Auftragskiller aus der Anderwelt: Anna Kleve, Das Geheimnis seiner Aura [Leseprobe]

geheimnis-seiner-aura-introArawn ist ein Peryton, ein Mischwesen mit übernatürlichen Kräften — und zugleich ein gefürchteter Auftragskiller. Seine neueste Mission führt ihn in die Welt der Menschen: er soll den Studenten Erik um die Ecke bringen, ein auf den ersten Blick erstaunlich gewöhnliches Wesen ganz ohne magische Kräfte. Merkwürdig scheint nur Eriks starke Aura — was hat es damit auf sich? Arawn wird neugierig, und beginnt sogar, Erik zu beschützen, um hinter sein Geheimnis zu kommen. Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege — ausgerechnet Arawn und Erik führt es schließlich auf eine Reise zur legendären Trollhexe, und in den Kampf gegen gemeinsame Feinde aus der Anderwelt. Doch kann ein Peryton einem Menschen am Ende etwas anderers bringen als den Tod? Eins ist schon mal klar: Anne Kleves neuer Fantasy-Roman „Das Geheimnis seiner Aura“ bleibt spannend bis zum Schluss… Wer mehr über Arawn und seinen Auftrag erfahren will, kann gleich hier loslesen.


Anna Kleve: Das Geheimnis seiner Aura

1. Arawn – Killer


Ich habe nie daran gedacht, dass ich einmal zum Beschützer werden würde. Bei allem was ich in über 2000 Jahren getan habe, war eine Laufbahn als Bodyguard niemals in meinen Gedanken aufgekreuzt. Nur das Schicksal geht manchmal andere Wege und nimmt einem jegliche Wahl. Ich zumindest hatte ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Wahl mehr gelassen bekommen …

Ich war ein Killer. Seit annähernd 2300 Jahren, um es genau zu nehmen. Mitgefühl, Freundlichkeit, Gnade – alles Worte, die für mich schon seit der Gründung der Stadt Aksum keine Bedeutung mehr hatten. Das brachte ein ganz bestimmtes Thema mit sich, über das ich nicht nachdenken wollte: Einsamkeit. Größer als die Antarktis, die größte Wüste der Welt – wenn auch eine Eiswüste. Nicht, dass ich mir je erlaubte darüber nachzudenken. Es war nicht wichtig, denn es gab nichts was ich weniger wollte, als … Gemeinsamkeit. Ich war nicht immer … alleine, aber ich hatte auch zu niemandem eine tiefe Verbindung.
Wenn jemand mich gefragt hätte, wie ich zu einer Karriere als Mörder gekommen war, würde ich antworten, dass mir der Tod im Blut liegt. Das wäre nicht einmal gelogen gewesen. Angefangen hatte es allerdings mit einer jungen Frau. Fast noch ein Mädchen. Atemberaubend schön und herzzerreißend unschuldig, nicht dass es mich interessiert hätte. Die nebelverhangene Abendröte schwand an jenem Abend gerade und die samtene Schwärze der Nacht streckte unaufhaltsam die Fühler aus, genau wie die Kräfte des Todes mein Blut erfüllten und sich unaufhörlich nach dem Leben dieses magischen Kindes – einer jungen Fairy – ausdehnten. Ich sah sie unter den Bäumen stehen, deren Blätter sich bereits herbstlich verfärbt hatten. Ein kurzer Windhauch ließ etwas von dem gefallenen Laub aufwirbeln und ich konnte den schweren Duft des Herbstes riechen: feucht und erdig. Der Geruch von etwas das ging und erst Monate später wiederkommen würde. So wie ich bereits wusste, dass ihr Leben gehen würde, nur mit dem Unterschied, dass dieses Leben niemals zurückkehren würde. Ich trat aus dem Schatten der Bäume und ließ das Laub unter meinen nackten Füßen rascheln. So wie ich dieses Geräusch bewusst hervorrief, konnte ich mich auch absolut lautlos bewegen. Je nach Bedarf. Die Frau – nein, eher doch ein Mädchen – drehte sich zu mir herum. Ihre leuchtend blauen Augen – rein und klar, wie ein Gebirgsquell – sahen mich geweitet an. Ich wusste was sie sah. Ein Mann, mit pechschwarzem Haar, zwar nicht allzu groß, aber muskulös, attraktiv – ohne dass ich angeben wollte. Es war klar, dass sie die schönsten Männer der Welt kannte – immerhin war sie eine Fairy und kannte die anderen wunderschönen Fairy: Männer wie Frauen – und doch sah sie mich mit dieser Mischung aus Erstaunen, Bewunderung und Faszination an. Ich hatte erst später begriffen, was es tatsächlich war. Nicht nur das Aussehen, es war noch etwas anderes. Die Aura von Gefahr und Dunkelheit, die besonders die … Guten … anzog. Geschöpfe, wie sie. Das Mädchen kam näher auf mich zu. Ein Lächeln erschien auf ihren vollkommenen Zügen. Von ihrem Körper strahlte eine angenehme Wärme aus, während mein Körper nach und nach zu Eis gefror. Ihr Atem streifte meine Wange, wie ein sanfter Blütenhauch. Zu sanft, für meinen Geschmack. Das Eis des Todes wanderte bis in meine Fingerspitzen. Sie kam noch etwas näher. Ich konnte ihren Duft von Rosenblüten wahrnehmen. Es hätte mich kaum weniger locken können. Meine plötzlich so eisigen Finger schlossen sich um den Dolch an meinem Gürtel. Die Kristalle am Griff kratzten an meiner Haut. Ich spürte wie die Finger des Mädchens meinen Handrücken berührten, warm und weich. Erst da zuckte sie vor mir zurück, als sie die Kälte spürte. Ein flüchtiges Lächeln huschte über meine Lippen. Ihr Leben war vorbei, bevor ich den Dolch überhaupt gezogen hatte, denn ich konnte ihre Lebensenergie bereits versiegen spüren. Einen stetigen Strom, der immer langsamer und schwächer floss. Das zu bemerken dauerte nur einen Sekundenbruchteil. Ich zog den Dolch hervor und griff nach ihrer Hand. Die so schönen und reinen Augen des Mädchens waren weit aufgerissen, als sie die Kälte des schleichenden Todes nun deutlicher fühlen konnte. In den blauen Tiefen konnte ich erkennen, dass sich nun Angst in ihr ausbreitete. Bevor die Angst sie auch nur zu einer winzigen Reaktion veranlassen konnte, hatte der Dolch in meiner Hand sich durch ihren Oberkörper gebohrt, zwischen zwei Rippenbögen hindurch und direkt ins Herz. Der Dolch und die Kristalle – eine Konstruktion meines Vaters – begannen vor Lebenskraft zu pulsieren. Ich lächelte zufrieden, als ich die Kraft darin spürte. Der Funke des Lebens verschwand schnell aus den blauen Augen, die nicht länger strahlten und funkelten. Die Lebensenergie strömte wie ein gewaltiger Strom in mich hinein. Ihr Körper wurde kalt und leblos. Die Schönheit im Tod eingefroren. Ich begann zu zittern. Immer mehr Kraft flutete mich und ihr Körper entglitt meinen Händen. Es war rein, kraftvoll, beinahe übermächtig. Mein Dolch fiel zu Boden. Ich wich zurück. Angst breitete sich unendlich weit in meinem Körper aus. Zu spät! Es wurde mir zu spät bewusst. Ich liebte es. Diese Kraft, diese Energie. Es war nicht zu vergleichen mit den Tieren, die ich getötet hatte, um zu leben. Ich würde es nie vergessen. Nein! Ich wollte es immer wieder spüren. Es konnte süchtig machen. Dieses Aroma hatte mich bereits süchtig gemacht. Ich würde mich nicht mehr nur mit Tieren begnügen können. Das war mir sofort klar gewesen. Nicht, dass es mein Gewissen je besonders belasten würde.
Ich kehrte unbemerkt nachhause zurück. Es war nicht verwunderlich, dass mein Auftraggeber bereits alles was ich gefordert hatte dort hinterlassen hatte. Natürlich! Niemand würde jemals daran zweifeln, dass ich ein Opfer töten würde. Ich war der Geist des Todes: Arawn, der Peryton, der das Leben seiner Opfer verschlang, ohne dabei Skrupel zu verspüren. Das kleine, fast zerbrechlich wirkende Instrument blieb auf der Bank liegen, während ich das glänzende Schwert aufhob. Mein Dolch lag immer noch hunderte Meter entfernt neben einer Leiche. Er war die Vergangenheit. Beinahe. Eines musste ich noch erledigen. Das Schwert in meiner Hand dagegen die Zukunft. Ein seltenes Stück. Über 2000 Jahre später vollkommen einzigartig. Und mit diesem Schwert war ich am trainieren, als ich den Auftrag erhielt, der mein Leben für immer auf den Kopf stellen sollte.

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Autorin & Copyright: Anna Kleve

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Anna Kleve,
Das Geheimnis seiner Aura
E-Book (Kindle Shop) 2,99 Euro

[Leseprobe] Drei gegen den Weltenbrand: Sarah Marie Keller, Ein dunkler Funke

dunkler-funke-introWas für Gefährten: ein Mensch namens Garian, eine Elfe namens Taya, soweit so gut. Doch ein Mensch, eine Elfe, und ein Ork? Kann das gutgehen? In Sarah Marie Kellers Fantasy-Roman „Ein dunkler Funke“ – geschult an Vorbildern wie Tolkien, Holhbein oder Paolini – geht das durchaus. Der Ork Uruk ist kein Krieger, sondern ein Bücher verschlingender Gelehrter. Und er weiß: fünfhundert Jahre nach dem „Weltenbrand“, dem grausamsten Krieg aller Zeiten, ausgefochten mit magischen Waffen, droht neue Gefahr. Damals war es dem legendären Erlöser Dalan zu verdanken, dass die Völker der Menschen, Elfen und Orks der völligen Vernichtung entgingen. Dalans letzte Prophezeiung jedoch schwebt seit dem als Drohung über den freien Königreichen: eines Tages wird ein zweiter Weltenbrand das schwarze Feuer über die Erde bringen. Doch wer wird Menschen, Elfen und Orks diesmal erlösen? Als die Gefährten Darian, Taya und Uruk im tiefen Wald dem Magier Noa begegnen, wird schnell klar: sie werden eine wichtige Rolle spielen, wenn der dunkle Funke den neuen Brand entzündet. Unsere Leseprobe führt direkt ins erste Kapitel…


Sarah Marie Keller, Ein dunkler Funke

1. Kapitel: Garian

Ich kann es schaffen, dachte Garian Daralos. Seine Stirn stand wie der Rest seines Körpers in Schweiß und durchnässte sein Stirnband, während sein dunkelblondes Haar in dünnen Strähnen zusammenklebte. Heute kann ich ihn besiegen!
Der junge Mensch täuschte einen Schritt zurück an, doch im selben Moment ließ er sein hölzernes Übungsschwert vorpreschen, direkt auf die gepanzerte Brust seines Gegners zu.
Noch in der selben Sekunde wurde der Angriff abgewehrt. Als die andere Waffe sein Schwert traf, spürte Garian das Holz vibrieren und seinen Arm schmerzen.
„Ist das alles, was du zu bieten hast?“ fragte die blechern klingende Stimme seines Gegners. Der große Ritter war in pechschwarze Kleidung gehüllt, über der er eine pechschwarz lackierte Rüstung trug. Die breiten Schulterstücke und der mächtige Brustpanzer aus Terylium ließen ihn übermenschlich wirken. Das heruntergeklappte Helmvisier verdeckte sein Gesicht vollständig und verzerrte seine Stimme. In den Panzer waren Ornamente eingearbeitet, die an dornenbesetzte Rosenranken erinnerten. Der sanfte Sommerwind spielte mit einem nachtblauen Umhang.
Der schwarze Ritter ließ sein Schwert wirbeln. Jede seiner Bewegungen schien ein tödlicher Tanz. Garian wusste, dass er nur mit ihm spielte.
Der Junge griff wieder an, sein Schwert zuckte voran, aber sein Gegner parierte in der selben Sekunde. Garian wirbelte herum, sein Angriff wurde wieder abgewehrt. Er täuschte einen Ausfall zur Seite an, sein Gegner fiel darauf herein. Garian glaubte, eine Chance zu haben, er schwang seine Waffe so schnell, dass ihr das Auge kaum folgen konnte – doch im richtigen Moment tauchte das Schwert des Gegners auf, um seinen Schlag abzufangen.
Nun griff der Ritter an. Seine Schläge kamen so schnell hintereinander, dass Garian beinahe schwindlig wurde. Das Schwert durchschnitt pfeifend die Luft, als spielte es zu dem Tanz eine kleine Melodie.
Die ersten fünf Hiebe konnte Garian mehr aus Reflex als durch Benutzung seines Verstandes abwehren; einmal wäre er getroffen worden, wäre er nicht wie ein Frosch zur Seite gesprungen. Ihr Götter, dachte er und schluckte. Wie konnte ein Sterblicher nur so kämpfen? Die breite Rüstung schien den Ritter nicht im geringsten zu behindern. Jede seiner Bewegungen wirkte perfekt choreographiert, wie ein tödlicher Tanz.
Garian rang nach Atem, während Schweißtropfen seine Stirn herunter liefen. Sein Brustkorb ging auf und ab, und seine Beine zitterten vor Erschöpfung, doch er ließ sein Gegenüber nicht aus den Augen.
Der Ritter gönnte ihm eine nur Sekunden dauernde Verschnaufpause, als er angeberisch sein Schwert in der Hand wirbeln ließ. Im nächsten Moment sprang er Garian wie ein Raubtier an. Der Junge erschrak, sein Schwert zuckte hoch, er konnte den Angriff gerade noch abwehren. Und dann ging es weiter. Parieren, Ausweichen, Schlagen, Parieren, Antäuschen, Rückzug, Angriff – das alles in einem atemberaubenden Tempo, so dass ein ahnungsloser Zuschauer denken konnte, die Götter trieben die Zeit für die beiden voran.
Bereits seit einer Stunde kämpften sie auf dem Übungsgelände der Sturmklingen, einem sandigen, von hohen Mauern umgebenen Gelände, ganz in der Nähe des königlichen Palastes. Hier und da standen Soldaten aus Holz, die darauf warteten, in Kampfübungen zu Sägespänen verarbeitet zu werden. Hinter den Mauern konnte man die Ziegel der umgebenen Häuser erkennen. Überall um Garian herum war das Zeichen des Ordens zu sehen: zwei gekreuzte, weiße Schwerter.
Hier wurden die Sturmklingen zu begnadeten Kämpfern ausgebildet, lernten den Umgang mit Schwert und Armbrust, Pfeil und Bogen, Lanze und Speer, und auch den Kampf mit keinen anderen Waffen als ihren bloßen Händen, die den anderen Kampfinstrumenten an Tödlichkeit in nichts nachstanden.
Garian dankte den Göttern, dass an diesem warmen Nachmittag keine anderen Sturmklingen zugegen waren, um mit anzusehen, wie er zum tausendsten Mal einen Kampf verlor.
Nein! sagte er sich entschlossen, während er pausenlos und unter Aufbringung all seiner Kraft die Hiebe seines Gegners parierte. Ich kann ihn besiegen! Ich habe so viel gelernt!
Er sah sein eigenes, von Entschlossenheit verzerrtes Gesicht in dem faustgroßen, weißen Kristall widerspiegeln, der auf dem Brustpanzer seines Gegners funkelte, dort, wo das Herz saß. Ohne dass er es bemerkte, trieb ihn der Ritter immer weiter zurück, einer der Wehrmauern entgegen.
Garian war siebzehn Jahre alt. Seit er denken konnte, war er nur von einem einzigen Wunsch erfüllt gewesen: eines Tages auch zu den königlichen Rittern zu gehören. Eine Sturmklinge zu werden und das Königreich vor seinen Feinden zu schützen. Mit dreizehn Jahren hatte er begonnen mit dem Schwert zu trainieren, lernte waffenlose Angriffstechniken und zu denken wie ein Ritter des Königreiches Minaskai.
Es nutzte alles nichts. Egal, wie sehr er sich auch anstrengte, er hatte niemals gewonnen.
Das Schwert des Ritters, ebenfalls aus Holz, durchschnitt die Luft und traf erneut auf Garians Schwert. Doch diesmal war die Wucht des Aufpralls so hart, dass Garian, ohnehin durch seine Gedanken abgelenkt, ungewollt seinen Griff lockerte. Sein Schwert flog durch die Luft und blieb auf dem sandigen Boden liegen.
Nein! NEIN!
Und wieder ein verlorener Kampf. Der wievielte war es? Garian hatte keine Ahnung, aber er war sicher, dass die Zahl seiner Niederlage mittlerweile die Millionengrenze überschritten hatte.
Fassungslos blickte er seinem Schwert nach; in der selben Sekunde legte sich der dunkle Schatten des Ritters über ihn. Sein Gegner hielt den Griff seiner hölzernen Klinge mit beiden Händen und zielte mit der Spitze auf Garians Herz. Die Sonne schimmerte matt auf seiner finsteren Rüstung und Garian konnte nicht einmal seine Augen erkennen: das Gesicht blieb nach wie vor hinter dem finsteren Visier verborgen.
„Du bist geschlagen“, sagte der Ritter. Seine Stimme war trocken und nüchtern, doch durch den Gesichtsschutz hindurch klang sie metallisch. „Du bist tot.“
Garian wollte rückwärts fliehen, doch eine Mauer hielt ihn auf. Er wollte zur Seite ausweichen, doch sein Gegner war schneller: Garian spürte das harte Schwert, das ihm an die Rippen stieß. Eigentlich war es nicht sehr schmerzhaft, trotzdem tat es ihm so weh, dass er hätte schreien können.
Du bist tot. Die Worte seines Gegners hallten in seinem Kopf wider, jede einzelne Silbe war ein Stich in sein Herz. Egal, was ich tue, ich verliere immer. Er spürte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte.
„Garian?“
Nun, wo der Kampf vorbei war, schlich sich der Junge an seinem Gegner vorbei. Mit herabgesunkenen Schultern und gesenktem Haupt marschierte er auf der Suche nach seinem Schwert über das staubige Übungsgelände. Wem mache ich eigentlich etwas vor? überlegte er.
„Garian? He, ist alles in Ordnung?“
Vielleicht war er gerade gut genug, um Schweinehirt oder Maurer zu werden. Aber ein Ritter der königlichen Streitkräfte? Niemals!
Er bückte sich und hob sein Holzschwert vom Boden auf. Die Waffe sah aus, als habe ein Ork seine mächtigen Hauer daran ausprobiert. Warum kann ich mich nicht damit abfinden? Ein bitteres Lächeln umspielte seinen Mund, als er daran dachte, wie er vorhin wirklich davon überzeugt gewesen war, eine Chance zu haben!
Eine Hand legte sich auf seine enttäuschte Schulter. Eine sanfte Stimme sagte: „Nimm es nicht so schwer. Du hast hervorragend gekämpft.“
Garian drehte sich nicht um. „Das sagst du nur, um mich zu trösten.“
„Garian, sieh mich an.“ Die Stimme wurde ernster, fordernder. Garian drehte sich um. Der Ritter hatte mittlerweile seinen Helm abgenommen. Darunter kam ein schmales, menschliches Gesicht mit vorstehenden Wangenknochen zum Vorschein. Ein kurzer Bart umrahmte die Oberlippe und das energische Kinn. Das volle Haar des Mannes war wie das Garians schweißverklebt. Es war tiefschwarz wie Kohlen, doch an den Schläfen bereits ergraut. Graublaue Augen unter dicken, schwarzen Brauen blickten Garian ernst an. Ihre Farbe erinnerte an Stahl. Die Nase war groß und markant und ließ an den Schnabel eines Falken denken.
Jeder Mensch, jeder Elf und jeder Ork in Minaskai und weit über die Grenzen des Königreiches hinaus kannte Kelrik Daralos, den Paladin von Königin Lyndira, Oberbefehlshaber des Ordens der Sturmklingen und Held der Schlacht von Sakarran.
„Du hast gut gekämpft“, wiederholte Kelrik. „Du kannst es mir glauben.“
„Und warum habe ich dann verloren?“ fragte Garian.
„Weil ich älter bin und mehr Kampferfahrung besitze“, antwortete sein Vater und seine Stimme wurde wieder sanfter. „Und als ich mit deiner Ausbildung begonnen habe, hast du selbst gesagt, dass ich es dir nicht zu leicht machen soll. Erinnerst du dich?“
Garian wusste das. Trotzdem: Hin und wieder ein kleiner Sieg würde sein Selbstbewusstsein wenigstens etwas stärken!
„Noch ein paar Monate“, fuhr Kelrik fort, „und du hast gute Chancen, mich zu besiegen.“
„Ein paar Monate“, wiederholte Garian. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Er sah seinen Vater nicht an, als er sagte: „Vielleicht wird aus mir doch kein guter Ritter…“
„So einen Unsinn will ich nicht hören!“ sagte der Paladin. „Aber wenn du so leicht aufgibst, dann hast du Recht. Du wirst es nur schaffen, wenn du weiter an dir arbeitest. Glaub mir. Nichts im Leben ist einfach, aber wenn du deine Ziele mit starkem Willen und Selbstdisziplin verfolgst, dann kannst du alles erreichen.“
Garian hatte diese Worte schon so oft gehört, dass sie für ihn nicht mehr wie die ultimativen Lebensweisheiten klangen, sondern einfach nur noch tröstende Platitüden waren. Er wünschte sich, daran glauben zu können, doch es gelang ihm nicht mehr. Dafür hatte er einfach zu viele Niederlagen wegstecken müssen…
Garian begleitete seinen Vater, den Paladin, zu dem kleinen Steingebäude am Rande des Übungsgeländes, das in einen größeren Häuserkomplex überging, von dem aus die erfahreneren Ritter die Fortschritte ihrer Rekruten überwachten. In einem mit verschiedenen Waffen geschmückten, hellen Raum schälte sich Kelrik aus seiner Rüstung. Er legte den stählernen Panzer auf einem eigens dafür entworfenen Gebilde ab, das Garian an die Modepuppe eines Schneiders erinnerte.
„Vater“, begann Garian, während Kelrik ihm ein Handtuch zuwarf, mit dem er sich den Schweiß abtrocknen konnte. „Hast du über Tayas und meine Bitte nachgedacht? Ich meine, ob wir heute Nacht in den Wäldern übernachten dürfen?“
Kelrik wischte sich über den Nacken. Er hatte die oberen Knöpfe seiner schwarzen Jacke, die er unter der Rüstung getragen hatte, aufgeknöpft. „Natürlich“, sagte er.
„Und?“
„Du weißt, dass ich eigentlich dagegen bin, Garian. Ich möchte nicht, dass du oder deine Schwester so weit weg von der Stadt seid, ohne die Begleitung eines Erwachsenen.“
„Ja“, antwortete Garian langsam. „Ich weiß.“
„Von mir aus dürft ihr gehen.“
„Aber wir können auf uns selbst aufpassen! Wir…! Moment, was hast du gesagt?“
Kelrik lächelte. „Ich sagte, ihr dürft gehen. Ich erlaube es. Denn du hast Recht. Ich glaube, ihr könnt wirklich auf euch aufpassen. Ihr seid keine Kinder mehr, auch wenn es mir schwerfällt, das einzugestehen.“
Garian begann, über das ganze Gesicht zu strahlen. „Wirklich? Wir dürfen gehen? Allein?“
„Wenn ihr mir versprecht aufzupassen und morgen wieder zurück zu sein, ja.“
„Danke, Vater!“ Die Reise in die Taravan-Wälder, einige Meilen westlich der Stadt, war ein Abenteuer, das er zusammen mit Taya und Uruk schon so lange geplant hatte – und jetzt wurde es Wirklichkeit! Es half Garian über seine heutige Niederlage hinweg. So, wie sein Vater es wahrscheinlich beabsichtigt hatte. „Ich gehe sofort, um es Taya und Uruk zu sagen!“
„Natürlich, tu das“, meinte Kelrik. Als Garian bereits zur Tür gerannt war, rief der Paladin seinen Sohn zurück: „Garian. Bitte nimm dir meine Worte zu Herzen. Sie sind die Wahrheit, auch wenn du es im Moment nicht glauben kannst.“
„Das werde ich“, versprach Garian. „Ich danke dir.“
„Und noch etwas.“
„Ja?“
Kelrik lächelte. „Ich würde mich an deiner Stelle waschen und frische Kleidung anziehen.“
Garian sah herab auf seine durchgeschwitzten Sachen. Seine Antwort bestand aus einem dankbaren Grinsen. Dann lief er los.

Der Paladin blieb allein zurück. Er spürte einen Schmerz in seiner Brust, den er die ganze Zeit verdrängt hatte. Aus seinem Sohn würde eines Tages eine formidable Sturmklinge werden, vielen der gegenwärtigen Rekruten jetzt schon überlegen. Und genau das war es, was ihm schmerzte.
Denn Sturmklingen waren die Verteidiger des Königreiches.
Und manchmal wurden sie dabei getötet.

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Autor & Copyright: Sarah Marie Keller

Ein-dunkler-Funke
Sarah Marie Keller, Ein dunkler Funke (Dalans Prophezeiung, Band 1)
E-Book (Kindle Shop) 0,99 Euro
Taschenbuch (Createspace) 9,99 Euro

Just call me Lucifer: „Teufel“ – diabolischer Fantasy-Thriller von Markus Tillmanns [Leseprobe]

Ein Komet auf Kollisionskurs? Ein Ufo mit Aliens an Bord? Nein, es ist … Luzifer! Das anfängliche Deep Impact Szenario dieses Fantasy-Thrillers wandelt sich zur Offenbarung mit Liveberichterstattung: in Markus Tillmanns „Teufel“ entpuppt sich das unbekannte Wesen aus dem All rasch als ein altbekanntes Unwesen. Der Flügelmann aus biblischen Zeiten landet nicht in der Wüste von Nevada, sondern vor dem Kölner Dom, und verkündet: „Ich bin das Ende. Ich bin Luzifer.“ Lokaljournalist Joschi Tabarie wittert den Scoop seines Lebens. Eilig werden Pressekonferenzen einberufen, Bundespräsident Gauck kündigt eine Rede an, Wladimir Putin zeigt sich Gesprächen gegenüber aufgeschlossen, im Vatikan hält man sich erstmal zurück. Auch Tabarie bleibt mißtrauisch: Was hat Luzifer vor? Wird die Welt wirklich zum Teufel gehen? Kann man den Plan des gefallenen Engels noch durchkreuzen? „Teufel“ ist Auftakt der Fantasy-Serie „Die Luzifer Chroniken“, und wurde kürzlich für die Nautilus-Shortlist nominiert. Unsere Leseprobe führt in das erste Kapitel, weitere Offenbarungen bietet die „Blick ins Buch“-Option im Kindle Shop…

Markus Tillmanns: Teufel – Fantasy-Thriller

1. Kapitel „Offenbarung“
(…)
Luzifer

»… konnten wir den Kardinal noch nicht zu einer Stellungnahme bewegen. Es scheint ganz so, als wäre die Kirche durch die unfassbaren Ereignisse dieses Tages in eine Schockstarre verfallen. Ich höre soeben, wir haben jetzt eine Verbindung zu Polizeipräsident Albers. Verstehen Sie mich, Herr Albers? …«
Der Fernseher lief ununterbrochen. Li war es nur recht. Solange Onkel Jakob davor saß, war sie ungestört. Leider war Onkel Jakob schwerhörig und der Ton dröhnte durch das ganze Haus. Li hatte eben die Tür zugemacht, aber es half nichts.
Sie sah die Puppen auf ihrem Bett an. In der Mitte saß Emily. Emily war immer besonders ängstlich, weil sie keinen Fehler machen durfte. Heute war sie so leise gewesen, dass man sie überhaupt nicht gehört hatte.
»Brave Emily«, sagte Li und strich ihr über die Haare.
Dann schlug sie in das Puppengesicht, so dass Emily zur Seite aus dem Bett flog und ihre zwei Nachbarinnen mitriss. »Aber ihr müsst auch vorsichtig sein, hört ihr!« Li hatte den Zeigefinger erhoben. Sie passte immer gut auf, dass Emily nicht übermütig wurde. Es tat ihr nur leid um Sara und Lara, die jetzt mit heruntergefallen waren. »Kommt, Tante Li bringt euch zurück ins Bett.« Sie hob die beiden vom Boden und schob sie sanft unter die Bettdecke, bis nur noch die Köpfe herausschauten. Dann beugte sie sich herunter und flüsterte: »Ihr müsst nicht traurig sein. Ihr dürft bald mit Tante Li auf dem Stuhl fahren.« Da freuten sie sich wieder, denn es war schön auf dem Stuhl zu fahren. Eigentlich sollte nur Onkel Jakob auf dem Stuhl fahren, der Stuhl war nämlich nichts für kleine Mädchen. Onkel Jakob fuhr damit die Treppe hoch und runter, weil er auch nicht mehr der Jüngste war. Li durfte nicht mit dem Stuhl fahren, das gehörte sich nicht. Natürlich hielt sie sich daran, denn Onkel Jakob konnte sonst sehr böse werden. Und Li war ein braves Mädchen. Nur manchmal, sobald sie allein im Haus war, fuhr sie mit dem Stuhl auf und ab. Es war sehr schön, mit dem Stuhl auf und ab zu fahren. Fast so schön wie Karussell fahren. Wenn sie Onkel Jakobs Wagen in der Einfahrt hörte, stellte sie den Stuhl ab und lief in ihr Zimmer.
Da schlug sie dann ein Buch auf und tat so, als würde sie schon ganz lange darin blättern. Aber manchmal merkte Onkel Jakob trotzdem, dass sie mit dem Stuhl gefahren war. Dann hatte sie vergessen, dass der Stuhl erst unten gewesen war und Onkel Jakob merkte das.
»Liorith?« Das Brüllen riss sie aus den Gedanken.
»Ja?«
Sie hatte ganz laut zurückgerufen.
»Liorith?« Wenn der Onkel sie rief, rief er immer Liorith.
»Ja?«
»Liorith?« Der Onkel war zu schwerhörig und der Fernseher zu laut. Li lief zur Zimmertür und riss sie auf.
»Ja – aa!«
»Komm und bring mir mein Essen.«
So spät! Li sah auf die Uhr neben dem Bett. Der kleine Zeiger war auf der Acht und der große schon auf der Eins. Jetzt musste sie ganz schnell sein!
»Benehmt euch!«, raunte sie Sara und Lara und Mia und Pia zu. Aber wo war Emily? Oh nein, die hatte sie ganz auf dem Boden vergessen. Li lief um das Bett herum. Da lag Emily. Arme Emily! »Du brauchst nicht traurig sein! Morgen darfst du mit auf dem Stuhl fahren.« Sie hob die Puppe auf und legte sie zu Sara und Lara. Dann gab sie ihr einen Kuss auf die Stirn.
»Wie oft soll ich dich denn noch rufen?«
Onkel Jakob wurde böse. Es war nicht gut, wenn Onkel Jakob böse wurde. Li huschte zur Tür. »Ich komme!«
Da fiel ihr ein, dass die anderen bestimmt traurig waren, weil sie nur Emily geküsst hatte. Also musste sie doch zum Bett zurück. So ein Pech. Sie ging zu den schlafenden Puppen und küsste Sara, Lara, Mia und Pia auf die Stirn. Dann rannte sie die Treppe hinunter.
»… wissen nicht, wo der Fremde sich jetzt aufhält. Wir gehen aber davon aus, dass keine Bedrohung für die öffentliche Ordnung …«
Der Fernseher lief immer noch. Das war gut. Wenn Onkel Jakob fernschaute, wurde ihm nicht langweilig. Und wenn ihm nicht langweilig wurde, war er auch nicht böse, weil sein Essen so lange dauerte.
Li ging in die Küche und schnitt Brot ab. Zwei Scheiben. Sie mussten gleich dick sein und beide so mitteldick und nicht schief. Onkel Jakob mochte keine schiefen und keine dicken und keine dünnen Scheiben. Das gehörte sich nicht in einem ordentlichen Haushalt. Li schmierte Butter auf die Brote und belegte sie dann mit Blutwurst. Auf die Blutwurst gehörte extra viel Senf.
»Wo bleibst du denn?«
»Ich beeile mich ja.«
Li durfte nicht das Bier vergessen, das war das Wichtigste. Die Bierflasche machte, dass Onkel Jakob zufrieden war. Und aus dem Mund stank, wenn er sie zu Bett brachte. Falls sie Glück hatte, war noch welches hier, sonst musste sie in den Keller und das würde viel zu lange dauern. Sie öffnete den Kühlschrank. Glück gehabt, eine letzte Flasche! Li nahm sie in die linke und den Teller mit den Broten in die rechte Hand. Dann drückte sie mit dem Kopf die Tür zu. Jetzt schnell zu Onkel Jakob.
»… erreichen uns widersprüchliche Reaktionen aus aller Welt. Während der Botschafter des Iran jede Zusammenarbeit mit dem Fremden kategorisch ablehnt, zeigte sich Russlands Präsident Putin offen für eine …«
Der Onkel saß im Wohnzimmer in seinem Sessel, die Füße unter Tante Semas alter Strickdecke auf dem einen Höckerchen. Das andere stand neben dem Sitz und diente als Ablage.
Li schlich sich von hinten heran und schob den Teller darauf. Daneben stand ein fast leer getrunkenes Glas. Da fiel die Fernbedienung herunter. Sie hielt den Atem an.
»Pass doch auf!«
»… Bundespräsident Gauck hat für 20:00 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt, die wir natürlich live übertragen …«
Gott sei Dank, Onkel Jakob war immer noch vom Fernsehen abgelenkt. Li stellte die Bierflasche neben den Teller und hob die Fernbedienung auf. Sie legte sie dem Onkel in die Hand, die aus dem Sessel guckte. Aber der Onkel wollte sie nicht und warf sie achtlos aufs Höckerchen.
Wenn er jetzt nichts mehr brauchte, durfte sie nach oben und spielen.
»… sollten nicht vergessen, dass der Bundespräsident von Hause aus Pfarrer ist. Wir dürfen also gespannt sein auf die Reaktion aus dem Schloss Bellevue …«
Der Onkel sah heute nur fern. Li freute sich. Es war irgendetwas passiert, was für Erwachsene wichtig war. Deswegen konnte sie den ganzen Abend machen, was sie wollte. Sie hatte gerade die Tür erreicht.
»Li?«
Die Klinke schon in der Hand drehte sie sich noch einmal um.
»Weißt du überhaupt, was das bedeutet?«
Sie schüttelte den Kopf. Dann fiel ihr auf, dass er sie ja hinter dem Rücken nicht sah. »Nein, Onkel Jakob.«
»Es ist der Herrgott. Der Herrgott kommt. Es ist das erste Zeichen.«
Das war wichtig. Li wusste, wenn der Herrgott kommt, würde alles gut. Aber der Herrgott bestrafte auch die bösen Menschen. Und sie hatte Angst um Emily. Emily war eigentlich ein braves Mädchen, nur manchmal hatte sie wirklich, wirklich böse Gedanken.
»Dann kommt das Paradies?«, fragte Li.
»Dann kommt das Reich des Herrn«, antwortete Onkel Jakob. »Warst du denn auch brav, mein Kind?«
»Ja, Onkel Jakob.«
»Lüg´ nicht! Du bist zu spät.«
Li zuckte zusammen. »Ja, Onkel Jakob.«
»… während aus dem Vatikan immer noch kein Wort herausdringt, erreicht uns eine Agenturmeldung, nach der ein Sprecher der Pius-Bruderschaft zum Heiligen Kreuzzug gegen Luzifer aufgerufen hat …«
»Ist gut, Kind, du kannst jetzt gehen.«
»Ja, Onkel Jakob.«
Li schlich hinaus und schloss die Tür hinter sich sorgfältig wieder. Sie ging zur Treppe und sah im Vorbeigehen auf den Stuhl des Onkels. Warte nur, morgen …! Wenn dann nicht schon das Reich des Herrn war.

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Copyright Cover & Leseprobe: Markus Tillmanns
Publikation mit frdl. Genehmigung des Autors.


Markus Tillmanns, Teufel (Luzifer-Chroniken Teil 1)
E-Book (Kindle Shop) 0,99 Cent
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[e-book-review] Kein Land für Vegetarier (Matthias Herbert, Memiana)

Matthias Herbert ist einer von den Autoren, die man kennt, ohne je ihren Namen gehört zu haben: schon seit mehr als 25 Jahren schreibt er nämlich Drehbücher für populäre TV-Serien. In der Fantasy-Gemeinde könnte der Name „Herbert“ aber wohl schon bald zum Markenzeichen werden – denn unter dem Titel „Memiana“ hat der Experte für Spannungsbögen nun einen literarischen „Myth Arc“ der besonderen Art geschaffen. Auch als Schrifsteller setzt Herbert dabei auf das Gesetz der Serie: Von „Ewige Wacht“ (Band 1, gerade erschienen) bis „Kampf um Memiana“ (Band 14, Erscheinungsdatum: 15.06.2017) werden die Leser in den nächsten drei Jahren alle drei Monate einen neuen Band dieser Fantasy-Saga in die Hände bekommen (siehe auch die aktuelle Folge der „Indie-Lounge“).

Wie bei vielen klassischen Fantasy-Stoffen von J. R. R. Tolkien bis George R. R. Martin spielt auch „Memiana“ mit der Sehnsucht nach einer archaischen Vorzeit, in der dem chaotischen Außen ein ständestaatlich geordnetes Innen gegenübersteht, die Esse qualmt, Schwerter klirren und die Schwarte kracht. Zugleich bricht „Memiana“ aber mit einer Fantasy-Gewohnheit: wenn hier auch einiges rätselhaft erscheint, magische Elemente von Alf bis Gandalf sucht man auf dieser fremden Welt vergeblich.

Phantastisch klingt es trotzdem, was uns der TV-erfahrene Worldmaker da präsentiert: Eine Welt ohne Nacht, geteilt in Salas sonniges Gelblicht und das Graulicht der Monde Polos und Nira. Eine Welt aber auch ohne Gnade, in der man schnell zum Gabelfrühstück von wilden Reißern wird. Wer sich im Graulicht nicht hinter den hohen Wällen befestigter Städte verbirgt, hat kaum eine Chance. Auch unter den Menschen wird man auf Memiana keine Vegetarier finden – denn das Reich der Pflanzen ist hier unbekannt. Basis des planetaren Stoffwechsels bilden die Phylen, eine riesige Herde zotteliger Ungetüme mit chlorophyllhaltiger Haut, die seit ewigen Zeiten rund um den Planeten trottet.

Held der Geschichte ist Jarek, ein Jäger und Wächter vom Volk der Xeno – ausgestattet mit ganz besonderen geistigen Fähigkeiten, die ihn in Kontakt mit dem kleinen Volk der Memo bringen, den heimlichen Herrschern von Memiana. Sie sind es, die mit ihrem uralten Expertenwissen das Gleichgewicht der politischen Kräfte auf Memiana garantieren, und praktischerweise zugleich wichtige Botschaften von Stadt zu Stadt tragen. Die Memos gelten als sakrosankt, doch gleich zu Beginn der Handlung werden einige von ihnen ermordet – das traditionelle Gleichgewicht zwischen den Völkern und Städten gerät ins Wanken. Zusammen mit Gefährten vom Volk der Solo, Vaka und Fero begibt sich Jarek auf eine gefährliche Reise, die ihn zunächst in die geheime Hauptstadt der Memo führen wird…

So episch dicht, stilsicher und spannend, wie schon Band 1 erzählt ist, könnte es Matthias Herbert wohl tatsächlich gelingen, einen ähnlichen Sog zu erzeugen wie George R.R. Martin mit „Game of Thrones“. Rein rechnerisch zumindest wird „Memiana“ spätestens im Herbst 2015 mehr Bände umfassen als Martins hierzulande unter dem Titel „Lied von Eis und Feuer“ veröffentlichte Serie. Auch über eine Verfilmung von „Memiana“ würde ich mich nicht wundern, wer das Drehbuch schreibt, ist ja schon mal klar.

Eine Übersicht der insgesamt 14 geplanten Bände von Memiana findet man auf Memiana.de, dort erfährt man auch einiges zur Biografie des Autors. Die Kindle-Version von Band 1 der Serie ist zum Preis von 6,99 Euro bei Amazon erhältlich, die epub-Version z.B. bei epubbuy. Band 2 („Die verborgene Stadt“) erscheint am 15. Juni 2014

Abb.: Coverausschnitt „Graulichtreiter“, Memiana Band 13

[Indie-Lounge] – „Meine Leser lieben die Emotionen“ – Monika Dennerlein im Interview

Heute zu Gast in der Indie-Lounge: die Erotik- und Fantasy-Autorin Inka Loreen Minden, alias Lucy Palmer, Mona Hanke, Monica Davis und Loreen Ravenscroft. Man kann auch ganz einfach sagen: Monika Dennerlein ist hier. Sie steckt hinter all diesen Pseudonymen, unter denen sie schon über vierzig Taschenbücher und Hörbücher herausgebracht hat. Über 100.000 Downloads und mit mehreren Büchern Platz 1 in Fantasy in fast allen Shops sind ein Zeichen ihres Erfolgs. Leider auch die geschätzten 20.000 illegalen Downloads pro Monat, was bei der vielen investierten Arbeit schon etwas weh tut. Inzwischen warten nicht nur tausende Leser auf neuen Stoff, sondern auch große Verlage, die gerne mehr mit ihr machen würden. Um so mehr freuen wir uns, dass wir nicht warten müssen, sondern dass Monika Zeit für unsere Fragen hat.


„Ich liebe es, dieses Knistern zu beschreiben“


Klaus Seibel: Monika, du schreibst schwerpunktmäßig Erotik. Wie bist du darauf gekommen und was reizt dich daran?

Monika Dennerlein: Ich schreibe über die Liebe, da ich finde, dass es kein schöneres Thema gibt. Erotik gehört einfach dazu, wenn sich zwei Personen nahekommen ☺ Ich liebe es, dieses Knistern zu beschreiben, das Flirren in der Luft. Das habe ich schon bald bemerkt, als meine Jugendbücher immer erotischer wurden. Da habe ich erst mal das Genre gewechselt.

Amazon verbannt Erotik-Bücher immer wieder von den Bestsellerlisten. Wie siehst du diese Trennung?
Amazon, Apple und Co. gehören amerikanischen Konzernen und man kann es nur hinnehmen.

Du hast Erfahrung mit beiden Ranglisten. Wo würde ein E-Book #1-Bestseller auf der allgemeinen Rangliste stehen? Wo in etwa ein Erotik #10-Bestseller?

Das habe ich noch nie verglichen und es geht auch schwer, da Erotik auf Amazon keinen Rang hat und nicht in anderen Listen auftaucht. Mein Kollege Matthias Matting hat auf seinem Blog »Die Self-Publisher-Bibel« die Amazon Top 1000 aufgeführt, dort kann jeder tagesaktuell die Verkäufe, Umsätze usw einsehen. Finde ich eine ganz tolle Übersicht und beantwortet am besten diese Frage.

Lieben deine Leser eher das Softe, das Harte oder die Homo-Erotik?

Ich glaube, meine Leser lieben die Emotionen, die ich über meine Protagonisten vermittle, dabei ist es egal, ob meine Charaktere dasselbe Geschlecht lieben, Vampire, Engel oder Gargoyles sind. Die Erotik, egal wie soft oder hart, ist da nebensächlich. Allerdings bekomme ich sehr viele Zuschriften zu meinen Romantasys (Wächterschwingen, Warrior Lover) mit eher softer Erotik. So richtig hart schreibe ich auch nie. SMler würden meine »harten Storys« als »Blümchen-SM« bezeichnen. Außerdem werde ich öfter gefragt, wann ich mal wieder eine Gay Romance schreibe. Das Genre habe ich jetzt ein Jahr lang vernachlässigt, weil mich zahlreiche andere Projekte davon abgehalten haben. Leider werde ich auch in Zukunft kaum noch dazu kommen.

Wenn du mit einem neuen Buch startest, entscheidest du dann eher rational oder emotional. Also ungefähr so: Jetzt wäre mal wieder Homo dran, oder: Im Moment habe ich mehr Lust auf soft/hart?

Die Protagonisten in meinem Kopf entscheiden, was ich schreibe. Sie erzählen mir ihre Geschichten. Wer sich stärker in den Vordergrund drängeln kann, hat gewonnen ☺ Und dann gibt es natürlich noch Auftragsarbeiten von Verlagen, bei denen ich nicht alles selbst entscheiden kann.


„Verlage bauen Pseudonyme zur Marke auf“


Du schreibst unter vier verschiedenen Pseudonymen. Ist das nicht schwierig, weil man jedes Mal eine neue Marke aufbauen muss und man Leser nicht so einfach von einem Pseudonym zum anderen hinüberlocken kann?

Ursprünglich hatte ich nur ein Pseudonym für Erotik: Inka Loreen Minden (ein Anagramm von Monika Dennerlein). Aber einige Verlage wollen eigene Namen, die sie wie Marken aufbauen. Daher bin ich bei Blue Panther Books Lucy Palmer. Rowohlt wollte gerne einen deutsch klingenden Namen, deshalb heiße ich dort Mona Hanke (eine verkürzte Form meines Mädchennamens). Meine Jugendbücher wollte ich immer unter meinem echten Namen veröffentlichen, aber dann bat mich Bastei Lübbe, ob wir nicht einen englischen nehmen könnten. Daher bin ich auch Monica Davis.
Ich habe noch zwei weitere Pseudonyme, z.B. Loreen Ravenscroft, unter dem ich einen New Adult geschrieben habe. Das andere ist (noch) geheim ☺ Mit diesem habe ich ein Experiment gestartet: Anonym und ohne Werbung eine alte Geschichte veröffentlicht, um zu sehen, wie sie sich verkauft. Aber meine Pseudonyme sind ja alle offen, sodass die Leser schnell meine anderen Titel finden.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?
Ich arbeite ca. 80 Stunden in der Woche. Nur ein geringer Teil davon ist reine Schreibzeit, da ich quasi ein Ein-Frau-Verlag bin und daher alle Aufgaben übernehmen muss, die ein klassischer Verlag an mehrere Personen verteilt. Mittlerweile mache ich aber kaum noch meine Cover selbst und habe eine Grafikerin dafür. Und mein Mann darf meine Post wegbringen ☺ Schreibzeit (und Recherche) habe ich überwiegend vormittags, wenn mein Sohn in der Schule ist, denn ich brauche absolute Ruhe. Nach 4 – 5 Stunden volle Konzentration bin ich mittags auch meistens völlig ausgebrannt. Dann gönne ich es mir, 20 Minuten meine Augen auszuruhen, und kümmere mich um mein Kind. Danach erledige ich meist die eher unliebsamen Dinge, wie Abrechnungen, Marketing, Homepage aktualisieren, E-Books formatieren und konvertieren usw. Was ich aber liebe ist der Kontakt zu meinen Lesern. Der ist mir sehr wichtig. Daher verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit ihnen, veranstalte immer wieder Gewinnspiele und denke mir Überraschungen aus. Mich mit mit meinen Fans auszutauschen, ist ein Highlight meines Berufes.


„Heute stehen die Verlage bei mir Schlange“


Du bist eine erfolgreiche Autorin. Wie wirkt sich der Erfolg auf dein Leben aus?

Mein Erfolg ist über die Jahre langsam erwachsen. Er hat mich nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Tatsächlich habe ich in den ersten 3 Jahren nur Minus gemacht und mich durchgebissen. 2006 war es auch noch nicht so einfach wie heute. E-Books steckten noch in den Kinderschuhen und als Selfpublisher blieb einem nur BoD. Mir ist nichts zugeflogen, alles habe ich mir hart erarbeitet, ich musste sehr viele Hürden erklimmen. Daher bin ich in erster Linie stolz auf meine Selbstdisziplin – und auf meinen Mann, ohne den ich meinen Traum nie leben könnte. Er hat uns die ersten Jahre finanziell und mich moralisch über Wasser gehalten. Er hat immer an mich geglaubt, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Heute freue ich mich, von so vielen Seiten positives Feedback und Zuspruch zu erhalten. Musste ich früher bei
Verlagen Klinken putzen, stehen sie heute Schlange und ich kann nicht allen Anfragen gerecht werden. Das Interesse an meiner Person ist wohl die größte Veränderung, aber ich lasse das alles kaum an mich ran und erlebe das eher wie in einem Traum. Es ist unrealistisch und verschwommen. Vielleicht, weil ich Angst habe, dass es mich verändern könnte. Ich will aber so bleiben wie ich bin ☺ Irgendwie ist alles, was mir besonders 2013 Wunderbares passiert ist, noch gar nicht richtig bei mir angekommen.

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Wenn ich das Geheimrezept wüsste, würde ich es bei all meinen Büchern anwenden ☺
Mir kommt sicherlich zugute, dass ich ein empathisch veranlagter Mensch bin und mich außerdem in so ziemlich jede Person und Situation hineinversetzen kann. Ich habe viel Schlimmes erlebt im Leben, auf vielen Ebenen, aber das hat mir sehr viel für meine Arbeit als Autorin mitgegeben. Ohne diese Erfahrungen würden meine Geschichten und besonders meine Protagonisten sicher nicht so real wirken. Wenn mich Leser anschreiben, habe ich oft das Gefühl, sie halten meine Charaktere für lebendig. Das ist für mich immer eine sehr große Bestätigung und Freude. Und vielleicht ist das das Geheimnis?
Der Erfolg meiner Warrior-Reihe hat mich selbst umgehauen. Ich hätte nie damit gerechnet, mit fast allen vier Teilen in die Top 10 bei Amazon zu kommen und mich über Monate in den Top 100 aller Bücher (in vielen Shops) zu halten.
Ich glaube, am Ende zahlt sich Qualität aus. Von Anfang an habe ich immer alles in meine Texte gelegt. Talent (ohne das es beim Schreiben von Haus aus nicht geht), Handwerk, Recherche und Herzblut. Ich recherchiere sehr viel und überlasse nichts dem Zufall, arbeite mit einer Lektorin zusammen und überarbeite so lange, bis ich mit meinem Text zufrieden bin. Ich bin selbst mein größter Kritiker.
Da ich ein sehr emotionaler Mensch bin und geistig eng mit meinen Figuren verbunden, zugleich in ihnen bin und von außen auf sie blicke, kann der Leser tief in meine Welt eintauchen und sieht alles wie im Film. Vielleicht ist auch das das Geheimnis? Ich weiß es wirklich nicht ☺ Das ist eine Frage, die man den Lesern stellen müsste.


„Kritik habe ich immer sehr ernst genommen“


Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden? ( Ratgeber, Kurse, Vorbilder, Internetforen, …)
Ich habe konstruktive Kritik immer sehr ernst genommen, Schreibratgeber gelesen, schon mit vielen Lektoren zusammengearbeitet, fremde Texte analysiert und mich gefragt: Was gefällt mir daran? Auf diese Weise habe ich mich über die Jahre Schritt für Schritt weiterentwickelt und meinen Stil sowie das Handwerk verbessert. Man lernt nie aus, und mit jedem neuen Buch möchte ich es noch besser machen. Ich bin (leider) in der Beziehung sehr ehrgeizig. Deshalb stehe ich permanent unter Druck, aber den scheine ich auch zu brauchen. Dann kann ich am besten arbeiten.

Du schreibst für Verlage und als unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut an dieser Kombination? Wie entscheidest du bei einem Buch, welchen Weg du dieses Mal damit gehen möchtest?

Ich liebe es, mein eigener Chef zu sein, die Freiheit zu haben, über Titel und Cover selbst zu entscheiden und mir nicht sagen lassen zu müssen, wie meine Geschichte aussehen soll. Außerdem ist die Gewinnspanne sehr viel höher und ich bekomme monatliche Zahlungen und muss nicht ein Jahr auf mein Geld warten oder Abrechnungen hinterherlaufen. Daher liebe ich es, Selfpublisher zu sein.
Der Vorteil von (Groß-)verlagen ist, sein gedrucktes Buch auch mal in einer Buchhandlung zu sehen. Bis auf ein Mal (Rowohlt) habe ich meine Texte oder Ideen bereits mitgebracht. Es macht auch mehr Spaß, wenn man das schreibt, worauf man selbst große Lust hat.

Welchen dieser beiden Wege gehst du am liebsten und in welche Richtung wirst du in Zukunft tendieren?

Am liebsten bin ich Selfpublisher, doch ich werde auch weiterhin für Verlage schreiben. 2014 und 2015 werden Bücher bei Random House erscheinen. Es streichelt die Autorenseele, wenn man für die größten Verlage schreiben darf – das muss ich ehrlich gestehen.

Wenn dich ein neuer Leser kenne lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?
Das kommt drauf an, welches Genre er lesen möchte. Meist empfehle ich die neusten Bücher, da ich mich mit jedem Werk weiterentwickle und in ältere Titel gar nicht mehr reinlesen mag. Da würde ich sofort mit Änderungen anfangen wollen.
Jugendbuch: Nick aus der Flasche
Gay Romance: Secret Passions / Beim ersten Sonnenstrahl
Romantasy: Herzen aus Stein
Erotic Romance: Warrior Lover
Erotik: Shadows of Love – Dunkle Leidenschaft

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?
Gerade schreibe ich an erotischen Geschichten, die bei Blanvalet erscheinen werden. Danach möchte ich einen New Adult fertigschreiben, Teil 2 von »Nick« sowie eine weitere Bonusstory über die Warrior (Nitro und Sonja). Aber wahrscheinlich kommt wieder alles anders, als ich möchte ☺ Ich hab auch noch zwei Anfragen von Großverlagen, die gerne eine Reihe von mir hätten, doch da habe ich noch nicht zugesagt, obwohl ich früher immer unbedingt zu genau diesen Verlagen wollte. Verrückt, oder? Aber der Selfpublisher in mir ist einfach zu stark ☺

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie ihr mit meinen Figuren leidet und euch mitfreut, mir all die lieben E-Mails schreibt und mir bei Entscheidungen die Daumen drückt. Vielen Dank auch für eure Aufmunterungen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ich bin froh, dass es euch gibt.

Monika, ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Wir freuen uns mit dir über deinen Erfolg. Wir wünschen dir, dass du weiterhin die Zeit und Energie aufbringst, deine Leser mit neuen Geschichten zu erfreuen, und dass du noch weitere Erfolge feiern kannst.

Wer mehr über Monika Dennerlein erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage besuchen. Monika freut sich über jeden Gast und jede Rückmeldung.

Autorinnenfoto: Guido Karp / p41d.com

„Discworld App“ – virtueller Reiseführer für Fans von Terry Pratchetts Scheibenwelt

Die erfolgreichste britische Fantasy-AutorIN mag J K Rowling sein -- der erfolgreichste Fantasy-Autor made in UK ist immer noch Terry Pratchett, bekannt vor allem durch seine ebenso kurzweiligen wie fußnotengetränkten Scheibenwelt-Romane. Harry Potter mag mehr Auflage haben, doch die Figuren aus Pratchetts Parallelwelt bekamen dafür weitaus mehr Seiten spendiert: Seit dem Start der Serie in den 1980er Jahren brachte der Vielschreiber im Durchschnitt zwei Bände pro Jahr heraus, mittlerweile ist das Scheibenwelt-Universum auf 39 Folgen gewachsen. Da kann schon mal der Überblick verloren gehen. Doch nun gibt’s mit der „Discworld App“ (iPad-only) zumindest so eine Art „Google Street View“ für Ankh-Morpork, die wichtigste Stadt auf der von vier riesigen Elefanten getragenen Erdscheibe.

Stadtour durch Ankh-Morpork

Die App-Macher von Transworld Publishers haben der App neben einer zweidimensionalen Stadtplan-Ansicht auch eine 3D-Ansicht verpasst, in der sich über 1500 winzige Stadtbewohner bewegen, inklusive Geräuschkulisse und qualmenden Schornsteinen. Pratchett-Fans werden in diesem Gewimmel auf zahlreiche Geschäfte, Institutionen und Sehenswürdigkeiten aus den Romanen stoßen, von der Heilanstalt für kranke Drachen über die Gesellschaft der Sänftenträger bis zum berühmten Pub „Zur geflickten Trommel“. Und natürlich auf prominente und weniger prominente Romanfiguren von Mustrum Ridcully bis Leonard of Quirm. Es lassen sich jedoch auch Stadttouren buchen, um die wichtisten Punkte gezielt anzusteuern, außerdem gibt’s ein Adressbuch mit Straßenverzeichnis. Ein bisschen Gamifizierung ist auch dabei -- bei der Stadterkundung sind 79 „Achievements“ zu erreichen, die man via Twitter den Followern vermelden kann.

Vom Discworld Atlas zur Discworld App

Für seinen fantastischen Stadtentwurf hat Pratchett nach eigenen Angaben Elemente von London (18. Jahrhundert), Seattle (19. Jahrhundert) und dem heutigen New York vermengt -- und konnte sich bei seinen späteren Romanen zudem auf einen „realen“ Stadtplan von Anh-Morpork stützen, der schließlich in Stephen Players 1995 erschienenen „Scheibenwelt-Atlas“aufgenommen wurde. Fun-Fact am Rande: Britische Buchhändler sortierten die „Discworld Mapp“ tatsächlich in ihre „Nonfiction“-Abteilungen ein -- mit dem Argument, es handele sich immerhin um eine echte Karte. Vielleicht war deshalb ja die Pressemitteilung zum App-Launch extra deutlich formuliert: „The first ever official Discworld app and the first ever living, breathing map of an entire fantasy city“. Die Scheibenwelt-Romane sind inzwischen fast alle in deutscher Übersetzung erschienen -- der Scheibenwelt-App möchte man das auch unbedingt wünschen.

Abb.: Screenshot

(via futurebook.net & discworldapp.com)