E-Books am Stück oder scheibchenweise? Primus-Verlag testet Verkauf einzelner Kapitel

„Wissensvermittlung auf hohem Niveau“ hat sich der Darmstädter Primus-Verlag auf die Fahnen geschrieben, und setzt zudem auf „ansprechende und hochwertige Aufmachung“. Geschichtsfans werden hier etwa fündig bei Titeln wie „Hexenjagd in Deutschland“, „Hinter Klostermauern“ oder „Napoleons Soldaten“. Aber auch Psychologie, Philosophie, Religion und zahlreiche weitere Themen werden angeboten. Seit neuestem kann man viele Primus-Bände als E-Book lesen – sowohl im epub wie auch im PDF-Format. Die PDFs lassen sich auch kapitelweise erwerben, was bei Sachbüchern ja wirklich Sinn macht. Auf Adobes DRM-Schutz wird allerdings nicht verzichtet. Preislich liegen die elektronischen Versionen etwa 20 Prozent unter den Print-Ausgaben.

Zechen, bechern, sparen

Vorwort, Einleitung und Anmerkungen sind beim kapitelweisen Kauf jeweils inklusive. Die Preise beim „en detail“-Erwerb liegen zwischen 2,95 und 3,95 Euro. Sparen kann man dabei gar nichts: Bei umfangreichen Werken kosten einzelne Kapitel sehr rasch mehr als das gesamte Buch. Bei Daniel Furrers WC-Kulturgeschichte „Wasserthron und Donnerbalken“ etwa kommt man bei sieben Kapiteln dann auf 27,65 Euro, gegenüber 15,95 für das komplette Werk. Bei der von Eva Schürmann und Gerhard Gamm herausgegebenen Einführung in 20 Hauptwerke der Philosophie würde man auf dem Weg von Platon bis Derrida sogar satte 59 Euro loswerden anstatt 10 Euro. Da müsste man ja schon in einem ziemlich dionysischen Rausch geraten sein. Wo wir gerade beim Thema sind: Erfreulicherweise ist immerhin Furrers schönes Buch „Zechen und Bechern“ – wie der Titel schon verrät eine „Kulturgeschichte des Trinkens und Betrinkens“ in einzelnen Runden zu sich genommen kaum teurer als das gesamte Gebinde.

Von iTunes lernen

Allerdings ist der kapitelweise Verkauf wohl auch eher eine Mischung aus Leser-Service und Marketing-Maßnahme zu verstehen. Wer nur bestimmte Informationen sucht, muss nun nicht mehr ganz so tief in die Tasche greifen. Zugleich kann man den Download von einzelnen Auskopplungen als eine Form der erweiterten Leseprobe betrachten, die dann vielleicht zum Kauf des gesamten Buches führt. Mit einem ähnlichen Prinzip arbeitet im Musikbereich etwa auch iTunes sehr erfolgreich. Im Grunde genommen ist ein Kapitel ja auch besser mit einer „Single“ vergleichbar als das von Amazon so benannte Programm für E-Book-Shorties. Die E-Book-Reihe von Primus soll sich übrigens zukünftig nicht nur aus dem eigenen Print-Programm speisen, sondern auch elektronische Lizenzausgaben der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft vermarkten. Das wiederum ist kein Zufall: Hinter der hippen Cash-Cow Primus steht nämlich niemand anders als die altehrwürdige WBG selbst.