Tablet-Boom geht weiter – Apps als Ausweg aus der Zeitungskrise?

Für die gedruckte Zeitung ist der November 2012 zum Trauermonat geworden – mit der Insolvenz der Frankfurter Rundschau steht ein Traditionsblatt auf der Kippe, während der relative Newcomer FTD jetzt das endgültige Aus für den Tag nach Nikolaus verkünden musste. Doch der Auflagenschwund bedroht auch andere Blätter: im letzten Quartal registrierte die IVW für die Tagespresse branchenweit einen Rückgang um 3 Prozent gegenüber 2011. Ein deutliches Wachstum gab’s zwar im Bereich E-Paper, doch der der Anteil digitaler Ausgaben (0,23 Mio) liegt bei gerade mal einem Prozent der Gesamtauflagen (21,7 Mio). Vielversprechender als PDF-Faksimiles gedruckter Auflagen scheinen da Zeitungs-Apps mit speziell aufbereitetem E-Content zu sein. In den USA setzen die hundert auflagenstärksten Titel alleine über den iPad-Zeitungskiosk „Newsstand“ Tag für Tag 70.000 Dollar um. Ein Grund dafür ist die große Gerätebasis: bereits jeder zweite US-Amerikaner besitzt mittlerweile ein Tablet. Doch die Deutschen holen auf: Inzwischen wischt auch jeder achte Bundesbürger (13 Prozent bzw. 9,1 Mio Personen) mit den Fingern über die Touch-Sceens von iPad & Co. Das ergab jetzt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM.

iPad-Nutzer spendierfreudig bei journalistischem Content

Gerade im Weihnachtsgeschäft werden Tablet-PCs wieder der Renner: insgesamt dürften BITKOM zufolge bis Jahresende 3,2 Millionen Geräte über den Ladentisch gehen. Am weitesten verbreitet sind die Flachrechner bei Nutzern im Alter von 30 bis 44 Jahren. Hier setzt bereits jeder Fünfte ein Tablet ein. Zeitungsapps erfreuen sich gerade bei iPad-Nutzern großer Beliebtheit – das zeigte vor kurzem eine Studie des BDZV. Fast die gesamte Apple-Gemeinde ist bereit, Geld für journalistischen App-Content auszugeben – im Durchschnitt etwa 8 Euro pro Monat. „Wenn eine Zeitungs-App richtig gut gemacht ist, dann könnte ich leicht auf eine gedruckte Zeitung verzichten“ – dieser Aussage stimmte eine Mehrheit von 53 Prozent zu. Die Integration in den Alltag scheint vor allem beim iPad gelungen, mehr als 80 Prozent nutzen es täglich. Das freut die Tagespresse: Inzwischen bieten mehr als 100 regionale und überregionale Blätter eigene iPad-Apps an. Die Zahl der Android-Versionen hinkt dagegen noch stark hinterher. Besonders beliebt sind aber auch Kombi-Abos, jeder zweite Tablet-Leser wünscht sich den Doppel-Zugriff auf Print und Digital.

Kombi-Ausgaben als Lösung?

Für 8 Euro ist das aber nicht realistisch, wohl aber eine Alternative, die bereits viele Blätter anbieten: Digital-Abo plus gedruckte Wochenendausgabe. Ein Grund, warum viele Redaktionen ihre Ressourcen bündeln, um am Samstag eine besonders ansprechende Ausgabe zu produzieren. Damit App-Konzepte wirklich aufgehen, müssten Tablet-Nutzer freilich erstmal gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilt sein. Das sind sie noch nicht, Nachholbedarf besteht vor allem bei den Älteren, die Tablet-Quote bei der Generation Ü 60 liegt erst bei schlappen 6 Prozent. Was Blattmacher jedoch hoffen lässt: überdurchschnittlich viele Senioren lesen bereits E-Mags auf dem iPad, und auch als Zeitungsleser sind sie auf dem Retina-Display aktiv. Letzlich dürfte natürlich auch die Qualität des Contents entscheidend sein – ausgerechnet die Frankfurter Rundschau hatte in dieser Hinsicht alles richtig gemacht. Als erste überregionale Tageszeitung startet sie im Herbst 2010 eine sehr gut gemachte iPad-Ausgabe. Nun könnte die App mit etwas Glück am Ende alles sein, was vom finanziell angeschlagenen Blatt noch übrig bleibt. Die FTD dagegen zieht am 7.12.2012 endgültig den Stecker – auch bei der Digitalversion.

Abb.: garryknight/Flickr