FAZ-App für iPhone & iPod Touch: Konservativer Inhalt, progressive Verpackung

faz-iphone-app-test Mit der FAZ-App ist nun auch das letzte große überregionale Blatt auf Apples Touch-Screens angekommen. Optisch kann sich die FAZ für iPhone & iPod Touch durchaus sehen lassen – personalisierbare Übersichten, bunte Bildergalerien sowie Börsen-Charts & Bundesliga-Liveticker macht die konservative Frankurter Allgemeine Zeitung medial progressiver als das vergleichbare Angebot der alternativen taz („itaz-App“). Testen kann man die FAZ-App zur Zeit noch kostenlos, nach der Einführungsphase sind pro Monat 2,99 Euro zu berappen.

Die „F“-App: Gotische Lettern in Apples Store

Gotische Lettern im App-Store – allen voran ein kapitales „F“. Wenn die FAZ-App eins beweist, dann vor allem das: Auch die deutschen Konservativen kommen ab und zu um ein paar Zugeständnisse an den Zeitgeist nicht herum. Das zeigte sich unlängst bei der veränderten Haltung zur Rechtschreibreform, das zeigt sich aber ebenso bei der Abkehr vom „Bilderverbot“ auf der ersten Seite. Was die ganz neuen Medien betrifft, pflegt die Frankfurter Allgemeine Zeitung ohnehin einen gesunden Pragmatismus – mit faz.net leistet man sich nämlich seit 2001 ein redaktionell eigenständiges Internet-Portal. Und das mit Erfolg: regelmäßig kam man in den letzten Jahren in die Top Ten der meistbesuchten deutschen Nachrichten-Websites. Mit der iPhone-App haben sich die Frankfurter deutlich Zeit gelassen , offenbar wollte man Flüchtigkeitssfehler vermeiden: „Wir haben uns entschieden, Know-how aufzubauen, bevor wir ein Angebot starten“, so Hans Wachtel, Leiter Elektronische Medien, gegenüber HORIZONT.

Statt Bling-Bling der dezente Hauch einer Business-Lounge

Was das Look&Feel der FAZ für’s iPhone betrifft, hat sich die Abwarte-Strategie ganz offensichtlich gelohnt. Optisch setzt sich die FAZ-App tatsächlich wohltuend von den Angeboten der Konkurrenz ab, vor allem im Vergleich zur WELT-App aus dem Hause Springer. Es gibt vor allem in der Menuführung weniger Bling-Bling, stattdessen konzentriert sich die App auf das Wesentliche: Nachrichten und die dazu passenden Bilder. Die farbliche Gestaltung von Hintergründen und Icons setzt vor allem auf Schwarz, Grau und ein bisschen beige – herausgekommen ist der dezente Hauch einer ledernen Business-Lounge. Insgesamt 15 Rubriken bekommt der Nutzer auf das Display – neben Politik, Wirtschaft und Sport zählen dazu auch FAZ-typische Bereiche wie Kunstmarkt, Immobilien und Lokales aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das FAZ-Feuilleton ist in besonders hervorgehobener Position präsent – einmal pro Woche gibt’s auf dem iPhone nämlich aktuelle Empfehlungen der Redakteure von Literatur und Theater bis zu Film und Comic.

Eins bietet die App nicht: ein E-Paper der Druckversion

Besonderen Wert gelegt haben die Macher auf die Personalisierung des Angebots. Über das Menu „Konfigurieren“ kann man die Reihenfolge der Rubriken auf der Startseite ändern, ebenfalls die Anzahl der jeweils in der Übersicht angebotenen Artikel. Recht komfortabel zusammenstellen lässt sich auch die Offline-Version. Wer Rubriken wie Rhein-Main oder Kunstmarkt nicht braucht, kann sie bei der Wahl der Download-Bereich einfach auslassen. Wer unterwegs die Börsenkurse studieren möchte, wird mit der FAZ-App ebenfalls bedient, es gibt zu allen wichtigen Werten und Indizes eine Kurzübersicht und ausführliche Charts. Verglichen mit dem Format der gedruckten Ausgabe ist das iPhone-Display winzig – trotzdem sind viele Inhalte auch in FAZ-typischer Länge gut in das digitale Format gebracht worden. Eins ist die App allerdings nicht – ein umfassendes E-Paper der Zeitung aus Papier. Es bleibt abzuwarten, ob eine zukünftige iPad-App dieses Manko beseitigt. Zugleich fehlt der iPhone-App aber auch etwas faz.net-typisches: die Stimme der Blogger aus der FAZ-Community nämlich. Den Netzökonom Holger Schmidt oder das Fernseh-Blog von Niggemeier und Schader muss man also weiter via Browser lesen. Den Abonnenten der gedruckten FAZ wird das egal sein, für sie ist die Nutzung der App kostenlos. Für alle anderen wird sich nach der Einführungsphase die Frage stellen, ob die FAZ-App in dieser Form ihre 2,99 Euro pro Monat wert ist.