[Aktuelles Stichwort] E-Book-Piraterie – Fluch oder Segen für die Buchbranche?


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E-Book-Piraterie bezeichnet die illegale Verbreitung urheberrechtlich geschützter elektronischer Bücher im Internet, insbesondere über >>Download-Plattformen und Tausch->>Foren, als Technik zur dezentralen Distribution werden dabei in der Regel >>BitTorrents genutzt. Von E-Book-Piraterie betroffen sind vor allem klassische Verlage, in zunehmendem Maße allerdings auch Selfpublisher.

Kein Teil von E-Book-Piraterie ist etwa die kostenlose Verbreitung von >>gemeinfreien Werken (vgl. auch: >>„Public Domain“), deren Schutzfristen abgelaufen sind, wie auch die Verbreitung von Werken im Rahmen von nicht-exklusiven Lizenzen (vgl. >>Creative Commons).

Das deutsche >>Urheberrecht schützt digital veröffentlichte Werke grundsätzlich im selben Maß wie gedruckte Werke vor nicht autorisierter Verbreitung. Zusätzlichen Schutz sollen technische Maßnahmen bieten, die das Anfertigen von Kopien verhindern (>>Digital Rights Management/DRM). In der Praxis sind sie jedoch wirkungslos, da alle bisherigen DRM-Standards umgangen werden können und bereits eine einzige DRM-freie Kopie ausreicht, um einen Titel über Download-Plattformen weltweit zu verbreiten.

Ähnlich wie zuvor im Musik-Business haben Raubkopien die Nachfrage nach aktuellem digitalem Lesestoff bereits befriedigt, bevor legale Kopien überhaupt im Umlauf waren, insbesondere in den Jahren vor 2010, als Verlage sich gegenüber E-Publishing noch abwartend verhielten. Die Digitalisierung gedruckter Bücher durch die E-Book-Piraten fand dabei mit Hilfe der selben Scanner-Technik und >>OCR-Software statt, die mittlerweile auch von Verlagen zur nachträglichen Digitalisierung von älteren >>Backlist-Titeln genutzt wird.

Der im Bereich immaterieller Güter eigentlich irreführende Begriff Piraterie wird einerseits von der Content-Industrie als politischer Kampfbegriff benutzt (vgl. auch den Begriff Raubkopie), um gesetzliche Maßnahmen zur lückenlosen Überwachung des Datenverkehrs und zur konsequenten Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen durchzusetzen, andererseits bezeichnen sich aber auch die Copyrightgegner selbst als Piraten, um damit an die Debatte um Sharing-Kultur und digitale Gemeingüter anzuknüpfen.

Auch wenn das Verleihen, Verschenken oder Wiederverkaufen von E-Books (>>First-Sale-Doktrin) bisher eher unüblich ist, betrifft der Kauf (bzw. bezahlte >>Download) von neuen E-Books en detail ähnlich wie bei gedruckten Büchern nur einen vergleichsweise kleineren Teil der Text-Zirkulation, da sich neben dem Bereich gemeinfreier Klassiker oder creative-commons lizensierten E-Books etwa mit Onleihe und Flatrates zahlreiche neue Nutzungsarten bzw. Geschäftsmodelle etablieren.

Die ökonomischen Auswirkungen von E-Book-Piraterie (>>Ersatzrate) lassen sich nur schwer beziffern, da gerade Vielleser, die Download-Plattformen nutzen, oft parallel zu den besten Kunden legaler Online-Buchhändler gehören, und unbekanntere Autoren in punkto >>Discoverability vom kostenlosen Angebot ihrer Titel durchaus profitieren.

Teilweise kooperieren unabhängige Autoren mit Download-Plattformen, um ihren Titeln eine höherer Reichweite zu ermöglichen, manche Download-Plattformen bieten zu diesem Zweck auch spezielle Promotion-Möglichkeiten an.

Literaturhinweis:

Matt Mason, The Pirate’s Dilemma. How Youth Culture Reinvented Capitalism (2008), E-Book-Download via thepiratesdilemma.com (Pay-what-you-want).


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