„Es geht einfacher“: Auch Random House verzichtet auf hartes DRM

random-house-setzt-auf-soft-drmEndlich ist es soweit: Adobe Digital Editions ist von den Top 3 der deutschen Publishing-Landschaft auf’s Abstellgleis geschoben worden. Erst letzten Monat hatte nach Bonnier auch die Holtzbrinck Publishing Group den Verzicht auf hartes Digital Rights Management (DRM) verkündet – nun wollen sich plötzlich auch die Bertelsmänner dem neuen Marktstandard namens Digitales Wasserzeichen anschließen.

Watermarking ab Oktober

Um den Umgang mit E-Books zu erleichtern, ermögliche die Verlagsgruppe Random House ihren Vertriebspartnern ab 1. Oktober, E-Books „auch mit Soft-DRM“ anzubieten, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. Zu den 45 Buchverlagen unter dem Dach der Verlagsgruppe gehören u.a. Blanvalet, DVA, Heyne, Goldmann und Luchterhand.

„Erhöht die Kundenzufriedenheit“

„Wir wollen das Interesse am digitalen Lesen weiter fördern und es Lesern möglichst einfach machen, E-Books zu lesen“, erklärt Frank Sambeth, CEO der Verlagsgruppe. Der Verzicht auf den harten Kopierschutz erleichtere Lesern wie auch Vertriebspartnern den Umgang mit E-Book-Dateien und erhöhe die Kundenzufriedenheit.

„Softes DRM ist Branchenkonsens“

Mit der Umstellung auf das digitale Wasserzeichen „schließen wir uns einem immer breiter werdenden Branchenkonsens an“, so Sambeth weiter. Random House zufolge bleibt ein Schutz gegen Missbrauch aber auch weiterhin notwendig – mit Hilfe von Soft DRM und weiteren Maßnahmen werden man auch in Zukunft „aktiv gegen Urheberrechtsverstöße“ vorgehen.

Abb.: Fen Labalme (cc-by-2.0)

Ein Jahr ohne DRM – Sci-Fi-Label Tor Books zieht positive Bilanz

Vor einem Jahr sorgte Tor Books für eine kleine Medienrevolution – das auf Sci-Fi und Fantasy spezialisierte Label kündigte an, in Zukunft komplett auf DRM zu verzichten. Mit gutem Grund: “Wir glauben, DRM-freie E-Books sind für unsere Leser das Beste, denn es erlaubt ihnen, legal erworbene Titel auf legalem Wege zu benutzen, also etwa die E-Bibliothek zwischen verschiedenen Lesegeräten hin- und her zu bewegen“, hieß es damals. Vor allem nahm man jedoch auch Rücksicht auf die zahlreichen Beschwerden aus der ebenso technikaffinen wie vernetzten Sci-Fi-Community. Nach einem Jahr zog das zu Macmillan gehörende Imprint nun eine durchweg positive Bilanz: „Der Schritt zu DRM-Freiheit hat uns dabei geholfen, Tor als ein Label zu etablieren, das auf seine Leser und Autoren hört, wenn sie uns mit einem gemeinsamen Anliegen konfrontieren – und wir haben einen überwältigende Menge an Zustimmung und Loyalität durch die Community erfahren.“

„DRM schützt nicht vor E-Book-Piraterie“

Das übliche Branchen-Argument „DRM schützt vor E-Book-Piraterie“ lassen die Tor Books-Machern ohnehin nicht gelten: „DRM-geschützte Titel landen trotzdem auf Tauschplattformen, außerdem glauben wir daran, dass die große Mehrheit unserer Leser genauso gegen Piraterie sind wie die Verleger“, heißt es auf dem Tor-Blog. Außerdem gehören die Sci-Fi-Leser naturgemäß zu den Early Adoptern in Sachen E-Lese-Technologie – sie experimentieren mit zahlreichen mobilen Geräten, und wissen in Zweifelsfall auch, wie man Kopierschutz umgeht. Zugleich seien sie aber äußerst verantwortungsbewusst, was den Umgang mit E-Books angeht: „So wie es bisher aussieht, konnten wir bei unseren DRM-freien Titeln keinen Anstieg in Sachen Piraterie erkennen, obwohl sie bereits seit einem Jahr verfügbar sind“.

Ende der Formatekriege in Sicht?

Die Befreiung der elektronischen Lektüre gilt nicht nur für aktuelle Bestseller wie David Brins „Existence“ oder John Scalzis „Redshirts“, sondern betrifft auch Klassiker wie Douglas Adams „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Tor Books ist gerade dabei, ältere Backlistbestände zu digitalisieren, und dann ebenfalls DRM-frei zu veröffentlichen. Der Rest der Branche dürfte das DRM-freie Erfolgsmodell aufmerksam beobachten – schließlich scheinen gewohnte Regeln plötzlich nicht mehr zu gelten. Im Guardian sprach Digital-Rights-Aktivist Cory Doctorow anlässlich der Initiative von Tor Books sogar schon vom „Ende der Formatkriege“ im E-Book-Bereich. Tatsächlich wurde durch den Verzicht auf Kopierschutz ja auch der Wechsel zwischen epub- und Kindle-Welt deutlich vereinfacht.

Nicht nur Digital Natives sind vertrauenswürdig

So kritisiert Tor Books-Autor Charles Stross zu recht: „DRM verhindert keine Raubkopien, es unterwirft dafür aber die ehrlichen Kunden einem Monopol, das von den Besitzern der DRM-Software kontrolliert wird – damit schränkt man die Freiheit und den Wettbewerb ein“. Ermutigend für andere Verlage dürfte am Beispiel Tor Books sein, dass gerade die Autoren mit diesem Schritt in Richtung DRM-Verzicht einverstanden waren, ja ihn sogar mit eingefordert haben. Interessant ist wohl auch, dass Tor Books/Macmillan zur Holtzbrinck-Gruppe gehört, die in Deutschland renommierte Verlage wie S. Fischer, Rowohlt oder Kiepenheuer&Witsch ihr eigen nennt. Zu deren Lesern zählen im Vergleich zu Tor Books vor allem Digital Immigrants & Silversurfer – warum eigentlich wird ihnen weniger Vertrauen entgegenbracht als Digital Natives?

Abb.: Screenshot

E-Books im Abo mit Skoobe-App: Holtzbrinck & Bertelsmann landen Flatrate-Scoop

E-Books werden ab jetzt rückwärts buchstabiert: mit Skoobe gibt es erstmals in Deutschland ein Flatrate-Angebot für elektronische Lektüre. Wer die gleichnamige App auf iPhone oder iPad installiert, kann zum Abo-Preis von 9,99 Euro monatlich jeweils fünf Titel gleichzeitig ausleihen. Umfangreiche Leseproben ermöglichen auch ohne aktives Abo das Anlesen aller verfügbaren Bücher. Das Angebot kann sich sehen lassen: Skoobe ist ein Joint-Venture der Mediengiganten Holtzbrinck und Bertelsmann, so dass schon jetzt mehr als siebzig Verlage mit im Boot sind. Nach Angaben des Unternehmens ist Skoobe zudem „offen für alle Verlage, die ihre Bücher auf dieser Plattform anbieten möchten“. Auch für potentielle Leser lohnt es sich, möglichst bald bei Skoobe dabei zu sein – das Eröffnungsangebot gilt nämlich nur für die ersten zehntausend Abonnenten.

Lesen auf bis zu drei Geräten gleichzeitig

Das Skoobe-Interface ist grafisch gut auf iPhone und iPad abgestimmt – neben animiertem Umblättern glänzt es mit übersichtlichen Menüs und nützlichen Listenfunktionen. Bei der Auswahl interessanter Lektüre im Online-Katalog hilft die Möglichkeit, Bücher zu bewerten und zu kommentieren. Die abwechselnde Lektüre – egal ob online oder offline – auf Smartphone und Tablet ist kein Problem, denn das Digital Rights Management erlaubt die Nutzung von bis zu drei Apple-Gadgets. Systemvoraussetzung ist iOS 4. Eine entsprechende Version für Android-Geräte soll im Laufe des Jahres 2012 ebenfalls zur Verfügung stehen. Wer bei soviel Lektüre lieber augenschonend auf einem E-Ink-Reader lesen möchte, schaut allerdings in die Röhre – das
Skoobe-Prinzip funktioniert nur als App.

Aktuelles Angebot gilt nur bis März 2013

Auch wenn man zu den ersten zehntausend Abonnenten gehört, die das Angebot in vollem Umfang nutzen können, gilt übrigens: ab 1. März 2013 können nur noch zwei E-Books gleichzeitig ausgeliehen werden. Ob Skoobe also für Holtzbrinck und Bertelsmann wirklich den langfristigen Einstieg in das Flatrate-Business bedeutet, bleibt somit abzuwarten. Der Branchentrend weist allerdings schon in diese Richtung. Amazon etwa bietet in den USA für Mitglieder des Prime-Programms bereits mehr als 100.000 Titel zur elektronischen Ausleihe an. Und auch die deutschen Stadtbibliotheken ermöglichen mit ihrer „Onleihe“-App die zeitlich befristete E-Book-Lektüre auf iPhone und iPad.

Zur Buchmesse gibt’s 800 neue E-Books: Kurskorrektur bei Holtzbrinck-Verlagsgruppe

800 neue E-Books zur Buchmesse - Kurskorrektur bei Holtzbrinck_Pixelio_Plumbe.gifDas E-Book-Angebot in Deutschland wird etwas bunter: Zur Frankfurter Buchmesse bieten die Verlage Droemer Knaur, Fischer, Kiepenheuer&Witsch und Rowohlt erstmals auch elektronische Versionen einiger Titel an. Ingesamt sollen etwa 800 E-Books über Vertriebspartner wie buecher.de, libri sowie den E-Book-Store von txtr via Internet verfügbar sein. Bis Weihnachten wird das Angebot auf ca. 1500 Titel erweitert.

Die Marktlage hat sich im Herbst 2009 verändert: es gibt immer mehr E-Books für immer mehr E-Reader

E-Book-Bestseller, E-Books aus der Backlist: Mit dem Kurswechsel reagieren die zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Verlage auf die veränderte Marktlage im Herbst 2009. Lediglich bei Droemer Knaur gab es bereits E-Books im PDF-Format – nun startet man auf breiter Front mit E-Books im komfortableren epub-Format. Die Zeit war dafür wohl reif. Mittlerweile sind nicht nur konventionelle E-Reader von Sony oder Bookeen am Start, sondern mit dem Amazon Kindle und dem txtr-Reader sogar WiFi-fähige Geräte, die drahtlose Downloads ermöglichen. Viele Verlage haben bereits E-Books in ihrer Angebotspalette, die Download-Plattform Libreka etwa zählt mittlerweile mehr 15.000 Titel. Eine Zusammenarbeit zwischen Holtzbrincks Verlagen und der vom Börsenverein des deutschen Buchhandels gestarteten Verkaufsplattform ist aber offenbar nicht geplant. Wichtigste Vertriebspartner sind vorerst die Ebook-Stores von buecher.de und libri. Direkten Zugriff auf das Angebot werden zudem die Nutzer des txtr-Readers haben, der am Donnerstag in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Krasse Preispolitik: Neuerscheinungen kommen nur zum Preis der Hardcover-Ausgabe auf den E-Reader

Bei den E-Book-Preisen bleibt man jedoch hart: sie orientieren sich zu 100 Prozent am Ladenpreis der günstigsten gedruckten regulären Ausgabe. Also im Zweifelsfall auch an der Hardcover-Ausgabe. Erst wenn ein Hardcover als Taschenbuch erscheint, soll sich auch der E-Book-Preis entsprechend reduzieren. Wer also eine Neuerscheinung auf dem E-Reader lesen will, die noch nicht als Paperback vorliegt, muss bei Fischer, Rowohlt oder Knaur bis auf weiteres kräftig in die Tasche greifen. Nur Besitzer des Amazon Kindle können sparen – wenn sie bei internationalen Titeln die englische Ausgabe kaufen. Amazon verspricht, dass auch bei Downloads aus Deutschland kein Buch mehr als 14 Dollar kosten soll. Der aktuelle Kindle-Reader ist passenderweise ab Mitte Oktober auch in Deutschland lieferbar.

Bild: Pixelio/Plumbe