See you later, Aggregator: Newsgrape nach dem Relaunch

Kaum ein Web-Projekt hat so konsequent auf die Crowd & Social Media gesetzt wie Newsgrape. Die Anschubfinanzierung des „Youtubes für Texte“ lieferten Massenspenden aus dem Netz, und auch für den Content und dessen Bewertung war die Web-Community verantwortlich. Die kritische Masse ließ dann allerdings auf sich warten – und stellte Newsgrape vor das klassische Henne-Ei-Problem. Denn ohne genügend originären Content gab es zu wenig Leser, und mangels Lesepublikum fehlte die Motivation für Newsgrape-Autoren, neue Artikel zu posten. Da half es auch wenig, dass Newsgrape den Autoren eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen versprach. Als die Funds der Crowd ein knappes Jahr nach dem Launch zur Neige gingen, stellte sich das österreichische Startup die Frage: was soll eigentlich unser Kernfeature sein? Das führte zum Kurswechsel von der kollaborativen Schreibplattform in Richtung community-gesteuertem Aggregator. Die finanziellen Mittel für den „major pivot“ lieferte eine Kapitalspritze der Mailänder Investmentfirma 99 Fahrenheit.

Nachrichten und Meinungen

Das Ergebnis kann sich bereits graphisch durchaus sehen lassen – für das neue Look&Feel zeichnet die Wiener Designschmiede „vonautomatisch“ verantwortlich. Funktionales Herzstück von Newsgrape 2.0 ist aber der neue Aggregator selbst, ein Produkt der auf semantische Software spezialiserten New Yorker Firma „Yoor“. Gespeist wird Newsgrape in Zukunft nicht nur von unabhängigen Blogs, sondern mit dem Content professioneller Medienpartner, die Spannbreite reicht dabei von GigaOM oder GizModo bis zu BBC News und Washington Post. Auf dem persönlichen Profil stellt man sich je nach Vorlieben das eigene Nachrichten-Menü zusammen. Dazu stehen verschiedene Filter zu Verfügung. Ähnlich wie bei Google News kann man etwa Themenlisten nach bestimmten Keywords erstellen. Die Reihenfolge der Artikel richtet sich nach Beliebtheit oder Neuigkeit. Ein Schieberegler lässt sich zudem in Richtung „Nachrichten“ oder „Meinungen“ bewegen. Unter „Meinungen“ findet man dann auch die Stimmen der Newsgrape-Blogger selbst. In der Seitenleiste werden nach dem selben Prinzip neben „verwandten Artikeln“ auch „verwandte Meinungen“ angezeigt.

Deutsche News-Quellen müssen draußen bleiben

Die inhaltlichen Auswirkungen des Newsgrape-Relaunches sieht man ebenfalls auf den ersten Blick – dem unerschöpflichen Strom aus mehr als 5.000 überwiegend englischsprachigen Nachrichtenquellen steht eine zahlenmäßig weitaus geringere Community von überwiegend deutschen und österreichischen Newsgrape-Autoren gegenüber. Newsgrape sieht momentan also eher so aus wie demnächst Google News nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes made in Germany – also wie ein Aggregator für Online-Quellen aus den USA oder Großbritannien, während die deutschen Stimmen vornehm schweigen. Dass Spiegel Online, Süddeutsche.de oder faz.net nicht mit dabei sind, liegt dabei tatsächlich wohl schon jetzt an den juristischen Fallstricken, die hierzulande beim Einbinden von fremden Content lauern. Für Blogger dagegen ist es deutlich leichter geworden, ihre Blogtexte bei Newsgrape zweitzuverwerten – dafür sorgt ein WordPress-Plugin, mit dem sich Inhalte automatisch crossposten lassen.

Auf die Größe der Community kommt es an…

Mit diesem Kniff ist vielleicht auch die Abschaffung des bisherigen „Magazin-Systems“ zu verschmerzen, das mehreren Autoren direkt auf Newsgrape das kollaborative Schreiben ermöglichte. Die Alternative besteht nun also darin, Inhalte eines kollaborativen Blogs in Richtung Newsgrape weiterzuleiten. Bleibt natürlich die Frage nach der Motivation von Bloggern wie auch Lesern. Die steht und fällt wie bisher mit dem Traffic: Blogger wollen gelesen werden, Leser wollen frischen Content. Ob Newsgrape nach dem Kurswechsel nicht nur vor sich hindümpelt, sondern mit Volldampf in Richtung Profitabilität kreuzt, hängt somit insgesamt von der Größe der Community ab. Insofern könnte gerade die Internationalisierung via News Aggregator eine Chance bieten, denn im englischen Sprachraum dürfte die kritische Masse schneller zu erreichen sein. Newsgrape-Mitgründer Leo Fasbender ging bereits mit gutem Beispiel voran – und verlagerte seinen Schreibtisch nach San Francisco.

Zeitung lesen auf dem E-Book-Reader: Calibre macht’s möglich

Zeitungen auf dem E-Book-Reader lesen? Das geht nicht nur mit dem Amazon Kindle, sondern praktisch mit jedem E-Book-Reader, auch wenn er nicht WLAN-fähig ist. Es geht sogar für umsonst: Denn zahlreiche Online-Zeitungen (z.B. taz, Le Monde, The Guardian) bieten ihre Artikel nicht nur auf der Homepage als Volltext an, sondern ermöglichen auch das Mitlesen über einen RSSFeedreader. Alles, was dazu noch fehlte, war ein Programm, das nicht nur die Feeds einsammelt, sondern auch den Feed eines Tages in ein E-Book verwandelt und auf den Reader überträgt. Mittlerweile gibt es einen „E-Book-Library Manager“ namens Calibre, der für diesen Zweck tatsächlich genau das richtige Kaliber hat: Calibre ist Feed-Aggregator, Konvertierungs- und Syncingprogramm in einem. (mehr …)