Oasis, Epos, Saga & Co.: E-Reading-Roundup zur Frankfurter Buchmesse

buchmesse-ereading-roundupPünktlich zur Buchmesse erscheinen nicht nur Bücher, sondern auch neue E-Reader & E-Book-Abos. In diesem Oktober legen die großen Anbieter sich mächtig ins Zeug: Amazon Deutschland bringt mit der zweiten Generation des Kindle Oasis eine überarbeitete Version des High-End-Lesegerätes an den Start, wasserdicht, mit hochauflösenden 7-Zoll-Display (300ppi) und Audio-Features (Bluetooth-Schnittstelle für Kopfhörer/Boxen, Audible-Anbindung). Das nur 194 Gramm leichte Gerät hat eine Rückseite aus Aluminium und kann dank Schnelllade-Funktion in zwei Stunden aufgeladen werden. Sofern E-Book- und Hörbuchversion eines Titels bereitstehen, kann man nahtlos von der Lektüre zur Audioversion wechseln. Das neue Gerät wird in zwei Versionen angeboten: mit 8 GB Speicher kostet es 230 Euro, mit 32 GB Speicher zahlt man 260 Euro bzw. 320 Euro (WLAN/3G).

Tolino Epos trifft Tolino Select

Die Tolino-Allianz schafft ebenfalls mehr Platz auf dem Display: mit dem Tolino Epos dürfen die deutschen Buchhändler nun mit einen fast acht Zoll (7,8 Zoll) großen E-Reader auftrumpfen, die Auflösung beträgt 1872×1404 Pixel (entspricht 300ppi). Das 260 Gramm leichte Gerät hat 6 GB Speicher und kommt mit SmartLight-Feature, d.h. die „Farbtemperatur“ wird dank warmweißen und kaltweißen LEDs automatisch je nach Tages- oder Nachtzeit angepasst. Wie zuvor der Tolino Vision 4 HD ist auch das neueste Modell der Tolino-Allianz dank Nanoversiegelung wasserdicht. Für nie versiegenden Lesestoff sorgt nicht nur die Möglichkeit, via Onleihe ausgeliehene E-Books auf dem Epos zu lesen — zeitgleich zur Reader-Premiere ist auch das neue E-Book-Abo „Tolino Select“ gestartet. Monat für Monat stellen die Tolino-Kuratoren vierzig Titel zur Auswahl, von denen man bis zu vier ausleihen kann.

Legimi bringt E-Book-Abo auf Pocketbook Lux

Ein Reader-Angebot komplett mit E-Book-Abo (bzw. umgekehrt) macht derzeit Pocketbook in Kooperation mit dem polnischen Unternehmen Legimi: wer für monatlich 17,99 Euro ein Zwei-Jahres-Abo für die E-Book- & Hörbuch-Flatrate abschließt, erhält den PocketBook Touch Lux 3 mit vorinstallierter Legimi-App „kostenlos“ dazu. Sind Titel sowohl als E-Book wie als Hörbuch verfügbar, kann man nahtlos hin- und herwechseln. Auch nicht schlecht: Für einen Euro mehr, also 18,99 Euro pro Monat erhält man statt Touch Lux 3 den „offenen“ Android-Reader InkBook Prime.

Bookchoice lindert die Qual der Wahl

Unlimitierter Zugang zu Millionen Büchern (im Fall von Legimi: zehntausenden) wollen E-Book-Abos in der Regel bieten, überfordern damit viele Leser, Stichwort: Paradox of Choice. Nicht nur die Tolino Allianz setzt deswegen auf Limitierung und Kuratierung. Die niederländische Plattform Bookchoice stellt ihren Kunden monatlich werden den Kunden acht ausgewählte E-Books und Hörbücher zur Auswahl. Seit Oktober ist Bookchoice nun auch für deutsche Leser nutzbar.

Aus Nolim wird Saga: Lesen wie in Frankreich

Last not least: Nur sechs Zoll, dafür aber ausgefeiltes Design mit integriertem Cover bietet der neue Bookeen Saga, die Deutschland-Version des in Frankreich populären „Nolim“-Readers. Technisch mag der 6-Zoller nichts neues bieten, dafür soll ihn die äußere Form „buchähnlicher“ machen und durch die neue Haptik & Optik neue Leser für das E-Reading begeistern.

All you can read im Aufwind: Jeder zweite deutsche E-Leser nutzt Flatrate-Abos (laut GfK)

jeder-zweite-liest-mit-flatrateE-Book-Flatrates sind längst zum Millionenmarkt geworden: alleine im ersten Halbjahr 2015 gaben die Deutschen dafür 30 Millionen Euro aus – das meldet die GfK im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Im E-Book-Einzelverkauf wurden dagegen 95 Millionen Euro investiert, 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit betragen die Ausgaben der Konsumenten für „All-you-can-read“-Angebote immerhin bereits ein Drittel der normalen E-Book-Käufe.

Wer leiht, kauft deutlich weniger

Zu den E-Book-Konsumenten zählt die GfK mittlerweile 2,9 Millionen Deutsche ab 10 Jahren, zugleich beziehen aber auch bereits 1,4 Millionen Deutsche ihre Lektüre über digitale Abos, wobei hier Onleihe in Bibliotheken und monatliche Flatrate-Modelle zusammengerechnet wurden (einer aktuellen Bitkom-Umfrage zufolge nutzen 32 Prozent der E-Leser die Onleihe, 19 Prozent kommerzielle Flatrates). Die Nutzer dieser Modelle sind offenbar stark auf das Ausleihen fokussiert. Laut GfK kauften mehr als die Hälfte der Abonnenten in diesem Zeitraum keine Bücher mehr – weder gedruckte noch E-Books.

Männlich, mittelalt, gut gebildet

Abo-Leser sind im Unterschied zum sonstigen Buchmarkt etwas jünger und etwas männlicher als der Durchschnitt: 56 Prozent der Flatrate-Nutzer sind Männer im Alter zwischen 20 und 49 Jahren. Auch interessant: die Sparfüchse unter den Viellesern sollen überdurchnittlich gebildet, finanziell gut situiert und eher urban verortet sein. Basis der Analyse ist das GfK Media*Scope, eine kontinuierliche Befragung von ca. 25.000 deutschen Konsumenten zu ihren Einkäufen u.a. im Bereich Medien (Musik, Games, Kino, Video, Bücher).

Video-Flatrate toppt E-Books & Musik

Apropos Multimedia: insgesamt wurden für digitale Flatrates im ersten Halbjahr 2015 satte 200 Millionen Euro ausgegeben, E-Books werden also von anderen Säulen wie Musik und Video deutlich übertrumpft. Dabei ist Bewegtbild der größte Umsatztreiber: Knapp die Hälfte der Ausgaben entfällt hier auf den Bereich Video, am meisten profitieren davon große Anbieter wie Amazon, Netflix oder Maxdome.

Abb.: Tim RT (cc-by-2.0)

ReadPetite: das Spotify für E-Book-Singles setzt auf kuratierte Inhalte

Trotz seiner bald 74 Jahre ist Tim Waterstone immer noch proaktiv, vor allem wenn’s darum geht, Literatur unters Volk zu bringen. Letzter Beweis dafür: das Projekt ReadPetite. Unter diesem Namen startet im Herbst 2013 eine neue E-Book-Plattform für Kurztexte bis 9.000 Zeichen. Vorstandchef wird nicht ganz zufällig ein gewisser Tim W., Gründer von Waterstones, Großbritanniens größter Buchhandelskette. Besonderer Clou bei ReadPetite ist das Spotify-ähnliche Flatratekonzept – für ein paar Pfund pro Monat bekommt der Leser unbegrenzten Zugang zu allen literarischen E-Singles. Neben klassischen Shortstories und Essays soll das Programm von ReadPetite auch journalistische Reportagen umfassen. Vorgestellt wird das Konzept erstmals auf der nächste Woche stattfindenden London Book Fair.

„Wir garantieren qualitativ hochwertige Texte“

In der Chefetage von ReadPetite werden neben Kapitalgeber Tim Waterstone weitere „Bookpeople“ sitzen: neben dem Literaturagenten Peter Cox und dem Berater Martyn Daniels, den beiden eigentlichen Gründern, ist mit Neill Denny auch der Ex-Herausgeber des Branchenmagazins „The Bookseller“ dabei. Besonderen Wert legt ReadPetite auf ein verlegerisches Konzept, es geht nicht um Masse, sondern um Klasse: „Die inviduelle Kurzgeschichte, oder um was immer es sich bei dem jeweiligen Text handelt, mag noch unveröffentlicht sein, aber der Autor muss etabliert sein und schon etwas publiziert haben“, so Waterstone in einem längeren Interview mit dem Guardian. Und fügt wohl mit Blick auf manche Self-Publishing-Plattformen hinzu: „Der Dreh- und Angelpunkt ist es, zu verhindern, dass sich ein Berg von minderwertigen Material anhäuft. Wir können qualitativ hochwertige Werke garantieren“.

Abo-Modelle für E-Book-Singles gibt’s schon

Ganz neu ist die Idee eines Abo-Modells für E-Book-Singles natürlich nicht, in den USA experimentieren bereits Plattformen wie Atavist oder Byliner mit Flatrates für Shorties, und mit Electric Literature existiert sogar ein angesehenes iPad-Magazin zum Abonnieren. Eine vergleichbare Plattform in Großbritannien fehlt bisher jedoch noch – obwohl das elektronische Lesen dort schon deutlich populärer ist als auf dem europäischen Kontinent: der Marktanteil von E-Books liegt im Vereinigten Königreich bereits bei knapp 10 Prozent, gegenüber knapp 3 Prozent etwa in Deutschland.

Das dürfte auch ReadPetite genügend Spielraum geben. „Im Bereich der Short Fiction wurde vieles bisher dem Publikum vorenthalten, denn für die Verleger lohnte sich der Aufwand nicht“, so Waterstone. Dank E-Books seien die Kosten für Produktion und Distribution nun aber deutlich gesunken. Genug Geld – und auch Zeit – hat der prominente ReadPetite-Investor aber ohnehin, denn seine Buchhandelskette wurde längst weiterverkauft. Inzwischen gehört Waterstones dem russischen Oligarchen Alexander Mamut, und paktiert sogar mit Amazon: in den Filialen werden seit 2012 sogar Kindle-Reader angeboten.

Abb.: Screenshot