Zahlende Premium-Kunden statt missbrauchte Gratis-Nutzer: Mutiert Facebook zukünftig zum Content-Abo?

facebook-als-aboWird Facebook langsam erwachsen? Und was heißt das? Offenbar vor allem eins: der Slogan „Facebook wird immer kostenlos bleiben“ verändert sich in die Version „Es wird immer EINE kostenlose Version von Facebook geben“. Seit dem Daten-GAU rund um die Beinflussung der US-Präsidentschaftswahlen auf Grundlage missbrauchter User-Daten spekulieren nicht nur mehr Branchen-Insider über ein Abo-Modell, bei dem der Nutzer nicht das Produkt ist, sondern ein Kunde, der deutlich mehr Datensouveränität genießt. Selbst Facebook-Chef Mark Zuckerberg orakelte letzte Woche bei einer Kongreß-Anhörung in Richtung Subskription, siehe obiges Zitat.

Wenn jeder zahlt, ist es einfach…

Wie das gehen könnte, wurde in den letzten Wochen schon mehrfach durchgerechnet — Basis bilden dabei die bisherigen Werbeeinnahmen von 40 Mrd. Dollar (2017) bzw. 60 Mrd. (2018, geschätzt) pro Jahr (2017) sowie die Zahl der Mitglieder insgesamt bzw. in ausgewählten Ländern mit hoher Kaufkraft (USA, Großbritannien, Deutschland, etc.).

Weil nicht jeder zahlen würde, wird’s kompliziert

Interessant bei solchen Modellen: egal ob man von allen wenig kassiert (was unrealistisch ist) oder von wenigen viel (was eher realistisch ist), ein Abo-Modell dürfte bei weitem nicht alle Kosten wieder hereinbringen, sondern eher ein Drittel oder ein Viertel. Mit anderen Worten: auch die kostenlose, werbefinanzierte Form bleibt für das Unternehmen wichtig. Womit Facebook in einer ähnlichen Lage wäre wie viele Zeitschriften- und Zeitungsverlage.

Facebook als Netflix-Ersatz?

Oder gilt das nur in globaler Perspektive, weil mehr als eine Milliarde neugewonnener Nutzer in armen Schwellenländern leben? Für den US-Markt könnte Facebook das „Comcast of Cord Cutters“ werden, prophezeite unlängst die Washington Post — mit 220 Mio. Mitgliedern versammele das soziale Netzwerk in Nordamerika soviele potentielle zahlende Kunden wie derzeit die per Satellit oder Kabel empfangenen Pay-TV-Sender.

6,87 $ täglich sind notwendig

In den USA und Kanada hat Facebook zuletzt 82 Dollar jährliche Werbeumsätze pro Nutzer generiert — was 6,87 Dollar potentiellen Abo-Gebühren pro Monat entspräche. Wenn alle dabei sind. Zum Vergleich: Netflix hat weltweit 118 Mio. User, Amazon Prime ca. 100 Mio. User weltweit, Spotify 70 Millionen User weltweit. Bei monatlichen Gebühren um 10 Dollar. Ist es realistisch anzunehmen, Facebook könnte — entsprechenden Nutzwert/Content vorausgesetzt — ähnliche Zahlen erreichen? Und in welchem Zeitraum?

(via Washington Post, Tech Crunch & Meedia)

Abb.: Ksayer1 (cc-by-sa-2.0)

Journalismus schlägt Facebook & Google in punkto Reichweite (beim Werbeumsatz ist es umgekehrt…)

editorial-media-haben-bei-reichweite-die-nase-vornHehehe, was für ein passendes Thema für einen Blog namens „Editorial Media“: Editorial Media (ehemals „Journalismus“) hat zwar in den USA die größte digitale Reichweite, in punkto Umsatz liegen aber Functional Media (Suchmaschinen, Shoppingportale, Bezahldienste etc.) und Social Media vorne, berichtet, wie gesagt, Editorial Media, ein Blogprojekt des BDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger). Was natürlich auch daran liegt, dass die Werbeeinnahmen immer stärker von Google (wichtigstes Functional Media) und Facebook (wichtigstes Social Media) eingeheimst werden. Zwei Drittel des digitalen Werbekuchens werden von Brin, Page und Zuckerberg verspiesen.

50 Prozent-Marke von Editorial Media verteidigt

Schwacher Trost für die wackeren Content-Produzenten: sie haben via Desktop und mobil ebenso deutlich die Nase vorn in Sachen Bruttoreichweite, laut Comscore liegen sie 50 Prozent noch ungeschlagen vorn. Dagegen erreichen Social Media nur 16 Prozent, Functional Media 31 Prozent.

So gesehen wohl kein Wunder, dass die Verlage mit einer Doppelstrategie gegen das übermächtige Advertising-Duopol von Google und Facebook anrennen: zum einen machen sie mit ihnen gezwungenermaßen gemeinsame Sache, zum anderen versuchen sie mehr Digitalabos zu verkaufen – was großen Blättern wie der NYT oder WaPo nicht zuletzt dank „Trump Bump“ auch recht gut gelingt.

Digitaler Werbekuchen sehr ungleich verteilt

Vom nach wie vor starken, zweistelligen Wachstum im digitalen Anzeigengeschäft werden die Verlage aber wohl kaum etwas abbekommen – fast der gesamte Zugewinn im letzten Jahr wurde von Google und Facebook verschluckt. Vielleicht sollte man gesamtgesellschaftlich gesehen ja auch mal von Asocial und Dysfunctional Media sprechen…!?

Abb.: Anthony Quintano (cc-by-2.0)

Zeitungen darben, Facebook boomt: Werbe-Dollars wandern von Print in Richtung Mobile

mit paywall auf dem weg zur leserfinanzierten zeitungZwei Headlines, eher zufällig vom selben Tag, aber durchaus nicht ohne Zusammenhang: „Print Newspapers are dying faster than you think“ ,titelt heute Vox. Der Guardian wiederum schlagzeilt: „Facebook’s profits soar as it continues to swallow online advertising market“. Alte Regeln scheinen im Anzeigengeschäft längst nicht mehr zu gelten — das früher mal gewohnte Auf- und Ab entlang der Konjunkturzyklen hat sich seit den Nuller Jahren für viele Print-Blätter in ein ständiges Abwärts entwickelt. Trotz konjunktureller Erholung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise: „Instead, over the past six years, the opposite has happended: Newspaper advertising revenues have continued to deteriorate even as the economy booms.“

Vox verweist auf eine interessante Statistik in Sachen Aufmerksamkeits-Ökonomie: nur noch vier Prozent der dem Medienkonsum gewidmeten Zeit verbringen die US-Amerikaner mit einer gedruckten Tageszeitung, 22 Prozent ihrer Zeit dagegen vor den mobilen Screens von Smartphone und Tablet. Allerdings hat Print immer noch einen Anteil von 16 Prozent an den Werbeausgaben, das mobile Internet dagegen nur 12 Prozent. Fazit: „This situation can’t last.“

Ein guter Indikator für die Umschichtung der Werbeetats ist Facebook: es strömt spürbar mehr Geld in Richtung Mobiles Web, und der Social Media Gigant sichert sich selbst einen immer größeren Anteil am Online-Werbekuchen. Besonderer Umsatztreiber war zuletzt der US-Wahlkampf: Alleine im dritten Quartal 2016 haben sich laut Guardian Facebooks Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, von zuvor 896 Millionen Dollar auf 2,38 Milliarden Dollar. 84 Prozent der Anzeigen wurden via Smartphone ausgeliefert, gegenüber 78 Prozent im Vorjahr.

Die darbenden Print-Blätter reagieren auf diese Entwicklung wie schon bisher: mit Sparrunden und Einschnitten beim Personal. In den letzten Wochen, so der Guardian, hätten die Verlagsgruppen von Daily Mail, NYT und WSJ weitere Entlassungen angekündigt — und der Guardian selbst auch.

Abb.: NS Newsflash/Flickr (cc-by-2.0)

Quick Guide: So vermarkten Self-Publisher ihre E-Books via Facebook, Twitter & Instagram

marketing-tipps-fuer-self-publisher-soziale-netzwerkeAm 9. April 2016 fand in München der 3. Self Publishing Day statt — Selbstverleger, Einsteiger sowie Noch-Nicht-Autoren erlebten dort zahlreiche Workshops und Vortragsthemen rund um Self-Publishing, E-Book Marketing und PR-Strategien. Mit dabei als Sponsor & Aussteller war auch der Self-Publishing-Dienstleister Feiyr. Für all diejenigen, die beim #SPDay2016 nicht dabei sein konnten, haben Marleen Olschewski und Maike Hall, bei Feiyr für den Bereich E-Books, Hörbücher und Hörspiele zuständig, einen Quick-Guide zur E-Book-Vermarktung auf Facebook, Twitter und Instagram geschrieben.

Soziale Netzwerke: Unverzichtbar bei der E-Book-Vermarktung

Self Publishing ist für Autoren, die unabhängig von einem Verlag Ihre Bücher genau nach Ihren Wünschen und Vorstellungen veröffentlichen möchten, eine sehr gute Option. Auch wenn man sich noch keinen „großen Namen“ gemacht hat, werden die eigenen eBooks auf allen großen Plattformen angeboten. Soziale Netzwerke bieten den Autoren dabei optimale Möglichkeiten, mit ihren Lesern zu interagieren und die Werbetrommel für sich zu rühren. Die Reichweite ist sehr groß und auch potenzielle Leser, die sonst gar nicht auf das eBook gestoßen wären, können erreicht werden.

FACEBOOK

Unter www.facebook.com/pages/create.php kann jeder Autor eine Fanseite für sein eigenes eBook einrichten. Auf Deiner Fanseite können Preisaktionen und Gewinnspiele verbreitet sowie Fotos und Videos geteilt werden, und vieles mehr. Man sollte mindestens dreimal pro Woche posten und versuchen, mit Fans zu engagieren, indem man ihre Kommentare antwortet und „Likes“ verteilt. Diesbezüglich verfügt Feiyr über zwei Facebook Seiten, „Feiyr-books“ und „Your eBook Promo“: Auf den Seiten werden regelmäßig Infos rund um eBooks, Hörbücher und Hörspiele veröffentlicht und bereits veröffentlichte eBooks beworben. Kunden können ihr eigenes Posting buchen und somit mehr Reichweite für ihr eBook generieren und potentielle Leser erreichen.

TWITTER

Unter den gängigen Social Media Kanälen ist Twitter das beste Kommunikations-Medium: Über Twitter kann man neue Leser gewinnen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Wie kann man Twitter richtig nutzen? Nach der Anmeldung sollten Einsteiger sofort twitternden Autoren und berühmten Persönlichkeiten folgen, die ihnen auch zurückfolgen könnten. Man sollte mindestens einmal am Tag twittern: Das kostet sicher nicht so viel Zeit, weil ein Tweet maximal 140 Zeichen groß sein kann. Es ist wichtig, mit seinen eigenen Followern zu interagieren, z.B. indem man Beiträge liket und re-tweetet. Schließlich kann man auch seine eigenen Beiträge twittern: Das können entweder Kurztexte sein aber auch Verweise auf längere Texte. So entspinnt sich eine Diskussion, der auch andere Twitterer beitreten, die so auf den Namen eines Autors stoßen. Hier kann ein Autor seine Meinung äußern und zeigen, dass er Fantasie hat.

INSTAGRAM

Ein Tool, das viele Autoren und Selfpublisher gerne mögen und das sich positiv auf ihre Verkäufe auswirkt ist die Foto-App Instagram. Wenn ein Autor sein eBook auf Instagram vermarkten will, sollte er nicht vergessen, schöne und aussagekräftige Bilder zu posten, die die Story seines eBooks erzählen bzw. sein Werk so besonders machen. Die Instagram-App ermöglicht es auch, Fotos aufzuhellen, zuzuschneiden und mit Filtern zu bearbeiten, bis sie perfekt sind. Man kann aber auch spezielle Fotobearbeitungs-Apps verwenden, um die eigenen Bilder perfekt zu machen. Autoren sollten ihre Werke auf jeden Fall mit den richtigen Keywords ausstatten, um ihre Auffindbarkeit zu verbessern. Mit Followern interagieren, Kommentare beantworten und Bilder anderer User zu liken ist auch extrem wichtig. Man sollte regelmäßig posten (einmal pro Tag reicht völlig) und last but not least lässt sich Instagram auch zu Promo-Zwecken nutzen, wie z.B. Werbeaktionen.

Zuckerbergs Bücherberg besichtigt: „A Year of Books“ — 23 Titel im Überblick

a-year-of-booksEs geht doch nichts über gute Vorsätze zum Neuen Jahr: Im Zwei-Wochen-Rhythmus hat Mark Zuckerberg seit Anfang 2015 in seinem Face-Buch-Club „A Year of Books“ interessante Schmöker vorgestellt. Mit der gemeinsamen Lektüre möchte der Multimilliardär einen Lernprozess anstoßen in Sachen „new cultures, beliefs, histories and technologies“. Seit dem Start sind inzwischen tatsächlich 23 Titel zusammengekommen, und bei den mehr als 600.000 Abonnenten der Gemeinschafts-Seite auf unterschiedliche Resonanz gestoßen: die anfangs prophezeite „Opraheske“ Auswirkung hatte das Projekt „A Year of Books“ nicht in jedem Fall.

„Universal Elements of progession in humanity“

Muss es ja andererseits auch nicht — denn die zusammen mit den Facebook-Followern abgearbeitete Leseliste ist sehr persönlich, sichtbar interessengeleitet, und alleine deshalb lohnt sich ein Blick auf Zuckerbergs Bücherberg, in dem sich aktuelles und nicht ganz so aktuelles vermischen. Der älteste Titel, „The Muqaddimah“, stammt sogar aus dem 14. Jahrhundert: dabei handelt es sich um geschichtsphilosophische Betrachtungen des islamischen Gelehrten Ibn Khaldun. Kein Zufall: denn Khalduns Ziel deckt sich mit dem des superreichen Philantropen aus Silicon Valley: „find universal elements in the progression of humanity“.

Darum ging’s Zuckerberg auch bei Yuval Noah Hararis Sachbuch „Sapiens. A Brief History of Mankind“, ebenso bei „The Beginning of Infinity“ von David Deutsch — wenn man versteht, wie kulturelle, philosophische und technische Ideen die Welt verändern, kann man ja z.B. auch das Phänomen „Social Media“ und deren Zukunftsaussichten besser einschätzen. Ein bisschen mehr Spiritualität kann natürlich auch nicht schaden: “When I read Sapiens, I found the chapter on the evolution of the role of religion in human life most interesting and something I wanted to go deeper on,” schreibt Zuckerberg — was zur Lektüre von „The Varieties of Religious Experience“ von William James motivierte.

Besichtigung us-amerikanischer Problemzonen

Was schnell auffällt: Zahlreiche Titel auf der Leseliste befassen sich mit speziellen US-Problemzonen, etwa Michelle Alexander, The New Jim Crow – Untertitel: „Massen-Einkerkerung im Zeitalter der Farbenblindheit“, Steven Pinkers „The Better Angels of our Nature. Why Violence Has Declined“, „Gang Leader for a Day“ von Sudhir Vekatesh oder auch „On Immunity“ von Eula Biss — ein Pamphlet gegen die Impfverweigerer in den USA und anderswo.

Fehlen darf natürlich auch nicht das Thema Superreichtum — Superarmut, inklusive der Folgen für die Welt(-politik) und den Weltpolizisten USA. Mit „Why Nations Fail — The Originis of Power, Prosperity, and Poverty“ und „The Rational Optimst — How Prosperity evolves“ hat Zuckerberg hier zwei kontroverse Positionen parat, und damit auch zwei mögliche Antworten auf die Frage: Kann die Welt am amerikanischen Wesen (= Turbokapitalismus) genesen — oder ist das System Teil des Problems, und nicht der Lösung… Die Antwort betrifft natürlich nicht zuletzt auch den langfristigen Börsenwert von Facebook. Insofern ist selbst die Lektüre eines Buches wie „Portfolios of the Poor — How the World’s Poor Live on $2 a Day“ nicht ganz uneigennützig.

Jenseits von Kissinger & Orwell

Eine schöne Gegenüberstellung der Prinzipien von alter und neuer Weltordnung bietet auch die Auswahl von Henry Kissingers „World Order“ und Moises Naims „The End of Power“ — “The trend towards giving people more power is one I believe in deeply“, schreibt Zuckerberg zu letzterem Titel. Dazu passt auch die Auswahl von „Orwell’s Revenge“, einer inoffiziellen Fortsetzung von „1984“: “After seeing how history has actually played out, Huber’s fiction describes how tools like the internet benefit people and change society for the better“, kommentiert Zuckerberg. Überhaupt muss man sich ja mit etwas anderen Dingen beschäftigen als früher (Stichwort: Kalter Krieg) — was ein Titel wie „Dealing with China – An Insider Unmasks the New Economic Superpower“ belegt.

Klang die Lesesliste bisher ein bisschen so wie bei Barack Obama oder Hillary Clinton abgekupfert, so wird’s jetzt doch endlich so richtig nerdig: nicht links liegenlassen konnte Zuckerberg natürlich Titel wie Matt Ridleys „Genome“, Vaclav Smils „Energy: A Beginner’s Guide“ („It explores important topics around how energy works, how our production and use might evolve, and how this affects climate change“) oder einen Klassiker wie Thomas S. Kuhns „The Structure of Scientific Revolutions“ (ja, genau, der mit dem „Paradigmen-Wechsel“ – wobei Zuckerberg betont, er sehe die Paradigm Shifts vor allem als „Katalysator sozialen Fortschritts“).

Ideenfabriken & Common Knowledge

Wundern mag sich vielleicht so mancher, dass Zuckerberg sich weder eine Biografie von Bill Gates oder von Steve Jobs vorgenommen hat (oder Edison, Tesla etc.) — doch so ganz entgleitet ihm das High-Tech- und Digitalisierungs-Thema nicht: schließlich ist mit „The Idea Factory“ die Geschichte der Bell Labs mit dabei, und Ed Catmulls „Creativity, Inc.“ erzählt die Story von Pixar. Zu diesem Komplex passt dann auch sehr schön „Rational Ritual – Culture, Coordination, and Common Knowledge“ von Michael Suk-Youn Chwe. In Zuck’s Worten: “The book is about the concept of ‘common knowledge’ and how people process the world not only based on what we personally know, but what we know other people know and our shared knowledge as well.”

Während Non-Fiction bei weitem überwiegt, hat sich Zuckerberg immerhin auch dreimal an Romane herangewagt, aber wohl nicht ganz zufällig jedesmal Science-Fiction gewählt. Neben dem oben bereits erwähnten „Orwell’s Revenge“ findet man auf der Leseliste des Facebook-Gründers zwei sehr empfehlenswerte Titel: den Bestseller „The Three-Body-Problem“, Teil 1 der Sci-Fi-Trilogie „Remembrance of Earth’s Past“ von Liu Cixin — ein „First Contact“-Szenario aus chinesischer Perspektive, sowie Ian M. Banks Klassiker „The Player of Games“, Teil 2 der „Culture“-Serie, ein klassisches Singularity-Szenario: „It explores what a civilization would look like if hyper-advanced technology was created to serve human needs and surpassed human capabilities“, so Zuckerberg. Wenn alles gut läuft, unterscheiden die Historiker ja vielleicht in Zukunft zwischen Skynet- und Facebook-Paradigma…

Mark Zuckerbergs Leseliste in chronologischer Reihenfolge:

  1. Moisés Naím, The End of Power: From Boardrooms to Battlefields and Churches to States, Why Being In Charge Isn’t What It Used to Be
  2. Steven Pinker, The Better Angels of Our Nature: Why Violence Has Declined
  3. Sudhir Venkatesh, Gang Leader for a Day: A Rogue Sociologist Takes to the Streets
  4. Eula Biss, On Immunity: An Inoculation
  5. Ed Catmull, Creativity, Inc.: Overcoming the Unseen Forces That Stand in the Way of True Inspiration
  6. Thomas Kuhn, The Structure of Scientific Revolutions
  7. Michael Chwe, Rational Ritual: Culture, Coordination, and Common Knowledge
  8. Hank Paulson, Dealing With China: An Insider Unmasks the New Economic Superpower
  9. Peter W. Huber, Orwell’s Revenge: The 1984 Palimpsest
  10. Michelle Alexander, The New Jim Crow: Mass Incarceration in the Age of Colorblindness
  11. Ibn Khaldun, Muqaddimah
  12. Yuval Harari, Sapiens: A Brief History of Humankind
  13. Iain Banks, The Player of Games
  14. Vaclav Smil, Energy: A Beginners Guide
  15. Matt Ridley, Genome: The Autobiography of a Species in 23 Chapters
  16. William James, The Varieties of Religious Experience: A Study in Human Nature
  17. Daryl Collins/Jonathan Morduch/Stuart Rutherford, Portfolios of the Poor: How the World’s Poor Live on $2 a Day
  18. Daron Acemoğlu/James A. Robinson, Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity, and Poverty
  19. Matt Ridley, The Rational Optimist: How Prosperity Evolves
  20. Liu Cixin, The Three-Body Problem
  21. Jon Gertner, The Idea Factory: Bell Labs and the Great Age of American Innovation
  22. Henry Kissinger, World Order
  23. David Deutsch, The Beginning of Infinity: Explanations that Transform the World

Im Bett mit Facebook: SPOL & BILD publizieren „Instant Articles“

facebook-instant-articles„Zahnarztsohn wird zum Mega-Verleger“, „Frisst Facebook das restliche Internet?“, „Clever oder Selbstmord?“ – die Twitter-Kommentare nach dem neuesten Content-Coup von Facebook-Chef Mark Zuckerberg klingen doch sehr nach Galgenhumor. Dass große Anbieter wie die New York Times, Guardian, BBC News oder Spiegel Online und Bild nach all den Diskussionen über Google-Snippets nun dem Social-Media-Riesen freiwillig ihre Artikel zum Einbetten zur Verfügung stellen, überrrascht auf den ersten Blick aber tatsächlich.

Facebook selbst wirbt für die „Instant Articles“ vor allem mit einem Argument: mehr Komfort. Die Zeitungs- und Magazinartikel würden nun „zehn mal schneller“ geladen werden. Schneller als was? „To date, however, these stories take an average of eight seconds to load, by far the slowest single content type on Facebook“, erklärt Michael Reckhow, Product Manager bei Facebook.

Außerdem gäbe es da eine Menge interaktiven Mehrwert: Photo-Zoom durch das Bewegen des Mobilgerätes, Auto-Play-Videos, die beim Scrollen durch den Text gestartet werden (Igitt!), interaktive Karten oder das Liken einzelner Textpassagen.

Am Ende geht’s aber natürlich vor allem um Geld. Denn die Verlage dürfen die eingebetten Werbeplätze selbst vermarkten, und erhalten auch die Nutzerdaten. Vergessen darf man natürlich ebensowenig: wo Facebook ist, sind die Leser. Und genau dort wollen die Publisher hin. „BILD muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so“, begründet etwa Julian Reichelt, Chefredakteur BILD.de die neue Offensive.

Doch es geht interessanterweise gar nicht nur um Werbung. Man wolle zugleich ein „Bezahlmodell für journalistische Inhalte auf Facebook vorantreiben, bei dem BILD und andere Marken eigene Abonnements generieren können“, so Reichelt weiter. Nun also gemeinsam mit Facebook gegen die „Kostenloskultur“?

DIE ZEIT am Facebook-Kiosk: Auf dem Weg zur „Social Publishing Plattform“

Eine Facebook-Buchhandlung gibt’s schon, jetzt folgt endlich auch der Facebook-Kiosk. Die ePaper-Version der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT kann man bereits direkt im Facebook-Profil der Fanpage von ZEIT online lesen. Möglich macht das ein neues „Social Publishing“-Tool namens Copyclick, welches neben der Online-Lektüre im Browser auch den PDF-Download erlaubt. Es reicht allerdings nicht, ein Fan von ZEIT online zu sein – man muss pro Ausgabe 3,99 Euro zahlen.

„Wiegt bei gutem Wetter ein Kilo, bei Regen zwei Kilo“

Kennen Sie noch die ZEIT? Sie wissen schon: das großformatige Wochenblatt aus Hamburg, (mit-)herausgegeben von Altkanzler Helmut Schmidt, über das ein Satiriker mal recht treffend schrieb: wiegt bei gutem Wetter ein Kilogramm, bei Regen zwei Kilogramm!? Auch im Pressehaus am Speersort 1 geht man allerdings mit der Zeit (kleingeschrieben), und setzt entschieden auf die neuen Medien. Das Web-Portal ZEIT online darf sich zur Zeit sogar die „am schnellsten wachsende Plattform des deutschen Online-Journalismus“ nennen. Es gibt die ZEIT als bunte App für’s iPhone, als graue Textwüste auf Amazons Kindle, und überhaupt als E-Paper im epub- und PDF-Format an digitalen Kiosken wie Pubbles oder Telekoms Pageplace. Die jungen Leser muss man natürlich dort abholen, wo sie schon sind. Und das ist auch in Deutschland immer öfter Facebook. Mehr als 18 Millionen Nutzer sind dort selbst hierzulande schon unterwegs, rund die Hälfte davon Tag für Tag.

„Innovatives Tool zur Zweitverwertung“

Wenn sie denn wollen, können sie dort nun en passant das E-Paper der ZEIT erwerben – und barrierefrei direkt im Facebook-Fanprofil von ZEIT online lesen. Möglich macht das die Facebook-Anwendung „Copyclick“, entwickelt von der Hamburger picturesafe GmbH. „Verlage können Einzelseiten, Strecken, komplette Artikel oder ganze Ausgaben bepreisen und sogar echten Mehrwert durch weitergehende Informationen online anbieten“, so das Unternehmen selbst über diese neue Form des „Social Publishings“. Eingebettet werden können neben PDF-Dokumenten nämlich auch HTML, Video oder MPP3. Zumindest theoretisch. Wirklichen Mehrwert bietet die ZEIT auf Facebook zum Einzelpreis von 3,99 Euro allerdings nicht (Zum Vergleich: das text-only-Abo auf dem Kindle gibt’s für 4,99 Euro pro Monat). Es ist eben ganz einfach die statische ePaper-Version der gedruckten Ausgabe. Am besten trifft es so vielleicht das auf der Copyclick-Website zu findende Testimonial von Alexander von Reibnitz (Verband dt. Zeitungsverleger): „Ein innovatives Tool zur Zweitverwertung von bestehendem Content“.