Firefox OS ist tot — es lebe KaiOS: HTML5-Apps sollen Feature-Phones ins Webzeitalter katapultieren

auf-firefox-os-folgt-kaiosErinnert sich noch jemand an Firefox OS — die mobile Android-Alternative für Low-Cost-Smartphones? Das Projekt ist mittlerweile leider eingestampft, oder zumindest fast. Denn in Form von KaiOS lebt es weiter, eingedampft auf ein auf HTML5-Apps basierendes Betriebssystem für „Feature Phones“ ohne Touch-Screen. Derzeit läuft das ressourcen schonende KaiOs — Arbeitsspeicher-Minimum: 256 MB — zum Beispiel auf „Tastenhandys“ wie dem Nokia 8118 oder dem Alcatel One Touch Go Flip, Webzugang via 4G inklusive.

Durch die Browser-App-Methode sind viele klassische Smartphone-Anwendungen auch via KaiOS nutzbar, etwa Twitter, Facebook oder Youtube — viele weitere kann man im KaiStore genannten AppStore herunterladen. Für die Entwicklung des wie Android auf einem Linux-Kern aufbauenden KaiOS ist das gleichnamige US-Unternehmen KaiOS Technologies zuständig, tatkräftig unterstützt von Google: erst im Juni gab es eine Finanzspritze von 22 Millionen Dollar.

Googles Ziel scheint klar: Bisher ist nur die Hälfte der globalen Bevölkerung online, viele der anderen Hälfte könnten es auch sein, wenn der Gerätepreis von internetfähigen Phones die magische Grenze von 34 Dollar unterschreiten würde. Mindestens eine Milliarde neuer Nutzer könnte auf diese Weise u.a. Zugang zu Google-Anwendungen erhalten — keine schlechte Perspektive (zumindest nicht für Google). Aktuellen Zahlen zufolge sind weltweit derzeit 1,3 Milliarden Tastenhandys im Einsatz.

Und schon bisher läuft KaiOS auf mehr als 30 Millionen Feature-Phones, u.a. in Nordamerika und Indien, bis Ende 2017 wollen die Kaioten die 100-Millionen-Marke knacken, u.a. durch Partnerschaften mit Netzanbietern wie AT&T, T-Mobile und Reliance Jio. Spannende Aussichten nicht zuletzt auch für die weitere Verbreitung des elektronischen Lesens — denn natürlich bietet die HTML5-Basis auch beste Voraussetzungen für E-Reading-Apps und den drahtlosen Zugang zu E-Books.

Firefox Phone im Test: Mobile Lektüre im Zeichen des Feuerfuchses

Für die Firefox-Community geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung – der Open-Source-Browser hat den Sprung zum mobilen Betriebssystem geschafft. Als erstes deutsches Smartphone im Zeichen des Feuerfuchses ging Mitte Oktober das „Alcatel One Touch Fire“ an den Start, derzeit exklusiv über die Telekom-Tochter Congstar erhältlich. Auf dem Firefox-Phone findet man zwar einen regulären Desktop mit Anwendungs-Icons, doch letztlich handelt es sich um Web-Apps, die rein technisch gesehen im Browser laufen. Das Look-and-Feel unterscheidet sich bei Firefox OS aber nicht von iOS- oder Android-Apps, dank Cache-Funktion stehen viele Features auch offline zur Verfügung, darunter die E-Book-Lektüre. Mit an Bord des Firefox-Phones sind bereits zahlreiche nützliche Anwendungen wie Kalender, E-Mail, Taschenrechner oder Youtube- und Wikipedia-Client. Über den unabhängigen Firefox Marketplace stehen viele weitere kostenlose Apps zum Download zur Verfügung – darunter die populäre E-Lese-App epubReader von Michael Volz.

Erstes Firefox Phone ist ein Low-Cost-Gerät

Lieferbar ist das Firefox-Smartphone in zwei Versionen – weiß/orange und weiß/grün, sowohl mit Prepaid-Karte (ab 99 Euro) oder mit Vertragsbindung (ab 89 Euro). Technisch darf das Gerät mit 1 Ghz-Prozessor, 512 MB Speicher und einer Display-Auflösung von 320×480 Pixeln eher als unterer Durchschnitt gelten – für ein Low-Cost-Smartphone stimmt das Preis-Leistungsverhältnis aber, wenn man akzeptiert, dass die Performance eben nicht ganz so perfekt ist wie auf einem High-End-Gerät. Viel wichtiger als das aktuelle Smartphone, auf dem Firefox OS läuft, ist ja überhaupt die Botschaft: wenn Open-Source-Browser, Smartphone und ein experimentierfreudiger Mobilfunkbetreiber wie die Telekom zusammenkommen, ergibt das schon heute ein vermarktungsfähiges Produkt.

Verstecken vor anderen Low-Cost-Phones muss sich das Firefox Phone jedenfalls nicht. Zur Ausstattung gehören neben WLAN- und Bluetooth-Schnittstelle auch eine GPS-Antenne sowie ein UKW-Radio (als Dipol-Antenne dient der mitgelieferte Kopfhörer). Eine eher mittelmäßige 3,2 Megapixel-Kamera wurde ebenfalls verbaut. Zum Aufladen des Akkus dient vorbildlicherweise der Mikro-USB-Port, Kabel sowie Steckdosenadapter gehören zum Lieferumfang. Im Lieferzustand ist das Firefox-Phone mit einer 2 GB-Mikro-SD-Karte bestückt, über den besagten Mikro-USB-Port lassen sich zwischen Firefox-Phone und PC Daten ganz einfach austauschen, und etwa E-Book, Musik- oder Filmdateien auf das Gerät laden.

Funktional kaum Unterschiede zu Android oder iOS

Schon beim Start des Smartphones grüßt der Firefox mit brennendem Schweif – und kehrt als Hintergrundbild auf dem Desktop wieder. Die Icons der Standard-Apps sind rund, passend zum offiziellen Firefox-Logo. Die grundsätzlichen Funktionen im Umgang mit Apps und Einstellungen unterscheiden sich nicht von iOS oder Android, Umsteiger sollten also keine Probleme haben, sich auf dem Touch-Screen zurechtzufinden. Mit an Bord ist natürlich auch ein mobiler Firefox-Browser, den man tatsächlich zum Browsen im Web nutzt. Als Homebutton dient beim Firefox-Phone eine Sensor-Fläche unter dem Display, die mit einem kleinen Kreis gekennzeichnet ist.

Firefox Marketplace noch eher überschaubar

Das App-Angebot im Firefox-Marketplace macht derzeit noch eher einen überschaubaren Eindruck, manche populäre Dienste wie Twitter, Facebook, Youtube oder WhatsApp sind schon verfügbar, andere wie etwa DropBox fehlen noch. Auch in Sachen elektronischer Lektüre muss man wohl noch etwas abwarten, die großen E-Book-Portale sind noch nicht präsent, aktueller News-Content beschränkt sich auf wenige englische Apps von NYTimes, TIME und Wired. Trotzdem steht zumindest der Lektüre von epubs nichts im Weg – dafür sorgt die epubReader-App, die man auch bisher schon via Firefox-Browser nutzen konnte.

Auf dem Weg zum Firefox-Reader & Tablet

Erlaubt man der epubReader-App nach der Installation den Zugang zur SD-Karte, wird das Firefox-Phone zum mobilen Lesegerät. Der Funktionsumfang ist allerdings beschränkt – mehr als Lesezeichen setzen und die Schriftgröße verändern kann man nicht. Wer möchte, kann auf dem Firefox-Phone über die virtuelle Tastatur sogar Texte produzieren, etwa mit der Notizblock-App Firetext. Eins ist natürlich klar: Wirklich mithalten kann Firefox OS mit dem App-Universum von iOS oder Android noch nicht – doch die Entwickler-Community wird bald für Nachschub im Marketplace sorgen, und den Gebrauchswert dieser ersten wirklich freien OS-Alternative für Smartphones ( perspektivisch auch für Tablets & E-Reader) deutlich erhöhen.

Firefox Phone (Alcatel One Touch Fire)


Display

3,5 Zoll LED-Touchscreen, 320 x480 Pixel

Gewicht

122 Gramm

Schnittstellen

3G, WLAN, Mikro-USB, SD-Kartenslot, Kopfhörerbuchse

Speicher

256 GB intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (via epubReader)

Zus. Features

UKW-Radio, GPS-Sensor, Kamera, Externer Lautsprecher

Preis

ab 90 Euro (z.Zt. exklusiv via Congstar)

Read IT fair? Die perfekte E-Lese-Alternative gibt’s noch nicht

Welches Mobilgerät ist fair zum Fabrikarbeiter, fair zur Umwelt, fair zum Kunden, und idealerweise auch noch fair zu den Augen? Okay, ich geb’s zu, das war eher eine Scherzfrage. Denn solch ein Gerät gibt es bisher noch nicht, obwohl das Potential riesig wäre, schon alleine bei Mobiltelefonen: weltweit existieren mehr als 6 Milliarden registrierte Anschlüsse, rein rechnerisch besitzt damit fast 90 Prozent der Weltbevölkerung ein solches Gadget. Doch auch Tablets und E-Reader sind längst ein Massenprodukt – seit 2008/2009 wurden mehr als 200 Millionen Flachrechner und etwa 60 Millionen E-Ink-Lesegeräte verkauft. Bisher ist die Bilanz in punkto Fairness jedoch in jeglicher Hinsicht ernüchternd…

Von Design bis Recycling viel Nachholbedarf

Die letzte „Folgestudie zur Unternehmensverantwortung von deutschen Mobilfunkanbietern“, herausgegeben 2012 von MakeITFair und Germanwatch, fasst die aktuelle Situation schon im Titel zusammen: „Noch keine fairen Handys“. Vom Design über Produktionsprozess, Marketing und dem am Ende oft fehlenden Recycling wurde „erhebliches Verbesserungspotential“ festgestellt. Gleiches dürfte für die Herstellung von Tablets und E-Readern gelten, die unter ähnlichen Bedingungen produziert werden. Schaut man auf die Skala des „Greenpeace Guide to Greener Electronics“, befinden sich fast alle großen Unternehmen wie Apple, Samsung, Sony oder Philips im roten Bereich. Selbst das lediglich nach dem Prinzip „best in class“ bzw. „kleinstes Übel“ verliehene deutsche Umweltabzeichen „Blauer Engel“ schmückt kein einziges aktuelles Mobilgerät, obwohl es gerade für E-Reader einfach zu schaffen wäre.

FairPhone bisher als einzige Ausnahme

Das macht es dem „Prosumer“ schwer – anders als bei Lebensmitteln oder Kleidung mit Bio- und/oder Fairtrade-Siegel kann man im Bereich mobiler Gadgets nicht so einfach Politik mit dem Einkaufswagen betreiben, in dem man strategische Kaufentscheidungen fällt. Mit einer Ausnahme vielleicht: das niederländische Startup fairphone hat bis dato bereits 18.000 Exemplare des gleichnamigen Smartphones verkauft, das zumindest den Anspruch hat, fairer produziert zu werden als der Durchschnitt. So enthält der transparent aufgeschlüsselte Kaufpreis von 325 Euro etwa 9,50 Euro für Lohnkosten, bei vergleichbaren Geräten wären es normalerweise eher 3 Euro. Einige der enthaltenen Rohstoffe wie Zinn oder Coltan stammen aus „konfliktfreier“ Quelle, wurden also außerhalb von Bürgerkriegsgebieten geschürft. Ein austauschbarer Akku sowie Root Access sollen zudem dafür sorgen, dass man das Fairphone möglichst lange nutzen kann – unter Öko-Aspekten sowieso das Optimum. Kein Wunder, dass sogar die taz schon überlegt, ihren konsumkritischen Abonnenten das Fairphone als Prämie anzubieten.

Firefox OS als Alternative zu Android

Allerdings läuft das Fairphone standardmäßig mit einer angepassten Version von Googles mobilem Betriebssystem Android (4.2) – man befindet man sich also erstmal in den Fängen eines transnationalen Unternehmens mit einer ganz eigenen Agenda. Mit Firefox OS steht immerhin eine wirklich freie Alternative in den Startlöchern: die Telekom-Tochter Congstar verkauft seit Mitte Oktober mit dem „Firefox Phone“ ein Low-Cost-Smartphone im Zeichen des Open-Source-Fuchsschwanzes. Zwar nicht fair produziert, dafür aber zu einem sehr fairen Endkundenpreis von knapp 90 Euro. Die Apps laufen auf HTML-5-Basis im Browser, mit dem „Firefox Marketplace“ existiert ein eigener, unabhängiger App Store. Da Firefox OS ähnlich wie die neueste Version der Linux-Distribution Ubuntu nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf Tablets lauffähig ist, wird es in Zukunft wahrscheinlich eine ganz neue Produktkategorie geben: fair produzierte Mobilgeräte, auf denen ein unabhängiges, offenes Betriebssystem läuft.

„Offenes Betriebssystem für das offene Wort“

Bei den Tablets wiederum könnte es sich natürlich auch um E-Reader handeln – denn die Unterschiede zwischen Touch-Screen-Reader und Touch-Screen-Tablet verwischen ohnehin immer stärker. Bestes Beispiel ist das von Onyx angekündigte Boox M96, eine zum Lesen optimiertes E-Ink-Tablet im iPad-Format, das mit Android läuft. Parallel dazu bringt Onyx übrigens mit dem Boox E43 auch ein Android-Smartphone mit E-Ink-Display heraus, es gibt also jenseits des klassischen E-Readers mobile Gadgets in verschiedenen Formaten, die fair zu den Augen sind. Fehlt eigentlich nur noch ein fairer, unabhängiger E-Store, der weder Zensur ausübt, User-Daten abschnorchelt oder hohe Provisionen verlangt. Auch das ist kein Ding der Unmöglichkeit mehr – wenn man etwa das von Volker Oppmann angeschobene Projekt Log.os betrachtet, das eine gemeinnützige, demokratisch verfasste eBook-Plattform zum Ziel hat. Oder anders ausgedrückt, ein offenes „Betriebssystem für das geschriebene Wort“. Für wirklich faire Lesegeräte mit Open-Source-Oberfläche wäre das natürlich die perfekte Kombination.

Abb.: MakeITFair.org

Die Zukunft ist offen: Telekom bringt Firefox OS auf Europas Smartphones

Statt Android könnte auf vielen Smartphones & Tablets bald das browserbasierte Betriebssystem Firefox OS laufen – und einen neuen Boom für HTML5-basierte E-Lese-Apps auslösen. Die ersten Mobilgeräte mit Mozillas Open Source-Software kommen sogar schon im Sommer 2013 auf den Markt – den Anfang macht das Alcatel One Touch Fire, das die Deutsche Telekom zunächst in Polen vermarkten will, weitere osteuropäische Länder sollen noch in diesem Jahr folgen. Das gab Europas größtes Telekommunikationsunternehmen jetzt anlässlich des Mobile World Congress in Barcelona bekannt. “Im Sinne unserer Kunden wollen wir freie Wahlmöglichkeiten schaffen und setzen deshalb auch auf offene Plattformen”, so Telekom-Chef René Obermann. “Aus diesem Grund unterstützen wir Mozilla bei der Entwicklung eines innovativen und offenen Standards für mobile Endgeräte.” Neben der Telekom arbeiten noch mehr als ein Dutzend weiterer Netzbetreiber mit der gemeinnützigen Mozilla-Foundation zusammen.

Anders als bei Android laufen die Apps der Firefox-Smartphones auf HTML5-Basis direkt im Browser – ähnlich wie eine normale Website müssen sie also nicht installiert und vor allem auch nicht regelmäßig aktualisiert werden. Bei jedem Aufruf wird automatisch die neueste Version vom Server des Anbieters geladen. Viele Web-Apps lassen sich jedoch auch im Offline-Modus nutzen. Unter dem Namen “Marketplace” wird Firefox OS einen eigenen App-Store eröffnen, Kooperationspartner können jedoch auch ihren eigenen E-Store installieren. Das dürfte gerade für die Telekom von Interesse sein, die mit PagePlace bereits eine Content-Plattform gestartet hat, die sogar schon eine Reader-App im HTML5-Format mitbringt. Auch anderswo wird der neue Standard bereits eingesetzt: Neben Online-Buchhändlern wie Amazon bieten auch Zeitungen wie die Financial Times solche cloudbasierten Browser-Lösungen an.

Zum Osteuropa-Start von Firefox OS setzt die Telekom zunächst auf günstige Einsteiger-Geräte – so ist etwa das Alctatel One Touch Fire mit 3,5-Zoll-Touchscreen, 480×320 Pixeln Auflösung und 1-Gigahertz-Prozessor nicht unbedingt ein Highend-Smartphone, und auch nicht besonders lesefreundlich. Gerade für Schwellenländer ist das jedoch zweifelsohne der richtige Ansatz. In Zukunft wird Firefox OS aber auch in Mitteleuropa auf hochwertigeren Mobiles laufen, und vor allem auf Tablets. Die Verbindung von Open Source-Betriebssystem und PagePlace-Store könnte die Telekom-Gadgets für viele Content-Anbieter vom Verlag bis zum Musik-Label zu einer attraktiven Alternative zu Android plus Google Play bzw. Apple iOS plus iTunes machen. Wohl nicht ganz zufällig kündigt sich gerade auch schon eine große Content-Allianz zwischen der Telekom, Thalia, Weltbild & Bertelsmann an.

Abb.: Deutsche Telekom (c)

(via tekkni.cc)