler des 21. Jahrhunderts eher mit dem iPad. Der webbasierte „Volks-Editor“ basiert auf Javascript und HTML-5 und wird kostenlos nutzbar sein. Auch die Software selbst soll unter Open-Source-Lizenz gestellt werden. Erste Screenshots erinnern entfernt an eine extrem verschlankte Version von iBooksAuthor – was wohl auch Absicht ist: der in Tucson/Arizona lebende Albers hat ein Faible für „das Kleine, für Quick and Dirty, für das Einfache und Experimentelle“. In nur wenigen Minuten soll man mit dem Online-Tool ein epub erstellen können.

Spendenziel ist bereits erreicht

Für die technische Umsetzung sollen Eleanor Hansen und Oliver Wise von „The Present Group“ sorgen, ein künstlerischer Think-Tank und Kreativstudio aus dem kalifornischen Oakland. 10.000 Dollar werden gebraucht, um nicht nur die Programmier-Arbeit zu leisten, sondern auch Hosting- und Weiterentwicklung zu finanzieren. Das Spendenziel ist mittlerweile schon zu 100% übererfüllt, was den Einbau zusätzlicher Features ermöglicht, u.a. den Export in das Kindle- und PDF-Format, sowie gerätespezifische Previews.

Die Kickstarter-Kampagne läuft bis 1. März. „The People’s E-Book“ kommt natürlich auf jeden Fall. Doch Spenden lohnt sich immer noch – wer mindestens zehn Dollar gibt, erhält nicht nur ein digitales Künstlerbuch von E-Book-Artist David Horvitz, sondern auch wahlweise einen Aufkleber „My Other Book is a Paperback“, passend zum E-Reader, oder ein Lesezeichen „My Other Book is an E-Book“, passend zur gedruckten Lektüre. Außerdem wird man automatisch selbst zum Publisher – zumindest indirekt: „Ihr helft dabei mit, ein kostenloses Tool zu entwickeln, mit dem die Kreativität auf dem Gebiet des E-Publishings eine neue Blüte erleben wird. Es wird nicht nur ein Buch ermöglicht, sondern tausende.“

Abb.: Screenshot

Ausverkauf an die Crowd: Mit Massenspenden zum werbefreien Web-Comic?

„Penny Arcade steht vor dem Ausverkauf“. Bei dieser Überschrift mussten treue Leser wohl erstmal schlucken. Doch zum Glück handelt es sich um ein Sell-Out der besonderen Art – denn die wohl älteste Web-Comic-Serie der Welt appelliert nicht an normale Investoren, sondern an die Internet-Crowd. 250.000 Dollar wollen die Penny-Arcade-Erfinder Jerry Holkins und Mike Krahulik über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter einsammeln – und mit den Massenspenden dann die Abhängigkeit ihrer Bildergeschichten von störenden Werbebannern verringern. Schafft es die um Video Game Culture kreisende Web-Comic-Serie, wäre das nichts weniger als eine kleine Revolution: Während viele Content-Anbieter die Spenden aus der Crowd als zusätzlichen Einnahmestrom nutzen, hat bisher noch keine größere Plattform den Sprung in die reklamefreie Zone geschafft.

Die Fans können mehr tun als nur T-Shirts kaufen

Grundsätzlich wäre das für Holkins und Krahulik aber gar nichts neues. Als ihre gezeichneten Alter Egos namens Gabe und Tycho Brahe im Jahr 1998 erstmals online gingen, konnte sich „Penny Arcade“ tatsächlich noch mit milden Gaben der Fan-Community über Wasser halten. Mit dem Ausbau der Plattform kam dann jedoch als weitere Säule Werbung hinzu: „Wir haben uns damals wohl gedacht, anders lässt sich so eine Seite nicht mehr finanzieren, aber dann fiel uns irgendwann auf, dass wir es nie wirklich ausprobiert hatten. Die Leute wollen immer wieder von uns wissen, wie sie uns unterstützen können, ohne T-Shirts zu kaufen oder auf Anzeigen zu klicken – jetzt gibt es diesen Weg“, heißt es in der Projektbeschreibung auf Kickstarter. Ein Sprung ins kalte Wasser ist die Kickstarter-Aktion schon, ein Sprung ins leere Becken aber nicht, immerhin hat „Penny Arcade“ mitterweile mehr als 4 Millionen regelmäßige Leser.

„We have quite a year planned, if you’re game.“

Wird die Mindestsumme von 250.000 Dollar erreicht, verschwindet das Werbebanner im Seitenkopf, kommen mehr als 500.000 Dollar zusammen, wird „Penny Arcade“ für mindestens ein Jahr komplett werbefrei. Wenn alles klappt wie geplant, könnte der Umstieg von Anzeigen-Dollars auf Crowdfunding-Dollars eine kreative Kettenreaktion in Gang setzen: „Ohne die allmächtigen Pageviews im Hinterkopf ist vieles denkbar, warum zum Beispiel nicht etwa ein RSS-Feed mit allen Comic-Strips und Artikeln? Warum nicht auch Comic-Apps, egal ob von uns selbst oder anderen, mit denen die Leute ganz einfach so lesen können, wie sie es verdammt noch mal wollen?“
Selbst die Veröffentlichung des Web-Comics unter Creative Commons-Lizenz können sich Hulkins und Krahulik vorstellen. Die Chancen stehen gut – schon nach 24 Stunden war ein Drittel der Mindestsumme erreicht, mehr als einen Monat vor dem Ende der Aktion sind bereits 200.000 Dollar zusammengekommen.

(Via GigaOM)

Abb.: Screenshots Penny Arcade/Kickstarter

„Order of the Stick“: Comic-Reprint-Projekt sammelt auf Kickstarter 650.000 Dollar

Was für ein mächtiges Trio: Comics, Self-Publishing & Crowdfunding brachen in letzter Zeit auf der Spendenplattform Kickstarter immer wieder neue Finanzierungs-Rekorde. Doch Independent-Zeichner Rich Burlew hat nun mit „OOTS“ wirklich den absoluten Jackpot geknackt. Der Erfinder der 2003 als kostenloser Webcomic gestarteten Serie „The Order of the Stick“ sammelte von 8000 Unterstützern mehr als 650.000 Dollar ein. Ziel der noch laufenden Kampagne ist es, ältere Folgen des „comedy-fantasy-adventure“-Comics wieder in Papierform verfügbar zu machen. Für eine neue Auflage fehlte Burlew schlicht das Geld – und so probierte er es mit einem Pre-Order-Modell via Kickstarter. Je nach Spendenhöhe wurden die Unterstützer nicht nur mit einzelnen OOTS-Ausgaben belohnt, sondern auch mit Goodies wie Kunstdrucken oder Kühlschrankmagneten. Der Erfolg ist deutlich sichtbar: Sämtlichte limitierten De-Luxe-Pakete mit handsignierten Ausgaben sind bereits ausverkauft, und das bereits eine Woche vor Ablauf der Aktion.

Strichmännchen aus der Rollenspiel-Welt

Der Serientitel „Order of the Stick“ ist Programm: denn die Helden der Serie sind kolorierte Strichmännchen („Stick Figures“). Rich Burlew selbst beschreibt sein Strichmännchen-Epos so: „Es erzählt die Geschichte einer heldenhaften Truppe, die in einer Rollenspiel-Welt lebt, und versucht mit Feinden, der Umgebung und den Spielregeln klarzukommen, außerdem mit ihrer eigenen Inkompetenz (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge)“. Wie es sich für einen guten Webcomic gehört, ist ein Großteil der Serie kostenlos auf der Seite Giant in the Playground zugänglich. Die Druckversion ist durchgehend farbig und wird in den USA auf FSC-zertifiziertem Recycling-Papier hergestellt. Das hat natürlich auch seinen Preis: dreißig Dollar kostet die Vorbestellung eines Bandes. Vom Erfolg der Kickstarter-Kampagne profitieren letztlich alle Comic-Freunde. Denn dank der eingesammelten Riesensumme werden jetzt alle sieben Bände der OOTS-Serie wieder längerfristig online und in Comicläden vorrätig sein.

Netzaffine Fan-Community als Erfolgsfaktor

Doch auch Kickstarter selbst kann einen weiteren Erfolg verbuchen – dabei finanzierte die Crowdfunding-Plattform schon im letzten Jahr im Comicbook-Bereich Monat für Monat mehr Neuerscheinungen als große US-Verlage wie Dark Horse oder IDW zusammen. Sechsstellige Summen waren allerdings Pre-Order-Produkten wie etwa styligen Armbändern für den iPad Nano oder Designer-Docking-Stations vorbehalten. Doch auch die Gaming-Community bringt offenbar ihre ganz eigene Online-Dynamik mit. Das zeigte vor wenigen Tagen das Beispiel des Videospiels „Double Fine Adventure“. Auf Kickstarter sammelten die Macher des Point-and-Click-Adventures in nur 24 Stunden mehr als eine Million Dollar von zehntausenden Unterstützern ein. Insofern ist wohl auch der Spendenrekord der Strichmännchen aus der Rollenspiel-Welt kein Zufall. Als der deutsche Comic-Zeichner Peter Wiechmann im Herbst 2011 auf mysherpas.com knapp 60.000 Euro für Reprints der legendären Primo-Hefte aus den Siebziger Jahren sammeln wollte (zum Vergleich: Rich Burlews Spendenziel war usprünglich 57.000 Dollar), kam nicht mal die Hälfte der Summe zustande. Die Zielgruppe der heute 45- bis 65jährigen Fans von Serien wie Andrax, Capitan Terror oder Odinson war offenbar nicht netzaffin genug.

Von der Crowd für die Crowd: Newsgrape, das Youtube für Texte – jetzt offen für alle

Die Zeit der exklusiven Zugangscodes ist vorbei: Newsgrape ist seit Mitte Juni in der offenen Beta-Phase. Mehr als tausend registrierte Nutzer zählt das „Youtube für Texte“ mittlerweile, zahlreiche Autoren sorgen alleine oder im Team für Content. Die Macher von Newsgrape haben nichts weniger vor als Online-Texting neu zu erfinden. Angefangen hat das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Dort sammelten die Gründer Felix Häusler und Leo Fasbender bis Anfang 2011 das notwendige Starkapital. In etwas mehr als zwei Monaten spendeten insgesamt 114 Unterstützer mehr als 12.000 Dollar, bis dato einer der größten Erfolge für Crowdfunding in Deutschland.

Vernetzung von Lesern & Autoren

Ähnlich wie Youtube setzt Newsgrape auf die intensive Vernetzung von Nutzern & Autoren. Man kann sich gegenseitig abonnieren, kommentieren, bewerten, und sogar via Direktnachrichten Kontakt aufnehmen. Zudem ist ein „Promotion-Modul“ geplant, um eigene Artikel über externe soziale Netzwerke zu bewerben. Umgekehrt ist auf dem eigenen Profil auf Newsgrape auch Platz, um Twitter- und Facebook-Streams einzubinden. Nutzer haben übrigens neben ihrer Profilseite auch eine eigene Medienzentrale, E-GO genannt. Dort finden sich die aktuellsten Texte der abonnierten Autoren, bzw. der abonnierten Magazine. Denn Newsgrape ermöglicht kollaboratives Schreiben. Man kann als Herausgeber eines E-Mags andere Autoren einladen, sie können sich jedoch auch selbst bewerben. Ein Beispiel für solche Koproduktionen ist etwa das Newsgrape-Magazin E-Leseland.

Monetarisierung über Google-Adsense-Banner

Über den integrierten WYSIWYG-Editor lassen sich Texte schnell und komfortabel eingeben und mit Bildern oder Videos ergänzen. Neben einem normalen Artikel-Template gibt es Vorlagen speziell für Fotostrecken und Fortsetzungsgeschichten. Besonders sympathisch: Autoren behalten auf jeden Fall das Copyright an ihrem Material, sie können sich aber entscheiden, unter einer Creative-Commons-Lizenz zu publizieren. Auch bei der Monetarisierung gibt es Wahlfreiheit. So kann man etwa Twitter-Buttons einbauen, aber auch Google-Adsense-Banner. Demnächst soll außerdem die Nutzung von VG-Wort-Zählpixeln möglich sein.

Newsgrape & die kritische Masse

Genau wie in der Gründungsphase steht und fällt das Modell Newsgrape mit der Crowd. Um sich am Markt behaupten zu können, muss die Zahl der Nutzer und Autoren die kritische Masse erreichen. Die Voraussetzungen dafür stimmen schon jetzt: die Plattform ist leicht zu benutzen, gut designt und erlaubt vor allem zahlreiche Interaktionsformen. Wer die Möglichkeiten des Youtubes für Texte richtig einsetzt, kann demnächst wohl weitaus mehr „Eyeballs“ in den Bann ziehen als mit einem konventionellen Blog. Das wird sich dann auch finanziell rechnen. Genauso freuen dürfen sich aber die Leser. Denn quer durch alle Textgattungen könnte sich Newsgrape zu einem der interessantesten Portale im deutschsprachigen Web entwickeln – und das völlig ohne Bezahlschranken.

Superhelden auf Spendenbasis: Crowdfunding stärkt Independent-Comics

Kickstarter ist die größte Crowdfunding-Plattform in den USA – und kann beachtliche Zahlen vorweisen: seit 2009 wurden mehr als 40 Millionen Dollar an erfolgreiche Projekte verteilt. Zu den besonders populären Kategorien gehören Comics. So populär, dass Publishers Weekly jetzt eine interessante These aufgestellt hat: vom finanziellen Volumen her wie auch von der Zahl der neu aufgelegten Titel sei Kickstarter mittlerweile der drittgrößte Independent-Comic-Verlag in den USA. In Deutschland wagt sich die zeichnende Independent-Szene dagegen nur zögerlich an Crowdfunding heran.

Kickstarter liegt direkt hinter Dark Horse und IDW

Seit Anfang 2011 wurden monatlich durchschnittlich 80.000 Dollar für Bildergeschichten ausgeschüttet, im Mai waren es sogar 100.000 Dollar. Da die „echten“ Verlage monatlich etwa 5 bis 15 Titel auf den Markt bringen, liegt Kickstarter mit 10 Titeln im Monat Mai direkt hinter Dark Horse und IDW. Auch der Juni entwickelt sich rasant: Das Spendenziel erreichten bereits ein halbes Dutzend Comic-Vorhaben, darunter „Footprints: A Monster Murder Mystery“ (8000 Dollar), Zak Sally’s „Sammy The Mouse“ Vol. 1 (6000 Dollar) sowie der Fantasy-Comic „Equinox“ (5900 Dollar). In vielen Fällen handelt es sich um Pre-Order-Modelle, die Unterstützer bekommen also ab einer bestimmten Spendensumme den (Print-)Comic. In der Comic-Szene ein bereits vor Kickstarter bewährtes Modell. Allerdings verstehen sich bei Kickstarter die Leser stärker als Unterstützer, und es winken bei höheren Spenden auch zusätzliche Goodies wie etwa handsignierte Exemplare, Plakate und ähnliches.

Nicht immer geht’s um die Druckkosten

Wie wenig Kickstarter letztlich mit einem normalen Verlag zu vergleichen ist, zeigen jedoch auch die sehr unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Crowdfunding. So geht es etwa dem Comic-Zeichner Mark Siegel in seinem aktuellen Kickstarter-Projekt gar nicht darum, die Webcomic-Serie „Sailor Twain“ in den Druck zu bringen. Das ist für 2012 ohnehin geplant. Das Fundraising soll zu 100 Prozent für eine Online-Anzeigenkampagne eingesetzt werden, um mehr Traffic auf die Website des kostenlos zugänglichen Comics zu bringen. Aaron Hazouri, der Erfinder von „Toaster Guy“ dagegen braucht erstmal Geld, um sich einen Scanner und einen neuen Zeichentisch zu kaufen. Erst dann wird die Produktion seines ersten Comic-Buchs überhaupt anlaufen können. „Junkdrawer“ Chris McJunkin wiederum möchte Promotion-Material herstellen, um seine Arbeit auf der ComicCon in New York und auf anderen Comic-Conventions präsentieren zu können. Dem steht seit heute nichts mehr im Wege: Die dazu benötigten 250 Dollar hat ihm die Crowd schon spendiert.

Deutsche Comic-Szene hat noch Nachholbedarf

Die deutschsprachige Comic-Szene wagt sich bisher nur zögerlich an Crowdfunding heran. Auf Startnext.de, Mysherpas oder pling findet man zwar Comic-Kategorien, viel zu sehen gibt es dort aber noch nicht. Immerhin wurde auf Startnext bereits mit Mia und der Minotaurus ein kombiniertes Film- und Comicprojekt erfolgreich gefördert. Bei pling hat der Schweizer Superhelden-Comic „Tell“ gerade die magische 30 Prozent-Schwelle überschritten, ab der die meisten Projekte dann durch den Bandwagon-Effekt auch ihr Ziel erreichen. Der zur Zeit wohl vielversprechendste deutsche Webcomic allerdings hätte wohl auch Probleme, via Crowdfunding ein normales Pre-Order-Printmodell umzusetzen: die Wormworld-Saga von Daniel Lieske setzt auf das Prinzip der „unendlichen Leinwand“. Der nahtlos ineinander übergehende Bilderfluss lässt sich komplett im Browser durchscrollen. Auf Papier drucken könnte man das so ohne weiteres gar nicht. Doch hier zeigt sich gerade der Vorteil des Crowdfundings gegenüber klassischen Verlagen. Die Crowd könnte ja dem Teilzeit-Zeichner auch ganz einfach die Produktion des nächsten Kapitels ermöglichen. Davon würden dann alle Leser des Webcomics profitieren.