Sieben Prozent für E-Books: Bundesrat unterstützt Initiative der EU-Kommission – kommt reduzierte Mehrwertsteuer noch 2017?

bundesrat-will-niedrige-mehrwertsteuer-fuer-ebooksKommt die Mehrwertsteuer-Senkung für E-Books auf sieben Prozent tatsächlich noch vor der Bundestagswahl im Herbst? Das hängt davon ab, wie schnell die EU-Kommission grünes Licht gibt – ein entsprechender Richtlinien-Entwurf zur Vereinfachung des Steuersystems liegt seit Ende 2016 bereits vor. Und der politische Druck wächst: der Bundesrat fordert in einem Beschluss vom letzten Freitag die „zügige Verabschiedung“ der Richtlinie – die Senkung der Mehrwertsteuer sei ein „wichtiges Anliegen zur Sicherung der Medienvielfalt“.

„Unterschiedliche Steuersätze nicht vermittelbar“

Weiter heißt es in dem Beschluss: Die ermäßigte Besteuerung trage „wesentlich zur Information und zur selbständigen Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger“ bei. Unterschiedliche Steuersätze bei gleichen Inhalten seien ihnen „nicht zu vermitteln“. Auch für die Verlage sei die Angleichung positiv: sie würden „in ihren Bemühungen für den digitalen Wandel wirtschaftlich entlastet.“ (Und vielleicht auch von den VG-Wort-Rückzahlungen…)

Auch Bundesregierung ist pro Senkung

Da nicht nur die Bundesländer, sondern auch die aktuelle Bundesregierung die Sieben-Prozent-Regelung für E-Books unterstützt, wäre eine Anpassung des deutschen Mehrwertsteuer-Gesetzes noch vor den parlamentarischen „Sommerferien“ durchaus realistisch. Ein Vorbild für eine solche Angleichung gibt es auch: Die Mehrwertsteuer für Hörbücher wurde nach jahrelangen Diskussionen bereits zum 1. Januar 2015 auf sieben Prozent gesenkt. Allerdings nur für Hörbuch-CDs und Kassetten.

(via Boersenblatt.net)

Abb.: (c) Bundesrat/Frank Bräuer

Games schlagen E-Books: Ausgaben für’s Spielen im Schnitt 3,4 mal höher

games-toppen-ebooksE-Books, Games & PayPal — eine interessante Kombination, die nicht ganz zufällig … genau, der Zahlungsdienstleister PayPal mit internationaler Perspektive erforscht hat. Die Ergebnisse zeigen sowohl nationale Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten der globalen Gamer- und E-Leser-Population (Alter: über 18 Jahre). Die Bereitschaft, Geld für diesen oder jenen Content auszugeben, unterscheidet sich offenbar sehr stark. In den USA stehen Games nämlich an erster Stelle, in anderen Märkten wie Großbritannien oder Japan dagegen elektronische Bücher. Im angeblichen Leseland Deutschland ist das Verhältnis eher ausgeglichen.

Deutsche Gamer ganz vorne

Wohlgemerkt geht’s dabei nur um die Konsumbereitschaft. Die tatsächlichen monatlichen Ausgaben für Games liegen in allen von der Studie berücksichtigen Ländern deutlich über jenen für E-Books — im Schnitt sind sie 3,4 mal höher. Besonders hoch, nämlich mehr als viermal so hoch, sind sie ausgerechnet in Deutschland. Wobei ein Grund für die hohen Ausgaben schlicht darin besteht, das Games eben im Schnitt auch deutlich teurer sind als Bücher.

E-Reader vs. Smartphone

Eine nicht unwichtige Rolle spielen zudem wohl die von Land zu Land unterschiedlichen Präferenzen bei der Gerätenutzung. Gelesen wird laut PayPal-Studie in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien vor allem auf dem klassischen E-Reader, in Japan dagegen liegt das Smartphone vorne, in den USA das Tablet. Smartphone und Tablet werden aber eben auch parallel als mobile Gaming-Plattform genutzt.

Was Leser ausgeben

Zwei klassische E-Reader-Nationen, nämlich Deutschland und Spanien, liegen tatsächlich dann auch bei den monatlichen Ausgaben für E-Books vorne, zusammen mit Frankreich. In diesen Leseländern geben die Konsumenten monatlich im Schnitt mehr als 13 Euro für elektronische Lektüre aus. Ach ja, und was ist mit Paypal? Nun, was niemanden überraschen dürfte: die meisten Gamer in Deutschland, Italien und Spanien nutzen PayPal. Hauptargument: weil es so einfach ist.

(via The Digital Reader)

Neue BILD-Bestseller-Liste: inklusive Indies, inklusive E-Books, ermittelt von Amazon.de

bild-bestseller-liste-powerd-by-amazonEs ist „vielleicht Deutschlands spannendste Bestseller-Liste“, wahrscheinlich aber das aussagekräftigste Ranking der Branche: ab sofort veröffentlicht das Boulevardblatt BILD jeden Donnerstag die Amazon.de-Top 20-Bestseller aus den Bereichen Sachbuch und Belletristik. Das Besondere dabei: es handelt sich um „tatsächliche“ Verkaufs-Zahlen der jeweiligen Vorwoche, Hardcover, Taschenbuch und E-Book (ohne KU bzw. KLL) werden zusammengezählt.

„Fördert lebendige Literatur-Szene“

Weitere Besonderheit: durch die starke Stellung von Amazons Plattformen KDP und Createspace sind natürlich nicht nur Verlagstitel enthalten. In den Worten von Kai Diekmann: „Die BILD-Bestsellerliste ist überfällig, da sie auch Autoren, die sich für das Self-Publishing entschieden haben, berücksichtigt“. Damit fördere man eine „lebendige und zukunftsorientierte Literatur-Szene“, so der Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe.

Tatsächlich findet man bei den Belletristik-Bestsellern aktuell schon auf Platz 2 und 3 zwei Indie-Titel, nämlich Karin Lindbergs „Vertraglich Verliebt“ sowie „Solange es Schmetterlinge gibt“ von Hanni Münzer, insgesamt ist fast die Hälfte der Titel self-published oder von Amazon Imprints veröffentlicht. Anders sieht es bei den Sachbüchern aus: hier tauchen momentan überhaupt keine Indie-Titel auf.

BILD will „Manipulationen ausschließen“

Schon die Betonung der „tatsächlichen“ Verkaufszahlen inklusive Indies lässt sich natürlich als kleine Spitze gegen die von Listenredakteuren überarbeiteten Bestseller-Rankings von Spiegel, Focus, Brigitte & Co. verstehen. Eine weitere folgt in den FAQs: „Können sich Verlage oder Autoren ihre Platzierungen kaufen?“ — „Nein! Um Manipulationen auszuschließen, werden nur haushaltsübliche Bestellungmengen erfasst. Und: Bei den E-Books ist sowieso nur ein Kauf pro Kundenkonto möglich“.

Apropos Kaufen: da die Liste jeweils am Mittwoch abend ab 22 Uhr auch auf Bild.de zugänglich ist (vorausgesetzt, man hat den Adblocker deaktiviert), kann man über die Affiliate-Links der BILD-Bestseller die Lektüre auch gleich bei Amazon.de shoppen. Eine klassische Win-Win-Situation – von den Klickzahlen her passen Deutschlands größter Online-Buchhändler und das besucherstärkste Nachrichtenportal (November 2015: 322 Mio. Visits) perfekt zusammen. Die traditionellen Buchhändler allerdings dürften mit den Zähnen knirschen…

In Deutschland nur noch einstellig: Umsatzwachstum bei E-Books verlangsamt sich – aber warum?

Sind Tablets und Smartphones schuld? Das Printbuch? Die Piraten? Fest steht erstmal nur eins: Nach dem Boomjahr 2013 mit einem Umsatzplus von 60 Prozent hat sich das Wachstum bei E-Books in Deutschland deutlich verlangsamt: Die Steigerung zum Vorjahr betrug in den ersten drei Quartalen 2014 nur noch 8 Prozent, der Anteil am Publikumsmarkt wird „nur“ von etwa vier auf etwa 5 Prozent steigen. Das meldete diese Woche der Börsenverein, erhoben wurden diese Zahlen in Kooperation mit der GfK . Die Zahl der E-Book-Käufer unter der Gesamtbevölkerung hat sich ebenfalls nur leicht von 4,1 auf auf 4,9 Prozent erhöht, zu den Kunden im Digitalbereich zählen die Statistiker aktuell ca. 3,3 Millionen Bundesbürger ab 10 Jahren.

Eine ähnlich starke Ablflachung war in letzter Zeit in den USA zu beobachten – dort schienen jedoch die dreistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre ohnehin nicht mehr realistisch, denn der Buchmarkt marschiert überm großen Teich schon stramm auf eine 50/50-Teilung zu, PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostizierte diese Wendemarke kürzlich für das Jahr 2018. In Deutschland dürfte das Potential dagegen noch längst nicht ausgeschöpft sein, allerdings machen sich hierzulande wohl dämpfende Effekte bemerkbar, die man ebenfalls aus den USA kennt: klassische E-Reader haben es gegenüber immer günstigeren Multifunktionsgeräten wie Tablets oder Smartphones immer schwerer, die Medienkonkurrenz im App-Universum wird immer größer.

Bleibt es hierzulande beim einstelligen Wachstum, könnten sich die von PwC für den deutschen Markt im Jahr 2018 prognostizierten Umsatzzahlen als zu hoch angesetzt erweisen – denn die Analysten hatten zuletzt immerhin knapp 800 Millionen Dollar Umsatz vorhergesagt, gegenüber dem aktuellen Wert mehr als doppelt so viel. E-Books hätten dann einen Umsatzanteil von mehr als 12 Prozent. Kommt die elektronische Lektüre auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Tran, sind 8 bis 10 Prozent wohl realistischer. Eins muss man aber beachten: Wie sich die Zahl der tatsächlich gelesenen E-Books (inklusive Gratis-Aktionen, Klassiker, Onleihe, etc.) entwickelt, verraten solche umsatzbezogenen Marktdaten nicht.

Abb.: boersenverein.de (CC-BY-SA-4.0)

Longlist als Shortlist: Nur 6 Anwärter auf Deutschen Buchpreis als E-Book im epub-Format lieferbar

longlist-buchpreis-e-books-audiobooks-bestsellerDie Longlist ist da – zwanzig RomanautorInnen sind damit Anwärter auf den deutschen Buchpreis 2010. Darunter etwa Thomas Hettche (Die Liebe der Väter), Kristof Magnusson (Das war ich nicht) oder Alina Bronsky (Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche). Das Buchhandelsportal Libreka bietet aus diesem Anlass elektronische Leseproben zu allen 20 Longlist-Titeln an. Sechs Titel kommen im September in die Endauswahl (Shortlist), der Name des Preisträgers wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verkündet. Als E-Book im epub-Format erschienen sind lediglich sechs der zwanzig nominierten Titel – Zufall oder Vorentscheidung?

Preisverleihung als Marketingaktion „bestsellersüchtiger Buchhandelsketten“?

Anderswo haben Buchpreise klingende Namen: Prix Goncourt oder Booker Prize etwa. Für Deutschland fehlte so etwas nach Ansicht des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Deswegen wurde im Jahr 2005 der „Deutsche Buchpreis“ ins Leben gerufen. Zur Jury gehören vor allem hauptamtliche Literaturkritiker, diesmal etwa Ulrich Greiner (Die Zeit) oder Julia Encke (FAZ), aber mit Ulrike Sander von der Osianderschen Buchhandlung auch eine Vertreterin der Sortimenter. Die Vorschläge für Nominierungen selbst stammen von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von Schriftstellern und Journalisten gab es immer wieder mal Kritik an den „außerliterarischen“ Kriterien dieser Auswahl. Nach Ansicht der Kritiker handelt es sich um einen Marketingpreis, der „vor allem den bestsellersüchtigen Buchhandelsketten“ nütze. Mediale Aufmerksamkeit ist dem Auswahlverfahren gewiss, die Etappen zwischen Longlist, Shortlist und Siegerehrung während der Buchmesse liefern einen idealen Spannungsbogen. Doch wenn die Verlage wirklich an maximaler Reichweite ihrer Bestseller interessiert wären, hätte man wohl etwas mehr auf die elektronische Verfügbarkeit der Romane geachtet. Der Buchpreis ist aber offenbar kein E-Book-Preis. Denn nur sechs Titel aus der Longlist sind als E-Book im epub-Format lieferbar, zwei weitere lediglich als E-Book-App für iPhone und iPod Touch bei textunes. Ausschließlich als Hörbuch erhältlich sind zusätzlich zwei von zwanzig Longlist-Titeln. Nur bei Michael Köhlmeiers „Madalyn“ hat man die volle Auswahl: der Roman ist sowohl als epub wie auch auf Audio-CD zu haben.

Ohne E-Books wird die Popularisierung von Gegenwartsliteratur nicht gelingen

Die Einmauerung der Premium-Literatur im Bücherschrank der Gutenberg-Galaxis scheint Methode zu haben. Selbst von den bisherigen Preisträgern der seit 2005 verliehenen Auszeichnung „Deutscher Buchpreis“ sind nur zwei Titel auf dem E-Reader lesbar – Julia Francks „Mittagsfrau“ (2007) und Kathrin Schmidts „Du stirbst nicht“ (2009). Das ist nicht nur eine äußerst magere Ausbeute, sondern für die Popularisierung von qualitativ hochwertiger Gegenwartsliteratur eine regelrechte Katastrophe. Und fast schon so absurd, als würde man aus Gründen der kulturellen Distinktion absichtlich Paperback-Ausgaben von Literaturpreisträgern verhindern. Für den Mangel an Hörbuch-Versionen mag es bei brandneuen Romanen, die erst seit Wochen oder Monaten auf dem Markt sind, technische und finanzielle Gründe geben. Für parallele E-Book- und Print-Auflagen gibt es solche Gründe jedoch nicht. Außerdem sind manche Titel wie etwa Kristof Magnussons „Das war ich nicht“ oder Mariana Leky „Die Herrenausstatterin“ bereits seit Anfang 2010 in die Regale gelangt. Viele Verlage sehen offenbar digitale Vertriebskanäle nur als Werbe-Plattform für verstaubte Printauflagen. Leseproben dienen als Appetizer, so wie jetzt bei Libreka, doch die komplette Ware gibt’s nur auf Papier. Die eigentliche Rolle von Verlagen und Buchhändlern müsste allerdings im 21. Jahrhundert die Verbreitung von Literatur sein, nicht die Verbreitung von gedruckten Büchern. Aber bis diese Einsicht wirklich angekommen ist, sollte man vielleicht doch erst mal einen Deutschen E-Book-Preis ausloben.


Die Longlist in alphabetischer Reihenfolge:

  • Alina Bronsky,
    Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche
  • Jan Faktor,
    Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
  • Nino Haratischwili,
    Juja
  • Thomas Hettche,
    Die Liebe der Väter
  • Michael Kleeberg, Das amerikanische Hospital
  • Michael Köhlmeier,
    Madalyn
  • Thomas Lehr,
    September. Fata Morgana
  • Mariana Leky,
    Die Herrenausstatterin
  • Nicol Ljubić,
    Meeresstille
  • Kristof Magnusson,
    Das war ich nicht
  • Andreas Maier,
    Das Zimmer
  • Olga Martynova,
    Sogar Papageien überleben uns
  • Martin Mosebach,
    Was davor geschah
  • Melinda Nadj Abonji,
    Tauben fliegen auf
  • Doron Rabinovici,
    Andernorts
  • Hans Joachim Schädlich,
    Kokoschkins Reise
  • Andreas Schäfer,
    Wir vier
  • Peter Wawerzinek,
    Rabenliebe
  • Judith Zander,
    Dinge, die wir heute sagten
  • Joachim Zelter,
    Der Ministerpräsident

Online-Versand bringt Buchhandel ins Umsatzplus – E-Books werden weiter durch hohe Preise ausgebremst

hohe-preise-bremsen-e-books.gifDer deutsche Buchhandel boomt. Zumindest im Vergleich zu den USA. Trotz Wirtschaftskrise gab es hierzulande im Jahr 2009 ein leichtes Umsatzplus von 0,8 Prozent, teilte diese Woche der Börsenverein mit. Die Association of American Booksellers (AAP) musste dagegen für den selben Zeitraum ein Minus von 1,8 Prozent vermelden. Ohne den dreistellig wachsenden E-Book-Markt wäre das Minus in den USA allerdings doppelt so groß ausgefallen. Im Deutschland verhindern überhöhte E-Book-Preise dagegen ähnliche Effekte.

Die „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ der Buchhändler erschwert das Geldverdienen

„Das Buch ist Ware, wer sie verkauft, muss warenkundig sein, so wie der Rayonchef der Strumpfabteilung des Warenhauses viel von Strümpfen wissen muss“, schrieb vor fast hundert Jahren Kurt Tucholsky den deutschen Buchhändlern ins Stammbuch. Doch eine gewisse „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ erschwere der Branche das Geldverdienen. Da hat sich inzwischen einiges getan – zumindest bei Print-Büchern. So kann etwa der Internet-Versandhandel ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent vermelden. Die Sortimenter halten sich wacker mit einem Marktanteil von knapp 50 Prozent. Auch die Verlage konnten beim Direktverkauf leicht zulegen. Bei digitaler Ware ist es aber offenbar mit der Kundigkeit des Buchhandels nicht sehr weit her. Zwar sprach Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder bei der Vorstellung der Wirtschaftszahlen für 2009 davon, „auf die laufende Medienrevolution zu antworten und sie zu nutzen“. Gleichzeitig bestand er aber darauf, dass allen heutigen Formaten, ob Papier oder digital, „allemal ein Buch als Prinzip zugrunde“ liege.

Börsenverein rechnet mit „breiten Nutzung von E-Books in fünf bis sechs Jahren“

Nun ist gegen Männer mit Prinzipien nichts zu sagen – wenn es denn die richtigen Prinzipien sind. Aber in diesem Fall gehören dazu leider auch Apothekerpreise bei E-Books. 40 Prozent der elektronischen Titel kosten nach einer Umfrage des Börsenvereins gleich viel oder sogar mehr als das gedruckte Buch. In Kombination mit nutzerunfreundlichem Digital Rights Management (DRM) bremst man ganz bewusst die Entwicklung des elektronischen Lesens in Deutschland aus. Vor allem zwei Faktoren bleiben ungenutzt – die Möglichkeit massenhaften Absatzes bei niedrigen Preisen, aber auch die Möglichkeit maximaler Reichweite durch Gratis- oder Freemium-Modelle. So machte etwa Amazon in den USA durch konsequente Low-Price-Politik elektronische Bücher zum Umsatzmotor einer ganzen Branche. Im Jahr 2009 überholten E-Books dort sogar das Hörbüch-Segment. Mit einer breiten Nutzung von E-Books in Deutschland rechnet der Börsenverein dagegen erst „in fünf bis sechs Jahren“! Das klingt allerdings eher nach einer „Self Fulfilling Prophecy“. Denn anders als in den Jahren zuvor sind nun erstmals günstige E-Reader unterhalb der 100 Euro-Schwelle in Sicht. Der Eintritt in den Massenmarkt könnte eigentlich sofort stattfinden. Damit das Leseland nicht den Anschluss verliert, sollten die Buchhändler sich also lieber nicht ihre eigene Untätigkeit durch Marktstudien bestätigen lassen, sondern in Sachen E-Books lieber Tucholsky beherzigen. Der hatte bereits vor mehr als siebzig Jahren eine dezidierte Meinung zum Pricing: „Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger!“