12 Mio. Downloads: E-Book-Boom rettet Buchmarkt vor Minus

Man könnte es den Hobbit-Effekt nennen: Die aktuellen Marktkennzahlen von Mediacontrol beweisen nämlich, dass auch kleine Buchmarkt-Segemente viel bewirken können. E-Books mögen zwar in Deutschland im Jahr 2012 erst einen Marktanteil von 2 Prozent erkämpft haben (gegenüber 1 Prozent im Jahr zuvor) – doch die starken Zuwächse reichten aus, eine leicht negative Bilanz im Print-Bereich auszugleichen. Mit 12,3 Millionen bezahlten E-Book-Downloads hatte sich der Lesehunger mehr als verdoppelt, so dass auf dem Gesamtmarkt ein Plus von 0,3 Prozent erreicht werden konnte, berichtet Mediacontrol. Grundlage der Auswertung sind keine tatsächlichen Verkaufszahlen, sondern regelmäßige, repräsentative Konsumentenbefragungen.

Weihnachtssaison als Umsatztreiber

Wie schon im Jahr zuvor trug die Weihnachtssaison besonders stark zum Endergebnis bei – mit 5,8 Millionen Käufen kam fast die Hälfte des Jahresabsatzes im vierten Quartal 2012 zustande. Daran hatte nicht nur die inzwischen im Millionenbereich liegende Gerätebasis von Kindle- bis Kobo-Reader ihren Anteil, sondern auch weiter sinkende Durschnittspreise für den Lesestoff: Legten Kunden 2011 noch 9,56 Euro für ein digitales Buch hin, so zahlten sie zwischen Januar und Dezember 2012 nur noch moderate 8,61 Euro. Neben lästigem Kopierschutz gelten überhöhte E-Book-Preise als wichtigste Wachstumsbremse auf dem deutschen Buchmarkt.

E-Book-Preise deutlich gesunken

Einen besonderen Beitrag zu sinkenden Preisen dürfte Amazons Self-Publishing-Plattform geleistet haben – denn während viele Verlagsausgaben immer noch deutlich überteuert sind, können Independent-Autoren bei KDP mit niedrigeren Schwellenpreisen experimentieren. Anders als im Gesamtmarkt haben E-Books zudem für große Plattformen wie Amazon oder Weltbild eine weitaus größere Bedeutung. Bei Weltbild stieg der E-Book-Anteil im Jahr 2012 auf 20 Prozent, bei Amazon dürfte er inzwischen ebenfalls zwischen zehn und zwanzig Prozent liegen, möglicherweise sogar höher. Dann wären die aktuellen Mediacontrol-Zahlen allerdings mit Vorsicht zu genießen: Denn Amazons Anteil gesamten deutschen Buchmarkt liegt mittlerweile schon bei geschätzten 20 Prozent.

Abb.: flickr/VFS Digital Design (cc)

E-Book, Film, Software: Was darf man mit Dateien aus Online-Shops machen?

Ob Film, Buch oder Software: Immer mehr Inhalte, die es früher nur auf DVD, Papier oder CD gab, kann man heute als digitalen Download kaufen. Am größten ist das Angebot bei Musik. Zwar hat es viele Jahre gedauert, doch immerhin hier gibt es mittlerweile eine Vielzahl an legalen kommerziellen Diensten mit komfortablen Angeboten. Was man mit seinen Musikdateien machen darf, das wird zum einen durchs Gesetz, zum anderen durch die Nutzungsbedingungen der Anbieter geregelt. Dazu mehr im Text „Was darf man mit digital gekaufter Musik machen?”.

Wie sieht es bei anderen Inhalten aus? Verglichen mit dem Musikbereich ist der Markt für Downloads vor allem bei E-Books und Filmen noch sehr jung. Einiges bewegt sich im Moment bei den E-Books, aber Download-Shops für Filme haben nach wie vor nur wenige treue Kunden gefunden – sei es, weil der neue Film oder die angesagte Serie dort gar nicht erhältlich ist, weil ein Kopierschutz die Käufer abschreckt oder weil andere Angebote zwar illegal, aber verglichen mit den legalen Online-Shops für viele Nutzer insgesamt besser sortiert und bequemer sind.

Um zu erläutern, was jeweils erlaubt ist und was nicht, geht es in diesem Text in drei Stationen durch das rechtliche und technische Dickicht. Auf die besonderen Regeln für Software wird am Ende des Textes eingegangen.

Filme und E-Books: Von Urheberrechten, AGB und Kopierschutzsystemen

Was man mit seinen gekauften Dateien machen darf, hängt bei Filmen und E-Books vom Urheberrecht und von den Nutzungsbedingungen des Anbieters ab. Aber auch, ob ein Kopierschutz vorhanden ist oder nicht, spielt urheberrechtlich eine Rolle. Bestimmte – sonst eigentlich erlaubte – Nutzungsweisen werden oft schon dadurch verhindert, dass die Dateien mit einem Kopierschutz versehen sind. Sowohl bei E-Books als auch bei Filmen ist „Digital Rights Management” (DRM) die Regel, Dateien ohne einen solchen Kopierschutz die Ausnahme. Wer versiert ist oder nach speziellen Programmen sucht, kann einen solchen Kopierschutz zwar umgehen. Das ist aber vom Urheberrecht her nicht erlaubt.

Drei Dinge sind es also, die darüber entscheiden, was man mit seinen Downloads machen darf und kann: erstens das Urheberrecht, zweitens die Nutzungsbedingungen, drittens der gegebenfalls eingesetzte Kopierschutz. Für den Käufer ist die Lage daher im Moment reichlich verworren: Nutzungsbedingungen und Kopierschutz schränken oft ein, was vom Urheberrecht her erlaubt wäre. Umgekehrt können im Sinne des Urheberrechts oder der Nutzungsbedingungen des Anbieters gewisse Dinge verboten sein, die technisch ohne weiteres möglich wären. Um die Verwirrung komplett zu machen, können Regelungen in den Nutzungsbedingungen auch gesetzlich unwirksam sein – ob das der Fall ist, kann man als normaler Nutzer aber nur selten beurteilen. Als Käufer steht man vor der Wahl, die Bedingungen zu akzeptieren oder einen Dienst gar nicht erst benutzen zu können.

(1) Das Urheberrecht: Privates Kopieren erlaubt

Ginge es nur nach dem Gesetz, wäre die Sache fast noch einfach. Der Grundsatz ist: Will man ein Werk vervielfältigen, muss der Rechteinhaber das genehmigen. Rechteinhaber sind in aller Regel Verlage oder Filmunternehmen, denen die Urheber ihre Rechte eingeräumt haben. Die wichtigste Ausnahmeregel von diesem Grundsatz ist die Privatkopie. Sie erlaubt es, einzelne Kopien von Werken auch ohne Genehmigung anzufertigen, solange man sie nicht auf illegalem Weg bekommen hat.

Die Kopien kann man dann sogar weitergeben – vorausgesetzt eben, es bleibt im privaten Rahmen, das heißt für die Familie oder einzelne Freunde. Für solche Kopien hat man im Übrigen auch schon etwas bezahlt, wenn man Computer, Festplatten, leere DVDs oder andere Datenträger gekauft hat. Man merkt es nur nicht, weil die gesetzliche „Geräte- und Leermedienabgabe“ von den Herstellern schon eingepreist ist.

Die Privatkopie gilt im Grundsatz auch für Dateien. Ob man ein E-Book, einen Film, Hörbücher, Hörspiele oder Musik als digitale Datei kauft oder nicht, macht rein urheberrechtlich gesehen kaum einen Unterschied. Wichtig ist aber: Gekaufte Dateien bei Tauschbörsen oder über Bittorrent-Systeme wie etwa Pirate Bay ins Netz zu stellen, fällt in keinem Fall darunter. Komplizierter wird es schon bei Filehoster-Diensten, bei denen man Dateien ebenfalls ins Netz hochladen kann und dafür einen Link erhält (Mehr dazu: „Download auf Knopfdruck – Wie legal sind Filehoster?“). Schickt man diesen Link wirklich nur an einzelne, enge Freunde, fällt auch das unter die Privatkopie. Die Datei muss aber für alle anderen tatsächlich unzugänglich bleiben – und darf auch nicht, wie bei einigen Diensten, durch spezielle Suchmaschinen gefunden werden können. Zumindest aus urheberrechtlicher Sicht ist es daher empfehlenswerter, einen der zahlreichen Cloud-Dienste für persönliche Dateien zu verwenden, wie Dropbox, Wuala und andere. Sie bieten auch eigene Funktionen an, um Dateien im privaten Rahmen zu teilen.

Auch wenn man einen Filmabend mit Freunden macht und dazu legal heruntergeladene Filme nutzt, braucht man dafür keine Genehmigung. Das hat wiederum nichts mit der Privatkopie zu tun: Es ist erlaubt, weil das Urheberrecht nur dann greift, wenn eine Vorführung öffentlich ist. Hier gibt es aber einige Zweifelsfälle, weil der Begriff „öffentlich” im Urheberrecht viel strenger definiert wird als im Alltag – auch dazu findet man mehr im Text über Musik-Downloads.

(2) Die Nutzungsbedingungen der Anbieter: Fast nichts erlaubt

Zwar gilt das Urheberrecht grundsätzlich für klassische Bücher, DVDs oder CDs genauso wie für digitale Angebote, es gibt aber einen wichtigen Unterschied. Im ersten Fall handelt es sich um „körperliche Werkexemplare”, bei denen der Kunde ein Buch oder einen bespielten Datenträger als sein Eigentum erwirbt. Bei Downloads dagegen schließt man lediglich einen Vertrag und bekommt üblicherweise „Nutzungsrechte” an den Inhalten vom Anbieter übertragen. Einen solchen Vertrag schließt man häufig, indem man beim Kauf oder bei der Anmeldung ein Häkchen anklickt und damit die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters akzeptiert.

In diesen Nutzungs- oder Geschäftsbedingungen finden sich meist eine ganze Reihe von Einschränkungen, was der Kunde mit seinen Downloads nicht machen darf. Ob solche Einschränkungen in jedem Fall wirksam sind, lässt sich leider nicht pauschal sagen. Grundsätzlich sind sie jedenfalls möglich. Im Fall von E-Books und Filmen bilden sie ohnehin zumeist nur nach, was durch den Kopierschutz schon technisch vorgegeben ist. Ungültig können einzelne Bestimmungen für den Käufer dennoch sein – etwa dann, wenn sie „überraschend” oder schlichtweg unverständlich sind. Davon kann man bei den hier untersuchten Einschränkungen aber zumeist nicht ausgehen.

Häufig findet man in Nutzungsbedingungen von Online-Shops auch Klauseln, nach denen man die Dateien nicht weiterverkaufen darf – was bei Büchern, CDs und DVDs gesetzlich erlaubt ist. Rechtlich ist das bislang nicht eindeutig geklärt und die juristischen Einschätzungen dazu gehen auseinander – im Fall von Software steht auch noch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus. Solange sollte man es besser nicht versuchen.

(3) Kopierschutz: Ungeliebt, aber Umgehen verboten

Durch „Digital Rights Management” – Kopierschutz-Techniken, die das Abspielen von Dateien zumeist an bestimmte Nutzer oder Geräte binden – versuchen die Anbieter zu verhindern, dass ihre Dateien im Netz unkontrollierbar weitergegeben werden. In der Praxis frustiert das auch viele Kunden legaler Angebote, die sich an der ganz normalen Nutzung ihrer Inhalte gehindert sehen. Etwa, wenn sie legal heruntergeladene Filme beim Kauf eines neuen Rechners nicht mehr abspielen können oder wenn der neue E-Book-Reader das DRM eines anderen Buchanbieters nicht versteht.

Da liegt es nahe, nach Programmen zu suchen, die den lästigen Kopierschutz entfernen. Das ist aber nicht erlaubt: Das Urheberrecht verbietet es, „wirksame technische Maßnahmen” gegen das Kopieren zu umgehen. Auch auf die Privatkopie-Regelung kann man sich hier nicht berufen – wenn der Anbieter seine Inhalte mit einem Kopierschutz versehen hat, gilt sie nicht. Wer einen Kopierschutz nur im privaten Rahmen umgeht, macht sich zwar nicht strafbar. Wer dennoch erwischt wird, kann aber unter Umständen abgemahnt werden. Das heißt: Man muss erklären, so etwas in Zukunft zu unterlassen (Unterlassungsanspruch), auch Schadensersatzforderungen sind denkbar.

Und auch, wenn es für die Nutzer unverständlich scheinen mag: Ein Kopierschutz gilt rechtlich auch dann als „wirksam”, wenn ein Programm, das ihn umgeht, nur eine Suchanfrage und ein paar Klicks entfernt ist. Was darüber hinaus rechtlich gesehen „wirksam” ist, ist im Detail noch völlig ungeklärt.

Überblick 1: Nutzungsbedingungen und Kopierschutz bei E-Books

Bei allen gängigen Onlineshops für E-Books findet sich in den Nutzungsbedingungen die Einschränkung: Wer ein E-Book kauft, der erhält nur ein „Nutzungsrecht”; oftmals wird ausdrücklich ergänzt, dass der Käufer „kein Eigentum” an den digitalen Büchern erhält. Sehr deutlich wird das an den AGB von Amazons Kindle-Shop, nach denen die Inhalte nur „lizensiert, nicht aber verkauft” werden. Weiter wird dann festgelegt, wie genau man die gekauften elektronischen Bücher verwenden darf.

Darf man den neu entdeckten Lieblingsroman zum Beispiel an einen Freund weiter schicken, etwa per Mail? Nach der Privatkopie wäre das zulässig – untersagt wird es meistens dennoch. Das kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass das Kopieren „für Dritte” in den Nutzungsbedingungen untersagt wird (so etwa bei Thalia und buch.de), die Nutzung auf den „persönlichen Gebrauch als Einzelnutzer” beschränkt wird (Libreka) oder schon dadurch, dass das Nutzungsrecht generell mit dem Zusatz „nicht übertragbar” vergeben wird. Auch gebrauchte E-Books weiterzuverkaufen, wird in allen Nutzungsbedingungen entweder direkt oder indirekt untersagt.

Das Weitergeben an Freunde wird in der Praxis auch schon dadurch verhindert, dass die meisten Anbieter E-Books nur kopiergeschützt verkaufen. Mit DRM-Technik ließe sich zwar auch eine solche Weiterverleih-Option für den Leser einrichten, entsprechende Funktionen werden aber hierzulande noch nicht angeboten. Ob ein Kopierschutz eingesetzt wird oder nicht, darüber entscheiden im Übrigen die Verlage – nicht die Online-Shops.

Einige – meist kleinere Verlage – verzichten mittlerweile auf Kopierschutz, weshalb man im selben Onlineshop E-Books mit oder ohne Schutz bekommen kann. Während einige Anbieter immerhin deutlich darauf hinweisen, ob man ein Buch mit oder ohne Kopierschutz erwirbt (so die gemeinsame Libreka-Plattform der Verlage), kauft man bei anderen Anbietern derzeit leider die Katze im Sack (etwa im iBook-Store von Apple). Dort sieht man erst nach dem Kauf, ob man Dateien mit Kopierschutz bekommen hat. Das ist rechtlich zweifelhaft, aber derzeit gängige Praxis.

Je nachdem, bei welchem Anbieter man kauft, kann man die Bücher nur verwenden, wenn das Format und der jeweilige Kopierschutz vom eigenen Lesegerät unterstützt werden. Einen Quasi-Standard wie bei MP3 in der Musik gibt es hier nicht. Derzeit sind es im wesentlichen drei Systeme, die zum Einsatz kommen: Bei Amazon und dem Kindle ist es das geschützte AZW-Format, der iTunes-/iBook-Store von Apple setzt auf das Epub-Format mit hauseigenem DRM, fast alle anderen Anbieter verwenden Epub mit einem Kopierschutz von Adobe. Diese Formate sind untereinander nicht kompatibel.

Will man zwischen den Plattformen wechseln und keinen Kopierschutz umgehen, wird es daher schwierig. Immerhin funktioniert es dann, wenn man eine weitere Lese-Software der jeweiligen Anbieter installieren kann. Übrigens können auch Titel, die ohne Kopierschutz angeboten werden, streng genommen noch DRM-Technologien enthalten. Das ist bei Titeln mit Wasserzeichen der Fall, die Daten zum Käufer oder zum Kaufzeitpunkt enthalten. Mit Wasserzeichen sollen vor allem die Käufer abgeschreckt werden, ihre Dateien im Netz weiter zu verbreiten.

Insgesamt sind die Nutzungsbedingungen bei allen Anbietern für den Kunden mehr oder weniger nachteilig, die Unterschiede gering. Der Kopierschutz verhindert ohnehin die meisten Wege, seine Bücher über das Lesen auf den jeweils „erlaubten” Geräten hinaus zu verwenden. Doch auch wenn die Unterschiede gering sind: Informieren sollte man sich in jedem Fall, was man mit den Nutzungsbedingungen akzeptiert.

Überblick 2: Nutzungsbedingungen und Kopierschutz bei Filmen

Bei Filmen ist das Angebot an Downloadshops auch im Vergleich zu E-Books noch sehr überschaubar. Zu den größten Anbietern gehören im Moment Apples iTunes-Store, das Videoload-Portal der Deutschen Telekom und Maxdome aus dem Hause Pro Sieben/Sat1. Auch hier gilt: Der Kunde bekommt „Nutzungsrechte” am Film eingeräumt, die mehr oder weniger starke Einschränkungen auch beim privaten Verwenden der Dateien machen. Alle drei Shops bieten zudem Leih-Downloads an, bei denen die Nutzungsrechte zusätzlich zeitlich beschränkt sind.

Zwar kommen die Filme bei allen Anbietern mit einem Kopierschutz, dennoch gibt es auch beim „Download-to-own” (DTO) durchaus Unterschiede im Detail: So bietet etwa Videoload die Option, einen Download auf eine DVD zu brennen, die nach eigenen Angaben auf handelsüblichen Playern abspielbar ist. Eine solche DVD darf man laut Nutzungsbedingungen ausdrücklich auch „im engeren persönlichen Bekannten- und Verwandtenkreis” weitergeben – einer der wenigen Punkte, an denen ein Anbieter dem Nutzer nicht nur Verbote erteilt. Beim Anbieter Maxdome ist das DVD-Brennen wiederum ausdrücklich untersagt, bei Filmen aus dem iTunes-Store darf der Käufer nur eine Daten-DVD als Sicherheitskopie brennen, die als solche nicht auf einem handelsüblichen DVD-Spieler abgespielt werden kann.

Technische und vertragliche Einschränkungen gibt es auch, will man einen Film auf weitere, eigene Geräte übertragen. Bei Maxdome etwa ist es ganz untersagt „tragbare Abspielgeräte” zu verwenden, bei iTunes gekaufte Filme wiederum darf man auf bis zu fünf Geräten verwenden, sofern man sich dort mit seinem Benutzerkonto anmeldet. Bei Videoload sind die Regeln dazu je nach Film unterschiedlich. Auch bei Filmen gilt: Der Weiterverkauft ist juristisch umstritten und wird in den AGB oft zusätzlich untersagt.

Sonderfall Software: Keine Privatkopie, aber Sicherungskopie erlaubt

Die Möglichkeit, Privatkopien zu erstellen und diese an Freunde weiterzugeben, gibt es (mit den oben beschriebenen Einschränkungen) nur bei Musik, Büchern, Filmen und anderen Inhalten. Die Privatkopie-Regelung gilt nicht für Computerprogramme. Erlaubt ist im Gesetz allerdings ausdrücklich, eine Sicherungskopie anzufertigen. Ob das wiederum auch gilt, wenn ein Kopierschutz eingesetzt wird, darüber streiten die Juristen noch. In jedem Fall gilt: Eine Sicherungskopie dient nur als Backup, etwa wenn das Original verloren geht – Weitergeben ist nicht erlaubt. Bei Software spielt es in dieser Hinsicht somit keine große Rolle, ob man Programme auf CD, DVD oder als Download kauft.

Unabhängig von der Privatkopie-Regelung kommt bei gekaufter Software ein weiterer Punkt ins Spiel. Hier vergeben die Anbieter seit jeher Lizenzen, damit man ein Programm nutzen kann. Für Privatanwender ist das oft eine einzige Lizenz, manchmal auch eine weitere etwa für das Laptop, nur selten sind es beliebig viele Geräte des Benutzers, auf denen man die gekaufte Software installieren darf.

Weiterhin umstritten ist, ob man Software und die zugehörige Lizenz – sowohl auf Datenträgern als auch beim Download – ohne Weiteres weiterverkaufen darf. Solange das nicht eindeutig geklärt, sollte man es auch hier besser nicht versuchen. Ob Computerspiele aus Verbrauchersicht einfach Computerprogramme sind oder Mischungen aus verschiedenen Werkarten (etwa auch Filmen), ist eine sehr komplexe und unter Fachleuten ebenfalls umstrittene Frage, die den Rahmen dieses Textes sprengen würde. Vieles ist hier rechtlich noch offen – zumal dann, wenn man nur einen Teil des Spiels kauft und einen anderen Teil aus dem Netz nachlädt.

EULAs sind häufig unwirksam

Was bei E-Books und Filmen die AGB, sind bei Software die EULAs, die „End User License Agreements” – zumeist elendig lange Verträge, die kaum jemand liest. Bis auf den Mobilbereich gibt es für Software kaum zentrale Downloadshops – häufig kauft man Programme direkt beim Hersteller, so dass man bei der Vielzahl an Anbietern und Verträgen hier nur ein paar generelle Hinweise geben kann.

Der wichtigste ist dieser: „Endbenutzer-Lizenzverträge” (EULAs) sind häufiger als andere AGB unwirksam. Nach deutschem Recht sind EULAs in jedem Fall unwirksam, wenn man von ihnen erst nach dem Kauf erfährt – wenn sie zum Beispiel erst dann angezeigt werden, wenn man das Programm installiert. Sind die Vereinbarungen wie in diesem Fall gänzlich unwirksam, gilt wiederum allein das Gesetz.

Doch auch, wenn die EULAs unwirksam sind und deswegen nur das Urheberrecht gilt: Mit dem wilden Kopieren loszulegen, ist aufgrund der bei Software nicht greifenden Privatkopie-Regelung nicht gestattet. Findet man in den Lizenzbedingungen Klauseln, die Sicherungskopien verbieten, kann man diese – aber nur diese – getrost ignorieren.

Weiß man hingegen vor dem Kauf, auf welche Lizenzbedingungen man sich einlässt, können Teile davon dennoch unwirksam sein. Nur in Ausnahmefällen ist das allerdings offensichtlich. Hier kommt es immer auf die jeweilige Formulierung an.

Fazit und Ausblick

Wer E-Books, Filme oder Software als Download kauft, sollte sich informieren, was die Anbieter in den Nutzungsbedingungen festlegen. Wenn diese wie üblich nur schwer verständlich sind, sollte man zusätzlich die Hilfeseiten und FAQ der Shops genau beachten. Zwar ist ein Kopierschutz die Regel, dennoch gibt es Unterschiede im Detail.

So oder so: Unbefriedigend bleibt aus Sicht des Käufers, dass er den Nutzungsbedingungen weitgehend ausgeliefert ist. Ob einzelne Bestimmungen – Einschränkungen bei der Weitergabe und bei privaten Kopien – zulässig sind, kann er kaum beurteilen. Auch Gerichtsurteile gibt es nur wenige. Unter der gegebenen Gesetzeslage und bei der derzeitigen Praxis der Anbieter und Rechteinhaber bleibt nur, den für seine Zwecke am ehesten geeigneten Anbieter zu wählen.

Auf längere Sicht könnte man vermuten, dass die Download-Shops ihre rigiden Regeln ändern, sobald die Rechteinhaber das erlauben und auf Kopierschutz – wie im Musikmarkt geschehen – weitestgehend verzichten. Vielleicht wird aber auch der „klassische Download” zunehmend durch Streaming- und Flatrate-Angebote per Abo ersetzt. Gerade bei Filmen werden legale Streaminganbieter wohl bald neuen Schwung ins Geschehen bringen. Auch bei diesen hat man zwar im Zweifel nur sehr eingeschränkte Befugnisse, bekommt aber zumindest keinen Download, der viel weniger hält, als sich der Käufer verspricht.

Autor & CC-Lizenz: David Pachali/iRights.info

Crossposting via irights.info.

Abb.: flickr/Horia Varlan

Suhrkamp-Kultur trifft Screen-Culture: Fünf E-Lesetipps von Klassiker bis Krimi

suhrkamp-kultur-e-book-epub-libri Suhrkamp setzt zukünftig stärker auf digitale Lesekultur – die Zahl der verfügbaren E-Books erhöht sich auf mehr als hundert. War bisher via texttunes nur eine Handvoll E-Book-Apps für iPhone & iPad erhältlich, so können Suhrkampleser ihre Lieblingstitel nun endlich schwarz auf weiß auf das E-Ink-Display von E-Readern laden. Denn über das Libri-Netz gibt’s eine gehörige Prise Suhrkamp-Kultur auch im epub-Format & PDF-Format. Unsere Autorin Heide Reinhäckel gibt aus diesem Anlass ein paar Lese-Empfehlungen…

Suhrkamp beweist Mut zum Experiment

Der 1950 in Frankfurt gegründete Suhrkamp-Verlag galt als intellektuelles Flagschiff der alten Bundesrepublik. Das Image des Verlages litt allerdings in den letzten Jahren immer wieder unter Negativschlagzeilen, ausgelöst etwa durch den Wechsel an der Führungsspitze oder den Brain-Drain von Lektoren und Autoren. Im Jubiläumsjahr 2010 wagte man nun mehrere Experimente zugleich, um das Label Suhrkamp wieder zum Funkeln zu bringen. So zog der Verlag aus der Frankfurter Lindenstraße nach Berlin, nicht zuletzt, um seinen Autoren näher zu sein und am symbolischen Kapital der Kreativhauptstadt zu partizipieren. Ein neues Zuhause fand sich vorerst im Prenzlauer Berg – in den Räumen eines ehemaligen Finanzamtes an der Pappelallee. Zum Berliner Start bespielte Suhrkamp den neuen Standort Berlin aber gleich doppelt. Mit dem edition-suhrkamp-laden in Berlin-Mitte kam von Mai bis Juli 2010 eine Mischung aus Verkaufsraum, Showroom und Veranstaltungsort hinzu. Die experimentelle Suhrkampwelt wurde beherrscht von einem Riesenregal mit der berühmten, von Willy Flecklang gestalteten edition suhrkamp-Reihe, deren Spektralfarben eine Seite des Raumes ausfüllten.

Die „Suhrkamp-Kultur“ kommt auf das E-Ink-Display

Wird Suhrkamp jetzt wieder hip? Offenbar war der temporäre Suhrkamp-Laden als Wiederbelebung der „Suhrkamp-Kultur“ gedacht, ein Begriff, den ursprünglich mal der amerikanische Literaturwissenschaftler und Suhrkamp-Autor Georg Steiner prägte. Diese Suhrkamp-Kultur war nicht zuletzt mit dem Verleger-Mythos Siegfried Unseld verbunden. Mit der aktuellen E-Book-Offensive trifft die Suhrkamp-Kultur nun auf die digitale Screen-Culture des 21. Jahrhunderts. Natürlich können 140 Titel nur ein Anfang sein – bei Libri sind insgesamt mehr als 3000 gedruckte Suhrkamp-Titel lieferbar. Doch das erweiterte E-Book-Angebot umfasst nun immerhin Romane von klassischen Suhrkamp-Autoren wie Max Frisch, Hermann Hesse und Thomas Bernhard, von deutschen Gegenwartsautoren wie Christa Wolf, Uwe Tellkamp und Sibylle Lewitscharoff und nicht zuletzt auch internationale Gegenwartsliteratur. Sogar Dietmar Daths Polit-Bilderbuch „Deutschland macht dicht“ ist mit dabei. Die Botschaft ist angekommen: Suhrkamp zumindest macht bei E-Books nicht mehr dicht. Nur über die Preise sollten wir noch mal reden…

Fünf Empfehlungen

Meine fünf persönlichen Empfehlungen für den E-Book-Einstieg bei Suhrkamp:

ulysses-e-book-suhrkamp 1. James Joyce: Ulysses. Wer schon immer den berühmten Klassiker des modernen Romans und der literarischen Bewusstseinsdarstellung lesen oder wiederlesen wollte, kann dies jetzt auch auf dem E-Reader tun. In der Übersetzung von Hans Wollschläger liegt bei Suhrkamp der Tagesablauf von Leopold Bloom am 16. Juni 1904 in Dublin auch als E-Book vor. Wie wär’s mit einem Bloomsday per E-Reader? Gibt’s leider nur als PDF-Version, mit 11,99 Euro aber erschwinglich…

unseld-bernhard-briefwechsel-suhrkamp-e-book 2. Thomas Bernhard, Siegfried Unseld: Der Briefwechsel. In über 500 Briefen eröffnet sich ein Beziehungsdrama besonderer Natur zwischen dem berühmten österreichischen Autor und dem Verleger-Mythos Unseld, das sich Haßtiraden, Schreibblockaden und manische Schübe erstreckt. Ein fesselndes Hintergrunddrama der Literaturproduktion. Als epub & PDF für etwas anspruchsvolle 19,99 Euro im Angebot…

herzzeit-celan-bachmann-briefwechsel-e-book-suhrkamp 3. Ingeborg Bachmann, Paul Celan: Herzzeit. Mit dem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, den zwei großen deutschsprachigen Dichtern des 20. Jahrhunderts, liegt eine eindringliche Korrespondenz vor, die das Dichter-Liebespaar der Nachkriegszeit beleuchtet. Als epub&PDF gibt’s 400 Seiten für 9,99 Euro…

ndiaye-drei-starke-frauen-roman-suhrkamp-e-book 4. Marie Ndiaye: Drei starke Frauen. Die französische Autorin schildert in ihrem Roman, der mit dem Internationalen Literaturpreis 2010 ausgezeichnet wurde, drei Frauenschicksale zwischen Europa und Afrika in einer intensiven literarischen Sprache. Auch als epub & pdf hat Ndiaye leider ihren Preis: nämlich 19,99 Euro.

winslow-pacific-private-krimi-suhrkamp-e-book 5. Don Winslow: Pacific Private. Kalifornischer Krimi mit dem surfenden Privatdedektiv Boone Daniels, der neben dem Wellenreiten am Pazifik mit einem Fall konfrontiert wird, der in seine eigene Vergangenheit führt. Die Synthese von Surfer- & Privatdedektiv-Milieu ist eine gute Kontrastlektüre für die kalten Jahreszeit. Als epub oder PDF gibt’s den Westküstensound der Suhrkamp-Krimi-Reihe für 9,99 Euro.

Autorin & Copyright: Heide Reinhäckel

„Geld im Tausch gegen nichts“: Von elektronischen Büchern, trockenem Wasser und anderen Fabelwesen

buchmesse-e-book-frankfurt-federico-heinz-gnuE-Books sind eine Erfindung der Verlage, meint der Argentinier Federico Heinz, offizieller Sprecher der GNU-Organisation. Eigentlich müsste man von elektronischen Archiven sprechen, die weitaus mehr bieten als ein normales Buch. Zwecks Vermarktung würden die Möglichkeiten jedoch weitestgehend eingeschränkt – nicht nur durch Kopierschutz. Wir dokumentieren anlässlich der Frankfurter Buchmesse hier Federico Heinz‘ Plädoyer, die Kontrolle über das E-Book – und damit über den Zugang zur Kultur – wieder an die Gesellschaft zurückzugeben.

Denkst Du an ein Buch, oder an ein Werk?

Stopp: Bevor du weiterliest, denke schnell an ein Buch! – Wahrscheinlich wirst du an irgendeinen Buchtitel gedacht haben, an etwas im Stile von Hundert Jahre Einsamkeit, Das Kapital oder vielleicht sogar an ein Handbuch der Kraftfahrzeugelektronik. Diese wie viele andere denkbare Antworten sind so vernünftig wie inkorrekt: Sie bezeichnen keine Bücher, sondern einen Roman, eine wissenschaftliche Abhandlung und ein Handbuch. Wir verwechseln hier das Werk mit dem Buch, zwei Wesen, deren Natur und Zweckbestimmung gänzlich voneinander unterschieden sind. Diese Konfusion ist bestimmten Interessen durchaus förderlich, weshalb es die Mühe lohnt, jener vorzubeugen und das Verhältnis zwischen den beiden Termini zu klären.

Der Zweck eines Buches ist die Vermarktung des Werkes

Ein „Werk“ ist das Produkt des Intellekts und immaterieller Natur. Ein jedes unterscheidet sich vom anderen und ist in individueller und künstlerischer Weise gestaltet. Der Aufwand, der für seine Herstellung benötigt wird, fällt in eins mit dem Zeitaufwand des Schreibenden, und sehr häufig hat es nur einen einzigen Autor (unter der stillschweigenden Voraussetzung, diejenigen nicht mitzuzählen, die dieser gelesen hat). Das Werk ist unauflöslich mit seinem Urheber verknüpft und ist ein Mittel, „dem Leser Ideen mitzuteilen“. Die Natur der „Bücher“ unterscheidet sich hiervon deutlich. Es handelt sich um Gegenstände, die man anfassen kann, um industrielle Massengüter, die in einer Auflage von Tausenden oder Millionen von Exemplaren produziert werden. Um den komplexen Vorgang ihrer Produktion, ihres Vertriebs und ihrer Vermarktung zu finanzieren, bedarf es einer erheblichen Kapitalinvestition. Das Buch und seine kommerzielle Verwertung sind dem Autor entzogen. Nicht selten muss er erleben, dass der Verlag sein Werk dem Vergessen anheim gibt, wenn er auf diesem Weg den hächsten Gewinn auf die getätigte Investition realisieren kann. Letztlich ist der Zweck des Buches lediglich, als Mittel zu dienen, „um Werke zu vermarkten und an den Konsumenten zu bringen“.

Der Preis hängt nicht von der Qualität des Werkes ab

Doch dies nur im Prinzip. Der industrielle und kapitalintensive Charakter der Buchherstellung und -vermarktung führt zu einer Verzerrung dieser Idee, sodass heute eher die Werke ein Mittel des Buchverkaufs sind als umgekehrt. Das Werk ist nur ein Vorwand, um dem Publikum einen weiteren rechteckigen Stapel industriell bedruckten und gebundenen Papiers zu verkaufen. Denn in Wirklichkeit produziert und verkauft der Verlagsbuchhandel genau das, das Buch, den Gegenstand und nicht das Werk, welches ein bloßer „Input“ seiner wirtschaftlichen Aktivität ist. Von einem Buch, welches ein populäres Werk enthält, werden mehr Exemplare verkauft als von einem anderen, das ein weniger bekanntes Werk zum Inhalt hat. Aber der Preis, den der Leser zahlen muss, hängt nicht von der Qualität des Werkes ab, sondern von den physischen Eigenschaften des Objekts: von Papierqualität, Druck, Einband. Eine Paperbackausgabe wird immer weniger kosten als ein Hardcover mit der gleichen Seitenanzahl, ganz unabhängig vom gedruckten Inhalt.

“Im Prinzip wäre ein elektronisches Buch ein digitales Archiv“

Nachdem wir die Natur des Buches als industrielles Massengut identifiziert haben, bekommt der Name „elektronisches Buch“, der uns bis vor Kurzem so leicht über die Lippen ging, einen problematischen Klang. Wie kann ein Buch elektronisch sein, wenn das Wesen des Buches darin besteht, berührbar, industriell gefertigt und von begrenzter Zahl zu sein? Warum sollten wir an dem Wort „Buch“ festhalten, wenn dies im Namen von etwas geschieht, das das Buch selbst zum Verschwinden bringt? Im Prinzip wäre ein elektronisches Buch nichts anderes als ein digitales Archiv, in das ein Werk eingeschrieben wird. Es handelt sich um keinen Gegenstand, und es bedarf weder einer Infrastruktur noch größerer Kapitalinvestitionen, um es herzustellen und zu verbreiten. Sobald das erste Exemplar eines Werkes in digitaler Form auf einem Datenträger vorliegt, verursacht die Herstellung weiterer Kopien und ihre Verfügbarmachung in P2P-Netzwerken keine nennenswerten Kosten mehr. Die digitale Form erlaubt Nutzungsweisen, die das Buch nicht bietet. Das Wiedergabegerät kann das gewünschte Werk auf verschiedene Weise für Leser zugänglich machen: Blinde kännen es in Blindenschrift lesen oder sich über Lautsprecher vorlesen lassen; sehbehinderte Menschen kännen die Schriftgröße verändern oder das Erscheinungsbild auf andere Weise ihrem Handicap anpassen; Personen, die besondere ästhetische Ansprüche stellen, kännen für die Lektüre des Textes Schrift und Layout nach ihrem Gusto auswählen; Studierende und Forschende kännen den Text mit Tools bearbeiten und durchforsten, die die Papierform nicht zulassen würde.

Geld im Tausch gegen nichts. Die beste aller Welten!

Diese digitalen Archive „elektronische Bücher“ zu nennen ist ungefähr genauso logisch, als würde man Jumbojets als „Dreiräder mit Flügeln“ bezeichnen. In beiden Fällen wird etwas beschrieben, dem zugleich eine grobe Unterschätzung zugrunde liegt. Diese Unterschätzung kommt den Verlagen durchaus gelegen: In Begriffen von „elektronischen Büchern“ zu denken, schränkt unsere Vorstellungskraft in Bezug auf das, was wir von ihnen eigentlich erhoffen könnten, gravierend ein. Wenn der Verlagsbuchhandel von E-Books spricht, redet er tatsächlich weder von Werken noch von digitalen Archiven, er benutzt schlicht und einfach die einzige Sprache, die ihm gegeben ist: die von Verkaufseinheiten. Angesichts der Perspektive, dass seinen Produkten ein entscheidender Bedeutungsverlust als Träger von Werken droht, sucht er verzweifelt nach Mechanismen, die es ihm ermäglichen, „etwas“ in einer Welt zu verkaufen, in der seine Dienste nicht mehr unerlässlich, sondern im besten Fall nur noch ein Luxus für die Liebhaber des Gegenstandes Buch sind.

Erst durch den Kopierschutz wird das Werk zum E-Book

Mit Gewitztheit und getreu der unternehmerischen Maxime, die Krise als Chance zu begreifen, treten die Verleger die Flucht nach vorne an. So entstand das E-Book als ein Produkt mit minimalen Herstellungs- und Vertriebskosten, das nie vergriffen ist, ohne vorrätig gehalten werden zu müssen, und das unendlich oft verkauft werden kann. Geld im Tausch gegen nichts. Die beste aller Welten! Das einzige Hindernis bei der Verwirklichung dieser Vision des unternehmerischen Nirwanas ist die Tatsache, dass die Netzwerke der Informatik potenziell jeden in einen Verleger verwandeln. Damit die Idee funktioniert, muss also zunächst dafür gesorgt werden, dass man als Einziger in der Lage ist, das Produkt zugänglich zu machen. Auf irgendeine Weise muss die Veröffentlichung wieder zu einer kapitalintensiven Investition werden. Für die Verlage ist ein in digitaler Form vorliegendes Werk – mit all seinen Vorteilen und Möglichkeiten – also kein E-Book. Um ein solches zu werden, muss es so programmiert sein, dass der Zugang zu ihm nur über den Gebrauch von Geräten und Software-Programmen möglich ist, die von den Verlagen selbst kontrolliert werden.

Für die Verlage geht es um die Kontrolle über den Kulturbetrieb

Ein E-Book bietet also nicht nur weniger Vorteile als ein simples digitales Archiv, es bietet sogar weniger Möglichkeiten als ein traditionelles Buch aus Papier. Ein Papierbuch kann man ausleihen, in einer öffentlichen Bibliothek anfordern, und man kann es lesen, ohne dass jemand davon Kenntnis erhält. Und es ist selbst dann noch verfügbar, wenn der Verlag pleite gegangen ist, was ein E-Book nicht überleben würde: Wenn der Server abgeschaltet wird, ist das Buch nicht mehr verfügbar. Es handelt sich um zwei verschiedene Wege, die man nicht miteinander verwechseln darf. Auch wenn sie vom selben Ausgangspunkt starten, führen sie doch zu unterschiedlichen Zielen. Die E-Books, wie sie die Verlagsindustrie versteht, sind lediglich ein Mittel, das erdacht wurde, um die Kontrolle über den Kulturbetrieb und den Zugang zu Kultur weiter in den eigenen Händen zu behalten. Glücklicherweise bieten uns die digitalen Netze und Archive genügend Möglichkeiten, diese Zugangssperren zu umgehen und die Kontrolle der Gesellschaft zurückzugeben.

Autor: Federico Heinz, veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz by-nc-sa

Entnommen aus: Argentina Copyleft! Neue Spielregeln für das digitale Zeitalter? Ein Blick nach Argentinien, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung (2010)

Wenn Literatur zu Content wird: Frankfurter Buchmesse 2010 startet digitale Offensive

buchmesse-frankfurt-2010-content-e-book-e-readerE-Books sind in den Frankfurter Messehallen längst keine unbekannte Größe mehr. Ein Novum ist jedoch die Kooperation zwischen der Buchmesse und dem Branchenverband BITKOM. Wo Literatur immer mehr zu Content wird, sucht offenbar die Gutenberg-Galaxis nun den Schulterschluss mit der digitalen Medien- und Kreativbranche. Während man auf den „Frankfurt Hot Spots“ etwa die neuesten Lesegeräte ausprobieren kann, treffen unter dem Motto „StoryDrive“ Vertreter aus der Verlagswelt,- Filmbranche sowie Musik- und Gamesindustrie zusammen. Die Frankfurter Buchmesse 2010 läuft vom 5. bis 10. Oktober.

Buchmesse heißt: Know-How für die Content-Vermarktung

Erst kamen die Hörbücher, dann E-Books. Elektronische Literatur hat sich auf dem deutschen Buchmarkt etabliert. Nach PDFs für den Wissenschafts-Bereich wird nun dank epub auch der Unterhaltungssektor zum Geschäftsfeld. „Wir rechnen damit, dass nach Fachliteratur, Sachbüchern und Infotainment auch digital publizierte Belletristik für die Leser zunehmend interessant wird“, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Einen wichtigen Grund sieht der Verband der deutschen IT-Branche im aktuellen Tablet-Boom. Nach BITKOM-Berechnungen werden bis Ende 2010 hierzulande rund 500.000 Tablet-PCs verkauft. Gleichzeitig wächst bei den Kunden das Interesse am Kauf von elektronischer Lektüre. Um die Kooperation zwischen Buch- und Hightech-Branche zu verbessern, haben BITKOM und die Frankfurter Buchmesse die digitale Initiative „Frankfurt SPARKS“ ins Leben gerufen. Dabei geht es um die Lesegeräte, aber auch um Content im weiteren Sinne. „Der Bedarf an Inhalten ist so groß wie nie – und die Frankfurter Buchmesse steht für Inhalte. Keine andere Messe bietet derartiges Know-how für den Rechteverkauf und die Produktion und Vermarktung von Content“, so Buchmesse-Direktor Jürgen Boos auf der Vorschau-Pressekonferenz.

Hotspots für Hardware, StoryDrive für cross-mediales Erzählen

Für die Freunde des elektronischen Lesens dürften vor die Halle 8 interessant sein. Am „Devices Hot Spot“ etwa kann man nicht nur die Geräte selbst ausprobieren, sondern auch in Kontakt mit den Firmen treten, die Betriebssysteme, Vertriebsplattformen und Softwaredienste entwickeln. Spannend für E-Book-Autoren dürfte aber auch der „Literature & Special Interest Hot Spot“ in Halle 3.1 sein. Dort werden Portale, Plattformen und webbasierte Dienstleistungen für die Buchcommunity vorgestellt – etwa für den Bereich Self- und Social-Publishing. „Frankfurt StoryDrive“ versteht sich dagegen als Treffpunkt der internationalen Medien- und Entertainmentwelt. Im Mittelpunkt steht weniger die Hardware sondern das Erzählen an sich: „StoryDrive richtet sich an alle, deren Welt sich um gute Geschichten dreht – und die mit Geschichten Welten schaffen“, so die Organisatoren. Neben einer eigenen Cross-Media-Konferenz finden die Branchenvertreter unter dem Label „StoryDrive“ auch einen Handelsplatz für Medienrechte („Film&Media Rights Center“).

„Wir wollen die Welt jenseits von Papier und Tinte sehen!“

Die Zukunft des Erzählens ausloten will auf der Buchmesse aber auch ein „Crowdsourcing“- Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der webbasierten Kreativ-Community Jovoto. „Es gibt eine Welt jenseits von Papier und Tinte, und die wollen wir sehen“, heißt es auf der Startseite des Projekts. Möglich ist alles, vom Video über Apps bis zum Computerspiel. Einsendeschluss ist der 30. September. Hundertprozentig virtuell ist die Frankfurter Buchmesse aber noch nicht. Zum Glück. „Der Hunger nach Wirklichkeit wird größer, je digitaler unser Leben wird“, meint wohl zu Recht Buchmesse-Direktor Jürgen Boos. Neben dem Content auf Displays oder zwischen Buchdeckeln treffen auf der Frankfurter Buchmesse deswegen auch in diesem Jahr Autoren und Leser aufeinander. Live erleben kann man in den Messehallen etwa Weltliteraten wie Jonathan Franzen oder Bret Easton Ellis, ebenso aber deutsche Größen wie Richard David Precht oder Wladimir Kaminer.

Das Buch der Zukunft: E-Books und elektronisches Publizieren auf der „Buch Digitale 2010“

upload-magazin-buch-der-zukunft-e-book-buchdigitaleEins ist klar: Das Buch der Zukunft ist ein E-Book. Der Abstand zum Buch aus Papier wird immer weiter wachsen. Bereits jetzt zeigen Multimedia-Erweiterungen wie Vooks oder Motion-Comics, genauso aber Community-orientierte Leseplattformen wie BookGlutton, was möglich ist. Das Upload-Magazin widmet dem „Buch der Zukunft“ ein Special, an dem sich auch E-Book-News beteiligt, u.a. mit einer Marktübersicht zum Thema E-Reader. Anlass der gesamten Aktion ist die Buch Digitale 2010, ein „Forum für neues Publizieren“, das am 14. September in Berlin stattfindet.

„Das Erstaunliche: Man kann auf E-Readern und Tablets tatsächlich lesen“

Die Gutenberg-Galaxis wurde schon des öfteren für tot erklärt. Fast genauso oft wurde seit den Neunziger Jahren das elektronische Lesen zum neuen Hype erklärt. Erst elektronisches Papier, also E-Ink, hat dem E-Book einen länger anhaltenden Erfolg beschert. Amazon etwa hat mit dem Kindle-Reader seit 2007 den gesamten Buchmarkt der USA durcheinandergewirbelt. Doch erst mit dem iPad, in technischer Hinsicht ein Retro-Lesegerät, scheint der endgültige Durchbruch zum Massenmarkt zu gelingen. „Offenbar wurde nun diese eine magische, nicht sichtbare Linie durchbrochen, die aus einer Technologie der Zukunft eine Technologie der Gegenwart macht, eine Technologie, die unseren Alltag beeinflusst und verändert“, schreibt Jan Tißler im Editorial zum Special „Buch der Zukunft“. Was dem elektronischen Lesen bis jetzt offenbar noch gefehlt hat, war nicht allein ein Massenmarkt, sondern zunächst mal die massenhafte Akzeptanz. Die ist nun gekommen. „Das Erstaunliche ist jedenfalls: Man kann auf E-Readern und sogar auf Tablets tatsächlich lesen. Und damit ist nicht nur das Lesen einer Information gedacht, sondern das Lesen eines Buchs.“ Nicht nur die Lernkurve der Leser geht momentan steil nach oben, genauso verhält es sich bei Autoren, Verlagen und Buchhändlern. Im Themenschwerpunkt des Upload-Magazins werden in täglich neuen Folgen bis Mitte September die Chancen und Risiken des elektronischen Publizierens für alle Beteiligten ausgelotet. Zu den Autoren gehört neben Upload-Betreiber Jan Tißler, Sebastian Schürmanns (schreibermag.de) und Leander Wattig (wasmitbuechern.de) auch Ansgar Warner (e-book-news). Das Upload-Magazin tritt dabei übrigens als Medienpartner der zweiten Berliner „Buch Digitale“ auf, die von der E-Book-Plattform PaperC und der Medienagentur SWOP veranstaltet wird.

E-Books wälzen US-Buchbranche um – Barnes&Noble vor der Übernahme

barnes-noble-e-book-nookDer Umbruch in der amerikanischen Buchbranche beschleunigt sich: Nun erwägt Barnes&Noble eine Übernahme durch potentielle Investoren. Die größte US-Buchhandelskette mit über 770 Filialen kämpft mit steigenden Kosten und sinkendem Börsenwert. Investitionen in einen E-Book-Store und die Vermarktung des E-Readers Nook konnten daran nichts ändern – auch auf diesem Sektor hat Konkurrent Amazon die Nase vorn. Deswegen zogen die wichtigsten Aktionäre nun die Notbremse.

Die Zeit für „Brick&Mortar“-Shops scheint abzulaufen

Ob aufwärts oder abwärts: die Entwicklung der Buchbranche in den USA verläuft in beiden Richtungen äußerst rasant. Zu den größten Absteigern der Branche gehören mit Barnes&Noble sowie Borders ausgerechnet die beiden größten „Brick&Mortar“-Buchhändler. Der B&N-Flagship-Store an der Fifth Avenue, gegründet im Jahr 1932, mag noch so viel Glamour verbreiten. Insgesamt sind die Filialen aus Stein und Mörtel zum Klotz am Bein geworden. Die Leser shoppen immer öfter ganz woanders – vor allem bei Amazon. Der unaufhaltsame Aufstieg des in Seattle beheimateten Online-Riesen wird durch Brick&Mortar-Ballast nicht gebremst. Das erst 1994 gegründete Unternehmen hat heute einen Börsenwert von 57 Mrd. Dollar. Barnes&Noble ist dagegen nur noch schlappe 900 Millionen Dollar wert. Auch Borders musste kräftig Federn lassen, im letzten Jahr verbuchte der mit 170 Filialen zweitgrößte US-Buchhändler Verluste im dreistelligen Millionenbereich. Noch vor wenigen Jahren wurde spekuliert, Borders könnte von Barnes&Noble geschluckt werden. Nun gelten beide als Übernahmekandidaten – und 60.000 Angestellte bangen um ihre Arbeitsplätze.

Mit dem Nook-Reader wollte B&N dem Kindle Paroli bieten – nur wenige Monate vor dem iPad-Hype

Doch nicht nur der Kostendruck beim Vor-Ort-Verkauf macht Barnes&Noble Probleme – auch die kräftigen Investitionen ins E-Book-Business belasten die Bilanzen. Mit der Übernahme des Online-Portals Fictionwise stieg B&N Anfang 2009 ins E-Book-Business ein, im Sommer des Jahres folgte dann ein eigener B&N-Store für elektronische Bücher. Abgerundet wurde der Verstoß in das E-Book-Geschäft durch den Launch eines E-Readers namens Nook. Der Dual-Screen-Reader setzt einerseits auf E-Ink für hohen Lesekomfort, andererseits auf ein LED-Farb-Touchscreen für bequemes Online-Shoppen per W-LAN oder UMTS. Mit zusätzlichen Funktionen wie etwa der Möglichkeit, E-Books auszuleihen, aber auch der Unterstützung des epub-Standards bietet der Nook tatsächlich einen gewissen Mehrwert gegenüber Amazons Kindle. Doch Amazons Vorsprung auf dem E-Book-Sektor ist schwer aufzuholen. Momentan deckt das Imperium von Jeff Bezos 70-80 Prozent des elektronischen Buchmarktes in den USA ab. Der Start des Nook im November 2009 kam außerdem etwas spät, denn kurz darauf brach bekanntlich schon der mediale Hype um das iPad los, mit dem Apple konsequent auf LED-Technik setzte. Doch B&N will die Nook-Karte weiter ausspielen – in den Filialen sollen ab September spezielle In-Door-Shops nur für den Dual-Screen-E-Reader eröffnen.

Vampirismus, aber kein Kannibalismus: Stephenie Meyers „Bree Tanner“ ist ein Bestseller – trotz kostenloser E-Book-Version

stephenie-meyer-bree-tanner-biss-zum-sonnenstrahl-e-book-bestsellerBestseller bis(s) zum ersten Sonnenstrahl: Stephenie Meyers Story vom kurzen Leben der Bree Tanner ging alleine am ersten Verkaufstag mehr als 100.000 mal über den Ladentisch. Besonders erfolgreich ist die englischsprachige Version – obwohl es bis Anfang Juli noch eine kostenlose E-Book-Version im Internet gibt. Die Leser bevorzugen aber offenbar Print oder epub, denn in der ersten Woche zählte die Online-Version nur knapp 15.000 Leser.

Den Löwenanteil des Umsatzes sichern sich die Online-Buchhändler

„I wonder how you will feel about Bree“, schreibt Stephenie Meyer im Vorwort ihres neuen Vampir-Romans „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“. Das hängt offenbar davon ab, wo und wie das Buch gelesen wird. In den USA wurde Bree Tanner alleine während der ersten 48 Stunden knapp 350.000 mal verkauft – den Löwenanteil davon sicherten sich allerdings Online-Buchhändler wie Amazon. „Biss zum ersten Sonnenstrahl“ schaffte es bis auf Platz Drei der Amazon-Print-Charts, und war auch im Kindle-Store Spitzenreiter. In Großbritannien gingen in der ersten Woche laut Bookseller.com mehr als 136.000 Bände über den Ladentisch, damit schlägt Stephenie Meyer sogar vormalige Verkaufsrekorde von Bestseller-Autoren wie Patricia Cornwell oder Stieg Larsson.

Branchenüblicher Beißreflex? Buchhändler beklagen sich über kostenlose E-Book-Version

An kleineren Buchhandlungen ging das Geschäft dagegen offenbar vorbei – wie Publisher’s Weekly berichtete, lag die Twilight-Saga-Auskopplung in den USA vielerorts wie Blei in den Regalen. Dass aus dem kurzen Leben der Bree Tanner solchermaßen ein sehr langes wird, führen manche Buchhändler unter anderem auf die kostenlose E-Book-Version im Internet zurück. Ein branchentypischer Beißreflex? Nun mag Meyer zwar mit Bree Tanner zum ersten Mal aus der Perspektive eines echten Vampirs erzählen, doch für die alte Kannibalisierungsthese scheint die Gratis-PR-Aktion nichts herzugeben. Eher zeigen sich hier Verschiebungen zwischen Online-Buchhändlern und großen Verkaufsketten einerseits und dem traditionellen Buchhandel andererseits. Besonders interessant dürfte aus dieser Perspektive die Umsatzentwicklung in Deutschland sein. Die deutsche Übersetzung startete parallel mit der Originalversion am 5. Juni – eine konkurrierende Gratis-Version im Internet gibt es hierzulande aber nicht.

Ob Bree Tanner oder Beedle Bard – für die Leser ist der Wiedererkennungwert bei Spin-Offs zu gering

Vielleicht war der Bree-Tanner-Hype auch einfach nicht mächtig genug – immerhin handelt es sich ja nicht um eine direkte Folge der Twilight-Sage, sondern um ein erzählerisches Nebengleis. Der Verkaufsrekord von „Breaking Dawn“ (Biss zum Ende der Nacht) von 2009 wurde bei weitem verfehlt – damals wurden mehr als eine Million Bände am ersten Tag abgesetzt. Ähnliche Erfahrungen musste Harry-Potter-Autorin J K Rowling mit dem Spin-Off „Tales of the Beedle Bard“ machen. Bestseller sind natürlich Bree Tanner genauso wie Beedle Bard – doch beide kamen sie zu einem Zeitpunkt, als die Autorinnen ihren Zenit bereits überschritten hatten. Stephenie Meyer reagierte darauf taktisch mit der kostenlosen E-Book-Version. J K Rowling dagegen hat sich selbst einer kommerziellen E-Book-Fassung bisher verweigert. Angesichts zurückgehender Print-Verkäufe hat nun aber auch die Harry-Potter-Autorin begonnen, elektronisches Blut zu lecken.

Eigentum oder Nutzungsrecht: Was kauft man, wenn man ein E-Book kauft?

nutzerrechte-e-books-kopierschutz-lizenz-zum-lesen1Nicht alles, was mit E-Books technisch möglich ist, ist auch erlaubt. Aber nicht alles, was erlaubt ist, ist auch technisch möglich. Doch ist ein E-Book überhaupt ein Buch? Was regeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Erwirbt man mehr als nur die Lizenz zum Lesen? irights.info-Redakteur Ilja Braun klärt in seinem Artikel wichtige Fragen zum Thema Nutzerrechte beim elektronischen Lesen.

Amazon und Orwell: Zensur? Nein, Urheberrecht

Die Firmengeschichte des Internet-Buchhändlers Amazon wird den 17. Juli 2009 wohl als einen besonders düsteren Tag verzeichnen. An jenem Freitag geschah es, dass auf dem E-Book-Lesegerät Kindle zwei elektronische Bücher von George Orwell plötzlich verschwunden waren. Die Kunden staunten nicht schlecht, als sich herausstellte, dass Amazon die Dateien beim Einloggen in das Kundenkonto einfach gelöscht hatte. Immerhin wurde der Kaufpreis erstattet. Zensur? Nein, Urheberrecht. Der Verlag hatte für elektronische Ausgaben keine Lizenz erworben. Der Vorfall führte innerhalb weniger Tage nicht nur zu Spott in der Netzgemeinde, zu Entschuldigungen von Amazon und zu Frust bei den Kindle-Käufern, sondern auch zu einer voreiligen Schlussfolgerung bei Journalisten und Bloggern: Wenn man ein E-Book kaufe, besitze man eben kein Buch, sondern erwerbe lediglich das Recht, eine Datei zu lesen. Und wer es nicht glaube, solle mal die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) seines Internetbuchhändlers nachlesen. Das kann zumindest nicht schaden. Allerdings sind allgemeine Geschäftsbedingungen keine unverbrüchlichen Gesetze. Eine Regelung, nach der ein Händler das Produkt, das er verkauft, dem Kunden jederzeit wieder wegnehmen darf, wenn er nur das Geld zurück gibt, wäre ohnehin unwirksam. Auch im Kleingedruckten von Amazon steht keine solche Klausel.

Welche Rechte haben Verbraucher?

Wie weit aber gehen die Verbraucherrechte an einem E-Book? Was darf man tatsächlich damit machen? Darf man es kopieren, verleihen, weiterverkaufen? Ist alles erlaubt, was technisch geht? Das nicht. Umgekehrt aber geht vieles nicht, was erlaubt ist -weil die Anbieter es technisch verhindern. Und wenn doch, ist es meist von den Geschäftsbedingungen untersagt. Kann aber, was gesetzlich erlaubt ist, nach einem Klick auf den Button ,,Ich akzeptiere die AGB“ plötzlich verboten sein? Rechtlich geklärt ist vieles noch nicht. Beispielsweise dürfen Bücher zu privaten Zwecken nur auszugsweise kopiert werden, es sei denn, sie sind seit mindestens zwei Jahren vergriffen, also nicht mehr lieferbar. Aber handelt es sich bei einem E-Book überhaupt um ein ,,Buch“ im Sinne des Urheberrechts? Der Terminus wird ohnehin nur ein einziges Mal verwendet, die Regelung stammt schließlich aus analogen Zeiten. Vielleicht müsste man ein E-Book eher als ,,Sprachwerk“ begreifen, das in digitaler Form vorliegt. Dann würde die erwähnte Beschränkung nicht gelten, und man dürfte E-Books sehr wohl zu privaten Zwecken komplett kopieren. Es sei denn, sie wären mit einem wirksamen Kopierschutz versehen – den darf man nämlich nicht umgehen.

Eigentum oder Nutzungsrecht?

Eine andere spannende Frage: Was passiert, wenn man ein E-Book herunterlädt? Kauft man da ein ,,unkörperliches Gut“? Oder erwirbt man ,,Nutzungsrechte“ an geistigem Eigentum, schließt also einen urheberrechtlichen Vertrag? Geht man davon aus, dass ein E-Book ein ,,unkörperliches Werkexemplar“ ist, an dem man Eigentum erwirbt, quasi ein Buch in Dateiform, so handelt es sich in erster Linie um einen Kaufvertrag. Das Urheberrecht ist dann allenfalls am Rande tangiert – und Klauseln, die dem Käufer die rechtmäßige Benutzung seines Eigentums untersagen, wären im Zweifel unwirksam. Zur rechtmäßigen Benutzung würde aus dieser Sicht auch das private Kopieren zählen – allerdings nur auszugsweise. Geht man hingegen davon aus, dass der Download primär ein ,,Nutzungsvertrag“ ist, mit dem man bestimmte Rechte an fremdem geistigem Eigentum erwirbt, so würde man sagen: Der Kunde hat nicht etwas gekauft, sondern es ist ihm erlaubt worden, das geistige Eigentum eines anderen (des Buchautors) zu nutzen, indem er den Text auf seinem Lesegerät anzeigen lässt. Auch mit einem gedruckten Buch darf der Käufer zwar keineswegs machen, was er will. Er darf es nicht unter seinem eigenen Namen herausgeben, keine Nachdrucke davon anfertigen oder es gegen Geld verleihen. Immerhin darf er es lesen. Was er gekauft hat, ist jedoch nur bedrucktes Papier. Klar, denn sonst wären die Interessen des Autors unangemessen beeinträchtigt. Auch beim gedruckten Buch ist also die Freiheit des Käufers eingeschränkt. Warum sollte es beim E-Book anders sein?

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB): Wirksam oder nicht?

Sollte es nicht, ist es aber. Was der Käufer eines gedruckten Buches sehr wohl darf, darf der E-Book-Käufer nämlich oft nicht – vorausgesetzt, er hält sich an die Nutzungsbedingungen. Ob Thalia, Mobipocket oder Libreka: All diese Anbieter versteifen sich darauf, dem Leser lediglich ,,ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht“ zu übertragen. Libri bringt es in seinen AGB auf den Punkt: ,,Libri.de verschafft den Kunden an E-Books […]kein Eigentum.“ Private Kopien anzufertigen, E-Books an Dritte weiterzugeben oder gebraucht zu verkaufen – all dies wird oft standardmäßig in Nutzungsbedingungen untersagt. Ob solche Klauseln überhaupt wirksam sind, ist eine knifflige Frage. Wenn sie intransparent und für Otto Normalverbraucher unverständlich wirken, sind sie es nicht. Wenn sie den Käufer über Gebühr benachteiligen, sind sie es auch nicht. Ermessenssache ist beides. Das Hamburger Büro für informationsrechtliche Expertise hat bereits 2006 im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen diverser Download-Shops unter die Lupe genommen. Ergebnis der von Till Kreutzer verfassten Studie: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind fast immer intransparent und benachteiligen den Verbraucher unangemessen. Geändert hat sich seither wenig. Einen TÜV, der solche AGB vorab auf ihre Vereinbarkeit mit dem Verbraucherrecht testen würde, gibt es nicht. Wie ein Richter darüber entscheiden würde, ob E-Books für den Privatgebrauch kopiert werden dürfen, ist schwer vorauszusagen. Während das Urheberrecht private Kopien und auch die Weitergabe an Dritte im privaten Umfeld prinzipiell erlaubt, können Nutzungsbedingungen von Anbietern, die dergleichen untersagen, durchaus Gültigkeit haben. Im Ernstfall käme es darauf an, was für den Richter schwerer wiegt: der wirtschaftliche Schaden, den der Buchautor womöglich durch ,,Raubkopien“ erleidet, oder dass der Käufer im freien Umgang mit seinem Eigentum eingeschränkt wird. Der Gesetzgeber hat sich bislang herausgehalten, weil er meint, die Autoren und Verlage könnten ja Kopierschutztechnologien verwenden, wenn sie Angst vor Piraten hätten.

Darf man E-Books weiterverkaufen?

Umstritten ist auch die Frage, ob man E-Books gebraucht weiterverkaufen darf. Eigentlich geht man davon aus, dass eine Ware, wenn sie einmal auf den Markt gebracht worden ist, von jedermann so lange verkauft werden darf, bis sich kein Abnehmer mehr dafür findet. Aber gilt das auch für unkörperliche Dinge? Natürlich nicht, sagen die einen, da wäre ja den Raubkopierern Tür und Tor geöffnet. Außerdem müsste man die Datei vervielfältigen, um sie weiterzugeben, und das Recht, Vervielfältigungen herzustellen, sei stets dem Autor vorbehalten. Papperlapapp, sagen die anderen, es habe sich doch nur der Vertriebsweg geändert: Statt in Buchform oder auf einer CD, die man jederzeit weiterverkaufen darf, werde das Produkt nun in unkörperlicher Form vertrieben. Das könne doch nicht heißen, dass der Verbraucher am erworbenen Eigentum plötzlich weniger Rechte habe. Dieser Ansicht ist auch der Verband der Bunderverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Andernfalls, so heißt es in einer Stellungnahme, werde der Verbraucher ,,trotz vergleichbarer Sachverhalte und Interessen bei Inanspruchnahme von Vertriebswegen der ,neuen Märkte‘ unweigerlich schlechter gestellt. Eine derartige Ungleichbehandlung ist auch aus rechtlicher Sicht nicht geboten“. Und doch: Erst im Juli 2009 hat das Landgericht Berlin entschieden (Az 16 O 67-08), dass das Musikportal iTunes den Weiterverkauf der dort erworbenen Musiktitel durchaus untersagen darf. Jetzt ist die nächsthöhere Instanz dran.

Es geht um E-Books – und viel mehr

Das Ringen um eine gesetzliche Regelung für den Gebrauchthandel mit Dateien und Lizenzen kann noch sehr spannend werden. Wegen der E-Books. Aber vor allem auch wegen des Handels mit gebrauchter Software. Erst am 12. November 2009 hat der Bundesgerichtshof eine Klage der Software-Firma Oracle gegen usedSoft zur Revision zugelassen – das heißt, dass die Richter der Frage eine grundsätzliche Bedeutung zumessen. usedSoft, eine Firma, die überschüssige Volumenlizenzen weiterverscherbelt, zählt immerhin Unternehmen wie Neckermann und Edeka, aber auch Städte und Kommunen wie München, Bamberg, Fürth und Passau zu seinen Kunden. Die Firma machte im Jahr 2007 einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro und verzeichnet nach Angaben der Financial Times Deutschland ein jährliches Wachstum von mehr als 20 Prozent. An einem funktionierenden Second-Hand-Markt für Immaterialgüter gibt es also ein handfestes wirtschaftliches Interesse.

Autor: Ilja Braun

(Der Original-Artikel ist im März 2010 unter einer Creative-Commons-Lizenz bei irights.info veröffentlicht worden.)

Harry Potter bald als E-Book: Bestseller-Autorin J K Rowling erlaubt elektronische Version

Harry Potter erscheint als E-Book.gifHarry Potter als E-Book? Das gab es bisher nur mit Hilfe von schwarzer Magie, besser gesagt auf illegalen Tauschbörsen. Denn die Autorin J K Rowling lehnte die Veröffentlichung ihrer Bestseller-Reihe auf elektronischem Weg strikt ab. Der ungebrochene E-Book-Boom zeigt nun aber offenbar Wirkung: Rowlings Literaturagent Neil Blair zufolge ist man „aktiv“ auf der Suche nach einem geeigneten Konzept für eine elektronische Ausgabe. Die englischsprachige Harry Potter-Reihe erscheint bisher bei Bloomsbury, die deutsche Übersetzung im Carlsen Verlag.

Harry Potter auf der Leinwand, aber nicht auf dem Display: Bisher lehnte J K Rowling E-Books strikt ab

Die Bewohner der magischen Parallelwelt in den Harry-Potter-Romanen pflegen eine gewisse Ignoranz gegenüber den Segnungen der technischen Moderne. Kein Wunder – sie können ja zaubern. Was elektronische Bücher betrifft, verhält sich J K Rowling ganz ähnlich. Wenn auch etwas aus anderen Motiven: zauberhafte Auflagenhöhen. Die gedruckten Ausgaben der mittlerweile sieben Harry-Potter-Romane haben sich weltweit mehr als 400 Millionen mal verkauft. Als der letzte Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ im Jahr 2007 herauskam, gingen in den USA und Großbritannien allein am ersten Tag mehr als zehn Millionen Bände über den Ladentisch. Neben den Büchern der 1997 gestarteten Serie gab es rasch eine breite Palette an medialen Umsetzungen – von Harry-Potter-Videospielen bis zu Harry-Potter-Kinofilmen. Nur eben keine E-Books, obwohl die Bedeutung elektronischer Lektüre von Jahr für Jahr zunahm. Offenbar musste erst die Magie des iPad-Moments hinzukommen, um J K Rowling umzustimmen. Wie Rowlings Literaturagent gegenüber dem Branchenportal Bookseller.com formulierte, würde man im Moment „alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die sich auf diesem Gebiet entwickeln“ und sei „aktiv auf der Suche“.

Kommt mit der elektronischen Fassung nun ein zweiter Harry-Potter-Hype?

Kommt Harry Potter als E-Book heraus, werden vermutlich keine Zauberlehrlinge mit Schlapphüten vor den Buchhandlungen campieren – es sei denn, man verkauft die elektronische Fassung nur auf CD-Roms oder USB-Sticks. Doch eine große mediale Aufmerksamkeit dürfte diesem Ereignis trotzdem sicher sein. Auf Plattformen wie Scribd.com waren J K Rowlings Romane immer schon beliebt – was erst im letzten Jahr erneut zu einem Rechtsstreit führte, zugleich aber noch einmal den offensichtliche Bedarf der Leser nach Harry Potter-E-Books deutlich machte. Gegenüber Bookseller.com erwartete Alex Ingram von der britischen Buchhandelskette Waterstone so etwas wie den elektronischen Harry-Potter-Hype : “Ohne Zweifel würde J K Rowling unser Verständnis verändern, was die Verkaufszahlen von E-Books angeht.”