Alexa zum Anfassen: Amazons nächste Echo-Konsole erhält Touch-Screen

alexaErst erhielt das Fire Tablet via Software-Update das Alexa-Feature, nun geht’s andersherum: Amazon will der smarten Lautsprecher-Konsole Echo offenbar ein 7-Zoll-Touchscreen verpassen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf zwei Branchen-Insider. Die neue Premium-Variante des digitalen Dosengeistes soll so noch komfortabler zu benutzen sein: „Das macht den Zugang zu bestimmten Inhalten einfacher, etwa Wetterberichte, Terminplaner oder Nachrichten“, argumentieren die anonymen Produkt-Enthüller — obwohl natürlich entsprechende Alexa-Skills für solche Anwendungen bereits existieren. Auch die äußere Form der Konsole werde sich durch das zusätzliche Screen komplett verändern.

Eine Art Fire-Tablet mit riesigen Lautsprechern?

Doch was für ein Gerät hättet man dann eigentlich vor sich? „Abgesehen von den Lautsprechern beschreibt der Bloomberg-Report ziemlich genau die bisherigen Tablets von Amazon“, merkt Nate Hoffelder von The Digital Reader an, und da ist was dran, zumindest solange man nicht von einem E-Ink-Display ausgeht. Die neue Echo-Konsole wäre ja letztlich so eine Art Fire Tablet mit sehr großen externen Lautsprecher, und dazu noch verbesserten Fähigkeiten der persönlichen digitalen Assistentin Alexa.

Neue Strategie im Kampf um das Smart Home

Ursache für den überraschenden Strategiewechsel ist Bloomberg zufolge die wachsende Konkurrenz im Smart-Home-Bereich durch Google und Apple — das neue Hybrid-Konzept soll Amazon wieder eine Nasenlänge Vorsprung verschaffen. Außerdem könnte Amazon die High-End-Variante der Echo-Konsole natürlich zu einem höheren Preis anbieten, solange es kein vergleichbares Produkt auf dem Markt gibt.

(via Fortune & The Digital Reader)

Weniger Blaulicht, mehr Schlaf: Blue Shade optimiert nächtliche Lektüre auf Fire-Tablets

blue-shade-amazon-kindle-fireLes‘ ich mit Tablet in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Das stimmt nicht nur, weil es sich reimt, sondern auch, weil die LED-Displays bekanntlich durch den hohen Anteil von blauem Licht unseren Biorhythmus durcheinander bringen, genauer gesagt, sie reduzieren bei abendlicher bzw. nächtlicher Lektüre die Ausschüttung des Schlaf-Hormons Melatonin.

Amazons Fire Tablets jedoch werden in Zukunft nicht mehr schuld sein, wenn die Leser keinen Schlaf finden: denn ein neues Feature namens „Blue Shade“ soll nicht nur den Blauanteil des hintergrundbeleuchteten Displays minimieren und für einen wärmeren Farbton sorgen, sondern zudem auch eine besonders geringe Helligkeits-Stufe für abgedunkelte Räume ermöglichen. Das wiederum kommt auch der Akkulaufzeit der Fire-Tablets zu Gute, die sich dank Blue Shade um bis zu 25 Prozent verlängern soll.

Das Blue-Shade-Feature inklusive Helligkeits-Verringerung lässt sich per Fingertipp ein- und ausschalten, die Farbmischung kann vom Nutzer zudem dem eigenen Geschmack angepasst werden, wobei die Software automatisch für einen geringen Anteil blauer Wellenlängen sorgt. Blue Shade ist Teil eines Software-Updates für das aktuelle Fire OS 5 („Bellini“), das in den kommenden Tagen zunächst für Amazon.com-Kunden bereit gestellt wird.

(via TechCrunch & GeekWire)

Fire-Tablet bereits gehackt: Rooting-Tool „SuperOneClick“ macht’s möglich

Kaum war Amazons neues Fire-Tablet ausgeliefert, da gab es auch den ersten Hack: mit dem „SuperOneClick“-Tool lässt sich die normale Benutzeroberfläche überschreiben. Das Fire läuft zwar auf Android 2.3-Basis, doch sind die normalen Funktionen stark eingeschränkt. Vor allem gibt’s keinen direkten Zugang zum Android Marketplace. Installieren lassen sich somit nur Apps, die zuvor Amazons Qualitätskontrolle durchlaufen haben. Durch den Fire-Hack kann prinzipiell nun eine völlig offene Version von Googles mobilem Betriebssystem eingespielt werden – sobald die „Modder“-Szene eine auf dem Tablet lauffähige Version zusammengebaut hat.

„Glücksfall für die Modding-Community“

Gadget-Experte Sascha Pallenberg hält nicht umsonst das Kindle Fire bereis als „echten Glücksfall für die Modding-Community“. In der einschlägigen Szene sei das Gerät bereits seit langem herbeigesehnt worden. Erste Root-Images auf Grundlage von Android 2.3 erwartet der Gründer von Netbooknews bereits bis Ende des Jahres. Dem kommerziellen Erfolg des Amazon-Tablet dürfte das Friendly takeover durch alternative Betriebssysteme allerdings kaum schmälern, so Pallenberg gegenüber pressetext: „Der Anteil der Nutzer, die das Fire mit einem Custom-ROM ausstatten werden, dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Der Durchschnitts-User wird dem Amazon-Ökosystem treu bleiben und das weiß man dort auch“.

Vorbild ist der Hack des Nook Color

Vorbild für den Fire-Hack ist das Nook Color von Amazon-Konkurrent Barnes&Noble, das schon im Herbst 2010 kurz nach der Markteinführung von Android-Enthusiasten ganz einfach via SD-Kartenslot gerootet werden wurde. Dadurch ließ sich beispielsweise die Kindle-App auf das Gerät herunterladen. Um umgekehrt die Nook-App auf das Kindle Fire zu bringen, muss man allerdings nicht gleich auf Tabula rasa in Sachen Betriebssystem setzen. Auf Mashable wurde gestern ein simpler Work-Around veröffentlicht, für den lediglich eine Einstellung im Konfigurationsmenü geändert werden muss („Allow Installation of Applications From Unknown Sources“). Ganz so abgeschottet wie erwartet ist das Kindle Fire also offenbar doch nicht.

Fire-Tablet erntet Kritik: „Kein Blindgänger, aber auch keine Weltklasse“

Amazons neuer Tablet-Star ist da – gestern wurden die ersten „Fires“ ausgeliefert. Zeitgleich erschienen die ersten Reviews zum sieben Zoll-Android Gadget, das in der Presse zahlreiche Vorschusslorbeeren bekommen hatte. Amazon-Chef Jeff Bezos war es gelungen, einen geradezu Apple-mäßigen Hype zu erzeugen. Die meisten Tester meinen allerdings: in der aktuellen Version erfüllt das Fire-Tablet die hochgesteckten Erwartungen noch nicht. Hauptkritikpunkt ist die mangelnde Performance, was etwa beim ruckeligen Webbrowser auffällt, aber auch insgesamt bei der etwas trägen Reaktion des Touch-Screens. Moniert wird zudem die optisch nicht ganz so gelungene Anpassung der Android-Oberfläche an das sieben Zoll-Display. Spürbar sind offenbar auch die Hardware-Kompromisse, um den Kampfpreis von 200 Dollar zu ermöglichen – so gibt es weder Kameras, Mikrophone, Bluetooth oder einen SD-Karten-Slot. Selbst auf einen „Home-Button“ und externe Lautstärke-Regler wurde verzichtet. Viele Mängel dürften wohl spätestens im Frühjahr 2012 behoben sein – denn Amazon plant offenbar bereits den baldigen Launch einer verbesserten Version namens „Fire 2“.

“200-Dollar-Preisschild mit jedem Fingerwisch spürbar““

Einer der ersten Tester von Amazons Fire-Tablet war David Pogue, prominenter Tech-Kolumnist der New York Times. Aus seiner Feder hagelte es harsche Kritik: „Man fühlt das 200 Dollar-Preisschild mit jedem Fingerwisch. Animationen sind langsam und zäh, sogar die Seitenwechsel, die ja eigentlich der Stolz des Kindle-Teams sein sollten. Manche Fingertips werden gar nicht registriert.“ Pogue hatte bei der Ausstattung wohl etwas mehr erwartet, sowoh hardware- wie auch softwareseitig. Der Nutzwert eines Tablets hängt davon ab, ob man es auch produktiv einsetzen kann. Beim Fire heißt es da eher: Fehlanzeige. „Es ist fast ausschließlich zum Konsum von Content designt worden, vor allem natürlich Amazons eigenem, wie E-Books, Zeitungen oder Video. Es gibt zwar ein brauchbares E-Mail-Programm, aber keine Kalender-App oder eine Note-Pad-Funktion.“ Letztlich bleibt der Eindruck: David Pogue ist enttäuscht von der Umsetzung eines Konzepts, das er an sich für sinnvoll hält – der „Kreuzung von Kindle und iPad“. Damit die wirklich gelingt, muss Amazon wohl noch mal an einigen Schräubchen drehen: „If you’re used to an iPad or ‚real‘ Android tablet, its software gremlins will drive you nuts.“

“Kein Blindgänger, aber auch keine Weltklasse“

Ernüchtert zeigt sich auch das Wired-Magazin. „Ist das wirklich das Tablet, von dem alle reden?“ fragt Reviewer Jon Phillips. Die Quintessenz seiner ersten Stunden mit dem Fire-Tablet: „Das Fire ist zwar kein Blindgänger, aber Performance und Nutzwert erreichen weder die Erwartungen der Öffentlichkeit noch die Standards der Weltklasse-Tablets.“ Interessanterweise hält Phillips das sieben Zoll-Display bereits von der Größe her unzureichend, um grundlegende Tablet-Aktivitäten auszuführen. Zu klein ausgefallen ist seiner Ansicht nach aber vor allem die CPU: „Der 1 Gigahertz-Chip scheint nicht auszureichen für flüssiges, nahtloses Webbrowsen.“ Gelungen sei das Fire-Konzept dagegen dort, wo es um das Einkaufen und Konsumieren geht: „Das Fire ist tatsächlich ein verdammt effektives Shopping-Portal, verkleidet als 7-Zoll-Flachrechner. Video-Playback via Netflix oder Hulu Plus funktiniert ausgezeichnet, genauso wie Amazons E-Store, über den man an hunderttausende Filme, TV-Serien kommt, viele davon kostenlos.“ Unzufrieden zeigt sich der Tester jedoch bei den originären E-Reader-Eigenschaften des Tablets: „Der Fire-Prozesor scheint nicht darauf ausgelegt zu sein, visuell aufwändig gestaltete Zeitschriften-Seiten zügig anzuzeigen. Beim Seitenwechsel gerät das Tablet ins Stottern, richtiges Lesegefühl kommt so nicht auf.“ Zudem komme man bei sieben Zoll nicht ohne ständiges Einzoomen aus, egal ob es um Artikel oder E-Comics gehe.

“Erster echte iPad-Konkurrent, aber nicht ohne Macken“

Nicht hundertprozentig überzeugt vom Fire Tablet zeigt sich auch Mashable, obwohl getitelt wird: „Erster echter iPad-Konkurrent“. Mashable-Autor Lance Ulanoff klagt aber gleich im ersten Absatz: „This is the tablet I wanted to love“. Nun musste der Tester aber entdecken: „Es ist ein Gerät mit Macken – ein Produkt das buchstäblich nicht weiß, wo oben und unten ist“. Der G-Sensor scheint also auch bei diesem Android-Tablet manchmal etwas verwirrt zu sein. Geärgert hat sich Ulanoff zudem über die teilweise misslungene Anpassung von Android 2.3 an ein sieben Zoll Display: „Das Interface ist nicht immer optimal auf 1024×600 Pixel eingestellt. Während das Bookshelf und die einzelnen Cover groß aussehen, sind viele Einstellungsmenü zu klein geraten.“ Probleme bereiteten zudem E-Mags im PDF-Format, die sicht trotz Zoom nur schlecht lesen ließen. Recht zufrieden war Mashable dafür mit der Leistung des Fire-Browsers. „Der tab-gestützte Silk-Browser zeigte sich hier und da tatsächlich so schnell wie versprochen. Silk ist nicht vergleichbar mit anderen Android Browsersn. Amazon nutzt die eigenen Server, um Webseiten im voraus zu speichern, um das Laden zu beschleunigen. Je mehr Seiten von Amazon gecachet werden, desto schneller soll das in Zukunft funktionieren.“ Am besten funktioniert das Fire nach Ansicht von Ulanoff als Movie-Player: „Mit meinem Amazon Prime Account kann ich via Streaming hunderte Filme direkt auf dem Gerät anschauen.“ Insgesamt schätzt der Mashable-Tester das Potential des Fire Tablets hoch ein: „Es kommt von allen Tablets, die ich gesehen habe, am am nächsten an das iPad heran: eine konsistente, gut durchdachte Kombination von Hardware und Anwendungen, die eine fast reibungslose Umgebung zum App-Einkauf und Content-Konsum bietet.“

Lesen auf dem Tablet: Die schönste Nebensache der Welt?

„Facebook, Pandora, Netflix, Rhapsody, Electronic Arts Games, Zynga, Rovio“ -- kurz vor dem offiziellen Lieferbeginn des Fire-Tablets hat Amazon ein wahres Füllhorn an Apps angekündigt. „In addition to over 18 million movies, TV shows, songs, books, and magazines from Amazon, we are excited to offer customers thousands of apps and games to choose from on Kindle Fire“, so Dave Limp, Vizechef von Amazons Kindle-Abteilung. Ähnlich multimedial gibt sich das offizielle Promo-Video für das Fire-Tablet. „A Kindle for Entertainment, Web, Games, Reading, and more“, heißt es gleich zu Anfang. Amazon präsentiert sich als umfassender Content-Lieferant – anders als bei der Vermarktung bisheriger Kindle-Modelle ist das Lesen von Büchern oder Magazinen nur noch eine Funktion unter vielen. Und auch hier geht es vor allem um Bilder – die „brilliant Colors“ des Kindle Fire eignen sich natürlich vor allem für E-Comics, illustrierte Kinderbücher oder die Fotostrecken elektronischer Zeitschriften.

Vom Lesegerät zum Teleshopping-Tablet

Vom Online-Buchhändler hat sich Amazon eben längst zum digitalen Gemischtwaren-Laden gemausert, und das Fire-Tablet ist das ideale mobile Portal, um die Kunden zu beliefern, vom E-Book über das Streaming-Video bis zum Kühlschrank. So gesehen bildeten die bisherigen E-Ink-Kindles nur einen Teilbereich der Unternehmensstrategie ab. Das Kindle-Tablet dagegen könnte sich zum ultimativen Teleshopping-Instrument entwickeln, wenn es nur massenhaft genug unter die Leute gebracht wird – was auch die starke Subventionierung erklärt, denn die Geräte werden knapp unter dem Herstellungspreis verkauft. Letztlich hat Amazon natürlich nur reagiert, nicht nur auf den Erfolg des iPads, sondern vor allem auf Barnes&Nobles Nook Color – erst mit dem Wechsel vom E-Ink-Reader zum Android Tablet mit Farb-LCD war es dem Hauptkonkurrenten gelungen, dem Kindle Marktanteile abzugewinnen. Allerdings war das bisherige Nook Color noch im Frühjahr 2011 explizit als Lesegerät beworben worden, etwa mit einer geradezu poetischen Video-Serie unter dem Titel „Read forever“.

“Do you want more entertainment?“

Gezeigt wurden Leserinnen und Leser jeden Alters an allem möglichen Orten, eins war allerdings nicht zu sehen: die Barnes&Noble Filialen. Schließlich sollte ja der integrierte E-Store auch den Gang in die Buchhandlung ersetzen. Umso überraschender kommt nun kaum ein halbes Jahr später mit dem Nook Tablet die endgültige Transformation des Lesegeräts zum Multimedia-Surftablet, das auch als solches vermarktet wird. Das Promo-Video für den Nook Color-Nachfolger ähnelt – genauso wie auch das Tablet selbst – wohl nicht zufällig dem Aufbau des Promo-Video für das Fire Tablet. „Hi, I’m Kate“, begrüßt den Zuschauer eine Anchor-Woman in Blau, „so excited to show you the new Nook Tablet, the fastet and lightest Nook Tablet ever, with the best in HD entertainment.“ Erstmal geht’s um Netflix, Hulu, Pandora und Co., also Video- und Audio-Streaming. „Want more entertainment“, fragt Kate? Kein Problem – es gibt auch Games wie Angry Birds. Sodann geht’s um Facebook, Websites mit Flash, E-Mail. „It’s amazing that Nook does so much and is so incredibly fast and responsive“.

Dual-Core-Prozessor führt weg vom Kerngeschäft

Wie beim Fire-Video folgt noch ein Hinweis auf den Dual-Core-Prozessor, und das schlanke Gadget wird schließlich ostentativ in eine Handtasche gesteckt. Ja, es wiegt mit knapp 400 Gramm auch ein Drittel weniger als das „leading tablet“ (was natürlich auf Apples iPad gemünzt ist). Immerhin kommt Kate dann im zweiten Teil des Videos ausführlich auf das Thema Lesen zu sprechen: „Reading on Nook? No other Tablet compares. If you love to read, this is your tablet.“ Barnes & Noble bietet schließlich „mehr als 2,5 Millionen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen“. Und natürlich „farbige Comics und Kochbücher“. Das beste am Nook sei schließlich: „It’s created by Barnes & Noble, the world’s largest bookstore“. Doch gerade das neue Tablet zeigt, wie weit B&N bereits auf dem Weg vom Buchhändler zum digitalen Content-Portal voranschreitet, das zudem Filialen vor Ort betreibt – unter anderem zum Zwecke des Kundendienstes für elektronische Lesegeräte. Nicht ganz zufällig wurde 2010 William Lynch zum neuen CEO gekürt, vormals zuständig für die B&N-Website und die Entwicklung der Nook-Reader. Die Buchbranche befindet sich in einem Umbruch, der sie mit jedem Anpassungsschritt weiter vom ursprünglichen Kerngeschäft wegtreibt. Und zudem immer größere Investitionen fordert, was wiederum viele Unternehmen überfordert, erst recht im mittelständisch orientierten Deutschland. Schon bei den E-Ink-Readern war es schwer, qualitativ Schritt zu halten – bei hoch subventionierten Tablets wie Fire oder Nook ist wohl endgültig die Schallmauer erreicht.

Amazon verkauft Fire-Tablet knapp über dem Herstellungspreis

Fire – diesen Namen darf man wohl wörtlich nehmen. Besonders heiß am neuen Tablet aus dem Hause Amazon ist vor allem der Preis. Das Android-Gadget kostet in den USA lediglich 199 Dollar, und damit deutlich weniger als Apples iPad. Alleine am ersten Tag sollen eData Source zufolge bereits 95.000 Fire-Tablets verkauft worden sein, gegenüber lediglich 25.000 der neuen E-Ink-Modelle des Kindle. Technisch kann das sieben Zoll-Gerät zwar nicht mit Apples Super-Slate mithalten, denn es hat beispielsweise keine Kamera, kein Mikrophon und bietet auch keine 3G/UMTS-Option. Doch dafür bietet das Fire-Tablet die gesamte Palette des verfügbaren Online-Contents, von Streaming-Video und MP3s bis zu E-Books.

Um das neue Tablet unter die Leute zu bringen, hat Amazon knallhart kalkuliert – alleine die Materialkosten liegen nach Berechnungen von IHS isuppli bei knapp 190 Dollar. Teuerste Elemente sind Display & Touch-Screen (veranschlagt mit 87 Dollar) sowie die Platine (veranschlagt mit 70 Dollar). Zu dieser „Bill of materials“ kommen noch etwa 8,50 Dollar Herstellungskosten. Den einzigen Profit, so schätzt IHS suppli, mache Amazon mit dem via Fire-Tablet verkauften Content, nämlich durchschnittlich zehn Dollar pro Gerät. Auch das klingt nicht nach besonders viel Geld.

Doch IHS isuppli macht noch eine ganz andere Rechnung auf:

The real benefit of the Kindle Fire to Amazon will not be in selling hardware or digital content. Rather, the Kindle Fire, and the content demand it stimulates, will serve to promote sales of the kinds of physical goods that comprise the majority of Amazon’s business

Den Löwenanteil von Amazons Umsatz machen nämlich nicht Hardware, E-Books oder Musikfiles aus, sondern Schuhe, Windeln und sonstige Haushaltswaren. Das in den Neunzigern ursprünglich mal als Online-Buchhändler gestartete Unternehmen ist längst einer der weltgrößten Gemischtwarenhändler, der im Jahr 2010 mit diesem bunten Angebot mehr als 34 Milliarden Dollar Umsatz erzielte.

Die Einführung des „Super E-Readers“ namens Fire ist also Teil einer viel breiter angelegten Strategie – es geht um nichts weniger als die marketingtechnische Quadratur des Kreises. Die besteht darin, den Absatz von digitalem Content optimal mit dem Kauf von physischen Waren zu kopplen. So richtig gelungen ist das bisher noch niemandem. Doch wenn die Nutzer auf ihrem Fire Tablet in Zukunft nicht nur elektronische Bestseller bestellen, sondern auch Kühlschränke, Akku-Schrauber und Brausegarnituren kaufen, könnte die Rechnung aufgehen. Wer dagegen nur Thriller liest und TV-Serien streamt, seine Waschmaschine dagegen beim Fachhändler um die Ecke bestellt, darf sich dagegen fast schon als subversiv fühlen.