[e-book-review] Das Geld von morgen, das sind wir alle (Dominic Frisby: Bitcoins – The Future of Money?)

Wir leben alle in ei’m kolossal’n Roman. Manchmal entpuppt sich dieser Roman auch als ein Wirtschafts-Thriller. Die Erfolgsgeschichte der Krypto-Währung Bitcoins, erzählt von Dominic Frisby in seinem neuen Buch „Bitcoins – The Future of Money?“, hat jedenfalls alle Elemente eines finanzpolitischen Hacker-Märchens: eine Horde Pizza-verschlingender „Cypherpunks“, angeführt von einen ebenso genialen wie mysteriös-anonymen Mastermind mit japanischem Namen, deutscher E-Mail-Adresse und britischem Akzent, eine globale Wirtschafts- und Kapitalismuskrise, geheime Haupt- und Staatsaktionen, Drogen-Kriminalität, rauschhafte Renditen,anschließende Abstürze an die Nullinie. Und am Horizont der Silberstreif einer völlig neuen, erstmals wirklich globalen Finanzordnung: dezentral, transparent, hierarchiefrei, allen Menschen zugänglich, auch jenseits der Industriestaaten.

Disruptions-Faktor wie E-Mail oder Internet?

Doch all das ist mitnichten Fiktion, die erste erfolgreiche virtuelle Währung ist seit 2008 Teil unserer Realität. In jenem Jahr veröffentliche ein gewisser Satoshi Nakamoto ein digitales Whitepaper mit dem Titel: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ – und startete kurz darauf ein gleichnamiges Projekt auf der Open Source-Plattform Sourceforge. Unbeachtet von der Öffentlichkeit beginnen die ersten Anwender, nach Nakamotos Vorgaben Bitcoins zu errechnen und untereinander zu tauschen, die zunächst überhaupt keinen realen Wert besitzen. Fünf Jahre später ist ein Bitcoin zeitweise so viel Wert wie eine Feinunze Gold, das Bitcoin-Netzwerk zählt hunderttausende Mitglieder, der Wert der stündlichen Transaktionen toppt den von klassischen Finanzdienstleistern wie Western Union.

„If Bitcoins changes the way we transact and the way we store wealth – and it has the potential to do this – the repercussions could be enormous. Think what email did to the postal service, or what the internet did to newspapers, publishing, music and television“, schreibt Frisby, übrigens nicht nur als Wirtschaftsjournalist unterwegs, sondern auch als Comedian. Damit den Bitcoin-Nutzern nicht das Lachen vergeht, bleiben nicht nur Banken, sondern auch staatliche Akteure bei der dezentral organisierten Währung aus dem Spiel: „In Math we Trust“ ist das alleinige Motto – die Menge der Bitcoins ist begrenzt, um inflationäre Währungspolitik zu verhindern, statt auf die Integrität von Finanzdienstleistern zu hoffen wird auf den unwiderlegbaren mathematischen Beweis („Proof“) gesetzt.

Satoshi Nakamoto auf der Spur

Während das Bitcoin-Prinzip keine Rätsel aufwirft, sondern sehr transparent erscheint (Frisby gibt sich viel Mühe, die Grundlagen auch für Laien verständlich zu machen) blieb Bitcoin-Erfinder Nakamoto dagegen bisher ein Mysterium. Gibt es ihn überhaupt – oder verbergen sich wie bei Anonymous oder Dread Pirate Robert verschiedene Personen hinter dieser Charaktermaske? Frisby widmet etwa ein Drittel des Buches dieser Frage, und tischt in diesem Rahmen auch eine sehr plausibel erscheinende These auf (die ich hier aber nicht verraten möchte). Ebenso plausibel scheinen die Gründe für das Verschwinden des oder der Nakamotos zu sein: zeitlich fällt das Abtauchen mit dem Wikileaks-Skandal zusammen. Als alternative, schwer zu kontrollierende Finanzierungsquelle drohte die noch junge Krypto-Währung in das Fadenkreuz der US-Regierung zu geraten.

Inzwischen scheinen sich Paranoia wie auch Euphorie rund um Bitcoins und Krypto-Währungen allgemein etwas gelegt zu haben, während zugleich die Zahl der pragmatischen Nutzer kontinuierlich wächst. Zu denen gehört auch Frisby selbst – und gleiches rät er seinen Lesern: Ausprobieren – auf jeden Fall, denn Bitcoins könnten tatsächlich die Zukunft des Geldes sein. Praktische Tipps gibt’s dazu auch. Doch größere Summen investieren? Besser nicht, warnt der Autor. Bitcoins mögen zwar kein Pilotenspiel sein, doch für den Anleger sind sie mindestens so riskant wie die an konventionellen Börsen gehandelten Wertpapiere.

Praxisbeispiel: Crowdpublishing mit Bitcoins

Zu den bereits etablierten Möglichkeiten, Krypto-Geld auszugeben, gehören übrigens nicht zuletzt auch Crowdfunding-Kampagnen in der Buchbranche: so konnte man Frisbys Bitcoin-Buch über die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound im Rahmen einer Pre-Order-Kampagne nicht nur mit britischen Pfund, sondern auch mit Bitcoins bezahlen (siehe dazu das E-Book-News-Interview mit dem Autor). „Bitcoins – The Future of Money“ reiht sich somit ein in eine ganze Galerie von innovativen Buchprojekten der letzten Jahre, die ihre zentrale These bereits durch den erfolgreichen Produktions- und Vermarktungsprozess selbst beweisen – siehe etwa Chris Andersons „Free – The Future of a Radical Price“, Dirk von Gehlens „Eine neue Version ist verfügbar“ oder Markus Albers‘ „Meconomy„.

Hinweis: Der Rezensent gehörte zu den Unterstützern der Pre-Order-Kampagne für „Bitcoins – The Future of Money“ und besitzt derzeit 0,175 Bitcoins.


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
E-Book (Kindle) 5,14 Euro
Taschenbuch (via Amazon.de) 10,40 Euro

Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdpublishings? (Dominic Frisby im Interview)

„Die Dinge stehen so schlecht, dass in unserer Zeit nur ein Komödiant wirklich Sinn schöpfen kann aus einer Ökonomie, die auf dem Druck von Banknoten basiert“, schrieb vor einiger Zeit ein britischer Blogger. Diesen Comedian gibt es tatsächlich – nämlich Dominic Frisby. Zugleich ist Frisby – kein Scherz – aber auch Wirtschaftsjournalist. Perfekte Voraussetzung, um eins der ersten Sachbücher über Bitcoins überhaupt zu schreiben, und die Frage zu stellen: Sieht so die Zukunft des Geldes aus? „Bitcoins – the Future of Money?“ ist gerade frisch erschienen, und auch aus einem anderen Grund ein echter Hingucker: publiziert wurde es nämlich vom Crowdpublishing-Verlag Unbound, der für die Pre-Order-Kampagne erstmals weltweit auch Bitcoin-Zahlungen zuließ. E-Book-News sprach mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings.

E-Book-News: Dass Autoren einen Vorschuss erhalten, ist ja nicht ungewöhnlich – bei „Bitcoin – The Future of Money“ kam der Vorschuss aber von den Lesern, und die Unterstützer können über ihr Unbound-Profil dem Autor sogar beim Schreiben über die Schulter schauen. Wie stark hat das Crowdfunding die Art und Weise Ihrer Arbeit verändert?

Dominic Frisby: Vollkommen. Ich habe noch nie ein Buch bei einem konventionellen Verlag herausgebracht. Ich wusste aber, dass es eine Menge Leute gibt, die meine Arbeit schätzen. Schon mein erstes Buch – „Life after The State“ – konnte mit Hilfe der Crowd schnell finanziert werden, und schon ging’s los. Ich musste nie herumsitzen und auf die Entscheidung eines Verlegers warten. Das ist sehr befreiend. Ich hatte schon in den 1990ern, also vor der Self-Publishing-Revolution, zwei Bücher geschrieben, bekam aber keines von beiden veröffentlicht. Diese Erinnerung wirkt noch fort…

Ein sehr bemerkenswerter Aspekt der Crowdfunding-Kampagne für „Bitcoin – The Future of Money“ war die Möglichkeit, mit Bitcoins zu bezahlen. Inwieweit könnte Crowdfunding in Zukunft durch den Boom der Krypto-Währungen beeinflusst werden?

Ich denke Krypto-Währungen sind der Take-Off-Faktor für Crowdfunding. Eine Menge Projekte sind dadurch ins Rollen gekommen. Krypto-Crowdfunding hat die Bobfahrer aus Jamaika bei den letzten olympischen Winterspielen in die Spur gebracht, ähnlich war es bei den indischen Rennrodlern. Im Bereich Charity wurden auf diese Weise Sanitärtechnik in Afrika finanziert oder Obdachlosen-Arbeit in Nordamerika. Aber auch reguläre Geschäftsideen, Kunst-Projekte, und vieles anderes. Ich habe die Crowdfunding-Kampagne für den Bitcoin-Comic via Swarm unterstützt, das war eins der einfachsten Dinge der Welt. Krypto und Crowdfunding, das geht zusammen wie Milch und Kaffee.

Das Bitcoin-Konzept ist ja ziemlich abstrakt. Aber dann ist da natürlich der legendenumwobene Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto – über den in den Medien sehr viel gerätselt und diskutiert wird. Wie wichtig ist Nakamoto für den Erfolg von Bitcoins?

Sehr wichtig. Er hat eine Sache zum Laufen gebracht, an der viele Leute zwanzig Jahre lang herumprobiert hatten und die beinahe aufgegeben wurde. Satoshi Nakamoto war unglaublich vorausschauend, anscheinend auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zu wissen wer er wirklich ist, scheint mir momentan keine so große Bedeutung mehr zu haben (allerdings meine ich das Puzzle in meinem Buch gelöst zu haben). Viel wichtiger ist, dass er eine wichtige Weichenstellung ausgelöst hat, von den Möglichkeiten her, die er den Menschen eröffnet hat, rangiert Satoshi Nakamoto auf Augenhöhe mit Tim Berners Lee [Erfinder des World Wide Web, A.W.].

Kürzlich hat jemand die Diskussion über Krypto-Währungen mal so zusammengefasst: „So weit, so gut, aber würden wir unserer Großmutter ernsthaft Bitcoins empfehlen“? Was würden Sie tun!?

Ich würde ihr empfehlen, ein Bitcoin-Wallet anzulegen, Bitcoins im Wert von 20 Euro zu kaufen, und mit einer Freundin, die dasselbe tut, die Sache mal auszuprobieren und kleine Beträge hin- und herzuschicken. Dann würde ich ihr empfehlen, in ein angesagtes Café zu gehen und einen Kaffee mit Bitcoins zu bezahlen.
Würde ich ihr empfehlen, größere Geldsummen zu nehmen und damit in Form von Bitcoins zu spekulieren? Nein. Bitcoins sind zur Zeit in der Baisse, ein Bärenmarkt, und können noch sehr viel tiefer fallen (sie könnten natürlich auch wieder steigen). Aber die Großmutter ist zu alt um mit etwas zu spekulieren, dessen Wert sich nochmal um 95 Prozent reduzieren könnte. Die Leute wahren viel zu begeistert von Bitcoins – als Anleger macht mich das nervös.
Was die Bitcoin-Technik an sich – die Blockchain – und ihre Aussichten betrifft – da bin ich aber sehr zuversichtlich. Das wird glaube ich die Welt verändern. Aber die Wertentwicklung von Bitcoins? Da habe ich ein weitaus ambivalenteres Gefühl.

(Die englischsprachige Version des Interviews gibt’s auf auf ebooknews press.)


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
Paperback (via Amazon) 10,50 (ab 1. Nov. 2014)
E-Book (Kindle) 5,14 Euro

Abb.: dominicfrisby.com (c)

Geld 2.0. trifft Subskription 2.0: Erstes Krautpublishing mit Bitcoins erfolgreich

In welcher Währung sollte die Crowdfunding-Kampagne für ein Buch zum Thema Bitcoins laufen? Euro, Dollar, Pfund? Die richtige Antwort gibt die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound: Bitcoins natürlich. Als erstes Buchprojekt weltweit wurde dort nun u.a. mit Bitcoin-Spenden ein Buch zum Thema Bitcoins finanziert – in „Bitcoin – The Future of Money“ macht sich der Autor, Filmemacher und Journalist Dominic Frisby u.a. auf die Spuren von Satoshi Nakamoto, dem legendären Erfinder der Krypto-Währung. Zugleich geht es aber auch darum, Neueinsteigern überhaupt das Thema virtuelles „Geld 2.0“ nahezubringen. Die Rohfassung hat Frisby gerade abgeschlossen, bis Mitte des Jahres soll das fertige Buch erscheinen.

Best-Practice-Beispiel für die gesamte Buchbranche

Das Projekt hat Modellcharakter nicht nur für den Crowdfunding-Sektor allgemein, sondern gerade auch für die Buchbranche. Denn hier trifft sich Geld 2.0 mit Subskription 2.0 – auf diesem Gebiet darf Unbound ohnehin als Vorreiter gelten, schon seit Mitte 2011 finanzieren dort unabhängige Autoren ihre Buchprojekte in Form von Pre-Order-Kampagnen. Und ob Bitcoins oder Crowdfunding, ohne die vernetzte Internet-Crowd geht in beiden Fällen gar nichts. Verbindet man beide Methoden, geht in Zukunft sogar noch deutlich mehr, denn gerade Prosumenten wollen natürlich, dass möglichst wenig Geld für Transaktionsgebühren verbrannt wird. Eine Peer-to-Peer-Währung wie Bitcoin reduziert solche Gebühren dramatisch – denn schließlich funktioniert sie jenseits des normalen Bankensystems.

„Bücher verändern die Welt – Bitcoins auch“

Zum Ausprobieren von Bitcoin-gestütztem Crowdfunding bot sich Unbound natürlich ganz besonders an. Bisher zahlte man auf der Crowdpublishing-Plattform zwar elektronisch, aber mit normalen britischen Pfund. Es war erst die Kampagne für Dominic Frisbys Sachbuchprojekt, die im Februar 2014 den Stein in Richtung Kryptowährung ins Rollen brachte [E-Book-News berichtete]. Als schon in kurzer Zeit etwa 70 Prozent der benötigten Summe zusammengekommen waren, entschied sich das Unbound-Team dann nämlich recht spontan, nun erstmals auch Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren. „Our business is books. Books have the potential to change the world. So does Bitcoin“, heißt es auf dem Unbound-Blog.

Umgerechnet 11.000 Euro gesammelt

Das sorgte offenbar noch mal für zusätzliche Aufmerksamkeit: “Bitcoin – The Future of Money” hat das gesetzte Funding-Ziel nicht nur erreicht, sondern mit 125 Prozent sogar deutlich übererfüllt: mit knapp 300 Vorbestellungen kamen umgerechnet mehr als 11.000 Euro zusammen, ein Teil davon in Form von Kryptogeld-Überweisungen. Wieviele Unterstützer im Verlauf des zweiten Teils der Kampagne tatsächlich mit Bitcoins bezahlt haben und wie groß der Gesamtanteil an der Spendensumme war, wird Unbound ja hoffentlich noch bekannt geben…

Bitcoins unbound: Erste Crowdpublishing-Kampagne mit Krypto-Zahloption startet

Preisfrage: In welcher Währung sollte die Crowdfunding-Kampagne für ein Buch zum Thema Bitcoins laufen? Euro, Dollar, Pfund? Nee, richtig: Bitcoins natürlich. Genau das macht jetzt die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound, ohnehin ein Vorreiter auf dem Gebiet der Subskription 2.0 – schon seit Mitte 2011 sammeln dort unabhängige Autoren (daher der Name: unbound) fleissig Vorbestellungen für ihre Buchprojekte. Bisher zahlte man zwar auch schon elektronisch, aber eben mit „normalem“ Geld. Die aktuelle Kampagne für Dominic Frisbys Sachbuchprojekt „Bitcoin – The Future of Money“ hat nun den Stein in Richtung Kryptowährung ins Rollen gebracht. Als etwa 70 Prozent der benötigten Summe zusammengekommen waren, traf das Unbound-Team eine mutige Entscheidung: die Plattform akzeptiert jetzt auch Zahlungen mit Bitcoins.

„At Unbound we love new ideas. Our business is books. Books have the potential to change the world. So does Bitcoin“, schreibt Kieran Topping dazu auf dem unbound-Blog. Vor allem aber klingt die Kombinaton von Crowdpublishing und Bitcoins nach einer sehr guten Idee – schließlich fallen Transaktionsgebühren bei dieser dezentral organisierten Währung fast komplett weg, und man weiß als Kampagnenunterstützer, dass 99 Prozent der Summe direkt ankommen. „A publishing industry first“, darf sich unbound nun selbst auf die Schulter klopfen – tatsächlich sind Bitcoins in der Buchbranche bisher noch nicht wirklich angekommen. Doch das dürfte sich in Zukunft wohl ändern, auch dank dieser Pionierleistung made in Britain.

Insofern ist Frisbys Buch – ohnehin einer der ersten ernsthaften Bitcoin-Titel überhaupt – eine überaus empfehlenswerte Lektüre gerade auch für Book people, die über den Tellerrand der Branche schauen möchten. In seinem Projekt-Pitch schreibt Frisby: „My new book tells the story of bitcoin. I explain what it is and how it came about. I’ve secured exclusive interviews with some of the key players in bitcoin’s development, including bitcoin’s number 2. I examine some of the mysteries behind bitcoin – Who Is Satoshi Nakamoto? What are Cypherpunks? I explain how it works and consider whether you should you own some and how. And I consider the vast potential economic, political and social implications.“