Self-Publishing via Tolino Media: langer Marsch in die Top 100

tolino-media-erste-bilanzVor knapp acht Wochen ging Tolinos Antwort auf Amazons Klassiker KDP an den Start – inzwischen konnte man dem Kindle-Store-Herausforderer zufolge bereits mehr 400 Autoren für die neue Self-Publishing-Plattform gewinnen, insgesamt wurden mehr als 1.000 Titel hochgeladen. Die Rückmeldungen der Indie-Autoren sei sehr gut, auch wirtschaftlich falle das Zwischenfazit positiv aus, die Umsatzerwartungen seien übertroffen worden.

Elke Becker exklusiv bei Tolino

Fünf Autorinnen und Autoren haben es laut Tolino Media bereits geschafft, gute Platzierungen in den Top 100 der Partner-Shops zu erreichen: BC Schiller, Sarah Mundt, Dania Dicken, Petra Röder und Elke Becker. Letztere Autorin habe sich nun sogar entschlossen, ihren aktuellen Titel „Wenn Amor nicht zuhört“ exklusiv via Tolino zu veröffentlichen.

Fast keine Indies in den Top 20

Um das neue Angebot zu bewerben, haben die Tolino-Partner die Self-Publishing-Titel auf ihren Webseiten als eigene Rubriken aufgeführt und auch Bannerwerbung und Newsletter-Kampagnen eingesetzt. Schaut man in die besonders verkaufstarken Top 20 von Thalia, Weltbild oder ebook.de, entdeckt man aber bis auf B.C. Schiller (Thalia, ebook.de) und Sarah Mundt (ebook.de) keine weiteren Tolino-Autoren, allerdings vereinzelt via BookRix veröffentlichte Indies.

Tolino will auch stationäre Reichweite bieten

Bisher scheinen also die mehr als 10 Millionen Leser der Tolino-Welt offenbar noch die zumeist deutlich teureren Autoren der traditionellen Verlage zu bevorzugen. Für manche Indies dürfte sich die Teilnahme an Tolinos Self-Publishing-Programm mittelfristig aber sogar doppelt lohnen: ab Herbst, so Tolino Media, wolle man „ausgewählte Titel als Print-Ausgaben in das stationäre Sortiment der tolino-Partner bringen“.

Große Buchmarkt-Rochade: Hugendubel übernimmt eBook.de

eBook-de-jetzt-hugendubelGroße Rochade auf dem deutschen Buchmarkt: zum 1. Juli übernimmt Hugendubel die Mehrheit an Libris Buchhandelsportal eBook.de, das zu den Pionieren im deutschen E-Book-Handel gehört. In Zukunft hat eBook.de also Familienanschluss: Seit der Aufspaltung des Weltbild-Konzerns ist Hugendubel wieder als eigenständiges Familienunternehmen unterwegs, und gilt als größte inhabergeführte Buchhandlung in Deutschland. Der Digitalanteil am Umsatz lag bei Hugendubel schon bisher bei über 30 Prozent – mit der Technologie und Man-Power von eBook.de dürfte sich das wohl noch deutlich steigern lassen.

eBook.de-Team bleibt in Hamburg

Hugendubel behält vorerst das vollständige eBook.de-Team, das am bisherigen norddeutschen Standort die Arbeit fortsetzt. „Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung gehören die Hamburger zu den ersten und führenden eBook-Unternehmen in Deutschland und können uns somit perfekt ergänzen“, sagt Dr. Maximilian Hugendubel, geschäftsführender Gesellschafter von Hugendubel. Mehr „Multichannel“ heißt für Hugendubel natürlich auch: mehr Rückbau im stationären Bereich – viele der größeren Filialen mussten in letzter Zeit bereits geschlossen werden.

Libri wieder neutraler b2b-Partner

Für Libri ist der Abschied von eBook.de die Chance, sich wieder als stärker als neutraler Dienstleister für den unabhängigen Buchhandel aufzustellen. Denn dass der „Zwischenhändler“ im Internet auch auf eigene Rechnung Bücher und E-Books an den Endkunden verkauft und somit zugleich Konkurrent auftrat, war für die Buchhändler ein ständiges Ärgernis. Daran konnte auch der Relaunch der ursprünglich als „libri.de“ angetretenen Plattform nichts ändern. Doch jetzt ist die Scharte ausgewetzt: „Der bisherige eBook.de-Eigentümer Libri wird sich ausschließlich auf die Rolle des Technologie- und Logistikpartners konzentrieren“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung von Hugendubel.

Tolino schwimmt sich frei: Pakt mit Libri wasserdicht, neuer Reader dito

Die Tolino-Allianz bekommt Zuwachs: ab sofort ist auch das Online-Portal eBook.de mit an Bord, vormals unter dem Namen Libri.de bekannt. Für den unabhängigen Buchhandel eine gute Nachricht – denn dahinter steckt bekanntlich der gleichnamige Barsortimenter Libri. Die neuen Tolino-Tabs wie auch die wasserdichte Variante des Tolino-Vision-Readers werden somit über die von Libri bestückten White-Label-Shops kleinerer Buchhandlungen wie auch vor Ort selbst in den Handel gelangen.

„In den nächsten Jahren wird der eBook-Markt weiterhin stetig wachsen und in Deutschland, insbesondere im Bereich Belletristik, einen Anteil von über 15 Prozent am Konsumentenbuchmarkt ausmachen“, prognostiziert Per Dalheimer, Geschäftsführer der eBook.de NET GmbH. Diesen Wachstumsmarkt wolle man auch weiter maßgeblich mitgestalten. Der Marktanteil von eBook.de liegt bisher im niedrigen einstelligen Bereich – das Tolino-Label dürfte nun für neue Aufmerksamkeit sorgen.

Gerade rechtzeitig. Die Tolino-Allianz hatte zuletzt mit herben Rückschlägen zu kämpfen: der E-Store der Telekom (PagePlace) wurde nach knapp 12 Monaten wieder abgeschaltet, Bertelsmann gab das nahende Ende des Buchclubs bekannt. Nicht zuletzt hatte es im Vorfeld der FBM13 schon mal den Versuch gegeben, über einen Deal mit der Börsenvereins-Tochter MVB der Tolino-Modellpalette den Weg ins stationäre Geschäft zu bahnen. Der Versuch war jedoch krachend gescheitert, u.a. am Geld, denn das Tolino-Projekt verschlingt erhebliche Entwicklungskosten.

Damals hieß es, für das Entréebillet hätten die Indies eine sechsstellige Summe aufbringen müssen. Stattdessen lautete die Devise dann erstmal: Nolino statt Tolino. Regionale Ketten wie Osiander oder die Mayersche setzten faute de mieux auf Geräte von Drittherstellern, insbesondere von Pocketbook. Libri dagegen hatte schon seit 2009 mit Sony kooperiert – doch die Japaner möchten aus dem Reader-Geschäft aussteigen. Somit musste ohnehin Ersatz her. Unter den Barsortimentern in Deutschland ist Libri nach KNV die Nummer Zwei — und hatte offenbar anders als die MVB genügend Mittel flüssig, um die Einlasskontrolle zum Tolinoversum zu passieren.