iRiver Story HD: KNV bringt „Google Reader“ nach Deutschland – aber ohne Google

Der „Google Reader“ kommt nach Deutschland – doch Google steckt nicht dahinter. Kaufen kann man den iRiver Story HD ab 9. November in der Buchhandlung an der Ecke, und zwar zum Preis von 139 Euro. Dafür sorgt Deutschland wichtigster Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar (KNV). Ähnlich wie Libri ermöglicht KNV dem Buchhandel damit, vom E-Book-Handel zu profitieren – für alle Titel, die via WiFi über den integrierten E-Store des Readers gekauft werden, erhalten die Buchhändler eine Provision. Das virtuelle Bücherregal kann sich sehen lassen: mehr als 155.000 E-Books sind erhältlich. Geliefert wird der iRiver Story mit deutscher Tastatur & Menüführung sowie deutschsprachigem Handbuch.

HD steht für „hochauflösend“

Für die E-Lese-Freunde bricht damit der Herbst der Entscheidungen an. Denn noch nie gab es eine so große Auswahl an qualitativ hochwertigen Lesegeräten. Ganz oben auf der Einkaufs-Liste vieler Kunden dürfte demnächst der iriver Story HD stehen. Nicht umsonst hat der „Google Reader“ das Kürzel „HD“ im Namen – mit einer Auflösung von 768 x 1024 Pixeln stellt das E-Ink-Display des neuen 6-Zollers alle anderen Geräte in den Schatten. Mit knapp 200 Gramm ist das Gerät zudem spürbar leichter als viele Konkurrenzprodukte. Auch bei der Performance werden neue Maßstäbe gesetzt: mit einer Akkuladung sollen 6 Wochen Betriebsdauer bzw. 14.000 Seitenwechsel drin sein. Klingt nach einem High Potential: In den USA wählte der Suchmaschinen-Riese nicht umsonst den iRiver Story HD als erste Hardware-Plattform für den cloudbasierten Google eBookStore aus.

Online-Bestellung des iRiver Story ebenfalls möglich

Dass KNV den iRiver Story HD nun in die deutschen Buchhandlungen bringt, ist ebenfalls ein kluger Schachzug. Ähnlich wie Libri es mit dem Acer LumiRead plus integriertem E-Store namens eBookS vorgemacht hat, lässt nun auch Deutschlands größter Barsortimenter den Buchhandel noch stärker am E-Book-Handel partizipieren. Im Internet kann man das elektronische Angebot – hinter dem wiederum Libreka steckt – bereits jetzt auf der Website e-buchkatalog.de studieren. Dort wird man den iRiver Story HD demnächst auch online bestellen können. Wer wissen möchte, in welchen Buchhandlungen man ihn vor Ort kaufen kann, sollte dagegen lesen-leicht-gemacht.de ansteuern. Dort soll es in Kürze eine interaktive Karte der KNV-Partnerbuchhandlungen geben. Eins muss man natürlich bedenken – die Provisionen für E-Books sind leider deutlich niedriger als die für Print-Ausgaben. Am besten unterstützt man den Buchhändler an der Ecke also immer noch, wenn man ein Buch aus Papier kauft.

Neuer Google-Reader Story HD: Hohe Auflösung, langer Akku-Atem

Google Books erobert die E-Ink-Welt. Mit dem iRiver Story HD kommt ein E-Reader auf den Markt, der den direkten Draht zum E-Store des Suchmaschinen-Riesen garantiert. Der WiFi-fähige 6-Zoller trägt nicht umsonst die Abkürzung für „High Density“ im Namen. Äußerlich mag das Gerät mit der vollwertiger Qwerty-Tastatur zwar an ältere Kindle-Modelle erinnern. Doch das Display bringt mit 768×1024 Pixeln eine deutlich höhere Auflösung mit als bisher üblich ist. Auch bei der Performance werden neue Maßstäbe gesetzt: mit einer Akkuladung sollen 6 Wochen Betriebsdauer bzw. 14.000 Seitenwechsel drin sein. In den USA ist das Gerät für 140 Dollar erhältlich, wann es nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt.

Google baut die Marktposition aus

Langsam aber sicher baut Google seine Position auf dem E-Book-Markt aus. Der cloudbasierte Google eBookStore ist in den USA seit knapp einem halben Jahr online, Apps für iOS und Android bringen die elektronische Lektüre bereits auf die Displays von Mobilgeräten. Das E-Book-Angebot an aktuellen Titeln kann sich durchaus mit Amazon oder Barnes&Noble messen, bei kostenlosen Public Domain-Titeln hat Google dank der ausgiebigen Scan-Tätigkeit in Bibliotheken sogar deutlich die Nase vorn. Fehlte nur ein Brückenkopf auf dem E-Ink-Gelände – diese Scharte dürfte nun mit dem Story HD aus der Werkstatt des koreanischen Herstellers iRiver ausgewetzt sein.

HD als einziges Alleinstellungsmerkmal?

Allerdings bewegt sich Google in einem schwierigen Umfeld – denn mit Kindle, Nook und dem neuen Kobo-Reader hat die Konkurrenz bereits ihre Claims erfolgreich abgesteckt. Hier noch ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, dürfte schwer sein. Beim Kontrast etwa heißt der Standard auch auf dem HD-Display Pearl-E-Ink, ganz genau wie bei Amazons Kindle. Immerhin ist der Übergang von VGA- zu XGA-Auflösung ein gewisser „Hingucker“. Hier könnte sich ein neuer Standard andeuten. Doch ein integriertes Wörterbuch, Word-Viewer, Bilder-Viewer, das bieten andere wiederum auch. „Round Edge“-Design ist ebenfalls nichts neues. Doch man darf nicht vergessen: Googles Strategie ist nicht auf ein Gerät festgelegt, sondern flexibel.

Google sucht weitere Kooperationspartner

Erklärtes Ziel sei es nämlich, Google E-Books auf so viele Reader-Modelle wie möglich zu bringen, so Produkt-Manager Pratip Banerji auf dem offiziellen Firmenblog: „We built the Google eBooks platform to be open to all publishers, retailers and manufacturers. Manufacturers like iriver can use Google Books APIs and services to connect their devices to the full Google eBooks catalog for out-of-the-box access to a complete ebookstore.“ Andere Hersteller könnten also dem Beispiel von iRiver folgen, was vor allem dann spannend werden könnte, wenn auch der europäische Markt anvisiert wird. Das kann schon sehr bald sein: Der Start des deutschen Google-Stores etwa wird bis Ende 2011 erwartet.

„Man braucht mehr als nur eine große Datenbank“

Die Konkurrenz nimmt derweil den Start des Google-Readers recht gelassen auf. So etwa Kobo-CEO Michael Serbini, dessen Unternehmen zu den großen Drei im US-E-Book-Business gehört. Der Suchmaschinen-Riese werde im elektronischen Buchhandel ein Nischen-Zwerg bleiben, äußerte sich Serbini gegenüber forbes.com: “Google is launching in a market that already has advanced services like apps, commerce and gifting. It takes more than a giant database of books in the cloud and a Web interface to build a leading e-reading business.” Auch auf dem deutschen Markt dürften Amazon und demnächst Kobo wohl vorerst mehr bewirken als Google.