Schlagwort-Archiv: Dumont

everkuendung-bundesgesetze-digital

Projekt „eVerkündung“: Bundesgesetze treten bald digital in Kraft – die gedruckte Fassung ist nicht mehr nötig

everkuendung-bundesgesetze-digitalPreisfrage: Wann tritt ein Bundesgesetz in Kraft? Wenn es vom Bundestag beschlossen wurde? Nein. Wenn es vom Bundespräsidenten unterzeichnet wurde? Nein. Erst, wenn es „im Bundesgesetzblatte verkündet“ wird — so will es Artikel 82 des Grundgesetzes (es war übrigens der erste Gesetzestext, der im Bundesgesetzblatt verkündet wurde…). Mit anderen Worten: ein Gesetz muss auf Papier gedruckt vorliegen. Jedenfalls bisher. „Gesetze und Verordnungen verkünden wir künftig uneingeschränkt digital“, prophezeite nämlich Bundesjustizministerin Katarina Barley kurz vor Weihnachten gegenüber der FAZ. Das elektronische Bundesgesetzblatt werde demnächst „die einzig verbindliche Fassung von Gesetzen und Verordnungen beinhalten“, so Barley weiter. Auf einer neuen Online-Plattform könnten dann alle BürgerInnen „kosten- und barrierefrei auf amtlich verkündete Gesetze und Verordnungen im Bundesgesetzblatt zugreifen“.

Dumont-Verlag verliert Veröffentlichungs-Privileg

Bisher geht das nur eingeschränkt, denn seit der Privatisierung des Bundesgesetzblattes im Jahr 2006 verdient der Dumont-Verlag recht gut daran, durchsuchbare, kopierbare und ausdruckbare PDF-Versionen von Gesetzen zur Verfügung zu stellen — denn solche Features erhalten nur Abonnenten, die mindestens 100 Euro pro Jahr zahlen. Merkwürdig eigentlich, denn Gesetze sind laut Gesetz gemeinfrei, genießen also keinen Urheberrechtsschutz (der Dumont-Verlag beruft sich allerdings auf eine Sonderregelung, die Datenbanken betrifft). Deswegen hat die Stiftung OpenKnowledgeFoundation vor einiger Zeit das Recht in eigene Hände genommen und veröffentlicht unter offenegesetze.de die Vollversion von Gesetzestexten in der im Bundesgesetzblatt veröffentlichten Fassung.

Open Knowledge Stiftung prescht voran

„Zentrale Dokumente der Demokratie müssen offen für alle bereitstehen. Das Urheberrecht darf der Demokratie nicht im Wege stehen“, so die Macher des Portals, das Anfang Dezember 2018 an den Start ging. Das hat nun offenbar das Bundesjustizministerium unter Zugzwang gesetzt, zumindest relativ. Denn die benutzerfreundliche, kostenlose und vollumfängliche „eVerkündung“ der Bundesgesetze – in vielen Bundesländern bei Landesgesetzen schon realisiert — soll erst ab dem 1. Januar 2022 funktionieren, also in drei Jahren. Und ganz klar scheint auch noch nicht zu sein, ob das dann eine Bundesbehörde übernimmt, oder wieder ein Unternehmen.

dtv-verzichtet-auf-drm

Wasserzeichen als Ausstiegsdroge: dtv sagt tschüss zu hartem DRM

dtv-verzichtet-auf-drmEs gibt sie noch, die E-Book-News aus der Rubrik Zeichen und Wunder – auf dem Verlagsportal dtv.de kann man z.B. seit heute lesen: „Ab dem 1. Mai 2015 ist unser gesamtes eBook-Programm nicht mehr mit dem harten Kopierschutz (DRM) versehen, sondern trägt ein Wasserzeichen“. Nach Dumont verzichtet mit dtv damit binnen kurzem ein weiterer großer deutscher Verlag auf rigides Digital Rights Management à la Adobe Digital Editions.

„Erwerb und Nutzung von E-Books erleichtern“

Man reagiere „nach einer gründlichen Prüfungsphase auf die sich zuspitzende Diskussion im Handel“, so dtv’s Digital-Chefin Carmen Udina gegenüber dem Börsenblatt. Mit dem Umstieg aufs Wasserzeichen wolle der Verlag „den Erwerb und die Nutzung von E-Books erleichtern und den Kundensupport auf Seiten der Handelspartner minimieren“. Erst Anfang des Jahres hatte sogar Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller gefordert: „Der harte Kopierschutz muss weg!“.

Startup-Verlage verzichten komplett auf DRM

Man hätte es natürlich auch schon etwas länger wissen können. Gerade kleine Startup-Digitalverlage wie Mikrotext oder Dotbooks haben von Anfang an komplett auf Kopierschutz verzichtet, und zwar ganz bewusst. Dotbooks-Lektor Dennis Schmolk etwa wusste schon 2013 im E-Book-News-Interview: „DRM ist eine Einstiegshürde, die gerade technisch weniger versierte Kunden abschreckt“. Eine wesentliche Erkenntnis in der Branche sei: „Neunzig Prozent aller Supportvorfälle sind DRM-bedingt“.

Auch der Buchhandel ist mit DRM unzufrieden

Nicht zuletzt der Buchhandel ist ebenfalls seit langem unglücklich über DRM. Gegenüber Buchreport bestätigte Heinrich Riethmüller, neben dem Börsenvereins-Amt auch Osiander-Geschäftsführer erst kürzlich: „Bei Osiander beschäftigen sich zwei bis drei Mitarbeiter ausschließlich damit, am Telefon Kunden beim Download zu beraten. Bei anderen Händlern sieht es wohl nicht anders aus.“

Das Wasserzeichen – digitales Methadon?

Ganz ohne naiven Schutzzauber kommt die traditionelle Branche aber offenbar immer noch nicht aus – das zeigen die Beispiele dtv und Dumont: in beiden Fällen wird mit dem digitalen Wasserzeichen auf eine Art Ausstiegsdroge gesetzt. Das mag zwar nicht ganz so teuer sein wie etwa die Nutzung von Adobe Digital Editions, verringert aber ebenfalls die E-Book-Marge. Und schützt gegen E-Book-Piraterie genausowenig wie hartes DRM.