[Sponsored Post] „Wer stiehlt schon Unterschenkel?“: Sci-Fi-Krimi made in DDR

Science-Fiction aus der DDR? Klar, das gab’s, auch wenn man es damals „Wissenschaftliche Phantastik“ nannte, oder, siehe Franz Fühmann, „Saiäns-fiktschen“. Obwohl der Arbeiter – und Bauernstaat erklärtermaßen „der Zukunft zugewandt“ war, die natürlich nur kommunistisch sein konnte, eignete sich gerade Sci-Fi als Nische für oppositionelles Gedankengut. Ähnlich wie bei Märchen aus der Vergangenheit schaute die Zensur bei Märchen von morgen nicht so genau hin. Einer, der davon profitierte, war der Berliner Krimi- und Kinderbuchautor Gert Prokop. Bereits 1977 erschien unter dem Titel „Wer stiehlt schon Unterschenkel?“ seine Sammlung von Sci-Fi-Krimis rund um den kleinwüchsigen Chikagoer Meisterdetektiv Timothy Truckle. 1983 folgte dann mit „Samenbankraub“ eine Fortsetzung.

Sherlock 2.0 im Chikago des 21. Jahrhunderts

Schon zu DDR-Zeiten galt der 1994 verstorbene Prokop als veritabler Kultautor, was die Antiquariatspreise seiner „Klassiker“ auch jetzt noch in die Höhe treibt. Doch zum Glück hat der Verlag Das Neue Berlin beide Erzählbände nun als E-Book herausgebracht, fortschrittlicherweise sogar DRM-frei. Eine epub-Version gibt’s z.B. bei epubbuy.com, dem offiziellen Sponsor von E-Book-News. Die Lektüre lohnt sich, alleine schon deshalb, weil Prokops futuristische Kriminalfälle in der USA des 21. Jahrhunderts spielen, ironischerweise die „ALTE WELT“ genannt. In der fiktiven Welt des Sci-Fi-Krimis ist Nordamerika zum autoritären Überwachungsstaat mutiert, beherrscht von Hightech-Trusts, abgeschottet von der nebulösen “NEUEN WELT”. Selbst Literatur, von Lyrik abgesehen, ist verboten.

Meisterdetektiv Timothy Truckle ist dabei als eine Art Sherlock Holmes 2.0 angelegt –
statt Dr. Watson steht ihm ein virtueller Assistent namens “Napoleon” zur Seite, als digitale Datenträger dienen Kristalle, geschossen wird mit “Rayvolvern”, und die quasi-unlösbaren “Closed Room”-Rätsel werden durch Ausflüge in Biosensorik, Kryonik oder Klon-Technik aufgepeppt. Ausflüge in die Kulinarik sind ebensowenig ausgeschlossen – schließlich besitzt Truckle eine bedeutende Sammlung antiker Kochbücher des 20. Jahrhunderts, deren Besitz eigentlich streng verboten ist.

Zwiegespräch im abhörsicheren Raum

Die High-Society des 21. Jahrhunderts heißt nicht nur so, sie lebt tatsächlich in kilometerhohen Wolkenkratzern, fernab von Armut und Smog. Auch Truckles Appartement befindet sich immerhin im 827. Stockwerk eines Wolkenkratzers, Preisstufe „Super“, denn schließlich hat er solvente Kunden. Diskretion ist dabei Ehrensache – als einer der wenigen Zivilisten besitzt Truckle ein „Mausoleum“, einen abhörsicheren Raum. Immer wieder wird der private Ermittler als Problemlöser angeheuert, was ihn am Ende durch wachsendes Insiderwissen selbst zum Problemfall werden lässt. Auch der Geheimdienst NSA heftet sich bald an Truckles Fersen – man vermutet, er habe Kontakte zum „GROSSEN BRUDER“, dem Anführer des „UNDERGROUND”.

Tatsächlich erweist sich der kleinwüchsige Detektiv als bei weitem nicht so eitel und versnobt, wie er sich nach außen gibt. „I’m just a truckle, but I don’t like to truckle“, lautet nicht zufällig sein Wahlspruch, „Ich bin nur ein Rädchen, aber ich mag nicht zu Kreuze kriechen“. Ein Satz, der den DDR-Zensoren eigentlich in den Ohren klingeln musste – doch reichte offenbar der Trick, den Sprecher nicht nur in die USA zu versetzen (schon gedanklich so weit weg, dass sie etwa Günter Kunert in einem Reisebericht Anfang der 70er Jahre als den „anderen Planeten“ bezeichnete), sondern zugleich in die ferne Zukunft. Aufschlussreich auch das (vorläufige) Ende von „Wer stiehlt schon Unterschenkel“: Timothy Truckle verschwindet spurlos. Doch immerhin gelingt es ihm vorher noch, dem fiktiven Herausgeber im abhörsicheren „Mausoleum“ seine Fallgeschichten zu erzählen. Der wiederum sie in seinem Kopf als zerebrale Konterbande außer Landes schmuggelt, um sie in der „NEUEN WELT“ zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Abb.: flickr/chop1n (cc)

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Wer stiehlt schon Unterschenkel? (Gert Prokop)

Science-Fiction in der DDR? Klar, das gab’s, auch wenn man’s „Wissenschaftliche Phantastik“ nannte. Zu den Bestseller-Autoren gehörte Gert Prokop – in seinen Erzählungen rund um den kleinwüchsigen Chikagoer Meisterdetektiv Timothy Truckle wird Sci-Fi mit dem klassischen Krimi à la Sherlock Holmes kombiniert. Allerdings ist Dr. Watson durch einen virtuellen Assistenten namens „Napoleon“ ersetzt, geschossen wird mit „Rayvolvern“, und die quasi-unlösbaren „Closed Room“-Rätsel werden durch Ausflüge in Biosensorik, Kryonik oder Klon-Technik aufgepeppt. Spannend ist der ostberliner 70er-Jahre-Blick auf die zukünftige USA, genannt die „ALTE WELT“: ein autoritärer Überwachungsstaat, abgeschottet von der nebulösen „NEUEN WELT“, beherrscht von Hightech-Trusts. Selbst Literatur, von Lyrik abgesehen, ist verboten. Die High-Society lebt in kilometerhohen Wolkenkratzern, fernab von Armut und Smog. Kriminalität gibt’s trotzdem, und so wird Truckle als „Problemlöser“ angeheuert, was ihn am Ende durch wachsendes Insiderwissen selbst zum Problemfall werden lässt, zumal er Kontakte zum „UNDERGROUND“ pflegt. Prokop ist Kult-Autor, was die Antiquariatspreise von „Wer stiehlt schon Unterschenkel“ wie auch dem Nachfolgeband „Samenbankraub“ in die Höhe treibt. Zum Glück gibt’s eine DRM-freie E-Book-Version. (E-Book 7,99 Euro).