Wormworld-Saga Teil 3: Deutschlands erfolgreichster Web-Comic geht in die nächste Runde

Für die Fans von „Wormworld-Saga“ hat das Warten ein Ende – gerade ist mit „Ein ungeheuerlicher Wald“ („A monstrous Forest“) das dritte Kapitel von Daniel Lieskes Webcomic erschienen. Mehr als eine Million Besucher machten Wormworld-Saga seit Ende 2011 zum erfolgreichsten Webcomic Deutschlands. Der ungewöhnlichste ist er ohnehin schon: denn Lieske setzt auf das Prinzip der „unendlichen Leinwand“, die digitale Bildergeschichte lässt sich komplett durchscrollen. Im zweiten Kapitel „Die Reise beginnt“ war Jonas, der Held der Geschichte, durch ein Gemälde in die titelgebende Fantasiewelt eingetreten. Nun steht die Wurmwelt selbst im Mittelpunkt: „Finally we will now follow Jonas on his first steps beyond the magic canvas and find out more about this mysterious place and its inhabitants“, so Lieske auf seinem Blog über den dritten Teil.

Was als Self-Publishing-Experiment begann, hat mittlerweile zum Sprung in die Selbständigkeit geführt, denn Daniel Lieske arbeitet inzwischen full time an Wormworldsaga. Die Fertigstellung von Kapitel 2 dauerte unter den verbesserten Arbeitsbedingungen 3 Monate, das dritte Kapitel ein paar Wochen länger: „Chapter 3 was a huge challenge for me as I wanted the first impression of the Wormworld to be a lasting one. This chapter is the longest chapter so far and it is full of elaborate full scale backgrounds.“ Insgesamt, so Lieske, habe er knapp 400 Stunden für den gesamten Workflow gebraucht. Das tatsächlich beeindruckende Ergebnis kann man sich direkt im Browser anschauen: Die Web-Version von Wormworldsaga finanziert sich über Spenden aus der Community und ist frei zugänglich. In der iPad-App sowie der vor kurzem gestarteten Android-App kostet jedes Kapitel 2,99 Euro. Dafür werden die In-App-Shopper allerdings auch mit einigen Extras belohnt.

Zeichnerisch ist der Webcomic deutlich am Manga-Stil geschult, aber auch an hochwertiger Videospiel-Ästhetik. Neben einer deutschen Version gibt es zahlreiche Übersetzungen. Wie bei anderen erfolgreichen Webcomics garantiert auch bei Worwormldsaga die kostenlose englische Web-Version eine möglichst weltweite Reichweite, während die eigentliche Monetarisierung auf anderen Ebenen stattfindet. Neben Spenden via flattr, PayPal oder Kachingle kann man im „Printshop“ etwa handsignierte Digitaldrucke erwerben. Die iPad-App ermöglicht neben dem Kauf einzelner Kapitel auch noch ein spezielles Upgrade, das den Zugang zu Autorkommentaren sowie exklusiven Artwork- und Making-of-Inhalten freigibt. Eine besondere Herausforderung für den Zeichner dürfte die angekündigte Papierversion der Wormworld-Saga werden, die beim Manga-Spezialisten Tokyopop erscheinen soll.

Abb.: Wormworldsaga.com

Web-Comic für „Holy-Scrollers“: „Wormworld-Saga“ setzt auf das Prinzip der unendlichen Leinwand

Wormworldsaga ist ein Web-Comic der besonderen Art – die vor kurzem gestartete Fantasy-Serie von Daniel Lieske lässt sich im Browser komplett durchscrollen. Der Gütersloher Computerspiel-Gestalter und Zeichner setzt im Unterschied zu den meisten anderen E-Comic-Machern auf das Prinzip der „infinite canvas“. Ungewöhnlich für deutsche Comic-Künstler ist auch die Wahl der Sprache – Lieske textete von Anfang auf Englisch, um die größtmögliche Reichweite zu erhalten. Das erste Kapitel der Wormworld-Saga ist seit Dezember 2010 online.

wormworld-webcomic-infinite-canvas

Zwischen Manga-Stil und Videospiel-Ästhetik

„Comics neu erfinden“ („Reinventing Comics“) lautet der legendäre Titel eines Buches von US-Comic-Papst Scott McCloud, Untertitel: „Wie Vorstellungskraft und Technik eine Kunstform erneuern“. Die Technik, um die es McCloud dabei geht, ist das Internet. Eine der Ideen, die McCloud in seinem 2001 erschienenen Bestseller vorbrachte, war die „unendliche Leinwand“ („infinite canvas“). Nicht umsonst stieß Daniel Lieskes Wormworldsaga denn auch auf einhelliges Lob beim großen Meister. In seinem Blog schrieb McCloud nach dem Start des deutschen Webcomics: „Besonders beindruckt mich Lieskes Raumgefühl, das sehr seltene Erlebnis, in eine umfassend ausgeführte neue Welt einzutauchen. Sehr geschickt nutzt Lieske Establishing Shots, um die Übergänge zwischen den einzelnen Panels zu gestalten.“ Lieskes Webcomic ist auf ein internationales Publikum ausgerichtet – nicht nur durch die Wahl der englischen Sprache. Zeichnerisch ist die Geschichte vom kleinen Jungen, der im Landhaus seiner Großmutter durch ein Gemälde in eine Fantasiewelt eintritt, deutlich am Manga-Stil geschult, aber auch an hochwertiger Videospiel-Ästhetik.

„Die Navigation fühlt sich einfach natürlich an“

Mit dem endlos scrollbaren Webcomic bewegt sich Lieske allerdings fern jeglichen Mainstreams. Die meisten Webcomics setzen nämlich auf das Seitenprinzip – pro Folge eine neue Web-Page. Dank WordPress-Plugins wie etwa Comic Press ist das Veröffentlichen von Comics im Internet rein technisch tatsächlich schon mit dem normalen Bloggen identisch. Das führt zu hohen Klickzahlen, und ist auch für die Platzierung von Werbebannern ideal. Gerade bei den innovativen Autoren stößt das Umblättern allerdings auf Widerstände, es gilt als zu nah dran an den Zwängen der Gutenberg-Galaxis. Zuletzt hatte sich etwa der Journalist und Sachbuchautor Jürgen Neffe mit seiner endlos durchlaufenden „Libroid“-App auf die Seite der „Holy Scrollers“ geschlagen. Ähnlich denkt auch Lieske – dem Berliner Tagesspiegel gegenüber erklärte der Web-Comic-Zeichner: „Die Navigation fühlt sich einfach natürlich an. Man kommt auf eine Webseite und es ist völlig natürlich, runterzuscrollen. Du musst es niemandem erklären, es ist der natürlichste Reflex jedes Web-Users, der mehr sehen will.“ Aktualisiert wird die Wormworld-Saga nicht scheibchenweise, sondern Kapitel für Kapitel. Lieske hat sich vorgenommen, vier solcher Abschnitte innerhalb von zwölf Monaten zu schaffen – wenn die Finanzierung klappt.

Im Webshop gibt’s handsignierte Digital-Prints der Wormworld-Saga

Da eine Printfassung nicht nur aus formalen (bzw. Format-)Gründen nicht geplant ist, probiert Lieske andere Formen der Vermarktung aus. Spenden via Paypal oder Flattr gehören ebenso zum Konzept wie das Sponsoring durch Anzeigenkunden. Anfang Januar ging zudem ein Webshop online, in dem man exklusive Digital-Prints aus der Feder des Wormworldsaga-Zeichners erwerben kann. Um dieses Angebot auch Sammlern schmackhaft zu machen, sind alle Drucke sind mit Unterschrift und Stempel versehen. Das Interesse der Leser hat Lieske selbst überrascht – das erste Kapitel von der Wormworld-Saga ging am 25.12. online und hatte mittlerweile bereits 150.000 Pageviews. Lieskes Gesamtkonzept scheint aufzugehen – durch die Wahl von Englisch als Webcomic-Sprache ist die Zahl der potentiellen Leser sehr groß, vor allem dürften sich auch Leser aus den USA und Großbritannien angezogen fühlen, Länder, in denen elektronische Comics schon stärker zum Teil der digitalen Alltagskultur geworden sind.

Abb.: Wormworldsaga.com