Prime Reading ante portas: Deutsche Self-Publisher für Amazons Schaufenster gesucht

prime-reading-startet-in-deutschlandEs ist ein exklusiver Deal für die Leser, es ist ein exklusiver Deal für Autoren: Amazon Prime Reading kommt nach Deutschland. Das jedenfalls vermutet Brancheninsider Matthias Matting von der Selfpublisherbibel. Damit könnte es bald eine interessante Alternative zur Kindle Lending Library (KLL) geben, die von den Konditionen parallel zu Prime Video gestaltet ist: eine begrenzte Anzahl von „Blockbuster“-Titeln würde dann für das unbegrenzte „Binge-Reading“ zur Verfügung stehen.

Autoren-Akquise läuft bereits

Deutlichstes Zeichen für den bevorstehenden Start von Prime Reading: Amazon verschickt Einladungen an ausgewählte AutorInnen. Wer sich bis zum 10. Mai entscheidet, ist mit dabei – die grundsätzlichen Voraussetzung: das betreffende E-Book muss bei KDP Select angemeldet sein, darf also nur bei Amazon angeboten werden. Die Prime Reading-Phase dauert drei Monate, vergütet wird pauschal entsprechend den aktuellen Verkaufszahlen, die Summe soll zwischen 200 und 1000 Euro liegen.

In den USA knapp 1.000 Titel verfügbar

Für die etwa 17 Millionen Prime-Kunden in Deutschland ist Prime Reading sicherlich ein nettes zusätzliches Schmankerl, ob sich Amazons neuestes Exklusiv-Programm auch für die Autoren lohnt, ist mal wieder eine knifflige Frage. Bestes Argument ist wohl wieder einmal die „Schaufenster“-Funktion: die Zahl der Prime Reading-Titel ist begrenzt, in den USA zum Beispiel knapp 1.000, dort ist der Service seit Oktober 2016 online.

Jede Lektüre zählt für Kindle Shop Ranking

Die bessere Sichtbarkeit kann natürlich positive Effekte für die Autoren haben, zumal jede Lektüre im Rahmen von Amazon Prime Reading im Kindle Shop-Ranking als normaler Verkauf zählt. Auch in diesem Fall könnte es sich also für viele Autoren durchaus lohnen, mit einem Titel dabei zu sein, für Serien-Autoren erst recht. Ohnehin ist die Präsenz bei Prime Reading zeitlich begrenzt, etwa alle drei Monate wird das Angebot aufgefrischt. Ähnlich wie in den USA wird das deutsche Exklusiv-Programm übrigens auch ausgewählte Verlagsware enthalten.

(via Selfpublisherbibel & The Digital Reader)

Ads for all: Alle KDP-Autoren können jetzt bei Amazon.com Buch-Werbung schalten

werbung-fuer-kdp-autorenGratis-Titel oder Preisaktionen sind bisher Marketing-Methode Nr. 1 für die meisten Indie-Autoren, die auf Amazons Kindle-Direkt-Publishing-Plattform (KDP) veröffentlichen. Zumindest in Deutschland. Denn via Amazon.com konnten Selfpublisher schon seit 2015 Online-Anzeigen schalten, um ihre E-Books im Kindle-Universum zu bewerben. Unter zwei Voraussetzungen: es musste sich sich um englischsprachige Bücher handeln, die zudem beim exklusiven Service „KDP Select“ angemeldet sind.

KDP Select-Anmeldung nicht mehr zwingend

Letztere Bedingung ist inzwischen offenbar weggefallen — wie Matthias Matting auf selfpublisher.de berichtet, stehen die Werbe-Dienstleistungen im Rahmen der „Amazon Marketing Services“ jetzt für alle bei KDP publizierten E-Books zur Verfügung. Der Bewerbung von Indie-E-Books via Display-Ad auf Artikelseiten bzw. gesponsertes Produkt in der Buch-Suche auf Amazon.com steht nun also nichts mehr im Weg, genügend Mittel vorausgesetzt.

Bezahlung nach Cost-Per-Click

Die Bezahlung erfolgt nach dem Cost-Per-Click-Verfahren, der werbende Autor legt ein Budget fest und wird in diesem Rahmen nur für die tatsächlich angeklickten Anzeigen zur Kasse gebeten. Bisher erscheinen die Anzeigen wie gesagt nur auf Amazon.com bzw. auf Fire-Tablets und Kindle-Readern von Amazon.com-Kunden – Werbung buchen dürfen jedoch auch Autoren aus Deutschland, soweit sie englischsprachie Titel auf Amazon.com veröffentlichen, siehe die deutschsprachige Hilfe-Seit bei KDP.

Werbung für deutsche Titel nur auf Umwegen

Wer für deutsche Titel — und zumal auf Amazon.de — Werbung schalten möchte, muss entweder warten, bis der neue Service auf Deutschland ausgedehnt wird, oder auf recht komplizierte Workarounds zurückgreifen. So lässt sich theoretisch z.B. Werbung buchen, wenn man Mitglied beim „Amazon Marketing Service“ ist, also als gewerblicher, registrierter Verkäufer auf der Plattform aktiv ist. Ebenfalls möglich, aber noch umständlicher ist die Anmeldung als Verkäufer via Amazon Marketplace, so dass man die eigenen Titel als „gesponserte Produkte“ bewerben kann.

US-Buchmarkt: Jedes zweite E-Book ist ein Herzschmerz-Roman, & meistens ein Indie-Titel

romance-anteil-buchmarkt-usaDass der E-Book-Markt von populären Genres beherrscht wird, ist ja fast schon eine Binsenweisheit. Wie stark aber alleine ein einziges Genre — nämlich „Romance“, also der gute alte Herzschmerz-Liebesroman — ein ganzes Geschäftsfeld prägt, überrascht dann doch. Der via Hugh Howeys „Author Earnings Report“ bekannte „Data Guy“ (übrigens wie Howey hauptberuflich als Autor unterwegs) legte auf dem jährlichen Treffen des US-Autorenverbandes „Romance Writers of America“ jetzt beeindruckende Zahlen vor: demnach ist mit 45 Prozent Anteil fast jedes zweite in den USA verkaufte E-Book der (freilich breitgefächerten) „Romance“-Kategorie zuzuordnen. Im Print-Sektor sind es dagegen (laut Nielsen) gerade mal 4 Prozent.

„Huge, but grossly under-reported“

Das bedeutet: 90 Prozent aller Herzschmerz-Titel werden digital vertrieben, und ein Großteil des Umsatzes geht an Indie-Autoren, die via Amazons KDP & insbesondere Kindle Unlimited veröffentlichen — denn bekanntlich beherrscht Amazon in den USA drei Viertel des E-Book-Marktes. Die Konzentration des Marktes auf Amazon und die Self-Publishing-Autoren wiederum führt zu einer statistischen Verzerrung — „Data Guy“ zufolge werden mehr auf diese Weise mehr als zwei Drittel der verkauften Herzschmerz-Titel von den traditionellen Branchenbarometern gar nicht erfasst. (O-Ton Data Guy: „Romance is huge, but grossly under-reported“).

Jeden Tag 300.000 Downloads

Und dabei handelt es sich nicht um Peanuts — jeden Tag werden bei Amazon.com mehr als 300.000 Romance-Schmöker heruntergeladen, mehr als 260 Millionen Dollar Tantiemen werden in diesem Bereich jedes Jahr an insgesamt 30.000 AutorInnen ausgeschüttet. Knapp 2.000 Autoren verdienen auf diese Weise zwischen 10.000 und 100.000 Dollar pro Jahr, etwa 400 Autoren erzielen sogar zwischen 250.000 und einer Million Dollar per annum.

Erfolgsfaktoren für Romance

Die Einnahmen verteilen sich nicht nur sehr ungleich über das Feld der Autoren, sondern auch sehr ungleich über die einzelnen Subgenres, je nachdem, was gerade trendet, aktuell etwa „New Adult & College“, „Romantic Comedy“, „Military“(!), „Sports“, etc. Wie erfolgreich ein Buch ist, hängt zudem von vielen weiteren Faktoren ab, neben Pricing auch Serialisierung, Veröffentlichungsrate oder Verleih-/Flatrateoption.

Wie stark ist Indie-Romance in Deutschland?

Die große Frage dürfte hier natürlich mal wieder sein: inwieweit lässt sich so etwas auf den deutschen E-Book-Markt übertragen? Wie stark liegen die offiziellen Branchenstatistiken daneben? Im Bereich Belletristik hatten E-Books auf Basis der vom Börsenverein bereitgestellten Informationen im Jahr 2015 einen Marktanteil von 13 Prozent — liegt der Anteil tatsächlich schon viel höher, wenn man den Romance-Schlupf berücksichtigt?

(via The Digital Reader/AuthorEarnings.com

„Ich habe abgetippt“ –– Silberlicht-Autorin Katja Piel im Zwielicht

katja-piel-plagiatMinister schreiben bei ihren Doktorvätern ab, Verlagsautoren bei Bloggern, und offenbar auch Selfpublisher bzw. Amazon-Autoren bei klassischen Verlagsautoren. Denn seit der jüngsten Abschreibe-Beichte von Katja Piel hat nun auch die deutsche Indie-Szene einen waschechten Plagiats-Fall zu vermelden: Wie die durch ihre Silberlicht-Serie bekanntgewordene Autorin Anfang der Woche auf ihrer Facebookseite bekanntgab, hat sie in der Vergangenheit beim Self-Publishing mindestens zweimal abgekupfert: „Liebe Leser, liebe Autoren, heute teile ich euch mit, dass die Romane Alles begann mit dir und Das Amulett in mir tatsächlich abgeschriebene Bücher sind“, hieß es dort.

„Vor 30 Jahren als Tippübung abgetippt“

Offenbar basierten die via KDP bzw. Createspace veröffentlichten Texte nämlich auf Denise-Heftromanen aus dem Cora-Verlag –– was kurz zuvor im Fall von „Alles begann mit dir“ bereits von einer Leserin in einer Amazon-Rezension kritisiert worden war, wie Matthias Matting auf selfpublisherbibel.de berichtet. Darauf hätte Piel via Facebook zunächst mit einer Art Schutzbehauptung reagiert: sie „habe vor 30 Jahren als Tippübung auf der Schreibmaschine den besagten Denise-Roman abgetippt“. Als sich der Text dann mit 50 anderen irgendwann auf einem alten USB-Stick fand, habe sie die Geschichte dann für ihre eigene gehalten und veröffentlicht.

Katja Piel gehört zu Amazons Aushängeschildern

Viele Leser wollten der Autorin diese Story aber nicht abnehmen, wurden mißtrauisch, und kurz darauf waren innerhalb der Web-Community auch im Fall von „Das Amulett in dir“ Plagiatsvorwürfe zu hören. Nachprüfen lässt sich das nicht mehr so einfach, beide Texte wurden kurz darauf von Amazon aus den Katalogen von Kindle Store sowie Createspace (Taschenbuch-Version) komplett gelöscht, möglicherweise alleine schon aus juristischen Gründen. Besondere Brisanz für Amazon hat der Fall natürlich dadurch, dass Katja Piel zu den Aushängeschildern von „Amazon Publishing“ gehört: ihre sehr erfolgreiche Silberlicht-Serie wurde von dem Unternehmen seit letztem Jahr ausgiebig promotet.

„Silberlicht“-Serie weiter bei Amazon lieferbar

Wie es nun weitergeht, bleibt abzuwarten. Via Facebook hat Katja Piel selbst bereits angekündigt, den betroffenen Verlag zu informieren, und die mit den Plagiaten erzielten Einnahmen zu erstatten bzw. spenden zu wollen. Direkt nachlesen kann man das auf Piels Profil nicht mehr: die Facebook-Beichte ist inzwischen gelöscht bzw. nicht mehr öffentlich sichtbar, was auch mit der sehr kontroversen Diskussion in den Kommentaren zusammenhängen dürfte. Allerdings haben andere Facebook-Nutzer auf ihren Seiten Screenshots gepostet. Von seiten Amazons gab es bisher keine Reaktion, weder in Worten, noch in Taten: nicht nur die von Amazon Publishing veröffentlichten Silberlicht-Bände, sondern auch Piels via KDP selbst publizierte Serien wie „Kuss der Wölfin“, „Coffee to go“ etc.sind weiterhin lieferbar.

Für eine Handvoll Promille: Amazon zahlt Self-Publishern 0,006 Dollar pro gelesene Seite

fuer-eine-handvoll-promilleSeit Anfang Juli gilt bei Kindle Unlimited sowie der Kindle Leihbibliothek ein neues Vergütungssystem: Autoren werden nicht mehr pro (an-)gelesenem Buch, sondern pro tatsächlich gelesener Seitenzahl vergütet. Was das konkret bedeutet, lässt sich einer E-Mail entnehmen, die Amazon dem Guardian zufolge gerade den am Flatrate-Modell teilnehmenden Self-Publishern geschickt hat.

1,9 Milliarden Seiten wurden im Juni 2015 gelesen

Im Monat Juni hätten demnach die Leser etwa 1,9 Milliarden Seiten konsumiert. Da Amazon jeweils einen festen Betrag zur Verfügung stellt – derzeit 11 Millionen Dollar – der pro Monat an die Autoren ausgeschüttet wird, lässt sich recht einfach errechnen, wieviel pro Seite dabei herausspring: 11 Millionen geteilt durch 1,9 Milliarden, und das ergibt: 0,006 Dollar, umgerechnet etwa 0,0054 Euro, deutlich weniger als 1 Cent.

Beim Pay-Per-Download-Prinzip sprangen dagegen zuletzt 1,30 Dollar pro Buch heraus, egal ob nun jede Seite gelesen wurde oder nur die zur Anrechnung notwendige Mindestanzahl. Um denselben Betrag nach dem neuen System zu erreichen, müssten pro Buch fast 220 Seiten gelesen werden, rechnet der Guardian vor (nämlich: 1,30 geteilt durch 0,006 gleich 216,66).

„Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten?“

Viele Autoren seien mit diesem neuen Abrechnungssystem unzufrieden, so der Guardian. Casey Lucas, eine freie Lektorin, die für Self-Publisher arbeitet, gab gegenüber der Zeitung an, sie habe bereits sechs Kunden verloren. Das Schreiben würde sich für sie nach einem Verlust von „60 – 80 Prozent der Tantiemen“ nun nicht mehr lohnen.  Gerade Autoren, die kürzere Werke produzierten, etwa Kinderbücher oder Sachbücher, würden besonders unter der Neuregelung leiden: „Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten durch?“, fragt Lucas.

Letzlich, so argumentiert der Guardian zu recht, gebe es aber wohl zugleich Gewinner und Verlierer, denn schließlich habe sich die insgesamt ausgeschüttete Summe nicht verändert.

Abb.: Robbie Biller (cc-by-2.0)

Storyteller gesucht: Amazon.de startet eigenen Self-Publishing-Award

amazon-indie-autor-preisAmazon verstärkt die Marketing-Aktivitäten im Literarischen Sektor: erstmals wird in diesem Sommer der „Deutsche Self-Publishing-Award“ vergeben. Gesucht wird das beste Buch eines Indie-Autors, egal ob Love-Story, Thriller oder Fantasy-Roman. Genauer gesagt, gesucht wird das beste via Amazons Self-Publishing-Plattform KDP exklusiv veröffentlichte Kindle-Book. Dem Gewinner winkt nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern auch ein Preis im Gesamtwert von 30.000 Euro.

Bastei Lübbe verlegt Print-Version des Gewinnerbuchs

Neben dem eigentlichen Preisgeld von 10.000 Euro kommt nämlich noch ein Marketing-Paket im Wert von 20.000 Euro hinzu. Spezieller Hingucker: der Publikumsverlag Bastei Lübbe wird die Print-Version des Gewinnerbuchs im deutschsprachigen Raum verlegen und für den Vertrieb sorgen (bahnt sich hier eine ganz neue Form der Zusammenarbeit an!?). Weitere Kooperationspartner sind der Freien Deutschen Autorenverband (FDA) sowie das Nachrichtenmagazin Fokus.

Kindle-LeserInnen entscheiden über Short-List

Kindle Storyteller startet am 1. Juli unter www.amazon.de/kindlestoryteller. Aus allen eingereichten Titeln werden zunächst die fünf besten E-Books für eine Short-List ausgewählt. In dieser ersten Runde entscheiden allein die Leser. Danach ist dann die Storyteller-Jury dran, besetzt u.a. mit Indie-Autorin Nika Lubitsch sowie dem Kluftinger-Krimi-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr. Bekanntgegeben wird der Gewinner bzw. die Gewinnerin des „Storyteller-Awards“ im Oktober 2015 auf der Frankfurter Buchmesse.

„Erster großer Self-Publisher-Preis

Komplettes Neuland betritt Amazon mit dem Storyteller-Preis nicht, denn mittlerweile haben sich längst andere Self-Publishing-Preise etabliert, insbesondere der auf der Leipziger Buchmesse verliehenen „Indie-Auto-Preis“, der von der Self-Publishing-Plattform neobooks unterstützt wird. Das Preisgeld ist beim „Indie-Autor-Preis“ jedoch mit 3.000 Euro deutlich niedriger. „Mit Kindle Storyteller gibt erstmals einen wirklich großen Preis für Self Publisher, der die Veröffentlichungen von Indie-Autoren angemessen würdigt“, so FDA-Präsident Uwe Kullnick.

Abb.: Michal Hadassah (cc-by-2.0)

Hamster mit Schluckauf: Tolinos Self-Publishing-Plattform ist online

tolino-self-publishing„Blut der Bäume“, „Engelslust“, „Der Hamster hat Schluckauf“: seit heute sind auf tolino-media.de die ersten Indie-Titel online – und über die E-Stores von Thalia, Weltbild, eBook.de sowie viele Partner-Shops lieferbar. Die neue Self-Publishing-Plattform der Tolino-Allianz erlaubt Selbstverlegern das einfache Hochladen, Bearbeiten und Veröffentlichen von E-Books im epub-Format, die Technologie im Hintergrund liefert neobooks (Droemer/Knaur). Der Manuskript-Upload funktioniert mit Word-Dokumenten wie auch epub-Dateien, die Cover müssen als jpeg formatiert sein.

Ernsthafte Konkurrenz für KDP?

Zu den Tolino-PublisherInnen der ersten Stunde gehören prominente AutorInnen wie Elke Bergsma, Bela Bolten, Daniela Felbermayr oder Nika Lubitsch (E-Book-News-Lesern als Gäste der Indie-Lounge bekannt). Mit dem Start der neuen Self-Publishing-Plattform der Tolino-Allianz bekommt Amazons Kindle Direct Publishing (KDP) erstmals ernsthafte Konkurrenz aus Deutschland, in punkto Marktanteil bei E-Books liefern sich Tolino-Allianz und der Kindle Store schon jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Bisher war Distributor notwendig

Bisher waren Self-Publishing-AutorInnen jedoch auf einen Distributor angewiesen, um via Tolino zu publizieren, manche beschränkten sich von vornherein auf KDP. Das hat sich nun geändert: „Mit der großen Reichweite des tolino Ökosystems und attraktiven Konditionen – die Autoren erhalten 70% vom Nettoverkaufspreis – sind wir ein interessanter Partner für alle, die ihre digitalen Bücher selbst veröffentlichen möchten“, so Thomas Forstpointner, Director tolino Publishing.

Buchhandel als Option für erfolgreiche Autoren

Ein besonderer Vorteil gegenüber Amazons KDP sei zudem die Zusammenarbeit mit neobooks, so Forstpointner weiter: „Besonders erfolgreichen Autoren bieten wir die Chance, ihre Titel in den Buchhandel zu bringen“. Mit der zusätzlichen Chance auf einen Verlagsvertrag schlägt die von Droemer Knaur gelaunchte Self-Publishing-Plattform neobooks bereits seit 2010 die Brücke zwischen traditionellem Verlagsgeschäft und Indie-Publishing.

Amazon abwählen: Neobooks erlaubt freie Wahl der Distributionskanäle

Gute Nachrichten für Indie-Autoren: die Self-Publishing-Plattform Neobooks erlaubt zukünftig die freie Wahl der Distributionskanäle. Bereits seit dieser Woche kann man als Option den Vertrieb über Amazons Kindle-Store abwählen – was vielen Autoren entgegenkommen dürfte, deren E-Books über KDP bereits gut laufen. Bisher mussten sie bei der Inanspruchnahme eines „General-Distributors“ ohne freie Shop-Wahl die selbst dort eingestellten Titel wieder löschen, womit natürlich auch das Ranking, Bewertungen und Rezensionen verloren gingen. Damit gewinnt Neobooks deutlich an Attraktivität – das von Droemer-Knaur gegründete Portal hat ohnehin einige Vorteile: etwa die kostenlose Vergabe von ISBN-Nummern, aber auch tagesaktuelle Verkaufsstatistiken für alle Kanäle.

Freie Shop-Wahl bisher nur bei Xinxii & feiyr

Einzelne Shops ausschließen konnte man in Deutschland bisher nur bei Xinxii und dem Newcomer feiyr – musste dort allerdings wiederum andere Nachteile in Kauf nehmen. So wird etwa bei Xinxii keine für die Distribution notwendige ISBN gestellt, der selbständige Kauf bei der deutschen ISBN-Agentur ist für Self-Publisher ohne (Verlags-)Gewerbeschein jedoch sehr teuer. Bei dem eigentlich auf Indie-Musik spezialisierten Distributor feiyr erhält man zwar eine ISBN für günstige 50 Cent, dafür werden aber bisher überhaupt keine Verkaufsstatistiken angezeigt (angekündigt für den „Beginn des dritten Quartals“!?).

Auf der Suche nach dem perfekten Distributor

Den wirklich perfekten Distributor gibt’s aber leider immer noch nicht – so muss man bei Neobooks bisher E-Book-Dateien im Word-Format hochladen und umständlich im Online-Editor nachformatieren, der Direkt-Import von fertig gelayouteten epubs ist nicht möglich. Außerdem werden die E-Books in den einzelnen Shops nur mit DRM angeboten. Wie schwer die Qual der Wahl des richtigen Distributors fällt, zeigt auch der tabellarische Vergleich, den Matthias Matting vor einiger Zeit auf selfpublisherbibel.de gepostet hat – immerhin hat Neobooks nun aber wieder einen Pluspunkt mehr als die übrigen Anbieter.

Abb.: Screenshot