„Ich habe abgetippt“ –– Silberlicht-Autorin Katja Piel im Zwielicht

katja-piel-plagiatMinister schreiben bei ihren Doktorvätern ab, Verlagsautoren bei Bloggern, und offenbar auch Selfpublisher bzw. Amazon-Autoren bei klassischen Verlagsautoren. Denn seit der jüngsten Abschreibe-Beichte von Katja Piel hat nun auch die deutsche Indie-Szene einen waschechten Plagiats-Fall zu vermelden: Wie die durch ihre Silberlicht-Serie bekanntgewordene Autorin Anfang der Woche auf ihrer Facebookseite bekanntgab, hat sie in der Vergangenheit beim Self-Publishing mindestens zweimal abgekupfert: „Liebe Leser, liebe Autoren, heute teile ich euch mit, dass die Romane Alles begann mit dir und Das Amulett in mir tatsächlich abgeschriebene Bücher sind“, hieß es dort.

„Vor 30 Jahren als Tippübung abgetippt“

Offenbar basierten die via KDP bzw. Createspace veröffentlichten Texte nämlich auf Denise-Heftromanen aus dem Cora-Verlag –– was kurz zuvor im Fall von „Alles begann mit dir“ bereits von einer Leserin in einer Amazon-Rezension kritisiert worden war, wie Matthias Matting auf selfpublisherbibel.de berichtet. Darauf hätte Piel via Facebook zunächst mit einer Art Schutzbehauptung reagiert: sie „habe vor 30 Jahren als Tippübung auf der Schreibmaschine den besagten Denise-Roman abgetippt“. Als sich der Text dann mit 50 anderen irgendwann auf einem alten USB-Stick fand, habe sie die Geschichte dann für ihre eigene gehalten und veröffentlicht.

Katja Piel gehört zu Amazons Aushängeschildern

Viele Leser wollten der Autorin diese Story aber nicht abnehmen, wurden mißtrauisch, und kurz darauf waren innerhalb der Web-Community auch im Fall von „Das Amulett in dir“ Plagiatsvorwürfe zu hören. Nachprüfen lässt sich das nicht mehr so einfach, beide Texte wurden kurz darauf von Amazon aus den Katalogen von Kindle Store sowie Createspace (Taschenbuch-Version) komplett gelöscht, möglicherweise alleine schon aus juristischen Gründen. Besondere Brisanz für Amazon hat der Fall natürlich dadurch, dass Katja Piel zu den Aushängeschildern von „Amazon Publishing“ gehört: ihre sehr erfolgreiche Silberlicht-Serie wurde von dem Unternehmen seit letztem Jahr ausgiebig promotet.

„Silberlicht“-Serie weiter bei Amazon lieferbar

Wie es nun weitergeht, bleibt abzuwarten. Via Facebook hat Katja Piel selbst bereits angekündigt, den betroffenen Verlag zu informieren, und die mit den Plagiaten erzielten Einnahmen zu erstatten bzw. spenden zu wollen. Direkt nachlesen kann man das auf Piels Profil nicht mehr: die Facebook-Beichte ist inzwischen gelöscht bzw. nicht mehr öffentlich sichtbar, was auch mit der sehr kontroversen Diskussion in den Kommentaren zusammenhängen dürfte. Allerdings haben andere Facebook-Nutzer auf ihren Seiten Screenshots gepostet. Von seiten Amazons gab es bisher keine Reaktion, weder in Worten, noch in Taten: nicht nur die von Amazon Publishing veröffentlichten Silberlicht-Bände, sondern auch Piels via KDP selbst publizierte Serien wie „Kuss der Wölfin“, „Coffee to go“ etc.sind weiterhin lieferbar.

Kindle Light Dinner: Amazon Publishing feiert Einjähriges in Deutschland

kindle-light-dinnerIm Anschluss an die LoveLetter Convention lud der Verlag »Amazon Publishing« am 4. Mai zu einem »Kindle Light Dinner« in den Darkroom der Berliner BRYK-Bar. Verlegerin Sarah Tomashek (siehe Foto, links Connie Brockway) und ihr Team feierten damit auch den ersten Geburtstag des Verlages auf dem deutschen Markt. Sarah Tomashek, eine studierte Germanistin, die vorher im Amazon-Hauptquartier in Seattle tätig war, präsentierte vier Autorinnen, die sich vornehmlich der leichten Muse verschrieben haben.

Schwanenzauber & verkaufte Unschuld

Die Frankfurterin Katja Piel las aus ihrem Buch »Schwanenzauber«, einem modernen Märchen, in dem ein junges Mädchen in einen weißen Schwan verhext und erst tausend Jahre später wieder in Menschengestalt zurückverwandelt wird.

Stefanie Ross stellte ihren Krimi »Nemesis – Verkaufte Unschuld« vor. Dabei geht es um einen Kinderhändlerring, dem eine engagierte Polizistin auf der Spur ist.

Verliebte Trampeltiere & vertauschte Bräute

Ina Straubing ist im realen Leben ein männlicher Autor, der auf den Namen Alexander Pohl hört. Straubings Debutroman »Die Liebe ist ein Trampeltier« beschreibt eine chaotische Entdeckungsreise voller Gefühle, auf der sich eine junge Frau mit Onlineflirts, Nobelrestaurants und den besten Absichten ihrer Freundinnen herumschlagen muss.

Hoch oben auf der Bestseller-Liste der New York Times thront Connie Brockway. Ihr Roman »Die vertauschte Braut« war das erste Buch, mit dem »Amazon Publishing« sich dem deutschen Markt vorstellte.

Schwerpunkt des Programms: leichte Kost

Seit 2012 hat »Amazon Publishing« über 350 Titel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. 2014 startete das Unternehmen in Deutschland. Von München aus wurde damit begonnen, auch auf Deutsch verfasste Bücher einem größeren Publikum näherzubringen. Mittlerweile wurden bereits über 50 Titel deutschsprachiger Autoren verlegt.

Schwerpunkt des Verlagsprogramms ist leichte Kost. Romance, Thriller, Chick-Lit stehen hoch oben auf der Titelliste. Die Autorensuche erfolgt über das hervorragende Datenmaterial, über das Amazon verfügt. Kriterien sind Verkaufserfolge und herausragende Bewertungen.

Persönliche Autoren-Betreuung

Die Autoren, die unter Vertrag genommen werden, bekommen ein Korrektorat, Lektorat sowie eine professionelle Covergestaltung. Sie werden von einem Acquisitions Editor persönlich betreut. Autoren, die bei »Amazon Publishing« verlegt werden, erhalten zehn Prozent Honorar vom Netto-Ladenpreis auf Holz- und 20 Prozent auf Elektrobücher. Die Titel werden intensiv beworben und bei Eignung ins Englische übersetzt.

Bekannte Self-Publisher, die aktuell mit einem Titel bei »Amazon Publishing« ihr Glück versuchen, sind Poppy J. Anderson, Emily Bold, Marcus Hünnebeck und Elke Bergsma.

Autor & Copyright (Text/Foto): Ruprecht Frieling

Crossposting via www.ruprechtfrieling.de

Handverlesen in Berlin: Amazon Publishing lädt zum ersten „Kindle-Light-Dinner“

kindle-light-dinner„Meinten Sie: ‚Candle-Light-Dinner'“? Google kennt’s noch nicht, eine Anzahl handverlesener Gäste dagegen wird’s bald kennen lernen. Denn am 4. Mai lädt Amazon Publishing zum ersten „Kindle-Light-Dinner“ in Berlin. Bei dieser „Abendlesung in ungewöhnlicher Atmosphäre“ (laut Einladungstext) werden vier Autorinnen lesen: Neben der US-Bestseller-Autorin Connie Brockway („Versprich mir den Himmel“) sind zum Ortstermin an bisher unbekannter Stelle auch die deutschen Kindle-Stars Katja Piel („Schwanenzauber“), Ina Straubing („Die Liebe ist ein Trampeltier“) sowie Stefanie Ross („Nemesis – Verkaufte Unschuld“) angekündigt.

Von Romantic Thrill bis Fantasy Romance

Die Spannbreite reicht dabei von „Romantic Thrill“ bis zu „Fantasy Romance“, und sämtlich handelt es sich um Texte von ehemaligen Self-Publisherinnen, die mittlerweile bei Amazon Publishing gelandet sind, also bei Amazons hauseigener Verlagssparte. Zu den Vorteilen solcher Deals gehört nicht nur – wie an den Covern der Romane zu sehen ist – eine professionelle Gestaltung, sondern auch die entsprechende Vermarktung, in Zukunft offenbar auch in Form von öffentlichkeitswirksam inszenierten Lesungen.

Erster Testlauf auf der Leipziger Buchmesse

Einen Testlauf für die neue Lesungs-Reihe gab es übrigens kürzlich schon – während der letzten Leipziger Buchmesse hatte Amazon eine Lesung mit den „Lieblingsautoren“ veranstaltet – das Indie-Autoren-Team stellte dabei unter dem Titel „24 Stunden – 24 Autoren“ ein ganz besonderes Buchexperiment vor. Für die Aktion wurden die Gäste zu später Stunde in die heiligen Hallen des Amazon-Fulfillment-Centers am Rande der Stadt geshuttelt. Das kommende Berliner Event wird von der Agentur Zucker Kommunikation organisiert.