Entbündelte Blätter: Blendle bietet Info-Happen mit Geld-zurück-Garantie

blendle-fuer-eine-handvoll-centsWenn nicht kostenlos, wie dann Nachrichten verkaufen? En gros oder en detail, per Flatrate oder scheibchenweise? Das niederländische Startup Blendle setzt seit 2014 auf die Entbündelung mittels Micropayment: Zeitungs- und Zeitschriftenartikel lassen sich mit der Blendle-App einzeln lesen und bezahlen. Im Schnitt für 25 Cent pro Artikel – und das sogar mit (wenn auch limitiertem) Umtauschrecht.

„Mischung aus Twitter, Google News & Paypal“

Blendle-Gründer Marten Blankesteijn beschreibt das Prinzip als eine Mischung aus „Twitter, Google News, Paypal und Leidenschaft für Qualitätsjournalismus“.
Auf dem Heimatmarkt Holland konnte der gelernte Journalist schon mehr als 300.000 Leser von diesem Konzept überzeugen, die meisten davon in der für Medienunternehmen besonders interessanten Altersgruppe U-35. Also jenen, die angeblich keine Zeitung mehr lesen bzw. kein Geld dafür ausgeben möchten.

Mehrheit der Presse-Verlage mit im Boot

Von Anfang an hatte Blankesteijn mit seinem Entbündelungs-Modell auch Deutschland im Blick, wollte aber warten, bis die Mehrheit der großen Presse-Verlage mit im Boot wäre. Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein: Anfang der Woche startete die Beta-Phase der deutschsprachigen Blendle-Version, und viele große Titel sind bereits dabei, von ZEIT oder Süddeutscher Zeitung bis zu Kicker, Neon oder Gala.

Joint-Venture mit Springer & NYT

Nicht zufällig sind sehr viele Springer-Produkte am neuen Micropayment-Kiosk erhältlich, zusammen mit dem New York Times-Verlag hält das deutsche Medienhaus nämlich einen 23 Prozent-Anteil am niederländischen Startup, drei Millionen Euro haben beide Kooperationspartner dafür locker gemacht. Ob’s dafür auch besser Konditionen gibt? In der Regel gehen bei Blendle 70 Prozent der Erlöse im Einzelverkauf an den Verlag, 30 Prozent erhält die Plattform.

Dem wählerischen Leser auf der Spur

Die Logik hinter solchen Angeboten wie Blendle oder dem ebenfalls in diesen Wochen angetretenen deutschen Start-Up Pocketstory ist klar: Verlage können damit LeserInnen erreichen, die sich nicht mit regulärem Digi-Abo oder einer monatlichen Flatrate binden möchten. Außerdem winken anonymisierte Nutzerdaten, mit denen man die eigenen Angebote optimieren kann.