Crowdfunding, Crowdfailing: Popslate ist pleite – neues E-Ink-Smartcase kommt nicht mehr

popslate-2-e-ink-smartcase-kommt-nicht-mehrJe mehr Crowdfunding zum Crowdinvestment wird, desto mehr gleichen sich auch die Misserfolgsgeschichten – nun hat es mit Popslate wieder einmal ein Startup mit Crowdkapital erwischt. Immerhin war das E-Ink-Smartcase für das iPhone keine reine Vaporware, die erste Version des via Indiegogo vorvermarkteten E-Lese-Accessoires (Funding-Summe: 220.000 Dollar) für die Apple-Fangemeinde wurde – wenn auch mit Verspätung und reichlich abgespeckten Features – Anfang 2015 an die Vorbesteller ausgeliefert.

1,1 Mio. Dollar Crowdkapital futsch

Obwohl die Reviews dann eher enttäuschend ausfielen – bemängelt wurde u.a. niedrige Auflösung, kein Touchscreen, dafür aber hoher Preis – schafften es die Popslate-Macher, Mitte 2016 eine zweite Kampagne auf die Beine zu stellen, die sogar 1,1 Mio. Dollar einsammelte. Doch (funk-)technische Probleme bei der Realisierung – das Hüllenmaterial des Smartcases schluckt zuviel Signalstärke des iPhones – und am Ende leere Kassen haben dem Projekt nun den Todesstoß versetzt.

„This will be our final update“

Das finale Projektupdate bilanziert kurz und knapp:

„There is no way to sugarcoat what this all means:
-popSLATE has entered into the legal process for dissolution of the company
-Your popSLATE 2 will not be fulfilled
-There is no money available for refunds
-This will be our final update“

Know-How als Konkursmasse

Anders als bei der Pebble-Pleite gehen also nicht nur die Unterstützer/Vorbesteller des Produkts leer aus, auch die Gründer und ihr Team schauen in die Röhre – während die E-Ink-Smartwatch in letzter Minute für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag von einem Konkurrenten (Fitbit) aufgekauft wurde, scheint fraglich, ob sich jemand für die Konkursmasse von Popslate interessieren wird.

Tja, wie heißt es so schön: Startups sind Suchmaschinen für Geschäftsideen. Doch egal ob nun crowdgefundet oder nicht, wenn man sich dabei jenseits eingetretener Pfade bewegt, kann auf der Strecke eben auch mal der Abgrund lauern…

(via The Digital Reader)

popSLATE2 trifft iPhone: E-Ink-Smartcover mit Saft im Gepäck

popSLATE2-smart-screen-cover-iphone-mit-einkEine Smartwatch mit 5 Zoll-Screen & Real-Time-Updates, ein E-Reader, und ein zusätzliches Akku-Pack, alles für einen Preis? Das neue popSLATE2 verspricht iPhone-Nutzern eine ganze Menge. Kaufen kann man das auf E-Ink-Technologie basierende „Smart Second Screen“ für’s iPhone 6ff. allerdings noch nicht, dafür aber vorbestellen: Derzeit läuft die Pre-Order-Kampagne via Indiegogogo, ab 69 Dollar (plus 25 Euro Versand) ist man dabei. Regulär soll das smarte Cover dann je nach iPhone-Modell 129 bzw. 149 Dollar kosten, geliefert wird ab August 2016.

Mehr Screen-Fläche, höhere Auflösung

Doch lohnt sich ein Smart Screen zum Preis eines kompletten Kindle-Readers wirklich? Zumindest mehr als beim popSLATE1, so scheint es. Das Team um Yashar Behzadi, Greg Moon und Stephan Charbit hat der zweiten Version des E-Ink-Covers nämlich zahlreiche technische Updates verpasst: Mehr Screen-Fläche (4,3 bzw. 4,7 statt 4 Zoll), höhere Auflösung (200 dpi statt 115 dpi), flacheres Design (4 mm statt 6,5 mm), sowie drei kapazitive Touch-Screen-Buttons.

Auch auf spezifische Kritik der Nutzer hat man reagiert: Das popSLATE2 zehrt nun nicht mehr am Akku des iPhone, es spendiert selbst eine Runde Saft. Der im E-Ink-Cover verbaute Zweit-Akku soll bis zu neun Stunden zusätzlicher Gesprächszeit bzw. fünf Stunden Online-Aktivitäten ermöglichen. Mal abgesehen davon, dass natürlich auch durch die häufige Nutzung des E-Ink-Displays anstelle des iPhone-Screens Strom gespart wird. Ist das popSLATE2 mit dem iPhone verbunden, lassen sich beide Akkus simultan via Lightning-Verbindung aufladen.

„Reisende, Working Mums, News Aficionados“

Als typische „Use Cases“ sehen die popSLATE-Macher z.B. Geschäftsreisende, die ihre virtuellen Boarding-Karten, Hotel-Reservierungen, Stadtpläne etc. griffbereit haben möchten, „Busy Working Mums & Dads“ mit langen Shopping-Listen und To-Dos, oder „Social & News Aficionados“, die Börsenkurse, Media Alerts und Social Media-Streams im Blick behalten möchten. Nicht zu vergessen Outdoor-Freunde, die sich über längere Akkulaufzeiten und konstraststarke Lektüre auch bei prallem Sonnenlicht freuen.

Was genau auf dem smarten Second Screen angezeigt wird, entscheidet der Nutzer über die popSLATE2-App. Auch hier gab’s Zuwachs: zur Wahl stehen jetzt etwa Dashboards mit Wetter-Infos, Nachrichten-Feeds, To-Do-Listen, herzerwärmende Familienfotos oder diverse coole Watchfaces. Auch umblättern — z.B. bei der E-Book-Lektüre — ist dank der Touch-Buttons am unteren Display-Rand kein Problem.

E-Reading-Potential nicht ausgeschöpft

Apropos E-Reading via popSLATE2: ausgerechnet bei diesem interessanten Feature sind die Möglichkeiten derzeit leider noch ziemlich begrenzt, bisher können nämlich via App nur gemeinfreie Titel von Project Gutenberg auf das E-Ink-Screen gebracht werden. Weitere Content-Quellen sollen aber im Herbst 2016 dazukommen, lautet das Versprechen.

(via The Verge & Indiegogo)

E-Ink-Reader wird zum PC-Monitor – erstmals als offizielles Feature

Das wurde wirklich auch mal Zeit: erstmals wird mit dem „CBR“ ein E-Ink-Reader gelauncht, der sich alternativ als PC-Monitor nutzen lässt. Neben Windows-PCs soll man auch Mac- und Linux-Systeme auf das sechs Zoll große (bzw. kleine) E-Ink-Display beamen können. Hinter dem Projekt steht das chinesische Unternehmen Shenzhen Ocean Blue Technology, das aktuell auf der Crowdfunding-Plattform IndieGogo eine Pre-Order-Kampagne veranstaltet. Ab 69 Euro kann man den ansonsten ziemlich gewöhnlichen 6-Zoll-Tastenreader mit Frontlight und XGA-Auflösung vorbestellen – wer möchte, darf aber auch gleich 100 Stück für 6000 Euro ordern.

Im Unterschied zu zahlreichen Reader-Hacks von Kindle, Nook & Co. wird das „Second Screen“ beim CBR aber immerhin als offizielles Feature mitgeliefert – über ein USB-Kabel schließt man den Reader an den PC an, und los geht’s. Natürlich ist auf dem 6-Zoll-Display auch im Querformat nicht ganz so viel Platz wie auf einem großen Monitor, aber zumindest für mobile Anwendungen könnte eine solche Ergänzung Sinn machen. Manche Hacks bieten sicherlich mehr, etwa eine Verbindung via Bluetooth oder, wie im Falle des gehackten Kindle DX, deutlich mehr Displayfläche. Aber vielleicht wirkt die Indiegogo-Kampagne ja als kleiner Weckruf für die Branche – und beschert uns demnächst ein mobiles E-Ink-Display für den PC mit zehn oder zwölf Zoll.

Abb.: Screenshot