Echtes E-Ink für 60 Euro: Weltbild startet neuen Low-Cost-Reader („eBook Reader 4“)

Schon fast ein lokales Brauchtum: auch im Herbst 2012 bringt Weltbild/Hugendubel einen neuen Low-Cost-Reader auf den Markt. Als Nachfolgemodell des eBook Reader 3.0 schickt die Buchhandelskette mit dem eBook Reader 4 erstmals ein E-Ink-Lesegerät ins Rennen – wiedereinmal zum Kampfpreis von 59 Euro. Das ist immerhin 20 Euro günstiger als das aktuelle Basismodell von Amazons Kindle. Auf besondere Features wie WiFi oder Touch-Screen muss man beim neuen 6-Zoller im abgerundeten schwarzen Gehäuse allerdings verzichten. Produziert wird der eBook Reader 4 wie das Vorgängermodell vom hessischen Unternehmen Trekstor. Das Gerät wird online über weltbild.de bzw. hugendubel.de vertrieben, ist aber auch vor Ort in bundesweit mehr als 400 Filialen erhältlich.

„Unsere Marktforschung zeigt, dass die Kunden vor allem eine lange Akkulaufzeit und komfortables Lesen schätzen“, so Nina Hugendubel anlässlich der Reader-Premiere. Diese beiden Eigenschaften gehörten allerdings nicht gerade zu den Stärken des mit stromfressenden LCD-Display ausgestatteten eBook Reader 3.0 (siehe den E-Book-News-Testbericht) – trotzdem ging der Siebenzoller bis Ende 2011 bereits mehr als 500.000 mal über den Ladentisch. Der neue E-Ink-Reader ist nahezu baugleich mit dem von der Börsenvereins-Tochter MVB im Frühjahr 2012 gelaunchten Liro Ink (alias Trekstor Pyrus), der im Buchhandel bereits für 69 Euro angeboten wird (siehe den E-Book-News-Testbericht). Im Unterschied zum Liro Ink hat der neue Weltbild-Reader allerdings nur 2 Gigabyte Speicher (statt 4 Gigabyte) und ist mit 216 Gramm ein bisschen schwerer, die Akkuleistung von mehreren Wochen dagegen soll identisch sein.

Der Leser kann über die Bedientasten unter dem Display zwischen sechs verschiedenen Schriftgrößen wählen und das Gerät sowohl im Hoch- als auch im Querformat nutzen. Für mehr Lesekomfort sorgen zudem spezielle Umblätter-Tasten am linken und rechten Gehäuserand. Vorinstalliert sind auf dem Weltbild-Reader bereits 30 aktuelle Leseproben, wer mehr Lesestoff im epub- oder PDF-Format auf den Reader bringen will, muss diese via USB-Kabel vom PC oder Laptop übertragen. Weltbild selbst bietet auf dem eigenen Portal mehr als 280.000 E-Titel an, und das nicht ohne Erfolg: bereits 10 Prozent der Online-Buchumsätze werden mit elektronischer Lektüre gemacht, kürzlich wurde die Schwelle von zwei Millionen verkaufter E-Books überschritten.

Abb.: Weltbild

17.500 E-Books pro Tag verkauft: Weltbild bilanziert Weihnachtsgeschäft

Weltbild hat im Weihnachtsgeschäft eine sechsstellige Zahl an E-Readern verkaufen können. Das massenhafte Verschenken von Lesegeräten führte dann unter deutschen Tannenbäumen zu fünfstelligen E-Book-Downloads innerhalb von 24 Stunden: „Allein am ersten Weihnachtsfeiertag beispielsweise zählte Weltbild.de 17.500 eBook-Kunden. Damit wurde erstmals die Schwelle von 10.000 eBook-Kunden am Tag überschritten“, berichtete Weltbild-Geschäftsführer Klaus Driever kurz nach Neujahr. Der Absatz liege damit um mehrere Hundert Prozent über dem Vorjahr. Auch Amazon berichtete über neue Download-Spitzen über die Weihnachtstage.

Zugleich gab Weltbild die Bestseller-Top 10 bekannt – an der Spitze der meistverkauften E-Books stehen mit Charlotte Links „Beobachter“, Andreas Frantz‘ „Eisige Nähe“ sowie Ken Folletts „Sturz der Titanen“ Titel, die 2011 auch als Hardcover und Paperback auf den Bestseller-Listen standen. Thriller-Autorin Karin Slaughter ist in den Top 10 von Weltbild sogar zweimal vertreten, ebenso das Münchner Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath alias Iny Lorentz, bekannt geworden durch die Wanderhuren-Reihe. Preislich rangieren die meistverkauften Weihnachts-Downloads zwischen 4,99 Euro und 19,99 Euro. Meist liegen die E-Book-Versionen ein paar Euro unter den Taschenbuch-Ausgaben, im Fall von Ken Follett kostet die elektronische Lektüre allerdings drei Euro mehr als das gedruckte Exemplar.

Insgesamt scheint sich Weltbilds Low-Cost-Strategie mit dem eBook Reader 3.0 ausgezahlt zu haben – das von TrekStor produzierte 6-Zoll-Gerät mit LCD-Bildschirm unterbietet mit 59 Euro preislich sogar noch die Basisversion des Kindle-Readers. Mit dem Weltbild-Tablet wird zudem ein vollwertiges Android-Gerät mit 8-Zoll-Touchscreen deutlich unterhalb von 200 Euro angeboten. Geholfen hat Weltbild bei den Verkaufsrekorden aber wohl auch die Präsenz vor Ort. Denn das Unternehmen ist nicht nur nach Amazon die Nr. 2 im Onlinebuchhandel und die Nr. 3 im deutschen Versandhandel. Anders als die Konkurrenz aus dem Web ist die Buchhandelskette auch mit mehr als 300 Filialen im deutschsprachigen Raum flächendeckend vertreten.

Weltbild-Bestseller Top 10

  1. Charlotte Link
    Der Beobachter (E-Book 8,99 Euro / Taschenbuch 9,99 Euro)
  2. Andreas Franz
    Eisige Nähe (E-Book 4,99 Euro / Taschenbuch 9,99 Euro)
  3. Ken Follett
    Sturz der Titanen (E-Book 19,99 Euro / Taschenbuch 16,99 Euro)
  4. Karin Slaughter
    Tote Augen (E-Book 15,99 Euro / 19,99 Euro)
  5. Christopher Paolini
    Eragon – Das Erbe der Macht (E-Book 19,99 Euro / Taschenbuch 24,99 Euro)
  6. Iny Lorentz
    Dezembersturm (E-Book 4,99 Euro /Taschenbuch 9,95 Euro)
  7. Dora Heldt
    Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt (E-Book 12,99 Euro / Taschenbuch 14,99 Euro)
  8. Sarah Lark
    Die Insel der tausend Quellen (11,99 Euro / Taschenbuch 16,99 Euro)
  9. Karin Slaughter
    Unverstanden (E-Book 5,99 Euro / Taschenbuch 6,95 Euro)
  10. Iny Lorentz
    Töchter der Sünde (E-Book 17,99 Euro / Gebunden 19,99 Euro)

Abb.: Weltbild