Bitkom-Studie: Zahl der E-Book-Leser stagniert – liegt’s am erhöhten Mehrwertsteuer-Satz?

jeder-vierte-deutsche-liest-ebooksSind es die hohen Preise von traditionell verlegten E-Books? Liegt es an der fehlenden Haptik? Am miesen Layout? Jedenfalls dümpelt die Zahl der bekennenden Digitalbuch-Leser zwischen Aachen und Zittau seit 2014 bei 24 bis 25 Prozent der Bevölkerung, meldet der IT-Branchenverband Bitkom im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Ein paar Veränderungen hat die aktuelle Umfrage im Bitkom-Auftrag aber schon messen können. So nennt das E-lesende Bevölkerungsviertel in diesem Jahr erstmals als wichtigstes Lesegerät den klassischen E-Reader (46 Prozent) knapp vor Smartphone (41 Prozent) und weit vor dem Tablet (24 Prozent).

E-Ink inklusive: Nutzer setzen auf mehrere Lesegeräte

Wobei die meisten Befragten aber erklärtermaßen synchron auf mehreren Geräten schmökern. Was im Umkehrschluss auf eine interessante Tatsache verweist: obwohl theoretisch eigentlich jeder Smartphone-Besitzer E-Books lesen könnte, scheint die reale Bereitschaft zur elektronischen Lektüre stark davon abzuhängen, ob man einen E-Reader besitzt oder nicht.

Wer mehr E-Leser möchte, muss also auch weiterhin möglichst viele E-Ink-Displays unter die Leute bringen – eine Strategie, die z.B. mit besonders günstigen Basis-Modellen arbeiten kann. Ein besonderes Potential schlummert dabei immer noch bei der Generation Ü-50: während ein Drittel der jungen Leser elektronisch schmökert, sind es bei den Älteren bis 65 nur 23 Prozent, bei den Senioren mit mehr als 65 Jahren sogar nur schlappe 7 Prozent.

Generation Ü 50 hat höchsten E-Book-Nachholbedarf

Ob für die E-Book-aversen Senioren auch das Pricing eine Rolle spielt? Unattraktiv hohe Kosten — u.a. verursacht durch den erhöhten Mehrwertsteuersatz auf E-Books — macht jedenfalls die Bitkom-Studie für die Stagnation mitverantwortlich. Insgesamt wohl eher zu unrecht, denn schließlich werden E-Books von Self-Publishern trotzdem zu sehr niedrigen Preisen angeboten, und viele Verlage bepreisen ihre E-Books bewusst so nah wie möglich an den Print-Versionen.

Außerdem gibt es ja weitere Alternativen, um an günstige Lektüre zu kommen — laut Bitkom-Studie leiht jeder vierte E-Book-Leser sich Titel in öffentlichen Bibliotheken aus, 13 Prozent sind schon bei Flatrate-Anbietern wie Skoobe unterwegs, und 14 Prozent lesen Gratis-E-Books.

Digital hat Potential: Jeder vierte liest E-Books – jeder zweite kann es sich vorstellen

jeder-vierte-liest-ebooksIm Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wurden mal wieder zahlreiche aktuelle Statistiken zum Thema E-Book vorgestellt – besonders interessant ist dabei eine Meldung der Bitkom: dem IT-Branchenverband zufolge lesen bereits 25 Prozent der Bundesbürger digitale Bücher, und mehr als ein Drittel derjenigen (35 Prozent), die es bisher noch nicht tun, können sich ebenfalls vorstellen, E-Books zu konsumieren.

Nutzer sind nicht automatisch auch Käufer

Das klingt nach viel Potential: Schaffen es Buchhändler und Bibliothekare, auch diejenigen zu motivieren, die bisher noch abwarten, aber grundsätzlich dem neuen Medium gegenüber aufgeschlossen sind, könnte zukünftig sogar jeder zweite Bundesbürger zur Population der E-Leser gehören. Ob sie tatsächlich auch zu den E-Book-Käufern gehören oder sich sogar einen E-Reader anschaffen, ist natürlich ein ganz andere Frage…

Zahl der E-Book-Nutzer wächst nur noch langsam

Kleines Problem dabei ist ohnehin: E-Books sind zwar schon jetzt „fester Bestandteil der digitalen Medienwelt und erreichen ein Massenpublikum“, wie es Bitkom-Vize Achim Berg ausdrückt. Doch zugleich fällt auf, dass die Zahl der aktiven E-Book-Nutzer in Deutschland nur noch sehr langsam steigt, in den letzten 12 Monaten gab es lediglich einen Zuwachs um einen Prozentpunkt auf die jetzt gemeldeten 25 Prozent.

Senioren lesen kaum E-Books

Bei den 14 bis 29jährigen sind bereits ein Drittel (32 Prozent) vom neuen Medium überzeugt und konsumieren ihre Lektüre auch digital, auch bei den 30 bis 64 jährigen ist der Anteil noch ähnlich hoch. Doch in der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt die Nutzung mit 11 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Was wohl auch daran liegt, dass die häufigsten Lesegeräte Laptop (41 Prozent) und Smartphone (38 Prozent) sind, die vor allem von Jüngeren eingesetzt werden.

Einen dedizierten E-Ink-Reader nutzt dagegen nur ein Drittel der Leser. Und aus dieser Nische kommt das klassische Lesegerät wohl auch nicht mehr heraus: Nach Bitkom-Prognosen werden im laufenden Jahr 25,6 Millionen Smartphones und 7,7 Millionen Tablets, aber nur 600.000 E-Reader in Deutschland verkauft.

Flatrates als neuer Wachstumstreiber?

Neue Attraktivität könnte das elektronische Lesen durch Kauf-Alternativen wie Onleihe oder kommerzielle Flatrates erhalten: Bereits die Hälfte der befragten Leser macht von solchen Möglichkeiten Gebrauch, sowohl die E-Book-Ausleihe aus Bibliotheken wie auch Abo-Modelle à la Kindle Unlimited oder Skoobe verzeichnen starke Zuwächse.

Abb.: David Goehring (cc-by-2.0)