Aaaattacke! Amazon gründet eigenen Verlag für Comics & Graphic Novels

Ächz, stöhn, schluck! Schon wieder erblickt ein neues Amazon-Imprint das Licht der Welt. Über das gerade gestartete Label „Jet City Comics“ verlegt das Unternehmen nun auch Comics und Graphic Novels. Die Strategie ist betont crossmedial angelegt, in diesem Fall geht die Reise von Buchstaben in Richtung Bilder: “Wir werden uns darauf konzentrieren, großartige Bücher für dieses Medium zu adaptieren, und damit das Publikum für unsere Autoren zu erweitern. Mit neuen Ideen in punkto visuellem und narrativem Storytelling wollen wir bestehende Grenzen überwinden“, so Jeff Belle, Vizechef von Amazon Publishing. Das heißt natürlich auch: Amazon muss vorab eine Menge Geld in die Arbeit von professionellen Comic-Künstlern investieren.

Wool – vom KDP-Bestseller zur Comic-Serie

Zu den ersten Adaptionen gehört die Comic-Fassung von Hugh Howeys postapokalyptischer Sci-Fi-Serie „Wool“ – selbst wiederum ein Bestseller, der erst über Amazons Kindle Direkt Publishing-Programm die Herzen der Leser erobert hat. Dazu kommen weitere Comic-Auskoppelungen etwa aus George R.R. Martins Erzähluniversum „A Song of Ice and Fire“ und der Alternate-History-Serie „The Foreworld Saga“. Erste Titel sollen im Oktober 2013 bei Amazon.com erhältlich sein – und zwar als E-Comic wie auch in Papierform (siehe die Preview von „Wool“).

Comic-Branche skeptisch gegenüber Adaptionen

Mit dem neuen Imprint nimmt Amazon die Comic-Branche doppelt in die Zange – erst kürzlich startete mit dem „Kindle Comic Creator“ ein spezielles Tool, mit dem Indie-Autoren ihre Bildergeschichten für die Self-Publishing-Plattform KDP aufbereiten können. Im Buchhandel nimmt man die gesteigerten Aktivitäten des Online-Riesen denn auch mit gemischten Gefühlen auf. Ohnehin weigern sich neben Barnes&Noble auch viele unabhängige Händler, Titel aus Amazons hauseigenen Verlagen ins Programm zu nehmen. Als Publishers Weekly jetzt einige Indie-Comicläden in New York befragte, war jedoch keine direkte Ablehnung spürbar, sondern eher Skepsis, ob sich Adaptionen von Romanserien gut verkaufen lassen.

Amazon Publishing: jetzt zehn Imprints

Jahrelang hatte Amazon versichert, den Verlagen keine direkte Konkurrenz machen zu wollen – der Onlinehandel sei das Kerngeschäft. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache: Mit „Jet City Comics“ wächst die Zahl der Amazon Imprints auf insgesamt zehn – darunter etwa Thomas&Mercer (Mystery, Thriller), Montlake Romance (Herzschmerz) oder 47 North (Science-Fiction, Fantasy, Horror). „Jet City Comics“ ist übrigens eine Anspielung auf den Spitznamen von Seattle – die Stadt ist nicht nur Sitz von Amazons Firmenzentrale, sondern traditionell auch ein wichtiger Produktionsstandort für Boeing.

Abb.: Amazon.com