#supportocelot – Berlins coolste Buchhandlung braucht Eure Hilfe

Haben Ocelote soviele Leben wie das Axolotl? Viele Leseratten in Berlin-Mitte hoffen das in diesen Wochen sehr – denn ausgerechnet die hippe Buchhandlung Ocelot steckt in der Krise: erst vor knapp zwei Jahren war Gründer & Inhaber Frithjof Klepp angetreten, um in den Räumen einer ehemaligen Schlecker-Filiale zu zeigen, wie Buchhandel 2.0 funktioniert. Mit cooler Innenarchitektur und Corporate Design, Barista, selbst entwickeltem Webshop, und vor allem natürlich ausgesuchten, schönen Büchern. Zusätzlicher Hingucker: durch eine Hintertür gelangt man direkt in die Räume der Stadtteilbibliothek Philipp Schaeffer.

„Weiterentwicklung blieb auf der Strecke“

Das Medienecho war von Anfang an riesengroß, selbst bei „normalen“ Lesungen kam schon mal ein Fernsehteam, auch überregional avancierte Ocelot zu einer Marke, und wurde immer als erstes genannt, wenn es um die Zukunft des stationären Buchhandels ging (siehe auch das E-Book-News-Interview). Doch vor Ort gab es auch unerwartete Startschwierigkeiten – z.B. mit dem Launch des Online-Shops, der nach juristischen Auseinandersetzungen noch einmal komplett neu aufgebaut werden musste.

Anstrengend war die Arbeit für den letztlich als Einzelunternehmer angetretenen Gründer obendrein – was sich mittelfristig ebenfalls bemerkbar machte, nicht nur durch krankheitsbedingte zusätzliche Personalkosten: „Das Tagesgeschäft war so arbeitsintensiv, dass manche Energien, die für die Weiterentwicklung des Geschäftskonzepts notwendig gewesen wären, gefehlt haben“, musste Klepp gegenüber Buchreport eingestehen.

Als im Oktober die Finanzlücke zu groß geworden war, zog Klepp die Notbremse ziehen und meldete beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz an – immerhin mit dem Ziel der Unternehmenssanierung. „Kurzfristig braucht der Laden eine mittlere fünfstellige Summe. Dann könnten wir das erwartbar gute Weihnachtsgeschäft bestreiten. Mittelfristig bedarf es etwas mehr, um Ocelot nachhaltig auf stabile Füße zu stellen“, so der Ocelot-Betreiber. Neben potentiellen Investoren sind also in den kommenden Wochen auch die Kunden gefragt.

„Weniger Amazon-Tiger, mehr Ocelot!“

Tatkräftige Hilfe bekommt Frithjof „Fritte“ Klepp bereits vom harten Kern der Ocelot-Crowd – seine UnterstützerInnen haben die Facebook-Seite „Rettet das Ocelot“ eingerichtet, und möchten mit medienwirksamen Aktionen auf sich aufmerksam machen, am morgigen Samstag z.B. mit einem Ocelot-Flashmob. Ab 16 Uhr heißt es in der Brunnenstraße 181: Ocelot-Masken (PDF zum Ausdrucken hier) aufsetzen und durch den Laden schleichen. Und danach natürlich auch: Kaffee trinken, Bücher kaufen.

Außerdem gibt es den ganzen Samstag über eine Statement-Aktion: Vor Ort werden Fotos gemacht, mit einem persönlichen Text ergänzt und über Facebook, Tumblr & Co. verbreitet. Apropos soziale Medien: Via Twitter kann man auch unter dem Hashtag #supportocelot für die bedrohte Spezies aus Berlin-Mitte Flagge zeigen.

Nolino statt Tolino: Deal zwischen Indies & Reader-Allianz geplatzt – Chance für alternative Plattform LOG.OS?

Der Buchhandel in Deutschland bleibt auch weiter gespalten: die Großen wie Weltbild oder Thalia setzten auf das cloudbasierte Tolino-Konzept, die unabhängigen Buchhändler müssen sehen, wo sie bleiben. Denn Verhandlungen zwischen der Gran Tolino-Koalition und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels bzw. seiner Marketing-Tochter MVB sind endgültig gescheitert. Am Ende hakte es offenbar vor allem am Geld – nach Informationen von Buchreport sollten die Indies für ihr Entreebillet die stolze Summe von einer Million Euro investieren, und hätten trotzdem nur sehr eingeschränkte Mitspracherechte besessen. Auch den exklusiven Content-Bezug über die Bertelsmann-Plattform Pubbles wollten viele unabhängige Buchhändler nicht akzeptieren.

„Chance gegen Kindle&Co. bietet nur Software-Strategie“

Doch braucht man überhaupt den Über-Reader? Viele Indies bieten nach anfänglichen Versuchsballons mittlerweile überhaupt keine Geräte in ihren Läden an, und setzen statt dessen lieber auf einen gut gemachten Online-Auftritt. So macht es etwa Ocelot-Gründer Frithjof Klepp, den der geplatze Tolino-Deal nicht wirklich überrascht: „Das ist ein starkes und unübersehbares Signal, dass die Hardware-Strategien gescheitert sind“, kommentiert Klepp gegenüber E-Book-News. Der Buchhandels-Entrepreneur hat viel Geld und Arbeit in die Entwicklung einer maßgeschneiderten Website gesteckt (siehe den E-Book-News-Bericht zum Launch) – und sieht darin den Königsweg für die gesamte Branche: „Eine Chance gegen Kindle & Co. wird der unabhängige Buchhandel nur mit flexiblen, technisch sauberen Softwarelösungen haben, die den Kunden in verschiedener Weise an seine Marke bzw. seine Buchhandlung binden.“

„Zeit von Top-Down-Lösungen ist vorbei“

Auf dieser Basis kann sich Klepp auch durchaus eine gemeinsames Plattform-Modell für die deutschen Indie-Buchhändler vorstellen: „Wichtig ist bei allen möglichen Lösungen und Überlegungen, dass nicht mehr Top-Down sondern von der Praxis-Seite her Lösungen erdacht und umgesetzt werden.“ Ähnlich sieht das auch Onkel&Onkel-Verleger Volker Oppmann – und bezieht gegenüber E-Book-News auch die Leser in seine Kritik bisheriger Ansätze mit ein: „Das Problem auf allen Seiten: Es fehlt an einem schlüssigen Konzept, das konsequent an den Bedürfnissen des Endkunden ausgerichtet ist. Gleichzeitig muss es die Kräfte der Branche effektiv bündeln, indem es den einzelnen Menschen hilft, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und in einen inhaltlichen Dialog mit dem Kunden zu treten.“

Kommt statt Tolino jetzt LOG.OS?

Oppmann empfiehlt den Buchhändlern deswegen, die Zukunft des Buches selbst in die Hand zu nehmen – und hat zu diesem Zweck das Projekt LOG.OS ins Leben gerufen, ein basisdemokratisch organisiertes, offenes Plattform-Konzept, das sich als alternatives „Betriebssystem für Literatur“ versteht. Momentan existiert LOG.OS freilich nur als Konzept, vorangetrieben durch einen Verein, der sich erstmal um die Akquise des notwendigen Startkapitals kümmert. Das könnte nach dem Scheitern der ganz großen Tolino-Allianz jetzt vielleicht etwas einfacher werden: denn der „Wunsch des unabhängigen Buchhandels nach einer E-Book-Plattform besteht weiter“, ließ gestern MVB-Chef Ronald Schild verlauten. Man werde in den kommenden Wochen „in einen Dialog mit Vertretern der Branche treten“, um Lösungs-Szenarien für den E-Book-Verkauf im unabhängigen Buchhandel zu finden.

Abb.: Fotomontage

Ocelot.de zieht neue Seiten auf – Relaunch & Kooperation mit Blogger-Community We Read Indie

„Not just another bookstore“ lautet das Motto von Ocelot, da ist was dran. Schon seit Juni 2012 zeigt Frithjof Klepp mitten in Berlin, wie unabhängige Buchhändler sich gegen die Online-Konkurrenz behaupten können. Neben Corporate Design, flotten Sprüchen und Espresso-Bar gehört dazu vor allem die richtige Auswahl der Bücher. „Das kann ich auch besser als irgendein Algorithmus oder eine Suchmaschine“, so Klepp vor einem Jahr im E-Book-News-Interview. Von Anfang an hatte Ocelot jedoch auch den Anspruch, offline und online, Buch und E-Book miteinander zu verbinden: ein paralleler Online-Store sollte maßgeblich zum Umsatz beitragen. Wie das in der Praxis funktioniert, kann man ab heute (wieder) auf ocelot.de erleben. Ein erster Anlauf musste Anfang des Jahres abgebrochen werden – in der Zwischenzeit wurde mit neuen Kooperationspartnern kräftig nachgebessert.

Keine Out-of-the-box-Lösung

Eine Out-of-the-box-Lösung, wie sie etwa Barsortimenter oder Libreka anbieten, kam dabei nicht in Frage – wer im „Inhaltemarkt der Zukunft“ auch als unabhängiger Händler eine Rolle spielen möchte, brauche eine „zeitgemäße Premium-Lösung“, so Klepp im Vorfeld des heutigen Launchs. Tatsächlich greift ocelot.de technisch auf eine völlig neu entwickelte Plattform-Lösung des E-Commerce-Spezialisten TheBakery zurück, Design und Marketing-Beratung übernimmt nun die Kinzoo-Mediengruppe. Für die Lieferlogistik im Hintergrund ist Libri verantwortlich – so kann ocelot.de einen Katalog von 1,5 Millionen Artikeln und 250.000 digitalen Produkten anbieten.

Indie-Rezis von We read Indie

Abgerundet wird das Profil der grafisch ansprechend gestalteten Online-Plattform durch ausgewählte Buchbesprechungen von „We read Indie“. Auch das passt natürlich perfekt zum Independent-Ambiente von Ocelot – hat sich die von „Klappentexterin“ Simone Finkenwirth ins Leben gerufene Blogger-Community doch auf die Fahnen geschrieben, auf Literatur aus unabhängigen Verlagen aufmerksam zu machen. Gebloggt wird übrigens auf Ocelot.de auch durch die Mitarbeiter, so bleibt die wachsende Ocelot-Gemeinde u.a. auf dem Laufenden, was regelmäßig stattfindende Events im realen Store an der Brunnenstraße 181 in Berlin-Mitte betrifft.

Bücherwürmer, Nerds & Ocelot

Wo die Hipster, Geeks und Nerds wohnen, ist auch Ocelot nicht weit: mitten im hippen Berlin-Mitte hat unter diesem Namen eine neue Buchhandlung eröffnet. Noch eine? Nein, „not just another bookstore“, stellt bereits das Firmenschild an der Fassade klar. Print-Buch, E-Reader und E-Book sollen hier auf neue Weise zusammenkommen. Ocelot-Gründer Frithjof Klepp möchte zeigen, was alles geht in der Branche, wenn man es denn wagt. Neben cleveren Claims und frechen Sprüchen („Außer Lesen nix gewesen?“) setzt der gelernte Buchhändler dabei auf klares Design und ein Ambiente, das nicht nur Kreativarbeiter, sondern auch Bücherwürmer anspricht. Dafür sorgt nicht nur die integrierte Kaffee-Bar, sondern auch ein ganz besonderer Clou: in Kürze wird es eine direkte Verbindung zwischen Ocelot und der im Hinterhof gelegenen Bezirksbibliothek Philipp Schaeffer geben. Digitale Laufkundschaft erhofft sich Ocelot zudem vom eigenen E-Store, der in den nächsten Tagen online geht. E-Book-News hat sich in der Brunnenstrasse 181 umgeschaut und sprach mit Ocelot-Gründer Frithjof Klepp.

Buchhandlung mit Corporate Design

Nördliches Berlin-Mitte, Anfang August: quietschgelbe Straßenbahnen rumpeln die Brunnenstraße hinauf, auf den Rasenflächen des Volksparks am Weinberg wird gechillt, aber nicht gegrillt. Hinter der breiten Fensterfront von Ocelot reduziert sich die Geschäftigkeit des Viertels auf ein sonores Brummen, ab und zu unterbrochen von der hauseigenen Espresso-Maschine. Frithjof Klepp sitzt mit einer Tasse Capuccino am langgestreckten Kaffee- und Lesetisch und blickt sich um.

„Ich habe mir Mühe gegeben, die Dinge so einzurichten, dass viele Leute hier einen Überraschungseffekt erleben, wenn sie hereinkommen. Da ist die besondere Architektur, die Warenpräsentation, die enge Verknüpfung von Print und E-Book, aber auch die ganze Kommunikation, die sehr stark digital läuft.“

Von Anfang an hat Klepp auf ausgefeiltes Corporate Design gesetzt. Die langen, hellbraunen Regale in Holzoptik sind ebenso ausgesucht wie Tische und Sitzmöbel. Nicht umsonst fühlt man sich an Messe-Ästhetik erinnert – denn das Interieur wurde entworfen von der auf Showroom-Gestaltung spezialiserten Berliner Designerin Martina Zeyen. Werbemittel vom Logo über Flyer und Aufkleber („Huch, ein Buch!“) bis zur Web-Site stammen aus der Feder von Sandra Kimmel. Ocelot soll alle Leser ansprechen, unabhängig vom Medium. Die klassische Ausrede vieler Buchhändler („Bei uns hat noch nie jemand ein E-Book verlangt“) zieht bei Klepp nicht:

„Das ist schon fast ein Running-Gag. Der Kunde, der das verlangt, sagt das meistens gar nicht, der ist dann längst weg. Es geht mir darum zu zeigen: ich nehme das Thema wahr. Vogel-Strauß-Politik ist nicht angesagt. Ich finde diese fast idelogische Aufteilung zwischen Print und Digital schwierig, so als könnte ich als Buchhändler dazu gar nichts sagen.“

„Bücher auswählen kann ich besser als ein Algorithmus“

Klepp kann sogar ziemlich viel dazu sagen, denn mit technischen Fragen rund um E-Books beschäftigt er sich bereits seit Mitte der Nuller Jahre. 2006 startete er mit „Ocelot Digital“ eine erste Plattform für elektronische Publikationen, außerdem war er u.a. für die in Berlin-Prenzlauer Berg angesiedelte Internet-Buchhandlung Kohlibri tätig. Als ehemaliger Leiter einer Zweitausendeins-Filiale kennt er jedoch auch die Bedingungen des stationären Buchhandels. Ocelot soll nun zeigen, wie beides zusammengehen kann:

„Ich möchte da einen natürlichen Übergang schaffen. Es gibt natürlich noch gedruckte Bücher, es gibt besonders ausgewählte Bücher, das kann ich vielleicht auch besser als irgendein Algorithmus oder eine Suchmaschine, es gibt einen Ort wo ich mich wohlfühlen kann, es gibt ein Café, es gibt WLAN, es gibt E-Reader und Tablets, wo man ausprobieren kann, was das bedeutet, und dann gibt’s natürlich auch den Weg, einen Shop zu schaffen, bei dem der Einkauf so einfach ist, wie es heutzutage meiner Ansicht nach sein muss, mit zwei, drei Klicks.“

Synergie von Leihen und Kaufen

Ocelot.de soll in den nächsten Tagen online gehen – die Verbindung mit der digitalen Bücherwelt wäre damit perfekt. An einer weiteren Schnittstelle arbeiten zur Zeit noch analoge Handwerker: die 265 Quadratmeter große Buchhandlung erhält nämlich einen Durchgang zu der im Hinterhof gelegenen Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer. Für Frithjof Klepp eine besonders gelungene Kombination:

„Ich glaube, dass da sehr gute Synergieeffekte entstehen können. Es gibt eine hohe Besucherzahl, mehr als 1000 Leute am Tag, ich denke es sind potentiell natürlich eher Leser, die in die Bibliothek gehen. So wie die Gestaltung geworden ist, hebt sich Ocelot deutlich von der Bibliothek ab. Man sieht sehr klar, hier soll gekauft werden, dort soll ausgeliehen werden. Der Kontakt ist sehr nett und herzlich, ich kann mir vorstellen, dass man spannende Sachen zusammen machen kann.“

Spannend wird es aber auch jetzt schon regelmäßig in den Räumen von Ocelot. Als Ort für Veranstaltungen ist die Buchhandlung perfekt geeignet, Plattenteller und Mischpult weisen darauf hin, dass es dabei gerne multimedial zugehen darf. Im Juli etwa gab es eine Book-Release-Party für den neuen Comic-Band von Kult-Zeichnerin Aisha Franz („Brigitte und der Perlenhort“), Mitte August folgt dann eine Graphic Novel-Lesung, bei der auch der an der Decke installierte Beamer zum Einsatz kommen wird. Was alles so los ist, erfährt man im Ocelot-Weblog, Untertitel: „Not just another Weblog“.

Abb.: Zeichnung von Aisha Franz, Ocelot-Weblog