Virtueller Papierstapel: Sonys neues E-Ink-Tablet im DIN A4-Format zielt auf Business-Kunden

DPT-RP1_007Es ist so dick wie ein Stapel von 30 DINA4-Seiten, und hat auch etwa deren Kantenlänge. Kein Zufall: Sonys neues High-End-E-Ink-Tablet „DPT-RP1“ soll in den Büros von Anwälten, Geschäftsleuten oder Wissenschaftlern so viel Totholz wie möglich ersetzen, und zugleich den drahtlosen Workflow beim Skizziern, Redigieren und Kommentieren vereinfachen.

Dokumente mit Stylus bearbeiten

Zu diesem Zweck wurde Sonys Riesen-Gadget gegenüber dem Vorgänger nochmal kräftig aufgebrezelt – das 13-Zoll-Display hat nun 1.650 x 2.200 Pixel, was einer Pixeldichte von 206 ppi entspricht. Das Gerät mag mit 349 Gramm nicht ganz leicht in der Hand liegen, dafür bietet es aber echtes DIN A4-Format. Auf diese Weise lassen sich Office-Dokumente, Druckfahnen und Layouts aller Art komfortabel anzeigen – und mit dem zugehörigen Stylus auch bearbeiten.

Nur für ein Format: PDF

Allerdings kann man mit dem Bluetooth- und WLAN-fähigen DPT-RP1 ausschließlich PDF-Dokumente öffnen, normale E-Book-Formate werden nicht unterstützt. Bei dem anvisierten Einsatzgebiet ist das aber wohl kein Manko (auch wenn die Konkurrenz – siehe reMarkable – bei ähnlichen Hardware-Daten auch epub-Kompatibilität bietet), es ist ja auch vom Format her kein klassischer E-Reader.

High-End mit heißem Preis

Gleiches gilt wohl für den Preis von umgerechnet knapp 700 Euro, zu dem Sonys Beitrag zur konkreten Utopie des papierfreien Büros ab Juni in Japan auf den Markt kommen soll. Für die Business- und Bildungs-Kunden dürfte das locker zu stemmen sein – das große iPad Pro etwa rangiert schließlich in einer ganz ähnlichen Kategorie.

Aber irgendwie ist das Ganze auch wirklich ein Beispiel für „weird Sony“, wie The Verge schreibt. Das Unternehmen mag der Pionier schlechthin auf dem Gebiet E-Ink sein — 2004 erster E-Ink-Reader überhaupt — hat aber auf diesem Sektor nie so richtig Fuß fassen können. Ob ein Gerät für die High-End-Business-Nische in der E-Paper-Nische das ändern wird!?

(via The Verge)

Vom Reader zum E-Ink-Tablet: Nook Touch erhält Browser & Mail-Programm

Barnes&Noble verpasst den Nook-Readern ein interessantes Update – die Touch-Modelle erhalten nicht nur einen voll funktionsfähigen Browser, sondern auch ein Mail-Programm. Das berichtet TechCrunch unter Berufung auf ein geleaktes Memo. In Verbindung mit einer kräftigen Preissenkung will die US-Buchhandelskette mit dieser Aktion offenbar die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Amazon stärken. Anders als etwa das Kindle Paperwhite laufen die Nook-Reader mit einer stark angepassten Android-Oberfläche – und sind in der Hacker-Szene ein beliebtes Ziel für Rooting- und Modifizierungs-Versuche. Trotzdem liegen sie vergleichsweise wie Blei in den Regalen.

Vielleicht aber zu unrecht. Denn neben der Verwandlung in ein waschechtes Android-Tablet wurden durch zahlreiche Hacks auch Performance-Verbesserungen bei der E-Ink-Refreshrate sowie Multitouch-Fähigkeit erreicht. Insofern vollzieht B&N nur einen Teil der ohnehin stattfindenden Entwicklung mit einem offiziellen Firmware-Update nach. Ähnliches war schon bei den Nook-Tablets mit Farb-LCD-Display zu beobachten – im März ließ B&N dort den Google Play Store aufspielen, was die Installation sämtlicher verfügbarer Android-Apps ermöglicht (inklusive der Kindle-App).

Technisch gesehen sind die aktuellen Glowlight-Reader mit E-Ink-Display ohnehin schon sehr nah an solchen Lesetablets im 7-Zoll-Format dran. Eigentlich fehlt nur noch die Farbdarstellung, um zumindest rein optisch mit den LCD-Androiden gleichzuziehen. Insofern ist es nur konsequent, die funktionale Trennung auf Software-Seite aufzuheben – dabei ist B&N auch nicht allein: der chinesische Hersteller Onyx hat für die zweite Jahreshälfte 2013 gerade zwei 6-Zoll-Tablets mit E-Ink-Screen angekündigt, die sich ebenso als Lesegeräte wie auch als Surftablets eignen sollen.

Ob Barnes&Noble mit dem Browser- und E-Mail-Update mehr als nur einen kurfristigen PR-Coup landet, scheint übrigens eher zweifelhaft. Denn vor kurzem sickerte durch, dass im Zusammenhang einer möglichen Übernahme der Nook-Media-Sparte durch Microsoft die bisherigen Reader- und Tablet-Modelle bis 2014 auslaufen sollen. Der Mut zum Experiment im E-Ink-Bereich könnte also auch sehr viel damit zu tun haben, das B&N hier ohnehin nichts mehr zu verlieren hat.

(via TechCrunch)

Abb.: Screenshot