[Indie-Lounge] – „Meine Leser lieben die Emotionen“ – Monika Dennerlein im Interview

Heute zu Gast in der Indie-Lounge: die Erotik- und Fantasy-Autorin Inka Loreen Minden, alias Lucy Palmer, Mona Hanke, Monica Davis und Loreen Ravenscroft. Man kann auch ganz einfach sagen: Monika Dennerlein ist hier. Sie steckt hinter all diesen Pseudonymen, unter denen sie schon über vierzig Taschenbücher und Hörbücher herausgebracht hat. Über 100.000 Downloads und mit mehreren Büchern Platz 1 in Fantasy in fast allen Shops sind ein Zeichen ihres Erfolgs. Leider auch die geschätzten 20.000 illegalen Downloads pro Monat, was bei der vielen investierten Arbeit schon etwas weh tut. Inzwischen warten nicht nur tausende Leser auf neuen Stoff, sondern auch große Verlage, die gerne mehr mit ihr machen würden. Um so mehr freuen wir uns, dass wir nicht warten müssen, sondern dass Monika Zeit für unsere Fragen hat.


„Ich liebe es, dieses Knistern zu beschreiben“


Klaus Seibel: Monika, du schreibst schwerpunktmäßig Erotik. Wie bist du darauf gekommen und was reizt dich daran?

Monika Dennerlein: Ich schreibe über die Liebe, da ich finde, dass es kein schöneres Thema gibt. Erotik gehört einfach dazu, wenn sich zwei Personen nahekommen ☺ Ich liebe es, dieses Knistern zu beschreiben, das Flirren in der Luft. Das habe ich schon bald bemerkt, als meine Jugendbücher immer erotischer wurden. Da habe ich erst mal das Genre gewechselt.

Amazon verbannt Erotik-Bücher immer wieder von den Bestsellerlisten. Wie siehst du diese Trennung?
Amazon, Apple und Co. gehören amerikanischen Konzernen und man kann es nur hinnehmen.

Du hast Erfahrung mit beiden Ranglisten. Wo würde ein E-Book #1-Bestseller auf der allgemeinen Rangliste stehen? Wo in etwa ein Erotik #10-Bestseller?

Das habe ich noch nie verglichen und es geht auch schwer, da Erotik auf Amazon keinen Rang hat und nicht in anderen Listen auftaucht. Mein Kollege Matthias Matting hat auf seinem Blog »Die Self-Publisher-Bibel« die Amazon Top 1000 aufgeführt, dort kann jeder tagesaktuell die Verkäufe, Umsätze usw einsehen. Finde ich eine ganz tolle Übersicht und beantwortet am besten diese Frage.

Lieben deine Leser eher das Softe, das Harte oder die Homo-Erotik?

Ich glaube, meine Leser lieben die Emotionen, die ich über meine Protagonisten vermittle, dabei ist es egal, ob meine Charaktere dasselbe Geschlecht lieben, Vampire, Engel oder Gargoyles sind. Die Erotik, egal wie soft oder hart, ist da nebensächlich. Allerdings bekomme ich sehr viele Zuschriften zu meinen Romantasys (Wächterschwingen, Warrior Lover) mit eher softer Erotik. So richtig hart schreibe ich auch nie. SMler würden meine »harten Storys« als »Blümchen-SM« bezeichnen. Außerdem werde ich öfter gefragt, wann ich mal wieder eine Gay Romance schreibe. Das Genre habe ich jetzt ein Jahr lang vernachlässigt, weil mich zahlreiche andere Projekte davon abgehalten haben. Leider werde ich auch in Zukunft kaum noch dazu kommen.

Wenn du mit einem neuen Buch startest, entscheidest du dann eher rational oder emotional. Also ungefähr so: Jetzt wäre mal wieder Homo dran, oder: Im Moment habe ich mehr Lust auf soft/hart?

Die Protagonisten in meinem Kopf entscheiden, was ich schreibe. Sie erzählen mir ihre Geschichten. Wer sich stärker in den Vordergrund drängeln kann, hat gewonnen ☺ Und dann gibt es natürlich noch Auftragsarbeiten von Verlagen, bei denen ich nicht alles selbst entscheiden kann.


„Verlage bauen Pseudonyme zur Marke auf“


Du schreibst unter vier verschiedenen Pseudonymen. Ist das nicht schwierig, weil man jedes Mal eine neue Marke aufbauen muss und man Leser nicht so einfach von einem Pseudonym zum anderen hinüberlocken kann?

Ursprünglich hatte ich nur ein Pseudonym für Erotik: Inka Loreen Minden (ein Anagramm von Monika Dennerlein). Aber einige Verlage wollen eigene Namen, die sie wie Marken aufbauen. Daher bin ich bei Blue Panther Books Lucy Palmer. Rowohlt wollte gerne einen deutsch klingenden Namen, deshalb heiße ich dort Mona Hanke (eine verkürzte Form meines Mädchennamens). Meine Jugendbücher wollte ich immer unter meinem echten Namen veröffentlichen, aber dann bat mich Bastei Lübbe, ob wir nicht einen englischen nehmen könnten. Daher bin ich auch Monica Davis.
Ich habe noch zwei weitere Pseudonyme, z.B. Loreen Ravenscroft, unter dem ich einen New Adult geschrieben habe. Das andere ist (noch) geheim ☺ Mit diesem habe ich ein Experiment gestartet: Anonym und ohne Werbung eine alte Geschichte veröffentlicht, um zu sehen, wie sie sich verkauft. Aber meine Pseudonyme sind ja alle offen, sodass die Leser schnell meine anderen Titel finden.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?
Ich arbeite ca. 80 Stunden in der Woche. Nur ein geringer Teil davon ist reine Schreibzeit, da ich quasi ein Ein-Frau-Verlag bin und daher alle Aufgaben übernehmen muss, die ein klassischer Verlag an mehrere Personen verteilt. Mittlerweile mache ich aber kaum noch meine Cover selbst und habe eine Grafikerin dafür. Und mein Mann darf meine Post wegbringen ☺ Schreibzeit (und Recherche) habe ich überwiegend vormittags, wenn mein Sohn in der Schule ist, denn ich brauche absolute Ruhe. Nach 4 – 5 Stunden volle Konzentration bin ich mittags auch meistens völlig ausgebrannt. Dann gönne ich es mir, 20 Minuten meine Augen auszuruhen, und kümmere mich um mein Kind. Danach erledige ich meist die eher unliebsamen Dinge, wie Abrechnungen, Marketing, Homepage aktualisieren, E-Books formatieren und konvertieren usw. Was ich aber liebe ist der Kontakt zu meinen Lesern. Der ist mir sehr wichtig. Daher verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit ihnen, veranstalte immer wieder Gewinnspiele und denke mir Überraschungen aus. Mich mit mit meinen Fans auszutauschen, ist ein Highlight meines Berufes.


„Heute stehen die Verlage bei mir Schlange“


Du bist eine erfolgreiche Autorin. Wie wirkt sich der Erfolg auf dein Leben aus?

Mein Erfolg ist über die Jahre langsam erwachsen. Er hat mich nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Tatsächlich habe ich in den ersten 3 Jahren nur Minus gemacht und mich durchgebissen. 2006 war es auch noch nicht so einfach wie heute. E-Books steckten noch in den Kinderschuhen und als Selfpublisher blieb einem nur BoD. Mir ist nichts zugeflogen, alles habe ich mir hart erarbeitet, ich musste sehr viele Hürden erklimmen. Daher bin ich in erster Linie stolz auf meine Selbstdisziplin – und auf meinen Mann, ohne den ich meinen Traum nie leben könnte. Er hat uns die ersten Jahre finanziell und mich moralisch über Wasser gehalten. Er hat immer an mich geglaubt, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Heute freue ich mich, von so vielen Seiten positives Feedback und Zuspruch zu erhalten. Musste ich früher bei
Verlagen Klinken putzen, stehen sie heute Schlange und ich kann nicht allen Anfragen gerecht werden. Das Interesse an meiner Person ist wohl die größte Veränderung, aber ich lasse das alles kaum an mich ran und erlebe das eher wie in einem Traum. Es ist unrealistisch und verschwommen. Vielleicht, weil ich Angst habe, dass es mich verändern könnte. Ich will aber so bleiben wie ich bin ☺ Irgendwie ist alles, was mir besonders 2013 Wunderbares passiert ist, noch gar nicht richtig bei mir angekommen.

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Wenn ich das Geheimrezept wüsste, würde ich es bei all meinen Büchern anwenden ☺
Mir kommt sicherlich zugute, dass ich ein empathisch veranlagter Mensch bin und mich außerdem in so ziemlich jede Person und Situation hineinversetzen kann. Ich habe viel Schlimmes erlebt im Leben, auf vielen Ebenen, aber das hat mir sehr viel für meine Arbeit als Autorin mitgegeben. Ohne diese Erfahrungen würden meine Geschichten und besonders meine Protagonisten sicher nicht so real wirken. Wenn mich Leser anschreiben, habe ich oft das Gefühl, sie halten meine Charaktere für lebendig. Das ist für mich immer eine sehr große Bestätigung und Freude. Und vielleicht ist das das Geheimnis?
Der Erfolg meiner Warrior-Reihe hat mich selbst umgehauen. Ich hätte nie damit gerechnet, mit fast allen vier Teilen in die Top 10 bei Amazon zu kommen und mich über Monate in den Top 100 aller Bücher (in vielen Shops) zu halten.
Ich glaube, am Ende zahlt sich Qualität aus. Von Anfang an habe ich immer alles in meine Texte gelegt. Talent (ohne das es beim Schreiben von Haus aus nicht geht), Handwerk, Recherche und Herzblut. Ich recherchiere sehr viel und überlasse nichts dem Zufall, arbeite mit einer Lektorin zusammen und überarbeite so lange, bis ich mit meinem Text zufrieden bin. Ich bin selbst mein größter Kritiker.
Da ich ein sehr emotionaler Mensch bin und geistig eng mit meinen Figuren verbunden, zugleich in ihnen bin und von außen auf sie blicke, kann der Leser tief in meine Welt eintauchen und sieht alles wie im Film. Vielleicht ist auch das das Geheimnis? Ich weiß es wirklich nicht ☺ Das ist eine Frage, die man den Lesern stellen müsste.


„Kritik habe ich immer sehr ernst genommen“


Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden? ( Ratgeber, Kurse, Vorbilder, Internetforen, …)
Ich habe konstruktive Kritik immer sehr ernst genommen, Schreibratgeber gelesen, schon mit vielen Lektoren zusammengearbeitet, fremde Texte analysiert und mich gefragt: Was gefällt mir daran? Auf diese Weise habe ich mich über die Jahre Schritt für Schritt weiterentwickelt und meinen Stil sowie das Handwerk verbessert. Man lernt nie aus, und mit jedem neuen Buch möchte ich es noch besser machen. Ich bin (leider) in der Beziehung sehr ehrgeizig. Deshalb stehe ich permanent unter Druck, aber den scheine ich auch zu brauchen. Dann kann ich am besten arbeiten.

Du schreibst für Verlage und als unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut an dieser Kombination? Wie entscheidest du bei einem Buch, welchen Weg du dieses Mal damit gehen möchtest?

Ich liebe es, mein eigener Chef zu sein, die Freiheit zu haben, über Titel und Cover selbst zu entscheiden und mir nicht sagen lassen zu müssen, wie meine Geschichte aussehen soll. Außerdem ist die Gewinnspanne sehr viel höher und ich bekomme monatliche Zahlungen und muss nicht ein Jahr auf mein Geld warten oder Abrechnungen hinterherlaufen. Daher liebe ich es, Selfpublisher zu sein.
Der Vorteil von (Groß-)verlagen ist, sein gedrucktes Buch auch mal in einer Buchhandlung zu sehen. Bis auf ein Mal (Rowohlt) habe ich meine Texte oder Ideen bereits mitgebracht. Es macht auch mehr Spaß, wenn man das schreibt, worauf man selbst große Lust hat.

Welchen dieser beiden Wege gehst du am liebsten und in welche Richtung wirst du in Zukunft tendieren?

Am liebsten bin ich Selfpublisher, doch ich werde auch weiterhin für Verlage schreiben. 2014 und 2015 werden Bücher bei Random House erscheinen. Es streichelt die Autorenseele, wenn man für die größten Verlage schreiben darf – das muss ich ehrlich gestehen.

Wenn dich ein neuer Leser kenne lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?
Das kommt drauf an, welches Genre er lesen möchte. Meist empfehle ich die neusten Bücher, da ich mich mit jedem Werk weiterentwickle und in ältere Titel gar nicht mehr reinlesen mag. Da würde ich sofort mit Änderungen anfangen wollen.
Jugendbuch: Nick aus der Flasche
Gay Romance: Secret Passions / Beim ersten Sonnenstrahl
Romantasy: Herzen aus Stein
Erotic Romance: Warrior Lover
Erotik: Shadows of Love – Dunkle Leidenschaft

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?
Gerade schreibe ich an erotischen Geschichten, die bei Blanvalet erscheinen werden. Danach möchte ich einen New Adult fertigschreiben, Teil 2 von »Nick« sowie eine weitere Bonusstory über die Warrior (Nitro und Sonja). Aber wahrscheinlich kommt wieder alles anders, als ich möchte ☺ Ich hab auch noch zwei Anfragen von Großverlagen, die gerne eine Reihe von mir hätten, doch da habe ich noch nicht zugesagt, obwohl ich früher immer unbedingt zu genau diesen Verlagen wollte. Verrückt, oder? Aber der Selfpublisher in mir ist einfach zu stark ☺

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie ihr mit meinen Figuren leidet und euch mitfreut, mir all die lieben E-Mails schreibt und mir bei Entscheidungen die Daumen drückt. Vielen Dank auch für eure Aufmunterungen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ich bin froh, dass es euch gibt.

Monika, ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Wir freuen uns mit dir über deinen Erfolg. Wir wünschen dir, dass du weiterhin die Zeit und Energie aufbringst, deine Leser mit neuen Geschichten zu erfreuen, und dass du noch weitere Erfolge feiern kannst.

Wer mehr über Monika Dennerlein erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage besuchen. Monika freut sich über jeden Gast und jede Rückmeldung.

Autorinnenfoto: Guido Karp / p41d.com