Erst blockieren, dann spendieren: AdBlockPlus-Betreiber Eyeo relauncht Mikrospenden-Dienst Flattr

flattr-relaunch-2017Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Oder umgekehrt. Die AdBlock-Plus-Betreiber von Eyeo schmälern mit ihrem Werbeblocker nicht nur Online-Anzeigenerlöse, bzw. kassieren ab für das Whitelisting von „akzeptablen“ Werbebannern, sie verteilen jetzt auch Crowd-Gelder mit der Gießkanne über das Web. Mittel zum Zweck ist ausgerechnet Flattr — der 2010 gestartete Mikrospenden-Service gehört nämlich seit Anfang des Jahres zu Eyeo. Und wurde in der Zwischenzeit kräftig umgemodelt, der Relaunch erfolgte Anfang der Woche.

Content Flattern mit der Gießkanne

Die neue Browser-Erweiterung von Flattr wandelt nun auf den Spuren von KachingleX & Co. — sie misst die Nutzer-Aktivität und Nutzungsdauer auf Webseiten, und „flattert“ sie, wenn eine bestimmte Schwelle überschritten wurde. Am Ende des Monats werden dann der vom Flattr-Nutzer eingezahlte Beitrag unter all jenen besuchten Webseiten aufgeteilt, die bereits Mitglied des Flattr-Netzwerks sind. Bei den anderen zählen die Besuche nur für die Flattr-Statistik, und zugleich als Incentive für die Betreiber, sich auch zu registrieren.

Crowdpublishing geht längst andere Wege

Neu ist auch die Verrechnungseinheit: statt Euro werden nun US-Dollars genutzt, mit der Hoffnung, das möge die weltweite Nutzung von Flattr vorantreiben. Ob das wirklich klappt, ist eine gute Frage — schließlich gab es mittlerweile eine ganze Menge Versuche, ähnliche (Um-)Verteilungsmechanismen zu etablieren, inklusive Google (aktuell siehe Google Contributor 2.0). Im Unterschied zu projektbezogenem Crowdfunding bzw. Crowdpublishing auf großen Plattformen wie Kickstarter & Co. blieben die per Browser-Addon verteilten Mikrospenden aber immer nur ein Nischenmarkt.

(via The Digital Reader)

„Wir bekämpfen Verlage, nicht Autoren“: Piratenplattform boox.to testet Flattr-Buttons

Fast schon 2 Millionen E-Book-Downloads pro Monat zählt boox.to mittlerweile – und plant bereits den Ausbau der Server. „Die illegalen Downloads sind eine Kampfansage an den bestehenden Buchmarkt“, erklärt der anonyme Betreiber Spiegelbest. Die zumeist mit großem B und drei Sternchen geschriebene Download-Plattform will durch massenhafte Abwerbung der Leser die Buchbranche zu günstigen Flatrate-Angeboten und zum Verzicht auf Kopierschutz zwingen. Doch was wird aus den eigentlichen Literaturproduzenten, solange es kein Spotify für Bücher gibt? „In der Zwischenzeit müssen wir Möglichkeiten finden, die Autoren zu unterstützen“, räumt Spiegelbest ein – und schlägt als Mittel zum Zweck Crowdfunding vor.

Von Piratebay zu Flattr zu Boox.to

Tatsächlich ermöglichen Flattr-Buttons jetzt freiwillige Spenden der Warez-Community an die Urheber. In den Worten von „Spiegelbest“: die „Freeloader“ werden zu „Payloadern“ gemacht. Klingt auf den ersten Blick absurd – doch letztlich geht es ja in der Dankeschön-Ökonomie grundsätzlich darum, für immaterielle Güter zu bezahlen, die kostenlos im Web verfügbar sind. Und ob man es nun gut findet oder nicht: im Netz zirkuliert ohnehin schon (fast) alles in piratisierter Form. Insofern schließt sich mit Flattr-Buttons auf boox.to der Kreis, denn Flattr-Mitgründer Peter Sunde war bei der legendären Plattform Piratebay aktiv, bevor er mit dem Crowdfunding-Netzwerk den Kampf um die Kulturflatrate mit legalen Mitteln weiterführte.

„Bitte denkt an die Autorin und ihre Katzen“

Mit einem kleinen Teaser können die Autoren auf den boox.to-„Artikelseiten“ begründen, warum der kostenlose Download eine Spende wert sein sollte. So schreibt etwa die Indie-Autorin Franziska Hille: „Liebe LeserInnen, denkt bitte auch daran, dass am anderen Ende eures Lesestoffes eine Autorin viel Zeit, Schweiß, Mühe, Tränen und Muskelkater in den Fingern investiert hat. Und dass besagte Autorin sich und ihre Katzen ja von irgendwas ernähren muss. Wenn ihr meine Bücher mögt, dann zeigt mir das bitte.“ Die Resonanz der Autoren blieb bisher jedoch insgesamt eher verhalten – die Suche nach Flattr-Buttons auf boox.to (über die Suchphrase tag:flattr) führt gerade mal auf ein halbes Dutzend Namen (bzw. vier abzüglich eines Pseudonym-Doppels und dem Titel „Interview mit einem Buchpiraten“, das Spiegelbest selbst beigesteuert hat).

Autoren-Promotion mit Kauflinks!?

Ein Grund dafür scheint wohl auch die Reaktion mancher Verlage auf eine weitere Möglichkeit sein, die boox.to den Autoren anbietet – sie können als Promotion-Maßnahme nämlich Kauflinks einbinden, die auf Amazon & Co. führen. Spätestens an dieser Stelle platzte einigen Verlegern die Hutschnur: sie übten Druck aus, um die Verlinkung wieder zu entfernen. Einer Autorin wurde zwischenzeitlich sogar der Verlagsvertrag gekündigt. Für Self-Publisher dürfte die Nutzung der neuen Promotion-Möglichkeiten deutlich einfacher sein – sie können schließlich selbst entscheiden, wie sie ihre E-Books verwerten. Bis hin zur Nutzung von Creative Commons-Lizenzen statt Copyright: in diesem Fall wäre der Download via boox.to sogar vollkommen legal.

Lesen für eine Handvoll Cents: Pennyread experimentiert mit Nano-Payment

Paywalls haben zahlreiche Nachteile – selbst wenn sie nach dem „metered access“-Modell funktionieren, bauen sie eine Hemmschwelle auf. Spätestens nach zehn oder zwanzig kostenlosen Artikeln wird der Leser vor die Qual der Wahl gestellt: Online-Abo abschließen oder zu einem anderen Portal abwandern? Der französische Startup-Unternehmer Emmanuel Valjavec will dieses Dilemma auflösen, und setzt mit „Pennyread“ auf eine Art Content-Parkometer. Nach ein paar Absätzen Lektüre bzw. ein paar Minuten Videostream senkt sich ein virtueller Vorhang über die Inhalte – lässt sich jedoch wieder wegklicken. Im Hintergrund werden dabei einige virtuelle Cents in Rechnung gestellt, Pennyread benutzt dafür Javascript und klassische Browser-Cookies. Erst wenn auf diese Weise ein niedriger Eurobetrag aufgelaufen ist, wird der Nutzer real zur Kasse gebeten – er muss sich bei Pennyread anmelden und bezahlen.

Um das große Geld geht’s dabei nicht: Auf Pennyread.com lassen sich via PayPal Beträge zwischen 2 und 5 Euro abbuchen. Der ehemalige NASA-Astrophysiker & McKinsey-Berater Valjavec hat dafür auch gleich einen neuen Begriff in die Debatte geworfen: „Nano-Payment“. Doch worin der Unterschied zum Micro-Payment bestehen soll, bleibt nebulös. Beim freiwilligen Spenden mit dem Crowdfunding-Service Flattr etwa wird der Monatsbeitrag oft in mindestens ebenso kleine Tranchen aufgeteilt. Eine Bezahlschranke senkt sich dabei natürlich nicht – der Nutzer entscheidet erst nach der Lektüre, ob er sich beim Autor mit einem Klick auf den Flattr-Button bedanken möchte. Regelmäßig besuchte Seiten lassen sich zudem abonnieren, so dass sie jeden Monat automatisch geflattrt werden. Pennyread dagegen scheint sich eher dafür anzubieten, sporadische Seitenbesucher mit sanftem Druck zum Zahlen zu motivieren, ohne sie von vorneherein abzuschrecken, und setzt letztlich ebenfalls auf eine Portion Goodwill. Das Cookie-basierte Abrechnungssystem lässt sich schließlich durch das Löschen des Browsercaches recht einfach umgehen.

Eingesetzt wird Pennyread bisher offenbar nur auf einer französischen Songtext-Website namens Parolesparoles.fr – grundsätzlich könnte jedoch jenseits des Rheins auch für große Presseportale von Interesse sein. Online-Only-Publikationen wie die 2008 gegründete Netzzeitung mediapart.fr etwa setzen bisher auf eine konsequente Bezahlschranke. Nur die Titelseite ist kostenlos lesbar, das monatliche Abo kostet 9 Euro. Mit mehr als 50.000 Abonnenten schreibt mediapart mittlerweile sogar schon schwarze Zahlen. Doch um noch mehr Leser an die Inhalte heranzuführen, wäre das Parkometer-Modell à la Pennyread wahrscheinlich eine gute Idee. Pennyread-Gründer Valjavec selbst denkt allerdings bereits international – sein neuer Service wird in verschiedenen Sprachversionen angeboten, neben Englisch, Italienisch und Spanisch auch auf deutsch. Sogar für Websites, die normalerweise auf frei zugänglichen Content setzen, könnte Pennyread in Einzelfällen sinnvoll sein – denn das „Nano-Payment“ lässt sich zielgenau für ausgewählte Artikel aktivieren.

Autor&Copyright: Ansgar Warner
Abb.: Screenshot

„Subscribe my thing“: Mit Flattr kann man Blogs jetzt auch abonnieren

flattr-subscribe-abo-modell Das Abo-Modell macht beim Crowdfunding immer mehr Schule: auch Flattr ermöglicht es jetzt, einzelne Beiträge oder auch einen ganzen Blog regelmäßig mit kleinen Spenden zu bedenken, wahlweise für drei, sechs oder zwölf Monate. Für die Nutzer bedeutet das vor allem weniger Klickerei – und die Gewissheit, ihre Lieblingsblogs längerfristig unterstützen zu können. Anders als etwa Kachingle erfordert das Grundprinzip von Flattr aber auch weiterhin, interessante Blogbeiträge, Videos oder sonstige Inhalte („Things“) einzeln zu „flättern“.

Erst lesen, dann zahlen: Alternative Abo-Modelle gesucht

Paid Content breitet sich langsam, aber sicher im Internet aus. Immer mehr News-Seiten verschwinden hinter Paywalls – in Kürze sogar die New York Times. Deutsche Zeitungen versuchen zur Zeit vor allem, über kostenpflichtige Apps mehr Geld mit digitalen Inhalten zu erwirtschaften. Will man etwa die FAZ auf dem iPhone oder die FR auf dem iPad lesen, muss man zuvor das Portemonnaie zücken. Beim Crowdfunding geht’s andersherum: man liest, und nur wenn’s einem gefällt, zahlt man (vielleicht) etwas. Das funktioniert nicht nur bei Blogs wie E-Book-News, sondern auch im Pressebereich: Micropayment als alternatives Zahlungsmodell probieren zur Zeit etwa die taz oder der Freitag aus (via Flattr), genauso aber die Online-Ausgabe des Vorwärts (via Kachingle). Besonders populär ist in Deutschland der Crowdfunding-Service von Flattr – dank der neuen „Subscribe“-Funktion könnte daraus nun ein alternatives Abo-Modell werden.

Die Flattr-Subscriptions können jederzeit gekündigt werden

Flattr ermöglicht es jetzt nämlich, einzelne Beiträge oder auch einen ganzen Blog regelmäßig mit kleinen Spenden zu bedenken – wahlweise für drei, sechs oder zwölf Monate. Das Feature ist allerdings erst auf den zweiten Blick zu entdecken: wenn man einen Flattr-Button klickt, zählt der Counter nicht nur um einen Punkt weiter, der „Flattr“-Button ändert seinen Namen statt in „Flattred“ in „Subscribe“. Klickt man ihn nochmal an, bekommt man ein kleines Pop-Up-Menü mit dem Abo-Zeitraum zur Auswahl. Will man doch nicht abonnieren, kann man das Fenster einfach wieder schließen. Um bei den aktiven Abos die Übersicht zu behalten, wurde in der Listenansicht in unteren Hälfte des Dashboards ein weiterer Reiter eingefügt: „Subscriptions“. Neben dem jeweiligen Beitrag/Blog steht dort dann etwa die Info: „Will be flattred for the next 3 months“. Kündigen kann man hier auch – neben dem Mülltonnen-Icon steht da unmißverständlich: „Cancel subscription“.

Das Abo-Modell von Flattr macht Sinn für beide Seiten

Der Mindestbeitrag bei Flattr beträgt 2 Euro pro Monat – je nachdem, wie viele Flattr-Buttons man monatlich anklickt, sind die einzelnen Klicks für die geflatterten Seiten mehr oder weniger wert. Bei der US-Konkurrenz Kachingle gehörte eine Art von Abo-Prinzip von Anfang an zum Konzept hinzu: sobald man per Mausklick auf den Kachingle-Button zu den Unterstützern einer bestimmten Site wird, werden alle Besuche automatisch gezählt, und vom monatlichen Mitgliedsbeitrag geht dann der entsprechende Anteil auf das Konto der „kachingleten“ Adresse. Während einer „friendly takeover“-Aktion funktionierte Kachingle mit einem speziellen Browser-Plugin sogar bei den populären Blogs der New York Times. Aus juristischen Gründen wurde dieses Projekt dann allerdings wieder gestoppt. Das Kachingle-Prinzip war bisher auf jeden Fall aber weniger anstrengend als bei Flattr – dort musste man ja jeden Monat wieder ein paar neue „Things“ entdecken und anklicken. Gerade bei Blogs, die man regelmäßig besucht, macht das Abo-Modell für die Flattr-Community wohl auf jeden Fall Sinn – für beide Seiten.

taz testet Flattr: Alternative Tageszeitung setzt auf Crowdfunding made in Sweden

flattr-crowdfunding taz.gifDie taz testet Flattr: das Online-Angebot der alternativen Tageszeitung aus Berlin enthält jetzt kleine Spenden-Buttons des schwedischen Crowdfunding-Netzwerks. Leser können sich für jeden Artikel mit einem Klick auf den Flattr-Knopf bedanken. Die taz-Community scheint für diese Alternative zu Paid Content besonders geeignet zu sein: bei einem Probelauf im April kamen in einer Woche fast 2000 Euro an Spendengeldern zusammen.

Absage an die Bezahlschranke: „Barrieren aufbauen ist unsere Sache nicht“

Die vor mehr als dreißig Jahren gegründete taz hat immer mit der medialen Avantgarde geliebäugelt, sei es mit der forschen Einführung eines digitalen Redaktionssystems schon Mitte der Achtziger, sei es mit dem frühen Webauftritt der “digitaz” Mitte der Neunziger. Auch beim E-Paper ist man ganz vorn: Ab zehn Euro bekommt man ein digitales Abo in verschiedenen Formaten, seit letztem Jahr sogar als epub für den E-Reader. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. Die Online-Ausgabe ist dagegen grundsätzlich auch weiterhin für lau zu lesen – „Barrieren aufzubauen, das ist unsere Sache nicht. Möglichst auch keine Bezahlschranken“, so Matthias Urbach, Leiter der Online-Ausgabe. Trotzdem ist vielen die Lektüre offenbar einiges wert. Als die taz im April eine Woche lang unter jedem Artikel eine Kontonummer einblendete, war man vom Erfolg der Aktion überrascht: „165 Leser haben Geld überwiesen – von 5 Cent bis 100 Euro. Insgesamt kamen 1.842,83 Euro zusammen“, konnte taz-Hausblogger Sebastian Heiser vermelden. Mit echtem Crowdfunding hatte dieses Experiment rein technisch natürlich wenig zu tun – dafür sind normale Überweisungsvorgänge viel zu aufwendig. Bei Flattr sieht das anders aus…

Es geht nicht nur um’s Geld: Flattr-Klicks geben ein besseres Feedback

Mit Peter Sundes Mikro-Payment-Bezahlsystems ist die taz nun mitten drin in der Thank-You-Economy, die sich im gerade im Web 2.0 etabliert. Unter jedem Artikel auf taz.de wird ein Flattr-Button eingeblendet – per Mausklick können sich Mitglieder des Crowdfunding-Netzwerks bei der taz bedanken. Ein Teil ihres monatlichen Mitgliedsbeitrags kommt dann der alternativen Tageszeitung zu Gute. Außerdem weiß die Redaktion nun etwas genauer, was die Leser wirklich gut finden: „Anhand von Klickzahlen konnte man bisher eigentlich nur erkennen, wie gut die Präsentation eines Artikels auf den Übersichtsseiten ankam, nicht aber wie der Artikel selbst aufgenommen wurde. Die flattr-Klicks geben da nun eine weiteres Feedback“, so Filip Moritz, taz.de-Webmaster. Insgesamt bleibt Flattr aber vorerst ein Experiment – was auch daran liegt, dass der Crowdfunding-Service noch in der Testphase ist. Um eine komplette Zeitung finanzieren zu können, fehlt schlicht die kritische Masse an Teilnehmern. Ähnliches gilt zur Zeit auch noch für den Flattr-Konkurrenten Kachingle, auf den seit kurzem die Online-Ausgabe des Vorwärts setzt. Doch das könnte sich in Zukunft schnell ändern. Sobald Crowdfunding zum Breitensport wird, dürften gerade solche Projekte einen Startvorteil haben, hinter denen eine starke Community steht. Immerhin haben in den letzten Jahren auch schon fast 10.000 taz-Leser Genossenschafts-Anteile erworben – zum Stückpreis von 500 Euro.