Deutschlands heimlicher E-Book-Bestseller: „Letale Dosis“ von Krimi-Autor Andreas Franz

letale-dosis-e-book-bestseller-andreas-franz-krimi„Letale Dosis“ heißt Deutschlands heimlicher E-Book-Bestseller. Denn als Mediacontrol jetzt erstmals ein repräsentatives Top 5-Ranking für elektronische Bücher vorstellte, stand Andreas Franz‘ bereits 2002 im Print erschiener Krimi überraschenderweise auf Platz eins. Laut Klappentext geht es um „rätselhafte Mordfälle mit exotischen Giften“ innerhalb einer Frankfurter Kirchengemeinde. Das Mordmotiv lässt allerdings aufhorchen – ausgelöst wurden die Taten offenbar durch einen Fall von sexuellem Missbrauch. Die neu gewonne Aktualität des Themas und ein strategisch niedriger E-Book-Preis von 4,99 Euro katapultierten „Letale Dosis“ in kurzer Zeit an die Spitze der deutschen E-Book-Charts.

Vom Serienmord zur Krimiserie: Mit „Jung, blond, tot“ fing alles an

Serienmörder und Krimiserien passen offenbar gut zusammen. Bestseller-Autor Andreas Franz hat in den letzten fünfzehn Jahren jedenfalls zwei Dutzend Titel in drei verschiedenen Reihen produziert. Mit „Jung, blond, tot“ (1996) fing alles an – Franz schuf für sein bei Droemer Knaur erschienenes Debut die Figur der Frankfurter Kommissarin Julia Durant. Dazu kamen im Laufe der Zeit das Offenbacher Ermittler-Duo Peter Brandt & Elvira Klein, und schließlich die Kieler Kollegen Sören Henning und Lisa Santos. Interessant sind aber nicht nur die Ermittler, sondern auch die Täter. Bereits „Jung, blond, tot“ zählte das Lexikon der Kriminalliteratur „zu den besten deutschen Psychopathenkrimis des Jahres“. Doch auch der folgende Julia Durant-Band mit dem Titel „Das 8. Opfer“ sparte nicht an Serienkiller-Ästhetik – in diesem Fall biblische Motive, etwa das Zeichen „666“ auf der Stirn der Toten. In „Letale Dosis“ geht’s, wie der Titel ja schon nahe legt, um Giftmorde. Schauplatz ist eine hessische Gemeinde namens „Kirche der Elohim“. Die gibt es natürlich nicht wirklich: „Ich habe für diesen Roman bewusst eine fiktive Kirchengemeinschaft gewählt“, so Franz zu dieser Konstruktion, „denn es wäre unfair, eine einzelne Kirche hervorzuheben.“

Auch in der Krimi-Realität behindern kirchliche Hierarchien die Aufklärung des Verbrechens

Das Bedürfnis nach Distanz zur Realität ist verständlich. Denn bereits auf den ersten Seiten erfährt man etwas über das Motiv, das hinter der Mordserie stecken könnte: es geht um sexuellen Mißbrauch von Kindern. Damit verbunden sind zugleich auch die langfristigen Folgen, die das Vertuschen und Leugnen solcher Übergriffe am Ende haben kann. Wie oft auch in der Realität verhindern zunächst aber einmal Verflechtungen von kirchlichen und staatlichen Hierarchien, Vetternwirtschaft und Korruption die Aufklärung des Falles. „Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, die gerade in den oberen Schichten zunehmend krimineller wird“, so Andreas Franz selbst über seine zwischen Realismus und Pessimismus schwankende Perspektive. „Letale Dosis“ erschien gedruckt erstmals 2002 und war in den Auslagen schon etwas weiter nach hinten gerückt. Angesichts der gegenwärtigen Missbrauchsdebatte innerhalb der katholischen Kirche hat das Thema offenbar neue Aktualität gewonnen – worauf wohl auch der Verlag Droemer Knaur spekuliert hat. Denn als E-Book gibt’s „Letale Dosis“ seit Mai 2010 für günstige 4,99 Euro, während die übrigen Krimis von Andreas Franz nicht unter 8,99 Euro auf das E-Reader-Display kommen. Die Kombination zeigte Wirkung: im ersten Mediacontrol-Ranking für den deutschen E-Book-Markt stieß „Letale Dosis“ sogar Stieg Larssons „Millenium-Trilogie“ von der Siegertreppe.

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Andreas Franz,
Letale Dosis (2002/2010)
E-Book (Droemer Knaur) 4,99 Euro
Paperback (Droemer Knaur) 9,95 Euro

[e-book-review] Freiheitskampf als Live-Hack: Cory Doctorows Post-9/11-Roman „Little Brother“ in deutscher Übersetzung

Little-Brother-Cory-Doctorow E-Bestseller E-Book.gifDer Held heißt W1n5t0n, seine Waffe: ein klandestines Netzwerk aus gehackten X-Boxes. Sein Feind: die amerikanische Heimatschutzbehörde, die San Francisco nach einem Terroranschlag in einen Polizeistaat verwandelt. „Little Brother“ schlägt zurück – in Cory Doctorows gleichnamigem Roman bekommt es der Große Bruder mit Teenager-Hackern zu tun, die nicht nur Passwörter knacken können, sondern vom Flashmob bis zur virtuellen Pressekonferenz die neuen Medien für sich nutzen. Denkt man Themen wie „Vorratsdatenspeicherung“, „Bundestrojaner“ und „Netzsperren“, bringt Rowohlt die deutsche Fassung von „Little Brother“ genau zum richtigen Zeitpunkt heraus.

Von Orwells Held Winston Smith zum X-Box-Hacker w1n5t0n

Cory Doctorow ist wohl jemand, den man getrost als „Geek“ oder „Nerd“ bezeichnen kann. Oder auch ganz einfach als „Digital Native“. Die Karriere des kanadischen Sci-Fi-Autors, Boing-Boing Bloggers und Journalisten wäre ohne Computer und Internet kaum vorstellbar. Zugleich ist Doctorow aber auch ein moderner Bürgerrechtler – mit und in den neuen Medien kämpft er nicht nur für besseren Datenschutz, sondern gegen Digital Rights Management. Viele seiner Sci-Fi-Romane sind auch sehr praktisch ein Plädoyer für Kreativität und Freiheit – Doctorow veröffentlicht die elektronischen Versionen unter einer Creative Commons Lizenz. Little Brother gibt es im Internet bereits in zahlreichen E-Book-Formaten zum kostenlosen Download. Den Verkaufszahlen der Printversion hat diese Strategie nicht geschadet – ganz im Gegenteil. Kurz nach dem Erscheinen im Sommer 2008 war das Buch bereits in den Top Ten der New York Times-Bestsellerliste, Abteilung Kinderbücher. Die deutsche Ausgabe bringt nun Rowohlt in der Jugendbuchreihe „Rotfuchs“ heraus – auch sie dürfte Bestseller-Potential besitzen. Doctorow hat mit dem siebzehnjährigen Helden der Geschichte eine universelle Identifikationsfigur geschaffen.

Ich gehe in die Oberstufe der Cesar Chavez High im sonnigen Mission-Viertel von SF, und das macht mich zu einem der meistüberwachten Menschen der Welt. Ich heiße Marcus Yallow, aber zu der Zeit, als diese Geschichte losging, lief ich unter w1n5t0n. Gesprochen: „Winston“.

Winston hieß der Held aus Orwells „1984“. Als Orwell in den Vierziger Jahren seinen „Großen Bruder“ entwarf, gab es im Alltag noch gar keine Computer. In der Welt von W1n5t0n sind sie allgegenwärtig geworden – Kameras erkennen die Menschen an ihrem Gesicht oder an ihrem Gang, Funkchips in Ausweisen ermöglichen flächendeckende Bewegungsprofile, und die Schul-Laptops senden jeden Mausklick und jedes geschriebene Wort an die Behörden weiter. Doch „Little Brother“ hat gegenüber dem literarischen Vorbild einen deutlichen Vorteil: er ist nicht nur begeisterter Online-Gamer, sondern auch ein technisch versierter Hacker.

Little Brother vs. Big Brother: Aufstand der Gamer-Generation

Little-Brother-Cory-Doctorow E-Bestseller E-Book Rowohlt.gifMarcus und seine Freunde nutzen ihr Technik-Wissen, um sich die „kleinen Fluchten“ des Alltags zu gönnen: während des Unterrichts heimlich im Internet surfen, einen Online-Chat führen, unerkannt das Schulgelände verlassen, um in den Straßen der Großstadt ein ARG (Alternate Reality Game) zu spielen, eine Art digitaler Schnitzeljagd. Doch als ein Terroranschlag San Francisco erschüttert, dem tausenden Menschen zum Opfer fallen, wird aus dem Spiel plötzlich Ernst. „Little Brother“ ist ein typisches Beispiel für Post-9/11-Fiction – wieder einmal schlägt die Stunde der Exekutive, in diesem Fall in Gestalt der Heimatschutzbehörde. In San Francisco herrscht der Ausnahmezustand. Marcus und seine Freunde werden als Terror-Verdächtige auf einer Gefängnisinsel interniert, die bald im Volksmund „Gitmo-by-the-bay“ genannt wird. Erst nachdem er sämtliche Passwörter für Handy, Mail-Accounts und Internet-Server preisgibt, wird Marcus wieder auf freien Fuß gesetzt. Andere Kids, wie etwa Marcus‘ bester Freund Darryl, kehren aus dem neuen Gulag-System nicht mehr zurück. Doch auch Marcus bleibt im Visier der Heimatschutzbehörde. Sein PC wird verwanzt, und er gerät er aufgrund seines Nahverkehrs-Bewegungsmusters in Polizeikontrollen. Ähnlich geht es vielen anderen Jugendlichen. Um die überwachungsfreie Kommunikation zu ermöglichen, startet Marcus ein alternatives Datennetz namens X-net. Als Software dient das fiktive Betriebssystem „Paranoid Linux“, das für anonymes und abhörsicheres Surfen in autoritären Staaten wie Syrien oder China entworfen wurde. Als Hardware nutzen die X-net-Aktivisten gehackte X-Boxes von Microsoft. Fertig ist Gemeinschaft aus „Little Brothers“. Der Aufstand der Gamer-Generation hat bei allem Ernst tatsächlich auch etwas verspieltes – doch für die Erwachsenenwelt bedeutet er zunächst einmal eins: Chaos. Die lückenlose Überwachung wird gestört, Datensätze auf Funkchips werden ausgetauscht, immer mehr Bürger geraten in Polizeikontrollen. Doch das System schlägt zurück. Die Polizeitruppen werden aufgestockt, das X-Net wird mit V-Leuten infiltriert, die gleichgeschaltete Presse brandmarkt die Aktivisten als Terror-Sympathisanten. Schließlich steht Marcus vor der schwierigsten Wahl seines Lebens – soll er eine erneute Verhaftung riskieren, vielleicht sogar Folter und Tod, oder besser mit seiner Freundin Ange aus San Francisco fliehen?

“Trau keinem über 25“: Die Exzesse des Sicherheitsstaates lösen in „Little Brother“ einen Generationenkonflikt aus

Doctorow hat „Little Brother“ zwischen Mai und Juli 2007 zu Papier gebracht, besser gesagt, in sein Netbook getippt, als wäre er selbst ein 17-jähriger Hacker. „There were days when I wrote 10.000 words, hunching over my keyboard in airports, on subways, in taxis – anywhere I could type“, schreibt er im Vorwort der englischsprachigen Ausgabe. Parallelen zwischen Marcus „Winston“ Yallow und Doctorow dürften wohl kaum zufällig sein: Doctorow, Jahrgang 1971, war schon als Teenager ein Technik-Enthusiast – besonders begeistert von den Möglichkeiten, über digitale Netzwerke politische Arbeit zu organisieren. „Little Brother“ ist zugleich aber eine Reaktion darauf, dass in der Welt nach dem 11. September Internet und PC wieder jenen Orwellschen Touch bekommen, den früher einmal die „Elektronische Datenverarbeitung“ hatte: „The 17 year olds I know understand to a nicety just how dangerous a computer can be. The authoritarian nightmare of the 1960s has come home for them. The seductive little boxes on their desks and in their pockets watch their every move, corral them in, systematically depriving them of those new freedoms I had enjoyed and made such good use of in my young adulthood.“ Die Exzesse des Sicherheitsstaates lösen in „Little Brother“ einen Generationenkonflikt aus – die Jugendlichen fühlen sich von den Erwachsenen zunehmend eingeengt und verfolgt. Am Ende lautet die Parole dann: „Trau keinem über 25“. Dabei betreffen selbstverständlich Maßnahmen wie Online-Durchsuchungen, rigider Kopierschutz oder Netzsperren die Erwachsenen genauso. Doctorows Zuspitzung auf eine jugendliche Zielgruppe hat aber zugleich auch viel mit der gesellschaftlichen Realität zu tun – schließlich werden etwa Online-Games, Facebook oder Musik-Downloads vor allem von der Generation U 25 genutzt. Es ist somit vor allem ihr Leben, das mit der zunehmenden Kontrolle des Internets durch staatliche Instanzen an Qualität verliert – in den USA genauso wie in Europa. Nicht jeder Teenager, der einen Firefox-Browser, Filesharing-Sites oder eine gehackte X-Box nutzt, wird sich bisher als Digital Rights-Aktivist oder sogar als Bürgerrechtler gesehen haben. Die Lektüre von „Little Brother“ könnte das jedoch verändern…

Zur aktiven Doctorow-Lektüre könnte auch gehören, auf den Kauf des E-Books zu verzichten

Im Grunde genommen beginnt der Lernprozess sogar schon vor der Lektüre. Denn Doctorows Romane gibt es schließlich nicht nur als kommerzielle Print-Titel, sondern in verschiedenen digitalen Varianten auch kostenlos im Internet. Nicht nur auf englisch, sondern auch auf deutsch. Möglich macht das die Veröffentlichung des Originals unter der Creative Commons Lizenz. Eine kostenlose, DRM-freie Übersetzung von Christian Woehrl kann man sich somit umsonst herunterladen, etwa im epub oder pdf-Format. Für die deutsche Taschenbuchausgabe, übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn, muss man dagegen 14,95 Euro hinblättern. Für die kommerzielle E-Book-Version sind sogar noch fünf Cent mehr zu berappen. Dank DRM-Schutz wird man mit der elektronischen Version genau das nicht machen können, was für Doctorow selbst für das A und O von digitalen Büchern hält: man kann „Little Brother“ in dieser Form weder weitergeben noch verändern. Aber auch so trägt ja letztlich die deutsche Ausgabe zu Doctorows ureigenem Anliegen bei. „This book is meant to be part of the conversation about what an information society means: does it mean total control, or unheard-of liberty? It’s not just a noun, it’s a verb, it’s something you do“, heißt es im Vorwort der englischen E-Book-Ausgabe. Zur aktiven Doctorow-Lektüre könnte in Deutschland also auch gehören, auf den Kauf des E-Books zu verzichten.

doctorow e-book bestseller little brother.jpgCory Doctorow,
Little Brother (März 2010)
Rowohlt Paperback, 512 Seiten, 14,95 Euro
E-Book: Rowohlt Digital (epub), 14,99 Euro

[e-book-review] „Marke Eigenbau“, made in USA – Cory Doctorows „Makers“ ist Open Source-Sci-Fi

Makers Doctorow E-Book Bestseller Machine to build everthing.gif„Makers“ heißt der neue Sci-Fi-Roman von Boing-Boing-Blogger Cory Doctorow. Die Cyberpunk-Story über das Amerika der nahen Zukunft liest sich fast wie die Romanform von „Marke Eigenbau“. Wie es sich für einen Digital-Rights-Aktivist gehört, gibt es die E-Book-Version von Doctorows Roman als kostenlosen Download im Netz. „Makers“ macht seinem Namen alle Ehre: Die Creative Commons-Lizenz erlaubt nämlich sogar die Veränderung der Story.

Geld verdienen mit „abstrusen Fantasien von Web-Kommunisten“?

Aus der Sicht des Springer-Vorstandschefs Döpfner wäre so jemand wie Cory Doctorow wohl einer jener „verirrten Web-Kommunisten mit abstrusen Fantasien„. Einer von jenen, die nicht einsehen wollen, das Qualität auch im Netz immer etwas kosten muss. Muss es? Der kanadische Star-Blogger hat einen Weg gefunden, gegen DRM-Beschränkungen bei E-Books zu protestieren und gleichzeitig noch Geld damit zu verdienen. Der Mitgründer von BoingBoing.net ist nämlich ganz einfach selbst zum Romanautor geworden – und nutzt für seine Sci-Fi-Geschichten den Gratis-Download als Marketing-Instrument. Bereits das 2003 veröffentlichte „Down and out in the Magic Kingdom“ stellte der Digital Rights-Aktivist unter einer Creative Commons-Lizenz, die in diesem Fall nicht nur die Weitergabe, sondern auch die Veränderung ermöglichte: „The license agreement
gives you even more rights than you get to a regular book. Every word of it is a gift, not a confiscation. Enjoy“, fordert Doctorow seine Leser auf. Die haben sich daran gehalten und produzierten nicht nur verschiedene Übersetzungen und eine Audio-Version, sondern spannen die Story sogar in einer Art Fan-Fiction weiter. Im Gegenzug verlangte Doctorow von den Nutzern: „Read the book. Tell your friends. Review it on Amazon or at your local bookseller“. Auch diese Rechnung scheint aufzugehen – mit der Hardcover- und Paperpackausgabe konnte er erstaunlich hohe Umsätze erzielen.

„It will make dotcom look like a warmup for the main show“

Vor allem die Kombination Blogger & Autor scheint sich zu lohnen: Mit dem Roman „Little Brother“ schaffte Doctorow es im letzten Jahr sogar bis auf Platz acht der NYT-Bestsellerliste. Ging es bei „Little Brother“ um das Thema Terrorismus und Einschränkung der Bürgerrechte, so steht im aktuellen Roman „Makers“ ein neues Wirtschaftsmodell im Vordergrund – eine industrielle Revolution, die sozusagen in einer Bastler-Garage ihren Anfang nimmt. Gleich nach der nächsten US-Finanzkrise kauft ein britischer Investor namens Kettlewell die Reste von Kodak und Duracell auf. Mit Gadgets wie einem 3-D-Druckers, einer Art „Machine to build everything“, entwickelt von den Tüftler-Nerds Lester & Perry, soll das gesamte Wirtschaftsleben umgekrempelt werden. Wenn man so will, ist „Makers“ die Romanversion von Holm Friebes „Marke Eigenbau“ – schließlich kann mit dieser Maschine jeder Konsument zum Produzenten werden. „It will make dotcom look like a warm up for the main show“, verspricht Investor Kettlewell nicht umsonst – und plant, beim Startup KodaCell überhaupt nur noch Bastler-Genies einzustellen. Schließlich gibt es noch genug andere Ideen, die man nur umsetzen müsste:

„Jeder mäßig begabte Profi kann heutzutage alles mögliche zusammenbauen, ohne große Kosten. Nur hat niemand darüber nachgedacht, alle Konstrukteure zu einem Netzwerk zusammenzufassen, und ihnen ein ganz bestimmtes Ziel zu geben“.

Die eigentliche Heldin der Geschichte ist aber (wen wundert’s) eine Bloggerin namens Suzanne Church, die von Anfang an für die Netz-Community über das „KodaCell“-Projekt berichtet.

Kann der 3-D-Drucker auch eine Kalaschnikow ausdrucken?

Wie (fast) jede Revolution wird auch die Verwirklichung der schönen neuen Arbeitswelt bald von den Kräften der Reaktion gehörig ausgebremst – im zweiten Teil des Romans tritt nämlich der scheinbar übermächtigen Disney-Konzerns als böser Business-Troll auf. Neben Hollywood spielt Disney auch sonst eine wichtige Rolle in den Doctorowschen Zukunftswelten. In „Makers“ kann die Corporation die Gerichte davon überzeugen, dass mit dem 3-D-Drucker auch AK-47-Sturmgewehre für die Urban Guerilla in den amerikanischen Vorstädten produziert werden können – ein echtes Killer-Argument. Wer wissen will, ob die Garagen-Hacker es im dritten und letzten Teil von „Makers“ doch noch schaffen, den kulturindustriellen Komplex zu besiegen, dem bleiben verschiedene Alternativen: Doctorow selbst bietet Plaintext, PDF- und HTML-Versionen zum kostenlosen Download an. Weitere Links auf der Download-Seite verweisen auf „Fan-Conversions“, darunter epub-, Mobi-, Kindle- und weitere Formate. In die Audio-Book-Version, gelesen von Bernadette Dunne, kann man bei Random House hineinhören. Die Paperback-Version kostet bei Amazon 15,95 Euro.

[e-book-review] Öko-Terror made by Nature – Frank Schätzings „Schwarm“

E-Bestseller epub E-Book Frank Schätzing Schwarm_Pixelio_Huldi.jpgFrank Schätzing schrieb schon zahlreiche Krimis mit historischem oder politischem Hintergrund – doch zum Bestseller wurde erst „Schwarm“. Nun ist der Öko-Thriller als E-Book lieferbar, und Schätzing-Fans müssen auch unterwegs nicht darauf verzichten. Die elektronische Version war immerhin schneller als das Kino: Inzwischen ist „Schwarm“ zwar zum Drehbuch geworden – der Kinostart ist aber erst für Ende 2010 geplant. Von den Lesern umschwärmt bleibt der Buchstaben-„Schwarm“ allemal: Die E-Book-Version hält sich tapfer auf Platz 1 der Libri-Bestsellerliste.

Schätzings Bestseller gibt dem Öko-Thriller eine neue Dimension: die Natur wird zum intelligenten Gegner

Schaut man sich an, welche Literaturpreise Frank Schätzings Bestseller „Schwarm“ eingeheimst hat, weiß man fast schon, worum es geht: Deutscher Science-Fiction Preis, Deutscher Krimipreis, und dann noch der sogenannte „Stein im Brett“-Preis der Deutschen Geowissenschaftler. Es ist ein Thriller, in dem die Natur eine Hauptrolle spielt – doch nicht passiv, sondern äußerst aktiv. Seltsame Ereignisse häufen sich: Wal-Attacken, giftige Quallen, Kampf-Muscheln, und nicht zuletzt Flutwellen und Treibhausgas-Eruptionen machen den Menschen zu schaffen. Doch wo ist der Täter? Zu den in Amerika beliebten Bedrohungsszenarien gehört der sogenannte „Öko-Terrorismus“. So nach dem Motto „green is the new red“. Star-Autoren wie Tom Clancy („Rainbow Six„) oder Micheal Crichton („State of Fear„) haben sich schon vor einiger Zeit damit beschäftigt. Bei Schätzing geht es jedoch nicht um eine normale Verschwörung – denn hinter den Umwelt-Attacken stehen keine radikale Putztruppe. Die andere Alternative – Stichwort Sci-Fi – wären natürlich böse Außerirdische. So ist es dann auch, zumindest fast. Denn Schätzing hat den Ursprung des Angriffs auf die Menschheit in ein unbekanntes Universum der etwas anderen Art verlegt, nämlich in die Tiefsee.

Gelingt es den Wissenschaftlern, mit der „Schwarm-Intelligenz“ zu kommunizieren?

Der Grund des Ozeans ist eine gute Wahl: Der Mensch war zwar schon auf dem Mond, aber ein paar Meilen unter dem Meer gibt es noch eine ganze Terra incognita. So kommt es zur unheimlichen Begegnung der Dritten Art. Eine intelligente Macht aus einzelligen Lebewesen wehrt sich gegen den Menschen, der durch die Verschmutzung der Meere die Lebensgrundlage der uralten Spezies bedroht. Die US-Militärs wollen mit der gallertartigen Masse der „Yrr“ getauften Wesen kurzen Prozeß machen, ein Team aus Wissenschaftlern dagegen – darunter eine SETI-Forscherin – versucht das Unmögliche. Gibt es vielleicht einen Weg, mit der Schwarm-Intelligenz zu kommunizieren? Schätzing hat wie immer die wissenschaftlichen Grundlagen sehr gut recherchiert – diesmal waren seine Meeresforschungen sogar so tiefschürfend, dass gleich noch ein Sachbuch hinterherkam – „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“. Länger als der Roman ist dieser Streifzug durch die „Geschichte der Erde und der Meere von ‚Vorgestern‘ bis ‚Übermorgen‘ trotz seiner 600 Seiten nicht, denn der Schwarm bringt es auf mehr als 900 Seiten. Aber keine Panik! Der gelernte Kommunikationswissenschaftler Schätzing sorgt schon dafür, dass der „Schwarm“ bis zum Ende ein „Pageturner“ bleibt.

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Frank Schätzing,Der Schwarm (Fischer Verlag 2009)
Preis: 9,99 Euro (epub-Version),
auch erhältlich als Hörbuch-CD / Hörbuch-Download

Frank Schätzing E-Book Nachrichten aus einem unbekannten Universum Bestseller.jpg
Frank Schätzing,Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere (Fischer Verlag 2009)
Preis: 9,99 Euro (epub-Version),
auch erhältlich als Hörbuch-CD / Hörbuch-Download

Bild: Pixelio/Huldi

Gutenbergs Rache? Kaum ein Bestseller in Deutschland als E-Book erhältlich

E-Books sind in Deutschland in aller Munde. Doch wer einen Bestseller in digitaler Form lesen möchten, stellt oft fest: es gibt nur die Print-Version. Unter den Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste Belletristik finden sich nur zwei Titel, die auch im epub-Format erhältlich sind: Bis(s) zum Ende der Nacht und Bis(s) zum Abendrot . Somit ist zwar der digitale Tinten-Durst der LeserInnen von Stephenie Meyers Vampir-Romanen gestillt. Doch wer Sarah Kuttners Mängelexemplar, Charlotte Roches Feuchtgebiete oder Judith Hermanns Erzählungsband Alice ganz spontan downloaden möchte, dem bleibt nur das Hörbuch. Denn praktisch jeden Bestseller-Roman gibt es nicht nur als CD, sondern auch online als MP3. Magere Ergebnisse in Sachen elektronischer Bücher dagegen auch bei der Focus-Sachbuchliste. Nur zwei Titel sind als E-Book erschienen: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? von Richard Precht sowie Außer Dienst von Altkanzler Helmut Schmidt. Woran liegts? (mehr …)