In den USA herrscht Digital First bei populären Genres: E-Book-Anteil bei Romance erreicht 90 %, bei SciFi 75 %

Digitalisierung-des-US-Buchmarkts-schreitet-voranHugh Howey von „Author Earnings“ und sein Kollege „Data Guy“ werden immer umtriebiger: seit dem zweiten Quartal 2017 können sie mit ihren Verkaufsanalysen nach eigenen Angaben 90 Prozent aller Online-Verkäufe von E-Books, Hörbuch und Print tagesgenau erfassen. Somit haben die aktuellen Zahlen (beziehen sich auf den Zeitraum April bis Dezember 2017) besonderes Gewicht: 70 Prozent aller Online-Verkäufe im Bereich Belletristik & Sachbuch betreffen in den USA mittlerweile E-Book und Hörbuch, beim Umsatz liegen E-Lektüre und E-Lauschüre mit Print fast gleichauf. Online, das muss man hier noch hinzufügen, ist auf der anderen Seite des Atlantiks keine Nische: Alleine via Amazon.com wurden 2017 satte 45 Prozent aller Printbuch-Umsätze insgesamt erzielt.

Thriller, Romance, SciFi sind meistverkaufte Genres

Von Genre zu Genre ist die E-Book-Lastigkeit des Literatur-Konsums allerdings äußerst unterschiedlich — bei Romance liegt der kombinierte Digital-Anteil schon bei 90 Prozent, bei SciFi und Fantasy bei 75 Prozent, umgekehrt ist bei Lyrik noch zu 82 Prozent Gedrucktes angesagt, bei dramatischen Werken sogar 85 Prozent. Und nicht umsonst nennt man diese Sujets auch die „populären Genres“: Die vier meistverkauften Genres überhaupt bei E-Books sind neben allgemeiner Belletristik nämlich „Mystery, Thriller & Suspense“, „Romance“ sowie „Science Fiction & Fantasy“. Zusammen genommen erzielten sie deutlich höhere Umsätze als der Bereich „Allgemeine Belletristik“ („Literature & Fiction“).

Amazon Publishing plus Indies sichern sich 25 % vom Umsatz

Und wo landet das Geld? Die „Big Five“-Verlage haben noch einen Umsatzanteil von 43 Prozent, knapp jedes vierte verkaufte E-Book stammt von ihnen. Von Amazon Publishing stammte bereits jedes zehnte elektronische Buch, die Hausverlage des Online-Riesen sicherten sich damit umsatzmäßig 5 Prozent des E-Book-Marktes. Self-Publisher – auch hier hat natürlich vor allem Amazon die Hände im Spiel – erreichen in punkto abgesetzte Exemplare einen Anteil von knapp 36 Prozent, was für 20 Prozent der Gesamtumsätze reicht.

Amazon enhanced Hugh Howeys Sci-Fi-Roman „Wool“: jetzt als Kindle in Motion-Version erhältlich

wool-als-kindle-in-motion-versionEnhanced ist wieder mächtig en vogue. E-Books auf Smartphone und Tablet geraten immer mehr in Bewegung, nicht nur durch den derzeitigen Boom von Chat-Style-Apps. Ganz vorne dran: mal wieder Amazon. Das Unternehmen hatte bereits letztes Jahr mit viel medialem Tamtam das „Kindle in Motion“-Format an den Start gebracht – zunächst aber nur etwas mehr als ein Dutzend Titel aus Eigen-Imprints mit solchen Video und Hintergrundanimationen aufgepimpt (siehe die aktuelle Programm-Übersicht)

Programm wird ausgeweitet

Wie The Digital Reader berichtet, geht’s nun aber in die zweite Runde – mit Hugh Howeys Sci-Fi-Bestseller „Wool“ wurde erstmals ein nicht exklusiv bei Amazon erhältlicher Titel multimedial angereichert (siehe die offizielle Video-Preview).

Kostenloses Update für Bestandskunden

Kunden, die bereits bereits eine konventionelle E-Book-Version von „Wool“ im Kindle Shop erworben hatten, wurden von Amazon per E-Mail auf die kostenlose Upgrade-Option hingewiesen:

„An updated version of your past Kindle purchase or borrow of Wool by Hugh Howey is now available. The updated version contains new art and animation that can be viewed on the free Kindle app for iOS and Android and recent Fire tablets.“

Zugleich weist Amazon darauf hin, dass die Kindle-In-Motion-Effekte sich auch abstellen lassen — und sich auf dem Kindle Reader so oder so gar nichts ändert – da die E-Ink-Geräte nicht Kindle-In-Motion-tauglich sind.

(Aufgepimpt wurde wohlgemerkt nur die auch bei Amazon.de erhältliche englischsprachige Version von „Wool“, nicht die deutsche Fassung „Silo“…)

List der Unvernunft, oder: Wie sich die „Big Five“ selbst aus dem E-Book-Markt katapultieren

unit-sales-trend-20160110Haben sich die großen US-Verlage mit übertriebenem E-Book-Pricing im Kindle Shop selbst um Marktanteile gebracht zugunsten der günstigeren Self Publishing-Titel? Sieht ganz so aus. Die Seattle Times brachte kürzlich eine interessante Analyse zum Thema „Agency Modell“, also der 2014 von den „Big Five“ durchgesetzten Möglichkeit, Endkundenpreise im Kindle Store selbst zu bestimmen und dies nicht mehr — wie zuvor — Amazon zu überlassen („Wholesale-Modell“).

Print wiederbelebt, E-Books gekillt

Mittlerweile berichteten große Publisher wie Hachette, so die Seattle Times, nicht nur von schrumpfenden Umsatzanteilen von E-Books, sondern auch über neues Wachstum bei Print: die Kunden kaufen in vielen Fällen angesichts hoher Digital Preise dann doch lieber die gedruckte Version.

Auch der „Gesamtmarkt“ für E-Books schrumpft, dokumentierte zuletzt der Branchenverband „Association of American Publishers“ (AAP) — doch diese Zahlen für 2015 betreffen wohlgemerkt nur klassische Verlagstitel. Amazon — in den USA bei weitem der wichtigste Marktplatz für elektronische Bücher — verzeichnet starkes Umsatzwachstum bei E-Books aus firmeneigenen Imprints wie auch Self-Publishing-Titeln.

E-Book-Markt hat sich um 180 Grad gedreht

Das hohe E-Book-Pricing der „Big Five“ von Hachette bis Simon & Schuster habe letztlich dazu geführt, die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, so die Seattle Times unter Berufung auf Hugh Howeys aktuelle Marktanalyse auf dem „Author Earnings“-Blog.

Dort liest man nämlich: „Die Big Five verkaufen jetzt weniger als ein Viertel aller E-Books auf Amazon, während die Indies stramm auf einen Anteil von 45 Prozent zumarschieren.“ („The Big 5 now account for less than a quarter of ebook purchases on Amazon, while indies are closing in on 45%“).

Ein klassischer Fall von „We told you so!“

Was mal wieder zeigt: selbst wenn Amazon auf die Wünsche der traditionellen Verlage eingeht (vgl. Kopierschutz & die Closed-Shop-Problematik), heißt der Gewinner am Ende dann doch wieder Amazon. Weil’s dabei um die üblichen beratungsresistenten Verdächtigen geht, darf man hier wohl getrost auch von der „List der Unvernunft“ sprechen…

Author Earnings Report: Jedes 3. E-Book wird ohne ISBN verkauft – & fehlt in Buchmarkt-Statistik

unit-sales-shadow-20150121ISDN sei die Abkürzung für „Ist sowas denn nötig?“, wurde in den Neunziger Jahren gewitzelt. Im E-Book-Zeitalter könnte man ähnlich mit ISBNs kalauern. Für viele Indie-Verlage und Self-Publishing-Autoren spielen die „Internationalen Standardbuchnummern“ überhaupt keine Rolle mehr. Für die USA hat Hugh Howeys aktueller „Author Earnings Report“ (AER) jetzt vielsagende Zahlen vorgelegt – demnach würden dort bereits 30 Prozent aller E-Book-Verkäufe Titel ohne ISBN-Nummer betreffen. Bei den Einnahmen ergibt sich ein ähnliches Bild: 28 Prozent aller Autorenerlöse im Kindle-Store würden mit ISBN-losen E-Books erzielt. Der AER basiert auf einer automatisierten Auswertung von 120.000 Titeln aus dem Amazon-Katalog.

ISBN-Schlupf schafft „Schatten-Industrie“

Da Amazon knapp zwei Drittel des E-Book-Marktes in den USA kontrolliert, bedeutet der große ISBN-Schlupf aber auch: die offiziellen Statistiken zum Marktanteil von selbst publizierten E-Books verzerren die Realität – sie zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich, so die Macher des AER, hätten die Indies bereits einen Marktanteil von 30 Prozent. Die von AAP, BISG, Nielsen oder Bowker gelieferten niedrigeren Buchmarkt-Zahlen beziehen sich dagegen nur auf Titel mit ISBN, der Rest wird ziemlich willkürlich geschätzt. Das Fazit für den Autor Earnings Report angesichts der „Schatten-Industrie“ im Indie-Sektor: „When It Comes To Tracking Digital Books, The ISBN Is Officially Dead — It Just Hasn’t Been Buried Yet.“

In Deutschland bleiben ISBNs bei E-Books wichtig

Zombie-Status haben in den USA die ISBNs für E-Books aber auch rein praktisch: Amazon verwendet eigene Bestellnummern (ASIN genannt), bestehende ISBNs werden in ASINs umgerechnet. Die großen US-Plattformen wie Barnes & Noble, iBooks oder Kobo sind für Self-Publisher ebenfalls ohne Vergabe einer ISBN-Nummer zugänglich. Anders das Bild in Deutschland, hier gibt es ein ISBN-Kartell: Um E-Books im epub-Format auf Buchhandelsplattformen wie Thalia, Weltbild, Libri & Co. anzubieten, ist die ISBN obligatorisch, viele Distributoren vergeben sie kostenlos. Etwa ein Drittel der deutschen Self-Publisher veröffentlicht aber nur via Amazon – so dass auch hierzulande viele E-Books ohne ISBN verkauft werden.

Amazon.com-Daten zeigen: E-Books mit DRM verkaufen sich deutlich schlechter

Für Self-Publisher, die via Amazons Kindle Direkt Publishing (KDP) verkaufen, ist der Einsatz von DRM kostenlos. Doch lohnt sich der Einsatz des bei Lesern unbeliebten Kopierschutzes deswegen auch wirklich? Die Macher des mehrmals jährlich aktualisierten „Author Earning Reports“ wollten es wissen, und haben sich an einem Stichtag Mitte Juli den Verkaufsrang von 120.000 Indie-Titeln mit und ohne DRM im Kindle Store von Amazon.com angeschaut. Das Ergebnis ist eindeutig: 50 Prozent der untersuchten Titel waren DRM-frei, diese „bessere“ Hälfte des Angebots sorgte aber für 64 Prozent des E-Book-Absatzes.

Nun könnte es natürlich auch sein, dass Autoren mit „No-DRM-Policy“ zugleich besonders günstige E-Books anbieten – doch das Pricing hat keinen Einfluss auf die abschreckende Wirkung von DRM: in fast allen Preissegmenten zwischen 99 Cent und 9,99 Dollar verkaufen sich kopierschutzfreie E-Books deutlich besser. Umgekehrt formuliert: „What our data strongly suggests is that DRM harms ebook sales at any price point“, so der „Author Earnings Report“.

Hinter den Daten-Analysten in Sachen Autoren-Einkünfte steckt übrigens federführend Hugh Howey, der durch seine überaus erfolgreiche „Wool“-Saga (dtsch. Titel: „Silo“) international zum zum Aushängeschild der Self-Publishing-Bewegung geworden ist. Das eigentliche Ziel der Reports ist klar: durch aussagekräftige Marktzahlen ein Bewusstsein schaffen für den Wandel der Buchbranche und speziell für die Rolle der unabhängigen Autoren.

Das ist Howey auch mit dem Juli-Report eindrucksvoll gelungen: der Auswertung zufolge sind mittlerweile nämlich ein Drittel der im US-Kindle-Store verkauften E-Books von Self-Publishern hochgeladen, der Indie-Anteil am Gesamtumsatz liegt bereits bei 40 Prozent, und damit liegen sie knapp über dem Anteil, den ihre klassisch bei den „Big Five“ verlegten Kollegen erhalten. Deren Bücher werden übrigens nicht nur zu höheren Preisen, sondern überwiegend mit DRM angeboten.

Abb.: Author Earnings Report, cc-by-nc-sa

„Als Self-Publisher bin ich den Piraten dankbar“ (Hugh Howey)

Zu den spannendsten Erfolgsgeschichten in punkto Self-Publishing gehört wohl Hugh Howeys postapokalyptische Sci-Fi-Saga „Wool“, in Deutschland unter dem Titel „Silo“ von Piper verlegt. Angefangen hat das Projekt als eine Serie von Kurzgeschichten, die Howey neben seiner Arbeit als Buchhändler aufs Papier warf. Den finanziellen Durchbruch brachte dann die Veröffentlichung über Amazons KDP-Plattform – am Ende wurde Wool zum Roman, und das Schreiben zum Hauptberuf. Inzwischen hat Howey nach eigenen Angaben bereits 2 Millionen Exemplare verkaufen können, jeden Monate werden alleine 50.000 neue E-Books abgesetzt.

Trotz des Erfolgs ist Howey beim Self-Publishing geblieben. Doch warum? In einem Interview mit TechCrunch hat es der Enddreißiger diese Woche nochmal auf den Punkt gebracht: es geht nicht einfach nur um möglichst hohe Tantiemen, sondern auch größtmögliche Unabhängigkeit – was etwa niedriges Pricing oder Gratis-Aktionen ermöglicht, ebenso den Verzicht auf DRM. Und nicht zuletzt kann sich Howey sogar über Raubkopien freuen: „I can even celebrate people pirating my work and only paying for it if they want“, so der Wool-Erfinder gegenüber TechCrunch.

Eine solch entspannte Haltung gegenüber Piraterie kennt man auch von anderen Bestseller-Autoren, etwa Paulo Coelho. Sobald das Einkommen eine gewisse Schwelle überschreitet, wird die Zahl der erreichten Leser offenbar weitaus wichtiger als die Zahl der tatsächlich verkauften Exemplare. Zumindest im digitalen Bereich. Denn natürlich erzielt auch Howey mittlerweile einen nicht unwichtigen Teil seiner Einnahmen mit gedruckten Fassungen seiner Romane: „I make $4 on my paperbacks, nearly twice what most Big Five authors make on their hard backs“, brüstet sich Howey gegenüber TechCrunch.

Bei der Print-Distribution setzte Howey anfangs ebenfalls auf Self-Publishing via Createspace. Inzwischen kooperiert er mit Simon & Schuster, also einem der „Big Five“-Verlage, um „Wool“ in die Buchhandlungen in den USA und Kanada zu bringen. Vorbedingung war für Howey jedoch ein in der Buchbranche immer noch äußerst ungewöhnlicher Print-Only-Deal. „It’s a sign of how far the balance of power has shifted toward authors in the new digital publishing landscape“, urteilte das Wall Street Journal im März 2013, kurz bevor die Simon & Schuster-Reprints von „Wool“ in den Regalen landeten.

Simon & Schuster muss sich somit auch gefallen lassen, preislich von Howeys selbst verlegten E-Book-Versionen deutlich unterboten zu werden. Bei der internationalen Verwertung läuft das etwas anders. In Deutschland zum Beispiel wird die Pricing-Strategie der Wool-Übersetzung komplett vom Piper-Verlag gesteuert. Die E-Book-Version von „Silo“ kostet mit 15,99 Euro derzeit kaum weniger als die gebundene Ausgabe, die für 19,99 Euro zu haben ist. Das englische Original erhält man im deutschen Kindle-Shop dagegen schon ab 2,99 Euro.

Im kirschroten Silo der Literatur: Wenn Self-Publisher & Verlage erfolgreich zusammenarbeiten

Hugh Howey hat alles erreicht, wovon Self-Publishing-Autoren träumen: erst wurde seine Sci-Fi-Romanserie „Wool“ zum E-Book-Bestseller, dann kaufte 20th Century Fox die Filmrechte, nun bringt der renommierte US-Verlag Simon&Schuster die gedruckte Fassung der Originalversion heraus. Die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Silo“ kann man ab 2013 ebenfalls auf Papier lesen, sie wird bei Pipererscheinen, während die E-Book-Serie bereits vom Berlin-Verlag herausgebracht wurde. Die E-Book-Rechte des englischen Originals bleiben dagegen auch weiterhin beim Autor – was sich als äußerst lukrativ erweisen dürfte: „Wenn Simon&Schuster die Printversion mit ihrer Marketingmaschine zwei Millionen mal verkaufen, heißt das vielleicht auch, dass Howey selbst eine halbe Million, vielleicht sogar 700.000 E-Books zusätzlich absetzen kann“, so E-Publishing-Experte Mike Shatzkin. „Die Nachricht wäre dann: große Verlage können etwas, was Autoren selber nicht schaffen, und auch Amazon nicht. Das würde es leichter machen, andere Schriftsteller davon zu überzeugen, nicht alle Rechte zu behalten, weil sich über eine Verlagspublikation ein deutlicher Mehrwert erwirtschaften lässt.“

„Die alten Annahmen über Indie-Bücher sind ungültig“

Die Story von Wool erinnert ein wenig an „Hunger Games“: In Howeys postapokalpytischem Sci-Fi-Thriller leben die restlichen Menschen allerdings nicht oberirdisch, sondern in einem riesigem unterirdischen Bunker, genannt das „Silo“. Als schlimmste Strafe gilt es, in die lebensfeindliche Außenwelt verbannt zu werden. Die erste Folge von Wool kam im Sommer 2011 als Kurzgeschichte im Kindle-Store heraus. Motiviert durch viele positive Reviews veröffentlichte Howey dann in den folgenden Monaten weitere vier Teile. Die als „Omnibus Edition“ ebenfalls via Self-Publishing vermarktete Gesamtausgabe wurde wiederum zum Bestseller. Wie beliebt Wool beim Publikum ist, zeigen fast 700 Rezensionen und eine Bewertung von 4.9 von 5 Sternen. Überzeugt sind aber auch die professionellen Kritiker von Wired.coms GeekDadReview: „Die alten Annahmen über Indie-Bücher sind nicht länger gültig, Leser müssen ihre (Vor-)Urteile den neuen Gegebenheiten anpassen. Die Omnibus-Ausgabe von ‚The Wool‘ ist ein großartiges Buch und verdient Anerkennung als ein vollwertiger Beitrag zum Science-Fiction-Genre.“

„Kirschroter Sommer“: Rowohlt schätzt Indie-Autoren

Die wachsende Bedeutung der Self-Publishing-Literatur hat mittlerweile auch große deutsche Verlage auf den Plan gerufen. Bestes Beispiel ist der jüngste Coup von Rowohlt – die Hamburger schnappten sich die Rechte für „Kirschroter Sommer“ von Carina Bartsch, und bringen ihn Anfang 2013 parallel mit dem Nachfolgeroman „Türkisgrüner Winter“ gedruckt heraus. Die Backstory kommt bekannt vor: Anfänglich erntete das ambitionierte Liebesroman-Debut der jungen Autorin nur Absagen. Dann gründete Bartsch kurzerhand das Indie-Label „Schandtaten Verlag“, brachte ihr Werk selbst heraus, und landete einen Bestseller. Im Kindle-Store erreichte „Kirschroter Sommer“ die Top 10. Plötzlich änderte sich die Situation: „Keiner wollte es, das akzeptierte ich, und wie man sah, ging es auch ohne. Nun ja, ich habe wohl unterschätzt, wie viel Aufmerksamkeit Erfolg doch mit sich bringt. Auf einmal kamen die Verlage nämlich auf mich zu“, schreibt Bartsch auf ihrem Blog. Mit Hilfe eines Literaturagenten wurde am Ende der Deal mit Rowohlt daraus. Mit interessanten Details: Die E-Book-Version wird nämlich auch weiterhin im Selbstverlag erscheinen. Für in der Wolle gefärbte Self-Publisher könnte diese Doppelstrategie in Zukunft durchaus zur goldenen Regel werden.

Abb.: Gari Baldi/Flickr

Vom Kindle-Store nach Hollywood: Ridley Scott verfilmt Self-Publishing-Roman „Wool“

Zelluloid heißt der Stoff, aus dem auch die Träume von Self-Publishing-Autoren gemacht sind. Für Hugh Howey könnte dieser Traum jetzt auf direktem Wege wahr werden: die Filmrechte für seine dystopische Sci-Fi-Saga The Wool sind auf das Interesse der Produktionfirma 20th Century Fox gestoßen, bis 2014 könnte man die Geschichte schon auf der Leinwand sehen. Dem Insider-Blog Deadline Reports zufolge sollen für Drehbuch und Regie die Gebrüder Ridley und Tony Scott verantwortlich zeichnen, bekannt durch Blockbuster wie Bladerunner oder Top Gun. Die Story von Wool erinnert ein wenig an Hunger Games: In Howeys postapokalpytischem Sci-Fi-Thriller leben die restlichen Menschen allerdings nicht oberirdisch, sondern in einem riesigem unterirdischen Bunker, genannt das „Silo“. Als schlimmste Strafe gilt es, in die lebensfeindliche Außenwelt verbannt zu werden.

Die erste Folge von Wool kam im Sommer 2011 als Kurzgeschichte im Kindle-Store heraus. Motiviert durch viele positive Reviews veröffentlichte Howey dann in den folgenden Monaten weitere vier Teile. Die als „Omnibus Edition“ ebenfalls via Self-Publishing vermarktete Gesamtausgabe wurde wiederum zum Bestseller – mittlerweile rangiert sie in den Top 100 des Kindle-Stores, auf Platz 1 im Bereich „High Tech“-Sci-Fi sowie auf Platz 5 im Bereich „Adventure“. Wie beliebt Wool beim Publikum ist, zeigen fast 700 Rezensionen und eine Bewertung von 4.9 von 5 Sternen. Überzeugt sind aber auch die professionellen Kritiker von Wired.coms GeekDadReview: „Die alten Annahmen über Indie-Bücher sind nicht länger gültig, Leser müssen ihre (Vor-)Urteile den neuen Gegebenheiten anpassen. Die Omnibus-Ausgabe von The Wool ist ein großartiges Buch und verdient Anerkennung als ein vollwertiger Beitrag zum Science-Fiction-Genre.“

Amazons Kindle-Store spielte bereits bei bisherigen Self-Publishing-Erfolgen in den USA eine zentrale Rolle. So verkaufte etwa Shooting-Star Amanda Hocking die Vampirgeschichten der My Blood Approves-Serie mehr als eine Million mal elektronisch, bevor sie 2011 bei einem konventionellen Verlag unter Vertrag genommen wurde. Ende 2011 wurde sie Mitglied im erlauchten Club der Kindle-Auflagenmillionäre. Allerdings nicht als erste Self-Publishing-Vertreterin – kurz vor ihr schaffte es bereits Thriller-Autor John Locke mit seinen Donovan-Creed-Krimis. Dieser wiederum ist nun zumindest in gedruckter Form bei Simon&Schuster gelandet. Hugh Howey hat nun aber völlig neue Maßstäbe gesetzt – vom Kindle Direkt-Publishing-Programm ohne Zwischenhalt bei den „Buchmachern“ direkt auf die Leinwand. Die immer noch dynamisch wachsende Zahl der Kindle-Nutzer in den USA dürfte uns in Zukunft noch mehr solcher Rekorde bescheren.

(via teleread & Deadline Reports)

Abb.: Wikipedia


Hugh Howey,
Wool Omnibus Edition (Wool 1 – 5)
Kindle-Book (Amazon.de) 3,08 Euro
(Im Kindle-Store sind auch einzelne Bände verfügbar)