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Cambridge Elements: E-Book-Singles für die Scientific Community

cambridge-elements-science-singles-elektronischWissenschaftliche Publikationen, so möchte man meinen, sind oft nicht nur lang und langweilig, sondern brauchen auch eine ganze Weile, bis sie überhaupt gedruckt und ins Regal gestellt werden können. Cambridge University Press räumt jetzt mit diesem Vorurteil komplett auf: die gerade angekündigte Reihe „Cambridge Elements“ setzt nämlich auf elektronisches Speed-Publishing und am E-Book-Single geschulte Kurzformate.

Mit Peer-Review, ohne langes Warten

Mit nur 20.000 bis 30.000 Worten pro Text (entsprechend 50 bis 75 Druckseiten) werden die Elements zwar deutlich länger sein als Zeitschriftenartikel, aber doch auch deutlich prägnanter ausfallen als in Buchform veröffentlichte Studien. Nur drei Monate soll es nach der Manuskripteinreichung dauern, bis ein elektronisches Science-Single online verfügbar ist. Wobei die Texte nicht nur von den Koryphäen eines jeweiligen Faches stammen sollen, sondern auch von einer Fachredaktion betreut und peer-reviewed werden.

E-Book plus Print-On-Demand

Auf diese Weise sollen Studierenden und Fachleuten nicht nur solide Grundlagen einzelner Disziplinen in leicht zugänglicher Form vermittelt werden, sondern auch aktuelle Forschungsergebnisse zur Verfügung stehen, die zudem dank digitaler Form auch immer wieder upgedatet werden können. Die Elements wird man nicht nur online im Browser sowie mit E-Reader bzw. E-Reading-Apps lesen können — zusätzliche Reichweite erhalten sie via Print-On-Demand im Taschenbuch-Format.

Open Access als Option für Bibliotheken

Universitätsbibliotheken werden via Open Access Zugang zur kompletten elektronischen Kollektion bieten können. Die Vermarktung individueller Titel findet global über die Web-Plattform von CUP statt, ausgewählte Titel sollen auch via Social Media vom hauseigenen PR-Team promotet werden. Für die optische Wiedererkennbarkeit der neuen Marke sorgt im übrigen ein extra entworfenes Logo, drei waagerechte Balken, die das „E“ aus Elements repräsentieren.

A Story A Day

App der Enthusiasten: „A Story A Day“ bietet Szeneliteratur zum Flatrate-Tarif

Kein Tag ohne Zeile, heißt das Motto für Vielschreiber. Für Vielleser könnte es dagegen heißen: Eine Story pro Tag. Genau das verspricht auch die neue Kurzgeschichten-App des Berliner Verlags Voland & Quist – „A Story A Day“ schickt zum Abopreis von 3,59 Euro pro Monat alle 24 Stunden eine neue Mini-Erzählung auf das Smartphone. Was die Leser in nächster Zeit erwartet, zeigt der Redaktionsplan: heute z.B. Stephan Serins „Ying und Yang“, morgen „Schokolade aus der Zukunft“ von Andreas ‚Spider‘ Krenzke, übermorgen „Die Schreie der Zombies“ von Wladimir Kaminer.

Besuchern Berliner Lesebühnen wie der „Chaussee der Enthusiasten“ werden solche Namen bekannt vorkommen – denn viele der bei Voland & Quist verlegten Autoren stammen aus diesem Umfeld, daneben ist die quirlige osteuropäische Literaturszene präsent, etwa Edo Popovic oder Olja Savicevic. Auch sonst passt die Idee, E-Book-Singles und eine Flatrate miteinander zu verknüpfen zum innovativen Ansatz des 2004 von Leif Greinus und Sebastian Wolter gegründeten Verlags: damals erschienen die ersten Liveliteratur-Bücher inklusive Audio-CD, oder auch mal als Hyperfiction auf CD-Rom. Zuletzt machte Voland & Quist mit dem Crowdfunding-Projekt „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ auf sich aufmerksam.

Derzeit kann Voland & Quist nach eigenen Angaben aus einem Pool von mehr als 1.000 Kurzgeschichten schöpfen, es sollen aber auch neue Autoren und Verlage hinzukommen. Für die Literaturzulieferer besonders interessant dürften die Konditionen sein: die Einnahme werden nicht nur tagesgenau abgerechnet, die Erlöse teilt der Verlag auch 50/50 mit den Autoren bzw. Rechteinhabern. Die App „A Story a Day“ ist ab sofort in Apples App Store sowie bei Google Play verfügbar – und enthält bereits fünf kostenlose Kurzgeschichten zum Testen.

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Hanser Box, oder: Kurzes Hallo zwischen Langtexten

Was wird er damit machen? Als Jo Lendle Anfang des Jahres seinen Job bei Hanser antrat, versprach der frisch auf den Schild gehobene Verlagschef via FAZ-Interview mehr Offenheit gegenüber „neueren Phänomenen“ in der Gutenberg-Galaxis. Dazu gehören für den Mitt-Vierziger ganz offenbar auch E-Book-Singles – denn ab Herbst wird es mit „Hanser Box“ ein eigenes Digital Only-Imprint für Kurzstreckentexte geben.

„Die Hanser Box brauchen wir, weil sich das Lesen verändert. Wir wollen manchmal was zwischendurch lesen, einen Gedanken konzentriert haben“, so Lendle im Promotion-Video, und vermag die Vorteile des neuen Labels auch aus Autorenperspektive zu erkennen: „Unsere Autoren schreiben manchmal zwei, drei Jahre an einem Buch, und wollen zwischendurch auch mal mit einer kleinen, schnellen Geschichte wieder ‚Hallo‘ sagen bei den Lesern“.

Egal ob literarische Erzählung, Reportage oder Mini-Sachbuch, die Kurzstreckentexte mit einer Länge von umgerechnet 20 bis 70 Buchseiten wird es für günstige 2 bis 4 Euro geben. Gleich zum Start Anfang Oktober sollen 10 Titel erhältlich sein, unter anderem erwarten das Publikum bisher unveröffentlichte Hallos von Edelfedern wie Henning Mankell, Thomas Glavinic, Roberto Saviano, Janne Teller oder Ilja Trojanow. Jeweils Mittwochs gibt’s wird dann eine neue Box aufgemacht. Nur eins wird’s offenbar nicht geben: eine eigentlich doch naheliegende Abo-Option. Solche Phänomene sind Lendle dann wohl doch zu neu…

Hier eine Liste der ersten zehn Titel:

  • Thomas Glavinic, Sex
  • T.C. Boyle, Tod in Kitchawank
  • Janne Teller, Afrikanische Wege
  • Henning Mankell, Wallanders Welt
  • Roberto Saviano, Super Santos
  • Javier Marias, In Venedig
  • R.J. Palacio, Wunder – Wie Julian es sah
  • Ilija Trojanow, Wissen und Gewissen. Der überwachte Mensch – das widerständige Wort.
  • Christian Felber, TTIP – alle Macht den Konzernen?
mikrotext macht kurzen prozess mit literatur

Literarische Oase im Web: Mikrotext macht E-Book-Singles, & mit Texten kurzen Prozess

Mikrotext macht Mikrotexte, vulgo: E-Book-Singles. Das Anfang 2013 gelaunchte Verlags-Startup aus Berlin-Kreuzberg konnte mit diesem Konzept schon einiges mediales Aufsehen ernten. Was auch an den literarischen Versuchsanordnungen lag, mit denen Gründerin Nikola Richter aufwartete: etwa Franzobels utopisches Essay „Steak für alle – Der neue Fleischtourismus“, Aboud Saeeds gesammelte Statusmeldungen „Der klügste Mensch im Facebook“ oder das netzpoetische Mini-Manifest „Die Entsprechung einer Oase“ von Altmeister Alexander Kluge. Als epub ohne DRM jeweils für 2,99 Euro herunterladbar, versehen mit der Längenangabe soundsoviel Seiten „auf dem Smartphone“. Hatte Tom Hillenbrand in seinen „Zehn steilen Thesen zum eBook“ nicht erst neulich prophezeit, der Elektro-Boom würde uns „kleine, geile Verlage“ bescheren? Mikrotext, so scheint es, ist einer von ihnen.

„Den Muskel ‚eigenes Interesse‘ strapazieren“

Mikrotext-Erfinderin Nikola Richter war schon vieles: Journalistin, Schriftstellerin, Theaterautorin, Bloggerin. Jetzt ist sie auch Verlegerin. Ein kluger Satz aus Alexander Kluges Essay scheint das Motto vorzugeben: „Es ist also wichtig, dass es im Internet Orte gibt, an die man sich mit einem bestimmten Interesse zurückzieht. Dass man den Muskel ‚eigenes Interesse‘ inmitten der Fülle des Nichteigenen strapaziert.“ Ein solcher Ort sind auch die online-only und E-Book-only vertriebenen Bücher von Mikrotext – semantische Inseln, die man sich im klassischen Papierformat gar nicht vorstellen könnte: „Es sind bestimmte Formate, etwa im Netz geschriebene Texte, aktuelle oder wegen ihrer Kürze nicht druckfähige Schubladen-Texte digital viel besser zu veröffentlichen“, so Nikola Richter gegenüber der Berliner Morgenpost.

Neue Reihe „mikrotext shot“ zieht das Tempo an

Im Gegensatz zu klassischen Verlagen macht Mikrotext mit Literatur kurzen Prozess – und das ist gut so. Vorlaufzeiten von mehreren Jahren machen bei solchen Projekten keinen Sinn. Um es mal fußballerisch auszudrücken: dann ist der Ball nicht mehr heiß. Mit der neuen Mikrotext-Reihe „Shots“ wird das Tempo jetzt sogar noch mal etwas angezogen. Der erste mikrotext shot heißt „Spam Poetry. Sex der Industrie für jeden“ und escheint im Juli 2013. Thomas Palzer, Autor und Filmemacher in München, hat dafür Trouvaillen aus seinem privaten Spamordner neu arrangiert: von „Kunsttannen, klasse“ bis zu „Erhöhung der Webseite“, von Sexberatung bis zu Businessvorschlägen. Die digitalen Elaborate von Spam-Robots und Google Translate werden als zeitgenössische Kunstsprache verstanden, als interaktive „écriture automatique“.

Abb.: Mikrotext/aktuelle Cover-Illustrationen

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Trotz alledem: E-Book-Single zur Geschichte des politischen Liedes – jetzt gratis online lesen

“Ein garstig Lied, ein politisch Lied”? Von wegen: Arbeiterlieder waren die Protestsongs des 19. & frühen 20. Jahrhunderts, und wurden von Millionen Menschen intoniert. Doch wer weiß heute schon noch, dass ein populärer Slogan wie “Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will” aus dem von Georg Herwegh geschriebenen “Bundeslied” stammt, und zur Melodie “Schleswig Holstein meerumschlungen” gesungen wurde? Oder dass Udo Jürgens Schlager “Lieb Vaterland, wofür soll ich dir danken?” nicht nur die Kontrafaktur der “Wacht am Rhein” ist, sondern damit auch in einer Traditionslinie der sozialistischen “alternative culture” steht? „Trotz alledem“ macht sich auf die Spuren des politischen Lieds in Deutschland – vom Klassiker “Die Gedanken sind frei” bis zum Rap “Wir sind nicht die Roboter der Deutschland-AG”. Tipp: Bis zum 1. März 2013 kann man „Trotz alledem“ auf politisches-lied.net kostenlos online lesen (PDF/HTML).

Aus AgitProp wurde AgitPop

Das titelgebende Lied „Trotz alledem“ hat selbst so manches Comeback & Remake erlebt. Das erste schon in der 1848er-Revolution, später in der „trotz SPD und alledem“ nicht ganz so coolen Post-1968er-Periode brachte es dann Hannes Wader wieder aufs Tapet. Trotz solcher Ausnahmen gerieten nach 1945 viele Lieder und Melodien in Vergessenheit. Dafür kamen neue dazu, die Hymne der Ostermarschierer („Unser Marsch ist eine gute Sache“) ebenso wie die Hits von Ton, Steine, Scherben. Aus dem AgitProp der Zwanziger Jahre wurde nun plötzlich AgitPop. Und so mancher Liedermacher zum linken Popstar. Gesungen wurde dabei immer weniger, dafür mitgeklatscht. Denn spätestens seit der Beat-Generation führten auch viele politische Lieder ein Doppelleben als Aktionform und Konsumgut. Eigentlich hatte bereits die Berliner Kabaretttruppe „Die Nachrichter“ den Nagel auf den Kopf getroffen. „Wenn man gut singen kann, singt man ein Lied. Wenn man nicht so gut singen kann, singt man einen Chanson. Wenn man aber gar nicht singen kann, singt man einen Song“, proklamierte die Truppe im Jahr 1932. Und präsentierte solchermaßen den „Song von den brennenden Zeitfragen“. Auf Schallplatte gepresst, fand er ein Millionenpublikum. Sozusagen trotz alledem. Denn die brennenden Zeitfragen kamen darin gar nicht vor.


Ansgar Warner:
Trotz alledem.
Kleine Geschichte des politischen Liedes in Deutschland

(1789 bis 2000)
Multiformat (epub, PDF, Kindle) 2,99 Euro
Taschenbuch (Amazon) 3,99 Euro

Abb. & Coverillustration unter Verwendung einer Grafik von leednichenkolga/flickr (cc-by-2.0)

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„Phone Hacking“: The Guardian bringt E-Book-Single zum Murdoch-Skandal heraus

Der Guardian experimentiert mit E-Book-Singles – die erste Publikation unter dem Titel „Phone Hacking“ versammelt Artikel, Kommentare und Analysen rund um den Murdoch-Skandal. Damit folgt die britische Tageszeitung dem Vorbild der New York Times: dort war mit „Open Secrets“ Anfang 2011 ein E-Book-Shortie zu Wikileaks und Julian Assange herausgebracht worden. „Phone Hacking“ ist für 2,99 Euro im Kindle-Store erhältlich, wird allerdings nicht explizit im Rahmen der Amazon-Single-Reihe veröffentlicht. Dieses spezielle E-Book-Programm vermarktet Texte mit einer Länge von maximal 5000 Worten, darunter etwa Kurzromane, Ratgeber oder Reportagen. Beim Guardian wird man sich an dieses Limit erklärtermaßen nicht halten – bis 30.000 Worte dürfen es schon mal sein. Neue „Guardian Shorts“ sollen zukünftig mehrmals pro Monat erscheinen, nicht nur im Kindle-Store, sondern auch via iBooks.

Murdoch & die „Rotten Apple“-Theorie

„The definitive guide to the phone hacking scandal, by the newspaper that broke the story“, wird die erste Guardian-Single-Veröffentlichung beworben. Das es sich bei der Hacking-Affäre nicht um einen normalen Scoop handelt, zeigt bereits die Chronologie der im E-Book dargestellten Ereignisse: sie beginnt im Jahr 2005. Damals wurde der News of the World-Reporter Clive Goodman verhaftet – weil er sich in Telefone von Prominenten eingehackt hatte. Viele Details der unappetitlichen Recherche-Praktiken im Hause Murdoch waren Lesern des linksliberalen Guardian seitdem kein Geheimnis mehr. Die Verdachtsmomente häuften sich, auch wenn Medienmogul Rupert Murdoch und seine Vasallen immer wieder gerne von „Einzelfällen“ sprachen (die „rotten apple“-Theorie).

“Rarely a single story had such a volcanic effect“

Der Wendepunkt der Affäre war um die Jahreswende 2010/2011 erreicht. Plötzlich begannen sich auch andere Blätter wirklich für die Story zu interessieren. Und Polizei und Justizapparat verstärkten ihre Ermittlungsarbeit. Auslöser des ganz großen Skandals war ein erneuter Fall von Telefon-Hacking: als herauskam, dass News of the World-Reporter Nick Davies die Mailbox eines Entführungsopfers angezapft hatte, war kein Halten mehr. Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger schreibt dazu in „How we broke the Murdoch Scandal“:

„Rarely has a single story had such a volcanic effect. Suddenly you couldn’t keep the politicians, journalists, police officers, and regulators off the TV screens. Police officers lined up to apologize for oversights and errors of judgment. M.P.s were suddenly saying very publicly things that, a fortnight earlier, they would only have whispered.“

Die Kapitel des E-Books im Überblick:

1. 1. One rotten apple? (2005-2007)
2. 2. Hear no evil, see no evil (July-November 2009)
3. 3. Drip, drip, drip (February-October 2010)
4. 4. The showbiz angle (December 2010-June 2011)
5. 5. Things fall apart (June-July 2011)
6. 6. How we broke the Murdoch scandal by Alan Rusbridger

Phone Hacking: How the Guardian broke the story
Kindle-Book 2,99 Euro
iBooks (angekündigt)