Papierlose Zeitung spart Kerosin: Lufthansa stellt um auf digitale Bordexemplare

lufthansa-papierloses-bordexemplarMit „Bordexemplaren“ von Magazinen und Gazetten hübschten die Zeitungsverlage bisher ihre Printauflage kräftig auf, ein für die Fluggäste wie auch die Airlines (zumeist) kostenloser Service. Doch die Zeiten der Win-Win-Situation auf Totholz-Basis sind offenbar vorbei. Mit der Lufthansa erteilt eine der weltgrößten Fluggesellschaften der gedruckten Lektüre zukünftig Startverbot, als Ersatz gibt’s E-Paper zum Download auf Smartphone, Tablet oder Laptop.

„Großteil der Passagiere nutzt Mobilgeräte“

Die Passagiere dürfen sich freuen: man werde auf diesem Weg „eine deutlich erweiterte Auswahl von deutschsprachigen und internationalen Magazinen und Zeitungen anbieten“ können, so die Lufthansa-Pressemitteilung. Ohnehin führe ja ein „Großteil der Fluggäste mindestens ein mobiles Endgerät auf Reisen mit sich“. Die „Reduzierung der Printauflage“ bedeute zugleich auch „weniger Gewicht an Bord und somit einen geringeren Kerosinverbrauch“. Laut Wirtschaftswoche soll es um einen „Millionenbetrag“ gehen.

Print als Werbeträger leidet

Nicht ganz so freuen dürften sich die Verlage, denn alleine Welt, FAZ und Süddeutsche boosteten noch 2014 ihre offizielle Printauflage (ausgewiesen via IVW/Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) um mehr als 120.000 Exemplare. Nun können sie zwar ihre Digitalauflagen aufbessern, erhalten aber im Gegenzug für etwaige Printanzeigen weniger Geld. Auch hierbei dürfte es um Millionenbeträge gehen.

Zum Start zwei E-Paper pro Fluggast

Letzte Woche ging’s los: Fluggäste können bei der Airline mit dem Kranich nun bereits drei Tage vor dem Start unter Angabe von Buchungscode oder Ticketnummer online zwei eJournals ihrer Wahl herunterladen. Ab März 2016 will die Lufthansa das Angebot dann „je nach Reiseklasse und Vielfliegerstatus“ staffeln – mit anderen Worten: je VIPper, desto mehr E-Paper gibt’s pro Nase. Aber auch desto mehr Lese-Luxus: In den Lounges am Boden wie auch in der ersten Klasse an Bord wird nämlich vorerst auch weiterhin gedruckte Zeitungen finden.

(via publisher vor 9 & taz.de)

Real Time-Busfahrplan: London testet Info-Säulen mit E-Paper-Display

busfahrplan-auf-epaper-basis-londonWann kommt der nächste Bus? Welche Route fährt er, wo kann man aussteigen? Fahrgästen an vier ausgewählten Haltestellen im Londoner Zentrum sollen diese Infos jetzt in Echtzeit angezeigt werden – durch eine E-Paper-Infosäule, erkennbar am kurzen Aufflackern beim Screen-Refresh.

Nicht nur vom Hochkant-Format her erinnert der aus drei Teilen bestehende High-Tech-Fahrplan an eine Art Triptychon aus riesigen Kindle-Readern: mit Hilfe von drei Menüknöpfen am unteren Rand kann man auch durch den kompletten Fahrplan blättern. Die Energie für die Infosäule liefern Solarzellen, aktuelle Fahrplandaten werden drahtlos via 3G eingespeist.

Die erste E-Paper-Säule ist bereits seit Dezember an der Station Waterloo Bridge aktiv, weitere kommen im Januar am Parliament Square, Piccadilly Circus und Sloane Square hinzu. Für Transport of London dient dieser Test auch dazu, die tatsächlichen Betriebskosten zu ermitteln. Doch selbst wenn es sich rechnen sollte: im Großraum London gibt’s insgesamt mehr als 19.000 Haltestellen, die meisten werden wohl bis auf weiteres erstmal mit Fahrplänen aus Papier auskommen müssen.

Vandalismus befürchten die Verkehrsbetriebe übrigens nicht, gerade wenn die Informationen aktuell und stimmig seien, würden die Fahrgäste den angezeigten Fahrplan durchaus als nützlich betrachten und wertschätzen, so Technik-Chef Simon Reed gegenüber BBC News. Aggressionen, so darf man das vielleicht verstehen, lösen bisher also eher vergilbte Fahrpläne aus Papier aus…

(via engadget & BBC News)

Entbündelte Blätter: Blendle bietet Info-Happen mit Geld-zurück-Garantie

blendle-fuer-eine-handvoll-centsWenn nicht kostenlos, wie dann Nachrichten verkaufen? En gros oder en detail, per Flatrate oder scheibchenweise? Das niederländische Startup Blendle setzt seit 2014 auf die Entbündelung mittels Micropayment: Zeitungs- und Zeitschriftenartikel lassen sich mit der Blendle-App einzeln lesen und bezahlen. Im Schnitt für 25 Cent pro Artikel – und das sogar mit (wenn auch limitiertem) Umtauschrecht.

„Mischung aus Twitter, Google News & Paypal“

Blendle-Gründer Marten Blankesteijn beschreibt das Prinzip als eine Mischung aus „Twitter, Google News, Paypal und Leidenschaft für Qualitätsjournalismus“.
Auf dem Heimatmarkt Holland konnte der gelernte Journalist schon mehr als 300.000 Leser von diesem Konzept überzeugen, die meisten davon in der für Medienunternehmen besonders interessanten Altersgruppe U-35. Also jenen, die angeblich keine Zeitung mehr lesen bzw. kein Geld dafür ausgeben möchten.

Mehrheit der Presse-Verlage mit im Boot

Von Anfang an hatte Blankesteijn mit seinem Entbündelungs-Modell auch Deutschland im Blick, wollte aber warten, bis die Mehrheit der großen Presse-Verlage mit im Boot wäre. Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein: Anfang der Woche startete die Beta-Phase der deutschsprachigen Blendle-Version, und viele große Titel sind bereits dabei, von ZEIT oder Süddeutscher Zeitung bis zu Kicker, Neon oder Gala.

Joint-Venture mit Springer & NYT

Nicht zufällig sind sehr viele Springer-Produkte am neuen Micropayment-Kiosk erhältlich, zusammen mit dem New York Times-Verlag hält das deutsche Medienhaus nämlich einen 23 Prozent-Anteil am niederländischen Startup, drei Millionen Euro haben beide Kooperationspartner dafür locker gemacht. Ob’s dafür auch besser Konditionen gibt? In der Regel gehen bei Blendle 70 Prozent der Erlöse im Einzelverkauf an den Verlag, 30 Prozent erhält die Plattform.

Dem wählerischen Leser auf der Spur

Die Logik hinter solchen Angeboten wie Blendle oder dem ebenfalls in diesen Wochen angetretenen deutschen Start-Up Pocketstory ist klar: Verlage können damit LeserInnen erreichen, die sich nicht mit regulärem Digi-Abo oder einer monatlichen Flatrate binden möchten. Außerdem winken anonymisierte Nutzerdaten, mit denen man die eigenen Angebote optimieren kann.

Print, Web & App versöhnt: ePaper-Lösung von 1000°DIGITAL macht Inhalte mobil [Sponsored Post]

1000grad-epaper-appPrint oder Web? Egal ob’s um Bücher, Magazine oder Zeitungen geht: für viele deutsche Verlage ist das gar nicht die Gretchenfrage. Es geht vielmehr darum, wie Print UND Web zukünftig nebeneinander existieren können. Das Leipziger Unternehmen 1000°DIGITAL setzt genau an dieser Stelle an – durch die einfache Erstellung von interaktiven, blätterbaren E-Paper sollen Publisher ihre Inhalte ohne großen Mehraufwand online und mobil verbreiten können, sowohl im Browser als auch als App. (Kostenlos ausprobieren kann man diesen Service unter www.1000grad-epaper.de)

Kostengünstige Print-to-Online-Strategie

Sinkende Print-Auflagen betreffen zwar schon seit einigen Jahren die gesamte Branche, doch die Auswirkungen sind durchaus verschieden: „Die großen Medienkonzerne konnten schnell auf neues Nutzerverhalten eingehen und digitale Angebote ausgiebig testen. Doch kleine und mittelständige Verlagshäuser bekamen dies deutlich und vor allem finanziell zu spüren“, so Claudia Krempler, Online Marketing Managerin bei 1000°DIGITAL. Angemessene Print-to-Online-Strategien helfen zwar, Geld zu sparen, doch zuvor muss natürlich Geld investiert werden: „Auch wenn ein E-Paper in der Herstellung deutlich günstiger ist als ein Printmagazin – ein Zusatzaufwand bleibt. So muss die entsprechende Software auch erst einmal implementiert werden“.

Das 1000°ePaper-Konzept hilft, solche Kosten zu vermeiden – denn die elektronische Ausgabe eines Magazins, Katalogs oder Geschäftsberichts lässt sich nach dem Upload der notwendigen Daten auf www.1000grad-epaper.de ganz einfach im Browser erstellen und dann auf dem eigenen Webserver ablegen, zusätzliche Software ist nicht nötig.

1000grad-epaper-der-sonntag

E-Newspaper: Digi-Abos sind im Aufwind

Immer öfter ist das E-Paper auch ein E-Newspaper, also die elektronische Ausgabe einer Zeitung. Laut IVW stieg 2014 die E-Paper-Auflage deutscher Titel sogar um fast 50 Prozent. Diesem Trend folgt etwa „DER SONNTAG“ – die vom Evangelischen Medienhaus in Leipzig herausgegebene Wochenzeitung gab es zuvor nur als Print-Version. Seit letztem Jahr jedoch erhalten Abonnenten der gedruckten Version kostenlos das E-Paper dazu, daneben ist zum vergünstigten Preis ein reines Digi-Abo erhältlich. Die komplette Technik im Hintergrund – inklusive Bezahl-Schnittstelle – liefert 1000°DIGITAL, Grundlage bildet dabei die Standard-Software Lösung 1000°ePaper.

Die sächsischen Zeitungsmacher beim „SONNTAG“ haben sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden: „Als Verlag wollen wir unserer anspruchsvollen Leserschaft bestmöglichen Service bieten. Und dazu gehört, dass sich die gewohnte Qualität auch im Web widerspiegelt“, so Sebastian Knöfel, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses. Zugleich behalte man so aber auch die Generation der Digital Natives im Blick: „Auf der anderen Seite können wir mit den neuen Möglichkeiten ganz neue – jüngere – Leserschichten ansprechen“.

Multimedia, Social Media: interaktive E-Paper

Profitieren können von 1000°ePaper gerade auch Verlage, die auf ihrer Website bereits zusätzlichen Content wie Bewegtbild oder Fotogalerien anbieten und diverse Social Media-Kanäle bedienen: „Im ePaper-CMS können Kunden das ePaper mit multimedialen Inhalten anreichern, z. Bsp. Videos, Bildergalerien oder Links“, so Claudia Krempler (siehe auch die Demo-Version). Für den Bereich Mobile Publishing gibt es mit „1000°ePaper App“ zudem die Möglichkeit, ePaper für die Unterwegs-Lektüre aufzubereiten: „Inhalte werden auf Smartphones und Tablets bevorzugt über Apps konsumiert“, erklärt Krempler. „Verlagshäuser können ihren Lesern deshalb mit einer nativen App ihre ePaper-Ausgaben mobil optimal zur Verfügung stellen.“  

Letzte Ausfahrt Paid Content? E-Paper im Aufwind, Zeitungskrise schwelt weiter

Immerhin, mindestens eine gute Nachricht hatte der BdZV auf seiner Jahrespresskonferenz 2014: deutsche Zeitungen werden immer besser beim Verkauf von E-Paper-Ausgaben. Im Vergleich zum ersten Quartal 2013 gab es einen Anstieg von satten 64 Prozent auf knapp über 500.000 solcher Digital-Abos. Die Gesamtauflage aller Blätter sank aber trotzdem um 700.000 Exemplare – jetzt liegt sie bei 21 Millionen.

Im Jahr 1993, also kurz vor dem Boom des World Wide Webs, lag die Gesamtauflage dagegen noch bei mehr als 30 Millionen. Besonders schmerzhaft für die Branche sind die Verluste im Anzeigengeschäft, hier gingen die Umsätze im letzten Jahr um zehn Prozent zurück. Doch auch die Gesamterlöse der Zeitungsverlage sind weiter im Sinkflug, wenn auch „nur“ um 4 Prozent

Bietet Paid Content einen Ausweg? 80 Zeitungen in Deutschland setzen bereits auf zumeist flexible Bezahlschranken (inklusive der freiwilligen „Paywahl“ der taz), bis Ende des Jahres sollen es mehr als 100 sein. Ganz vorne dran ist der Springer Verlag: dort erzeugten digitale Inhalte im letzten Jahr bereits 50 Prozent des Umsatzes. Alleine die Tageszeitung Die Welt will in nur sechs Monaten seit dem Start der Paywall fast 50.000 Digi-Abos verkauft haben, BILD brachte im selben Zeitraum sogar mehr als 150.000 Abos an den Mann.

Im Schnitt, so der BdZV, bezahlen die Leser für ein Digital-Abo acht Euro pro Monat. Daneben böten viele Verlage zusätzlich Tagespässe, die durchschnittlich 1,10 Euro kosten. Anzeigenerlöse im Web ermöglichen dagegen nach Ansicht des BdZV keinen Ausweg aus der Zeitungskrise: „Werbefinanzierung wird es nicht bringen“, glaubt BDZV-Multimedia-Fachmann Hans-Joachim Fuhrmann.

Abb.: Digital-Komplett-Angebot von Welt.de (Screenshot)

E-Paper & Apps als Rettungsanker: Zeitungen werden „crosskanaliger“

Elektronische Ausgaben werden auch für den deutschen Blätterwald immer wichtiger. „Was die Verbreitung von Zeitungsinhalten betrifft, so ist das Internet ein Segen für die Verlage“, so Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Doch wer liest überhaupt online? Auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes wurden dazu letzte Woche interessante Zahlen vorgelegt. Fast 40 Prozent der über 14jährigen sind inzwischen auf den Verlagswebsites unterwegs, was einer Zahl von mehr als 27 Millionen Unique User entspricht. Damit toppen Zeitungen in Sachen Reichweite sogar gut besuchte Portale wie eBay oder t-online. Bei den 14-29 Jährigen ist die Reichweite zudem noch um zehn Prozent auf 62,6 Prozent gestiegen. „Zeitungsmarken funktionieren auf allen Kanälen“, freute sich Wolff angesichts solcher Rekorde. Nicht ganz zu unrecht, denn sogar die Reichweite von Zeitungen auf Papier hat sich stabilisiert. Mehr als 72 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre bekommen Tag für Tag Fettgedrucktes in die Finger.

Schaut man sich die Auflagenzahlen und Umsätze an, sieht es jedoch nicht ganz so rosig aus. Mittlerweile verdienen die Zeitungsverlage mehr als 50 Prozent mit dem Vertriebsgeschäft. Die Anzeigenerlöse dagegen sinken weiter, die Auflagen ebenfalls. Alleine im zweiten Quartal 2012 ging die Zahl der verkauften Exemplare erneut um 2,7 Prozent zurück. Rechnet man noch knapp 200.000 E-Papers heraus, die von der IVW nun erstmals hinzugezählt wurden, beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar 3,7 Prozent. Besonders viele Federn lassen musste mal wieder „Bild“. Die verkaufte Auflage ging um 5,37 Prozent auf 2,75 Millionen Exemplare zurück. Doch auch ein renommiertes Blatt wie die „Süddeutsche“ verbuchte ein Minus von 1,4 Prozent.

Jubilieren darf dagegen die taz – sie konnte mit 57.700 Exemplaren ein Auflagenwachstum von 3,7 Prozent verzeichnen. Während die alternative Tageszeitung ihre Online-Inhalte kostenlos anbietet und das Internet-Angebot mittlerweile via Crowdfunding kofinanziert, lassen immer mehr überregionale wie auch regionale Blätter die Bezahlschranke herunter. Rund 20 Zeitungstitel haben dem BDZV zufolge bereits Bezahlsysteme eingeführt, ebenso viele würden noch in diesem Jahr folgen. Neben den Paywall-Konzepten für Websites werkeln die Verlage auch intensiv an Apps für Smartphones und Tablets. Mittlerweile soll es rund 330 Apps geben, davon werden laut BDZV 240 verkauft. Die Apps für Tablets sollen dagegen fast alle kostenpflichtig sein.

Anders als downloadbare E-Paper-Versionen werden Apps allerdings bei der Reichweiten-Statistik bisher nicht mitgezählt: „Das veränderte Leseverhalten in den gedruckten und digitalen Zeitungen wird leider in der Media-Analyse nicht adäquat abgebildet“, beschwerte sich kürzlich Markus Ruppe, Geschäftsführer der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft. „Erhebungen belegen, dass die Zeitungen auf allen Kanälen genutzt werden. Und das auch von den jungen Zielgruppen. Wir brauchen dringend crosskanalige Reichweiten für die Zeitungen.“ Gerade zeitunglesende Teens und Twens könnten via E-Reader, Smartphone und Tablet also der mit Papier raschelnden Restbevölkerung noch dichter auf den Fersen sein, als es die aktuellen Zahlen vermuten lassen.

Abb.: garryknight/Flickr

Rubikon ist überschritten: Springer bilanziert Print-to-Online-Strategie

Vor kurzem fürchteten Zeitungsverlage noch den großen Zapfenstreich – sinkende Auflagenzahlen und schwindende Anzeigenerlöse sorgten für düstere Prognosen. Bild, BamS & Co. beweisen aber, dass eine energische Print-to-Online-Strategie den Abwärtstrend mehr als kompensieren kann. Axel Cäsar Springers Erben haben den digitalen Rubikon überschritten – die Gewinne steigen wieder, der Konzernumsatz toppte 2011 erstmals die 3 Milliarden-Euro-Grenze. Der Umsatzanteil von Apps, E-Papers und Onlineangeboten liegt bereits bei über 30 Prozent. „Die konsequente Digitalisierung unseres Geschäftes im In- und Ausland bleibt der Schlüssel zum langfristigen Erfolg des Unternehmens“, so Springer-Chef Döpfner auf der Bilanzpressekonferenz. „Wenn wir uns mit den börsennotierten europäischen Online-Unternehmen vergleichen, sind wir mit unseren Erlösen aus dem digitalen Geschäft mittlerweile auf den zweiten Platz vorgerückt, in der Kategorie der Medienunternehmen liegen wir bereits auf dem ersten Platz“.

Interessanterweise verzeichnete Springer im Unterschied zu anderen Verlagen auch bei den Werbeerlösen ein Plus von 16 Prozent, im Sektor Digitale Medien wuchs der Umsatz mit Reklame sogar um 40 Prozent. Erstmals waren die digitalen Werbeerlöse international dabei größer als die Werbeerlöse mit Print-Zeitungen und -Zeitschriften in Deutschland. Als echte Cashcow erwies sich offenbar auch der Übergang zu Paid Content bei Welt- oder Bild-App wie auch Online-Angeboten, etwa der Berliner Morgenpost. Ganz so weit wie manche US-Zeitungen ist man freilich noch nicht – die Financial Times beispielsweise verkauft dort bereits mehr Online- als Print-Abos. Gleichwohl bleibt man auch im Jahr 100 nach Axel Cäsars Springers Geburt dem Credo des Gründers verpflichtet. Der formulierte nämlich schon 1978: „Ich werde nicht aufhören, den Anspruch der Verleger auf Teilhabe an den bisherigen elektronischen Medien und noch mehr an allen neuen, auf uns zukommenden Informationssystemen zu vertreten.“

Abb.: Flickr/ЯAFIK ♋ BERLIN

Cash only: Wallstreet-Journal startet deutsche Online-Ausgabe

„Nur im Netz, nie am Kiosk“: Das Wall Street Journal Deutschland ist online – und damit die „erste rein digitale Wirtschaftszeitung im deutschsprachigen Raum“. Optisch kommt das neue Nachrichtenportal im gewohnten schwarz-orangenen Design des New Yorker Originals daher. Der deutsche Ableger möchte einen Blick über den Tellerrand bieten: „Eine globale Sicht nicht nur auf das, was in Deutschland passiert, sondern auch auf die neuesten Geschehnisse in Washington, London, Tokio und in den aufstrebenden Märkten Asiens oder Lateinamerikas.“ Global ist der Blick schon deshalb, weil viele internationale Berichte vom deutschen Redaktionsteam nur übersetzt und angepasst werden. Mitgebracht hat man aber auch das Paid-Content-Prinzip: viele Artikel lassen sich nur lesen, wenn man WSJ.de zum Preis von 2,92 Euro pro Woche abonniert. Dafür kann man dann aber die Smartphone- und Tablet-App nutzen.

WSJ nähert sich deutschem Markt nur vorsichtig

„Die Straßen Detroits sind wie ausgestorben … In einer der ehemals reichsten und wichtigsten Metropolen der Vereinigten Staaten flaniert schon lange niemand mehr“ – so beginnt eine Reportage über „verlorene Träume und neue Hoffnung“ in Amerikas legendärer „Mo-Town“. Der Artikel ist Teil eines Dossiers zur Detroiter Automesse, mit dem das WSJ die deutschen Leser vom neuen Angebot überzeugen will. Dazu gibt’s am ersten Tag von wallstreetjournal.de ein großes Interview mit Siemens-Finanzchef Kaeser über die nicht ganz so rosigen Aussichten für 2012, und zahlreiche aktuelle Krisenberichte zum Thema Euro, Wulff und FDP. Während das Dossier und auch diese Artikel aus der Feder deutscher Autoren stammen, sind viele internationale Berichte und Reportagen ursprünglich für die englischsprachigen Ausgaben entstanden. Denn das WSJ nähert sich dem hiesigen Markt nur vorsichtig – die Kernredaktion in Frankfurt am Main besteht aus einem knappen Dutzend Mitarbeitern. Eingespannt für die Befüllung der Online-only-Ausgabe werden vor allem 50 Dow-Jones-Agenturjournalisten sowie Korrespondenten in Berlin, München oder Hamburg.

Flexible Paywall „je nach Nachrichtenlage“

In den USA gilt das WSJ als auflagenstärkste Blatt überhaupt mit einer verkauften Auflage von mehr als 2 Millonen, darunter 1,3 Millionen Online-Abos. Die Netz-Ausgabe der zur News Corporation von Rupert Murdoch gehörende Zeitung gilt weltweit als größte News-Website mit Bezahlschranke. Anders als etwa beim „metered access“-Modell der New York Times bekommt man auf der Website grundsätzlich nur Anreißer zu lesen, gefolgt vom Hinweis: „To continue reading, subscribe now“. Ein reguläres jährliches Print-Abo kostet allerdings mehr als 300 Dollar, ein Online-Abo knapp 200 Dollar. Für das deutsche Angebot sind 152 Euro zu berappen, das sind umgerechnet zur Zeit etwa 190 Dollar. Die Subskribenten in den USA können sich das Abo leisten: zwei Drittel der Leserschaft gehören zum gehobenen Management mit einem Durchschnittsgehalt von 191.000 Dollar. Wer nicht ganz so reich ist, kann aber in Deutschland trotzdem hier und da mitlesen – denn WSJ.de-Chefredakteur Knut Engelmann will die Paywall erklärtermaßen flexibel „je nach Nachrichtenlage“ handhaben.

Lesen im Browser: EPUBReader macht Firefox zum E-Reader

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Das Add-On EPUBReader macht Firefox ganz einfach zum E-Lesegerät: E-Books lassen sich damit direkt im Browser betrachten, ohne dass man noch eine externe Software starten muss. Besonders sinnvoll ist das Add-On für epub-Dateien, wenn man im Internet auf Download-Links für E-Books stößt – sie werden automatisch heruntergeladen und geöffnet. Außerdem fügt EPUBReader alle Downloads einer Bibliothek hinzu, die über die Taskleiste abgerufen werden kann.

Endlich sind die epubs bei Project Gutenberg oder Google Books bequem im Browser lesbar

epubreader-firefox-addonAnfangs war EPUBReader noch ein echter Geheimtipp – mittlerweile wird die 2009 erstmals veröffentlichte Software von mehr als 400.000 Firefox-Nutzern verwendet. In der aktuellen Version 1.4.1.0 lässt sich ein großer Teil der im Netz verfügbaren E-Books im epub-Standard öffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um DRM-freie Titel handelt. Kopiergeschützte E-Books müssen auch weiterhin mit einem externen Programm geöffnet werden, also etwa Adobe Digital Edition (ADE). Wer auf freie Texte zugreift, etwa über Project Gutenberg oder Google Books, kann via EPUBReader dagegen per Mausklick bequem durch ein E-Book navigieren – an der linken Seite des Browser-Fensters erscheint automatisch das Hypertext-Inhaltsverzeichnis.

Lesen ist Ansichtssache: EPUBReader ist individuell konfigurierbar

epubreader-addon-firefoxÄhnlich wie viele E-Reader-Apps auf iPad oder iPhone ist auch die Leseansicht des EPUBReaders individuell konfigurierbar – von Schriftgröße über Vorder- und Hintergrundfarbe bis zur Anzahl und Breite der Spalten. Über das Disketten-Symbol in der Fußleiste kann man die aktuelle epub-Datei lokal speichern, über das Bookmark-Symbol ein Lesezeichen setzen. Um auf E-Books zuzugreifen, die auf der Festplatte gespeichert sind, nutzt man das normale Browser-Menü („Datei öffnen“). Alle epubs, die bereits mit EPUBReader geöffnet wurden, lassen sich über das Katalog-Symbol in der Fußleiste auflisten. Über dieses Menü kann man sich zudem durch die epub-E-Book-Bestände von archive.org und feddbooks.com scrollen. Der direkte Download von epubs in einen bestimmten Zielordner ist auch mit epubReader immer noch möglich – über den Umweg rechte Maustaste – “Speichern Unter…”.

Auch für E-Newspaper im epub-Format macht das Add-On Sinn

Die Installation von epubReader verläuft problemlos, das Add-On ist auf der offiziellen Mozilla-Seite zu finden. Unterstützt werden Firefox-Browser, die auf Win, Mac und Linux-Systemen laufen. Neben dem schnellen Zugriff auf E-Books am Desktop erscheint aber auch der Einsatz auf mobilen Geräten mit kleinerem Bildschirm sinnvoll. Zum Beispiel wenn man die E-Paper-Version einer Zeitung abonniert hat – die alternative Tageszeitung taz etwa bietet die elektronische Fassung auch im epub-Format an. So kann man das BlingBling der Webseite umgehen und muss auch nicht auf dem PDF einer großformatigen Zeitungsseite herumirren.

[Beitrag vom 20.9.2009, aktualisiert am 24.2.2011]

Erfolgreiche E-Paper-Alternative: taz überholt Bild & Welt bei digitalen Abos

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Die Leser von Bild und Welt sind medial offenbar konservativer, als sich der Springer-Verlag wünscht. Die E-Paper-Bilanz beider Blätter ist jedenfalls katastrophal: kaum mehr als elfhundert Abos wurden seit dem Start der iKiosk-Plattform im Mai 2010 eingeworben. Die alternative taz bringt es dagegen schon auf fast dreitausend Abonnenten. Für taz-Blogger Sebastian Heiser gibt es dafür („abgesehen vom besseren Inhalt“) drei Gründe, warum das E-Paper der taz attraktiver ist als digitale Faksimiles von Welt & Bild: die Digi-Taz sei schneller, günstiger und biete mehr Formatvielfalt.

Als epub kommt die taz auch auf den E-Reader

Doch auch historisch hat die taz einen Vorsprung – mit digitalen Formaten experimentiert man in der Rudi-Dutschke-Straße schon seit Mitte der Neunziger Jahre. Das erste E-Paper-Angebot der alternativen Tageszeitung gab es bereits, als von iPhone und iPad noch gar nicht die Rede war. Anfänglich wurde das Blatt mit der Tazze auf der Titelseite den Abonnenten per E-Mail-Attachment wahlweise als PDF, HTML oder TXT-Datei geschickt. Ob man auf dem Desktop liest oder mobil, bleibt dem Nutzer überlassen. Da die tazzler auf DRM verzichten, lässt sich das E-Paper auf jedes gewünschte Gerät übertragen. Mittlerweile gibt’s die taz zusätzlich im mobi- und epub-Format – man kann also den Volltext der gedruckten Ausgabe auch bequem auf dem E-Ink-Display von LumiRead, Oyo, Kindle & Co. konsumieren. Testdateien lassen sich beim Abo-Service der taz herunterladen.

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E-Paper der taz wahlweise zum „politischen Preis“

Wer ganz aufs Papier verzichtet, kann dabei im Vergleich zu Welt (29,99 Euro) und Bild (12,99 Euro) einiges sparen. Doch man muss sich entscheiden: Das digitale Abo kommt taz-üblich in zwei Varianten. Einmal für 10 Euro zum Standardpreis, sodann für 20 Euro zum “politischen Preis”. Mit letzterem wird ein verbilligtes Abo der Papierversion für Bedürftige unterstützt (die dafür einen besondes ermäßigten “Solipreis” zahlen). Ähnlich wie Welt und Bild gibt’s die taz übrigens auch schon als eigenständige App für iPhone und iPad, allerdings ohne multimedial aufbereitete Inhalte. Wie sich die taz aus dem App Store gegenüber den Schüttel-Girls und rotierenden Globen aus dem Hause Springer schlägt, ist leider noch nicht bekannt. Zu vermuten wäre aber, das hier das Ergebnis etwas ausgeglichener ist. Schon allein deshalb, weil via In-App-Shopping die taz und Bild im Einzelverkauf jeweils 79 Cent kosten.