E-Books aus der Cloud: Google wird zum deutschen E-Buchhändler

Google verkauft ab jetzt auch in Deutschland E-Books – die Plattform Google Play macht hunderttausende aktuelle Titel per Mausklick verfügbar. Mit im Boot sind bereits zahlreiche große Verlage wie Heyne, Bastei Lübbe, C.H. Beck, Hoffmann & Campe oder Klett Cotta, weitere sollen folgen. Lesen lassen sich Google Books sowohl online im Browser wie auch über Google Apps für Android- und iOS-Geräte, auf iPhone und iPad ist allerdings kein In-App-Shopping möglich. Da Google auf die Branchenstandards epub sowie PDF setzt, sind die E-Books via Download übrigens auch auf klassischen E-Readern nutzbar (DRM-geschützt mit Adobe Digital Editions). Bereits seit Anfang des Jahres konnte man über die cloudbasierte Plattform Google Play Android-Apps und Games herunterladen. Weitere Dienste wie Google Music und Google Movies bleiben für deutsche Nutzer allerdings noch verschlossen.

Von der Buchsuche zum Buchladen

„Niemand hat die Absicht, einen E-Store für Bücher zu eröffnen.“ So beruhigte Google noch vor einigen Jahren die Gralshüter der Gutenberg-Galaxis. Denn das gewaltige Scan-Projekt des Suchmaschinen-Riesen machte nicht nur Bibliothekare nervös. Tatsächlich öffnete nach der Google Buchsuche dann plötzlich auch der Google eBookstore seine Pforten, zumindest in den USA. Mit dem iRiver Story HD kam dort im letzten Jahr zudem ein „Google Reader“ auf den Markt, der drahtloses Shoppen im elektronischen Buchladen ermöglichte. Ein langes Leben war Googles Bookstore aber nicht beschieden – er ging vor kurzem in Google Play auf. Die cloudbasierte Plattform wurde ursprünglich für Googles Android Market geschaffen, später aber für andere Content-Formen ausgeweitet. So sind E-Books nun nur eine weitere Säule im digitalen Gemischtwarenladen.

Google bietet E-Books mit Umtauschrecht

Zugleich bleibt Googles Buch-Universum vorerst zweigeteilt: denn Google Play und Google Buchsuche sind nur teilweise miteinander verzahnt worden. Eingeloggte Google-User können so etwa auf Public-Domain-Titel, die sie ihrer Google Books-Bibliothek hinzugefügt hatten, auch direkt via Google Play zugreifen. Umgekehrt greift die Suchfunktion von Google Play jedoch nur auf aktuelle Titel zu, die sich direkt erwerben lassen. Für die Recherche in wissenschaftlichen Werken oder Klassikern bleibt die Buchsuche bis auf weiteres unverzichtbar. Bezahlt wird bei Google Play derzeit ausschließlich mit Kreditkarte. Dafür gibt’s interessanterweise aber E-Books mit Umtauschrecht. Denn in den Nutzungsbedingungen gewährt Google freiwillig das Recht, „den Vertrag über den Erwerb von digitalen Inhalten (…) innerhalb einer Frist von sieben Werktagen (…) rückgängig zu machen“.

Google Books bringt elektronische Version von Harry Potter heraus

google-pottermore-e-book.gifDie wichtigste Frage ist geklärt. Harry Potter kommt ab Herbst als E-Book heraus. Die Antwort auf die zweitwichtigste Frage wissen wir nun auch: die weiße Magie im Hintergrund liefert Google Books. Auf dem offiziellen Google Books Blog wurde diese Woche bekannt gegeben, dass im Hintergrund von JK Rowlings neuem Fan-Portal Pottermore.com die Technik des Suchmaschinen-Riesen laufen soll. Als Bezahlsystem wird neben der Kreditkarten-Option auch Google Checkout verwendet. Google E-Books lassen sich auf PC & Mac, zahlreichen Mobilgeräten, aber auch auf klassischen E-Readern lesen.

Lektüre im Browser oder offline

JK Rowling pocht auf ihren Unique Selling Point: Nur auf Pottermore wird Harry Potter als E-Book erhältlich sein, die Lektüre selbst kann dann via Google Books aber auf verschiedenen Geräten im Browser stattfinden, oder offline per Download. „When you buy a Harry Potter ebook from Pottermore, you will be able to choose to keep it in your Google Books library in-the-cloud, as well as on other e-reading platforms“, heißt es dazu auf dem Google Blog. Der beabsichtigte Verzicht auf regulären DRM-Schutz ist mit der cloudbasierten E-Book-Technik bereits auf sehr elegante Weise möglich, schließlich können die E-Books aus dem Browser heraus nicht gespeichert werden. Bei den Dowloadversionen zur Offline-Lektüre wird dagegen ein digitales Wasserzeichen zur Anwendung kommen, die E-Books können also auf allen vorhandenen Geräten des Käufers genutzt werden.

Wasserzeichen statt DRM

Der beabsichtigte Verzicht auf regulären DRM-Schutz ist mit der cloudbasierten E-Book-Technik bereits auf sehr elegante Weise möglich, schließlich können die E-Books aus dem Browser heraus nicht gespeichert werden. Bei den Dowloadversionen zur Offline-Lektüre wird dagegen ein digitales Wasserzeichen zur Anwendung kommen, die E-Books können also auf allen vorhandenen Geräten des Käufers genutzt werden. Google Books wird allerdings nicht exklusiver Harry Potter-Distributeur – JK Rowling ist offenbar bereits mit Amazon im Gespräch, um den Zauberlehrling auch auf das Kindle zu bringen. “We’re working closely with Pottermore to make sure Kindle customers will be able to buy and read J.K. Rowling’s Harry Potter books“, erfuhr zdnet auf Anfrage von einem Amazon-Sprecher. An einer Stelle gibt’s aber doch Exklusivität: Für weitere „Announcements“ wird JK Rowling auch in Zukunft die zu Google gehörende Youtube-Plattform nutzen.

US-Studie: Google Books ohne negative Auswirkungen auf den Buchhandel

google-books-buchsuche-travis-studie-verlage-buchhandel-positive-effekteFür Buchhändler und Verlage ist Google Books ein ähnlich rotes Tuch wie Google Streetview für Hausbesitzer. Das großangelegte Scanprojekt erfasst in den teilnehmenden Bibliotheken nicht nur alte Schwarten, sondern auch urheberrechtlich geschützte Werke. Viele Rechteinhaber fürchteten finanzielle Einbußen und zogen vor Gericht. Eine US-Studie scheint nun aber genau das Gegenteil zu bestätigen – durch Digitalisierung und verbesserten Zugang sind die Umsätze der betroffenen Verlage gestiegen. Näheres dazu im folgenden Beitrag von Jürgen Scheele.

Google Books: für Verlage so gefährlich wie Napster für die Musikindustrie?

Im Oktober 2004 stellten Sergey Brin und Larry Page in einer Pressekonferenz auf der Frankfurter Buchmesse Google Print vor. Erste Suchergebnisse aus gescannten Büchern erschienen im Dezember 2004 in den Ergebnislisten der englischsprachigen Suchoberfläche Google.com. Im April 2005 schließlich ging Google Books als separate Suchmaschine in den USA an den Start, seit Oktober 2005 folgten deutsche und anderssprachige Benutzungsoberflächen. Insbesondere in den USA und Deutschland stieß das Vorhaben auf heftige Kritik. Lobbyisten und Interessensvertreter des Buchhandels wähnten sich durch Google Book Search (GBS) herausgefordert und im Niedergang begriffen wie vormals die Musikindustrie im Falle von Napster.

„Mass digitization and expanded access to book previews may increase revenues and profits“

Nun hat Hannibal Travis, Rechtsprofessor an der Florida International University, in der Studie „Estimating the Economic Impact of Mass Digitization Projects on Copyright Holders: Evidence from the Google Book Search Litigation“ die ökonomischen Auswirkungen auf den US-Buchhandel einer genaueren Prüfung unterzogen. Sein Ergebnis: Ein negativer ökonomischer Einfluss besteht nicht. Die Bilanz seiner Untersuchung lautet:

First, it finds little support for the much-discussed hypothesis of the Association of American Publishers and Google’s competitors that the mass digitization of major U.S. libraries will reduce the revenues and profits of the most-affected publishers. In fact, the revenues of the publishers who believe themselves to be most aggrieved by GBS, as measured by their willingness to file suit against Google for copyright infringement, increased at a faster rate after the project began, as compared to before its commencement. Their profits also increased significantly more on average from 2005 to 2008 than from 2001 to 2004. The increased rate of growth by publishers most affected by GBS does not disappear when one compares it to the growth of the U.S. economy or to the growth of retail sales. The continued rise in sales is remarkable when one considers the soaring sales and prices of other entertainment products that may compete with books.

Second, this Article finds some support for the view that mass digitization and expanded access to book previews may increase the revenues and profits of the most-affected publishers. The evidence for this proposition takes the form of large increases in revenues and profits for publishers affected by GBS who did not opt out of Google’s publishing partner agreement for broader access to previews of works still in copyright.

Third, it seems that GBS may simultaneously vindicate the public interest in expanded access to the world’s cultural heritage and the pecuniary interests of authors and publishers in recouping the substantial fixed costs of book and periodical production and distribution. Analyzing this virtuous circle can help us begin to theorize the relationship between the Internet industry, the producers of cultural products, and the wider public. This relationship is also visible with other advanced Internet services such as YouTube or DailyMotion, which may increase viewership of copyrighted works that they may infringe, such as television shows. One potential implication is that North American and European initiatives to create state-funded digital archives of European cultural heritage may prove to achieve many of the same results as corporate-funded mass digitization projects, and may benefit from tighter integration with such for-profit projects as a step towards universal access to all human knowledge in one place.

In der Untersuchung zur Anwendung kam eine Vorher/Nachher-Analyse, in der die von den Verlagen erzielten Erträge vor dem Start von Google Book Search mit jenen danach verglichen wurden. So zeigt die nachfolgende Tabelle für den Zeitraum 2005–2008 eine (inflationsbereinigte) Zunahme in den Erträgen von $ 330 Mio. gegenüber $ 126 Mio. in 2001–2004. Dass die Entwicklung bei den Profiten nicht simultan verlief, ist Travis zufolge Ausdruck der 2008 einsetzenden Rezession in der US-Wirtschaft – sprich: dem Konjunkturverlauf geschuldet. Immerhin waren die Profite vor Krisenbeginn zuletzt mit $ 891Mio. in 2007 um mehr als 30 % gegenüber dem Stand von 2001 angewachsen.

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[Via Michael Scott und techdirt]

Autor & CC-Lizenz: Jürgen Scheele

Die Originalversion dieses Beitrags erschien auf Digitale Linke.

Abb.: Flickr/Jim Barter (cc)

Web-App statt E-Reader: Google Editions startet im Juli Direkt-Verkauf von E-Books

Google Editions E-Book als Web-App bild_pixelio_danyba.gifVon Google Books zu Google Editions ist es nicht mehr weit: ab Juli wird der Suchmaschinen-Riese nun auch zum Global Player im E-Book-Business – und verkauft elektronische Lektüre im Web. Gelesen werden Google E-Books vor allem im Browser. Jedes internetfähige Gerät wird damit zum E-Reader. Besondere Schnäppchen dürfen deutsche Leser allerdings nicht erwarten, denn Google wird sich an die deutsche Buchpreisbindung halten.

E-Book als Mehrweg-Produkt: Neben der Web-Version gibt’s auch Sicherheitskopien im PDF-Format

Indirekt verkauft Google jetzt schon Bücher – denn schließlich verlinkt die Google Buchsuche direkt auf verschiedene Anbieter. Eine spezielle Shop-Suche ermöglicht zudem auch den virtuellen Einkauf zugunsten einer lokalen Buchhandlung. Spätestens ab Juli startet mit Google Editions nun aber auch der Direkt-Verkauf. Google-Manager Chris Palma kündigte den Zeitplan Anfang dieser Woche auf einem Forum der US-Verlagsbranche in New York an. Nicht zufällig hieß der betreffende Programmpunkt: „The Book on Google: Is the Future of Publishing in the Cloud?“ Denn bei Google Editions geht es um eine Web-Applikation – gelesen wird via Browser, die Daten selbst bleiben auf dem Google Server, bzw. für die Offline-Lektüre im Browser-Cache. Im Gegensatz zu Amazons Kindle App oder Apples iBooks könnten E-Books via Google Editon also mit jedem internetfähigen mobilen Endgerät genutzt werden. Bei der bloßen „Lizenz zum Online-Lesen“ bleibt es aber nicht: „Der Nutzer bekommt ein PDF des Buches als Sicherheitskopie, falls der Verlag möchte, DRM-geschützt. Die Sicherheitskopie kann der Käufer lokal auf seinem Rechner speichern“, versprach Google Buchsuche-Managerin Annabella Weisl Ende 2009 gegenüber Buchreport. Das dürfte nicht allein Besitzer von E-Readern freuen, die keinen integrierten Web-Browser haben.
Auch Datenschützern ist die reine Online-Lektüre zu recht nicht ganz geheuer.

Niedrige E-Book-Preise durch Bundling von Print & Digital?

Einige Details zu Google Editions wurden bereits im letzten Herbst bekannt, so wurde etwa angekündigt, zum Start würde es bereits 500.000 Titel in Google Online-Shop geben. Auch für deutsche Leser werden zahlreiche Titel verfügbar sein: schon Ende 2009 stand Google in Verhandlungen mit deutschen Verlagen. Für viele Anbieter ist die Beteiligung an Google Editions ziemlich einfach. Wenn ihre Bücher bereits bei Google lesbar sind, müssen sie lediglich noch einen „Ergänzungsvertrag“ zum laufenden “Partner-Programm” unterzeichnen. Wird ein Titel direkt bei Google Editons gekauft, streicht der Suchmaschinen-Riese 37 Prozent des Umsatzes ein, die restlichen 63 Prozent gehen an den Verlag. Normale E-Book-Versionen dürften dank Buchpreisbindung bei Google Editions nicht günstiger über den digitalen Ladentisch gehen als anderswo. Allerdings hätten die Verlage die Chance, via Google auch “Bundling” von E-Books & Print zu praktizieren. Die Kombination Hardcover bzw. Paperback plus E-Book könnte dabei einem vergleichsweise niedrigeren Gesamtpreis angeboten werden.

Bild: Pixelio/Danyba

Lesen 2.0 oder Stasi 2.0? Datenschützer testen aktuelle E-Reader

Datenschutz E-Reader Test WiFi Amazon Google E-Book Privatsphaere.pngFrüher war Lesen Privatsache – in Zeiten des E-Readers gilt das längst nicht mehr. Schon beim Einkaufen im E-Store werden Daten gespeichert. WiFi-fähige Geräte halten Amazon & Co. über unser Leseverhalten auf dem Laufenden. Welche Gadgets sind in punkto Datenschutz überhaupt zu empfehlen? Die amerikanische Nonprofit-Organisation EFF hat gängige Reader getestet, aber auch Google Books und die FB-Reader-Software.

Alle reden vom Kopierschutz – doch wer schützt eigentlich die Privatsphäre der Leser?

Wenn es um’s Thema elektronisches Lesen geht, ist oft vom Digital Rights Management die Rede, also vom Schutz der Urheberrechte von Autoren und Verlagen. Doch wer schützt eigentlich die Leserrechte, speziell das Recht auf die Unverletzlichkeit der Privatsphäre? Gerade wenn online gelesen wird, sieht es damit nicht sehr gut aus. Wie heißt es so schön: „Google knows what you did last summer“ – Google weiß wahrscheinlich auch, was wir letzten Sommer gelesen haben. Vor allem, wenn man Google Booksearch benutzt hat. Anderswo ist es aber auch nicht unbedingt besser. Öffnet man die Amazon-Seite im Browser, brüstet sich die Seite Cookie sei Dank gleich mit dem Wissen darüber, welche Paperbacks oder CDs man zuletzt gekauft hat, und macht ein paar wohlfeile Vorschläge für das nächste Shopping. Wann man ein Buch aus Papier liest, wie oft oder wie lange, das weiß zwar weder Google noch Amazon – doch bei E-Books kann das ganz anders aussehen. Welche Daten senden etwa WiFi-fähige Geräte wie der Kindle zurück an die Firma? Welchen E-Reader kann man aus Sicht des Datenschutzes empfehlen? Die amerikanische Non-Profit-Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat einen „E-Book Buyers Guide to Privacy“ ins Netz gestellt, der einen guten Überblick zum Thema E-Books und Privatsphäre enthält.

Am wenigsten Datenschutz gibt es bei Google Books – denn alles passiert online

Verglichen wurden vier verschiedene Methoden: E-Books lesen via Google Books, die Lektüre mit einem WiFi-Reader (Amazon Kindle, Barnes&Noble Nook), E-Reader ohne WiFi (Sony) sowie die freie Software FB-Reader. Dabei gab es verschiedene Beurteilungskriterien:
„Kann man überwachen, was gelesen wird?“, „Werden Katalog-Suchvorgänge aufgezeichnet?“, „Werden Buch-Käufe aufgezeichnet?“, sowie, nicht ganz unwichtig: „Mit welchen Institutionen findet ein Datenaustausch statt?“. Schließlich geht es noch um die Frage, ob der Nutzer die über ihn erhobenen Daten einsehen, verändern oder löschen lassen kann. Am schlechtesten von allen Möglichkeiten ist aus datenschützerischer Perspektive Google Books.

Googles neues Book Search-Projekt zeichnet Lesegewohnheiten in bisher nicht dagewesener Präzision auf. Googles eigenen Angaben zufolge wird auf dem Webserver automatisch ein Logfile für jedes Buch, für jede gelesene Seite und für jede Buchsuche angelegt, dazu die Lesedauer, und auch, wohin man weitergeblättert hat.

Außerdem vergisst Google natürlich auch nicht, welche Bücher man überhaupt via Google Books gekauft hat.

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Thomas de Maizière weiß, was Du letzten Sommer auf dem Kindle gelesen hast.

Ähnlich problematisch ist die Situation beim Amazon Kindle. Das hat sehr viel mit dem harten DRM-Schutz zu tun. Um sicherzustellen, dass man zum Lesen auch wirklich autorisiert ist, muss Amazon ständig darüber bescheid wissen, für welche Bücher man eine Lizenz zum Lesen besitzt (die E-Books selbst besitzt man nämlich nicht.) Doch das ist nicht alles: in den Lizenzbedingungen verrät Amazon nämlich:

Die Gerätesoftware liefert Amazon Daten über ihr Lesegerät und dessen Interaktion mit einzelnen Services (z.B. Wireless-Verbindung, Einkauf im Kindle Store, ect.) … und Informationen zum Content auf dem Gerät und wie Sie Ihn nutzen.

Diese Formulierung legt dem EFF zufolge sogar nahe, dass Amazon sich auch für E-Books und sonstige Daten auf dem Kindle interessiert, die gar nicht bei Amazon gekauft wurden. Man kann deswegen nicht ausschließen, dass solche Informationen bei Dritten landen – theoretisch auch bei der Homeland Security und dem FBI und so weiter. Am Ende gilt wohl auch: Thomas de Maizière weiß, was Du letzten Sommer gelesen hast.

Geräte ohne WiFi-Funktion ermöglichen mehr Privatsphäre

Grundsätzlich öffnen natürlich alle drahtlosen Geräte den Herstellern Tür und Tor, um das Verhalten des Verbrauchers auszuspionieren. Auch bei der Nutzung des deutschen txtr-Reader fallen eine Menge Daten an, vor allem, wenn man private Dokumente auf die txtr-Plattform hochlädt. Im einzelnen lohnt sich also auch in diesem Fall vor dem Kauf ein Blick in die AGBs und die separate Datenschutzerklärung. Etwas besser hat man es auf jeden Fall, wenn anders als bei Amazon auch der Einkauf in anderen E-Book-Stores möglich ist, wie es etwa bei den Sony-Readern der Fall ist. Abgesehen vom ganz neuen Sony Reader Daily Editon können die Sony-Geräte ohnehin noch keine drahtlose Verbindung ins Netz herstellen. Kauft man seine E-Books nicht bei Sony, sondern bei Drittanbietern, bleibt die Zusammensetzung der eigenen Bibliothek vergleichsweise anonym. Abgesehen davon, dass natürlich Adobe weiß, welche DRM-geschützten Titel man via Adobe Digital Edition registriert hat. Will man möglichst unkontrolliert lesen, raten die EFF-Experten dazu, überhaupt nur E-Books ohne DRM-Schutz zu nutzen – dank OpenSource-Software wie etwa FBReader ist das ja nicht nur auf echten E-Readern, sondern auch auf vielen anderen mobilen Geräten möglich.

Astérix gegen Goliath? Google Books kooperiert mit französischen Bibliotheken

Google scannt auch in Frankreich. Die Stadtbibliothek von Lyon arbeitet seit 2006 mit dem Suchmaschinen-Riesen zusammen. Steht nun auch der französischen Nationalbibliothek ein „Pakt mit Teufel“ bevor? Le Monde widmete dem Thema in seiner Wochenendausgabe mehrere Seiten. Emmanuel Hoog etwa warnt vor allzuviel Optimismus: „Google ist keine NGO die allein für das Wohl der Menschheit arbeitet. Es ist ein börsennotiertes Unternehmen, zuallererst den Interessen der Aktionäre verpflichtet“. Doch die Bibliothek selbst wie auch die Politik setzen auf Kooperation: der „Kampf von Asterix gegen Goliath“ werde nicht stattfinden, so Kulturminister Frédéric Mitterand.

Lesen wie Gott in Frankreich – die Nationalbibliothek als kulturelles Prestigeobjekt

Seit De Gaulles Zeiten wahrte die Grande Nation vornehmen Abstand zu allem, was mit dem kulturellen und politischen Einfluss der USA zu tun hatte – das reichte von so substanziellen Dingen wie der eigenständigen atomaren Abschreckung („Force de Frappe“) bis hin zum Verbot von englischen Werbe-Slogans. Gerade in der Kulturpolitik setzte man auf weithin sichtbare Symbolik. Unter Francois Mitterand (Spitzname: Sphinx) wurden nicht nur gläserne Museums-Pyramiden und Triumphbögen errichtet, sondern auch eine gigantische Nationalbibliothek „BNF“, von den Franzosen in Anspielung auf den Schnellzug TGV spöttisch „TNB“ genannt – „Très Grande Bibliothèque“. Von Anfang an setzte die BNF auf die neuen Medien: in den Lesesälen waren Internet-Arbeitsplätze schon in den Neunziger Jahren Standard, und man begann, die eigenen Bestände im Projekt „Gallica“ in digitaler Form zugänglich zu machen. Mittlerweile sind mehr als 700.000 Dokumente abrufbar, jedes Jahr kommen 100.000 neue dazu.

Die Très Grande Bibliothèque ist abgehängt – keiner digitalisiert schneller als Google

Bibliothekarisch war das eine Meisterleistung: Die qualitativ hochwertigen Scans lassen sich im Browser wie Faksmilies benutzen – genügend Bandbreite beim Surfen vorausgesetzt — dazu gibt es in vielen Fällen eine Volltextsuche. Der Nachteil: das Projekt kommt vergleichsweise langsam voran. Zahlenmäßig wurden die Franzosen längst von einem Konkurrenten aus den USA abgehängt: Google hat das serielle Einscannen von Büchern technisch perfektioniert. Mehr als zehn Millionen Bände aus drei Dutzend großen Bibliotheken wurden in wenigen Jahren digitalisiert, wenn auch in geringerer Qualität. Das hatte Folgen selbst in Frankreich: Die Stadtbibliothek von Lyon etwa arbeitet seit 2006 mit Google zusammen: mehr als 100 Millionen Seiten sollen im Rahmen dieser Kooperation eingescannt werden – nicht automatisch, sondern per Hand. Das hätte, so Direktor Patrick Bazin, normalerweise Kosten von etwa 60 Millionen Euro verursacht. Angesichts solcher Spareffekte denkt nun auch der aktuelle BNF-Chef Bruno Racine über eine Kooperation mit Google nach. Unter seinem Vorgänger Jean-Noel Jenneney wäre eine solcher Kurs wohl nicht möglich gewesen. Dessen Leib- und Magenprojekt war das Internet-Portal Europeana – sozusagen Europas öffentlich-rechtliche Antwort auf alle Versuche, die Gutenberg-Galaxis zu privatisieren. Nun siegt offenbar die bibliothekarische Realpolitik: denn in Zukunft dürfte sich die Wertigkeit von kulturellem Wissen danach richten, ob es bei Google Books abrufbar ist oder nicht.

„Google ist kein Problem, sondern eine Herausforderung“

Ähnlich pragmatisch denkt auch der französische Premierminister Francois Fillon: „Für mich ist Google eher eine Herausforderung. Viele regen sich darüber auf, dass die BNF mit Google über die Digitalisierung überhaupt redet. Wirklich schockierend wäre es aber, wenn sie es nicht tun würde!“ Auch Frankreichs neuer Kulturminister, Frédéric Mitterrand plädiert für eine neue Politik. Es gehe nicht mehr um eine „Konfrontation von Technologie und kulturellem Erbe, privat gegen öffentlich, Frankreich gegen die USA, Asterix gegen Goliath“. Mitterand kann sich offenbar vorstellen, dass sich Google und BNF mit ihren Angeboten gegenseitig ergänzen. Ins selbe Horn stößt Mats Carduner, Googles Europa-Chef: Man könne der BNF im Rahmen dieser Public-Private-Partnership zehntausende französische Titel zur Verfügung stellen, die zum Public Domain-Bereich gehörten.

Wenn Wissen Macht ist, wie mächtig wird Google dann noch werden?

Emmanuel Hoog, Direkter des Institut National de l’audiovisuel, warnt dagegen vor einem „pacte faustien“. Es gehe nicht mehr um eine technische Dienstleistung, sondern um einen „Paradigmenwechsel beim Zugang zum kulturellen Erbe“. Denn schließlich sei Google längst nicht mehr nur die wichtigste Suchmaschine, sondern biete eben auch Content an, siehe Youtube oder eben Google Books. Immer öfter, so Hoog, führe eine Suche über Google zu Content, der – Überraschung – von niemand anders angeboten werde als von Google selbst.
Besonders beunruhigend sei jedoch: das Unternehmen Google mache seine Gewinne mit Inhalten, die ihm nicht gehören würden: „Dem kostenlosen Angebot für die Kunden steht die Zerstörung des Wertes gegenüber, den die Produzenten der Inhalte erarbeitet haben“. Mit dem Wall Street-Autor Robert Thompson könne man sagen: Google entwerte alles, was es berührt. Zumindest für alle anderen als für sich selbst. Dabei gilt: Erst scannen, dann verhandeln — Googles Politik sei die des „fait accompli“. Immerhin wird so etwas für die BNF ja nicht gelten: denn wie bei den Kollegen aus Lyon wird man die Kooperationsbedingungen aushandeln. Und eins weiß offenbar auch Kulturminister Frédéric Mitterand: „Die Wissensgesellschaft wird ohne den Zugang zum Wissen nicht auskommen können“.

Coolerbooks meets Google Books: Erste Kooperation mit eBook-Store außerhalb der USA

Coolerbooks kooperiert mit Google Books - bietet nun eine Mio. E-Books an.gifCoolerbooks.com übernimmt als erster E-Book-Store außerhalb der USA den Public Domain-Bestand von Google Books in das eigene Angebot. Damit werden in Europa etwa eine halbe Million freier E-Books über Coolerbooks.com verfügbar sein. Nach eigenen Ankündigungen bietet Coolerbooks nun insgesamt mehr als 1 Mio. kommerzieller wie kostenloser E-Books an und erklärte sich einstweilen zum größten E-Book-Store weltweit.

Das Angebot von Coolerbooks ist für alle gängigen E-Reader und Formate offen

Der E-Book-Store ist für alle gängigen E-Reader offen, Betreiber Interread zielt aber vor allem auf Benutzer des Anfang 2009 gelaunchten Cool-E-Readers. Das Lesegerät mit 6-Zoll-Display ist Mac- und PC kompatibel und unterstützt alle gängigen E-Book-Formate inklusive epub. Technisch unterscheidet sich der Cool-E-Reader mit E-Ink-Display, USB-Port und SD-Kartenslot nicht von anderen Readern seiner Preisklasse (aktuell 225 Euro). Mit einem bunten, iPod-ähnlichem Gehäuse in acht verschiedenen Farben versucht Interread allerdings eine neue Nutzergruppe zu erobern: ‘Unser Ziel war von Anfang an, E-Books für normale Buchliebhaber interessant zu machen, nicht nur für Technik-Freaks“, so Neil Jones, Gründer des Unternehmens. Doch egal zu welcher Gruppe man gehört: Zur Zeit sind die Lesegeräte leider nicht lieferbar, im Online-Shop von coolreaders.eu werden lediglich Vorbestellungen aufgenommen.

Sony bietet mehr als eine Million E-Books und vier verschiedene E-Reader

Sony und Google weiten ihre Kooperation aus: schon bisher waren für die Nutzer der Sony E-Reader bereits mehr als 500.000 Public-Domain-Titel kostenlos als E-Book verfügbar. Jetzt sollen es bereits mehr als eine Million Titel sein. Profitieren werden von dem größeren Angebot auch die Käufer der neuen Sony Reader PRS 300 und 600, die im Herbst in den Handel kommen.

„Ihr wolltet mehr Bücher? Sony hat Euch erhört!“

Wohl noch nie waren soviele Bücher so bequem für umsonst lesbar – aber auch noch nie war Public Domain so exklusiv: lesen dürfen auf diese Weise nur Sony-Kunden in den USA und Kanada.
Auf seiner Internet-Präsenz gibt sich Sony trotzdem ganz volksnah: „You said you wanted more books and we heard you“! Und mächtig stolz: Man gebe den Kunden mit dem neuen Angebot die größte, umfassendste Auswahl von E-Books, die derzeit verfügbar sei. Außerdem seien die epub-Versionen aus der GoogleBooks-Bibliothek für das Lesen mit einem der aktuellen Sony-Reader optimiert. Auch andere Anbieter von E-Books, wie etwa Barnes&Noble, kommen derweil an Google nicht mehr vorbei und integrieren den Public Domain-Bestand in ihre Verkaufsplattformen. Es gibt allerdings eine große Ausnahme: Amazon-Kunden haben bisher nichts von GoogleBooks.

Mit dem Google-Books-Angebot kann Sony die neuen E-Reader PRS 300 & PRS 600 besser vermarkten

Sonys Strategie ist klar: die Preise für kommerzielle E-Books sind im Sony-Store deutlich höher als bei Amazon oder Barnes&Noble. Der privilegierte Zugang zu Google Books bietet somit einen zusätzlichen Kaufanreiz für einen der Sony-Reader. Bald gibt’s ohnehin mehr Modelle: denn wie diese Woche bekannt wurde, kommen im Herbst mit dem PRS-300 und dem PRS-600 gleich zwei neue Reader auf den Markt, einmal mit 5-Zoll, einmal mit 6-Zoll-Display. Vielleicht werden ja auch einige Besitzer des älteren PRS-500 zu den Käufern gehören: mit ihrem schon etwas betagten Gerät kommen sie nämlich nicht in den Genuss des neuen PublicDomain-Angebots.

Sony weiß vieles, doch niemand kennt die Leser besser als Google…

Für viele Beobachter verträgt sich allerdings der Public Domain-Anspruch wenig mit der exklusiven Kontrolle durch Branchenriesen wie Sony oder Google. Doch nicht nur das. Google Books selbst geriet in letzter Zeit verstärkt in die Kritik – nicht aus Gründen des Urheberrechts, sondern auch aus Sicht des Datenschutzes. Ein offener Brief von US-Bürgerrechtsorganisationen legte vor wenigen Tagen noch einmal deutlich den Finger auf die Wunde: „Under its current design, Google Book Search keeps track of what books readers search for and browse, what books they read, and even what they ‚write‘ down in the margins“. In der deutschsprachigen Presselandschaft blieb das bisher allerdings eher eine Randnotiz.