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Streit um Open Access: Elsevier laufen die Redakteure davon

elsevier-streit-um-open-accessDer Streit um Open Access hat einen neuen Höhepunkt erreicht: dem weltgrößten Wissenschaftsverlag Elsevier ist auf einen Schlag die komplette Zeitschriften-Redaktion von „Lingua“ abhanden gekommen – insgesamt drei Dutzend Sprachwissenschaftler werden nun unter dem Titel „Glossa“ ein unabhängiges Open-Access-Journal gründen.

Der redaktionelle Exodus ist offenbar die Reaktion auf die Weigerung von Elsevier, in Zukunft sämtliche Online-Inhalte der Zeitschrift im Rahmen von Open Access kostenlos anzubieten. Die normalen Abo-Gebühren für wissenschaftliche Zeitschriften seien inzwischen so hoch, dass viele Universitäten sich die Kosten nicht mehr leisten könnten, kritisiert der bisherige Lingua-Herausgeber Johan Rooryck.

Das Problem dabei: Die Ergebnisse von mit öffentlichen Mitteln geförderter Forschung bleiben somit immer öfter für die wissenschaftliche Öffentlichkeit unsichtbar, und wo sie doch zugänglich sind, bescheren sie den großen Verlagen satte Renditen zu Lasten ohnehin knapper Bibliotheksbudgets. Elsevier etwa erreichte 2014 eine Gewinnspanne von 37 Prozent.

Der Verlag verteidigt sich trotzdem mit dem Argument, eine 100-prozentige Open Access-Strategie sei ökonomisch „nicht nachhaltig“, die Scientific Community hält kräftig dagegen: „What is ’sustainable‘ for Elsevier is unsustainable for universities“, so Martin Paul Eve (Open Library of Humanities).

goodreads und mendeley - vom social reading zum corporate reading

Goodreads & Mendeley: Vom Social Reading zum Corporate Reading

Social Reading- bzw. Social Referencing-Plattformen à la Goodreads oder Mendeley waren nie wirklich „sozial“ – denn hinter dem Service für kluge Köpfe stecken private Investoren, nicht die Community. Bisher konnten solche Angebote immerhin als unabhängig gelten, doch das hat sich in den letzten Tagen geändert. Goodreads wurde durch Amazon erworben, die auf das Arbeiten mit wissenschaftlichen Texten spezialisierte Plattform Mendeley ging an den Fachbuchverlag Elsevier. Angetreten als eine Art „Last.fm“ für die Wissenschaft, versammelt Mendeley knapp 2 Millionen aktive Geistesarbeiter, während sich auf Goodreads schon mehr als 16 Millionen Leser tummeln.

„Unsere Empfehlungen sind besser als die von Amazon“

Dabei wird es nicht bleiben: „Mit der Reichweite und den Ressourcen von Amazon kann Goodreads seiner lebendigen Community von Buchliebhabern mehr Leser hinzufügen und den Mitgliedern eine noch bessere Leistung bieten“, freut sich Goodreads’ CEO und Mitgründer Otis Chandler bei der Bekanntgabe des großen Deals. Insbesondere die Integration der von Goodreads bereitgestellten Social Reading-Funktionen in das Kindle-Universum dürfte die Größe der Leser-Community explodieren lassen. Schon bisher verdient Goodreads einen Teil des Geldes mit cleveren Leseempfehlungen, die auf Buchhandelsportale verlinkt waren. „Unsere Buchempfehlungen sind besser als die von Amazon“, kokettierte Chandler noch vor kurzem. In Zukunft sind es die Buchempfehlungen VON Amazon, FÜR Amazon.

Angst vor dem Shelfari-Effekt

Während sich einige Nutzer auf die Kindle-Integration von Goodreads freuen, kam die Nachricht vom Amazon-Deal für andere wie ein Schock. Manche befürchten den Shelfari-Effekt: diese Social-Reading-Plattform wurde bereits in der Vergangenheit von Amazon aufgekauft, dann jedoch in punkto Entwicklung eher stiefkindlich behandelt. Meldet man sich neu dort an, muss man ein Amazon-Account besitzen, oder neu anlegen. Vielen Goodreads-Nutzern ist aber offenbar schon die Vorstellung ein Gräuel, in Zukunft quasi für Amazon zu arbeiten. In den Diskussionsforen zirkulieren zahlreiche Vorschläge für Goodreads-Alternativen, wie etwa Booklamp, Anobii (beide kostenlos) oder LibraryThing (gebührenpflichtig).

„Change the way we do research“

Ähnlich schlecht beleumundet ist in der Scientific Community der neue Mendeley-Besitzer Elsevier, wenn auch aus anderen Gründen. Denn bisher fördern viele Features der von der Literaturverwaltung zum veritablen Wissenschaftler-Netzwerk avancierten Plattform den freien Austausch von Forschungsergebnissen. Motto: „It’s time to change the way we do research.“ Der Großverlag Elsevier dagegen hat in der Vergangenheit stark gegen OpenAccess-Konzepte lobbyiert und voll auf Zugangsbeschränkungen und Paid Content gesetzt, selbst wenn es nur um bibliografische Metadaten ging. Schon wieder „Time to change“? Immerhin dürfte der freie Wettbewerb der strategischen Neuausrichtung von Mendeley Grenzen setzen – denn wie bei Goodreads gibt’s auch in diesem Fall alternative Communities und Dienstleister, etwa ResearchGate oder Zotero.

Abb.: flickr/CollegeDegrees360 (cc)