Talk to Books: Belesene Google-AI schaut in die Bücher & und beantwortet Fragen

Talk-to-Books-GoogleEin Buch kann nicht lesen, aber es kann zu uns sprechen, ohne dass wir es (ganz) lesen müssen – zum Beispiel, wenn man Googles neuem Tool „Talk to Books“ die richtigen Fragen stellt. Dann antwortet gleich eine komplette Bibliothek — die Ergebnisse sind tatsächlich (teilweise) verblüffend. In einem Präsentations-Posting erklären Google-Forschungschef Ray Kurzweil und Produktmanagerin Rachel Bernstein, warum das so ist: es geht nicht um schlichte Stichwortsuche, sondern um die Suche nach sinnvollen Sätzen. Sprich: die AI hat durch den Vergleich von Milliarden Satz-Paaren gelernt, wie eine gute Antwort aussehen kann.

**Mehr als 100.000 Bücher dienen als Wissensquelle*

Ob man nun eine Frage eingibt oder nur einen Aussagesatz, ist insofern auch egal: “Once you ask your question (or make a statement), the tools searches all the sentences in over 100,000 books to find the ones that respond to your input based on semantic meaning at the sentence level; there are no predefined rules bounding the relationship between what you put in and the results you get“, heißt es auf dem offiziellen Google-Research-Blog.

Vom Bücher-Fragen zum semantischen Tetris

Als zweites Beispiel für diese „Word Vector“ bzw. „Word2vec“ genannte Technik (tatsächlich werden die Worte dabei in einem mehrdimensionalen Vektorraum dargestellt) hat Google zugleich eine Wortspiel-Seite namens „Semantris“ ins Leben gerufen. Also eine Art semantische Tetris. Je nach Gusto kann man zu einem Sammelsurium aus Worten bzw. bunten Wortblöcken passende Begriffe oder ganze Sätze assoziieren, so dass jeweils ein Wort aus einem bestimmten Bedeutungszusammenhang gelöscht wird, zugleich kommen aber ständig neue dazu — wenn der obere Rand des Bildschirms erreicht ist, heißt es: „Game over“.

(via Googleblog & The Verge)

E-Mail bleibt der wichtigste Kanal, meint Google — & webifiziert mit „AMP for Email“ die Elektropost

gmailamp-pinterest-blog-01

Geschätzte 270 Milliarden E-Mails werden Tag für Tag rund um den Globus verschickt — viele davon mit Links, die in Richtung Web oder App führen. Man klickt oder tippt drauf, und schwupp öffnet sich ein neuer Content-Container. Doch warum solche Umwege gehen (zumal manche Adressaten genervt darauf reagieren), fragen sich immer mehr Publishing- und Marketing-Profis — und versuchen, nicht nur so viel Web-Design, sondern auch soviel Interaktivität wie möglich in die E-Mail selbst zu packen.

Pinterest, Booking.com & Doodle machen’s vor

Nun hat sich Google an die Spitze dieser Bewegung gesetzt — das Zauberwort lautet in diesem Fall „AMP for Email“: der Suchmaschinen-Riese will den selbst entwickelten Web-Standard für mobile Webseiten („Accelerated Mobile Pages Standard“) künftig auch in E-Mail-Anwendungen implementieren. Zum Start mit dabei: nicht ganz zufällig Googles eigene GMail-App, sowie als kommerzielle Anwender der neuen Technik Unternehmen wie Pinterest, Booking.com oder Doodle.

E-Mail-Marketing verspricht die höchste Rendite

Wer sich nicht mehr weiterklicken oder tippen muss, sondern gleich in der Mail durch Web-Shops scrollen, den Einkaufskorp packen und bezahlen kann, wird natürlich im Durchschnitt auch zum willigeren Käufer — und so dürfte „AMP für Emails“ gerade im E-Mail-Marketing große Erfolgschancen haben. Immerhin hat das Marketing via Mail schon jetzt den höchsten „ROI“ aller medialen Kanäle, sprich: erzielt die höchste Rendite.

Hoher Nutzwert auch für Verlagsbranche

Nützlich ist das Ganze natürlich auch, wenn man es für Inhalte wie News oder E-Books (bzw. Leseproben) verwendet — der Empfänger kann gleich loslesen, man muss ihn nicht mehr davon überzeugen, einen Link zu aktivieren. Und man darf natürlich nicht vergessen: soziale Netzwerke mit ihren komplexen Ausspielungs-Algorithmen sind im Vergleich zum E-Mail-Marketing eine Black Box, die Reichweite lässt sich nur schwer kontrollieren bzw. abschätzen — per Mail erreicht man die ausgewählten Empfänger direkt, ohne Vermittlungsinstanz.

(Was allerdings auch Spammer und Scammer wissen — so dass dynamische Webinhalte in E-Mails auch auf Kritik stoßen…)

(via FastCodeDesign)

Ähnliche Beiträge

Tschüss, Browser: RebelMail ermöglicht In-Mail-Shopping inklusive Bezahlvorgang

In Toronto geht’s auch ohne App: E-Mail-Tabloid „Twelve Thirty Six“ als Erfolgsmodell

Webifizierung als Risiko: „Die einzige sichere E-Mail ist eine Text-Only-Mail“

Sperrst du Chromecast aus, blockier ich Youtube: Amazon kämpft vs. Google, doch die eigentlichen Opfer sind (mal wieder) die Nutzer

amazon-versus-googleGatekeeper machen am liebsten das, was sie am besten können: Gatekeeping eben, sie halten die Pforte geschlossen. Für die Nutzer ist das schon ärgerlich genug. Noch ärgerlicher wird es, wenn sich zwei Gatekeepter bekämpfen, wie derzeit Amazon und Google. Aktueller Zankapfel ist der Zugriff auf Youtube — auf Amazons Echo Show ist er bereits blockiert, der Zugang via Fire TV wird ab Januar 2018 ebenfalls geblockt, teilte Google jetzt mit.

So lautet die offizielle Begründung: „Wir haben versucht, eine Verständigung mit Amazon zu erreichen, so dass Konsumenten beider Unternehmen gegenseitig Zugang zu Produkten und Services haben. Aber Amazon weigert sich, Produkte wie Chromecast und Google Home zu führen, macht Prime Video nicht für Google Cast-Nutzer zugänglich, und hat auch den Verkauf bestimmter Nest-Produkte gestoppt. Aufgrund dieses Mangels an Entgegenkommen unterstützen wir Youtube nicht länger auf Echo Show und FireTV. Wir hoffen dass wir uns bald einigen können, um diese Probleme zu beheben.“

Amazon wiederum ließ verlauten: „Mit seiner Blockade-Haltung statuiert Google ein enttäuschendes Exempel, indem ausgewählte Benutzer daran gehindert werden, eine ganz normale, offene Webseite zu erreichen.“

Allerdings muss man hier auch dringend mal Anlass und Ursache unterscheiden — denn schon lange liegen beide Konzerne wegen Amazons Android- und App-Store-Politik im Clinch. Nate Hoffelder von The Digital Reader zieht zu Recht eine Parallele zum Streit um konkurrierende E-Reading-Apps in Amazons App Store: auch in diesem Fall trat Amazon bereits als unfairer Gatekeeper auf. Doch diesmal hat der Gegner deutlich mehr Kawumm: Tatsächlich gingen die Verkaufszahlen für das Echo Show erkennbar zurück, seitdem Google im September die Youtube-Blockade verhängt hat.

(via Variety & The Digital Reader)

Hyperlokale E-Book-Suche: Google.com zeigt Verfügbarkeit in Bibliotheken vor Ort an

google-ebook-library-searchGoogle reichert die Suchfunktion schon seit längerem Schritt für Schritt mit separat dargestellten Personen-, Objekt- oder Produktinformationen an — bei E-Books kommen jetzt neben den bisherigen Kauflinks auch Ausleih-Informationen hinzu. Das berichten teleread.org und The Verge. US-Nutzer können somit auf einen Blick erkennen, ob ein Titel in ihrer örtlichen Leihbibliothek zur Onleihe angeboten wird. Auf Tablet und Smartphone werden die Ausleih-Infos an prominenter Stelle angezeigt, auf dem Desktop dagegen eher versteckt in der Seitenleiste. Google selbst gab die Neuigkeit gestern recht unspektakulär mit einem kurzen Tweet bekannt: „Calling all U.S. bookworms! Now you can take a look at what e-books are available to borrow at your local library, right in Search.“… Ein sehr nützliches Feature für alle Vielleser, die gerne E-Books auf Zeit auf ihre Lesegeräte laden, aber bis auf weiteres leider nicht international und somit auch nicht in Deutschland verfügbar.

Hey Google, wann gibt’s mal wieder einen E-Reader von dir?

google-play-storeWarum gibt’s eigentlich keinen „dedizierten“ Google E-Reader – also eine Art Kindle-Kobotolino-ähnliches E-Ink-Gerät mit direktem Draht zur Buchabteilung des Google Play Store? Eine gute Frage, die Nathan von Ebookreader.com und Nate von The Digital Reader gerade aufgeworfen haben, und gar nicht mal sooo trivial. Denn natürlich kann man einfach sagen: Der Zug ist längst abgefahren, bei mageren zwei Prozent Marktanteil lohnt sich das nicht. Und außerdem gab’s da ja schon mal so einen Versuch, siehe den iRiver Story HD vor knapp fünf Jahren.

E-Reader bindet Kunden besser als Apps

Andererseits wäre es für Google aber auch kein großes Ding, das firmeneigene Android in ein geeignetes Reader-Interface zu verwandeln und von Netronix, wo viele andere auch fertigen lassen, ein hochwertiges E-Lese-Gerät mit dem neuesten E-Ink-Display und ein paar netten Features herstellen zu lassen und groß zu vermarkten. Das hätte nicht nur einen wirksamen Hinguck-Effekt, sondern wäre sicherlich auch ein gutes Mittel zur Kundenbindung — auf einem E-Reader gibt’s ja in der Regel nur einen E-Store, und keine App-Konkurrenz wie auf Smartphone oder Tablet.

Her mit dem schönen Reader…

Bei anderer „gebrandeter“ mobiler Hardware macht der Suchmaschinen-Riese es ja schon ganz genauso, obwohl es zahlreiche mächtige bis übermächtige Konkurrenten auf dem Markt gibt. Und irgendwie würde es ja auch gut zu einem Unternehmen passen, bei dem das Einscannen von Büchern bzw. die digitale Verbreitung von Büchern schon seit den Nuller Jahren quasi zur DNA gehört. International könnte der nächste Google Reader zudem die epub-Front gegenüber dem Kindle-Imperium stärken. Also, Google: Her mit dem schönen Reader!

Journalismus schlägt Facebook & Google in punkto Reichweite (beim Werbeumsatz ist es umgekehrt…)

editorial-media-haben-bei-reichweite-die-nase-vornHehehe, was für ein passendes Thema für einen Blog namens „Editorial Media“: Editorial Media (ehemals „Journalismus“) hat zwar in den USA die größte digitale Reichweite, in punkto Umsatz liegen aber Functional Media (Suchmaschinen, Shoppingportale, Bezahldienste etc.) und Social Media vorne, berichtet, wie gesagt, Editorial Media, ein Blogprojekt des BDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger). Was natürlich auch daran liegt, dass die Werbeeinnahmen immer stärker von Google (wichtigstes Functional Media) und Facebook (wichtigstes Social Media) eingeheimst werden. Zwei Drittel des digitalen Werbekuchens werden von Brin, Page und Zuckerberg verspiesen.

50 Prozent-Marke von Editorial Media verteidigt

Schwacher Trost für die wackeren Content-Produzenten: sie haben via Desktop und mobil ebenso deutlich die Nase vorn in Sachen Bruttoreichweite, laut Comscore liegen sie 50 Prozent noch ungeschlagen vorn. Dagegen erreichen Social Media nur 16 Prozent, Functional Media 31 Prozent.

So gesehen wohl kein Wunder, dass die Verlage mit einer Doppelstrategie gegen das übermächtige Advertising-Duopol von Google und Facebook anrennen: zum einen machen sie mit ihnen gezwungenermaßen gemeinsame Sache, zum anderen versuchen sie mehr Digitalabos zu verkaufen – was großen Blättern wie der NYT oder WaPo nicht zuletzt dank „Trump Bump“ auch recht gut gelingt.

Digitaler Werbekuchen sehr ungleich verteilt

Vom nach wie vor starken, zweistelligen Wachstum im digitalen Anzeigengeschäft werden die Verlage aber wohl kaum etwas abbekommen – fast der gesamte Zugewinn im letzten Jahr wurde von Google und Facebook verschluckt. Vielleicht sollte man gesamtgesellschaftlich gesehen ja auch mal von Asocial und Dysfunctional Media sprechen…!?

Abb.: Anthony Quintano (cc-by-2.0)

Aus für Ara: Google sieht kein Vermarktungspotential für modular aufgebautes Smartphone

Project-Ara-startet-jetzt-2017Das modular aufgebaute Smartphone made by Alphabet/Google und Motorola kommt nicht später, es kommt wohl gar nicht, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das zukunftsweisende Baukasten-Mobiltelefon Ara galt bisher als eins der wichtigsten Aushängeschilder für Googles „Advanced Technology and Projects Group“ — doch offenbar wurde das Vermarktungspotential am Ende als zu gering eingeschätzt.

Nachhaltigkeit blieb auf der Strecke

Die Ara-Story zeigt damit wohl auch, das manche Innovationen dann doch zu wichtig sind, um sie den ganz großen Konzernen zu überlassen. Vom Enthusiasmus der Phonebloks-Initiative, dem Ursprung von Ara, war zwischenzeitlich schon nicht mehr viel übrig, zuletzt hatte man die Weichen eindeutig von Nachhaltigkeit & Langlebigkeit in Richtung Fashion und Flexibilität gestellt.

Fairphone 2 zeigt, wie es funktioniert

Auf Smartphones mit auswechselbaren Teilen muss man zum Glück trotzdem nicht verzichten — denn die niederländischen Fairphone-Macher haben mit dem „Fairphone 2“ genau solch ein Produkt auf den Markt gebracht — alle wichtigen Komponenten wie Display, Kamera, Lautsprecher, Tasten und auch diverse Elemente der Platine lassen sich bei Bedarf austauschen.

Doch dabei geht’s wiederum ausschließlich um das Ersetzen, nicht das Aufrüsten mit alternativen Elementen. Bis es ein Smartphone gibt, bei dem man z.B. auf Wunsch das LED-Display gegen ein E-Ink-Display austauschen kann, wird es wohl noch ein Weilchen dauern…

(via Caschys Blog & Reuters)

„Borgesian love story told through Google Street View“: Neue Experimente mit „undruckbaren“ Büchern

editions-at-play-google-undruckbare-buecherAlle Bücher sind E-Books, manche werden ausgedruckt, manche auch nicht – alleine schon deshalb, weil es technisch gar nicht möglich wäre. Zu dieser Kategorie gehört die Buchreihe „Editions at Play“, mit der bei Google gerade experimentiert wird. „Welcome to our bookstore. We sell books that cannot be printed“, heißt es lakonisch auf der Startseite des neuen Online-Buchladens. Etwas mehr verrät der Google-Blog: es gehe um „Bücher, die sich auf Smartphone und Tablet dynamisch verändern, und dabei alle Möglichkeiten nutzen, die das mobile Web bietet, um Dinge zu tun, die gedruckte Bücher noch nie konnten. Die Integrität des Buches soll dabei erhalten bleiben, zugleich wird mit der digitalen Form gespielt“.

Leser bestimmt den Ort & hat das letzte Wort

Zwei Exemplare der neuen Gattung sind schon online: Entrances & Exits von Reif Larsen, eine „Love-Story in Borges’scher Manier, erzählt mit Google Streetview“, bei der Türen an bestimmten Häusern als Portale in neue Kapitel wie auch an neue Orte überleiten, sowie The Truth About Cats & Dogs von Sam Riviere und Joe Dunthorne, eine Art Tagebuch-Battle der zwei Ko-Autoren, zwischen denen der Leser hin- und her mäandert, und am Ende auch entscheiden darf: wer hat das letzte Wort.

Kulturelle Objekte & literarische Landschaften

Produziert werden die Lese-Apps vom Google Creative Lab in Kooperation mit dem Londoner Startup-Verlag Visual Editions, nach eigenen Angaben spezialisiert auf das Veröffentlichen von Büchern als „kulturelle Objekte“ und das Konzipieren „literarischer Landschaften“. Tatsächlich führen die E-Books von Editions at Play ja in eine Art „Garten der Pfade, die sich verzweigen“ (vgl. Borges), wie ihn die klassischen Hyperfictions der 1980er und 1990er Jahre bereits geboten haben, damals meist rein text- bzw. HTML-basiert. Neu ist natürlich, dass „Lost in Cyberspace“ jetzt auch bedeuten kann, sich in Google Streetview zu verirren, am grundlegenden Prinzip der Hypertextur hat sich jedoch seit Ted Nelson nix geändert.

„Das Web wirbelt die Seiten durcheinander“

Das zeigt auch ein Statement des Google-Entwicklers T.L. Uglow gegenüber Buzzfeed: “Wir haben angefangen, über Seiten nachzudenken. Nimmt man ein Blatt Papier, faltet es und gibt es weiter, wird das ‚Buch‘ genannt, bleibt es aber ein Rechteck mit Text darauf, ist es etwas anderes“. Im Web, so Uglow weiter, gebe es eben nicht mehr den Zwang, Seiten in einer festen Reihenfolge miteinander zu verbinden. „Wir wollten herausfinden: was heißt es, wenn ein Buch nicht mehr auf Seite 1 anfangen muss, und nicht mehr auf Seite 273 enden muss“.

Oder vielleicht Bücher ins Gehirn implantieren?

Vergleichbares haben nun wirklich schon viele andere vorher versucht – am (Buch-)Markt durchgesetzt hat sich das nicht-lineare Erzählen aber bisher nicht, nicht mal als zeitgemäßes „Reader Engagement“ in Kindle-Store-Hyperfictions. Ob’s im Zeichen von Larry Page & Sergey Brin gelingt, die Seiten nachhaltiger durcheinander zu wirbeln? Man darf gespannt sein. Die nächsten zwei Lese-Apps mit formalen Experimenten sind jedenfalls schon angekündigt: „The book that unfolds“ sowie „The book that loses its memory“. Weitere Konzept-Ideen warten noch auf kreative Autoren, Code-Schreiber und Neurochirurgen, darunter „The Story that tells itself“ sowie „The Book that is directly implanted into your cerebral cortex“. Autsch!

Google-Report: „Bestes Mittel gegen Piraterie sind mehr & bessere legale Angebote“

Google ist für die Content-Industrie Segen und Fluch zugleich – denn wer sucht, der findet, und manche Suchergebnisse verweisen auf illegale Kopien von E-Books, MP3s und Filmen. Allerdings sind die Ergebnisse mittlerweile stark gefiltert, so werden etwa Piraterie-spezifische Begriffe bei der „Auto-Complete“-Funktion unterdrückt, und verdächtige Seiten vom Suchalgorithmus auf die hinteren Plätze verwiesen. Außerdem löscht Google auf Anfrage vor allem von Verbänden der Musik- und Filmindustrie immer mehr Einträge komplett aus der Datenbank. Torrentfreak zufolge wurden im Jahr 2013 als Reaktion auf solche „Takedown Requests“ sage und schreibe 200 Millionen Links entfernt – gesetzliche Grundlage ist in den USA dafür der „Digital Millenium Copyright Act (DMCA)“.

„Preis, Komfort & Angebot müssen stimmen“

Der Contentindustrie geht das immer noch nicht weit genug, sie fordert nach wie vor, dass Google alle verdächtigen Links selbst aufspüren und umgehend entfernen soll. Damit würde man natürlich auch sehr elegant das Problem der „False Positives“ umschiffen – denn schon bisher wird mindestens 1 Prozent der „Takedown Requests“ von Google abgelehnt, weil es sich etwa um Versuche handelt, legale Inhalte zu zensieren, legale Wettbewerber aus dem Rennen zu werfen oder ganz einfach abzukassieren (Stichwort: „Copyfraud“). Kein Wunder, dass Google lieber am bisherigen System festhalten möchte – und stattdessen auf mehr Effizienz bei den technischen Verfahren setzt. Doch nicht nur das: im aktuellen Report „How Google Fights Piracy“ wird die Content-Industrie auch recht unverblümt aufgefordert, gefälligst vor der eigenen Tür zu kehren.

Punkt Eins von Googles „Anti-Piraterie-Prinzipien“ lautet schlicht: schafft mehr und bessere legale Angebote. „Piraterie entsteht oft, wenn die Nachfrage auf Konsumentenseite nicht von einem legalen Angebot bedient wird“, heißt es im Report. Und weiter: „Wie Services von Netflix über Spotify bis zu iTunes gezeigt haben, bekämpft man Piraterie am besten mit verbesserten und komfortableren Dienstleistungen. Die richtige Kombination von Preis, Komfort und Angebotsspektrum wird weitaus mehr zur Reduzierung von Piraterie beitragen als Zwangsmaßnahmen.“

Phonoindustrie: Erstmals steigen die Umsätze wieder…

Dabei kann Google auf entsprechende Studien verweisen, die für verschiedene Länder einen direkten Zusammenhang zwischen der Einführung von Flatrate- & Streaming-Angeboten und einem starken Rückgang an illegalen Downloads belegen. Wirtschaftlich scheint die Rechnung inzwischen ebenfalls aufzugehen, wenn das Angebot stimmt: so verzeichnete der Weltverband der Phonoindustrie 2012 mit einem Ergebnis von 16,5 Milliarden Dollar erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein leichtes Umsatzwachstum, wobei das Digitalgeschäft bereits 35 Prozent dazu beitrug.

Letztlich ist Google an diesem Boom direkt beteiligt – und das nicht nur über eine Plattform wie Youtube. Schließlich laden Android-Nutzer populäre Streaming-Apps aus dem Google Play Store. Das gilt nicht nur für Netflix oder Spotify, sondern z.B. in Deutschland auch für E-Book-Apps à la Skoobe, Onleihe & Co. Dass sich die meisten Nutzer ohnehin nicht auf Piraten-Plattformen verirren, sondern von den Suchmaschinen gleich auf legalen Content geleitet werden, könnte übrigens auch einen ganz banalen Grund haben: Google zufolge wird zumeist nur der Name eines Künstlers oder ein Titel in die Suchmaske eingegeben, die Kombination mit Begriffen wie „free“ oder „download“ kommt weitaus seltener vor.

Abb.: Flickr/courosa (cc)

Sound-Effekte in E-Books: Google lässt sich „Auslöse-Positionen“ patentieren

Die meisten E-Books sind nicht sehr multimedial – außer Bildern und ein paar Hyperlinks ist nicht viel los. So richtig „enhanced“ werden bisher vor allem Sach- und Kinderbücher, die man zu diesem Zweck oft komplett neu produziert. Im Bereich Belletristik dagegen herrschen konventionelle Letternwüsten vor. Googles neueste Patentanmeldung könnte in Zukunft zumindest für ein paar Begleitgeräusche sorgen: denn dabei geht es um sogenannte „Trigger Points“, also zuvor definierte Stellen im Text, bei deren Erreichen Soundeffekte ausgelöst werden.

In der Patentschrift heißt es zum Hintergrund dieser Erfindung: „Existierende E-Books und E-Reader nutzen nicht alle Möglichkeiten aus, um den Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Viele E-Reader haben Sound-Funktionen, doch die E-Books selbst wenden sie nicht an, um die Nutzererfahrung zu verbessern.“ Die technischen Einzelheiten erinnern stark an vordefinierte „Systemklänge“ in Betriebssystemen wie Windows oder MacOS, die bei bestimmten Ereignissen abgespielt werden.

Wie genau festgestellt werden soll, an welcher Textstelle sich der Leser gerade befindet, wird jedoch in der Patentschrift leider nicht erklärt. Neben einem Algorithmus, der sich an der durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit orientiert, dürfte gerade bei Lesegeräten mit eingebauter Kamera (also etwa Tablets oder Smartphones) theoretisch auch das Erfassen des Blickwinkels bzw. der Augenbewegungen möglich sein.

Völlig neu wäre das nicht: So hat etwa das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) schon 2011 eine „Text 2.0-Technologie“ vorgestellt, mit der sich E-Books in eine interakative Storytelling-Umgebung verwandeln lassen. Dabei konnten nicht nur punkt- bzw. wortgenau Soundeffekte abgespielt werden – die gesamte Steuerung des Lektürevorgangs, inklusive Textauswahl, Umblättern und Anklicken einzelner Worte, läuft über die per (Spezial-)Kamera getrackten Augenbewegungen. Nicht umsonst bezeichneten die Forscher ihre Lese-Plattform als „Eye Pad“.

(via Geekwire)

Abb.: flickr/Melvin Gaal