Eins zu Null für Amazon: Kindle-Jailbreak wird immer schwieriger

kindle-paperwhite-jailbreakDer Kindle-Reader ist *eigentlich* ein Linux-Tablet mit E-Ink-Display, das sich für weitaus mehr eignet als nur die Lektüre von Kindle-Books: theoretisch lassen sich nicht nur epubs mit dem Gerät öffnen, sondern auch alle möglichen nützlichen Apps und Games installieren. Um die mutwilligen Einschränkungen von Amazons Firmware zu umgehen, ist jedoch ein Jail-Break notwendig. Bis vor kurzem konnte man Kindle-Reader durch das direkte Aufspielen neuer Software per USB-Verbindung recht einfach rooten, quasi per Drag & Drop vom Desktop aus.

Gehäuse öffnen und serielles Kabel anlöten

Mit der neuen Firmware ab Version 5.6.x hat Amazon der Jail-Break-Community das Leben jedoch verdammt schwer gemacht: die bisherigen Hacks funktionieren nicht mehr. Der einzige Weg, jetzt noch die volle Kontrolle über Kindle Paperwhite oder Kindle Voyage zu erhalten, besteht seit Ende letzten Jahres darin, das Gehäuse zu öffnen, den Serial-Port-Pins freizulegen und ein serielles Kabel anzulöten. Über diese Verbindung kann dann vom PC aus der Jailbreak vollzogen werden, indem man sich mit Root-Rechten in das Betriebssystem des Readers einloggt (siehe die Links auf verschiedene Rooting-Anleitungen bei the-ebook-reader.com).

Der nächste Jailbreak kommt bestimmt … irgendwann

Im Unterschied zum klassischen Jailbreak per Fingertipp ist das natürlich weitaus komplizierter, und dürfte die meisten normalen Nutzer vom Rooten ihres Kindle abschrecken – womit Amazon wohl das selbst gesteckte Ziel endgültig erreicht hat. Zumindest bis auf weiteres. Denn bisher wurden irgendwann doch immer wieder ein neuer Jailbreak veröffentlicht. Eigentlich sollte sich Amazon darüber auch nicht wirklich ärgern müssen, immerhin beweisen solche Commmunity-Phänomene ja nicht nur, dass ein bestimmtes Gerät populär ist, sondern zeigen auch, welche zusätzlichen Funktionen oder Apps sich die Nutzer wünschen.

(via the-ebook-reader.com)

Jail-Break, DVD-Rip & DRM-Crack legal: US-Bürgerrechtler erkämpfen Ausnahmeregelungen beim Kopierschutz

electronic_frontier_foundation1Jubel bei US-Bürgerrechtlern: Die Electronic Frontier Foundation konnte erneut Ausnahmeregelungen in punkto Kopierschutz erkämpfen.So gehört zur angemessenen Nutzung eines iPhones in den USA nun der sogennante „Jailbreak“, also das Aufheben von Software-Sperren. Bisher war dies laut „Digital Millennium Copyright Act“ illegal. Apple-User sind jetzt nicht mehr an einen Netz-Provider gebunden, zudem können sie Software von Drittanbietern installieren, die nicht im App-Store angeboten wird. Erleichterungen gibt es auch für E-Book-Leser: die Aktivierung der Vorlesefunktion gehört zum „Fair Use“, bestehende Sperren dürfen umgangen werden.

Kopierschutz à la DMCA: die Tonerpatrone bleibt leer, das Garagentor bleibt zu

Zu den edelsten Pflichten des Librarian of Congress gehört nicht nur die Ernennung des Poeta Lauratus. In regelmäßigen Abständen verkündet der vom Präsidenten eingesetzte Chef der Parlamentsbibliothek auch aktuelle Entscheidungen zum Urheberrecht. Seit 1998 der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) in Kraft trat, werden Beschwerden aus der Bevölkerung gesammelt und alle drei Jahre einem Kontrollgremium zur Entscheidung vorgelegt. Wird glaubhaft gemacht, dass die Kopierschutz-Bestimmungen die normale Nutzung eines Mediums deutlich beeinträchtigen, können sogenannte „Exemptions“, also Ausnahmen, verkündet werden. Diese Exemptions betrafen in der Vergangenheit eine breite Palette von Anwendungsfeldern, von alternativen Tonerkartuschen für Drucker über Ersatz-Fernbedienungen für Garagentore bis zu Kopierschutz von DVDs oder E-Books. Kein Wunder: denn tatsächlich werden die US-Bürger in ihrem Alltag auf Schritt und Tritt von den Auswirkungen der rigiden Kopierschutzbestimmungen verfolgt, die noch unter der Clinton-Regierung vom US-Kongreß verabschiedet wurden.

“Sperren auf Handys haben nur wenig mit Kopierschutz zu tun“

Zu den vehementesten Gegnern des DMCA gehört die 1990 gegründete Cyber-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Dementsprechend groß war nun auch der Jubel, als den Einwänden gegen das DMCA auf breiter Front stattgegeben wurde: „Wir sind begeistert, dass wir Jailbreaker, Entsperrer und auch Videokünstler von den überbordenden Auswirkungen dieses Gesetzen befreien konnten“, so EFF-Sprecherin Jennifer Granick. „Das Copyright Office erkennt an, dass die Sperren auf Mobiltelefonen vor allem die Kunden an einen bestimmen Netzbetreiber binden sollen, und nur wenig mit Kopierschutz zu tun haben.“ Ebenso profitieren Video-Künstler, die Videoschnippsel von DVDs für Remix-Kunstwerke nutzen und auf Plattformen wie Youtube veröffentlichen: „Nonkommerzielle Videos sind eine wichtige Online-Kunstform. Die kreativen Montagekünstler müssen jetzt keine Angst mehr haben, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, obwohl ihre Werke eigentlich dem Fair Use entsprechen.“ Auch zur Gewinnung von Ausschnitten für Dokumentarfilme und zu Bildungszwecken ist das Rippen von DVDs in den USA nun ausnahmsweise erlaubt.

Lesen und lesen lassen: Text-to-Speech bei E-Books

Von einer speziellen Ausnahme beim Kopierschutz profitieren auch die Nutzer von E-Books. Gerade für Blinde und Sehbehinderte ist es wichtig, über eine automatische Vorlesefunktion zu verfügen. Technisch ist das kein Problem, die Qualität computergenerierter Stimmen ist mittlerweile ziemlich gut. Als erstes Lesegerät bot Amazons Kindle Reader zweitweise sogar eine standardmäßige Text-to-Speech-Funktion, sie wurde nach einem Urheberrechtsstreit mit Hörbuchproduzenten allerdings stark eingeschränkt. Viele E-Book-Formate enthalten mittlerweile eingebaute Sperren, die das Vorlesen verhindern. Bereits 2003 und 2006 hatte das Copyright Office entschieden, dass man zum Zweck der Aktivierung einer Vorlesefunktion den Kopierschutz von E-Books umgehen darf. Diese Ausnahmeregelung wurde nun erneut bestätigt. Leichter haben dürften es zukünftig übrigens auch E-Book-Leser, die ein iPad nutzen: denn nach einem Jailbreak sind sie nicht mehr auf App Store oder iBooks-Angebote angewiesen. Sowohl alternative E-Reader-Programme wie auch DRM-freie elektronische Bücher können nach der Entsperrung problemlos auf das Gerät übertragen werden. Einziges Manko: eine komfortable Jailbreak-App für Apples Tablet gibt’s noch nicht.