No Niiu today: Individualisierbare Tageszeitung stellt Erscheinen ein

niiu-vor-dem-ausDeutschlands erste individualisierbare Tageszeitung steht vor dem Aus. Wie aus einem Schreiben an die niiu-Abonnenten hervorgeht, konnte das Berliner Startup sein Ziel von 5000 zahlenden Lesern nicht erreichen. Bei niiu war der Leser Redakteur: Seit Ende 2009 wählten niiu-Abonnenten ihre Lieblings-Ressorts aus mehr als einem Dutzend überrregionaler Zeitungen, dazu kamen Inhalte aus der Blogosphere. Per Digitaldruck wurde daraus dann eine personalisierte Tageszeitung, die jeden Morgen im Briefkasten landete.

Leser als Chefredakteur: Jedes Exemplar war ein Unikat

Hinter niiu standen zwei studentische Startup-Unternehmer: Wanja S. Oberhof und Hendrik Tiedemann. Auf dem Höhepunkt der Zeitungskrise wagten die beiden den Sprung ins kalte Wasser – statt E-Paper setzten sie mit ihrer Geschäftsidee weiterhin auf Papier, allerdings intelligent kombiniert mit Web-Technologie und den allerneuesten Digitaldruckmaschinen. Erklärter Anspruch war es, klassische Zeitungs-Inhalte mit Special-Interest-Themen aus dem Internet zu einem neuartigen Produkt zu bündeln (mit dabei war übrigens auch E-Book-News). Auch die enthaltenen Anzeigen konnten individuell zugeschnitten werden – was die niiu für die Werbebranche attraktiv machen sollte. Jedes Exemplar war ein Unikat, als Chefredakteur erschien im Impressum der Name des Abonnenten. Am 16. November 2009 wurden die ersten Exemplare in Berlin ausgeliefert (E-Book-News berichtete).

Falls niiu nocheinmal wiederkommt, dann in veränderter Form

Das Wohl und Wehe des Projekts hing natürlich von der erreichbaren Zahl der Leser ab – würde es der niiu gelingen, den Premium-Content für 1,80 pro Ausgabe (bzw. 1,20 Euro für Studenten) zu vermarkten? Der Einstieg war so niedrigschwellig wie möglich – statt einem normalem Abo konnte man via Paypal Gutscheine erwerben, die für eine bestimmte Anzahl von Ausgaben galten. Als besonderer Service kam Ende 2010 noch die niiu als E-Paper hinzu. Doch nach knapp dreizehn Monaten kam nun das vorläufige Aus. „Wir haben mit unserem Team über ein Jahr lang alles gegeben. Am Ende ist es uns bis heute aber nicht gelungen, in die Nähe der avisierten 5.000 zahlenden Leser zu kommen, die nötig sind um mit Niiu kostendeckend zu operieren. Aus diesem Grund müssen wir Niiu stoppen“, wurde den Abonnenten mitgeteilt. Falls niiu noch einmal wiederkommen sollte, dann wohl in anderer Form – meedia zufolge sind Oberhof und Tiedemann momentan auf der Suche nach neuen Geldgebern, um ihr Konzept in Richtung von individuellen Zeitungen für Hotels oder Gastronomiebetriebe weiterzuentwickeln.

Jenseits der rot-grünen Klappbrille: Augmented Reality als clevere Kombination alter und neuer Medien

augmented-reality-printmedien-3d-sz-magazin3D ist wieder da. Die bereits vor fünfzig Jahren im Kino erprobte Erlebnistechnik kommt als High-Tech-Variante zurück – neben der Leinwand auch auf Displays von Fernsehern und Spielekonsolen. Die Printmedien surfen auf dieser Welle mit. Sie drucken 3D-Bilder und verteilen rotgrüne Klappbrillen. Doch die Zukunft des Lesens dürfte wohl eher der Augmented Reality gehören. Leser des SZ-Magazins konnten diese Form der virtuell erweiterten Lektüre nun erstmals per Smartphone erleben.

3D in der Zeitung: technisch veraltet, aber gut für Anzeigenerlöse

Als Hollywood in den Fünfziger Jahren den Kampf gegen das neue Medium TV zu verlieren schien, galt 3D eine Zeit lang als probates Mittel, das Kinoerlebnis wieder konkurrenzfähig zu machen. Doch 3D geriet bald wieder in Vergessenheit, die Filmindustrie setzte lieber auf Cinemascope. Die Wiederkehr von 3D passiert heute fast gleichzeitig in allen Medien. Blockbuster wie Avatar können Couchpotatoes bereits per Shutter-Brille auf 3D-Fernsehern genießen, Nintendo bringt brillenlose 3D-Spielkonsolen heraus, selbst Urlaubsfotos und Filme erobern die Tiefe des Raums. Den Printmedien scheint angesichts der nächsten technischen Revolution mulmig zu werden. Auf das zweidimensionale Klickibunti des Internets konnten Zeitungen, Zeitschriften und Magazine noch einigermaßen reagieren. Mit mehr Weißraum zwischen den Texten, weniger Buchstaben in den Texten, und mehr Bildern neben den Texten. Doch was nun? Ganz einfach, man druckt rot-grüne Doppelbilder. „3D heißt das Zauberwort der multimedialen Zeit. Wir führen Sie in einer Beilage durch diese faszinierende Welt. Brille auf und los“, hieß es etwa in der Mittwochsausgabe der Berliner Zeitung. Auch BILD springt auf diesen Trend auf. Unter dem Motto „BILD-Leser sehen mehr“ wird die optisch aufgepeppte Ausgabe vom 28. August zusammen mit einer rotgrünen Klappbrille aus Pappe geliefert. Mit Multimedia hat das wenig zu tun, mit erfolgreicher Anzeigenakquise wohl sehr viel. Technisch war die Gutenberg-Galaxis schon Ende der Achtziger Jahre viel weiter, als etwa CHIP eine holographische Folie auf das Cover klebte.

Augmented Reality am Kiosk – das Smartphone macht’s möglich

Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt mit einer zeitgemäßeren Verknüpfung von alten und neuen Medien experimentiert: Augmented Reality. In absehbarer Zukunft wird unsere Realität angereichert durch digital eingeblendete Informationen, sei es mit Hilfe eines Head-Mounted-Displays, sei es mit Hilfe einer High-Tech-Kontaktlinse. In Fall des SZ-Magazins reichte dazu ein Smartphone mit eingebauter Kamera aus, ergänzt durch einen AR-Browser namens junaio, den man kostenlos via App Store oder Android Market herunterladen kann. Das Prinzip ist immer gleich: Die Umgebung wird von einer Kamera aufgenommen und analysiert. Eine Möglichkeit von AR ist die reine Kommentierung. Sobald etwa bestimmte Symbole, Bilder oder auch Gesichter von der Software erkannt werden, bekommt der Betrachter die passenden Daten auf das Display geliefert. Etwa den Nährwert von Lebensmitteln, den Namen des Künstlers oder die Vita des Gesprächspartners. Das SZ-Magazin demonstrierte diesen Aspekt von AR in Form eines virtuellen Reiseführers. Richtete man das Smartphone auf bestimmte Hotspots in Berlin, Hamburg oder München, bekam man exklusive Ausgehtipps der Redaktion.

Auf dem virtuellen Magazin-Cover outet sich Sandra Maischberger

Genauso gut kann man mittlerweile Realität und digitale Animationen mischen. Mit seinem Magic Book hat Mark Billinghurst diese Möglichkeit bereits Anfang der Nuller Jahre vorgeführt. Sah man ohne Head Mounted Display nur rätselhafte rechteckige Symbole, zeigte der Blick durch die klobige Hightech-Brille beispielsweise dreidimensionale Figuren. Beim SZ-Magazin blieb alles noch 2D, doch auch hier bildete dieser Teil des Experiments das eigentliche Highlight. Der Blick auf das Smartphone-Display bot nämlich ein deutlich verändertes Bild. So konnte man etwa sehen, wer auf dem Magazin-Cover sein Gesicht hinter den Händen verbirgt – in einer kurzen Filmsequenz outet sich Sandra Maischberger. Im Innern des Magazins tauchten zudem neben dem Gesicht von Lena Meyer-Landrut Sprechblasen auf, eine grüne Wiese verwandelte sich in einen Parkplatz, und das Kreuzworträtsel war plötzlich fertig gelöst.

AR heißt in letzter Konsequenz: Lesen ohne materielle Vorlage

„Statt nur über Augmented Reality (AR) zu berichten, haben wir ein Heft entwickelt, das die neue Technologie für unsere Leser erstmals in einem journalistischen Format erlebbar macht“, klopft sich dementsprechend Dominik Wichmann, Chefredakteur des SZ-Magazins auf die Schulter. Tatsächlich dürfte aber AR den 3D-Bildern bei BILD, Berliner Zeitung und selbst bei ARTE deutlich überlegen sein. Zum einen, weil es sich tatsächlich um eine Innovation handelt, und nicht um die Wiedervorlage längst bekannter Technologie. Zum anderen, weil das Papiermedium selbst dafür überhaupt nicht verändert wird – der informative Zusatz ist rein virtuell. Man muss mit AR in Zukunft auch kein 3D-Bild mehr drucken, um in der Zeitung eins zu sehen. Ein entsprechendes Display vor dem Auge reicht aus. Für gedruckte Zeitungen, aber genauso für gedruckte Bücher heißt das langfristig nichts gutes. Setzen sich AR-Brillen oder AR-Kontaktlinsen erst einmal durch, ist eigentlich gar keine materielle Vorlage mehr nötig. Wenn sich ein Bild einblenden lässt, wo keins ist, lässt sich natürlich auch eine ganze Zeitung oder ein ganzes Buch einblenden. Was man vielleicht noch braucht, sind ein paar leere Seiten für das haptische Empfinden und ein bisschen Papierrascheln.

Abschied vom Lachs-Papier: Stellt die Financial Times in den nächsten fünf Jahren die Druckerpressen ab?

finanical times ende der gedruckten ausgabe in fuenf jahren e-newspaper.gifSturm im Blätterwald: Innerhalb von fünf Jahren werde die Financial Times nicht mehr auf Papier erscheinen, ließ sich vor kurzem eine Managerin des FT-Mutterkonzerns Pearson zitieren. Steht der Abschied vom Papier für die prominente britische Wirtschafts-Gazette unmittelbar bevor? Immerhin beträgt die tägliche Printauflage zur Zeit international noch mehr als 400.000 Stück. Doch auch mit der Online-Ausgabe FT.com macht man mittlerweile Gewinn.

Für Ipadologen ist der Abschied vom Papier nur noch eine Frage der Zeit

Der Abschied vom Papier hat längst begonnen: „Da sitzen sie, die zwanzig Prozent der Käufer, die deutsche Tageszeitungen im vergangenen Jahrzehnt verloren haben“, schrieb Gundolf S. Freyermuth gerade in Folge 2 seiner „Ipadologie“ im Hinblick auf die jugendlichen Leser in U-Bahnen und Flughafen-Lounges, die auf die Displays von Smartphones, Netbooks und E-Reader starren. Die Migration der Information vom Analogen zum Digitalen hat tatsächlich viel mit den medialen Vorlieben der Internet-Generation zu tun. Genauso aber mit den ökonomischen Vorteilen für die Verlagsbranche, besser gesagt mit dem Kostendruck, der die Herstellung und den Vertrieb der „Holzmedien“ zum Defizitgeschäft gemacht hat.

Schluss mit dem lachsfarbenen Papier: „The Sunset is going to be in about five years“

Doch das wirkliche Ende der Printmedien vorherzusagen ist ungefähr so leicht wie eine Prognose zum Peak Oil, dem Fördermaximum der Erdölindustrie, von dem ab es nur noch abwärts gehen kann. Madi Solomon hat es trotzdem einmal versucht, zumindest für die Financial Times. Gegenüber paidcontent.org schätzte die für „Global Content Standards“ zuständige Managerin des FT-Mutterkonzerns Pearson: „The sunset is going to be in about five years“. Das lachsfarbene Zeitungspapier der Financial Times wecke zwar bei vielen noch nostalgische Gefühle, und man werde die Printausgabe nicht vollkommen einstellen, aber: „They will certainly pull back – in fact, they’re already pulling back.” Bei Paidcontent stellte man bei der Gelegenheit gleich mal ein kleines Ranking auf, welche Verlage ähnliche Hausnummern für das Ende der Gutenberg-Galaxis genannt haben: Beim Guardian etwa ging Herausgeber Alan Rusbridger bei der Einweihung des neuen Druckhauses im Jahr 2005 davon aus, man werde die Maschinen noch etwa für zwanzig Jahre brauchen können. Bei der Times schätzte John Witherow die Restlaufzeit der 2008 gestarteten Druckerei auf dreißig bis vierzig Jahre. Druckmaschinen als flexible „Brückentechnologie“ in die Zukunft?

Vielleicht ist das Ende der gedruckten Zeitung doch noch nicht ganz so nah…

Ähnlich wie bei Kohle- oder Atomkraftwerken sind solche Voraussagen offenbar mit Vorsicht zu genießen. Es gibt schließlich auch prominente Gegenbeispiele. Der amerikanische Seattle Post Intelligencer etwa hat das Drucken bereit im letzten Jahr eingestellt – zugunsten einer inhaltlich reduzierten Online-Ausgabe. Andere US-Blätter sind beschleunigt durch die Wirtschaftskrise komplett von der Bildfläche verschwunden. Mit dem iPad bekommt der Übergang noch mal zusätzliche Geschwindigkeit – auch in Deutschland haben alle größeren Medienhäuser in den letzten Monaten fleißig an eigenen Apps gebastelt. “If cheap, flexible screen technology really takes off, then I do think print’s years are numbered,” zitiert PaidContent Jon Bentley, den Online-Chef bei Incisive Media. Wann genau das so sein wird, darüber kann man auch weiterhin streiten. Beim Mutterkonzern der Financial Times tut man das offenbar auch: denn kaum war die Prophezeiung vom Ende der gedruckten Zeitung innerhalb von fünf Jahren in der Welt, ruderte ein Pearson-Sprecher gleich wieder zurück: “We’ve got no plans to scale back the print operations. We’ve got 23 print sites, we are opening new ones“, korrigierte man die Aussagen von Madi Solomon. Doch nach einer echten Garantie für die FT klang das letztlich auch nicht. Hinzugefügt wurde nämlich: man werde über das Abschalten der Druckerpressen „von Fall zu Fall“ entscheiden.

Nur Info-Häppchen für das Tablet: iPad-App der New York Times verärgert die Leser – und Steve Jobs

apple-ipad-app-new-york-tim.gif„Editor’s Choice“ heißt die iPad-App der New York Times – das klingt exklusiv. Ist es leider auch. Denn die „Graue Lady“ bringt ihren Premium-Content nur häppchenweise auf Apples Tablet. Das ärgert viele Leser – und vor allem Steve Jobs. Denn die multimediale iPad-Version der „Times“ war von Anfang an wichtiger Teil der Werbestrategie für das neue Gadget. Noch ärgerlicher: Auf Amazons Kindle ist die New York Times vollständig lesbar – wenn auch nur in Schwarz-Weiß.

Nachrichten-Häppchen auf dem Tablet: „Wo ist der Content?“

Zum iPad-Hype hat die New York Times nicht wenig beigetragen – in Anzeigen und Promotion-Videos musste sie als prominentes Beispiel für das virtuelle Zeitungslesen auf Apples Tablet-PC herhalten. Der optische Eindruck ist tatsächlich atemberaubend – der Traum vom E-Newspaper scheint zum Greifen nahe. Die Wirklichkeit ist jedoch etwas prosaischer. Denn im Vergleich zur NYT-Website bietet die Anwendung namens „Editor’s Choice“ nur einen kleinen Teil des vielfältigen Angebots. Das macht nicht nur Steve Jobs wütend, sondern auch die normalen Leser. „Where’s the content???“ fragen viele von ihnen in den iTunes-Reviews der iPad-App, manche wollen auch ganz einfach wissen: „is an upgrade with full content planned?“

Amazon hat sich für den Kindle eine „Meistbegünstigten-Klausel“ gesichert

Doch auch wenn die iPad App „Editor’s Choice“ heißt, haben die Herausgeber eigentlich keine Wahl: sie können nicht so einfach den vollen Content aufs Tablet bringen. Das hat zum einen etwas mit den Bedingungen zu tun, unter denen die NYT schon seit längerem eine E-Paper-Version auf Amazons Kindle bringt. Im Februar konnte man auf dem bits-blog der Times lesen:

Seit Dezember hat Amazon die Verlage dazu gedrängt, neue Vereinbarungen zu unterzeichnen, die sicherstellen sollen, dass der Content auf Kindle immer zum selben Preis oder günstiger verbreitet wird als auf anderen elektronischen Lesegeräten, wie etwa dem iPad oder dem Sony Reader. Die Vereinbarung ähnelt dem im Außenhandel angewendeten Prinzip der „Meistbegünstigten-Klausel“ und soll garantieren, dass Amazon-Kunden immer von den besten Preisen für E-Mags, E-Newspaper oder E-Books profitieren können.

Preise rauf, oder Preise runter? Pricing-Modelle für den iPad-Content

Wie das Online-Magazin Gawker berichtet, gibt es aber noch einen anderen Grund für das iPad-Problem. Denn die NYT bastelt noch eifrig an der Preisgestaltung für das zukünftig Paid-Content-Modell. In der Chefetage der Grauen Lady gibt es eine starke Front von Hochpreis-Befürwortern, die sich eine vollständige iPad-Version für 20 bis 30 Dollar pro Monat wünschen. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einerseits wäre die Gefahr des Kannibalisierungs-Effekts zuungunsten der Printausgabe nicht so groß. Zum anderen läge man damit auf jeden Fall über dem Preis der Kindle-Version (anfänglich 15 Dollar, jetzt 20 Dollar pro Monat). Nun sind 30 Dollar nicht gerade attraktiv für eine digitale Zeitung. Doch liegt der Preis zu nahe an der Kindle-Version, wäre das laut Gawker auch wiederum problematisch: wie soll man Amazon-Kunden gegenüber begründen, dass man für wenige Dollar mehr statt einer schwarz-weißen E-Ink-Ausgabe eine multimediale, bunte App bekommt? Allerdings gibt es bei der NYT auch eine Low-Price-Fraktion rund um Martin Nisenholtz, seines Zeichens „Senior Vice President for Digital Operations“. Dort denkt man eher an eine Marke von zehn Dollar. Dafür müsste man natürlich die Verträge mit Amazon nachverhandeln.

Noch ein Problem: Kostenlose Apps als gefährliche Konkurrenz

Am Ende könnte sich natürlich zeigen, dass beide Kalkulationen das eigentliche Problem der New York Times nicht lösen – denn um zurückgehende Print-Abonnements und schwindende Anzeigenerlöse zu kompensieren, müsste man eine große Zahl von neuen Lesern gewinnen, die überhaupt bereit sind, für die digitale Zeitungslektüre Geld zu zahlen. Doch kostenlose Alternativen gibt es schon jetzt genug. Besonders beliebt sind zur Zeit etwa die Apps von USA Today, BBC News oder Associated Press. Solange die Bezahlschranken und Paywalls bei der NYT noch nicht greifen, ist die direkteste Alternative zur iPad-App aber wohl die iPhone-App: denn auf das Display von Apples erfolgreichem Handy kommt „all the news that’s fit to print“ bisher nicht nur kostenlos, sondern auch komplett. Nur wer die NYT offline auf Laptop oder Netbook lesen will, musste bisher schon etwas blechen. Die „Times Reader„-Software gibt’s nur im Abo – für knapp 20 Dollar pro Monat.

E-Ink als iPad-Killer: ab 2011 mehr Kontrast, Farbe & Bewegtbilder

e-ink-als-ipad-killer-mehr-kontrast-farbe-bewegtbilderIn einem Interview mit Inquirer berichtet Sriram Peruvemba, Vize-Marketingchef der E-Ink Corp. über einen neuen Qualitätssprung bei elektronischem Papier. So wird sich etwa der Kontrast verdoppeln – liegt er momentan bestenfalls bei 6:1, dürfte er in Kürze das Verhältnis 10:1 bis 12:1 erreichen. Erste Geräte mit den verbesserten E-Ink-Displays werden bis Anfang 2011 in den Vertrieb gelangen. (mehr …)

Extrablatt, extraplatt: Neues E-Paper im Tabloid-Format von LG Display

e-paper-lg-display-e-newspaper-tabloid-formatEin Hauch von Minority-Report scheint durch die U-Bahn von Seoul zu wehen – in den Händen der Fahrgäste sieht man großformatige Zeitungen, die sich bei näherem Hinsehen als ultraflache, extrem biegsame E-Reader entpuppen. Was der koreanische Hersteller LG Display auf seinen PR-Fotos da als Prototyp präsentiert, kann sich wirklich sehen lassen: E-Paper mit 19-Zoll-Diagonale, Kantenlänge 25 mal 40 Zentimeter.

Die Massenproduktion der 11-Zoll-Variante beginnt im Frühjahr 2010

Bei der Fertigung des nur 3 Millimeter dünnen Materials setzt LG Display auf fortgeschrittene TFT-Technologie, die direkt auf eine flexible Metallfolie aufgebracht wird. Auch beim Gewicht kommt man damit einer echten Zeitung näher: wie die Korea Times berichtet, wiegt der E-Paper-Bogen im Tabloid-Format nur 130 Gramm – und bringt damit nicht einmal mehr halb so viel auf die Waage wie ein herkömmlicher 6-Zoll-Reader mit steifem Rücken. Und von wegen Sci-Fi: Das neue E-Paper ist praktisch serienreif. Die Massenproduktion einer 11,5-Zoll-Variante wird sogar schon in Kürze beginnen – genutzt wird sie u.a. für das Display des Skiff-Readers, den der Zeitungskonzern Hearst Anfang Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas erstmals der Öffentlichkeit präsentiert hatte.

Mediencoup für die Tabloid-Presse: In der Praxis wird es E-Reader mit 19 Zoll wohl nicht geben

Ob dann tatsächlich noch eine Tabloid-Variante hinzukommen wird, ist allerdings fraglich – es ging LG Display mit dem Riesen-Display wohl eher darum, einen Medien-Coup zu landen. Analysten prognostizieren einen E-Reader & E-Paper-Boom für die nächsten Jahre – und der nach Samsung weltweit zweitgrößte Hersteller von elektronischem Papier steckt auch medial seine Claims ab. Machbar ist natürlich in Zukunt vieles – auch zu günstigen Preisen. Denn ähnlich wie früher Zeitungen billig im Rotationsdruck hergestellt wurden, fertigt man in Zukunft E-Paper im Roll-to-Roll-Manufacturing direkt von der Rolle, in beliebigem Format. Theoretisch könnte man in Zukunft sogar eine E-Paper-Version vom legendären Atlas des Großen Kurfürsten abspulen, der in der Berliner Staatbibliothek lagert – das Prachstück misst einen Meter siebzig mal zwei Meter zwanzig(!). Umblättern kann man ihn noch alleine, tragen nur im Team. Elektronisches Papier wäre auch hier eine hervorragende Lösung – und trotzdem total sinnlos. In der Praxis dürfte man schon mit einem Tabloid-Reader nicht nur in der U-Bahn von Seoul auf Dauer schlecht fahren, nicht nur während der Rush-Hour. Denn schließlich muss man so ein Gadget ja auch irgendwie verstauen können. Faltbares E-Paper wird es wohl in absehbarer Zukunft nicht geben – und komplett einrollen kann man aktuelle Varianten auch noch nicht.

Nicht nur die Geräte werden flexibler: der Inhalt wird es auch

Ohnehin ist es ja unwahrscheinlich, dass Reader nur für einen Zweck produziert werden – wie etwa zum Lesen großformatiger Zeitungen, während man für E-Books und selbst für Zeitschriften oder Comics mit weitaus kleineren Formaten zurecht kommt. Werden wir bald auch E-Reader im nordischen Format kaufen können? Wohl kaum. Denn nicht nur die Geräte werden flexibler, der Content wird es auch (Stichwort: Reflowability) – denn er landet schließlich auf vielen verschiedenen Displays. Für mobiles Lesen via E-Paper dürfte sich ein Standard-Format irgendwo zwischen fünf und elf Zoll einpendeln – wenn überhaupt. Ein Großteil der digitalen Lektüre unterwegs findet ohnehin schon heute auf den Displays von Mobiltelefonen ab – und zwar nicht nur in Seoul, Bei Jing oder Tokio.

Der Traum vom Tablet: Media-Morphose von der Zeitung zum E-Newspaper begann schon 1994

knight-ridder-tablet-e-newspaper-prototyp-roger-fidler-e-readerWas gut ist, setzt sich durch – manchmal dauert aber etwas länger. Was für den E-Reader gilt, lässt sich ebenso vom Tablet PC sagen. Fast hätte der Einstieg in das mobile Lesen schon Anfang der Neunziger Jahre geklappt – der amerikanische Medienkonzern Knight Ridder arbeitete damals an einem mobilen Touch-Screen-Tablet, das speziell zur Lektüre von E-Newspapern gedacht war. Das World Wide Web war noch weit weg vom Massenmarkt – stromsparende Farbdisplays allerdings auch. Hätte es nicht trotzdem klappen können?

The Tablet-Newspaper – eine Zukunftsvision aus dem Jahr 1994

Man stelle sich folgende Szene vor: Eine junge Frau sitzt auf einer Parkbank, in ihrer Hand ein mobiles Lesegerät, mindestens 10 Zoll Durchmesser. Sie liest die farbige Online-Ausgabe einer Tageszeitung, zum Anklicken einzelner Artikel nutzt sie einen Stylus. Am Rand des Gerätes kann man einen Namen lesen: „Tablet“. Dazu eine Stimme aus dem Off: „Tablet-PCs werden eine ganz neue Art von Computern sein. Sie werden weniger als ein Kilo wiegen. Sie werden tragbar sein und ihr Bildschirm wird eine Qualität haben, die mit gedrucktem Papier vergleichbar ist.“ Schnitt. Ein Mann in einem Gartenrestaurant, ebenfalls mit mobilem Lesegerät. Er liest einen Artikel aus dem Politikteil und klickt auf dem Touchscreen eine Europakarte an, und sofort startet eine Flash-Animation. Dann reicht er das Lesegerät seiner Frau. Diese blättert zum Sportteil weiter und schaut sich einen Videoclip vom letzten Baseball-Spiel ihrer Lieblingsmannschaft an. Dazu wieder die Stimme aus dem Off: „Tablet-PCs werden Text, Video und Audio zusammenbringen. Und sie werden am Ende dieses Jahrhunderts ein Teil unseres Alltags sein…“ Am Ende des Jahrhunderts? Richtig gehört, denn die Szene stammt aus einem Video des Jahres 1994: „The Tablet Newspaper – A Vision of the Future“.

Die „Media-Morphose“ der Zeitung im Zeitalter der Datenautobahn

Ausgegraben hat es Bryan Monroe für die Huffington Post. Der Frisurenmode nach sieht der Clip aus wie späte Achtziger. Doch die vorgeführte Technik ist verblüffend: Das 13 minütige Promotion-Filmchen zeigt eine mediale Zukunft, die es so noch gar nicht gegeben hat. Hinter dem ambitionierten Tablet-Projekt stand Roger Fidler, damals Chef des Information Design Lab in Boulder, Colorado. Für den Medienkonzern Knight Ridder arbeitete der Blattmacher und Computerspezialist an der Zukunft der Tageszeitung – und das hieß für ihn: es ging um den Übergang zum elektronischen Content, lesbar auf mobilen Geräten mit Farb-Bildschrim. Zu Knight Ridder gehörten damals gutlaufende Blätter wie der Miami Herald und zahlreiche TV- Stationen. Doch offenbar teilte man Fidlers Philosophie des Medienwandels: „Alle Medien werden sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren transformieren, und zwar entlang der Fortentwicklung von Computern und digitaler Kommunikationstechnik“, prophezeit der Boulder-Lab-Chef in die Kamera, während im Hintergrund ein Macintosh-Layoutcomputer im Hochformat vor sich hin surrt. Vom Internet sprach man damals zwar noch nicht, doch führt Fidler schon Worte wie „Information Superhighway“ im Mund – nichts anderes als die „Datenautobahn“. Doch was würde die von Fidler als „Media-Morphose“ bezeichnete Wandlung für die Zeitungsbranche bedeuten?

“Jeder Mensch weiß, wie man eine Zeitung benutzt“

knight-ridder-roger-fidler-e-newspaper-e-reader-prototype-tabletIm Promo-Clip ähnelt die E-Paper-Version deutlich dem Layout einer gedruckten Zeitung. „Am Anfang kommt das neue oft noch im alten Gewand daher“, so Fidler vor der Kamera, „und ich glaube so wird es sein beim Übergang zwischen gedrucktem Papier und der digitalen Tageszeitung, digitalen Zeitschriften und Büchern.“ Beim Boulder-Lab setzte man deswegen auf eine möglichst intuitive Benutzung: „Man weiß ja schließlich, wie man eine Zeitung benutzt, wie man umblättert, sich einen Überblick verschafft, sich einzelne Rubriken näher anschaut. Mit Hilfe der Elektronik kann man all diese Dinge aber sogar noch einfacher machen.“ Tatsächlich sieht die Benutzung des drahtlos mit dem Datennetz verbundenen Prototypen äußerst komfortabel aus. Das Tablet von 1994nimmt sogar viele Elemente vorweg, die wir heute von den Nachrichtenportalen des Internets gewohnt sind, etwa die Zusammenstellung der Nachrichten nach persönlichen Interessen oder die Möglichkeit, einzelne Artikel weiterzuempfehlen. Andere Features erinnern sogar an Amazons Kindle – etwa die Text-To-Speech-Version, die sich beim Knight Ridder-Projekt aber sogar per Sprachsteuerung (!) aktivieren lässt. Hochdynamisch sind aber auch die Anzeigen – man kann sie ebenfalls anklicken und wird dann zu einer Art E-Shopping-Plattform weitergeleitet. Kein Wunder, dass sich Knight Ridder vom E-Paper-Tablet ein profitables Geschäft versprach.

Zurück in der Zukunft: Auf ein überzeugendes E-Newspaper warten die Leser immer noch

Realisiert wurde der Knight-Reader aus dem Knight-Ridder-Labor nie – schon 1995 kam das Aus. Direkter Auslöser war der Tod des Konzernchefs James Batten. Doch es gab auch andere Probleme: Man hatte zwar einige Verlage als Partner gewinnen können, am Ende machte Fidler & Co. aber ganz einfach die Gerätetechnik der Neunziger Jahre einen Strich durch die Rechnung – die Bildschirme waren noch zu schwer für schlanke Mobilgeräte, und sie verbrauchten noch zu viel Strom. Mit dem Boom des World Wide Webs wanderten die elektronischen Ausgaben der Zeitungen via Modem nun erstmal auf die Röhrenbildschirme der PC-Welt. Auch das hatte man bei Knight Ridder ironischerweise schon vorausgesehen – schon in den frühen Achtzigern hatte der Konzern mehr als 50 Millionen Dollar in ein Viewtron genanntes Videotext-System gesteckt – mit dem man auf dem Fernseher in grober Pixelauflösung nicht nur Homeshopping betreiben konnte, sondern auch Zeitungsmeldungen geliefert bekam. Die wirkliche Herausforderung der Media-Morphose konnte das WWW allerdings genauso wenig lösen wie vorher Viewtron: „Information kommt nicht einfach aus der Leitung wie Wasser aus dem Wasserhahn, es kommt immer auf die Form an, bei der Zeitung vor allem auf die Wiedererkennbarkeit“, wusste Roger Fidler schon vor fast zwanzig Jahren. Auf ein echtes E-Newspaper, das die gewohnte Zeitungseite in eine überzeugende interaktive Form bringt – und nicht nur als bloßes PDF reproduziert – warten die Leser immer noch. Insbesondere, was die großformatige Präsentation auf einem mobilen, farbigen Touch-Screen betrifft. Nochmal 20 Jahre wird man zumindest nicht warten müssen. Die vollwertige elektronische Zeitung wird in den nächsten Jahren kommen, so viel ist klar. Tablet PCs mit E-Paper-Qualität stehen kurz vor der Serienfertigung. E-Reader mit flexiblen Farb-Displays sind ebenfalls kurz vor dem Marktstart. Unklar ist lediglich, ob man am Ende von einem „Tablet“ sprechen wird, von einem „E-Reader“, oder ob man einfach „die Zeitung“ liest. Erst dann wäre die Mediamorphose wohl tatsächlich gelungen.

PS: Wer wissen möchte, was Roger Fidler von der heutigen E-Reader-Technik hält, sollte sich mal Roger Fidler’s E-Reader Buyer’s Guide anschauen.

Neues von niiu – die personalisierte Tageszeitung im Praxis-Test

niiu-personalisierte-tageszeitung-berlin-test-e-newspaperNiiu ist da – die ersten Ausgaben der personalisierten Tageszeitung wurden jetzt in Berlin ausgeliefert. Das von zwei Studenten gegründete Startup kombiniert auf neue Weise Print und Online: gedruckt werden nur Inhalte, die von den Abonnenten gewünscht sind. Zur Wahl stehen Rubriken verschiedener nationaler und internationaler Tageszeitungen, aber auch Content aus der Blogosphere. E-Book-News hat die neue niiu getestet.

Leicht, mittel oder schwer? Sudokus mit selbst gewähltem Schwierigkeitsgrad


Warum sollte man in Zeiten von Google News überhaupt noch Zeitungen lesen? Im Internet filtert man sich schließlich genau die Informationen heraus, die man haben möchte. Andererseits ist eine Zeitung aus Papier natürlich bequemer am Frühstückstisch zu lesen. Auf das erste flexible E-Paper im Großformat müssen wir wohl noch etwas warten. In der Zwischenzeit verspricht das Berliner Startup Niiu nun, das beste aus beiden Welten zu liefern – die dank Internet und Digitaldruck personalisierte Tageszeitung. Damit sollen auch potentielle Leser aus der Twitter-Generation motiviert werden, wieder ein Print-Produkt in die Hand zu nehmen. Niiu setzt auf Personalisierung, genauso aber auf Lokalisierung. Das sieht man bereits auf der Titelseite (siehe auch unser Youtube-Video). Neben dem Wetterbericht für Berlin findet man dort ein Sudoku mit selbst gewähltem Schwierigkeitsgrad. Sichtbar wird aber auch ein ganz besonderer Clou: aktuelle Inhalte aus der Blogosphere landen auf dem gedruckten Papier – in unserer Testausgabe die neuesten Postings von E-Book-News. Allerdings läuft die Umsetzung nicht ganz sauber – einige Spalten sind mit Steuerzeichen-Müll aus dem RSS-Feed gefüllt. Hier ist wohl noch einiges Feintuning nötig.

Nicht jedes Zeitungsformat eignet sich für die niiu – die New York Times ist nur mit der Lupe zu entziffern

zeitungsformate-niiu-e-newspaper-personalisierte-tageszeitung-bild_wikipediaBeim Durchblättern der bunten Mischung unterschiedlichster redaktioneller Inhalte zeigen sich weitere Schwachstellen des Projekts. Niiu erscheint im sogenannten Berliner Format, d.h. jede Seite ist etwa so groß wie zwei DinA4-Blätter. Viele Zeitungen wie etwa FAZ, Süddeutsche oder die Berliner Morgenpost werden jedoch im größeren „nordischen Format“ gedruckt. Das Layout wird dann heruntergezoomt, um noch in den Satzspiegel der niiu zu passen. Die Schrift wird dadurch deutlich kleiner. Bei Boulevardzeitungen macht das nicht viel aus, doch bei der New York Times etwa brauchte man fast schon fast eine Lupe zum Lesen. Doch anders geht es wohl zur Zeit nicht – die deutschen Zeitungen sind noch nicht darauf eingestellt, ihren Content auch in einem anderen Layout zu liefern, ob für den E-Reader oder Projekte wie niiu. In Frankreich und den Niederlanden ist das schon anders – hier haben manche Blätter sogar Redakteure und Layouter, die nur für den Content-Export zuständig sind. Dem niiu-Abonnenten bleibt so wohl nichts anderes übrig, als auf Zeitungen im richtigen Format zuzugreifen – zum Beispiel die Frankfurter Rundschau oder die taz.

Logistik-Probleme: Bis jetzt liegt die niiu nicht im Briefkasten, sondern draußen vor der Tür

Der Vergleich zwischen niiu-Version und „echter“ taz zeigt übrigens ein weiteres Problem: die Farben kommen beim Digitaldruck nicht so kräftig heraus wie beim Original. Insgesamt bleibt das Urteil so ausgeglichen: Die Idee einer personalisierten Tageszeitung ist toll – sie bietet auch eine gute Lösung für die aktuelle Paid Content-Debatte. Wenn man das richtige Angebot hat, einen Zusatznutzen bieten kann, werden sich auch für eine Print-Zeitung genügend LeserInnen finden lassen. Eins dürfte jedoch auch klar sein – die Qualität muss stimmen. Warum sollte man sonst 1,80 Euro (Studenten 1,20 Euro) pro Ausgabe in ein solches Produkt investieren? Damit die Rechnung aufgeht, müssen die Macher der niiu noch kräftig nacharbeiten. Nicht nur, was Layout und Technik betrifft. Auch die Logistik hinkt noch. Im Briefkasten findet man die Zeitung nämlich bisher nicht, sondern draußen vor der Tür. Immerhin: Auf ihrem Blog haben die niiu-Gründer Wanja S. Oberhof und Hendrik Tiedemann gleich am ersten Tag Besserung gelobt. Und zeigten sich spendabel: als kleine Gegenleistung wurde die Laufzeit des kostenlosen Test-Abos verlängert…

Konkurrenz für E-Ink: Neue E-Paper-Lösungen ab 2010 verfügbar

E-Ink bekommt Konkurrenz-neue E-Paper-Lösungen ab 2010.gifDie Formel elektronisches Papier gleich E-Ink geht bald nicht mehr auf. Ob Amazon Kindle, Sony Reader oder Bookeen CyBook: Bisher sind die meisten E-Reader mit einem Display der US-Firma E-Ink Corp ausgestattet. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Fujitsu liefert bereits farbiges E-Paper, Bridgestone Corp und SiPix Imaging haben ebenfalls E-Ink-ähnliche Techniken entwickelt. Das Startup Pixel Qi setzt dagegen auf High-Res-LCD. Das Ende des E-Ink-Monopols erlaubt mehr Variationsmöglichkeiten, vor allem beim Preis.

Bisher gab E-Ink den Preis für Displays vor: 6 Zoll für 60 Euro

E-Ink-Displays sind nicht nur der teuerste Bestandteil eines E-Readers – sie sind bisher auch für alle Wettbewerber gleich teuer. „Der E-Paper-Preis vom Vorreiter E-Ink war für uns tatsächlich die Richtmarke“, bestätigt Itsuo Tanuma von der Bridgestone-Enwicklungsabteilung. Zur Zeit kostet ein 6-Zoll-Display mit E-Ink 60 Dollar. Beim Kindle 2 etwa macht es ein Drittel der Gesamtkosten aus. Die Preise dürften in Zukunft deutlich fallen – alleine schon wegen rasant steigender Produktionszahlen. Wurden 2008 noch ca. 1 Million Displays gefertigt, so sollen es bis 2014 bereits 30 Millionen pro Jahr sein. Für Bridgestone (Taiwan) sind die E-Ink-Zeiten auf jeden Fall vorbei. Im Spätsommer will man eigene Displays vermarkten, die mit der „Electronic Liquid Powder“-Technologie arbeiten. Konkurrent SiPix Imaging aus Japan bringt in Kürze Displays mit einer vergleichbaren „Microcup Electrophoretic Technology“ heraus. Für die Farbdarstellung nutzt man dieselbe RGBW-Filterung wie E-Ink. Doch die Displays der Konkurrenten sind erheblich schneller. Immerhin gelingt bei Bridgestone etwa der Seitenwechsel bei einem Display in DIN A 4 -Größe jetzt in nur 0,8 Sekunden. „Es gibt keine störende Verzögerung mehr, auch nicht bei der Kombination mit Touch-Screen-Technik“, so Itsuo Tanuma.

Europa, Asien, USA: überall arbeitet man an flexiblen E-Reader-Displays

Ein weiterer Nachteil war bisher die gläserne Einfassung von E-Ink-Displays: das machte die Lesegeräte nicht nur unnötig schwer: das Rollen oder Falten des Readers konnte man natürlich knicken. Die Zukunft ist dagegen äußerst biegsam: Neben PlasticLogic arbeiten auch Prime View International (Japan), LG Display (Korea) und Polymer Vision (Niederlande) an flexiblen E-Paper-Lösungen. Einen Haken haben natürlich Farb- wie Flexi-Screen doch: sie sind noch ziemlich teuer. Early Adopters müssen also erstmal noch tief in die Tasche greifen. Erfolgversprechender scheint deswegen die Strategie von Pixel Qi: dort setzt man nämlich auf Flüssigkeits-Kristall. Die Lesbarkeit ist zwar nicht ganz so gut, und LCD verbraucht etwas mehr Strom. Dafür hat LCD aber neben geringeren Kosten noch andere Vorteile – nämlich brilliante Farbdarstellung und maximale Bildwechsel-Frequenzen. So können E-Reader mit dieser Technik auch als Internet-Tablet und Video-Bildschirm genutzt werden.

Flüssigkeitskristall!? LCD als E-Paper-Lösung für E-Reader und Netbooks

LCD gibt’s schon eine ganze Weile, doch die 3Qi-Konzept stellt bisherige Standards in den Schatten. Der Clou ist die Möglichkeit, zwischen transparenten Farb-Modi und einem reflexiven ePaper-Modus. Mit anderen Worten: einmal mit einer Lichtquelle unter dem Display, einmal mit Nutzung des einfallenden Tageslichtes. Sales&Marketing-Vize John Ryan: „Wir haben uns überlegt, wie man mit LCD einen bessere Lesekomfort erreichen kann, und heraus kam schließlich ein reflektiver Modus mit niedrigem Stromverbrauch und hoher Auflösung“. Der ePaper-Modus erlaubt die dreifache Auflösung des Farb-Modus. Auf dem Prototyp mit zehn Zoll-Fläche heißt das: 1024×1800 Pixel statt 1024×600. Die Multifunktions-Displays können in verschiedenen Geräten Verwendung finden, so Ryan: „Die ersten zehn Zoll-Displays werden nicht nur in E-Readern, sondern auch in Netbooks und ähnlichen Geräten eingebaut.“ Die Serienfertigung startet Ende 2009. Eine vergleichbare LCD-Technik hat PixelQi bereits für das „Hundert-Dollar-Laptop“-Projekt produziert: die neueste Version der „XO-Notebooks“ hat keine Tastatur, dafür aber zwei Bildschirme mit Touch-Screen-Funktion, hochkant aufgeklappt kann man es wie ein richtiges Buch benutzen.

(via Tech-On!)

Zeitung lesen auf dem E-Book-Reader: Calibre macht’s möglich

Zeitungen auf dem E-Book-Reader lesen? Das geht nicht nur mit dem Amazon Kindle, sondern praktisch mit jedem E-Book-Reader, auch wenn er nicht WLAN-fähig ist. Es geht sogar für umsonst: Denn zahlreiche Online-Zeitungen (z.B. taz, Le Monde, The Guardian) bieten ihre Artikel nicht nur auf der Homepage als Volltext an, sondern ermöglichen auch das Mitlesen über einen RSSFeedreader. Alles, was dazu noch fehlte, war ein Programm, das nicht nur die Feeds einsammelt, sondern auch den Feed eines Tages in ein E-Book verwandelt und auf den Reader überträgt. Mittlerweile gibt es einen „E-Book-Library Manager“ namens Calibre, der für diesen Zweck tatsächlich genau das richtige Kaliber hat: Calibre ist Feed-Aggregator, Konvertierungs- und Syncingprogramm in einem. (mehr …)