„E-Books entwickeln sich deutlich nach oben“: Verlagsauslieferer melden 40 Prozent Umsatzplus

ebookmarkt-2014-umsatzzahlenIst der E-Book-Boom auch in Deutschland am Abflauen? Magere sieben Prozent Umsatzwachstum im Jahr 2014 meldete der Börsenverein Anfang Juni, und errechnete daraus einen E-Book-Marktanteil von knapp über vier Prozent. Die Datenbasis bildeten dabei nicht reale Bilanzen, sondern „repräsentative“ Verbraucherbefragungen der GfK. Schon damals hatten sich viele Beobachter über diese Zahlen gewundert. Nun legte der Börsenverein ganz andere Zahlen vor: der Zwischenbuchhandel geht von einem durchschnittlichen Umsatzwachstum bei E-Books von 40 Prozent auf 126 Millionen Euro aus. Der Marktanteil würde demnach eher bei 6 Prozent liegen.

„Deutliche Entwicklung nach oben“

Wenn die Zahlen wirklich repräsentativ für die gesamte Branche sind. Ermittelt wurden sie im Rahmen der jährlichen „Logistikumfrage“, an der in diesem Bereich elf Verlagsauslieferer teilnahmen. „Umsatzseitig ist im digitalen Bereich eine deutliche Entwicklung nach oben erkennbar“, zitiert das Börsenblatt Jens Klingelhöfer, Bookwire-Geschäftsführer und Mitglied im Ausschuss für den Zwischenbuchhandel des Börsenvereins. Einfluss auf diese Entwicklung hat wohl auch das gewachsene Angebot, die Zahl der elektronischen Bücher, die die Verlagsauslieferer durchschnittlich im Portfolio haben, kletterte im Vergleich zum Vorjahr deutlich nach oben.

E-Book-Verleih erzielt kaum Umsätze

Weitere interessante Erkenntnisse der „Logistikumfrage“: das epub-Format ist zwar am stärksten verbreitet, PDFs haben jedoch mit 22 Prozent immer noch einen beachtlichen Anteil. Fast der gesamte Umsatz wurde mit der Auslieferung von E-Books an Online-Buchhändler gemacht, nur zwei Prozent dagegen mit digitalen Verleihmodellen, der Direktvertrieb erzielte sogar nur 0,5 Prozent. Jedes zehnte ausgelieferte E-Book wurde gratis verteilt.

(via Buchreport)

Abb.: Plakat des Börsenvereins, „Buch und Buchhandel in Zahlen 2015“ (Ausschnitt)

E-Books wuchsen 2014 leiser, Hörbücher lauter (laut Börsenverein/GfK)

ebooks wachsen leiser hoerbuecher lauterDer Umsatzanteil von E-Books wächst, aber längst nicht mehr so schnell wie früher: im Jahr 2014 stieg ihr Anteil am Publikumsmarkt von 3,9 auf 4,3 Prozent. Das gab der Börsenverein im Vorfeld der Leipziger Buchmesse bekannt. Damit liegt der Marktanteil nur knapp vor physischen Hörbüchern (CDs), die dank starkem Wachstum im letzten Jahr 4,2 Prozent vom Kuchen ergatterten. Die Steigerungsrate bei E-Books flachte dagegen von 60 Prozent im Jahr 2013 auf 7 Prozent im Jahr 2014 ab.

„Die Dynamik nimmt derzeit stark ab, obwohl Lesegeräte mittlerweile sehr verbreitet sind“, so Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller. Es gebe jedoch Hinweise auf weiteres Wachstum: „Auch der online gut aufgestellte Buchhandel vor Ort spürt die steigende Nachfrage nach E-Books“, beobachtet Riethmüller.

Schaut man sich die einzelnen Warengruppen an, zeigen sich jedoch große Unterschiede – mehr als 80 Prozent des E-Book-Umsatzes werden im Bereich Belletristik erzielt, auf Ratgeber, Jugendbuch und Sachbuch enfallen nur jeweils 5 bis 6 Prozent. Da Belletristik umsatzmäßig zugleich die stärkste Warengruppe im Gesamtmarkt (Print plus E-Book) darstellt (ca. 30 Prozent), ist der E-Book-Anteil dort natürlich deutlich höher, die 10 Prozent-Marke dürfte dort längst überschritten sein.

Erhoben werden die E-Book-Absätze und Umsätze vierteljährlich im Rahmen des GfK Consumer Panel Media*Scope, sie beruhen also nicht auf Marktdaten sondern auf einer repräsentativen Verbraucherbefragung (Zahl der Teilnehmer: 25.000 Personen).

Dank GfK wissen wir auch, wie groß der Anteil der E-Book-Käufer an der Gesamtbevölkerung ist: er lag 2014 bei 5,7 Prozent, was fast 4 Millionen Menschen entspricht. 2013 waren es noch 600.000 weniger, die E-Lese-Community wuchs also immerhin um 15 Prozent.

Abb.: James Popsys/Flickr (cc-by-2.0)

In Deutschland nur noch einstellig: Umsatzwachstum bei E-Books verlangsamt sich – aber warum?

Sind Tablets und Smartphones schuld? Das Printbuch? Die Piraten? Fest steht erstmal nur eins: Nach dem Boomjahr 2013 mit einem Umsatzplus von 60 Prozent hat sich das Wachstum bei E-Books in Deutschland deutlich verlangsamt: Die Steigerung zum Vorjahr betrug in den ersten drei Quartalen 2014 nur noch 8 Prozent, der Anteil am Publikumsmarkt wird „nur“ von etwa vier auf etwa 5 Prozent steigen. Das meldete diese Woche der Börsenverein, erhoben wurden diese Zahlen in Kooperation mit der GfK . Die Zahl der E-Book-Käufer unter der Gesamtbevölkerung hat sich ebenfalls nur leicht von 4,1 auf auf 4,9 Prozent erhöht, zu den Kunden im Digitalbereich zählen die Statistiker aktuell ca. 3,3 Millionen Bundesbürger ab 10 Jahren.

Eine ähnlich starke Ablflachung war in letzter Zeit in den USA zu beobachten – dort schienen jedoch die dreistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre ohnehin nicht mehr realistisch, denn der Buchmarkt marschiert überm großen Teich schon stramm auf eine 50/50-Teilung zu, PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostizierte diese Wendemarke kürzlich für das Jahr 2018. In Deutschland dürfte das Potential dagegen noch längst nicht ausgeschöpft sein, allerdings machen sich hierzulande wohl dämpfende Effekte bemerkbar, die man ebenfalls aus den USA kennt: klassische E-Reader haben es gegenüber immer günstigeren Multifunktionsgeräten wie Tablets oder Smartphones immer schwerer, die Medienkonkurrenz im App-Universum wird immer größer.

Bleibt es hierzulande beim einstelligen Wachstum, könnten sich die von PwC für den deutschen Markt im Jahr 2018 prognostizierten Umsatzzahlen als zu hoch angesetzt erweisen – denn die Analysten hatten zuletzt immerhin knapp 800 Millionen Dollar Umsatz vorhergesagt, gegenüber dem aktuellen Wert mehr als doppelt so viel. E-Books hätten dann einen Umsatzanteil von mehr als 12 Prozent. Kommt die elektronische Lektüre auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Tran, sind 8 bis 10 Prozent wohl realistischer. Eins muss man aber beachten: Wie sich die Zahl der tatsächlich gelesenen E-Books (inklusive Gratis-Aktionen, Klassiker, Onleihe, etc.) entwickelt, verraten solche umsatzbezogenen Marktdaten nicht.

Abb.: boersenverein.de (CC-BY-SA-4.0)

E-Book-Hitparade 2.0: Mediacontrol relauncht regelmäßige Bestsellerliste

Der E-Book-Markt in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf – ein Marktanteil um 1 Prozent ermöglicht nun offenbar auch eine ausreichende Datenbasis für regelmäßige Bestseller-Listen. Auf der Leipziger Buchmesse stellte Mediacontrol/GfK jetzt das neue Ranking vor: „Nach längerem Testvorlauf können wir jetzt verlässlich eine Rangfolge der meistverkauften E-Books erstellen“, so Mediacontrol-Geschäftsführererin Ulrike Altig. An der Spitze stehen Charlotte Links „Beobachter“, „Verderben“ von Patricia Cornwell sowie Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ Zu sehen bekommt man die elektronische Top 20 zukünftig an prominenter Stelle – neben die Hardcover- und Taschenbuch-Bestsellerliste von Spiegel Online tritt nun nämlich eine E-Book-Liste. Ermittelt wird die jeweilige Abfolge auf Grundlage von Verkaufszahlen wichtiger Online-Portale.

Von der Hitparade zur Bestseller-Liste

Ein erster Anlauf der GfK war bereits im Herbst 2010 erfolgt, dann jedoch wegen zu geringer Umsatzzahlen gleich wieder abgebrochen worden. „Die erste deutsche E-Book-Hitparade ist da!“, titelte ein Berliner Boulevardblatt damals. Da ist auch immer noch was dran. Die GfK-Tochter Mediacontrol hat nämlich in den Siebziger Jahren mal mit Musik-Charts angefangen. Später kamen Computer-Spiel-Charts, Klingelton-Charts und schließlich sogar Filesharing-Charts dazu. Wie wichtig mittlerweile das Internet für Bestseller-Listen ist, zeigt die gute alte Hitparade selbst. Dort zählen seit 2007 nicht nur verkaufte Tonträger, sondern auch digitale Downloads. Für E-Books fehlte ein einheitliches Ranking bisher allerdings – Portale wie Amazon, Thalia oder iBooks haben jeweils ihre eigenen Charts produziert.

Mediacontrol legt neue Zahlen zum E-Book-Handel vor

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse hat Mediacontrol auch neue Zahlen zum E-Book-Business in Deutschland vorgelegt. Demnach haben die Bundesbürger im Jahr 2011 38 Millionen Euro für elektronischen Lesestoff ausgegeben (exklusive Schulbücher und Fachliteratur), insgesamt wurden 4,7 Millionen Bücher kostenpflichtig heruntergeladen. Beliebtestes Genre ist Belletristik – wie man der aktuellen Bestseller-Liste (s.u.) ansehen kann, werden dabei besonders häufig Thriller und Fantasy-Romane heruntergeladen. Glaubt man den Zahlen der GfK, bleibt elektronisches Lesen allerdings ein Nischenvergnügen. Nur 1,2 Prozent der Privatpersonen über 10 Jahre sollen im Erhebungszeitram E-Books gekauft haben, der Anteil von E-Books am gesamten Download-Markt (inkl. Musik, Games & Software) liegt immerhin schon bei fast zehn Prozent. Einer repräsentativen Studie der Uni Hamburg zufolge liest allerdings bereits knapp ein Viertel der Deutschen elektronisch, wenn man bezahlte und kostenlose Downloads zusammenrechnet. Die Zahl der E-Reader liegt mittlerweile bei 1,6 Millionen, rechnet man lesefähige Tablets hinzu, kommt man auf 3,2 Millionen Lesegeräte.

Bestseller-Liste Belletristik

1. Der Beobachter (Charlotte Link)
2. Verderben (Patricia Cornwell)
3. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Jonas Jonasson)
4. Der Junge, der Träume schenkte (Luca Di Fulvio)
5. Erlösung ( Jussi Adler-Olsen)
6. Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner (Kerstin Gier)
7. Eine unbeliebte Frau (Nele Neuhaus)
8. Eragon. Das Erbe der Macht (Christopher Paolini)
9. Eragon. Das Vermächtnis der Drachenreiter (Christopher Paolini)
10. Erbarmen ( Jussi Adler-Olsen)

Abb.: EVRT Studio/flickr