Google Play öffnet erneut die Türen für Indie-Autoren, vorsichtig, Schritt für Schritt

google-play-erlaubt-wieder-indie-autorenGewinne neue Fans und verkaufe mehr Bücher“ — super Tipp, den man auf der Landing-Page des „Books Partnercenter“ von Google Play lesen kann. Leider ist Googles Self-Publishing-Plattform aber seit mehr als zwei Jahren geschlossen, es werden offiziell keine neuen Mitglieder aufgenommen. Grund für das Herunterlassen der Jalousien war die Überhand nehmende E-Book-Piraterie — immer mehr „Scammer“ veröffentlichten via Google Play Texte von Dritten ohne Genehmigung.

„Begrenzte Zahl von Publishern wird aufgenommen“

Doch mittlerweile wurde die direkte Pforte (es gibt ja auch den Weg über Distributoren) wieder einen Spalt breit geöffnet: „We’re currently accepting a limited numer of new Publishers“, heißt es in einer Ankündigung, inklusive Weiterleitungs-Link zu einem Anmeldeformular. Als Verlagstyp kann man alternativ die Option „Autor im Selbstverlag“ angeben, d.h. die Anmeldung steht nicht nur konventionellen Verlagen, sondern auch Indie-Autoren offen.

Google hat Probleme mit E-Book-Piraterie

Die etwas merkwürdige Door-Policy hat offenbar damit zu tun, dass Google – ähnlich wie Amazon – das Betrugs-Problem alleine mit Algorithmen nicht in den Griff bekommen kann, und deswegen auf Anmeldungen, Wartelisten und händische Betreuung setzt. Oder, wie Nate Hoffelder von The Digital Reader schreibt: „they may have no other choice but to have a real person deal with the problem„.

Ein Satz, den man immer öfter hört in diesen Tagen… Ob nun digitales Mobbing, Fake-News oder eben E-Book-Piraterie, so richtig gut läuft es im Web am Ende nur noch, wenn auf beiden Seiten der (Daten-)Leitung an irgendeiner Stelle auch mal ein Mensch in der Kommunikationsschleife sitzt.

24 Stunden lesen für 99 Cent: Google Play Store (USA) testet Kurzzeit-Vermietung

99-cent-miet-lektuere-fuer-einen-tagE-Book-Vielleser gelten zurecht als der Angstgegner der Flatrate-Anbieter — denn die ungebremste Lesewut dieser Nutzer bringt jede Gesamtkalkulation durcheinander, insbesondere bei ohnehin populären Genres wie Fantasy, Romance oder Thriller. Insofern ist die neueste Kampagne von Google Play grundsätzlich ein gewagter Schritt: für 99 Cent pro Titel können US-Leser nun einen Tag lang schmachtfetzige E-Books von beliebten Autoren des Harlequin-Verlags (HarperCollins) lesen, darunter etwa Lisa Harris („Taken“), Debbie Macomber („Ready for Marriage“) oder Maya Banks („The Mistress“). Regulär werden die E-Books zu Preisen zwischen drei und fünf Dollar angeboten.

Zeitlich begrenzte Marketing-Aktion

Manche der für 99 Cent „verramschten“ Autoren sind deutschen Lesern wohl nicht unbekannt, in Übersetzung sind viele Werke bei den Harper Collins Germany-Labeln Cora und Mira erschienen. Das Angebot im US-amerikanischen Google-Play Store gilt für insgesamt 60 Harlequin-Titel — allerdings nur bis Anfang Februar. Insofern muss man es wohl eher als Marketing-Aktion verstehen, bei der Harlequin zwar erst mal draufzahlt, am Ende aber viele neue Leser für die seriell produzierten Unterhaltungs-Reihen gewinnt.

High-Speed-Ausleihe auch in Deutschland?

Ähnlich hatte HarperCollins es übrigens schon bei einer 99-Cent-Aktion via Google Play gegen Ende 2016 gemacht, damals ging es um Young Adult-Titel aus populären Genres wie Sci-Fi und Fantasy. So gesehen dürfte wohl auch die aktuelle High-Speed-Ausleihe nicht die letzte Gelegenheit dieser Art bleiben, schließlich gibt es auch andere Marketing-Formen, bei denen Verlage E-Books günstig oder gratis unter die Leute bringen. Grundsätzlich möglich wäre der 24-Stunden-Verleih für 99 (Euro-)Cent wohl auch in Deutschland — denn die Buchpreisbindung gilt nicht für zeitlich begrenzte Mietmodelle.

(via ebook-fieber.de & The Digital Reader)