[e-book-review] Yohoho! „Treasure Island“ wird zum Vook – inklusive N.C. Wyeths legendärer Illustrationen

vook-treasure-island-e-bookYohoho! Mit Treasure Island hebt Vook einen bibliophilen Schatz im digitalen Ozean. Natürlich ist Robert Louis Stevensons Schatzinsel längst Public Domain. Doch in dieser liebevoll edierten Version für iPhone und iPod Touch sind die Abenteuer um Jim Hawkins und Long John Silver ergänzt mit N.C. Wyeths legendären Illustrationen. Auch Stevensons berühmte Schatzkarte fehlt natürlich nicht… P-(

“Fifteen men on the dead men’s chest – yo-ho-ho and a bottle of rum“

„Fünfzehn Mann auf des toten Seemanns Kasten, yohoho, und ne Buddel voll Rum“ – was klingt wie ein uraltes Seemannslied, ist in Wirklichkeit eine Erfindung von Robert Louis Stevenson, aufgeschrieben für den Roman „,Treasure Island“ – und der kam erstmals 1881 unter die Leute, als Fortsetzunggeschichte für die Jugendzeitschrift „Young Folks“. treasure_island-wyeth-vook-e-book-wikipediaAuch die prototypische Piratenfigur mit Holzbein und sprechendem Papagei auf der Schulter hat sich erst durch die „Schatzinsel“ ins kollektive Bewusstsein eingebrannt – nach dem Vorbild von Long John Silver und dem gefiederten Kumpan „Käpt’n Flint“. Doch der langfristige Erfolg war auch an die Illustrationen gekoppelt – in Europa vor allem durch Georges Roux, populär auch für seine Jules Vernes-Bebilderung, in den USA dagegen N.C. Wyeth, dessen Zeichnungen auch Ausgaben von Robinson Crusoe oder Lederstrumpf begleiteten. Insofern liegt es nahe, dass auch die Macher von Vook sich für Wyeth entschieden haben. Der alte Seebär Billy Bones, wie er mit seinem Teleskop Ausschau hält, Long John Silver mit seiner Krücke und die Meuterei auf der Hispaniola – das alles wikt in Wyeths realistischen, farbigen Illustrationen so lebendig, als hätte man ein Szenenbild aus „Fluch der Karibik“ vor sich.

Vook steht eigentlich für die Kombination von E-Book & Video…

Vook steht eigentlich für die Kombination von E-Book und Video – seit Anfang 2009 macht der Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman mit seinem ambitionierten Startup von sich reden. Normalerweise werden „Vooks“ in Zusammenarbeit mit der Produktionfirma TurnHere mit einem Dutzend kurzer Videos ergänzt, die in einem Roman oder Thriller einzelne Handlungsstränge illustrieren, oder in einem Ratgeber praktische Hinweise geben, sei es für’s ayurvedische Kochen, sei es für Fitness-Gymnastik. Mit der Kombination Text-Film soll es gelingen, besser mit den Online-Medien zu konkurrieren – ohne die Balance zwischen Buch und Bewegtbildern zu verlieren: „Wenn man Videos in ein Buch integriert, müssen die Bilder sich so nahtlos in den Erzählfluss einfügen, dass die Leser den Medienwechsel gar nicht bemerken“, so Inmans Devise. Mittlerweile geht Inmans Team aber auch die Klassiker an – zuletzt etwa Conan Doyle. In „The Sherlock Holmes Experience“ werden zwei klassische Detektivgeschichten mit kurzen Docu-Fiction-Clips begleitet, die einem die Original-Schauplätze, kulturelle Details wie „Opium-Smoking“ und Wissenswertes zu Doyles Biografie näherbringen. Die aufwändig gestaltete iPhone-Version von Treasure Island zeigt nun, dass Vook auch ohne Videos ein ganz besonderes Leseerlebnis inszenieren kann. Wichtige Clues geben statt Videoclips hier Hyperlinks im Text – wer etwa wissen will, was der Ausdruck „captan bars“ bedeutet, was ein „buccanner“ ist oder eine „fourpenny“-Münze, wird zu Wikipedia oder anderen Online-Enzyklopädien weitegeleitet.

Am Anfang der Geschichte steht eine längst verschollene Schatzkarte

vook-e-book-treasure-island-map-wikipediaDas Vook zur Schatzinsel setzt auf Nostalgie – das fängt bereits an beim beigen Texthintergrund, der vergilbtes Pergamentpapier nachahmt. Auch die eingestreuten Illustrationen – die trotz Verkleinerung auf dem Farbdisplay hervorragend wirken – tragen natürlich zum besonderen Leseerlebnis bei. Manche führen bereits den ursprünglichen Erfolg des Romans auf den Nostalgie-Faktor zurück – in Form eines Kinderbuchs für Erwachsene: „My impression is that Treasure Island is still appreciated less by boys than by grown-up readers“, schrieb bereits ein Zeitgenosse Stevensons. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Illustrationen nicht zoombar sind. So muss man auf die Details von Stevenson berühmter Schatzkarte leider verzichten – das ist doppelt schade. Denn sie war sogar der Ursprung der ganzen Geschichte: Lloyd Osborne, Stevenson Stiefsohn, hatte einmal zum Zeitvertreib mit Wasserfarben eine Phantasie-Insel gemalt. Daran entzündete sich die Phantasie des Schriftstellers: „das zukünftige Romanpersonal tauchte aus seinen Verstecken in den imaginären Wäldern auf, mit gebräunten Gesichtern, blitzenden Waffen, auf der Jagd nach dem Schatz, alles projiziert ein paar Quadratzentimetern Papier… Die Karte war der wichtigste Teil des Plots.“ Die Originalkarte mit dem „x“ ist übrigens seit mehr als hundert Jahren verschollen, was wir heute auf dem Display des iPhones zu sehen bekommen, ist aber immerhin Stevensons eigenhändige Rekonstruktion. In der Erstausgabe des Buches war sie übrigens die einzige Illustration. Ach ja – das Buch! Manche Leser werden am Ende vielleicht so nostalgisch, dass sie die Schatzinsel in Papierform haben möchten – für diesen Fall hat das Vook eine kleine Hintertür parat: ein direkter Link in Richtung Amazon. Die iPhone-Version gibt’s im App-Store für umgerechnet knapp 1,50 Euro.

Premiere auf dem iPhone: Textunes bringt Stephenie Meyers Twilight-Trilogie als E-Book-App heraus

Twilight Serie textunes E-Book iPhone iPod Touch Bestseller Stephenie Meyer.gifWer Stephenie Meyers Vampirromane als E-Book lesen will, braucht nicht mehr länger zu warten: bei Textunes ist die „Twilight“-Trilogie jetzt als elektronische Version erschienen – exklusiv für iPod Touch & iPhone. Via iTunes kann man jeden Band als einzelne App herunterladen – mehr Komfort verspricht dagegen die Shopping-Funktion der grafisch sehr schön gestalteten textunes-App.

Zitate lassen sich via Twitter oder E-Mail an Freunde verschicken


Bei manchen Bestsellern muss man wohl noch bis in alle Ewigkeit warten – doch wer Stephenie Meyers Bestseller-Roman „Biss ins Morgengrauen“ und die Fortsetzungen als E-Book lesen möchte, dem kann schon jetzt geholfen werden. Für 9,90 Euro pro Band – also zum Preis der Taschenbuch-Ausgabe – kann man sich nun die ganze Trilogie auf das iPhone oder iPod Touch laden. Um den Kauf abzuschließen, benötigt man allerdings ein iTunes-User-Account. Die E-Books lassen sich einzeln als App kaufen, aber auch über die grafisch sehr schön gestaltete textunes-App („In-App-Kauf“). Die textunes-App bietet verschiedene Vorteile: mit ihr lassen sich etwa alle geshoppten Titel in einem virtuellen Bücherregal verwalten. Wer nur hineinschnuppern will, kann sich über die App aber auch erstmal eine kostenlose Leseprobe herunterladen. Sogar Web 2.0-Funktionen sind integriert: Zitate aus den E-Books lassen sich nämlich markieren und via Twitter oder E-Mail an Freunde versenden.

Textunes hat auch interaktive E-Books im Angebot


Das Verlagsprogramm wird laufend erweitert – „unser Ziel ist es, langfristig alle eBooks, die produziert werden, auch als eBook anzubieten“, verspricht textunes. Wer einen Titel vermisst, kann via Webseite Bücherwünsche äußern. Mittlerweile sind insgesamt etwa als 270 Titel im Angebot. Neben Belletristik, Sachbüchern und Comics (z.B. Mawils „Meister Lampe“) gibt es auch Buch/Hörbuch-Kombinationen sowie interaktive E-Books – ein Kochbuch von Sarah Wieners etwa enthält Features wie Slideshows oder individualisierbare Einkaufslisten. Interaktive Elemente bieten aber auch die „Mobile Guides“ genannten Reiseführer – sie enthalten u.a. frei zoombare Stadtpläne. Einen Nachteil haben die Titel von textunes natürlich: wie alle anderen iPhone-Apps auch lassen sie sich nicht auf dem Desktop-Rechner öffnen.

„Warum den Kindle kaufen, wenn es Multimedia-Geräte wie das iPhone gibt?“


Hinter textunes steht der Berliner Verlag ONKEL&ONKEL. Der Kreuzberger Verleger Volker Oppermann brachte die textunes-App Ende 2008 in Kooperation mit den Apple-Entwicklern von theCodeAG auf den Markt. „Unsere Geschäftsidee basiert auf einer simplen Grundüberlegung: Warum technische Dinosaurier wie den Amazon Kindle oder den Sony Reader kaufen, wenn es bereits weit verbreitete und multimedia-fähige Lifestyle-Geräte samt einem optimal angebundenen Online-Shop gibt?“, so Oppermann. Neben Apples Edel-Handy soll das Verlagsprogramm in Zukunft auch auf die Nutzer von Android-basierten Geräten ausgerichtet werden – bis jetzt sind allerdings erst eine Handvoll E-Books angepasst worden.

E-Reader-Republik toppt iPod-Nation: Medienkonsum von E-Book-Lesern laut US-Studie deutlich höher

e-reader-republik-e-book-leser-haben-hoeheren-medienkonsumWer einen E-Reader besitzt, liest deutlich mehr – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des amerikanischen Unternehmens L.E.K. Consulting. Doch nicht nur das: Die E-Book-Fraktion gehört sogar zu den aktivsten Nutzer von neuen Medien überhaupt. Eine „Kannibalisierung“ findet offenbar nicht statt – der Konsum von Print-Büchern leidet unter der elektronischen Lesewut nicht. Das dürfte die Verlage freuen…

Die „E-Reader-Republik“ als Goldmine für die Verlagsbranche

Die E-Reader-Republik macht Fortschritte – also jene Gruppe der Konsumenten, die bereits ein Lesegerät besitzt. In den USA sind das bereits zehn Prozent. Die Early Adopters gehören eindeutig zu den aktivsten Nutzern der neuen Medien überhaupt – in der L.E.K.-Studie gaben 44 Prozent aus dieser Gruppe an, sie hätten ihren Mediengebrauch im Jahr 2009 gesteigert. Die „iPod-Nation“ wie auch die „Facebook- Fanatiker“ hinkten da deutlich hinterher, bei ihnen hatten lediglich 16 bzw. 19 Prozent in punkto Medienkonsum noch zugelegt. Fünfzig Prozent der E-Reader-Nutzer gaben übrigens an, sie hätten mehr Lektüre gekauft als zuvor – sowohl E-Books wie auch gedruckte Bücher. Belege für die von Verlagen oft gestützte „Kannibalisierungs-These“, also der reinen Verlagerung des Konsums von Print in Richtung E-Book gab es offenbar nicht. Befragt wurden für die Studie 2000 US-Bürger über 18 Jahre.

Auch bei der Nutzungsdauer liegen E-Leser vorn

„Die Tatsache, dass Amazon am Weihnachtstag mehr Kindle-E-Books als gedruckte Bücher verkauft hat, spricht Bände“, so Dan Schechter von L.E.K. Consulting. „Wir glauben, dass die ‚E-Reader-Republik‘ eine potentielle Goldmine darstellt, sowohl für Content-Anbieter wie auch für die Werbewirtschaft.“ Auch bei der Nutzungsdauer lagen die E-Reader-Besitzer übrigens klar vorne: Während der „iPod-Nation“ auf etwa neun Stunden pro Woche kam, lagen die „E-Reader-Republik“ bei mehr als 18 Stunden. Insgesamt hat offenbar nicht nur die Intensität der Mediennutzung zugenommen – Stichwort „Multitasking“ – sondern auch die Bereitschaft, für Multimedia-Content zu zahlen, etwa im Bereich Online-Video. „Im Moment entstehen nicht nur ganz neue Medien, sondern es bilden sich auch neue Nutzergruppen heraus. Medienkonzerne wie auch Werbetreibende, die sich auf diese Veränderungen einstellen, könnten am Ende zu den Gewinnern gehören“, so Schechter.

„Entdecken Sie Gold“ – Süddeutsche Zeitung startet Premium-App für’s iPhone

sueddeutsche-zeitung-iphone-app-gold-e-newspaper„Entdecken Sie Gold“, warb eine norddeutsche Brauerei mal für ihr neues Bier. Die Süddeutsche Zeitung wirbt nun für „Gold“ auf iPhone & iPod Touch: für 1,59 Euro pro Monat kann man eine neue Premium-App nutzen. Die Basic-Version gibt’s im App Store aber weiterhin umsonst. Lohnt sich das Upgrade auf „SZ-Gold“ – oder ist mehr Schaum als Content in der Flasche?

Die Online-Aktivitäten der SZ lohnen sich – die „crossmediale“ Leserschaft wächst


In punkto Qualität ist die Süddeutsche Zeitung immer noch Nummer eins in Deutschland: bei einer Umfrage unter Journalisten landete die „SZ“ vor einigen Jahren sogar noch vor dem SPIEGEL. Auch die Leser sehen das so. Die SZ gehört nach wie vor zu den größten überregional gelesenen Abonnementszeitungen. Daran haben auch das E-Paper der Print-Ausgabe und eine speziell aufbereitete Online-Ausgabe ihren Anteil – deren Content via iPhone-App auch den Nutzern von Apples Edel-Handy zur Verfügung steht. Die Redaktion von sueddeutsche.de ist mittlerweile auf 25 festangestellte Redakteure und mehr als zehn Pauschalisten gewachsen. Die Online-Leserschaft scheint diese Anstrengungen auch zu goutieren – die Zahl der Seitenaufrufe stieg auf mehr als 140 Millionen pro Monat. Das kostenlose Online-Angebot hat die Reichweite deutlich erhöht: Bei einer gedruckten Auflage von knapp 500.000 Exemplaren gibt die SZ eine „crossmediale“ monatliche Leserschaft von 1,95 Millionen an.

Paid Content bei der SZ reicht vom E-Paper bis zum Handy-Abo


Schon bisher gab es bei der SZ bestimmte Inhalte als Paid Content – so etwa das E-Paper im PDF- oder Textformat, das pro Monat für 19,90 Euro kostet, im Vergleich zu knapp 40 Euro für die Printversion. Für eine speziell für Mobiltelefone aufbereitete Version (szmobil.sueddeutsche.de) zahlt man 9,90 Euro. Auf dem iPhone liest man dagegen bisher umsonst – die SZ-App lässt sich via iTunes kostenlos herunterladen. Im gewohnten iPhone-Look&Feel bietet SZ-Basic etwa Scroll-Down-Menus mit Überschriften und kleinen Thumnails, Rubriken-Übersichten und die Möglichkeit, einzelne Artikel via Facebook oder Twitter zu empfehlen. Eins hat sich allerdings seit Anfang des Jahres geändert: beim Öffnen wird nun jedesmal ein Werbebanner eingeblendet: „Vergolden Sie ihren Lesestoff“, werden die Leser aufgefordert – denn für 1,59 Euro kann der Nutzer der „Basic“-App upgraden auf die „Gold-App“. Man muss sich also entscheiden: „Jetzt lesen“ für lau oder „Im App Store kaufen“. Nun sind 1,59 nicht viel – doch womit kann das Gold hier glänzen?

Viel dran ist am „Gold“ nicht – die Premium-App bietet nur zwei neue Features


Wer schon bisher die iPhone-App der SZ genutzt hat, wird sehr schnell merken: viel ist es nicht. Im Vergleich zur „Basic“-Variante bekommt man nämlich lediglich zwei neue Features geliefert: im Offline-Modus lassen sich nun mit einem Klick alle aktuellen Inhalte auf das iPhone oder den iPod Touch herunterladen. Dabei kann man auswählen, ob man nur die Artikel-Texte haben möchte, oder auch die dazu gehörenden Bilder bzw. „Klickmonster“-Bildstrecken. Als weiteren Premium-Dienst kann man den „News-Alert“ aktivieren. Gibt es was neues in ausgewählten Themenbereichen, wird man ähnlich wie bei SMS-Services direkt informiert, und zwar auch dann, wenn die App selbst nicht geöffnet ist. „Noch näher am Puls der Zeit kann man kaum noch sein“, verspricht die Süddeutsche Zeitung. Das mag sein – doch insgesamt muss man sich doch genau überlegen, ob man wirklich zum zahlenden Premium-Kunden werden möchte. Immerhin hat man diese Wahl, denn die SZ fährt einen kundenfreundlicheren Kurs als etwa Springer mit der Welt-App – die hat zwar ein paar mehr grafische Highlights, dafür gibt’s sie überhaupt nur gegen Cash. Will man kostenlos via iPhone auf Springers intellektuelles Flaggschiff zugreifen, muss man das über den Safari-Browser tun. Ach ja, bevor wir’s vergessen, einen weiteren Vorteil hat die Gold-App der SZ natürlich doch – es gibt beim Start der App keine Werbeeinblendung mehr.

Stachelrochen statt Urzeitkrebse: Fix&Foxi als E-Comic für iPhone und Playstation

Fix und Foxi neue Heftserie e-comic Gimmick iPhone Playstation comicstars.gifAb 8. Januar sind Fix&Foxi wieder da – die neu aufgelegte Heftreihe erscheint nicht nur auf Papier, sondern auch als E-Comic. Bei fixundfoxi.de kann man die aktuelle Ausgabe für 1,95 Euro herunterladen, parallel dazu gibt es demnächst auch Versionen für iPhone & Playstation. Die Erstausgabe hat den Titel „Das Licht der Tiefe“. Wer das Stachelrochen-Gimmick haben möchte, muss natürlich die Papierversion kaufen – sie gibt’s am Kiosk für 2,95 Euro.

Fix, aber noch lange nicht foxi

„Fix und Foxi sind fix und fertig“, schrieb die BILD-Zeitung im Sommer 2009. Die Insolvenz des Hamburger Tiger Press Verlages hatte damals auch die beiden schlauen Füchse in den Orkus der Finanzkrise gerissen. Hatte man in den 70er und 80er Jahren noch Auflagen bis 400.000 erlebt, dümpelte der einstmals erfolgreichste (west-)deutsche Comic zuletzt mit kaum mehr als 10.000 Exemplaren pro Woche vor sich hin. Dann war erst mal Schluß – aber nicht für immer. „Wir werden unsere Fans nicht im Stich lassen“, tröstete damals Alexandra Kauka die Lesergemeinde. Tatsächlich konnte die Witwe des Fix&Foxi-Erfinders und aktuelle Rechteinhaberin bereits im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse ein neues Projekt verkünden: Anfang 2010 sollte es einen Relaunch der Comicserie geben, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Partner New Ground Publishing (ein Joint-Venture der Verlagsgruppe Droemer-Knaur). „Fix, aber noch lange nicht foxi“, schrieb jetzt der Berliner Tagesspiegel – die neue Ausgabe startet mit einer Auflage von 55.000 Heften. Die Zahl der Leser könnte am Ende noch größer sein – denn der neue Anlauf setzt parallel zum Papier auf das Potential der digitalen Medien. Sogar mit iPhone, iPod Touch oder Sonys Playstation ist man dabei. Über die Webseite fixundfoxi.de kann man ab sofort nicht nur die neuen Hefte im PDF-Format herunterladen können, sondern hat auch Zugriff auf das Fix&Foxi-Archiv haben – und damit auf hunderte Kauka-Klassiker aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Beim Download der alten Ausgaben ist man pro Heft mit 99 Cent dabei.

Fix&Foxi haben ihren Plattenspieler gegen ein iPhone getauscht

Zum neuen Konzept gehört ein Themenschwerpunkt für jede Ausgabe: „Im Wissensteil informieren wir über die Tiefsee und ihre Bewohner“, so Produktmanager Martin Söffker von New Ground Publishing über die Januarausgabe. Neben der Fix & Foxi Titelgeschichte findet man im aktuellen Heft eine Geschichte über Lupo, Neuigkeiten zu Filmen und Events für Kinder und einen Tipp zur Berliner Tiefseeausstellung. Wichtige Ereignisse des Jahres baut der Texter Tim Born in die zukünftigen Stories mit ein: „Zum Beispiel berichten wir über Karneval im Februar und die Fußball Weltmeisterschaft im Sommer“. Auch medial gehen die beiden Füchse mit der Zeit: kam in den Heften der 80-er Jahre noch ein Plattenspieler vor, sind die Füchse zukünftig mit einem iPhone ausgestattet. Wie bei der Konkurrenz von Mick Maus & Co. setzt man bei Fix&Foxi nun übrigens auch auf Gimmicks – diesmal ist ein Stachelrochen dabei. Besser gesagt, das Modell eines Stachelrochens. Anders als bei den legendären Urzeitkrebsen aus dem Yps-Heft wird man also nicht auf das nächste Heft warten müssen, um den Stachelrochen füttern zu können.

Showdown unterm Christbaum: Kindle-Books überflügeln Print, iPod Touch toppt iPhone

Showdown unterm Christbaum - Amazon verkauft mehr E-Books als Print iPod Touch toppt iPhone.gifAmazons E-Reader ist ein echtes Christ-Kindle: in den USA verkauften sich vor Weihnachten so viele Geräte, dass am 25.12. erstmals mehr E-Books als Bücher aus Papier geshoppt wurden. Beliebtes Präsent war aber auch der iPod Touch. Bei den App Downloads überholte er über die Feiertage sogar das iPhone.

„We feel like Kindle is bigger than we are“


Gerade erst hatte Amazon-Chef Jeff Bezos im Interview mit Newsweek beeindruckende Zahlen verkündet: „Bei allen Titeln, die es auch als E-Book gibt, entsprechen die verkauften Kindle-Versionen 48 Prozent der Print-Verkäufe. Im Mai lag diese Zahl noch bei 35 Prozent.“ Schon seit dem Herbst war der Kindle-Reader in den USA das meistverkaufte Produkt – im Weihachtsgeschäft konnte das Unternehmen aber noch einmal kräftig zulegen. Genaue Verkaufszahlen nennt Amazon zwar auch weiterhin nicht – doch die Weihnachtsbotschaft aus Amazons Pressestelle spricht für sich: als Santa Claus dann zahlreichen Amerikanern am 25.12. einen Kindle unter den Christbaum legte, übertrafen die E-Book-Verkäufe erstmals die Umsätze mit „physischen“ Büchern. Besonders im Trend lag neben Dan Browns „Lost Symbol“ übrigens Kathryn Stockets hierzulande noch ziemlich unbekannter Civil Rights- & Racial Divide-Roman „The Help“. Ganz vorne bei den gedruckten Büchern war dagegen jemand, der auch deutschen Lesern bekannt sein dürfte: die erfolglose Vizepräsidentinnen-Kandidatin Sarah Palin mit ihrem Blick zurück im Zorn („Going Rogue“).

Apple rocked it this holiday season

Showdown unterm Christbaum - Amazon verkauft mehr E-Books als Print iPod Touch toppt bei App Downloads  iPhone.gifEin ähnliches Phänomen zeigte sich bei Apple – denn der App-Store vermeldete in den letzten Tagen ebenfalls beeindruckende Download-Rekorde. „Apple rocked it this holiday season“, kommentierte MobileCrunch, und nicht ganz zu unrecht: man konnte nämlich von November auf Dezember satte 50 Prozent Zuwachs verzeichnen. Den Vogel abgeschossen hat am ersten Weihnachtstag interessanterweise nicht das iPhone, sondern der iPod Touch – die Touch-Screen-Gadgets mit WLAN-Funktion waren in den USA offenbar ähnlich wie der Kindle ein ganz besonders populäres Geschenk. Mit dem Finger auf dem Display statt auf dem bunten Teller bescherten die überwiegend jugendlichen iPod-Neulinge am „Christmas Day“ Apples App Store auf diesem Sektor einen 1000-prozentigen Download-Anstieg.

Reality killed the E-Reader-Star: In Deutschland ticken die digitalen Uhren anders


Die Download-Erfolge zeigen vor allem eins: die kritische Masse an mobilen Lesegeräten ist in den USA mittlerweile erreicht worden. Nach Schätzungen des US-Marktforschungsunternehmen In-Stat besitzen bis dato sechs Prozent der amerikanischen Verbraucher ein Gadget, dass sich für die Unterwegs-Lektüre digitaler Inhalte eignet. Im nächsten Jahr soll diese Zahl auf bis zu 17 Prozent steigen – kein Wunder, denn neben Smartphones und Tablet-PCs kommt mehr als ein Dutzend neuer E-Reader auf den Markt. Das deutsche Leseländle wird diesem Trend noch auf absehbare Zeit hinterher dümpeln – der Verlagsberatungsfirma Kirchner + Robrech zufolge sollen aber immerhin in den nächsten fünf Jahren etwa drei Millionen E-Reader über den Ladentisch gehen. In den USA wurden alleine in diesem Jahr bereits zwei Millionen Geräte verkauft. Dementsprechend lesen sich auch die aktuellen Wasserstandsmeldungen von Amazon Deutschland. Zwar erlebte man die bisher verkaufsstärkste Weihnachtssaison überhaupt – alleine am 18. Dezember wurden 600.000 Produkte online gehoppt – doch unter den Topsellern waren weder Kindle noch Kindle-Books. Besonders beliebt waren in punkto Unterhaltungselektronik Farbfernseher, Digitalkameras und Spielekonsolen. Und beim „Content“ standen ganz vorne die DVD-Version von Harry Potter und dem Halbblutprinzen, die New Super Mario Bros. für die Wii sowie Dan Brown – aber nicht als E-Book, sondern als Hardcover.

Internet Archive kommt auf’s iPhone: Kobo-App bietet 1,8 Mio. E-Books gratis

kobo shortcovers e-book e-reader iphone.pngMöglichst viele E-Books, weltweit, auf allen Geräten – das ist die Devise von Kobo (ehemals Shortcovers), einem plattformunabhängigen E-Book-Store mit Sitz in Kanada. Neben kommerziellen Titeln gibt es durch die Kooperation mit dem dem Internet Archive mehr als 1,8 Mio. kostenlose Public Domain-Bücher. Lesen lassen sich via Kobo heruntergeladene E-Books nicht nur auf Desktop und E-Reader, sondern dank entsprechender Apps auch auf iPhone, BlackBerry, Palm Pre sowie Android-Smartphones.

„Die Bibliothek von Alexandria für das digitale Zeitalter“


„Mehr als eine Million App-Downloads“ – diese Nachricht klingt nach Apple oder Amazon, doch sie betrifft tatsächlich Shortcovers. Der von Toronto/Kanada aus operierende E-Book-Anbieter ging im Februar 2009 an den Start – mit dem Ziel „E-Books anytime, anyplace“ anzubieten: vom Desktop über E-Reader bis hin zum Mobiltelefon. Zukünftig hat man mehr als 2 Millionen Titel im Angebot – denn diese Woche wurde die Kooperation mit dem Bookserver Project des Internet Archives bekanntgegeben. Michael Tamblyn von Shortcovers verglich das Projekt mit einer „Bibliothek von Alexandria für das Digitale Zeitalter“. Die ambitionierte Initiative des Internet Archives soll das Auffinden, Verleihen und Verkaufen von Büchern über das Internet ermöglichen – und zwar unabhängig von Quasi-Monopolisten wie Amazon oder Google. Durch die Zusammenarbeit mit der E-Publishing-Plattform Smashwords können Autoren ihre Werke in Zukunft auch direkt bei Shortcover/Kobo vermarkten – ohne den Umweg über einen Verlag. „Wir glauben daran, dass man sowohl mit Leidenschaft Buchhändler sein kann und zugleich für offene Standards“, so Tamblyn. Das Bookserver Project bringt übrigens auch Vorteile für Nutzer von bisher isolierten Gerätestandards wie dem Kindle-Reader – denn seit kurzem wird auch Amazons proprietäres .mobi-Format unterstützt.

Kobo klingt japanisch, ist aber das Anagramm von „Book“


Wer „shortcovers.com“ in die Adresszeile seines Browsers eingibt, landet allerdings seit dieser Woche auf einer ganz neuen Seite – Kobobooks. Kobo klingt auf den ersten Blick japanisch, ist aber ganz einfach ein Anagramm des Wortes „Book“. Der Neustart von Shortcovers alias Kobo hat auch einen finanziellen Hintergrund: Hinter Kobo steht nämlich ab jetzt neben Indigo Books & Music u.a. auch der us-amerikanische Buchhandels-Riese Borders. Zu den wichtigsten Zielländern von Kobo gehören neben der USA und Kanada auch Europa, Australien, Neuseeland sowie Hong Kong.

Kobo kennt kein Paypal: Ohne Kreditkarte geht leider gar nichts…


Um kommerzielle Titel im epub-Format zu lesen, ist wie bei anderen Anbietern auch der Einsatz von Adobe Digital Editions notwendig. Public-Domain-Titel lassen sich dagegen in vielen Fällen direkt auf Desktop oder Mobiltelefon herunterladen oder zumindest im Browser online lesen. Voraussetzung ist eine Registrierung bei Kobo, für die man E-Mail-Adresse, Geburtsjahr und Geschlecht angeben muss. Die Bezahlung von kommerziellen Titeln funktioniert allerdings bisher nur über VISA/Mastercard, doch bei Kobo denkt man zumindest über eine PayPal-Option nach. Ähnlich wie im Fall von Amazon schränken außerdem Copyright-Bestimmungen den weltweiten Vertrieb bestimmter Titel ein. Der Schwellenpreis von 9,99 Dollar für einen Bestseller wie Dan Brown etwa klingt verlockend – doch auch via Boko ist dieser Titel leider nicht in Deutschland erhältlich.

iPhone wird zum E-Reader: Kindle-App jetzt auch in Deutschland erhältlich

iphone App Deutschland Kindle wird zum E-Reader.gifDas iPhone wird zum echten E-Reader: seit heute können auch deutsche Kunden Amazons Kindle-App via iTunes kostenlos herunterladen. Damit lassen sich nun zahlreiche DRM-geschützte E-Books auf dem Display von Apples Edel-Handy lesen. Auch eine Version für BlackBerry ist geplant. Bisher war die Nutzung der Kindle-App offiziell nur in den USA möglich, für europäische Nutzer gab es einen inoffiziellen Workaround. Allerdings sind bei Amazon auch weiterhin nur wenige deutsche Titel als Kindle-Version erhältlich.

Multifunktionsgeräte wie das iPhone konkurrieren mit klassischen E-Readern

Amazon für alle – und zwar umsonst: mit der kostenlosen Kindle-App erweitert der Online-Riese seinen Kundenstamm beträchtlich. Denn E-Books für den Kindle haben schließlich einen entscheidenden Nachteil – sie ließen sich bis vor kurzem nur auf dem Kindle-Reader lesen. Mit „Kindle für PC“ war dies den deutschen Kunden zwar seit ein paar Wochen auch auf dem Desktop möglich. Doch der PC ist nun mal, anders als es Microsoft-Chef Steve Ballmer gerne behauptet, nicht der ideale E-Reader, vor allem nicht unterwegs. Mobile Multifunktionsgeräte wie das iPhone werden dagegen immer stärker zur Konkurrenz für klassische E-Reader mit E-Ink-Display. Allein in Deutschland gibt es mehr als drei Millionen iPhone- sowie iPod Touch-Besitzer, die als potentielle Kunden für Amazon in Frage kommen. Apples Handy bietet für die elektronische Lektüre einen echten Mehrwert: Farb-Display, Touch-Screen, und den direkten Draht zum E-Store. Die iPhone-Gemeinde hat jetzt theoretisch sogar drei Alternativen, um E-Books auf ihr Display zu bekommen: neben Amazons App ist Lexcycles E-Reader-Software Stanza bereits zum Klassiker geworden, was das Lesen von epub-Dateien ohne DRM auf dem iPhone angeht. Mit der txtr-App bietet das gleichnamige Berliner Startup seit kurzem sogar die Möglichkeit, DRM-geschützte deutschsprachige E-Books auf dem iPhone zu lesen.

Ausgerechnet Mac-Besitzer können von der iPhone-App nicht profitieren

Nur eins ist leider immer noch nicht möglich: aktuelle deutsche Titel direkt über eine iPhone-App shoppen. Bei Amazon gibt’s eben immer noch vor allem englische E-Books, und auf die txtr-App gelangt die elektronische Lektüre nur durch die Synchronisation mit dem Desktop bzw. Laptop. Ein Problem haben bei Amazon allerdings auch die Mac-Benutzer: zwar spricht das Unternehmen in einer Pressemitteilung davon, Kunden könnten nun „ihre Lektüre zwischen Kindle-Reader, Computer und iPhone synchronisieren“. Doch mit „Computer“ sind dabei nur „PCs“ gemeint – die „Kindle für Mac“-Anwendung wird wohl erst im Jahr 2010 kommen. Ohnehin lohnt sich die lückenlose Gerätekette für die Amazon-Kunden eigentlich nur in den englischsprachigen Ländern. Deutsche Leser dürften bis auf weiteres mit der Kombination txtr-Reader und txtr-iPhone-App besser bedient sein.

Die WELT rotiert, das BILD-Girl schüttelt sich: iPhone-Apps als neue Cash Cow für die Springer Presse

Einen „Laborversuch“ in Sachen Paid Content wagt der Axel Springer-Verlag: seit Mittwoch sind die WELT sowie BILD als iPhone-App zu haben. Neben multimedialen Inhalten erwarten die Leser auch PDF-Versionen der gedruckten Ausgabe. Das intellektuelle Flaggschiff des Verlags gibt es im ersten Monat für 1,59 €, Deutschlands meistgelesene Boulevard-Zeitung für 79 Cent, danach verteuern sich die Abos.  Der Start war bis jetzt erfolgreich: im deutschen App Store rangieren Springers digitale Cash Cows bereits unter den Top 5.

Das iPhone-Abo als „zweite Säule der Monetarisierung“ neben Online-Werbeerlösen

Exklusiv war die BILD-Zeitung bisher vor allem aus einem Grund – es gab sie nur am Kiosk. Dass man Deutschlands meistgelesene Boulevard-Zeitung nun auch abonnieren kann, hat mit einer kleinen medialen Revolution zu tun. Der Axel Springer Verlag wagt nämlich in punkto Paid Content den großen Sprung nach vorn: am Mittwoch gingen parallel die WELT und BILD als iPhone-Apps an den Start. Springer-Vorstandschef Döpfner hat nämlich eine Vision – in einigen Jahren möchte er 50 Prozent der Konzernumsätze im Online-Bereich machen. Dabei setzt Döpfner auf „Premium-Content“. Mit „hochwertigen Hintergrundinformationen, exzellenten Services und einzigartige Benutzerfreundlichkeit“ will man den Besitzern von Apples Edel-Handy jeden Monat ein paar Euros aus der Tasche locken. Vor allem das stark eingebrochene Anzeigengeschäft im Printbereich macht Springer zu schaffen. Neben den bisher eher bescheidenen Online-Werbeerlösen hofft man auf das Handy-Abo als„zweite Säule der Monetarisierung in der digitalen Welt“. Auch das Nachrichtenmagazin SPIEGEL will noch im Dezember einen vergleichbaren Schritt wagen – mit einem PDF-Abo speziell für das iPhone. PDFs der gedruckten Ausgaben haben auch Springers iPhone-Apps im Gepäck – doch vor allem bieten sie multimedial aufbereitete Inhalte, die speziell auf das iPhone abgestimmt sind.

Was ist ein noch so schön animierter Globus gegen das Quietschen eines Schüttel-Girls?

Um die mediale Aufmerksamkeit braucht sich in der Chefetage des Zeitungskonzerns wohl keine Sorgen zu machen – denn man hat für genügend digitales Bling-Bling gesorgt. So dreht sich in der iPhone-Version von Springers intellektuellem Flaggschiff WELT ein Google-Earth-würdiger kleiner iWelt-Globus. Taucht man per Finger-Flip in die virtuelle Welt hinein, poppen Themenfenster auf, die aktuelle oder geschichtliche Daten mit geographischen Orten verbinden. Da liest man Richtung Brüssel etwa vom „Machtkampf über die Gehälter der EU-Beamten“, schwebt man nach Riga, erfährt man von Arbeitslosen, die ein Zeltdorf bauen, und bewegt man sich in Richtung Asien, tauchen Meldungen über Kampfkamele, Heilige Kühe und Schweingrippen-Tote auf. Im Geschichtmodus dagegen bricht Luther an einem 10. Dezember im Jahr 1520 mit Rom, in Skandinavien fällt Karl der Zwölfte an einem zehnten auf dem Schlachtfeld, und 1901 werden am zehnten die ersten Nobelpreise verliehen. Doch was ist ein noch so schön animierter Globus gegen die Rundungen von Alexandra, einer 22 jährigen Artzhelferin aus Köln? Während der Globus zwar etwas eiert, aber gar nicht quietscht, wirft das BILD-Schüttel-Girl begleitet von digitalem Juchzen die Garderobe ab. Geschüttelt wird natürlich per Hand – möglich macht das der G-Sensor des iPhones. Da bisher wohl kaum ein Bild-Girl oder Boy so viel Handbewegungen ausgelöst haben dürfte, hat sich BILD-Chef Kai Diekmann mit dem Schüttel-Feature ein viel besseres Denkmal gesetzt, als es andere Medienkünstler je tun könnten. Für Personen unter siebzehn Jahren, so werden die iPhone-Benutzer übrigens bei der Installation gewarnt, könnten manche Inhalte der BILD möglicherweise nicht geeignet sein. Gleiches gilt allerdings auch für die Welt-App…(!)

Die BILD-App lockt mit Rihannas heißen Höschen, die WELT eher mit Politik, Kultur und Webnews

Doch auch die jugendfreien Inhalte von WELT und BILD verdienen eine Würdigung – denn eins steht fest: Auswahl und Aufbereitung des Nachrichtenangebots sind sehr gut gelungen. Die BILD-Schlagzeilen auf der Startseite lehnen sich an das Layout der Print-Ausgabe an, die ineinander montierten Bilder und Schlagzeilen lassen sich per Fingerbewegung zur Seite scrollen – von Tiger Woods Edel-Huren geht es dabei über Guttenbergs Blitzbesuch an der Kunduz-Front und Rihannas heiße Höschen Show bis zum Marken-Test für Natur-Kosmetik. Tippt man die Schlagzeile an, kann man die eher nüchtern gelayouteten Artikel selbst lesen, an deren Kopf jeweils ein großes Farbfoto zu sehen ist. Der begrenzte Raum des iPhone-Displays zwingt deutlich zu gestalterischen Kompromissen – das zeigt auch der Rest des Startmenus. Thumbnails plus Anreißer – das sieht selbst bei der iPhone-App der BBC nicht sehr viel anders aus. Eingeschoben in die Startseite sind ein paar spezielle Info-Elemente, so etwa der Wetterbericht, die „Gewinner/Verlierer“-Rubrik sowie zwei Leisten mit Video-Stills und Fotos, die wie die Schlagzeilen zur Seite gescrollt werden können. Das Informationsangebot insgesamt ist äußerst reichhaltig – über das Ressort-Menü gelangt man auch auf sämtliche Regionalseiten (etwa Berlin, Bremen, Hamburg, Ruhrgebiet, München) inklusive Regional-Sport. Gut bedient wird man auch bei der Welt-App, besonders haben uns beim Testen die Rubriken Web-Welt, Kultur und Wissenschaft gefallen.

Doppel-Moppel von Multimedia & PDFs macht keinen Sinn – auf dem iPhone wirkt nur, was für das iPhone gemacht wurde

Wer einen Blick in die gedruckte Ausgabe werfen will, dem wird ebenfalls geholfen: schon am Vorabend ist das PDF der Print-Bild innerhalb der App lesbar – inklusive animierten Papierraschelns beim Umblättern. Doch bei aller Nostalgie: um eine Zeitung im großen nordischen Format auf dem iPhone-Display zu lesen, sind eindeutig zu viele Fingerbewegungen und Zooms notwendig. Zudem zeigt ja der Rest der multimedialen App, dass man in anderer Form die Inhalte viel komfortabler anbieten kann. Etwas leichter hat man es bei der Welt, die auf dem iPhone-Display als PDF in Form der WELT KOMPAKT präsent ist – und kompakt ist eben auch das Format. Sinnvoll dürfte aber auch die kompakte Welt erst auf einem zehn bis zwölf Zoll großen Display sein – irgendwo zwischen iPhone und Joo Joo. Wer ab Januar auch weiterhin die PDFs von BILD oder WELt lesen will, wird außerdem mit 3,99 bzw. 4,99 € pro Monat zur Kasse gebeten. Die normalen Apps werden im Abo dagegen nur 1,59 bzw. 2,99 € kosten – was im Vergleich zu einem richtigen Zeitungsabo durchaus günstig klingt. Doch man muss natürlich eins bedenken – es gibt bisher noch genügend kostenlos Alternativen, vor allem auch die Webseiten von BILD und WELT. „Um die für viele iPhone-Nutzer wichtigste Frage sofort zu beantworten: Nein, der bisherige Zugang zur Mobil-Plattform von WELT-Online wird nicht geschlossen oder mit einer Bezahlschranke versehen“, beeilte sich die Redaktion den Lesern diese Woche mitzuteilen.  Allerdings „empfehle“ man „dringend“, die neue App „zum Einführungspreis“ zu testen. Hat im Axel Springer-Haus wirklich niemand vor, eine Bezahl-Mauer zu bauen? Den Zeitpunkt werden wohl die Leser selbst festlegen – sobald genügend Abonnenten für die Apps von BILD und WELT gewonnen sind, dürfte am östlichen Ende der Berliner Rudi-Dutschke-Straße der digitale Schlagbaum heruntergekurbelt werden.

Der Autor als Haiku-Maschine: Rick Moody twittert einen Roman in 160 Folgen

rick-moody-twitterfiction-contemporary-characters-electric-literature1Getwittert wird immer und überall. Doch ein ganzer Roman? Rick Moody hat es gewagt. Der New Yorker Autor machte Anfang Dezember den Twitter-Feed der Online-Zeitschrift „Electric Literature“ für drei Tage zum Bewusstseinsstrom seiner Romanfiguren. Eigentlich war es eher eine Kurzgeschichte: Insgesamt 160 Tweets erzählten über „Some Contemporary Characters“ – die Geschichte eines Blind Dates auf dem Weg zwischen New York und Coney Island.

„Das ist so, als würde man am laufenden Band Haikus schreiben“

„How short can the short story get?“, fragte das Wall Street Journal einen Tag vor Beginn des Experiments. Doch wenn jemand prädestiniert zum Twitter-Romancier ist, dann Rick Moody. Schließlich gilt der 1964 geborene Autor mittlerweile als Meister der amerikanischen Kurzgeschichte. Zuletzt erschien von ihm 2008 ein Erzählband mit dem Titel „Paranoia“ (engl.: Right Livelihood), dessen Texte einen Blick auf das Amerika nach dem 11. September erlauben, irgendwo steckengeblieben zwischen innerer Emigration, Post-Trauma und Verschwörungstheorien. Den meisten Menschen innerhalb und außerhalb der USA dürfte Moody aber immer noch als Autor des Romans „Ice Storm“ bekannt sein, der unter dem selben Titel von Star-Regisseurin Aung Lee verfilmt wurde. Doch ob Roman oder Kurzgeschichte, wer als Autor statt mit einer Manuskriptseite plötzlich mit den 140 Zeichen eines Micro-Blogging-Dienstes zu tun hat, steht vor ganz neuen Herausforderungen. „Das ist so, als würde man am laufenden Band Haikus schreiben“, fasste Moody vorab das Projekt gegenüber der New York Times zusammen. Aber das sei eben auch die Aufgabe von Schriftstellern – bisherige Ausdrucksformen sprengen, neue Ausdrucksformen finden.

Rick Moody belauscht den Twitter-Feed seiner Romanpersonen

rick-moody-twitterfiction-electric-litarature-contemporary-characters-bild_flickr_smathAm 30 November ging es los – „This is an experiment in participatory ePublishing, please feel free to RT the story“ hieß es um 10 Uhr vormittags im Twitter-Feed von Electric Literature. Dann übernahm für 72 Stunden die Stimme des Autors das Kommando. „Es gibt Dinge in dieser berechenbaren und abgehärmten Welt, die kann man nur auf kleinstem Raum, mit einem Minimum an Personen und Buchstaben erzählen“, lautet der erste Satz. Dann überlässt der Erzähler die Geschichte den beiden Hauptpersonen – einem alternden Intellektuellen und einer jungen Frau, die sich online in einem Coffee Shop mitten in New York verabredet haben. „Wir machten ein Date aus. Sagte, er hätte ne ‚unübliche Vorstellung von Zeit‘. Und siehe da – er tauchte tatsächlich nicht auf“ twittert sie. „Hab drei Tage auf sie gewartet. Immer wieder. Zugegeben, es waren die falschen Tage“, twittert er. Und so geht es weiter. Rick Moody wählt eine naheliegende Perspektive: es sieht so aus, als würde der Autor die Online-Gezwitscher seiner Romanpersonen belauschen. Irgendwann treffen sich die beiden natürlich dann doch. Die Namen der Personen erfährt man bis zum Ende nicht. Aber man bekommt eine gewisse Vorstellung. „Dünnes Haar und fünfzehn Pfund Übergewicht… Naja, ein totaler Schlumpi war er auch nicht“. „So ein Jeans-mit-Rock-drüber-Typ, ziemliche Oberweite, drei Haarfarben, keine davon echt.“ Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Oder vielleicht einer Romanze?

Nach 160 Tweets heißt es: „Thanks for reading“

Um es kurz zu machen: Die beiden werden sich wieder treffen, zusammen nach Coney Island fahren, und sie werden Sex haben. Oder jedenfalls fast. In knapp 160 Tweets hat Moody diesen Älterer-Mann-trifft-jüngere-Frau-Plot bis zur bitteren Neige erzählt. Am späten Nachmittag des 2. Dezembers hieß es dann: „Thanks for reading.“ 160 Tweets – das ergibt insgesamt nicht mehr als 20.000 Zeichen. Die Grenze für Kurzgeschichten in der für das iPhone optimierten Online-Zeitschrift „Electric Literature“ sind normalerweise sogar nur 8000 Zeichen. Verglichen damit ist Moodys Twitterfiction wirklich schon fast ein Roman. Und ein äußerst erfolgreicher dazu: “Wir bekamen auf unserem Feed mehr als 10.000 Follower dazu,” freute sich Electric-Literature-Mitherausgeber Andy Hunter nach dem letzten Tweet. “Es gab sieben mal mehr positive als negative Kommentare. Wir waren also äußerst erfolgreich damit, Twitter als ein Instrument zu benutzen, um Literatur an möglichst viele Leute heranzubringen.“ Moody selbst will allerdings in Zukunft lieber wieder ohne das 140-Zeichen-Limit schreiben – das Twitter-Experiment bezeichnete er gegenüber dem Wall Street Journal eher als Werbe-Kanal für konventionelle Literatur: „Ich hoffe so etwas bringt die Leute wieder an echte Bücher heran, ich glaube an das Buch als Form. Alles andere hat letztlich doch immer so einen Gimmick-Charakter. Egal ob zu Hause oder unterwegs, ich lese echte Bücher, Blackberry oder Kindle, das ist nichts für mich.“