„Dégooglisons l’internet“: Framasoft befreit das Web — mit Alternativen made in France

framasoft-befreit-das-web-von-googleWir schreiben das Jahr 2016 — das ganze Internet wird von US-Konzernen beherrscht. Das ganze Internet? Nein… Es gibt da noch ein gewisses gallisches Dorf. „Dégooglisons l’internet!“ skandieren derzeit viele Franzosen — und vielleicht sollten die „GAFAM“ (also Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) diese Forderung nicht so ganz auf die leichte Schulter nehmen. Denn die „Framasoft“-Community setzt die Parole gerade in eine konkrete Utopie um — nach den vier Prinzipien frei, dezentralisiert, ethisch, solidarisch.

Ob Google Docs oder Skype: Frama schafft Alternativen

Die kleine Entwickler-Genossenschaft aus Lyon mag zwar nur über ein halbes Dutzend bezahlte Mitarbeiter und etwa 30 Freiwillige verfügen, doch sie hat in den letzten fünf Jahren tatsächlich schon zahlreiche non-kommerzielle Webservices auf Basis freier Software gestartet: gegen Google Docs setzen sie Framapad, gegen Google Spreadsheet Framacalc, gegen Facebook Framasphère (ein Diaspora-Klon), gegen Skype Framatalk, gegen WeTransfer Framadrop, und so weiter. Mehr als 30 Frama-Web-Apps gibt es bereits, für 2017 ist u.a. ein Twitter-Double („Framatweet“) geplant…

„Kulturelle & ökonomische Dominanz beenden“

„Unser Ziel ist es nicht, die GAFAM zu ersetzen, sondern konkrete Alternativen vorschlagen“, umreißt Projektleiter Pierre-Yves Gosset gegenüber Le Monde die Framasoft-Roadmap. Die in Lyon beheimatete Framasoft-Genossenschaft möchte damit ein deutliches Zeichen setzen: „Die ökonomische und kulturelle Dominanz von Google & Co. ist nicht unumgänglich. Man kann sich auch anders entscheiden, niemand muss sich mit der Gleichschaltung des globalen Dorfes durch die Amerikaner abfinden“, so Gosset.

„Schafft eins, zwei, drei, viele Framasofts“

Etwa 20.000 Nutzer hat das Framasoft-Portal selbst, die jährlichen Kosten liegen derzeit bei knapp 250.000 Euro. Man setzt auf Wachstum der etwas anderen Art: Die ursprünglich im universitären Rahmen entstandene Framasoft-Initiative hat quer durch die Grande Nation bereits viele Ableger erzeugt — vielerorts bilden sich neue Genossenschaften, die sich der Framasoft-Charta anschließen und eigene Webserver betreiben, zum Beispiel „La mère Zaclys“. Das Akronym für diese alternativen Hosting-Services heißt „CHATONS“ („Kätzchen“), und steht für „Collectif d’Hébergeurs Alternatifs, Transparents, Ouverts, Neutres et Solidaires“.

Gezahlt wird nicht mit den eigenen Daten

In der Regel werden die derzeit mehr als 20 CHATONS (nicht alle sind öffentlich) solidarisch durch Spenden finanziert, oder durch günstige Abos. Auf jeden Fall soll der Nutzer nicht durch Preisgabe seiner Daten zahlen, sondern erhält volle Datensouveränität. Und wird ermuntert, auch selbst zum Service-Betreiber zu werden — die notwendige freie Software steht bereit. Das widerständige gallische Daten-Dorf mag noch recht klein sein, doch der Kampf gegen Closedum, Proprietarum, Trackum und Centralizum hat begonnen. Vielleicht ja auch bald in Deutschland? Zahlreiche Framasoft-Nutzer in Belgien und der Schweiz gibt es bereits…

(via Le Monde & Framablog)