Bibliotheks-Downloads als Blind Spot: Ist Rakuten OverDrive die mächtigste Nummer Zwei auf dem E-Book-Markt?

rakuten-overdrive-amazon-dicht-auf-den-fersenDie Nummer eins der E-Book-Branche, das ist Amazon, klar. Aber wer ist eigentlich Nummer zwei? Apple? Barnes & Noble? Nein, weit gefehlt, meint Adam Rowe auf Forbes.com, wahrscheinlich Rakuten, und zwar mit deutlichem Abstand vor allen anderen. Denn zu Rakuten gehört nicht nur Kobo, sondern auch der Bibliotheksdienstleister OverDrive. Und der habe alleine für das Jahr 2017 eine Zahl von 155 Millionen E-Book- und 68 Millionen Audiobooks durch Bibliotheksnutzer gemeldet.

Downloads via KU zählen, Overdrive-Checkouts nicht!?

In den Branchenstatistiken von Nielsen wie auch Bookstat (früher: Author Earnings Report) würden die Download-Zahlen solcher Contentlieferanten für Bibliotheken allerdings nicht mitgerechnet, im Rahmen von Flatrate-Abos heruntergeladene E-Books — insbesondere via Kindle Unlimited — aber schon. Das sorge für eine verzerrte Sicht auf den Markt: denn rechne man die Bibliotheks-Downloads mit ein, sei Rakuten dem Branchenprimus Amazon weitaus dichter auf den Fersen als andere Konkurrenten.

Verzerrter Blick auf Markt & Nutzerverhalten

Zum Vergleich verweist Rowe auf Zahlen des Author Earning Reports aus 2016 — dort sei Amazon mit 440 Millionen verkauften E-Books an Platz eins, gefolgt von iBooks mit 44 Millionen und B&N mit 19,4 Millionen. Das Problem mit den ignorierten Zahlen der Bibliotheksdienstleister sei letztlich sogar ein doppeltes, betont Rowe mit Verweis auf Branchenbeobachter Mark Williams: „we are given not only a distorted picture of the units and value of the digital market, but more importantly a very distorted view of the wider level of engagement with digital books.“

US-Buchmarktstudie von Technavio: E-Books überholen Print bis 2020

ebook-markt-usa-print-bis-2020-abgehaengtEs ist ja immer gut, mal eine zweite Meinung zu hören. Die großen US-Verlage meldeten in letzter Zeit bekanntlich stagnierende E-Book-Verkäufe, und manche Marktbeobachter haben auf dieser Grundlage den E-Book-Boom einstweilen für beendet erklärt. Die Marktforscher von Technavio tischen nun eine ganz andere Rechnung für den Buchmarkt in Nordamerika auf: der Trend zu Mobilgeräten zusammen mit sinkenden Buchpreisen sorgen demnach im E-Book-Geschäft von 2016 bis 2020 für ein jährliches Umsatzwachstum von knapp 14 Prozent. Das E-Book-Marktvolumen soll bis 2020 auf ansehnliche 13 Milliarden Dollar wachsen – und würde damit den Print-Sektor deutlich überflügeln.

Smartphones als entscheidender Faktor

Im Wortlaut stellen die Marktforscher von Technavio fest: “Die ansteigende Marktdurchdringung von Smartphones und E-Readern ist der entscheidende Faktor, der das Wachstum des E-Book-Marktes in den USA antreibt, denn diese Geräte machen E-Books bei den Lesern flächendeckend beliebt. Zudem sorgen auch das sehr breite Angebot und die Pricing-Politik der Anbieter für nachhaltiges Marktwachstum im Prognosezeitraum“. Einen positiven Einfluss würden zudem auch staatliche Fördermaßnahmen wie die Open eBook-Initiative ausüben.

Umsatztreiber „Nonfiction“ & „Juvenile“

Wichtigste Umsatztreiber sind dem Report zufolge übrigens „Nonfiction“ und „Juvenile“, also Kinder- und Jugenbuch, die zusammen bereits jetzt 60 Prozent des Marktes ausmachen würden. Sowohl bei den Jugendlichen wie auch den Senioren nehme das Interesse an E-Books stark zu, besonders stark wirkt sich offenbar im Rahmen des demografischen Wandels das Interesse der Generation Ü-55 an non-fiktionalen Stoffen aus.

Self-Publishing als Wachstumsbremse?

Als relative gering stufen die Technavio-Marktforscher dagegen den Einfluss von populären Fiction-Genres wie Sci-Fi, Fantasy, Thriller oder Romance ein, die von Self-Publishern veröffentlicht werden — die oft kostenlos oder sehr günstig verkauften Titel würden das Umsatzwachstum der Sparte „Fiction“ eher ausbremsen. Berücksichtigt werden in der Technavio-Marktstudie sowohl große Online-Händler wie Amazon, Apple oder Barnes & Noble, aber auch klassische SP-Plattformen à la Lulu oder Smashwords.

(via Teleread.org)

Abb.: Annie Mole/Flickr (cc-by-2.0)

List der Unvernunft, oder: Wie sich die „Big Five“ selbst aus dem E-Book-Markt katapultieren

unit-sales-trend-20160110Haben sich die großen US-Verlage mit übertriebenem E-Book-Pricing im Kindle Shop selbst um Marktanteile gebracht zugunsten der günstigeren Self Publishing-Titel? Sieht ganz so aus. Die Seattle Times brachte kürzlich eine interessante Analyse zum Thema „Agency Modell“, also der 2014 von den „Big Five“ durchgesetzten Möglichkeit, Endkundenpreise im Kindle Store selbst zu bestimmen und dies nicht mehr — wie zuvor — Amazon zu überlassen („Wholesale-Modell“).

Print wiederbelebt, E-Books gekillt

Mittlerweile berichteten große Publisher wie Hachette, so die Seattle Times, nicht nur von schrumpfenden Umsatzanteilen von E-Books, sondern auch über neues Wachstum bei Print: die Kunden kaufen in vielen Fällen angesichts hoher Digital Preise dann doch lieber die gedruckte Version.

Auch der „Gesamtmarkt“ für E-Books schrumpft, dokumentierte zuletzt der Branchenverband „Association of American Publishers“ (AAP) — doch diese Zahlen für 2015 betreffen wohlgemerkt nur klassische Verlagstitel. Amazon — in den USA bei weitem der wichtigste Marktplatz für elektronische Bücher — verzeichnet starkes Umsatzwachstum bei E-Books aus firmeneigenen Imprints wie auch Self-Publishing-Titeln.

E-Book-Markt hat sich um 180 Grad gedreht

Das hohe E-Book-Pricing der „Big Five“ von Hachette bis Simon & Schuster habe letztlich dazu geführt, die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, so die Seattle Times unter Berufung auf Hugh Howeys aktuelle Marktanalyse auf dem „Author Earnings“-Blog.

Dort liest man nämlich: „Die Big Five verkaufen jetzt weniger als ein Viertel aller E-Books auf Amazon, während die Indies stramm auf einen Anteil von 45 Prozent zumarschieren.“ („The Big 5 now account for less than a quarter of ebook purchases on Amazon, while indies are closing in on 45%“).

Ein klassischer Fall von „We told you so!“

Was mal wieder zeigt: selbst wenn Amazon auf die Wünsche der traditionellen Verlage eingeht (vgl. Kopierschutz & die Closed-Shop-Problematik), heißt der Gewinner am Ende dann doch wieder Amazon. Weil’s dabei um die üblichen beratungsresistenten Verdächtigen geht, darf man hier wohl getrost auch von der „List der Unvernunft“ sprechen…

„E-Books überschreiten Schwelle zur Marktrelevanz“ – Börsenverein legt aktuelle Zahlen vor

Der Marktanteil von E-Books in Deutschland wächst rasant – seit 2010 hat er sich glatt verdoppelt, meldet der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Das Wachstum findet jedoch von niedrigem Niveau aus statt. Die gedruckten Bücher in Deutschland dürfen somit immer noch behaupten: „Wir sind die 99 Prozent“. Denn E-Books (ohne Fach- und Schulbücher) haben erst jetzt ein Prozent Marktanteil erreicht. Für Börsenvereins-Vorsteher Alexander Skipis haben E-Books damit immerhin „die Schwelle zur Marktrelevanz überschritten“. Ein Zeichen für das Erreichen des Mainstreams sei auch, dass der E-Book-Markt „älter, weiblicher und viellesender“ werde, ergänzt Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises elektronisches Publizieren. Bleibt nur ein Problem: den „derzeitigen Rückstand auf dem Markt kompensieren“ können E-Books in Deutschland nicht, so Börsenvereins-Vorsteher Skipis. Der Gesamtumsatz im deutschen Buchhandel sank nämlich um 1,4 Prozent.

„Geringe E-Book-Nachfrage“ im Buchhandel?

Besonderen Nachholbedarf beim Verkauf von E-Books und E-Readern hat naturgemäß der stationäre Buchhandel: hier dümpelt der Umsatzanteil auch weiterhin im niedrigen einstelligen Bereich. Als Begründung dafür wird die geringe Nachfrage angeführt. Weitaus besser bei der Erzeugung von Nachfrage scheinen dagegen die großen Portale zu sein: aktuellen GfK-Zahlen zufolge hat Amazon hierzulande inzwischen 1,6 Millionen Kindle-Reader absetzen können, Weltbild soll immerhin mehrere hunderttausend Lesegeräte unter das Volk gebracht haben. „Der Durchbruch für das E-Book kam im Weihnachtsgeschäft. Und im Januar und Februar ist das Geschäft ohne den sonst üblichen Rückgang auf diesem hohen Niveau weitergelaufen“, so Weltbild-Geschäftführer Driever kürzlich gegenüber dem Focus.

Viele Titel noch immer nicht elektronisch lieferbar

Überhaupt konnte der Online-Handel 2011 laut Börsenverein mit fünf Prozent ein sattes Plus verzeichnen, doch auch das Direktgeschäft von Verlagen nahm leicht zu. Ingesamt haben beide Vertriebsformen inzwischen einen Marktanteil von knapp einem Drittel. Ein wichtiges Standbein dürften im Online-Geschäft dabei in Zukunft elektronische Bücher ausmachen: so erwarten die Verlage nicht umsonst für 2015 einen durchschnittlichen Umsatzanteil der E-Books von 17 Prozent. Bis dahin müssen sie allerdings noch ihre Hausaufgaben machen. Denn nur 42 Prozent der Neuerscheinungen sind bisher als E-Book erhältlich, die Backlist ist erst zu 30 Prozent elektronisch lieferbar. Mal ganz abgesehen vom übertriebenen Pricing – nach Wahrnehmung des Börsenvereins sind Bücher insgesamt sogar immer noch viel zu billig.

Abb.: Flickr/carolitajohnson