Google Play öffnet erneut die Türen für Indie-Autoren, vorsichtig, Schritt für Schritt

google-play-erlaubt-wieder-indie-autorenGewinne neue Fans und verkaufe mehr Bücher“ — super Tipp, den man auf der Landing-Page des „Books Partnercenter“ von Google Play lesen kann. Leider ist Googles Self-Publishing-Plattform aber seit mehr als zwei Jahren geschlossen, es werden offiziell keine neuen Mitglieder aufgenommen. Grund für das Herunterlassen der Jalousien war die Überhand nehmende E-Book-Piraterie — immer mehr „Scammer“ veröffentlichten via Google Play Texte von Dritten ohne Genehmigung.

„Begrenzte Zahl von Publishern wird aufgenommen“

Doch mittlerweile wurde die direkte Pforte (es gibt ja auch den Weg über Distributoren) wieder einen Spalt breit geöffnet: „We’re currently accepting a limited numer of new Publishers“, heißt es in einer Ankündigung, inklusive Weiterleitungs-Link zu einem Anmeldeformular. Als Verlagstyp kann man alternativ die Option „Autor im Selbstverlag“ angeben, d.h. die Anmeldung steht nicht nur konventionellen Verlagen, sondern auch Indie-Autoren offen.

Google hat Probleme mit E-Book-Piraterie

Die etwas merkwürdige Door-Policy hat offenbar damit zu tun, dass Google – ähnlich wie Amazon – das Betrugs-Problem alleine mit Algorithmen nicht in den Griff bekommen kann, und deswegen auf Anmeldungen, Wartelisten und händische Betreuung setzt. Oder, wie Nate Hoffelder von The Digital Reader schreibt: „they may have no other choice but to have a real person deal with the problem„.

Ein Satz, den man immer öfter hört in diesen Tagen… Ob nun digitales Mobbing, Fake-News oder eben E-Book-Piraterie, so richtig gut läuft es im Web am Ende nur noch, wenn auf beiden Seiten der (Daten-)Leitung an irgendeiner Stelle auch mal ein Mensch in der Kommunikationsschleife sitzt.

Es hat sich ausgelullt: lul.to-Portal von der Polizei beschlagnahmt, E-Book-Piraten verhaftet

ausgellut-ebook-piraten-verhaftetDas ist wirklich neu in punkto E-Book-Piraterie: zum ersten Mal hat die populäre Plattform lul.to ein ordentliches Impressum — verantwortlich für die Domain zeichnen ab sofort die Zentralstelle Cybercrime Bayern sowie das CCC Sachsen, womit nicht der Chaos Computer Club gemeint ist, sondern das dortige „Cybercrime Competence Center“. E-Books oder Audiobooks gibt’s auf lul.to nun aber nicht mehr, der einzige Content besteht in der Mitteilung: „Diese Plattform und der kriminelle Inhalt wurden beschlagnahmt“.

Zahl der Nutzer lag bei 30.000

Das war bis zum 21. Juni noch ganz anders: Das Angebot auf dem „Lesen und Lauschen“ genannten Portal soll mehr als 200.000 Titel umfasst haben, darunter alleine ca. 160.000 deutschsprachige E-Books und 28.000 Hörbücher. Die Zahl der Nutzer habe bei mehr als 30.000 gelegen, meldet das LKA Sachsen in einer Pressemitteilung. Damit dürfte es sich bei lul.to um den deutschen „Marktführer“ in punkto E-Book-Piraterie gehandelt haben.

LKA beschlagnahmt 11 Terabyte Daten

Ein virtueller Erfolg, der reale Folgen zeitigt: Denn seit letzter Woche sitzen drei mutmaßliche Betreiber der Plattform lul.to in Untersuchungshaft, Hardware und Daten wurden beschlagnahmt — laut Ermittlungsbehörden mehr als 11 Terabyte. Außerdem habe man, so das sächsischen LKA, bei Durchsuchungen „erhebliche Vermögenswerte sichergestellt (u.a. 24 Bitcoins = ca. 55.000 Euro, rund 100.000 Euro Bankguthaben, ca. 10.000 Euro Bargeld sowie ein hochwertiges Motorrad)“.

Bezahlte Downloads ließen die Kasse klingeln

Dass die Daten-Piraterie für die Betreiber des Portals so einträglich war, hatte mit den Strukturen der Warez-Szene zu tun — viele Plattformen hatten in den letzten Jahren Nutzungsgebühren eingeführt, vorgeblich, um damit Serverkosten zu decken. In der Community wurde dieser Schritt hin zur Kommerzialisierung durchaus goutiert, viele waren zur Zahlung bereit. Letzlich wohl auch zu viele. Bei einem Durchschnittspreis von 23 Cent pro Download im Fall von lul.tu konnten offenbar satte Überschüsse erwirtschaftet werden.

Wie groß ist der entstandene Schaden?

Das Geschäft mit den Raubkopien war natürlich auch deswegen so ertragreich, weil die Verlage und Urheber dabei naturgemäß leer ausgingen. Nach Berechnungen der GVU beziffert sich alleine der normale Ladenpreis der auf lul.to zum Download bereitgestellten Titel auf 392.000 Euro. Wie groß der tatsächliche entstandene Schaden für die Verlage ist, lässt sich dagegen wohl nicht sagen — denn die „Ersatzrate“ (also letzlich die Frage: wie viele illegale Downloads „ersetzen“ einen legalen Download) ist eine sehr umstrittene Variable.

(via heise.de & tarnkappe.info)

Nielsen-Studie: E-Book-Piraterie kostet US-Buchbranche 315 Mio. $ pro Jahr

inside-the-mind-of-a-book-pirateWie groß ist der Schaden durch illegale E-Book-Downloads tatsächlich? Im Rahmen einer Nielsen-Studie im Auftrag des Watermarking-Dienstleisters Digimarc sind jetzt neue Schätzungen für den US-Markt bekannt geworden: demnach entgehen der Buchbranche jedes Jahr 315 Mio. Dollar an potentiellen Einkünften. Grundlage dieser Zahl ist die Annahme, dass 22 Prozent der E-Book-Leser sich Lektüre aus illegalen Quellen besorgen, und ingesamt 31,5 Mio. E-Books auf die heimische Festplatte schnorcheln. Bei einem Durchschnittspreis von 9,98 Dollar ergibt das genau die o.a. 315 Mio. Dollar.

Lektüre-Mix aus legalen & illegalen Quellen

Beliebtester Weg zum Buch sind einfache Filehoster bzw. über das Netz verteilte Bit-Torrents (51 Prozent), das Weitergeben von Dateien unter Freunden (45 Prozent) sowie Resale/Auktions-Portale (27 Prozent). Beliebteste Download-Seiten für US-Leser sind der Studie zufolge 4shared.com, uploaded.net sowie bookos.org, beliebtestes Genre: Belletristik. Wobei man hinzufügen muss: in der Regel sind diese Adressen nur ein Teil der individuellen Bezugsquellen – es herrscht ein wilder Mix aus Legal/Gratis, Legal/Einzelkauf, Legal/Abo und E-Book-Piraterie vor.

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Piraten sind jung, wohlhabend, gebildet

Weitaus interessanter als die Dollar-Angaben – die ja wie immer bei solchen Anlässen auf einer Menge sehr hypothetischer Annahmen basieren – sind aber wohl die Erkenntnisse über Zusammensetzung und Motivation der Piraten-Population. Nicht umsonst heißt die Studie ja auch „Inside the Mind of a Book Pirate“. Nun denn: die Mehrheit der Downloader, so fanden Nielsens Forscher heraus, ist zwischen 18 und 34 Jahren alt, überdurchschnittlich gebildet und – jetzt kommts – auch relativ wohlhabend (Haushaltseinkommen zwischen 60.000 und 100.000 Dollar).

(via Torrentfreak.com)

Neue DRM-Strategie: Versteckte Bitcoin-Belohnungen in E-Books machen Crowd zum Kopfgeldjäger

taz-bitcoin-qrcodeIm E-Book-Code versteckte Bitcoins als Trophäe? Das ist mal eine abgefeimte Idee, wie man die webweite Jagd auf Raubkopien an die Crowd outsourcen kann. Und sie funktioniert sogar — siehe die neue „Social DRM Plattform“ namens „Custos for eBooks“. Grundsätzlich kann man deren Methode mit dem bereits bekannten „weichen“ Kopierschutz via Watermarking vergleichen. Nur enthält hier ein Teil der hinzugefügten Information eben für den potentiellen Finder eine Belohnung in Form eines Bitcoin-Zahlencodes.

Krypto-Silberlinge für einen Verrat

Um ein E-Book nach solchen versteckten Bitcoins zu durchsuchen, braucht man allerdings eine spezielle Extraktions-Software von „Custos for eBooks“. Die spuckt nicht nur die Bitcoin-Belohnung aus, sondern meldet dem betroffenen Verlag auch, wo das Buch aufgetaucht ist und welcher Kunde dieses Exemplar ursprünglich gekauft hat. Hier wird’s dann natürlich wiederum spooky. Die Bitcoins sind sozusagen die 30 Silberlinge für den verratenen Piraten.

„Zwietracht in Piraten-Community säen“

Genau auf diesen Effekt setzt man bei Custos auch: „Dank der Bitcoins als Belohnung kann jedermann zum Kopfgeldjäger werden. So können wir E-Book-Piraterie nicht nur schneller erkennen und tiefer in das Dark Web eindringen, wir säen auch Mißtrauen und Zwietracht in einer bis dato verschworenen Community, in dem wir die Piraten aufeinander hetzen“, so Custos-COO Fred Lutz.

Der Kunde ist der Dumme…

Wie hoch genau der kryptografische Judas-Lohn ist, wird aus strategischen Gründen natürlich nicht verraten — ohnehin bleibt es dem jeweiligen Verlag bzw. Online-Buchhändler überlassen, eine enstprechende Summe im Wasserzeichen einzubetten. Ebenso unklar bleibt, was mit dem armen Kunden hinterher geschieht, der vielleicht gar kein Pirat ist, sondern nur gehackt wurde.

(via teleread.org)

E-Book-Piraterie: Börsenverein & Verlage punkten gegen Sharehoster Uploaded.net

online-piraten-meiden-ebooksSharing is caring, vor allem für Betreiber: ein aktuelles Urteil gegen den Sharehoster Uploaded.net könnte es Verlagen deutlich leichter machen, Schadensersatz-Ansprüche gegenüber Cloud-Speicherdiensten durchzusetzen, wenn über deren Server illegal kopierte E-Books verbreitet werden. Das Münchner Landgericht befand jetzt nämlich, die Betreiber hätten für die Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer umfänglich zu haften, falls sie nicht sofort nach einem ersten Hinweis wirksame Gegenmaßnahmen treffen. Geklagt hatten zwei deutsche Verlagsgruppen und ein internationaler Fachverlag, unterstützt vom Börsenverein und dem US-Pendant Association of American Publishers (AAP).

Erfolg gegen Internetpiraterie?

„Die Urteile sind ein großer Erfolg und entscheidender Schritt im Kampf gegen Internetpiraterie“, interpretiert Börsenvereinsvorsteher Alexander Skipis diese Entscheidung. Und stellt fest: „Viele Speicherdienste profitieren erheblich von illegalen Downloads, die Nutzer über ihre Plattform zur Verfügung stellen“. Das schade der gesamten Medienbranche massiv. Die neue Rechtsprechung würde diesem Modell jedoch immer weiter die Grundlage entziehen — und damit auch den deutschen Buchmarkt stärken.

Sharehoster müssen schneller reagieren

Dass Geschäftsmodell von Cloudspeicher-Diensten wie Uploaded.net, der zum Schweizer Internet-Konzer Cyando gehört, könnte durch die verschärfte Haftungs-Frage tatsächlich beeinflusst werden. Das Teilen von Links, die auf bestimmte Dateien in der Rechnerwolke verweisen, gehört schließlich zu den wichtigen Features solcher Angebote. Der Claim von Uploaded.net etwa lautet: „Sichern und teilen Sie ihre Dateien“. In Zukunft werden die Anbieter wohl deutlich schneller auf den Missbrauch solcher Funktionen reagieren müssen, wenn sie Schadensersatzansprüchen von Recheinhabern entgehen wollen.

Kaum Einfluss auf den Buchmarkt

Auf den Buchmarkt dürfte das aktuelle Urteil jedoch kaum einen Einfluss haben — denn zum einen geht das Filesharing von raubkopierten E-Books mittlerweile zugunsten von Flatrate-Angeboten à la Kindle Unlimited, Skoobe oder Readfy stark zurück. Zum anderen hat sich E-Book-Piraterie dort wo sie noch stattfindet längst auf dezentrale Peer-to-Peer-Technologien wie etwa Bittorrents verlagert, bei denen Dateien nicht mehr an einem bestimmten Ort abgespeichert sein müssen, um sie der Internet-Gemeinde zugänglich zu machen.

(via Boersenblatt.net)

Abb.: ryanrocketship/Flickr (cc-by-2.0)

Neue UK-Studie: Online-Piraten meiden E-Books wie die Pest

online-piraten-meiden-ebooksWährend große deutsche Verlage vom prinzipiell nutzlosen harten DRM zum prinzipiell nutzlosen weichen DRM wechseln, gibt es neue Erkenntnisse zur Frage: wie wichtig ist E-Book-Piraterie für den Buchmarkt überhaupt? Nun denn: „E-Books are unfamiliar waters for digital pirates“, fasst der britische Guardian eine neue Studie des staatlichen „Intellectual Property Office“ (IPO) zusammen, die sich auf den Zeitraum März bis Mai 2015 im Vereinigten Königreich bezieht.

„Unfamiliar Waters“ ist dabei wohl noch typisches britisches Understatement: denn nur ein Prozent der Internet-Nutzer haben dem IPO zufolge „zumindest einige E-Books“ auf illegalem Weg gelesen. Dagegen konsumierten 9 Prozent der digitalen Freibeuter illegal Musikdateien, 7 Prozent TV-Serien, 6 Pozent Filme und 2 Prozent Software & Games.

Insgesamt sollen sich im Untersuchungszeitraum knapp ein Fünftel aller britischen Internet-Nutzer mindestens ein Mal illegalen Content verschafft haben. Man könnte also auch sagen: die Leute meiden dabei E-Books wie die Pest, kaum jemand möchte sie in die Hand nehmen.

Doch was sind das für Menschen, die überhaupt E-Books lesen, ob nun legal oder illegal? Auch da hat die IPO-Studie interessante Zahlen parat: E-Book-Konsumenten zahlen deutlich häufiger als alle anderen Nutzergruppen für einen Teil des digitalen Contents (nämlich: 70 Prozent) oder den gesamten konsumierten Content (47 Prozent).

Und warum ist das so? Der Guardian zitiert da Sci-Fi-Autor Nick Harkaway mit einer wohl gar nicht so abseitigen These: „Ich denke das hat kulturelle Gründe – vor allem nehmen die Leute Bücher und ihre Autoren anders wahr, sie sehen in ihnen den einzelnen Künstler und nicht eine multinationale Industrie“.

Irgendwie tragisch, dass die multinationale Publishing-Industrie umgekehrt ihre Leser nur als eine anonyme Masse von gesetzesbrecherischen Tagedieben ansieht, vor denen man die E-Books schützen muss.

Abb.: Flickr/ryanrocketship (cc)

E-Book-Piraterie & die Folgen: „Der einfache Nutzer ist der Verlierer“ – Interview mit Lars Sobiraj (tarnkappe.info)

Böse Bescherungungen hat die Adventszeit für E-Book-Piraten parat – Polizei und Staatsanwaltschaft führten bundesweit Razzien durch, beschlagnahmte Hardware und verhaftetete Verdächtige. Ziel war die Community rund um Warez-Foren und Plattformen wie boerse.bz, ebookspender.me und lesen.to, sowie mit „Sumselbär“ und „Spiegelbest“ angebliche Masterminds der Raubkopisten-Szene. Doch auch normale Nutzer sind ins Fadenkreuz der Exekutive geraten. Warum soviel Aufwand, geht es nicht am Ende um harmlose elektronische Literatur und ihre Leser? Wessen Interessen sind im Spiel? Wir fragten den Online-Journalisten Lars Sobiraj, Experte für netzpolitische Themen rund um Datenschutz, Urheberrecht und Hacktivismus (siehe auch den von Lars mitgegründeten Blog tarnkappe.info).

E-Book-News: Bisher hat man hauptsächlich von Ermittlungen gegen Filesharing-Plattformen und Foren gehört, die Filme und Musik anbieten, zuletzt etwa kinox.to… Wieso hatten die Behörden E-Books so lange nicht auf dem Schirm, dort geht’s doch auch um eine Menge Geld?

Lars Sobiraj: Die Strafanzeigen gegen die mutmaßlichen Betreiber von Kinox.to, bzw. die Uploader bei Boerse.bz & Co. hat teilweise die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gestellt. Sofern es nicht deren Mitglieder waren, tat dies die Medienkanzlei Waldorf Frommer im Auftrag der Verlage. Ich weiß nicht, ob das Kriminalfachdezernat Cybercrime, die LKAs oder andere Stellen selber aktiv geworden wären. Im Internet werden Delikte mit einem erheblich schwereren Grad begangen, als jetzt ausgerechnet Urheberrechtsverletzungen. Man denke nur an Kinderpornografie, gewerbsmäßiger Betrug bei eBay, vielfacher systematischer Kreditkartenbetrug etc.

Machen wir uns bitte nichts vor. E-Books führen im Vergleich zu gedruckten Büchern noch immer ein Nischendasein. Nur weil der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die GVU bei der Ermittlung finanziell durch ihren Mitgliedsbeitrag unterstützt, hat sich daran nichts geändert. Wenn Szenemitglieder Kinofilme von der Leinwand abfilmen oder den Inhalt neuer Blu-Ray Medien oder DVDs verbreiten, so betrifft dies 100 Prozent des Marktes. So groß Torboox auch gewesen sein mag, darum ging es ja hauptsächlich bei den Durchsuchungen letzten Dienstag: Die E-Books machen einen Marktanteil von wenigen Prozent aus. Ich will die Schäden der Wirtschaft nicht kleinreden. Aber das muss man halt auch in Relation setzen.

Plattformen wie ebookspender.me signalisieren den Nutzern, Teil einer Community zu zu sein, in der man gemeinsam eine öffentliche Bibliothek betreibt, finanziert durch Crowdfunding. Aber man muss eben immer öfter zahlen, um überhaupt Zugang zu erhalten. Was hat das noch mit der klassischen Hacker- und Datenpiraten-Ethik zu tun?

Mit der klassischen Hackerethik des CCC haben gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzungen freilichts nichts gemeinsam. Crowdfunding klingt in diesem Zusammenhang herrlich legal. Ich kann aber nur etwas verkaufen, sofern ich das Recht am Produkt besitze oder es als Urheber selbst entworfen habe. Die Preise für E-Books sind unverständlich hoch. Aber das darf keine Rechtfertigung für illegale Bezahlportale sein. Die haben nämlich nicht einmal etwas mit der Ethik der Releaser-Szene gemeinsam. Dort soll der sportliche Wettbewerb untereinander und nicht das reine Geld verdienen im Vordergrund stehen. Warez waren früher zu Zeiten des C64 und Amiga als Hobby und Zeitvertreib gedacht. Heutzutage ist es nicht selten eine „Nebeneinkunft“, die deutlich mehr als das ebenfalls bezogene Hartz IV ausmacht.

Die aktuellen Ermittlungen richten sich nicht nur gegen die Betreiber, sondern auch gegen aktive „Uploader“ und wohl auch gegen eher passive Nutzer. Welche Daten nutzen die Behörden, um die Identität der Beteiligten festzustellen – können ihnen auch Gelegenheits-Nutzer ins Netz gehen?

Auffällig ist, dass Ebookspender.me und das dazu gehörige Blog Spiegelbest.me kurz vor den Durchsuchungen offline gingen und bis heute sind. Meine Informationen besagen, dass die Beamten Zugriff auf die Server der Webseiten haben sollen. Das würde die Ermittlung der Nutzer erklären. Im Fall von Boerse.bz weiß man bis heute nicht genau, wie die GVU bzw. Waldorf Frommer an die IP-Adressen gelangt sind. Dazu gibt es die wildesten Theorien, aus den Beschlüssen gehen keine aber Details zur IP-Ermittlung hervor. Auch die Beschlüsse von letztem Dienstag sind inhaltlich wirklich sehr dünn. Da wird einigen Durchsuchten der Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz vorgeworfen. Das umfasst heutzutage aber nur noch das Recht am eigenen Bild. Ich frage mich ernsthaft: Wie genau hat sich die Richterin am AG München die Beschlüsse vor der Unterzeichnung angeschaut?

Auffällig ist allerdings, dass die echten Power-Uploader bei verschiedenen Warez-Foren so weiter machen, als wäre nichts passiert. Die großen Fische verbreiten weiterhin Schwarzkopien, gefasst wurden bezogen auf Boerse.bz ausschließlich die kleineren Uploader. Das sieht für mich sehr danach aus, als wenn sich die Power-Uploader schlichtweg besser geschützt haben. Die Durchsuchungen bei den reinen Nutzern sollen offenbar dem Zweck dienen, weitere Nachahmer abzuschrecken. Das halte ich ehrlich gesagt für unmoralisch! Wieso lässt man die echten Straftäter laufen? Wenn die Aktionen die Ursache für illegal verbreitete E-Books oder Filme beseitigen sollten, so sind sie komplett ins Leere gelaufen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass KinoX, Movie4k und Lesen.to ohne Unterbrechung online waren und bis heute sind.

Überall lauern in dieser Sache Geschäftsmodelle – auf der einen Seite GVU und Abmahnlobby, in der Mitte die Plattform-Betreiber und am anderen Ende Medienanwälte wie Solmecke & Co. Wer vertritt in diesem Haifischbecken die Interessen von Otto Normalsurfer?

Die Interessen der Normalsurfer vertreten vielleicht ein paar Verbraucherschutzverbände, selbst die lassen sich dafür bezahlen. Der Gesetzgeber hat das Instrument der Abmahnungen ursprünglich eingeführt, um die Amtsgerichte zu entlasten. Abmahnungen waren eigentlich für die Klärung juristischer Fragestellungen zwischen zwei Unternehmen gedacht. Dazu kommt: Die Politik hat in den ganzen Jahren herzlich wenig zur Verbesserung der Urheberrechtsproblematik beigetragen.

An den Abmahnungen verdienen die Medienkanzleien beider Seiten, da machen wir uns bitte nichts vor. Die Kanzleien beider Seiten haben bis zu 40 angestellte Juristen im Haus, die nichts weiter tun, als die Abmahnungen im Copy & Paste-Verfahren zu bearbeiten. Das ist bei Abmahnern wie bei den Verteidigern der Filesharer beinahe wie die Lizenz zum Geld drucken. Und wenn die Filesharing-Abmahnungen nicht so gut laufen, gibt es ja noch den Bilderklau im Internet oder das Wettbewerbsrecht, wo man viel Geld umsetzen kann. Und die GVU? Die verspricht ihren zahlenden Mitgliedern die Verfolgung der Piraten. Ihre Ermittler scheitern aber häufig an der Tatsache, dass es schwer ist, Domains in Übersee oder Server in Osteuropa vom Netz zu nehmen. Die Täter sitzen in Deutschland, ihre Instrumente haben sie ins Ausland außerhalb der EU verlagert. Auch manche Zeitschriftenverlage verdienen prächtig mit. Sie präsentieren ihren Lesern immer wieder, wie man auf Windows oder Mac OS X alles knacken, alles herunterladen kann, was das Zeug hält. Der Verlierer ist der einfache Nutzer und ohne Zweifel auch die Kreativwirtschaft.

Die E-Book-Flatrate wäre sicher ein guter Weg, wenn bei diesem Modell auch die Verlage und Autoren und nicht nur Amazon dauerhaft überleben kann. Das gleiche gilt auch für Spotify & Co. Wenn es aus dem Dilemma einen einfachen Weg gäbe, dann hätte ihn längst jemand vorgeschlagen. Unsere Welt wird immer digitaler. Auch die Anzahl der verkauften Werke sind immer häufiger digitaler Natur. Von daher ist eine Lösung mehr als überfällig.

Abb.: pasukaru76/flickr (cc-by-2.0)

Piraten vom Amazonas: Browser-Erweiterungen hacken Kindle-Store

Kaum hatte Amazon.com mit „Kindle Unlimited“ Kurs auf die E-Book-Flatrate gesetzt, landeten E-Book-Piraten einen ganz eigenen Flatrate-Coup. Sie launchten mit „LibGen“ ein spezielles Add-On für Chrome, das den Kindle-Store in ein Piratennest verwandelt. Die inzwischen wieder aus dem Chrome-Web-Store entfernte Erweiterung für Googles Browser zeigte nämlich direkt unter der Kopfleiste für jeden Kindle-Titel automatisch passende Download-Links bzw. Bit-Torrents aus illegalen Quellen an.

Daten liefert „Library Genesis“

Natürlich müssen die Daten auch irgendwo herkommen. In diesem Fall bedient sich die Software ganz einfach der russischen Plattform Library Genesis (libgen.org), in deren Datenbank genau solche Daten aus aller Welt gesammelt werden. Dem US-Techblog Venturebeat zufolge wurde die Erweiterung in den letzten Tagen von mindestens 800 Nutzern heruntergeladen, bevor sie aus naheliegenden Gründen schließlich wieder aus dem Chrome-Web-Store verschwand. Ähnliche Extensions wie etwa „Torrent this“ sind aber auch weiterhin verfügbar.

„Pirates of the Amazon“ gibt’s schon lange

Ganz neu sind solche Hacks ohnehin nicht, bereits Ende der Nuller Jahre machten die berüchtigten „Pirates of the Amazon“ von sich reden, als sie ein Plugin für den OpenSource-Browser Firefox in Umlauf brachten, das Amazon.com um Torrent-Links von Pirate Bay bereicherte. Dabei wurde auch auf Filme und Musik verlinkt. Die anonymen Hacker sprachen damals übrigens von einem „Kunst-Projekt“: „This artistic project addresses the topic of current media distribution models vs. current culture and technical possibilities“.

BN.com für Piraten uninteressant

Einen Lerneffekt hat letztlich auch die aktuelle „LibGen“-Erweiterung: denn zum einen wird Kindle Unlimited, sobald genügend große Verlage mit im Boot sind, rein technisch die Grenzen zwischen legalen und illegalen Download-Plattformen, die oft ohnehin schon mit Flatrates arbeiten, endgültig verwischen. Zudem ist „LibGen“ ein dezenter Hinweis darauf, welches Unternehmen (auch) in der Welt der Flatrates zukünftig den Ton angeben dürfte. Kein Pirat würde auf die Idee kommen, eine Browser-Plugin für BN.com zu entwickeln, viele populäre Self-Publishing-Titel sind ohnehin exklusiv bei Amazon erhältlich.

(via Torrentfreak & Venturebeat)

Peinliche Ermittlerpanne: Vermeintlicher Boox.to-Pirat besaß sechs E-Books, und keinen Internet-Anschluss

Wer zu Hause Originale sammelt, kann Probleme mit der Justiz bekommen, wer Raubkopien sammelt, erst recht. Die Gründer der Download-Plattform Boox.to haben schon mehr als 40.000 E-Books zusammenkopiert & erfolgreich unters Volk gebracht (bevor die Sammlung raubkopiert wurde). Kein Wunder, dass bei einem ihrer vermeintlichen Betreiber im Sommer 2013 die Polizei an der Tür klingelte. Die Wohnung des in Köln lebenden Amazon-Kunden wurde per richterlicher Verfügung durchsucht, Rechner und Tablet beschlagnahmt. Öffentlich gemacht hat diesen für die Behörden ziemlich peinlichen Fall die auf Medienrecht spezialisierte Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in ihrem Youtube-Channel (siehe unten).

Achtung, Achtung: Auch Namen werden raubkopiert

Große Probleme, ihren Mandanten vor mehreren Jahren Freiheitsstrafe zu bewahren, hatte die Kanzlei in diesem Fall nämlich nicht. Der Verdacht gegen den Kölner Amazon-Kunden beruhte lediglich darauf, dass ein Forumbeitrag irgendwo in den Untiefen des Internets eine E-Mail-Adresse mit Namen und Vornamen des Mannes enthielt. Da die betreffende Kombination von Name und Vorname in diesem Fall nur ein einziges Mal in deutschen Telefonbüchern auftauchte, schien für die Ermittler die Sache klar. Die Kriminalisten hatten dabei aber offenbar eins nicht bedacht – digitaler Identity-Theft ist weit verbreitet. Mit anderen Worten: auch Namen und Adressen werden raubkopiert, besonders gerne von Piraten, die sich im Netz unerkannt bewegen möchten.

Das bestätigt auch Spiegelbest, ehemaliger Betreiber von boox.to, auf seinem Blog: „Jedenfalls müsst ihr euch das nicht so vorstellen, dass wir die Aliase erfinden. Ist ja auch Quatsch: Kann sein, dass es die Postleitzahl nicht gibt oder die Straße oder was weiß ich. Jedenfalls hol ich mir die Aliase immer aus dem Telefonbuch. Ist ja auch logisch: Brauch ich ja nur zu kopieren! Es stimmt dann alles!“ Eigentlich hätten die Ermittler das wissen können, schließlich setzen von staatlich finanzierten Under-Cover-Agenten bis zu selbständigen Terroristen klandestine Akteure jeglicher Couleur seit jeher auf solche „Doubletten“-Systeme.

Verfahren wurde inzwischen eingestellt

Der Kölner Verdächtige hatte aber auch besonderes Glück im Unglück – denn aufgrund von Pannen beim Service-Provider NetCologne besaß er nachweislich schon seit Wochen keinen Internet-Anschluss über das Festnetz mehr. Zudem konnte er noch während der Hausdurchsuchung via Smartphone den Beamten mit einem Blick auf sein Amazon-Account zeigen, dass er bisher überhaupt nur ein halbes Dutzend E-Books gekauft hatte, nicht Vierzigtausend oder mehr. Mit großem Aufwand hatte die Kripo der Karnevalsmetropole am Ende also einen Massen-Raubmordkopierer erwischt, der sechs legal erworbene E-Book-Leichen in seinem Daten-Keller lagerte. Chapeau! Inzwischen wurde das Verfahren nach Angaben der Medienrechts-Anwälte eingestellt.

Die Ermittlungspanne passt in das allgemeine schlechte Bild, das die Generation der hauptamtlichen Digital Immigrants derzeit abgibt, ob es nun um Merkelphone & Datenschutz geht oder um den Umgang mit der Kultur des Tauschens & Weitergebens von Büchern, Filmen und Musik. Die Reaktionen pendeln zwischen offen zur Schau gestellter Ohnmacht auf der einen Seite und (von individuellen Kollateralschäden abgesehen) effektlosem Law-and-Order-Aktionismus auf der anderen Seite. Spiegelbest, derzeit im Netz auch unter dem „echten“ Alias Bernd Fleisig unterwegs, kann es offenbar selbst kaum fassen: „Also – höre, GVU, höre! – wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mir die Aliase ausgedacht! Habe ich nicht, weil ich nicht ahnen konnte, wie es im Kopf eines technikdeffinen Richters zugeht.“

Abb.: Flickr/Lester Public Library (cc)

Google-Report: „Bestes Mittel gegen Piraterie sind mehr & bessere legale Angebote“

Google ist für die Content-Industrie Segen und Fluch zugleich – denn wer sucht, der findet, und manche Suchergebnisse verweisen auf illegale Kopien von E-Books, MP3s und Filmen. Allerdings sind die Ergebnisse mittlerweile stark gefiltert, so werden etwa Piraterie-spezifische Begriffe bei der „Auto-Complete“-Funktion unterdrückt, und verdächtige Seiten vom Suchalgorithmus auf die hinteren Plätze verwiesen. Außerdem löscht Google auf Anfrage vor allem von Verbänden der Musik- und Filmindustrie immer mehr Einträge komplett aus der Datenbank. Torrentfreak zufolge wurden im Jahr 2013 als Reaktion auf solche „Takedown Requests“ sage und schreibe 200 Millionen Links entfernt – gesetzliche Grundlage ist in den USA dafür der „Digital Millenium Copyright Act (DMCA)“.

„Preis, Komfort & Angebot müssen stimmen“

Der Contentindustrie geht das immer noch nicht weit genug, sie fordert nach wie vor, dass Google alle verdächtigen Links selbst aufspüren und umgehend entfernen soll. Damit würde man natürlich auch sehr elegant das Problem der „False Positives“ umschiffen – denn schon bisher wird mindestens 1 Prozent der „Takedown Requests“ von Google abgelehnt, weil es sich etwa um Versuche handelt, legale Inhalte zu zensieren, legale Wettbewerber aus dem Rennen zu werfen oder ganz einfach abzukassieren (Stichwort: „Copyfraud“). Kein Wunder, dass Google lieber am bisherigen System festhalten möchte – und stattdessen auf mehr Effizienz bei den technischen Verfahren setzt. Doch nicht nur das: im aktuellen Report „How Google Fights Piracy“ wird die Content-Industrie auch recht unverblümt aufgefordert, gefälligst vor der eigenen Tür zu kehren.

Punkt Eins von Googles „Anti-Piraterie-Prinzipien“ lautet schlicht: schafft mehr und bessere legale Angebote. „Piraterie entsteht oft, wenn die Nachfrage auf Konsumentenseite nicht von einem legalen Angebot bedient wird“, heißt es im Report. Und weiter: „Wie Services von Netflix über Spotify bis zu iTunes gezeigt haben, bekämpft man Piraterie am besten mit verbesserten und komfortableren Dienstleistungen. Die richtige Kombination von Preis, Komfort und Angebotsspektrum wird weitaus mehr zur Reduzierung von Piraterie beitragen als Zwangsmaßnahmen.“

Phonoindustrie: Erstmals steigen die Umsätze wieder…

Dabei kann Google auf entsprechende Studien verweisen, die für verschiedene Länder einen direkten Zusammenhang zwischen der Einführung von Flatrate- & Streaming-Angeboten und einem starken Rückgang an illegalen Downloads belegen. Wirtschaftlich scheint die Rechnung inzwischen ebenfalls aufzugehen, wenn das Angebot stimmt: so verzeichnete der Weltverband der Phonoindustrie 2012 mit einem Ergebnis von 16,5 Milliarden Dollar erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein leichtes Umsatzwachstum, wobei das Digitalgeschäft bereits 35 Prozent dazu beitrug.

Letztlich ist Google an diesem Boom direkt beteiligt – und das nicht nur über eine Plattform wie Youtube. Schließlich laden Android-Nutzer populäre Streaming-Apps aus dem Google Play Store. Das gilt nicht nur für Netflix oder Spotify, sondern z.B. in Deutschland auch für E-Book-Apps à la Skoobe, Onleihe & Co. Dass sich die meisten Nutzer ohnehin nicht auf Piraten-Plattformen verirren, sondern von den Suchmaschinen gleich auf legalen Content geleitet werden, könnte übrigens auch einen ganz banalen Grund haben: Google zufolge wird zumeist nur der Name eines Künstlers oder ein Titel in die Suchmaske eingegeben, die Kombination mit Begriffen wie „free“ oder „download“ kommt weitaus seltener vor.

Abb.: Flickr/courosa (cc)