iPad 3 & Retina-Display: E-Comics dank besserer Auflösung endlich salonfähig?

Vor fast zwei Jahren erlebten elektronische Comics ihren „iPad-Moment“. Mit Apples buntem Touch-Screen existierte plötzlich das perfekte Lesegerät für bunte Bildergeschichten, und mit dem App-Store die perfekte Vermarktungsmaschine. Mittlerweile hat sich im englischen Sprachraum comiXologys „Comics-“App zur zentralen Lektüre-Plattform gemausert, über die man mehr als 20.000 Titel von klassischen Verlagen wie Marvel oder DC herunterladen kann. Ähnlich wie iBooks fungiert die App dabei als E-Store und persönlicher Bibliothek zugleich. Zu den beliebtesten Comic-Apps in Deutschland gehören Manga! vom Carlsen Verlag sowie die Disney-Comics-App. Weitaus stärker als E-Books haben allerdings E-Comics mit gewissen Vorbehalten zu kämpfen – nicht nur Comic-Sammler bevorzugen oft noch die Papierversionen. Eine wichtige Rolle spielt die optische Qualität von E-Comics. Bringt hier nun das hochauflösende Retina-Display des neuen iPads die Wende?

Buchstaben werden schärfer dargestellt

Sieben Zoll-Tablets eignen sich bereits von ihrer Grundfläche nur bedingt für E-Comics, doch selbst Apples zwei Zoll größeres iPad wäre ohne Zoom-Funktion keine wirklich attraktive Plattform. Noch wichtiger ist allerdings die Display-Auflösung. Hier bringt das iPad der dritten Generation deutliche Qualitätssteigerungen. Die Retina-Auflösung von 2048×1536 Pixeln statt wie bisher 1024×768 ändert vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so viel – bei Illustrationen muss man schon sehr genau hinschauen, um den Effekt zu bemerken. Gerade beim Lesen verbessert sich jedoch eine Menge. Buchstaben werden schärfer und kontrastreicher dargestellt, was bereits die E-Book-Lektüre erleichtert. Noch größer ist der Effekt bei den Sprechblasen von E-Comics. Das „Lettering“ findet hier schließlich per Hand statt, die feingliederige Schrift wirkte bisher oft etwas verwaschen. Ohnehin werden E-Comics vom typischen US-Format – das etwa 12 Zoll entspricht – auf die neun Zoll des iPads heruntergezoomt.

ComiXology startet neues HD-Format

ComiXology bietet mit CMX-HD bereits ein eigenes Comic-Format für das neue iPad an. HD steht dabei selbstverständlich für „hochauflösend“. Doppelte Auflösung bedeutet natürlich auch doppelter Speicherverbrauch und dementsprechend längere Download-Zeiten. Doch der direkte Vergleich zeigt, das sich der Aufwand durchaus lohnen kann – vor allem beim „Guided View“ bzw. einzoomen auf einzelne Panels. „In the case of comics, it’s suddenly a whole new game again“, begeistert sich etwa Augie De Blieck jr. von ComicBookResources (CBR). Höchst zufrieden ist auch Charles Jade von Ars Technica: „On the new iPad, digital comics have superseded paper in one key aspect. It’s a better read“. Angesichts der Farbwirkung meint auch Tech-Blogger Norman Chan: „ I think the art actually looks better in some situations“. Letztlich wird natürlich die Masse der Leser darüber entscheiden, ob die Zeit für den kompletten Umstieg von Papier zum Touch-Screen gekommen ist. Viele US-Comicverlage setzten schon jetzt auf Multi-Optionalismus – sie bieten in ihren Heftchen Download-Links für die digitale Version an.

(via teleread & Ars Technica)